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Full text of "Monatshefte für Politik und Wehrmacht auch Organ der Gesellschaft für Heereskunde"

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MONATSHEFTE 
FÜR POLITIK UND 

WEHRMACHT 
[AUCH ORGAN DER 
GESELLSCHAFT... 




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Jahrbücher 




deutsche Armee und Marine. 



SL SolxrLSLolgejaLbujcg- 



Achtzigster Band. 

JvU bb September 1891. 



BERLIN a % 

A^erlagr von A.. Batb. 

SahloMfT«ih«t 7. 




ftti die 



Verantwortlich g«]«t«t 



ObentlieateoMit a. D. 



1891. 



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Inhalts-Verzeichnis. 



No. 23&. Haft L JulL 

L DiTiaions-, Corps-, Armee-Artillerie 1 

n. Über die Th&tigkeit and Verwendang der Reiterei im Kriege 

TOD 1866. Von Knn«, Major a. D. (Bcblafa) 44 

HL Das schweizeriache Heerweaen im Jahre 1890 . . . . , . , ß2 

IV. ManOverbetrachttingen 87 

V. BemerkoDgen zn dem im Mai-Heft der Deatachen Rnndschaa er- 
Bchienenen Anfsati: .Maritime TmgachlOsae von Viie-Admiral z. D. 
Batach« . - - 94 

VI. ümachan in dwr Militftr-T.ittflratur : 

L Analändiac ha Zaitarhriftfln . . . , . . . . . , IM 

n. Bflcher na 

III. SftftwMftn ■ ■ ■ ■ - - 12a 

IV. Verzeichnis der zar Beaprechong eingegangenen Bücher 127 

No. 239. Heft 2. Augiwt 

VH. Die Kavallerie im hentigen Kriege 130 

Vin. Taktische Rflckblicke anf die Sohlacht-en des dpnt«flh.frRnafiai«ch<>n 

Krieges mit besonderer Berflckaichtigung der Verwendong der 
Artillerie. (Fortaetzong) 147 

IX. Die Ausbildung des Offizier-Ersatzes der österreichisch-ungarischen 
Armee unter besonderer Berücksichtigung der Militär-Akademie 
»g Wiener -Neustadt. Von le Juge, Hauptmann ond Milit&r - 
lehrer bei der Hanpt-Kadetten-Anstalt 161 

X. Milit&rische Wanderungen im Glel&nde der grofsen rassischen 

Manöver des Jahres 1890 207 

XI. Ein Beitrag zur Geschichte der Truppen Verpflegung in fridericiani- 

scher Zeit . . . . . . . . , . . . . . . . . . . . 215 

XII. Der Wassersport und sein Einflnfa auf die Erziehung der männlichen 

Jagend. Von t. Henk, Yice-Admiral z. D. ....... . 216 

XIII. Bemerkungen zu einem Schiefsversach mit Krupp'achen 24 cm 

Kanonen L/35 in China 828 

TTV. ITmmsliftn in der Militär-Litteratur , 

L AnHl&ndinrhfl Zflitjtf.hriften . . . , . . . . . . . 232 

II. Bücher 239 

m. Seewesen . . , . . , . , . , , , , . .. . ; 248 

rV. VerzeichniB der zur Besprechung eing^ngenen Bücher 260 




496^ 



No. 240. Haft 3. September. 

XY. Die KaTallerie im hentigen Kriege. (Schlafs) 252 

XVI. Taktische Rückblicke aaf die Schlachten des dentgcb-franiösischen 
Krieges mit besonderer Berficksichtigang der Verwendang der 

Artillerie. (Schlüte) 274 

XVII. BeglementariBche Stadien 286 

XVni. Der Spatengebraach in der QffenaiTe 291 

XIX. Übangen der raBsiacben Reichswehr (Opoltgchenije) 306 

XX. Das ..kleinste" Kaliber 822 

XXI. Deatgcher Schiffbau! »30 

XXII. Entgegnang 332 

XXIII. ümschati auf niilittotechnischem Gebiet 336 

3[XIV. Umschau in der Militär- Litt«ratnr: 

1. Ausländische Zgitschriften 352 

II. Bttcher 858 

III. Seewesen 366 

IV. Veneeichnis der znr Beaprechnng eingegangenen Bttcher 372 



L Sivisions-, Corps-, Aimee-Aitilleiie. 



Ob bei einer in Armee-Gorpa gegliederten Armee Divisions- 
nnd Corps- oder nur Divisions-Aitillerie wfinadienewerter sei, ist, 
namentlich in der jüngsten Zeit, za Unganeten der Corpe-Artillerie 
beeproehen worden. Diese Frage muDi dsher snerst in Erwigung 

genommen werden. 

»Im 17. nnd 18. Jahrhundert machte die Schlachtordnung aus 
dem Hei re ein geschlossenes nnd unteilbares Ganzes. Schnitt man 
eine solche Armee in der Mitte ent/wei, so war sie wie ein durch- 
geschnittener Regenwurm.«*) Bei dieser Schlachtordnung finden 
wir die mit leicliteii Geschützen ausgerüstete Artillerie auf die eiii- 
selnen Infanterie-Iiegimenter, ja Bataillone verteilt, um als unmittel- 
bare Bestandteile der Infanterie deren Angriff zu begleiten. Der 
andere, meist schwere Geschütze ftthrende Teil der Artillerie war 
in Batterien vereinigt und diente vorzugsweise zur Einleitung des 
Gefechts und zur Abwehr des feindlichen Angrifis. 

»Es war ein grofser Schritt vorwärts, als man am Ende des 
18. Jahrhunderts darauf kam, dals die Reiterei wohl eben so gut 
die Flügel der Schlachtordnung schützen könne, wenn sie hinter 
der Armee statt in ihrer Verlängerung stände, und sie dauu 
aufserdem noch zu manchem Andern gebraucht werden könne, als 
sich mit der feindlichen Reiterei allein zu duellieren. Dadurch bt- 
stand nun die Armee in ihrer Hauptausdehnun<f (steis die Breite 
ihrer Aufstellung) aus lauter homogenen Gliedern, du- man in ein»- 
beliebige Anzahl Stücke zerlegen konnte, und lauter Stücke erhielt, 
die unter einander und dem Ganzen ähnlich waren; sie lir>rte also 
auf (in Stück zu sein und wurde ein viel gegliedertes Gan/e.s. 
folglich biegsam und gelenkig. Man konnte die Teile ohne l'm- 
stände vom Ganzen trennen und wieder an dasselbe anreihen, es 



•) Clausewitz. I,«'lirf vuin Krifj,'»'. V. Huch ü. Kap. 

i«hrbieh«t (ür die Ueaucbe Armee Bad Maiine. Ud. LXXX., 1 



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8 



DivinoQB-, Corps-, Armee-ArtiUerie. 



blieb stets dieselbe Schlachtordnung. So wurden auch die Corps 
Yon allen Waffen möglich.«*) 

Aus diesem Grunde linden wir, nach xVusscheidung der leichtesten 
und schwersten Geschütz-Kaliber, vom Beginn nnseres Jahrhunderts 
un, die früher den Infanterie-Regimentern zugeteilten Geschütze zu 
Batterien yereinigt und gröfseren Truppenverbänden, den Brigaden, 
später den Divisionen zugeteilt; den anderen Teil der Artillerie aber 
— namentlich seit Napoleon I. — nicht mehr als Armee-Geschüt/.- 
Reserve verwendet, sondern an die einzelnen Armee-Corps, als deren 
Reserre-AYtillerief überwiesen. Der den Brigaden beziehungsweise 
Divisioiieii zugeteilten Artillerie fiel nun die Aufgabe zu, das Gefecht 
eumileiten, zugleich aber muclti den Infanterie-Angriff nach Möglich- 
keit la begleiten nnd Torznbernten« Die Beserfe-ArtiUerie wurde 
erst tor YorbereitQng der BntadieidiiDg eingesetit 

Hentzatage, wo kein Angriff Aussicht auf Gelingen hat, ehe 
die feindKche Artillerie niedergekämpft ist, mnfs die Artillerie 
ihre ganze Kraft schon snr Durchführung dee Artillerie- 
kampfes nnd iwar möglichst frühieitig einsetsen. Ebenso 
müssen an der Vorbereitong des Infanterie-Angriffs so 
viele Batterien, als nnr irgend an ermöglichen ist, teil- 
nehmen. Eine Reserve -Artillerie, im Sinne der ersten Hilfte 
unseres Jahrhunderts, besteht also nicht mehr. Dagegen finden 
wir, da£s nnter den 5 Grolsm^hten des eurcp&ischen Kontinents 
Toranssicbtlieh vier >Divi8ions- nnd Corps-Artillerie« nnd 
blols eine — Rnssland, dem Namen nach ~ nnr Divisions-Artinerie 
im Kriege beaitsen werden. — 

Der Zahl von 6 Geschütien pro Batterie gebührt ans vielen 
bd nns allseitig anerkannten Gründen der Vorzog vor der von 8. 
Die Zusammensetzung der Abteflnng aus 8 Batterien ä 6 C^hützen 
erscheint in unbestrittener Weise als die Entsprechendste. Es be- 
stehen deshalb in Frankreieh nnd seit 1889 auch in Deutschland**) 
nicht Über 8 Batterien starke Gruppen (Abteilungen). 

Die Zusammensetzung der grölseren Artillerie-Yerhande (Regi- 
menter, Brigaden) ist von der Ordre de bataille einer Armee ab- 
h&ngig, Gemäfa der Felddienst- Ordnung von 1887 besteht ein 
deutsches Armee-Corps in der Regel aus 2 Infanterie-Divisionen, 
der Corps -Artillerie, den Mnnitions-Kolonnen und Trains, eine 



•) A. ». 0. 

**) Hit einer efnsigm Anmthme: IL,AbteUinig des grotthenoglieh hMnaeliett 
Fdd-AiliUerie-B^meiiti Nr. SÖ, mit 3 fÜnendea and 1 reitenden Batterie. 



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Dirittious-, Corps-, Armee -Artillerie. 



3 



InCuitorie-IKvisioii 9m 2 lofanteria-Brigaden, emem Kavallerie- 
Regiment (DinnoBS - EaTaQerie) einen Feld - ArtiUeiie - Regiment ' 
(Divinons-ATtnieiie) n. e. w. Hieiaiu efjgpelit ndi, cUJg im Kriege 
jedem In&iiterie-DirieioiiB-CSommandciir 6 Batterien in 2 Abteilongen 
a 3 Batterien nnd jedem kommandierenden General 5 Batterien, 
daranter, — bei der MebnaU der Annee-Corp8| 2 nitende Batterien, 
in 8 Abteiinngen — ntr nnmittelbaien VeilSgnng onteratellt, nnd — 
abweicbend von der Friedena-Organisation, dnieh welefae pro Armee- 
Corps k 2 Infanterie-DiTirionen nnr 2 Feld -Artillerie -Regimenter 
in der Regel vorgweben sind — deren drei vorbanden sein werden. 
Statt den nnr eine Abteilung k 4 Batterien (wenig Aber Vi ^ 
Artillerie des Armee-Goips) starken Dirisions-Artfllerien des Krieges 
1870/71 werden wir in sokfinftigen Kriegen nm 2 Batterien stärkere 
(fast Vs ^ Artilleriekraft des Armee-Corps enthaltende) Dirisione- 
Aztillerien besitaen, welche, dem Befehle eines Regiments- Com- 
mandeuFB nnterstellt, in 2 Abtdlnngen ä 3 Batterien gegliedert sind. 
Die Divisions -Artillerie wird also, nieht nnr dnroh ihre grölsere 
Starke, sondern auch in Folge ihrer fUr den Oebraneh viel ge- 
eigneteren Oliedemng, den Bedürfnissen der Infanterie ihrer Division 
in wesentlich gflnstigerer Weise, als während des Krieges 1870/71, 
• entsprechen können. Auf diesen Umstand mafs bei Erwagnng der 
Folgerungen, welche aus deui Kriege 1870/71 für die Aufhebung 
der Corps-ArtiUerie und fär die Verteil ang der gesamten Artillerie 
eines Armee-Corps an dessen beide Infanterie-Divisionen geltend 
gemacht werden nnd welchen wir nun naher zu treten haben, 
Rücksicht genommen werden. Hierbei gehen wir bis snm Jahre 
18CG zurück. 

Die im Fddxage 1866 gewonnenen Erfahmngen sprachen so 

entschieden gegen eine Armee- Reserve -Artillerie und eine Reserve- 
Artillerie überhaupt, dafs wir 1870 nur bei der französischen Rhein- 
Armee eine Artillerie- Reserve von 16 Batterien a 6 Geschützen, bei 
den preufsischen Armeen aber nnr mehr je 4 Batterien starke 
Divisions- und 5 höchstens 7 Batterien starke Corps-Artillerien, 
mithin selbst den Nameu Reserve -Artillerie, nicht mehr vertreten 
finden. Im KriPG;o 1870/71 wnrde die Corps-Artillerie — nicht nur 
bei allen preufsischen, somkiii :iueh bei den beiden hayerifclion 
Armee-Corps, welche für ilire nicht bei den Infanterie-Divisionen 
eingeteilte Feld -Artillerie noch den Namen Reserve-Artillerie bei- 
behalten liatten — grundsätzlich nicht im Sinne einer Reserve- 
Artillerie verwendet. Dagegen finden wir in ihr den Teil der 
Artillerie des Armee-Corps, über welchen dem kommandierondeu 

1* 



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Division^-, Corps-, Armee -Artillerie. 



General die ünmittelbAre Verfügung gewahrt ist, um deneelbeu nach 
eigenem Ermessen, durch den Brigade-Gommandenr d^ ArtlOerie 
des Armee-Corps, da eiosetcen ta können, wo dieses ffir nötig 
erachtet wird. Durch die Corps-Artillerie ist dem kom- 
mandierenden General das Mittel in die Hand gegeben^ 
die Gefechtskraft derjenigen seiner beiden Infanterie- 
Divisionen steigern sn können, bei welcher derselbe eine 
Verstftrknng ihrer Divisions -Artillerie ffir geboten er- 
achtet. 

Nach Schlols des Krieges 1870/71 wnrde die Organisation der 
deatsehen FeId*ArtiUerie nnr dahin geändert, dafe die seither pro 
Armee-Corps in einem Feld*Artillerie-R^^ent k 15 Batterien ver- 
einigte Division»- and Corps-Artillerie in xwei Regimenter geteilt 
wnrde; eins derselben vereinigte nnn in 2 Abteilnngen ä 4 Batterien 
die für die Infant«rie-Divirionen bestimmte Feld-Artillerie (Divisiona- 
Artillerie), das andere, 3 Abteilungen ä 3 Batterien starke Regiment 
die Corps -Artillerie des Armee-Corps. Hiermit war von der en^ 
scheidenden höchsten Stelle entschieden anerkannt, dafs die im 
Kriege 1870/71 bestandene Einteilnng der Feld -Artillerie in Division»- 
nnd Corps -Artillerie den Anforderungen des Krieges entsprochen 
habe. — Die Zweckmilsigkeit der Einteilung der Feld -Artillerie in * 
Divisions- und Corps-Artillerie wnrde auch in den die Verwendung 
dieser Waffe in der ersten Periode des Krieges 1870/71 auf das 
Eingehendste betrachteuden Arbeiten v. Hoffbauers und Leos 
nie in Frage gestellt. lusbesondm äuJbert sich Leo in seinen 1876 
geschriebenen ScblobbetrachtaDgen über die Schlacht bei Wörth*): 
»In dem ersten Moment ist es die numerische Entwickelung und 
das Zusammenfassen aller Kräfte zu gemeinsamer Thätigkeit, welches 
den Erfolg sichert; in den späteren Momenten aber ist es für das 
Resultat gleichgültig, oh dir- < in<rreifeudcn Batterien oder Abteilungen 
der Coips-Artillerie oder der Divisioos- Artillerie angehören, wenn 
sie nar rechtzeitig und am richtigen Fleck zur Stelle sind.c 
— V. Schell .«spricht sich in seiner ^Rtntlie über die Taktik der 
Feld-Artillerie«:,'^^) angesichts der Thatsacbe, dab nach dem Kriege 
1870/71 Stiuimeu lant geworden sind, welclie im Anscblufis an die 
Gliederung des Armee-Corps in 2 Infanterie-Divisionen auch die 
Teilung der Feld-Artillerie eines Armee-Corps in nur 2 Gruppen, 



*) Die dentaeka ArtOlerie in den SchlAohten und Trefflsn des deatBch« 

fratizösischeu Krieges 1870/71, Heft 2. iVu> Schlacht bei Wdrfb von Leo, S. 118. 
•*) Zweite Anflageb Berlin 1888, S. 47. 



Divisiolu-t Cofp**> Armee 'Artillerie.. 



5 



somit das Forttallen einer Corps-Artillerie befürworten, dahiu aus, 
dafs: >Diesc8 Verl.ui^'en ifi erster Linie und vornehinlicli den Er- 
fahrungen der zweiten l'eriode des Krieges 1R70 71 entsprungen 
sei. In dieser Periode finde man allerdings die ('orjis -Artillerie an 
beide Infanterie-Divisionen verteilt. Während derselben seien aber 
auch die einzelnen Teile des Armee-Corps oft auf weitem Rannie 
— getrennt in Detachenient.s, Brigaden oder Divisionen — so zer- 
.streut gestanden, dafs der taktische Verband des Arniec-('orj>.s uls 
sidches überhaupt aufhörte und die Teilung der Corps-Artillerie 
nur eine naturgeniiifse Folge der Teilung des Armee-Corps wurde. 
Nicht allgemein gültige Zweckniäfsigkeitsgriinde. sondern einzig 
und allein die ganz ulisonderlichen Verhältnisse in jener Periode 
waren es, welche die Mafsregel rechtfertigten und selbst geboten, 
um die mehr oder weniger selhstständig hintjestellten Teile des 
Armee-Corps widerstandsfähiger zu machen. Daraus dürfe aber 
keine allgemeine Regel abgeleitet werden.« 

Für die Aufhebung der Corps-Artillerie war insbesondere auch 
General v. Scherff in seiner »Lehre von der TruppenverwenJung« 
(Band 1, Seite 14!^ und ü'.) eingetreten. Von der Annahme aus- 
gehend, dafs eine Corps-Artillerie nur bo lange eine Berechtigung 
gehabt habe, als man eine Artillerie-Reserve für notwendig erachtete, 
was aber von der neuem Taktik für überflüssig erklärt werde, be- 
fürwortet v. Scherflf die Verteilung der gesamten Artillerie an die 
Infanterie-Divisionen. Zugleich bemerkt (General v. Sdierff, dafs die 
Notwendigkeit des Corps -Verbandes auch nach Abschaflfung der 
Corps-Artillerie bestehen bUnhe und zwar w^en der GiQfie der 
modernen Armeen. Oer Qeneral der Artillerie Prins za Hohenlohe, 
wahrend des Feldsoges 1870 Brigade-Commaodeor der Artillerie des 
Garde-Corps, spricht sich in seinen 1885 — 6 Jahre nach r. Scherflb 
Lehre von dar Trnppenverwendnng — erschienenen »Militärischen 
Briefen «her Feld -Artillerie« Seite 208 and 209 mit aller Ent- 
schiedenheit dahin ans: »Dafs er es taktisoh sehr beklagen 
würde, wenn die Corps -Artillerie abgeschafft wflrde n. s. w. 
Wo der kommandierende General sie einsetst, da anljBert er im 
Verein mit der Dirisions-Artillerie eine drastische Wirkung, die die 
Hanptentaeheidnng Torhereitet. Die Ezistens einer Corps -Artillerie 
weist dacanf hin, die Ariälleriewirknng nicht so Tcnsetteln, sondern 
auf den entscheidenden Punkt zu konzentrieren. Wenn man die 
Corps-Artillerie abschafft, so besteht das Armee-Corps aus zwei 
gleichen Teilen, den Dirisionen. Es hört somit der Corps-Verband 
auf eine Notwendigkeit zu sein. Das Armee-Kommando wird ledig- 



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IKfi«i«n»-, CoTps-k Annce^AvUUerie. 



lieh nach Divisionen clisponioren und man wird den Corps -Verband 
und die General- Kommandos abschatten. Dann erhält mau Armee- 
Divisionen oder kleine Corps von der ungefähren Stärke der jetzigen 
Divisionen. Ob man sich aber dazu entschliefst, istr eine Frage 
der Armeeleitung, der Schlarhtenlonker, nicht der Artillerie.t Jeden- 
falls ist hiermit die Entscheidung über die Frage: »Ob Divisions- 
and Corps -Artillerie oder nur Divisious-ArtiUerie« an die hierzu 
kompetente Stelle verwiesen. 

In Clause witz's noch heute nmstergültiger Lehre vom Kriege 
finden wir (V. Buch, 5. Kap.) daf«: s Mindestens 8, besser bis zu 8, 
aber nicht über 10 Teile die passendste Einteilungszahl für eine 
Armee zu sein scheint. Nur wenn man über 10 Teile (Divisionen) 
erhalten würde, dürfte man Corps-Kommandos einschieben, müfste 
aber dabei wohl bedenken, dafs durch die längere Stufenleiter, die 
in Folge davon der Befehl heruntersteigen mufs, derselbe an Präzision 
und Kraft verliert u. s. w., wenn es gleich die Armeeführung unge- 
mein zu erleichtern scheint, dafs der olicro Führer dann nur 3 oder 
4 Männern zu befehlen hat.« Clausewitz erachtet also die Ein- 
schiebung von Arraee-Corps-Konunaiidos erst bei Armeun, welche 
stärker als etwa 100,000 Mann Infanterie (gleich 4 unserer bestehen- 
den Armee-Corps) sind, für zweckmäfsig. Clausewitz läfst nnerörtert: 
»Ob die Verbindang aller 3 Waffen bei DmsioDen Ton 8000—12,000 
Hann odw \m Goip« von 20,000—30,000 Mann stattfinden solU, 
bemerict jedock: »Dttlt nur diete Yerbindnng die SelbstetSndigkeit 
einer Abteilung antmaoht, and dafe de also fllr solche Abtnlongen, 
die bestimmt sind, sieb im Kriege b&ufig isoliert sn finden, sehr 
wftnscbenswert ist Da nim bauptslehlieh nnr die Glieder der ersten 
Ordnung zu einer getrennten Anfstellnng bestimmt sind — wo sie 
in die Lage Tersetit werden können, ein selbetstindiges Gefecht m 
liefern, — so fordere die Strategie die bleibende Verbindung der 
Waffen nnr fttr die Hanptteile (Corps oder Di-fiaionen) nnd lasse 
noh bei den kleineren Teilen (Brigaden) die augenblickliche Verbindung 
nach dem Bedfiifinis ge&Uen. Ist aber eine sehr grolse Armee in 
Coips geteilt nnd sind diese sehr stark, 30,000—40,000 Mann, so 
werden die Corps selten in dem Falle emer nngeteilten Anfstettuig 
sidi befinden, nnd es wird daher bei so starken Corps eine Ver^ 
bindnng der Waffen in den Divisionen nStig. Die genaoere Vep- 
bindnng der Waffen, wie weit sie gehen, wie inmg sie stattfinden« 
welche VerhSltnisse beobachtet werden, welche Rese r v e von jeder 
Qbrig bleiben soll — Alles das gehört in die Taktik.c — 



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DiTinon»*, Ck>rpft-, Armee-Artillerie. 



7 



Nachdem nun die heutige Taktik zweifellos fordert, dafs die 
Feld-Artillerie ihre gauze Kraft schon zur Durchführung des Artillerie- 
kampfes und zwar möglichst frühzeitig einsetze, ist eine Reserve 
au Feld-Artillciic sicher nicht nötig. Deshalb empfiehlt sieb auch 
bei einer kleineren Armee, für welche die Gliederung in Armee- 
Divisionen angezeigter ist als die in Armee-Corps, ganz entschieden 
die Einteilung ihrer gesamten Feld -Artillerie auf die Armee-DiTiaionen. 
Es bleibt also nur, bezüglich der grofsen Armeen, für welche sich 
die £iinteilung in Armee-Corps mehr empfiehlt als die in Armee* 
DiTisionen, m erwägen, ob Divisions- und Corps -Artillerien oder nnr 
Diyiaonfl-Aiiilleiien nch mehr empfehlen. ^ 

Zu Gwistm der Zveiteilung, also nnr Dmeio&B •Artillerien, 
finden wir in dem die Verteilnng der Artillerie innerlialb des Armee» 
Corps bebaebleiideii, höohsl bseditiuigswertea Anfsais des Milit&r- - 
WocfaenUattes (1890 Nr. 44 und 46) insbesondere aagelfthrt: >L Dab 
' Merdnrdi eine frfilizeitigc Entwiekelung der ArtiUerie, wie sie der 
moderne Artilleriekampf fordert, nnsweifelhaffc mehr begünstigt werde, 
als durch das Aussdieiden einer Corps-Artillerie. — II. Dab die 
Ansseheidnng einer Gorpe-Artillerie bei geplanten Yerteidignngs- 
■cblaefaten eine Notwendigkeit ist, bei geplanten Angrifisicblachten 
wnsscbenswert sein kann, dagegen bei Begegnungsgefechten unbe- 
dingt mehr Nachteile als Vorteile bringt. — III. Im Felde die 
BefeUsf&brung fttr das General-Kommando wesentlich erleichtert 
wird, wenn der kommandierende General seine Befehle nur den 
beiden In&nterie-Dirisionen sukommen zu lassen bat Auch för die 
Unterkunft und Verpflegung u* s. w. der Artillerie weit besser gesorgt 
sein werde, wenn die ganze Artillerie den Divisionen untentellt wird, 
wodurch auch die Mittel des Kriegsschauplatzes weit besser aus- 
genutzt werden können. — IV. Durch Abscbaffbng der Corps- 
Artillerie — als Hanpt?orteil — die engere Verbindung der Artillerie 
mit der Infanterie beraits im Frieden eimögUcht wird, wodurch die 
FAhrung und die taktische Ausbildung der ArtQlerie nur gewinnen 
k3nne.€ 

Unter Anlehnung an diese ner Punkte UeiVt nun zu erwägen: 
ad I. Bestehen nur Dirisions-Artillerien, so wird beim Vormancfa 
eines Armee^llorps auf dner Stalse, bei der zuerst in den Kampf 
tretenden In&nterie-Diyision Vt Artflleriekraft des Armee-Corps 
— 9 — 11 Batterien eingeteilt sein. Ist aber eine Corps -Artillerie 
ausgesdiieden, so kann durch die Truppeneinteilung unschwer er- 
mfiglicht werden, dab sich bei der zuerst in den Kampf tretenden 



8 



DMuma^, Corp»'» AmeeoArtOlerie. 



Teten-Inf.intcrip-Division -/a ijesamtf'ii Artillerie des Armee-Corps 
- — 12 liatterieii — befinden. Bewegt sich also das Armee-Corps 
auf einer Strafsc vor, so wird, wenn in der Marschordnnnn; der 
Tcten-Infanterie-Divisioii, nicht nur deren Divisions -Artillerie, sondern 
auch die dieser folgende Corps-Artillerie (im Sinne der Ziffer 217 
Absatz 2 der Felddienst-Ordnung) so weit vorgenommen ist, als die 
Sicherheit der Artillerie es erlaubt, die frühzeitige Ent Wickelung 
der Artillerie, durch das Vorhandensein einer Corps- 
Artillerie, geradezu begünstigt, und zwar bei einem Be- 
gegnungsgefecht nicht minder als bei dem Angrill auf einen bereits 
entwickelten Feind. — Beim Vormarsch des Armee-Corps auf zwei 
Strafsen folgt die Corjvs -Artillerie in der Kegel einer der beiden 
Infanterie-Divisionen des Armee-Corps und sind deshalb bei einem 
Znsammenstofse mit dem Feinde die Kräfte des Corps — d. h. seiner 
Artillerie — sehr ungleich verteilt. Es mufs zugegeben werden, dafs 
luerhei, wenn die Corps -Artillerie nicht bei der Marschkolonne 
(Infanterie-Division) eingeteilt ist, bei welcher die Hauptmasse der 
Artillerie am zweckmäfsigsten Verwendung finden würde, die be- 
treffende Infanterie-Division in die Lage kommen kann, den ent- 
scheidenden Artillcriekampf bis zum Eintreffen der bei der anderen 
Marschkolonne (Infanterie-Division) eingeteilteB Corps -Artillerie 
binausscbieben zn müssen. ISnem Angriffe der feindlidieii Infanterie 
wird sie mit ihrer eigenen Kraft (13 Bataillone und 6 Batterien) 
begegnen können. Die Zeitdaner, am welehe in diesem Falle der 
Beginn des enteeheidenden ArtiUeriekampfes hinansgeschoben werden 
mnfs, ist von der Entfinmung der beiden Marsöhkolonnen (Infanterie- 
Dirisionen) von einander abhängig. Erst wenn diese Entfemnng 
eine betraehtliche ist, wird das Eintreffen der Corps-Artillerie bei 
der dieselbe bedfirfenden Infanterie-Division, damit aber ingleidi 
aneh das Znsammenwirken der beiden Infanterie-Dirisionen des 
Armee-Corps im Gefeeht, wesentlioh venSgert oder gar in Frage 
gestellt. Blofs in diesen Fällen können wir der Zweiteilung, 
nur Divisions -Artillerien, den Yorang vor der Drei- 
teilung (2 Divisions- nnd 1 Corps -Artillerie) anerkennen. 

Nachdem nun bei einer in Armee-Corps» nicht in Armee- 
Divisionen, gegliederten Armee die MSglichkeit des Znsammenwirkens 
der Divisionen ein und desselben Armee-Corps im Gefechte stets in 
erster Linie im Auge behalten werden mub, und dieses Beetreben 
in Kultorlftudem durch das Wegenetz in den meisten Fällen auch 
begfinttigt wird, werden die Fälle, in welchen die beiden 
Marschkolonnen eines Armee-Corps, in Folge grofiMr Ent- 



•f Covp«^ Annee^AftOlerie. 



9 



fenmng von einander oder zwiichen ifanoo liegendem ungangbaren 
Gelände, nicht im Gefecht insammen wirken können, die 
seltener forkommenden sein. Auch in diesen Fällen wird nur 
dann, wenn nicht mit Sicherheit ermessen werden kann, welche 
Marschkolonne (Tnfanterie-Divisiou) der stärkeren Artilleriekraft, 
also der Zuteilung der Corps-Artillerie, bedarf, die pfloichniärsifte 
Verteilung der Artillerie des Armee-Corps iin dessen beide Marsch- 
kolonnen (Divisionen) vorteilhafter sein, als die Dreiteilung, zwei 
Divisions- und eiuo Corps-Artillcric Treten solche Fälle ein, so 
kann, mittelst der Tnippcnointcilung, ans dor Dreiteilung der 
Artillerie, durch Zuteilung je einer A hti-iluiii,' Corps-Artillerie an 
jede Marschkolonne (Division), unschwer die Zweiteilung er- 
halten werden. 

Die Bercchiirjiing, die Fälle, in welchen sich die gleich mäfsige 
Yei teiliiii!^' der Artillerie eines Armee-Corps an dessen beide In- 
fanterie-Divisionen mehr wie die Ileihelialtung einer Corps-Artillerie 
eiJipHehlt, als Ausnahmef-illo /u be/eichnen, wurde aus foltrendem 
Kückblicke auf die Verlüiltnisse, in welchen sich 31 deutsche Armee- 
Corps an den Tajjen der Schlachten und c^rofseren (lefechte der 
»•rsten Periode des Krieges 1870/71, bei ihrem Eintreteu in den 
Kampf befanden, gewouucn. 



Weifsenburg. 




II. Bajer. A.-C. 
(A.16lr.LAn.) 

y. Preof«^ A.-C. 
(A.18tr.LAn.) 



XI. Preufs. A.-C. 
(A.18tr.i.Aii.) 



4. I.-D. mit alleu (4) Div.- 
Batt 

9. I.-D. mit allCD (4) Div.- 
Bati 

Corps-Artinerie mit 3 Farn. 

bat»., nahezu gleichzeitig 
mit den 3 Orosbatterien 
der 0. I.-P. 

21. I.-D. mit 2 von 4 Ditr.- 
Batt 

Corps -AitQlarie mit S reit. 
Batt 



Von der zwischen beiden Infanteric- 
BifiaiMMB ihrai A.-C. mar»chiren- 
den, 4 Fafii- und 9 teiteiideB 
Batterien starkeu C.-Art. des V. 
uiiil XI. C. könniMi sich Biittericn 
am Kampfe beteiligen, von ilor 
erst am Schlosse des gesamten 
Armee -CoipB manohirenden C.- 
Art 2. Bayer. O. nicht Diertck- 
w&rtigen I nfitnterie • Divisionen 
aller 3 C. kamen nidit tar Tar- 
weodong. 



*) Erklärung der .VTikOrznngen : A.-C. = Armee-Corps, — I.-D. — Infanterie- 
Division. — Cav.-D. =Cavanerie-I)iviBi>in. — l.-Br Infanterie-Brigatlc. — C.-Art. 
= Corps-Artillerie. — Div.-Batt (Art.) = Divisions-Batterie (Artillerie). — A. 1 
(beiw. 3) Str. i. An. mm Anf 1 baiw. 9 Straften im Anmamdi. 



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10 



Difiiioiit-» Coipi-, Afmee-AfÜlkiiB. 



\V6rih. 



Arme« -Corp« 



IL Bayer. A^-C. 
(A.t8tr.LAn.) 



V. Pmb. A.>C. 
(A.18tr.i.An.) 



Xr. Prenfa. A.-C. 
(A.2Str.L An.) 



Et traten in den Kampf 



4. I^D. mit 8 voD 4 Db.- 
Brtt 

Corps - Artillerie mit einer 
ihrer 3 der 4. l.-D. inge- 
teiltcn Batterieo. 

5. I.-Br. der B. I.-D. mit 2 
DimioDB - Batterieo, die 
ihr mgeMUan 8 Bfttt 
der Corps-Art. nicht mehr. 

9. n. lOL L-D. mil gmiBter 
Dir.-Art.G..Art mit ihren 
6 Batt., duimter 8 rei* 
tende. 



Bayer. ... , 
A.lStr.i. An.) 



21 I-D. mit allen (4) Div.- 
Batt. (Frontalangrilf bei 
Gnnstett n. Spachbach). 

22. I.-D., über Elsaashaiuen 
auf Frflidiwilkr, ihr» 4 

Div.-Batt im Anschlösse 
an jene der 21. I.-D. 
(Höhe nördlich Gonatett). 
C.-Art. mit 4 (2 leichten 
and 8 leitendiD) vtn 6 
Batt. «abtald'* im An- 
schlüsse an Art der 21. n. 
22. I.-D., mit 2 (schweren) 
Bat t. erst später. Eine der 
Ictzgeoannten 2 Batt. bei 
EloMhKuen im AueUnb 
an 23. I -D., die andere 
ersetzt nördlich Gunstett 
die der 22. I -D. folgende 
reitende Butttric. 

A. - C. 1. I.-D. mit ihren 4 Dif.- 
Batt. 



Bemerkungen 



BeBtnndte&e der C-Ari. werden 
den I.-D. besw. L-Ar. dorch die 
TmppeneiDteilaag logewieeen. 



Die gesamte ArtiUerie des V. C 
(14 Batt.) entwickelt sich sehr 

rasch in der Reihenfolge : „ Arant- 
gardc-Batt. der 10. I.-D., C.-Art., 
Groö-liatt. der 10. I.-D., Diy.- 
Art der 9. L-D." dem feindUcfaen 
Zentmm gegenfiber; das Com* 
maodo der gesaramten Artillerie 
des V. C. übernahm ihr Brigade- 
('oniraandeor. 

Wird später, unter ad II, nocb 
o&ber betrachtet worden. 



Die C.-Art. wird bei der vom Ober- 
commando der IIL Armee als 
8 L-D. he- 



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DifMont-, Oorpi-, Armee- Artillerie. 



11 



Armee - Corps 


Es traten in den Kampf 




Bemerkungen 


WerdtncliM C. 
(A.18lr.i.AB.) 


Nur: 9, il W.-K.- 
Br. mit 9 fiftti, «oroo 
eine mit dem CafilL^Regl;, 
der 31. L-D. 





Spicheren. 



VII. Preafs. A.-C 
(A. 8 Str. i An.) 



Vin.Preufa.A.-C. 
(A.18tr.LA]i.) 

III. Prenf^;. A.-C. 
(A. 2 Skr. i. An.) 



14. 1.-D., welche bisGoichen- 
bach gehen and eine Avant- 
garde Torschieben sollte, 
wM «nf ihre Meldung 
hin, daaa die feiodHehen 
Stellangen südlich Saar- 
brücken pcriinmt seien, 
vom Gorps-KomiiiKndo er- 
mächtigt (etwa 9 Uhr) 



Die C.-Art., welche der 13 km von 
der 14. I.-Dit. entfert marschi- 
renden 13. I.-D. folgt, gelangt 
oieht aar Tenrandung. (Wird 
am Sehloise dtaes BftekUickw 
niher betraehtet werden). 



handeln, und tritt Tor IS 

T^hr gegen den rothen 
Berg mit 4 Div.-Butt. ins 
Gefecht — Die 13 km 
enttonte, anf PfttUingen 
manehinBdel&L-D.greift 
nrt Abendi mit der Avant« 
garde (26. 1.-Br. and 2 Div.- 
Batt.) in den Kampf ein. 

Nur: Avantgarde der 16. 1.- 
D. {Ul-Rtg. No. 40) mit 
Div.-Batt 

f). I.-D. mit ihren 4 üiv.- 
Batt. und 1 Batt. des 
1. PrenüB. A.-C. 



, I-D. ond C.-Art. gelangen iiidii 
zur Verwendaug. (Wird am 
Schlüsse dieses Rückblickes naher 
betradit«! werden). 



Colombey — Nooilly . 



(A.18tr.iA]i.) 



IS. L>D. mit ihren 4 Divw- 

Batt (2 Gros- Batt. l'/« 
Stunde später als die 2 
Avantgarde-Batt.) — 14. 
I.-D. mit 28. I.-Br. und 
1 DiT.-Bati (iVt Stunde 
später als Gros-^att. der 
13 I.-D ) C.-Art. mit 1 
Vvth- n\u\ 2 reitenden 
Batt. (1 Stunde später als 
Oi«M.Bi^ der la. L>D.) 



ObwoU di« a-Art (4 FoJb- mid 

2 reitende Batt.) weiter vom 
Gofecht.«felde entfernt war (Razon- 
court) alB die 14. l.-D. (Domange- 
ville) greifen 3 ihrer 6 Batterien 
VtStnnde Mherals dieDif^Batt. 
der 14. 1.-D. in den Kampfein. 



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18 



IHvuittBi*, Corp»*, AniM0-Ar(illfliie. 



Armee -Corps I Es traten Jn den Kampf 



Bemerkungen 



1^ KemerK 



L Preob. A.-C. 
(A.8Btr.i.Aii.) 



1. I.-D.(Chai]a8ee von Saar- Dio Zeiten des Eingreifens der 



IX. Pinif,. A.-r. 
(A.lStr.i.Au.) 



brücken) mit ihren 4 Div - 
liatt., davon eine ]>^tl. 
(Beplis der Vorposten) 
nalüsn */« Stunden Ürfther 
ala die der Avantgarde 
xngetlieilten 3 Batt. ~ 
C.-Art. (Clianssoo von Saar- 
brücken) mit 2 reitenden 
I3utt. */« Stunden, mit 
4 FnfiHBatft. 1 Stnndenaeh 
Avantgarde - Batt der 1. 
I..D. — 2. I -D. (Cliau&sce 
von Saarlouis) mit ihren 
4 Div.-BatL, davoa die 
Imdaa Avantipucdft-Batt. 
*/< Stunden frfkher ali die 
beiden <><> -Batt. 
Vnr: Avantgarde der IH. I.- 
1>. mit 35. 1.-B. uod 2 
Di?.-Batt. 



YionYille—Mars la Tour. 



Artilli rietheile des I, C. in den 
Kanijit stehen im Verhältnis mit 
der Einteilung dieser Artillcrie- 
teile in die Ifanohkolonnen der 
beiden L-D. 



III. Prcufs. A.-C. I f). I.-D. (von Novcant über Dio Verhiiltnis.^o, in woldion sich die 



(A. 8 Str. i. An.) 



Gorze nach Vionville) mit 
ihren 4Div.-Batt. 6.L-D. 
( von AmnvOle tlmOn^lIe 
nnd Buzikea) mit ihren 

4 Div.-Batt. — C.-Art. 
(folgt der G. I -D.) mit 
2 reitenden Batt. '/j, mit 
4 Fufs-Batt. 1'/, Stunde 
nach DiT.-Bati der 6. l.4>. 
X. Prcufs. A.-C. i 19, L-D. (Detachement von 
(A.8Str.i.An.}| Lynker) 2 Bataillone der 
{ 37. 1.-B. mit 1 Batt. Div.- 
I Art. Rest der 87. I-Br. 
(Lehmann) mit 1 Batt 
DiT.-Art. Beat der 19. 
I.-D. ( 38 I.-Br.)mit2Batt. \ 
I>iv,-Art. - 20. I.-D. mit! 
ihren 4 Div.-Batt. I 
C.-Art.: Fufs- Abteilung (4 i Auch hier stehen 



C.-Art. III. C. bcfiuid, müssen 
am ScbluHsc dieses Bückblickes 
niher betraditrt werden. 



die Zeiten des 



Batt.) der 90. 1-D. mge- 
teat»niit8Batt.(U»ehten) 



Eingreifena der Artillerie in den 
Kampf im Verhiltnia mit dar 



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DiTisioDB-, Corpft-, Ärmee>ArtUlerie. 



13 



AffiMS'Covpt 



YIII.Pranfii.A.-C. 

(A. I Str.i.An.) 
IX. Prcufs. A.-C. 
(A. 1 Str. i. An.j 



El Mm Ui 4un Kampf 



vor allen Div -Batt. der 20. 
I.-D., mit 2 Batt. (schwe- 
v8ii)naiclidaib6id0D entan 
Brti der 9a L-D. Rei- 
tende Abteilung (2 Batt) 
der 5. Ciiv -D. dtirr)i die 
Truppen - i-jntcilung 
gewiMen, .... 



zu- 



Nur: 82. I.-Br.derlG. I.-D. 

und 3 Biitt. Div-Art. 
Nnr: Inf.-Rogt. No. 11 der 

18. I.-D., welches der 32. 

I..Br. folgte uid 49. L- 

Br. d«r 86. DiT. ndt S 

IKT.-BBtt 

Gravelotte— St. Privat. 



Einthcilunt: thr Batt. in 
Marscbkulonue der 20. I.-D. 



die 



tragt in herfonagender Weise zam 
gMeltUebcD ReniltatdeaTkgeelM. 



VII. Preufs. A.-C. 1 13. und 14. I.-D. mit ge- 

(A. 1 Str. i. Ad.) samter Div.« Art — C.- 

Ari mit ilireii Batt, dfr* 
nmter fl rdtenden. 



VIII. l'reufs. A.-C. 
(A.lStr.i. An.) 



IX. Pnab. A.-C. 
(A.lStr.lAn.) 



15. und 16. l.-D. mit gc- 
«anitor Div. - Art. — C.- 
Art, mit ihren 7 Batt. da- 
nmter 3 reitenden. 



18. vnd 86. (Grobh. H«- 

aieche) I.-D. mit gesamter 
Dlv.-Art. C.-Art.roit ilirpii 
öBatt, darunter 1 reitende. 



Die C.-Art. triüt, da sie erst beim 
Beginn dar Sdilaclit in ihram 
Biwak (elldHab Ära i./H.)alannirt 

wurde, .spät ein und findet nur 
mit 3 Batt. sofort Vcrwondnng. 

Den Stützpunkt für die Kiitwicke- 
lung der Artillerie des Vlll. C. 
nraiete natnrganiei dia Artillerie 
dar L'l). tildan, irddia snerst 
znm Angriff vorzugehen hatte 
(15 ) Gleichzeitig erhielt die der 
15. L-D. folgende C.-Art den 
Befbhl, die Feoariinia dar Artiil^ 
ria an Tantirkeii, weldiam eie 
auch sehr laieh entsprach. 

Im Verein mit den Batt. der 18. 
I.-D. tritt die C.-Art. an dem 
Punkte auf^ wo der komman- 
diranda Gananl sidi aiaaii ba- 
aondam Erfolg van flurar Wir- 
kung verspricht Die Schuld, 
dass diese Artilleriema'^sefB Batt.) 
eines ausreichenden Schutzes der 
Infontaria anfliabrta, liegt nialit 
in dem Beateban dnar (X-Art 
sondern in der Anweisung einer 
weit vor der eigenen Infanterie 
gelegenen and ausserdem nicht 



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u 



DifUMit-, Corps-, AmM-AiUlkriii. 



Arme« -Corps 



E» traten in den Kampf 



Garde ■ C. (A. 
Str. i. Ad.) 



Xn. (K. Sächs.) 
A.-C. (A.l8tr. 
L An.) 

X. PMüii. A.-C 
(A.18tr.i.An.) 

Folgte in 2. 
Linie gCE^cn G 
Uhr AbemlsvoD 
don 9*lt in» 
emiehteo Bir 
tflly auf St. Ail. 
als Kückhaltfür 
linken Flügel 
der U. Armee, 
iinlMiODd«venr 
dM 0.-C. 



IIL fwab, 
(A.18to^.LAa.) 

(folgte in 2. 
Linie 1 UhrTon 
YioDviUe, um 

V«ni«ril]e, dtt 

»eine Spitze 
bald nai Ii :H'hr 
erreichte, zur 

Unterstützang 



1. G.-L-D. mit ihren 4 Div.- 
Batt. Die C.-Art. (5 Batt.. 
darunter eine reitende) 
schlierst sich der Vorbe- 
wegvng dar 4 DiT.-BtH 
der 1. Q.-L-]). mnitlel- 
bar an und rerlilngert 
der«n Unken Flegel. 

9. Q.-I-D.niti1n«B4Dt?d> 



23. und 24. L-D. mit ge- 
samter Div.-Art. C.-Art 
mit ihren 7 Batt. darunter 
eine reitende. 

C.-Ari, rai d«r Vwidi- 
kolonne zwiwliai 90. und 
19. L-D. vorgezogen, iat 
vor G Uhr bei St, Ail 
eingtitrotfen, uad iiat zu- 
folge BefeU dn X. C. ihre 
8 reitenden Batt in die 
Artillerielinie des G.-C. 
vorgeachohen, um da.«« 
Gesobütifeaer gegen St. 
Pkmt n «ntentlltsea. 
Uno 4 FuCi-Bfttt. rOeken 
ebenfalls in die Artillerie- 
linie des G.-K. ein. 

20. L-D. mit ihren 4 Div.- 
Batt und die 4 Div.-Batt. 
te 19. L-D. 

C.-Art, «fliehe hinter beiden 

I. -D. (6. and 5.) folgte, 
erhllt 2»/« Uhr bei St. 
Marcel den Befehl, der 

II. Armee sogleich nach 
Yflnerille Torfotraben. Die 
4 Fnb-Batt nehmen B% 
Dhr südöstlich Vemeville 
Feuerstellung. Kurze Zeit 
darauf rQcken, auf Befehl 
des IIL C, die beiden 



genügend aufgeklärten Feuer- 
stalhmg. 

Da die Dir.-Batt von 1. G.-I.-D. 
entfernter standen und durch den 
Artilleriekampf bei Habonville 
in Anspruch genommen waren, 
so gingen, infolge Anllbideviug 
der 1. 0.-I.-D., vmn linken Flttgsl 
der d-Art 10 Geschfitie anf St 
Marie vor und richteten ilir Fener 
g^en dieses Dorf. 

3.G.-L-Br. mitDiv.-BattwirddemlX. 
CnurVeillgaBggeetdlt» indeeeen 

. AitiUerieUnie die Bett einrBekt 

Die C.-Art welche der 24. I.-D. 
^«'folp't war, bptätigt mit den 
Div.-Art. die BeschieÜBung Ste. 
Maries u. s. w. 

Die duidi die Oidie de 
dem Armee- Corps 
unterstellte C.-Art ermöglichte 
dorn X. C, die Artillerie des 
G.-C. in einfachster und rascher 
WeüM sn veiittrkett. 



lOttelifc der C.-Art dee der un- 
mittfllbaieo Yerfllgnng der II. 

Armee vorbehaltenen IXLC, kenn 

der stark mftgenoramcnen Ar- 
tillerie des IX. C, in sehr ent- 
sprechender Weise rasch mid im 
Sbme der h9hersnFBhr«r(ATmee- 
nnd Corps - Kommandeure) die 
dringend iiöthige Ventftrkong 
gew&brt werden. 



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DiYimoiis-, Corp«-, Annee-Artillerie. 



16 



AnM9~Ooipi I Ei tMlni In dM KiMpC 



BBS 



des IX. C. be- 
reit sn iteb«n.) 



II Prpuffl. A.-C. 
(A.l Str i. An.) 
(als Reserve für 
Ad ivoMni 

FlBgelbartiiiimt 
11 Uhr mit 8. 
I.-D. bei Buriö- 
res, O.-Ärt (6 
Bali, (btnuiter 

SraMmdA) halb- 
wegs Bazitres- 
Onville, 4. I.-D. 
Onnlle eiuge- 
troffen , r&ckt 
SniiiMdiBe- 



Von fla werden 

0. -Art. und 3. 

1. -D. b*U Uhr 
■nf QraTelotte 
in Ibndi ga- 
ltst, 4- I.-D. 
folgte 6«/, Uhr). 

Preufs. A.-C. 
(A. 1 Str. i. An.) 



reitenden Batt. links von 
den noch feuernden Batt. 
der 18. L-D. ein. Von der 
4 BütMnkMi Dir. -Art. 
ümb, und 6. LJ>.iMihinen 
nar die 4 schweren, etwa 
Ton 7 Uhr Abends an, im 
Vereine mit der C.-Art., 
dMWaldtlllAk vwLa Folie 
untor Fkva; 
C.-Art. mit 2 Batt., damnter 
eine Teit»Mid<>. — 3. I -D. 
mit 3 von 4 Üiv.-Batt. ~ 
4. 1.-D. mit 1 von 4 Div. 
Batt. 



Nur: 4. i-Br. mit 1 Di?.- 
Batt. 



Da es sich bei dem bereits schwin- 
denden Tageslicht verbot. Bat- 
terien aber das Thal niitzufübren, 
wUto 4fo C.-Art dicMoHa dn- 
»elbon dna geeignete AoMaUnag 
nehmen. Der beengte Raum ge- 
stattete indessen nur 2 Batt. 
and einem Zuge, sich auf dem 
fsditea Flügel der Aitillerie die 
Vn. C. aimiMiiielMn, wo aia «ioe 
Zeit lang noeh in FenerUiitigkeit 
traten. Die pl-^ichfalls zurück- 
gehaltene A v;iiit^';ir<le- Batt. der 
3. I.-D. naliiii Aufstellung vor 
der Geaohttdinie Müdi von 
Gmekite and aiadte Mch einige 
Granaten nach dem 
Moekoo hin&lMr. 



Vera rechten Mosel - Ufer (Ferro© 
Orljr) aus gegen Ste. Ruffine. 



Beamnont. 

I¥. Preoli. A,-C 1 8. L-D. mit Omn 4 Div.- 1 Dia FarlriatiiiM^ io ireldran eteli 
(A.98lr.LAn.) Batt. und C.-Art. mit G 

Batt., darunter 2 reiten- 
den (linke Marschkolonne 
des A.-C). — 7. L-D. mit 
ilii«D4I>iT..Batt (raehte 
Marschkoloane dae A.-C.). 
XII. (K. S.) A.-C. \ 23. l.-D. mit ihren 4 Div.- 
(A.2 Str. i. An ) . Batt and C.-Art. mit 7 



die C.-Art des IV. und XH. C. 
befanden, werden unter ad III 
niher betraelitet werden. 



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16 



DivisioDs-, Coipft-, Aniie»*ArtiUarit. 



I. Bayer. A. - C. 
(A. 2 Str. i. An.) 



E» Mm in den ULmfH 

Bttt, d&nmter ein« rei> 
tende (reohte Uunehko- 
lomie dM AAi,). ^ 94. 1.- 

D. mit 3 von 4 Div.-Batt 
(linke MaiacbkoloiUM dis 

A.-C). 

. I.-D. mit ihren 4 Div.- 
Batt (nimmt an d«r 
SchUeht im vnmittel- 

barcn Anschlösse an IV. 
C. Teil). — 1. I.-D. mit 
3 von 4 Div.-Batt. (bei 
6 Vi ^ Mtehmittags 
La B«nc9 ugetn- 
tenen Vomar di nach 
Reancourt, auf die süd- 
lich (licHcs ürte.s au/ge- 
sttiUte :itarl>:e Arriergardn 
dar DiTidon Domont des 
franifidichen YIL C. 
tnAnd)» 



Die Artillerie -Besenre- Abteilung 
(G.-Ait) dM 1. Bi^. A.-C. lieb 
der kommaiidiamde General« 

welchem von III. Armee 2'/, Uhr 
Nachmittags die Weisung znge- 
gangen war, mit winem Corps 
in mfli^ieiirtar Stirke anf La 
Beaaee veitnrtteken, ftber Wann« 
foret und La Besace der 1. I.-D. 
folgen. Bei dcni raschen Fort- 
gange des Gelt'chtes und der 
eintretenden Duniielheit gelaugte 
die C-Art. nieht mdir rar ThI* 
tigkeit 



Sedan. 



I. Bayer. A. - C. 1 1. I.-O. mit 8 von 4 Dir.- 
(A. 1 Str. i. An.) Batt. 9. 1.-D. mit ihren 
4 Div.-Batt C.-Art mit 
6 Ton 7 Batt^ 



Bei dem Angriff auf Baseillei 
(dUhimoifens) 8düof8dieI>an- 

kelheit die Mitwirkung der Ar- 
tillerie aus. — Auf dem rechten 
Maas-Ufer kommen bis 9 Uhr, 
abgesehen von 2 in Baxeillea 
verwendeten Geechitun einer 
Batt der 1. L-B., nur 9 DiT.- 
Batt. (eine der 1., eine der 2. 
I.-D.) zur Verwi^ndung, obwohl 
a l.-Br. eingesetzt werden und 
alle 8 Bif.-Batt mit deoaelbett 
den FlnAi filieneliritten haben. 
— Von den auf dem linken 
(«bdlichen) Maas-Ufer seit Tags 
vorher in rosition steheiuien 
Batt der C.-Art. uruiinen auf 
BefoU des kommandierenden 
Generals 4 Batt naehTtIhrdas 
Feuer gegen die feindlichen Batt. 
auf den Hüben nördlich Ba- 
zeilles, und können so, wenn 



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I>ffiifaM»> Oofp»*, Amwe-ArtOleri«. 



17 



Arm«e- Corps 



m (K. Sieht.) 

A.-C. (A.lStr. 
L An.) 



Et traten In den Kampf 



IT. Pnuk. A.'C. 
(A.>8lr.LAn.) 



U. I-D. nat fluen 4 Div.- 

Bett, 6 ühr tritt Avant- 
garde mit ihrer Batt, 
7 Ühr die 3 Gros-Batt. 
der 24. I.-D. in das Qe- 
«Mht — n, L-D. mit 
ihren 4 Di?. -Batt. und 

C. -Art. mit ihren 7 Batt., 
darunter eine reitende. 
Erst 8Va Uhr trifft die 
TM» dm GfOB der M. L- 

D. eB«BtalieM0nder Stelle 
ein, während dio HSlfte 
der 7.wi.schcn 24. und 23. 

1. -D. marBchierenden C.- 
Art, schon 8 Ubr xnr Stelle 
ist Mit der Tele deaGrae 
der 24. I.-D. tritt auch 

2. Abteilung der C -Art. 
ins Feuer. Fast 1 Stunde 
8p&t«r, 9'/, Uhr, erreicht 
dÜe Teten -Brigade der 
■adenn (SS.) I.-D. dae 
Gefechtefeld ; mit ihr kom- 
men erst bis gegen 10 Uhr 
ihre ersten 2 Div.-Batt. 
zur Geltung. 

Sb I«-D. ndt ihren 4 Dir.- 
Batt nid C.-Art mit ihren 
6 Batt., daronter 8 rei- 
tenden. 



Bemerkengen 

•neh rar in sehr beechrlnkter 

Weise, Einwirkung ausüben. — 
Nicht nur von der C.-Art. ge- 
langt eine Batt (reitende), aon- 
dem Mch ven dar 1. IrD. «ine 
Bfett aidit inr Yenrendimg: 
Das Bestehen einer C.-Art hat es 
ermöglicht, bis zum Eintreffen 
des Gros der 24. (Toteu-) I.-D. 
10 von 15 Batt., also ü/a 
Artillerie des Corp«, in den Kampf 



8. I-D. gegen 8 tFhr bei Bemilly 

eingetroffen, folgte mit ihrer 
Avnntg^ardo nach Mafsgabc dos 
Vorschreitons des 1. Bay C. 
dieser über die Pontonbrücken. 
— IMe a-Aft hal mit den Batt 
der 8. L-D. neillich AOUeoort 
in eine BereitBchaftsstellong zu 
rQcken, nm erforderlichen Falls 
in das Gefecht einzugreifen. — 
7. I.-D., bei Mairy von Maas- 
Armee aogewiesen, dem XIL C 
ab Beaerre fther Doney sn folgen, 
I. -2 



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« 



18 



DiviilmMi Corps-, Axmee-AitiUarie. 



An.) 



(A. 2 Str. l 



II. Bayer. A. 
Str. i. An.) 



C. (A. 2 



Es traten in 
den Kampf 



l.Gw-f.-D.mit 
ihran 4 DIt.* 

Batt. — 2. 
(i -I.-D. mit 
ihreu 4 Div.- 
Batt — C.- 
Art mit 7 
fiatt., daran- 
terSreitandti. 



3. I.-D. mit 
ihroi! 4 Div.- 
Batt. (im un- 
mittelbaren 
Anschlrawan 
1. Bayr. A.- 

C. ) - 4. 1.- 

D. mit ihren 
3 zur Stelle 
befindlichen 
Dir.-Batt n. 
C. - Art» mit 
7 Batt, dA^ 



erreicht 10 TThr Lamecotirt und pelanpt 
mit ihren 4 Dir. -Batt nicht lur Yer- 
wendoog. 

Dia dam Fainda nnldiafc aMmda 1. 
L-D. tnit sogkkih mit ilmr« aaa dan 

bei Villers-Cemay zusammen gezogenen 
Vorposten (ohne Artillerie) gebildeten 
Avantgarde in Fühlung mit dem Feinde. 
Die, von Carignan — 8 Meilen — im 
Mdialtanden Tmba lientngaaOlan 4 Fob- 
Batt der C.-Art. erreichen gleichzeitig 
mit der Artillerie der 1. G.-I.-D. das 
Gefechtsfeld. Es können somit f;ist zur 
selben Zeit die Artillerie-Abteilangen 
baidar DtviiioiMii wad die FoTa-Ab- 
taUnng der a- Art. in Thitiglwit traten, 
während die Masse dar bifuitarie ihm 
Aufmarsch beginnt. 

Nachdem dem Commandeur der Artillerie 
des Oarde-C die einbeitlicbe Leitong 
flbertragen worden, wird die ArtiQerie 
der 2. O.-I.-D. ausaehUafisIich der Unter- 
stützung des sieb gegen don jenseitigen 
Hühenrand richtenden Gt^fechts der 
4. G.-I.-B. zugewendet. Von derMittags- 
■tonde ab nntentfttien beide AbtM- 
langen der C.-Arl (Fnfii- nnd die der 
G.-C.-D. zugeteilt gewesene reitende 
Abteiltin?) die Artillerie der 1 G,-I.- 
D.; mithin sind 11 Batterien, über */| 
der Artilleriekraft dea A.-C., im Sinne 
das Hanptangrifi des Garde -C in 
Tbitlglait 

T)io der Töte der 4. I.-D. (linken Marsch- 
kolonne des C ), unter dem Schutze des 
Diviäions-Oav.-RegimentsToraustrabende 
C.-Art. (Art-Beaerre-Abteilang genannt) 
trifft gleichseitig mit der rechten 
Marschkolonne des C. (3. I.-D.), in der 
bereits Abends vorher vom 1. Bay. nnd 
XI. C. erreichten Linie (Höhen des 
südlichen Maas-Ufer.^, zwischen Le Pont 
Mangy nnd Doncherj) angedebts dar 
Festong Sedan ein, nm biar jedes Yor- 
brechen des Feindes zu verhindern und 
eröffnet 9 Uhr das Feoer. Eine Stunde 



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DifisioDft-, Gor^ ArmM-ArtiUerie. 



19 



Es traten in 
den Kampf 



TL Piwb. (A. 1 
Str. L An.), nach 6 Uhr 

n«"rfl1. Donchery in 3 
Marschkolonnen nobcn- 
einander angetreten« 
«ridOfe 7Vt Ob die 
Weiraiig dar HI. An 
■ea^ ibarBi. Men^e<> zn 
m&noliieren. Das XI. C. 
passiert daher d&<! T)e- 
filee f wischen Uaiaon 
nqgt nad 8ft. Albart 



«uter 1 rei- 



Y. Preitb. A.-C. (A. 1 
Str. L An.), nalehaa, 

von i ühr an die 
MaoB überschreitend, 
nrsprQuglich eine mit 
den 3 Kolonnen des 
XLC. gtaidmitigiiaeh 
Norden marschierende 
4. Marschkolonne hU> 
dete, sich aber, in dem 
engen Kaame des oben 
arwtimtenDalllaaa, in 
dam BmM«ii bidd- 
mOgUahat die ihm aa- 
Bichtaag 



91. lad »iL- 
D. Bitaimt- 

lichen Dir.- 
Batt und C.- 
Art mit ihren 
C fiüt, dar- 
nntar 2 rei- 



9.L.D. mit 2 
rm 4 Dir.- 

Batt.— 101.- 
D. mit ihren 
4 Dir.-Batt. 
C.-A. mit 
sbntlielien 6 
Bati , dar- 
niitor 2 rei- 
tende. 



sp&ter, gegen 10 Uhr erreich tp erst 
4. I.-D. mit ihren 3 DiT.-B»tt. die 
ücgeud von Freuois. 

2 Bfttt. dar 82. t-D., wehhen aleh aina 
FuCi-Bfttt der C^Ari unehldl^ UUM 

gegen 9 Uhr der mit dem Führer des 
XI. ('. eingetrofft no Artillerio-Brigaile- 
(Jommandeor durch Meugea vorgehen 
und fUurk da auf de& MüSah diaaaa 
Ortes Ton dar Infiuterie tobesetiettden 
Höhenrücken. 9 Uhr ordnet Führer 
des XI. C. das Vorziehen und die Ent- 
wickelung der gesamten Artillerie des 
C. an. Die C.-Art war jedoeh bereits 
auf der Höhe waatUcb 8t Mangta mit 
4 Batt, datontar 1 jattande, in Posi- 
tion gegangen. Diese 4 Batt. und eine 
büld darauf bei ihnen eingetroffene Batt 
der 21. I.-D. nehmen, da Situation, in- 
folga MabalimdFtalwrdampf, schwierig 
m flbarhUelnii «ar» dia bia dallidi St 
Uenges vorgegangene 2 Batt der 22. 
I.-D. als 'Ziel. Nachdem diese 2 Batt. 
zurückgezogen, nehmen die 6 Batt der 
C.-Art aaf der Höhe östlich St Menges 
Faaaratailinig, in wddia um andi dia 
2 Batt. der 22. I.-D. «iadar aimtteltaa. 
Bis 10 Uhr sind, mit Ausnahme zweier 
Halt, der 'J2. I.-IX , welche erst m'^en 
12 Uhr einrücken können, sämtliche 
Batt. dea XI C. la ThKt{gkeii 

97, ühr, als die ATaatgarde daa Y. C. 
die Hohe nordwestlieh Si Kanfea bei 

Ferrae du Champ de la Orange erreicht 
hatte, befahl der kommandierende Ge- 
neral dos Vorziehen der Artillerie, in- 
daaiTa der in der Marschkolonne der 
Tötea- (10.) I-D., nnmittelhar hinter 
den 2 Gros-Batt. dieser Diri.sion fol- 
genden O.-Art. , nm den linken FlB^'el 
der Artillerie de« XI. C. zu verlängern. 
Nach den 2 Avantgarde-Batt der 10. 
I.-i>. ertttiet 10*/« Uhr die Fofii-Ab- 
taOaag der C-Art. {4. Batt) aaf der 
Höhe, am We^e Fleigneux-Illy , das 
Feuer. Die 8 Oro»-fiatt. der 10. 1.-D., 

2* 



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20 



DiTuioDB-, Corps-, Armee-ArtUlerie. 



AmM«Oorpt 

auf Fleigneax zu ge- 
miüaea, neben nnä 
iwiaebai dioTnlad«! 
ZI. G. tiMdiielit 



Et traten in 
dtn Kampf 



XLvidV.CL eaiiiiekida 
•idk daher irie ain 
HaneUmleiiiie 
Gefecht 



Wttrttembeiir. Fdd-Div. 
(A. 1 Str. L An.) 



8 Bdl 



welche mit dem Gros dieser DiviHion 
im Vomuursch geblieben, erhalten vom 
DiT.*GoiiiiiMuiid0ar die Eriaalmli» In die 
GefechtMteUnsg der C-Art., » «eiche 
innnschen auch die 2 reitendoi Bett 
eingerückt siiHl, vor/npehen, in welcher 
sie gegen 11 Uhr bezw. 12 Uhr Stellung 
nehmen. Die bei Fleigneax gesammel- 
tea lafluitarie-AblelhuigiB des XI. C. 
Qbemehmen die Sicherung der, der 
Infanterift ihres Corps (V.) weit Tor- 
ausgeeilten 10 Batt. (C.-Art V. C. und 
Di?.-Art. der 10. I.-D.). 

VoD dir ab B eie rre mlekgiiialteiMB 
9. 1.-D. rflclMi int Laofi te ]fltti«s> 
stunde 2 Batt in die Artillerielinie des 
XI. C. ein, während die 2 anderen 
Batterien dieser I.-D. nicht xnr Yer* 
Wendung kommen. 

Ton den in d«r Bandemiia-Stellang der 
W. F .D., weiUieh Baluduif Donehery, 
beßndllchen 8 Batt., welche g*^gpn 5 
Uhr Befehl erhalten, anf der Höhe des 
Schlosses Bellevae aufzufahren, gelan« 
gen dar iuwiadian «Ingeitftatni Ka- 
pitulatjopg-VerhandlOTgen haibar, nur 
8 Batt noch raro Bebab. 



Ans vorstefaendem Bückblicke ^) ergeben sich die VerbUtniaaOi , 

nnter welchen an verschiedenen Tagen 37 Armee-Corps in den 
Kampf traten. Werden hierbei die 6 Armee-Corps, welche sich nur 
mit 1 Infanterie-Brigade oder noch geringeren Kräften am Kampfe 

])eteiligen konnten, nicht berücksichtigt, so verbleiben 31 für nähere 
Betruclituug. Unter diesen 31 Armeo-Corp.s linden wir 19 auf 
einer Strafse und nur 12 aut zwei Strafsen im Anmärsche, 
mithin den Vormarscli eines Armee-Cor]).s auf zwei Strafscn jedenfalls 
nicht als Regel. Ferner ergiebt sich, dafs, wenn das Armee- 
Corps auf einer Strafse marschiert, durch das Bestehen 
einer Corps -Artillerie die rasche Entwickeiung einer 



*) Bei Ahfossung diei^es ItGcIcblick.q wurden „Generalstabswerk und die Deutsche 
Artillerie in den Schlachten des deataeb-franaöaisehen Krieges 1870/71 Ton HofF- 
baoer ond Leo" tn Grunde gelegt. 



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DMiionK CafV>> AnMe:Artil]iria> 81 

zahlreichen Artillerie begüustigt wird. Denn in allen Fallen, 
in welchen die Corps -Artillerie mit der Teten-Infanterie-Division 
marschierto, d. h. in deren Marschkolonne eingereiht war, ja sogar 
noch, wenn sie unmittelbar am Schlüsse der Teten-Infanterie-Divieion 
marschierte, wurde die rasche Entwickelung einer zahlreichen Artillerie 
ermöglicht. Bei den 12 Armee-Corps, welche auf zwei Strafsen 
anmarschierten, war die Corps -Artillerie in 3 Fällen (Schlacht bei 
Sedan: IV., Garde- und 2. bayerisches Corps) in sehr entsprechender 
Weise derjenigen Infanteiie-Division zugeteilt, welche der stärkeren 
Artillerie-Entwickelung bedurfte. Es bleiben mithin von 31 Fällen 
nur 9, weniger als Vs a^ler Fälle, dahin zu prüfen, ob sich hierbei 
wirklich die gleichmafsige Verteilung der Artillerie auf beide 
Infanterie-Divisionen des Armee-Corps, also nur Divisions-Artillerien, 
mehr empfohlen hätte, als die durch die Ausscheidung einer Corps- 
Artillerie ermöglichte Dreiteilung der Artillerie des Armee-Corps. — 
Unter diesen 9 Fällen kann man unterscheiden: 

1. Xi. Corps, Schlacht bei Wörth. Der 22. Infanterie-Division 
ist bei ihrem Kampfe um dun Niederwald und Ebersbach, vor Allem 
aber bei dem Heraustreten aus dem Nurdraude des Waldes gegen 
Elsafshausen, ihre Divisions-Artillerie entzogen. Ad II wird ein- 
gehend nachgewiesen werden, dafs hieran das Bestehen einer Corps- 
Artillerie keine Schuld trägt. 

2. L Corps, Schlacht bei Colombey-Nouilly. Die Corps -Artillerie 
maraehiert mit der 1. Inianterie-DiTinoii und stehen dadurch der 
danfemdliehenGegenangrifif (Überflügelang) ausgesetzten 2.1nianterie- 
DiTinon nur ihre 4 Di?inoiit*Bftlteri0ii snr Verfügung. Nachdem 
es sich für das I. CSorps nur AUem darum handeKe, der ünkB ? on 
ihm in den Kampf getretenen Avantgarde des VIL Corps Untere 
stfitzong SU bringen, enehdnt die Einteilung der Gorps-Axtillerie 
des L CSorps in die dem VII. Corpe nihere Marschkolonne des I. Corps 
(1. Infjfuiterie-DiTision) zweifellos ▼oUkommen gerechtfertigt. 

3. 1. bayerisches Corps, Schlacht bei Beanmoni Die im un- 
mittelbaren Anschlois an das IV. Corps kämpfende 2. Infanterie- 
Division ist anf ihre 4 Divisions-Btetterien besdirfinkti wihrend die 
der 1. Infanterie-Division folgende Corps-Artillerie nicht aar Vei^ 
wendnng gelangt — »Der kommandierende General des 1. bayerischen 
Corps lieb, n achdem ihm 2Vs Ukr nachmittags vom Oberkommando 
der III. Armee die Weisung zugegangen war, 'mit seinem Corps in 
nögliehtter StSrke anf La Besaoe vorsurftcken, die Artillerie-Reserve 
(Ccwps-ArtiUerie) die ursprünglich vorgeschriebene Richtung auf 
Beaumont beibehalten nnd erst, *als deren Verwendung bei der 



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22. 



DiTinooB-, Carp»-, Arme« •Artillerie. 



2. Infanterie-Division nicht für geboten erachtet wurde, der 1. In- 
fanterie-Division nach Beaucourt folgenc (Geoeralstabswerk, Band 2, 
Seite 10G7 und 1069). 

4. und 5. lY. und XII. Corps, Schlacht bei Beaumoni. Di* 
Komplikationen, welche sich durch den erst am Morgen dee Sddadil* 
tages erfolgten Übertritt der Corps-Artillerie von eiDflir zur «ndemn 
Infanterie-Division ihres Armee-Corps ergaben, werden ad III niher 
betmchtet werden. «Dm bewmdei» aal d0ii Wegen der iiuHl«reii 
Koloiuiea (2L InfaaterM-DiTinon und 7. Infeatana-DiviaxHi) vor- 
hemcbende WaldgeUnde «empfah], die gröfme Zahl der ArtOkrie ■ 
den Salberaa KoloniieB (83. In&oterie-Divuion nnd 8. Infraterie- 
Division) «dnileQeo« (Generahtabswerk, Seite 1036). 

6* X. Corps, SchJacht bei Vionville— Mure la Tonr. Der is 
3 Teilen aoftretendea 19. Infankrie''I>ifisioa ekebm nnr ihre 4 Di* 
▼isioiwBatfeemi mt Yerfi&gQiig, weil die OorpB-Artillerie mit ihrer 
FalSi-Abteilang (4 Balteriea) der 20. Infaiiterie-DiTiBien, mit ihrer 
r^iendoD Abteilung (2 Batterien) der 5. KavaUerie»DiYirion snge- 
teilt wai. Zweiidloe trag die -Zntnhmg der reitenden Abteilung der 
Gorpe-ArtiUerie an die)5. KavallerieJMvirion in benrorEBgender Weise 
zu dem im Grölaen nnd Oaneen eo gIfleUiehen BeeoUat des ScUaeht^ 
tages bei. Die Znteilang . dar Falb-Abteilung der -Oorpe-ArtiUerie 
an die 20. Infonterie-Division war geboten, da dieee allein in äich 
gesefaloBsen blieb. Einetn nnr 8 Bataillone Infanterie starken De» 
taohement (r. Ljnker) konnte nieht wohl mehr als eine Divisions- 
Batterie nigewiesen werden. Selbst flir ein 4 Bataillone Infimterie 
starkes Detaobement (Lebmann) erscheint ehie Dirisions-Batterie 
nicht sn wenig. i~ . 

Nur in den noch übrigen 3 Fällen (III. Corps: Sohlaeht 
bei Vionville — Mars la Tour und Schlacht bei . Spichern, und 
VII. Corps, Seblacht bei Spichern) wfirde sich zweifellos die 
Zweiteilung der Artillerie, nnr Divisious -Artillerien, 
mehr empfohlen haben, als die durch die Ausscheidung 
einer Corps -Artillerie ermöglichte Dreiteilung der Ar- 
tillerie. Diese 3 Fälle, welche unter im Ganzen 31 Fällen 
weniger als Vio ^^^^ Fälle darstellen, können — sicher nicht mit- 
Unrecht — als Ausnahme^Fälle bezeichnet . werden. Eine nähere 
Betrachtung dieser 3 Fälle, unter Bezugnahme auf die im »Militär. 
Wochenblatt« der Jahrgänge 1889 und 1890 gebrachten »Taktischen 
Rackblicke auf die Verwendung der Feld-ArtiUerie im dentsch- 
fTanzösisohen Kriege«, erscheint geboten. 



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DiriaioD»^ Corp»-, Armae-ArtÜlene. 



23 



7. In Nr. 87 des Jahrganges 1889 des »Militär- Wochcubhitttsc 
wird ganz richtig bemerkt: »Dafs, wenn am 16. Aogast 1870 
(Sdhiacht ?on VionviUe — Mars la Toar) bei dem Vormarsche des 
in. pMlnfleben' Armee-Corps ans dem Mosel-Thale Flanken« 
manch Tor'der Fnmt des auf den Höhoi weetUeli des Manee-Thalea 
rteheodoi Femdes — die Gorpa-Airtilleiui, analatt der Tora Fdnde 
eatfemierai Hanehkolonne (6. InÜMiterie-DiTirioo) zu folgen, auf 
heida Infitotozie-Divinokien des Armee-Corps Yerteilt gewesen ilire, 
ao wflfden bei dem miidi 9 Uhr Tonnittags nMlidi Gevae im 
Boy de YionTiHe ebb eutwlokelnden' Begeguungskampfe gegan 
die atark überlegenen Uaasen des IL franaSeischen Corps niobt 
4, aondem 7 Batterien dem Adatarm die Gegners entgegeageworfea 
weiden kSnnen.« — Abgssehen nim davon, dals die Zahl dieser 
Batterien eine noeh giOiüere hfttte sein kSnnen, wenn die 'Cofps» 
Artillerie des IILv Corps in die Macsehkolonne der dem Feinde näheren, 
also dessen Anstom annSobst ansgesetatan 5. Liliuiterie-Dinsion 
eingeteilt worden wSr^ mnls bienu Folgendes bemeikt werden. 
Trotadem, dals die Coq^-Artillerie niobt in die Marschkolonne der 
nach 9 übr TormittagB in den Kampf tretenden 5. Infuterie-Ditision 
emgete0t war, bitte sie ihrer Bestimmang, Verstiuknng der Artillerie* 
linie d«r in den Kampf getretenen 5. Infiuiterie-Dirisbn, entsprechen 
kitamen,' wenn sie, anstatt bei Onrille so ▼erblsiben,.der Infimterie- 
Diriaton, mit welcher sie an marBchieren hatte, gefolgt, d* b.' anf 
diese IHrision, welche bei Bozieres aufmaisdiierte, anfgeacblossen 
wire. Jeden&Us hfttte dann die Corps -ArtUlsrie des HL Coips, an 
Stalle der Batterien der 6* Infimterie-Dirision, an der ihr gebSbienden 
Stelle, in der Mitte swisoben beiden Infiuiterie-Dirisioiien des 
in. Armee-Corps eingeaetat werden können und wfirda dann der 
6. In&nterie-Diriaion ibre Diriaions-Artillerie nicht haben entiogen 
werden müssen. 

8. und 9. Der Umstand, dals in der Schlacht bei Spichern 
die 5. Infanterie-Division des III. Corps seit S'/s Ul^i^ nachmittags 
und namentlich die 14. Infanterie-Division des VU. Corps seit 
Mittaga nor auf ihre Divisions-Artiilerien (4 Batterien) beschränkt 
kimpften und von den Corps -Artillerien ihrer Corps nicht unterstützt 
werden konnten, wird, als sehr zu Gunsten der gleichmäfsigen Ver^ 
teilung der Artillerie eines Armee-Corps sprechend, angefahrt. — 
Können aber 2, wenn auch gana entschieden dafür sprechende Fälle 
unter im Ganzen 31 Fällen, so gewichtig in die Wntrcrhalo fallen? 
Namentlich dann, wenn man bedenkt, dals es »bei Öpichern nur 



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24 



Diiiriow-i Corps-, AniM-ArIlUKi«. 



die SpitMii 6ar naohrtatehenden Amiee-Cotps (VIL, VIIL, IH) 
wann, wdclie nadi der 8a«r voifahlten und enfc in der MiUigp- 
stonäe eine diMw Amtguden (Jene der 14. Infiui(erie*DiYiaon) anf 
den weit überlegenen Feind etieb. Die megnetiielie Wirkung des 
E[anoiiendonnen sog iwar teile mgeeagte (Tete dee VUL Gorpe), 
teile nicht verheibene fFete dee m. Corpe) Veratirknngen herbeii 
aber au Bntfenmngen bia m emem tollen Tagenuuneb anr&ekend, 
konnten sie erat in später Stunde wirksam werden n. i. w.c (General- 
stabewerk, Seite 378). Berücksichtige mau ferner, dalis eine im 
Armee-Corps-Verbajade befindliche Infanterie-Division (14.) von dem 
Irommandierenden General ermächtigt wurde, nach eigenem Ermoioon 
an bandeln (Generalstabswerk, Seite 301), ohne dals ihr ans der 
Corps-Artillerie die für ein selbstständiges Auftreten so sehr er- 
wänscbte, ja geradezu gebotene Verstärkung au Artillerie gewährt 
werden konnte. Die Corps -Artillerie des VIL Corps folgte der 
anderen (13.) Infiuiterie-Diyision dieses Corps, welche Ton der 
14. Tufanterie-Division 13 km, nahesu 2 Meilen, mithin so weit 
entfernt war, da£s hierduieb ein gemeinBcbaftliches Kämpfen beider 
Infanterie-Divisionen desselben Armee-Corps überhaupt in Frage 
gestellt wurde. Hiermit dürfte wohl erwiesen sein, da£s in der 
Schlacht bei Spichem hinsichtlich des VII. Corps ebenso wie 
bezüglich des III. Corps, bei welchem die 5. Infanterie- der anderen 
(6.) Infanterie-Division und der Corps -Artillerie ihres Coqis weit 
vorausgeeilt war, Ausnahme- Fälle vorliegen, in welchen sich, wenn 
sie voraus zu sehen gewesen wären, unbedingt die Zuteiluug je 
einer yVbteiluiig der Corps-Artillerie au jede der beiden, zu von ein- 
ander getrenntem Auftreten gelangenden Infanterie-Divisionen des 
Armee- Corps empfohlen hätte. Es kann nun nicht in Abrede 
gestellt werden, dafs auch in Zukunft solche Ausnahmefalle eintreten 
und ebenfalls nicht rechtzeitig voraus ermessen werden könnten. 
Bei den dann wieder in selbstständigeu Lagen befindlichen, allein 
auf ihre Divisions -Artillerie angewiesenen Infanterie-Divisionen wird 
sich die Stärke ihrer Divisions -Artillerie, ü statt nur 4 Batterien, 
in günstiger Weise fühlbar machen. Sind dann ferner der Corps- 
Artillerie, wie es auf Grund der Erfahrungen des Feldzuges 1870/71 
sicher zu hoffen ist, nicht mehr weit rückwärts der Infanterie- 
Divisionen, sondern im Bereiche derjenigen Infanterie-Division, mit 
welcher sie gemäfs der Truppeneinteilung zu marschieren hat, die 
Quartiere u. s. w. angewiesen, so wird auch hierdurch ein recht- 
zeitiges Eingreifen der Corps-Artillerie wesenUich begünstigt werden. 
— Keinenfails aber wird es wünschenswert sein, wegen 



^ ij . .-Lo Ly Google 



DMiIoBS-, GoTpf-, Annea-AitiUeiie. 



35 



solcher möglicher Weise elDtreten könnenden Fälle ein 
für alle Male die Cor pf- - A rtillerie abzuschaffen und die 
Artillerie eines Armee-Corps gleichheifclicli auf dessen 
Infanterie-Divisionen zu verteilen. — 

Die Trennung einer in der Ordre de batÄille de» Armee-Corps 
vorgeseheneu Corps -Artillerie durch die ausnahmsweisen Verhält- 
nissen des Armee-Corps auzupassende Truppeneinieilnng, wird gewifs 
mit wesentlich geringeren Schwierigkeiten verbunden sein, als die 
Ausscheidung einer in der Ordre de baiaille nicht vorgesehenen Coi jjs- 
Artillerie. Dafls aber bei der Zweiteilung, nur Divisions-Artillerien, 
der koniraandierende General in die Lage kommen kann, sich für 
geplante Schlachten — und solches waren gerade die Entscheidungs- 
schlachten Königgrätz, Saiut-Privat, Sedan — erst aus den Divisions- 
Artillerien einen Teil zu seiner besonderen Verfügung ausscheiden 
zu müssen, wird in dem die Zweiteilung der Artillerie im Armee- 
Corps beftirwortenden Aufsatz des »Militär- Wochenblattes« zugegeben« 
»Nun ist aber im Kriege nichts so wichtig als die Haupt* 
Schlacht«*), und hiermit allein schon dürfte die Notwendigkeit 
einer durch die Ordre de bataille vorgesehenen Corps- Artillerie, bei 
einer in Armte-(A)rps, nicht in Aimee- Divisionen, gegliederten Armee 
genügend erwiesen sein. 

Dem Einwände, dafs der kommandierende General an den Tagen 
der Entscheidungsschlachten eine Corps -Artillerie ausscheiden könne, 
ganz ebenso, wie er vielleicht eine Infanterie-Brigade zu seiner be- 
sonderen Verfügung behält, mufs der Unterschied, welcher in der 
Entwickelang zom Gefecht bei der Infanterie nnd Artillerie besteht, 
entgegen g^linltai wwden. Bei der Infanterie mdk bereits der 
BatniUoBB-Coiiimaaddnr Hefenglicderung wahren, nnr in den snHIek* 
gehaltenen Kiftften berittt der Ffihrer eines Infanterie-Regiments 
das Büttel, seift Gefecht in Breite nnd Tiefe nach Bedarf nnd 
Absieht fort sn entwidieln, der FShier einer Infenterie-Brigsde 
wird hinfig geswnngen sein, sieh je nach den Kampfeszwecken Mne 
Reserve — mindestens ein Bataillon — anssoseheiden. Dagegen 
mnls die Artülerie ihre ganze Kraft schon xnr Darchfahmng des 
ArtOleriekampfes nnd zwar möglichst firflhseitig einsetsen. Die 
Artillerie k&npft ohne Reserven, die Infanterie in Treffen nnd Reserve 
gegliedert. 

Bei nur zwei Infimtefie-Divisionen starken Armee-Corps spricht 
fftr die Ausscheidung einer Oorps-Artillerie durch die Ordre de 



«) Gksaewits, Lehn tcsb Kriege. IV. Bodi, 11. Ks^ 



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36 



DivisioM'. Corps«, AfiiiM-ArtiUeti«. 



baUillü in gebieteriscber, ja geradezu dringender Weise, dafa, wie 
bereits Meckel iu seiner »Allgemeinen Lehre von der Truppen- 
führnng im Feldcc (Berlin 1881, Seite 89) horvorgeboben hat, »die 
Corps-Artillerie für den kommandierenden General ein 
Mittel ist, die Kachteile der Zweiteilung teilweise auf- 
sa-liebeD. Dnroh dietelbe ist er im Staude, den Kampf der 
Divisiotiea naoh «einan Absioktan an baainflaesen« o. & w.- 
— ^ «Aaoh dem voh BogutlKwalri, in aeiaat- üliaftwiekelang der 
Taktik seit dem Kriege lB70y71«, fflr die Beibebaltmig der Corpa- 
Aftille«ia angefahrten Grande^ dab »dia Uaasenvarweiidung der ' 
ArliUflcie, ndche bie aa einem gewlaeea Grade nntar aUan Umatftnden 
aasaatieben ist, einen 6tiUipnnkt haben mfime«, kann mit'-naeb- 
stehender ^fOgang voll und ganz zugestimmt wecdiB. Dia unter 
allen ümiHndan amroitrabende Massenverwendang der AiiOierie 
eines Armae-Oocps muls im Sinne der Gefeohtdeito&g, ah» dea 
kommimdiereBden Generals, ermSglieht seiA. Das Mittet- hievf&r 
bildet die Gorpe-ArtiUarie, d. h. deren entsprechender Ansohhifa an 
die Divisions-Arlillerie derjenigen Inlanterl»-Drrisbn, welche soerst 
in das Gefacht getreten ist und mithin den Stfttcpnnkt für die 
Eotwickdung der Corps-Artilleiie bildet. • Maisohiert das Armeen 
Corps auf einer Strsfiae, so iiird die Artillerie der Teten-Infimterie- 
Division dieser Sttttspnnkt sein, und kann diese Divisions-Artillerie 
(Vs der ArtiUeriekraft des Armee-Corps), mittelst der ihr mOgiiehst 
nahe folgenden, durch die Truppendnteflttng der Teten-Infanterie- 
Division sugewiesenen Corps-Artillerie sehr bald auf % ^^t ArtiUerie- 
kraft des Armeekorps gebracht werden. Marschiert das Armee- 
Corps aof Ewei Straben, so kann der kommandierende Geaecal 
mittelst der Corps -Artillerie, wenn diese mit der Marschkdtane 
(Infanteiie-DivisiGn), bei welcher die Entwickelung der Artillerie- 
masse n5tig wird, marschiert, ebenso rasch Vs der Artilleriekraft 
des Armee-Corps einsetzen. Befindet eich die Corps-Artiilerie nicht 
bei dieser Marschkolonne eingeteilt, so wird, bis diese Artillerie- 
inassc gebildet werden kann, je naoh der Entfernung der beiden 
Marschkolonnen von einander, mehr Zeit vergehen. Wird durch 
die beträchtliche Entfernung beider Marschkolonnen (Infanterie- 
Divisionen) von einander, oder durch trennendes Gelände ein Zu- 
sammenwirken der beiden Infanterie-Divisionen im Gefecht sehr 
verzögert oder gar unmöglich gemacht, so bietet für die Fälle, in 
welchen nicht mit Sicherheit im Voraus beurteilt werden kann, bei 
welcher Infanterie- Division die Entwickelung der Artilleriemasee 
angeseigter sein wird, die Zuteilung je einer Abteilung der swei 



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27 



AbteiluDgon starken Corps -Artillerie an jcd«^ MniNclikolonno (Infanterie- 
Division) da« Mittel, die durch die grofse Entfernung (jder trennen- 
des Gelände von einaiuler in die Lage eines selbstständig zu führenden 
Gefechts kommenden Infanterie-Divisionen mit der möglichst grossen 
Artüleriekraft (je Vi des Annee-Corps) auszustatten. 

Die Ansieht v. Boguslawskis, dafs sich die auf dem Schlacht- 
felde bei Bildung gröfserer Ai-tillerienmssen ergebenden Schwierig- 
keiten viel gröfser sein werden, wenn die Corps -Artillerie, die für 
sich allein eine Ijedeutende Wirkung auszuüben im Stande ist, ent- 
behrt worden müsse, wird dnrch die Schlacht bei Wörth in einer 
ftir das V. Armee-Corps sehr günstigen Weise bestätigt. Wir er- 
lauben uns hierfür auf den im »Militär-Wochenblatt« Nr. 45 vom 
Jahrgang 1890 in dem Aufftnt/.c »I ber die Verteilung der Artillerie 
innerhalb des Armee-Corps« enthaltenen Ansspnich eines Gegners 
der Corps- Artillerie Bezug zu nehmen: »In der Schlacht von Wörth 
entwickelte sich die gesamte Artillerie des V. preufsischen Armee- 
Corps friihzeitig in einer grofsen Artillerielinie, unter Befehl des 
Brigade- Commandeurs. Unstreitig hat die Corps -Artillerie den 
Stützpunkt für die Bildung der Artilleriemasse abgegeben, so zwar, 
dafs die gesamte Artillerie mehr im Sinne einer Corps-Artillerie 
verwendet wurde und sieh nicht zeitgerecht wieder löste, als die 
Infanterie der engeren Verbindung mit ihrer Artillerie bedurfte. 
Erst als die letzten Reserven auf das westliche Sauer-Ufer gezogen 
Warden, gingen auch die Batterien der 10. Infanterie-Division und 
die Vi Corps •Artillerie Tor.c — Den Grund, aus welchem die 
DivlaioBt-Ärtilleriea da* 9. und 10., sowie auch jene der 81. und 
22. Infimterie-Divition (XI. Annee-Gorps), im sweiteii Moment der 
Sehlmilit die Bfiekkehr in im Dinmom -Verband TarBaumten nnd 
dadurch die Verbindong mit ihrer In£uiterie i^ndidi verloren, 
k5nnen wir jedoch nicht in dem Vorhandensein einer Owpe-Artnierie 
finden. Dieaer Gmnd lag einzig nnd aUem mr darin, dab von 
Seite der betreiFeDden Infunterie-Divisionen nichts geschehen ist, 
nm die DiTiaions-Artillerie naoh Beendigung dee ArHUeriekampfes 
in den Verband ihrer Divieionen zorflckBomfen. 9ltrBt gegen Bnde 
der Schlacht stellt der Commandeur der 10. Inüuiterie-Division dieses 
Verlangen (Leo, die Schlacht bei Wörth, Seite 43) nnd können sich 
die Batterien dieser Division im Verbände der 22. Infanterie- 
Division nooh an der Beschiebong von FriSsohwiller betenigen.€ — 
Hierin trat bereits in den folgenden Schlachten des Krieges 1870/71 
die gebotene Indemng ein. Dieses ist auch in den, im »MilitSr- 
Wochenblatt« gebrachten, höchst verdienstvollen taktischen Rück- 



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38 



Divifions», Corpi-, Armee -Artillerie. 



blicken anf die Sohlaehten des deaiecb-fraiuSsiscben Krieges, be- 
zfiglich der ScUacfat bei Beawnont (Jahrgang 1890 Kr. 46<-48) mit 
den Worfcen herrorgehoben: ^Die Conunsndenie der Infanterie* 
Difisionen Uusen sieb die Verfügung über ihre ArtSleiie in keinem 
Momente aeihniS3flni.c 

Bei der aeit 1887 vorgeaebenen StSrice and weaentüeh günstigeren 
GUedemng der OirisionB-Artttlerie (mit 1 Begiments-Commandenr 
und 2 Abteflanga-Commandeuren) wird ancb von Seite des Com- 
mandenrs der Diriaiona-ArtQlerie das Vonebretten des Angriffs der 
Infanterie semer Division nnd die Verbindung mit dieser gans 
anders im Ange bebalten werden ktonen, ab dieses wabxend des 
Feldsoges 1870/71 von Seite des bei der Dirisions-Artillerie be- 
findlichen eben, mit der Leitong des Kampfes seiner vier Batterien 
ToUanf besebäfkigten Abteflonga-Oommandeurs gesebeben konnte. — 
Den Grund dafür, dab wSbrend des Krieges 1870/71 in vielen Fillen 
Batterien der Corps-Artillerie Aufgaben gelöst baben, die in erster 
Linie der Divisions-Artillerie snge&llen wiren, erblicken wir auch 
mit darin, dab die Corps-Artillerie damals schon in swei Abtettongen 
gegliedert, nnd hiermit deren Commandenr durch swei Abteilungi- . 
Commandeure in sdner speiifisdi aitilleristiscben Tbfttigkdt untere 
stfltst war, die Divirions-Artillerie aber nieht. 

Nur drei Batterien starice AbteUungen und die Zuteilung Ton 
awei so gebildeten Abteilungen unter einem Regiments-Commandenr 
an jede Infanterie-Division, erachten wir als den grÖfstcn der vielen 
organisatorischen P^ortschritte, welche die deutsche Feld -Artillerie 
seit (](>m Kriege 1870/71 gemacht hat Möchte diesem Fortschritte 
der Überf^ang zu nur zwei, statt drei oder gar vier Abteilungen 
atarken Feld -Artillerie -Regimentern, als ein weiterer wesentlich 
gebotener Fortschritt bald nachfolgen. Fflr den Kriegsfall läfst 
ihn die Felddienst-Ordnung (1887) erwarten. Die befürwortete 
Verteilung der Feld -Artillerie nur an die Infanterie- Divisionen stellt 
ihn in Frage. Denn es ist zu befürchten, daCs, ebenso wie die 
Leitung von 4 Batterien starken Abteiinngen als eine zu schwierige 
erkannt wurde, sich auch die von drei Abteiinngen starken Begi- 
mentern als eine nicht günstige erweisen werde. Wie können aber 
9 Batterien starke Regimenter — die notwendige Folge der gleich- 
mäfsigen Verteilung der Artillerie eines Armee-Corps an dessen 
beide Infanterie - Divisionen — anders eingeteilt werden als in 
3 Abteilungen a 3 Batterien? Ihre Einteilung in zwei Regimenter, 
das eine 5, das andere 4 Batterien stark, würde 4 Abteilungen, 
darunter 3 nur 2 Batterien starke, ergeben. — Selbst dann, wenn 



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Divinont-f Corps-, AroMe-ArtiUerie. 29 



in Übereinstimmung mit den im »Militär-Wochenblatt« über »die 
Verteilung der Artillerie innerhalb des Armee- Corps«, Jahrgang 
180O Nr. 45, vertretenen Anschauuugeu, jeder Infanterie-Division 
10 Batterien in eiuer Brigade zu 2 Regimenter ii 2 Abteilungen 
beigegeben werden, würden bei jeder Infanterie-Division 2 nur 
2 Batterien starke Abteilungen bestehen. Spezifisch artilleristische 
Erwägungen führen also ebeufallB dazu, die Feld-Artillerie eines 
swei Infanterie-DiTisioneii itarken Armee-Corps in drei 
Regimenter su gliedern, md von diesen jeder der beiden 
In&Dtorie-Divnionen des Armee-CkMrpt eines nh Difisions-Artillerie * 
insnteilen, dagegen das Mtte, als Corpe-AitiIlerie*Begiment, der 
nnmittelbaren Yerf Ggung des Brigade-Commandenis der FeU-Artillerie 
des Äimee-Gorpa, mithin in gssiehertar Weise den Befehlm des 
konunaadierenden Generals TOftnbelialten. 

Reitende Artillerie irird in dem mebr erwShnten Anfimts: 
»Die Yerteflmig der Artfllerie innerlialb des Aimee-Corps« nur so 
viel für nAtig eraehtet, dab jeder Kavallerie-DiTision eine Abteilnng 
k 8 Batterien fiberwiesen werden kann. Dagegen spricht sich 
Prins so Hobenlohe-Ingelfingen, w&hiend des Feldsoges 1866 Com- 
mandenr der Reserre-Artillerie, wihrend des Feldsogee 1870 Com- 
mandeor der ArtiUerie des Garde-Gorpe, also sieher anf Omnd reieher 
eigeiMr Eriegserftthnragen, in seinen »Hilü&risehen Briefen Aber 
Feld-ArtiUeriei, Berlin 1885, Seite 207, 808, wie folgt ans: »Die 
der Earalleiie beisngebende Artillerie mnls reitende sein. Abör 
auch die Corps-Artillerie braucht reitende Artillerie, wenn sie sehneQ 
snr Stelle sein soU. Das Ideal wire, wenn die gsoie Coorps-Artülerie 
ans rmtender Artillerie bestlnde. Wenn der Pfiardebestand des 
Landes neben dem Bedarf fOr die Kafsllerie nicht die irittigen 
Reitpferde üefem kann, nm aneh die ganne Coips-Artinerie beritten 
zu machen, so ist wenigstens bis sn dieser Grenae so vieh als rnüg- 
Hch reitende Artillerie wünschenswert.« Die im Sommer 1890 fes^ 
gesetste Friedena>Organiiation der dentsehen Feld -Artillerie trigt 
diesem ans reicher Kriegserfahrung gewonnenen nnd durch That- 
Sachen — reitende Artillerie des III. Armee-Corps kam »16. Angost 
1870« Vi Standen früher an als die mit ihr die Corps-Artillerie 
dieses Corps bildende Fufsabteilong, bei einem Wege von IV4 Meilen 
im Gebirge; das Schlachtfeld von Beaune la Rolande erreichte nur 
die reitende Abteilung des III. Armee-Corps reehtieitig, nm ein- 
zugreifen, nach einem Marsch v<m 7 Mmlen a. s. w. — begründeten 
Wonsche in der Weise Rechnung, dals nicht nnr jeder Kavallerie- 



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30 DM/kM-, Corpe-, AnMeoActÜleii«. 

Divuion, londfinL meh der grofiNn IfehnAhl der AimM • GorpB 
reitende Artillerie 

All Mindertbederf an Feld-Artillerie ftr ein swei. In&itterie- 
Diriaioiieii staritet Annee*Gocpa kSiinen 3 Begimenter ä 2 Abteilnagen, 
daranter 5 fthrende Abteüiugen und eine reitende Abtoiliuig be- 
ariolmet weiden. Hierbei sind pro Annee-Oorpe 2 Infanterie- 
Divisionen: 1 Brigade-, d Begtmente- und 6 Abteilungs-Gonunandeare 
erforderlich. In dem oben erwähnten, die gleichmilnge Verteilang 
dtx Feld-ArtiUerie auf die beiden Infanierie-Diftrioncn befQrvrorten- 
den Au&ata werden 2 Brigade-, 4 Regiments- und 8 Abteilunga- 
Gommandeure für erforderlich erachtet und wird hierbei ein Chef 
für die Feld -Artillerie des Armee-Corps nicht erwftlinL .VieUeiobt 
deshalb nicht, weil angenommen wird, dab ee dem kommandierenden 
General nicht schwer fallen könne, wenn er ea fftr nötig hält, nicht 
nnr eine Corps -Artillerie auszuscheiden^ eondern auch einen der 
beiden, den Infanterie-Divisions-Commandeuren anterstellten Brigade- 
Commandeiire aut der oberen Leitung der Artillerie des Armee- 
Corps beauftragen zu können. In dieeer fiesiehang mnia ein Blick 
auf die Armee geworfen werden, welche im Kriege wie im Frieden 
dem Namen nach keine Corps -Artillerien, sondern nnr Divisione- 
Artillerien vorgesehen hat. In v. Löbells »Jahresberichten über die 
Veräudenmgen und Fortschritte im Militürwesen«, XVI. Jahrgang, 
1889, I. Teil, Seite. ;')(K) finden wir, d.ifs in Russland dem Corpa- 
Commandeur ein Chef der Artillerie, ^ (JenerallieuteDant ' , unmittelbar 
unterstellt ist. Dieser hat der ihm im Frieden unterstellten Artillerie 
des Corps gegenüber die Rechte und I'ilichten eines Divisions- 
Commandeurs. Im Kriege darf er über die in den Verband der 
Infanterie- und Kavallerie-Divisionen getreteneu Batterien nnr mit 
Genehmigung des Corps-Conimandeurs verfügen, hat aber für die 
Krgänzung der Munition, der Pferde u. s. w. zu sorgen. Bei der- 
jenigen Armee, welche die Corps -Artillerie dem Namen nach gar 
nicht kennt, wird also doch ein Chef der Artillerie des Armee- 

« 

Corps für nötig erachtet. 

Zu den taktischen und artilleristischen Gründen, welche ganz 
entschieden für die Aussclicidwng einer Corps -Artillerie hei nur 
2 Infanterie-Divisionen starken Armee-i'orps sprechen, tritt noch 
der gar uicht hoch genug zu veranschlagende Vorteil hinzu, dafs 
sich, wenn die beiden Infanterie-Divisionen eines Artnee-Corps unter 
der Leitung ihres kommandierenden Generals kiim})fen, und dieses 
wird doch hei einer in Armee-Corps, nicht in Armee-Divisionen 
gegliederten Armee die Regel sein, drei, wenn auch etwas schwächere 



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0i?Mioi»-, Coipt> AnDM-ArtUl«rie. 



31 



Hauptteile (2 Divisions -Artillerien uud 1 Corps- Artillerie) in allen 
Fällen besaer unterstützen können, als nur zwei, wenn auch etwas 
stärkere Hauptteile (2 Divisions -Artillerien). 

ad II. Nachdem selbvfc yon der Seite, welche die gleichmafsige 
Yerteiiang der Artillerie eines Armee- Coips an die Infbiterie- 
IKraoneB belBnrorteti mgegel^ wird, daCi in geplanten Yer- 
teidigungsschlaohten die Ansscbeidung einer Coip»*Artinerie notwendig 
Ht| Imuielieii irir nur beiilglioh des Angriflb au die mit der Drel- 
teOnng (zwei Dirieiona- nnd eine Corpe-ArtiUerie) Terknüpften Yor^ 
teile in erinnern, c Jeder AngrilF hat nnr dann Ansiieht anf Erfolg, 
wenn die Herbeiflilirung der Fenerflberlegenheit gelingt, und awar 
snniefaet diejenige der Artillerie — aleo Sunpf mit der frindlichen 
Artillerie. Za dieiem Zweck sind thnnlichat alle Batterien in Btelinng 
m bringen.» Dieser, im Bn. Begl. t d. Feld-Art 1889 (Ziffisr 821) 
kenrofgehobene Gnmdsals bleibt geltend, ob die Artfllerie eines 
Armee-Gorpe in swei Dirisions» nnd eine Corps-Artillerie oder nnr 
in swei Divisions*ArtilIeriea gegliedert ist — «Die Enifemnng rtm 
Feinde, in welcher die erste Fenentellnng sn wShlen ist, hingt von 
den Absiobten der FOhmng, der Gefeehtdage nnd deip GeUUide ab. 
Falls die ente SfteUnng ein NiederkSmpfen der feindliehen Artillerie 
nieht ermSgUcfat, arafi anf wirksamere Sebnisweite yorgegangen 
werden.» (bb-Begl. f. d. FMd-Art., ZUfer dS2.) — «Sobald das 
frindliche Artilleriefener ged&mpft irt, nnd der Tmppenf&hrer den- 
jMilgen Tflfl der feindlichen Stellung bestimmt bat, den er angreifen 
will, mnls ein überwiltigsndes Artüleiiefoner, mögliehst ans nm- 
fssnenden SteDnngen, dorthin vensnigt weiden, wihrend einem Teil 
der Batterien die Angabe inflllt, die feändtiohe Artillerie, nnd 
beaonders diqenige, welehe nach dem Angriffsfeld zu wirken vermag, 
niedersobaltsn n. s. w. Die richtige Rollenverteilung hierbei ist 
eine der Tornehmsten Aufgaben des höheren Artilleri^hrers. Sie 
erfofdert Kenntnis der Absichten des Truppenführers und klare 
Beurteilung der Gefechtslage.» (Exz.-Uegl. f. d. Feld-Art. Ziffer 323.) 

Hiermit ist mit einer jeden Zweifel ausschliefsenden Deutlichkeit 
ansgesprochoa, dafe, wenn ein Armee-Corps in den Kampf tritt, der 
Brigade-Commandeur hezw. Chef der Artillerie desselben die Thätig- 
keit der Artillerie des Armee-Corps zu leiten hat. Die Erfüllung 
dieser höchst wichtigen Aufgabe wird aber doch offenbar dem 
Artillerie-Chef wesentlich erleichtert, wenn eine der Hauptgnippon 
der Artillerie des Armee-Corps (Corps-Artillerie) ein für alle Male 
Reinem Befehle unterstellt ist, nnd mit dieser zwei andere, smnem 
Befehle nnr vorübergehend unterBiellte Artilleriegrnppen (Difisions- 



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32 



OMiioiw-, Corpfl-, AnuM-ArtOMi 



Artillerien) znsammen zn wirken haben, als wcau er Über iwei, 
seinem Befehle bis dahin gSniiicb entlegene Hnnptgroppen (Divinone- 
ArtiUerien) zu Terfügen hat 

Die Infanterie-Dirisionen kSnnen, mit Aumeht anf Erfolg, mit 
ihrer Infanterie erst dann zom Angriff eohreüen, wenn die feindlidie 
Artillerie niedergekämpft and gegen den anzugreifenden Teil der 
feindlichen Stellung ein überwältigendes Artilleriefeuer vereinigt 
worden ist. Von den besonderen Verhältnissen des Gefeehle und 
des Geländes, sowie von der £ntfemnng der eingenommenen Feuer- 
stellnng TOn der feindlichen Stellung, wird es abhängig sein, ob die 
vom Beginn des Angriffs der Infanterie ab anbedingt unter den 
Befehl ihres Infanterie - Divisions - Gommandears zurücktretende 
DiviBions-Artillerie aus der Feuerstellung, welche sie anf dem ihrer 
Division näher gelegenen Flügel in der Artilleriemasse einnimmt, die 
Durchführung des Infanterie-Angriffs ihrer Division bis zum Sturm 
nnterstützen nnd fördom kann. Ist dieses ans der innehabendon 
Feuerstellung möglich, so liegt, namentlich wenn dieselbe wenig 
über 2000 m von der feindlichen Stellung entfernt ist, kein Grund zu 
einem Stellungswechsel vor. Anders liegen natürlich die Entscheidungs- 
griinde, wenn die Feuerstellung 2500 m oder noch weiter vou der 
feindlichen Stellung entfernt ist, und der feindlichen Stellung nähere 
— für die Unterstüt/mig des Inf.iiiterieangriffs erst ganz entsprechende 
oder wenigstens günstigere — Feuerstellungen, mit Rücksicht auf 
den wirksamen Bereich des feindlichen Infanteriefeuers (läOO m), 
für die Durchführung des Artilleriekampfes bezw. Vorbereitung des 
Infanterieangrift's nicht eingenommen werden konnten, in diesem 
Falle mufs vou den betreffenden Divisions-Artillerie-Regimentern, 
sobald dieses durch das Vorachreiteu des Infanterieangritfs ermöglicht 
ist, uubedingt in die dem Kampfe ihrer Division entsprechenderen, 
erforderlichenfalls zwischen den Brigaden der Division gelegenen 
näheren Feuerstellungen vorgerückt werden. Ob für die gesamte 
Divisiuns-Artillerie oder nur eine Abteilung, vielleicht auch nur 
einzelne Batterien, das Vorgehen in diese näheren Feuerstellungen 
nötig ist, hängt von den besonderen Verhältnissen des Gefechtes 
und des Geländes ab. — Mit voller Sicherheit kann nun angenomnieu 
werden, dafs jedenfalls bei einer der beiden Infanterie-Divisionen 
des Armee-Corps eine zwei Abteilungen a drei Batterien starke 
Divisions-ArtilltTie /.ur unmittelbaren Begleitung des Infanterieangriffs 
genügen wird. Ist nun eine Corps- Artillerie (3. Artillerie-Regiment) 
durch die Ordre de bataille vorgesehen, so ist der kommandierende 
General mittelst derselben imstande, derjenigen Infianterie-Divisionf 



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]>ifbioii»>, Oorpi% Amwe-Aitttkrle. 



33 



wakbe der kiifügeran Artillerieantentötumg bedarf, diese jedenfalle 
' IflBiditer und rascher gewahren zn können, als wenn die der einen 
Infanterie- Division nSthige Artillerie- Verstärkung ant Mil d«r 
DiTisions-Artillerie der anderen Infanterie-Division gewonnen (ftuft* 

geschieden) werden muCs. Anch dürfte sehr Beachtung verdienen, 
dafs zwei Regimenter (ein Divisions- und ein Corps-Artillerie-Regiment) 
in wesentlich günstij^erer Weise für die Erfüllung einer gemeinsamen 
Aufgabe znsammeuwirken wcrtleii, als eine durch Artilleriekräfte 
der anderen Infanterie- Division verstärkte Divisons- Artillerie. — 
Ferner wird die Unterstützung der zur Abwehr eines Gegenangriffs 
in Thätigkeit tretenden Infanterie- Reserve des Arinee-Corps durch 
Artillerie, bezw. die rasche Einnahme einer, die Flanke des eigenen 
Angriffs sichernden Feuerstellung, wesentlich leichter im Sinn der 
Gefechtsleitung (kommandierenden Generals) des Armee -Corps und 
zugleich auch rascher bethütigt werden können, wenn eine Corps- 
Artillerie in der Ordre de bataille des Armee-Corps vorgesehen ist. 
Aufserdem wird gerade das Vorhandensein einer Corps- 
Artillerie ermöglichen, derjenigen Infanterie - Division, 
welche im Anschlufs an den den Feind beschäftigenden 
Frontalangriff den umfassenden Flankenangriff auszu- 
führen hat (22. Infanterie-Division bei Wörth) ihre Divisions- 
Artillerie ungeschmiilert belassen zu können, da auf Vn der 
Artilleriekrafteines Armee-Corps, bei der Durchführnng iles Artillerie- 
kanijtfes, leichter verzichtet werden kann, als auf 7i *ier Artillerie- 
kraft dea Armee-Corps. 

Die hücht verdienstvollen cTaktischen Rückblicke auf die Ver- 
wendung der Feld-Artillerie in den Schlachten des deutsch-französischen 
Krieges» sprechen sich — Militär- WochenblAti, Jahrgang 1889, 
Nr. 84 — dahin aus: «Wie es wohl kaum den Intentionen des 
6eneial-Komniandos(XI.) Armee-Corps, welches nnscheinend (Geoeral- 
•taimweik Seite 240 und 263) die gance DiTÜioD (23.) gegen die 
radite feindlidi» FlanlEe m wwendoi beabaiditigte, entsprach, dafa 
die Dtvirione-Artillerie der 22. In&nterid-IKTinon nm 11 Va Uhr 
noidlidi des Dorfes Gnnilelft in die OesohfltBlinie der 21. Infanterie- 
Dlviäon einr&okte.» Die UrMohe, dafs, infolge hienron, bei den 
nun folgenden fibnpfm der 22. Infimteiie-DiTieon nm den Nieder- 
vald und Sberabaeh, Tor allem aber bei dem Heraustreten ans dem 
Kordiande des Waldes gegen ElaabbauseD, sich die Trennung ?on 
i)ufer Difisions-ArtUlerie schwer fühlbar machte, können wir jedoch 
nichi in dem Vorhandensein einer CSorps-ArtiUerie finden. Diese 
Unaehe higdoeh einKig und allein darin, daJa die Dimons- Artillerie 

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84 



der 22, Infanterie- Division , der Absicht des General-Kommandos 
entgegen, also sicher ohne Befehl von dieser Seite, bei Gunstett 
verbleiben und sich auf Entfernougen von 2400 — 3000 Schritten an 
dem Kampfe des V. Armee-Corps gegen die Höhen südlich von 
Wörth beteiligen konnte, obgleich hei Gnnstett so viele Batterien 
vereinigt waren, dafa wegen Kaummangel diejenigen der Corps- 
Artillerie des XI. Armee-Corps nicht alle Platz fanden. Es liegt 
kein Grund zu der Annahme vor, dafs, wenn die Artillerie des 
Armee-Corps an dessen beide Infanterie-Divisionen gleichmafrig ver- 
teilt gewesen wäre, eine entsprechendere Verwendung der Divisions- 
Ariillerie der 22. Infanterie-Division stattgefunden hätte. 

«Bei der Verfolgung ist schnelles Vorgehen der Artillerie 
(las einzige Gebot. Besonders wirksam ist flankierendes Feuer. Zu 
einem Druck auf die Rückzugslinie eignet sich vorzugsweise reitende 
Artillerie in Verbindung mit Kavallerie.» (Exz.-Regl. f. d. Feld-Art. 
Ziffer 334.) Dafs eine pro Armee-Cor])3 in drei Hauptgnippen 
(Regimenter a 2 Abteilungen) geteilte Artillerie für schnelles Vor- 
gehen günstiger gegliedert ist als zwei Hauptgnippen (nur Divisions- 
Artillerien) bedarf wohl keines weiteren Wortes. — Beim Abbrechen 
eines Gefechts oder bei einem unglückliclien Kampfausgang 
lälät sich, durch das Zusammenwirken der Corps- Artillerie mit der 
Divisions-Artillerie, der die Arrieregarde bildenden Infanterie-Division, 
ermöglichen, dem Feinde in der Arrieregarde der Artilleriekraft 
des Annee-CorpB möglichst lange entgegenstellen sa können. 

ad in. Es kann nicht m Abrede gestellt werden, dab, bei 
Ansfidl dsf Coipi-ArtUleriei das Amee-Gorps seine Befehle an eine 
Stelle weniger tm erlaasen bat Das Erscbwerende in der Arbeits- 
letitung desjenigeDf welcher onen BeMil zu geben hat, ist jedoeh 
▼iel weniger die Zahl der Stellen, aa welche ein BefeU an erlassen 
ist, als die Ab&ssmig des Befehles selbst Dabei steht es sehr in 
Frage, ob nicht dadnicb, daüs, beim Fehlen einer Corpe-ArtOlerie, 
die Verhiltnisse scharf ins Auge gefslst nnd besonders erwogen 
werden mfissen, in welehen es nötig werden kOnnte, einen Teil der 
grondsätslich den Infimterie-Dimionen aDmn angewiesenen Artillerie 
fSr eigene Verfftgong sich Torbehalten m müssen, dem General- 
Kommando eines Armee-Corps eine sehwierigere nnd grdlsere Arbeits- 
leistnng erwachsen wird, als wenn ein fSr alle Male fiber eine 
Gorps^ArtiUerie za ve r lS gen ist — Naher hieraaf einxagehen, er> 
achten wir nieht fflr geboten, denn wenn wir im Rechte sind, das 
Bestehen einer Ccrpe-Artdllerie f&r das Gefecht eines Armee-Corpe 
als notwendig, oder wenigstens Torteilhafter als deren Fehlen an- 



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Dinnoni», Corp»-, Aniioe*Ailülnifl; 



35 



zusehen, so müssen alle an deren Bestehen geknüpften Folgen davor 
zurücktreten und der Haaptaache wegen in den Kauf genommen 

werden. 

Bezüglicli der Unterkunft und Verpflegim? der Corps- Artillerie 
sind wir der Ansiclit, dafs es keinem Bedenken unterliegen kann, 
wenn das hierauf lieziigliche in allen den Fällen, in welchen die 
Corps-Artillerie durch die Trnppeneinteilnng einer der beiden — 
oder <ausnahuisweiset mit je einer Abteiluiij^ jeder der beiden — 
Infanterie-Divisionen zugewiesen ist, der betretfenden Infanterie- 
Division übertragen wird, womit dann die bessere Ausnutzung 
der Mittel des Kript^sschauplatzes sich auch beim Vorhandeiiseiii 
einer Corps-xVrtilierie namentlich dann t!;ewinnen läfst, wenn bei Al>- 
grenzung der Rayons für die beiden Infanterie-Divisionen, von Seite 
des General-Kommandos, diejenige Tu t'anter je- Division, welcher die 
Corps-Artillerie durch die Truppeaeinteiluug zugewiesen ist, ent- 
sprechend berücksichtigt wird. 

Hinsichtlich der Komplikationen, welche sich beim Vorliandeu- 
sein einer Corps Artillerie durch die für diese nötigt; Partikulur- 
Bedeckung ergeben können, erlauben wir uns die hierauf bezüglichen 
Zitfern der Felddieust-Ordnuiig 1887 und des Exeraier-Reglrments 
für die Feld- Artillerie 1889 an/.ufuhren. In Zitier 217 Absatz 2 der 
Felddienst-Ordnung ist bemerkt: «In der Marschordnung wird die 
Artillerie so weit vorgenommen, als ihre Sicherheit es erlaubt; in 
Rücksicht auf letztere kann es geraten sein, in eine sehr lange 
Marschkolonne der Artillerie eine kleine Infanterie- Abteilung ein- 
SDSchieben. Zum Schlufs folgt die Masse der Infanterie n. s. w.» 
Bei gleichmSbiger Verteilnng der Artillerie an beide Infanterie- 
Divisionen des Annee-Corpe befindet sich, ein för alle Blale, die 
HSlfte der ArtiUerie des Armee-Corps (9 besw. 10 Batterien) in der 
llanebkolonne ein«r Infanteri^Dirision, wäbrend sich« bei Ansp 
sebeidung einer Corpe-Artillerie, in der Maiscbkolonne derjenigen 
InÜanterie-Diyision, mit weleber die Corps-Artillerie, gem&ls der 
Troppeneinteilang m manchieren bat, Vs der Artillerie des Armee- 
Corps, also 8, böcbstens 4 Batterien mehr, in einer ihre Einteilnng 
in die Hafacfakolonne der betreffenden Infanterie-DiTision begfinstlgen- 
den, nuthin sicher nicht gröbere Komplikationen herbeifthrenden 
Gliederung — 2 Regimenter a 2 Abteilungen — befinden werden. 
Ziffer 267 des Exerzier-Beglements fttr die Feld-ArtiUerie enth&lt 
die Bestimmung: c£ine besondere Bedeckung der ArtiUerie ist im 
allgemeinen nicht erforderlich. Jeder in der Nähe bedrohter Batterien 
befindliche Truppenteil ist rar Hfilfeleistnng Terpflicfatet» 

8* 



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86 



Biririou^ OoqM-k Armee -ArtÜleri«. 



Nun mufs auch noch ein Blick auf die Verhältnisse geworfeu 
werden, welche sich dadurch ergeben können, dafs beim \ orniarsch 
eint'S Armee-Corps auf zwei Strafsen, die seither der eineu Infanterie- 
Division durch die Truppeneinteilung zugeteilte Corps-Artillerie der 
anderen Marsclikolonne (Infanterie-Division) zugewiesen wird. Dafs 
hierdurch Komplikationen entstehen können, ist in dem «die Ver- 
teilung der Artillerie innerhalb des Armee-Corps» behandelnden 
Aufsatz des Militär-Wochenblattes Nr. 45 vom Jahrgang 1890 wie 
folgt hervorgehoben. «Das Oberkommando der Maas-Armee hatte 
fflr den Vormarsch am 30. August 1870 (Schlacht von Beaumont), 
welcher vom IV. und XII. Armee-Corps auf vier Stralsen ausgeführt 
wurde, mit Rücksicht auf das namentlich an den Wegen der mittleren 
Kolonnen vorherrschende Waldgelände, befohlen, die Corps- Artillerien 
den äulscren Flügeln zuzuteilen. Bui der 8. Division folgte die Corps- 
Artillerie an der Queue, bei der 23. Division dagegen befand sich 
die gesamte Artillerie an der Tete des (hos. Das Gefecht wurde 
von der 8. Division eröffnet, deren vier Batterien Vi Stunde nach 
dem ersten Kanonenschufs auf dem Gefechtsfelde in Thätigkeit 
tniten; die Corps- Artillerie IV. Armee-CorpA traf erst swei Standen 
spator ein und Iiai den ganaen ersten Moment der Schlacht den 
Übei&n des ftmni8iMlifl& Legen nnd die W^gnalune der Stadt 
Beenmont — Tenftamt n. e. w. Dieee Gorpo-Arlülerie war am Tage 
vorher mit der 7. Division maieehiert tmd hei deiaelben auch unter- 
gebracht; der Übertritt ssar 8. BiTision voUaog sieh nioht ohne 
Sehwierigkeiten, denn die echlechten nnd TOn anderen Fahneogen 
gleichzeitig benutiten Wege im Bds de la IVilie bereiteten ihr 
einigen Aufenthalt (Generatotabewerk Seite 1042). — Bdm XIL 
(k0n^. Büohinechftn) Amee-Gorpe war die Oorpe-Artillerie der 28. In- 
fanterie-IHnrion mgeteilt nnd maiachierte an der Qnene der übrigen 
Artillerie. Daa Yoisiehen der Goipe- Artillerie und Einechieben der> 
aelben swisohem die Bataillone der 28. Diviaion yerriSgerte den Anf- 
bmoh der Maiaehkolonnen desXILGoipe(€eneral8tabeweKk Seite 10(5). 
Hier wurde duzeh awecikmabige Einteilnng der Gorpa-Artülerie die 
frfthaeitige Entwiekelung einer starken ArtQleiie eneieht. (Immerhin 
wfiren aber ohne Corps-ArtiUerie die durch deren Yoniehen nn- 
Uebeaiaen YenSgenmgen des Abmaraehee Termieden werden.)» 

Hienu mub bemerkt werden, dafi nach dem GeaeialBtab^ 
weik Bote 106&, der Aufbruch der beidra Haraehkolonnen dea 
XIL Corps aneh in Folge von Kronau ngen mit den früh moigens 
Yon Anderanne ftber Tailly vorrftckenden Teilen der 7. Division 
versSgert wurde^ also jedenfalls nicht anaschHeftiioli dem. fiin- 



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DiTiuon^, Corpi-, Aimce-AxtiUexie. 



fdiieben dar fon fiwrioourt hei komimdai CSorps-Artillerie 
XU. AxmKFOotfu iiriidMa die BiftalUoiie der 8S. InfimtenB- 
DhrMum zugeschrieben worden kann. Anbeideoi kt im Genend» 
■tahewerk Seite 1042 angegeben, da(i die Corpe>Artillerie lY« Annee» 
Corps, Msdem ihr dm sehleehtn und Yon anderen iUmeugen 
gleiehMitig hennisten im Boie de b Folie einigen Aufenthalt 
bereiteien, bald wieder ftber Fofls^ den Anachlnb an die 8. Difi- 
aion, bei welcher sich anoh der kommandierende General befand, 
gewann» Naflh Leo »Die dentache ArtOlerie in den Sdüaohten und 
IMEm des deuteeh-franMechen Krieges, Heft 7, Seite 46c, hatte 
die Goipe-Artilkrie des IV. Armee-Corps mit der Teto etwa die 
Mitte der Manebkolonne der Dirision (8.) ecreieht, ab die ersten 
Kanonensehüsse fielen; Obent Cnmoa m>id Oberstüeatenani Forst 
trafisn bereits aof dem Qelechtafelde ein, vm die Annihenug der 
CoiiM-'ArtiUerie sn melden« General Soherbening ordnete so« 
gleich das Voniehen der Batterien in die GefeehteHnie der Batterie 
der 8. InÜnnteiie-Dirision an. Hieraos ergiebt sieh, dals die Oorpe- 
Artilleri^ lY. Armee-Corps sich nicht mehr an der Quene befand, 
eondem — aHerdinga nmr mit ihrer Teto — die Stolle in der 
Marschkotonne der 8. Infanterie-DiTisicm einnahm, an welcher moh 
bei gleichm&biger Verteünng der Artillerie an die Dtvirionen, die 
Qnene der Dinsions-Artillerie befinden k5nnte. Obwohl dieser 
Unterschied immerhin der Manchtiefe von mindestens vier Batte- 
rien entsprechen dürfte, so haben wir doch kaum Unrecht, wenn 
wir die Ursache, dafs sich die Corpa-Artilleiie IV. Armee-Corps an 
dem Überfalle des französischen Lagers nnd der Wegnahme der 
Stadt Beaumont nicht beteiligen konnte, weniger in der etwa 1 km 
betragenden grfilseren Entfernung derselben von der Tete der 8. Di- 
vision, als in der grofsen Eile, mit welcher zum Überfalle des fran- 
zösischen Lagers geschritten, wobei gar nicht auf das Eiaaetzen 
der Corps-Artillerie Rttoksicht genommen wurde, erblicken. 

ad IV. £s kann nicht in Abrede gestellt werden, dafs sich 
bei AbschafPung der Corps-Artillerie eine noch engere Verbindung 
der Feld-ArtiUerie mit der Infanterie durch die unmittelbare Unter- 
steUung je eines dar sor Zeit im Frieden bestehenden 43 Feld- 
Artillerie- Regimenter unter jede Infanterie -Division ermöglichen 
lieCse. Die entscheidenden Gründe bei Lösung dieser Frage 
können aber einzig und allein in den Anforderungen des Krieges 
liegen. Sollten wir daher im Rechte sein, wenn wir die Bei- 
behaltung der Corps-Artillerie in der durch die Felddienst- 
Ordnung (18Ö7) vorgeaebeneu Weise den im Gefecht von Seite 



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88 



DiTÜious-, Corp»-, Armee -Artillerie. 



eines Armee-Corps so erfftUencleii, ad^I und II «iiigehender be- 
tnchteteo Aufgaben för ongleicb vorteilbafter als die ansachlieb- 
licbe Yerteiliing der gesamten Feld-Artillerie an die Infimterie- 
Diviaenen «rächten, so mufo die dem Kriegsbedürf niese ent- 
sprechende Einteilnng der Feld-Artillerie anch bereits im 
Frieden angestrebt werden. Ans diesem Grande mnssen wir 
wonschen, dab die dnreh die Fdddienst-Oidnnng (1887) Yorgesehene 
Eriegseintdlnng der Feld-Artilleiie bereits im IVieden bestehe. 
Pro Armee- Corps wfirde dann wie seither eine Feld -Artillerie- 
Brigade erforderlich sein. Diese Feld-ArtUlerie-Brigade würde bei 
swei In&nterie-Divieionen starken Armee-Corps in 8 B^gimentcv 
(2 Divisions- nnd 1 CorpB-Artilteiie-Begiment), bei drei Infanterie- 
Divisionen starken Armee-Corps in 4 Feld-Artillerie-Begimenter 
(8 DiTisions- nnd 1 Corpfr>Artillerie-Regiment) zu gliedern sein. 
Jedes dieser Regimenter würde im Kriege nnd Frieden die Stirfce 
von zwei Abteilungen bedürfen. lui Kriege ist fBr jede der beiden 
Abteilangen der 48 Dirisione-Ariillerie-Regimenter die Stärke von 
drei Batterien n(5tig, während jedes der 20 Corps-Artillerie- 
Regimentcr eine fahrende Abteilung und eine reitende Abteilung 
bedarf* Aoiserdem wiirde bereits im Frieden fiii- jede der im 
Kriege aus den nicht bei den Corps- Kavallerie-Brigaden einge- 
teilten Regimentern zn bildenden KaTallerie-Divisionen eine Ab- 
teilung reitender Artillerie vorhanden sein müssen, und konnten 
diese Abteilungen im Frieden als swcite reitende Abteilang den 
Corps- Artillerie- Rrgimentem angegliedert werden. — Abgesehen 
hiervon, Vorhandensein von zwei reitenden Abteilangen bei nicht 
ganz der Hälfte der 20 Corps-Artillerie-Regimenter, würde dann 
die Friedensorgsoisation der Feld-Artillerie von der für dieselbe im 
Kriege gebotenen nnr darin noch verschieden sein, dafs die bereits 
im Frieden über den eigenen Kriegsbedarf des Armee-Corps vor^ 
handenen fahrenden Batterien je einer fahrenden Abteilung der be- 
treffenden Regimenter, vierte Batterie dieser Abteilung, zuzu- 
teilen wären. Die vom Kriegsbedarf abweichende Starke dieser 
Abteilungen würde sicher ebenso wenig wie bei den Kavallerie- 
Regimentern, die im Frieden fünf, im Kriege nur vier Kskadronen 
stark sind, ein Hioderuis für den Übergang iu die Kri^sformatioa 
bilden können. 

Durch die Überführnng der zur Zeit bestehenden Friedens- 
Oi «^aiii.sation der Feld - Artillerie in die eben erwähnte, den 
Anforderungen des Krieges wesentlich naher kommende, würde 
die seit Sommer 1890 festgesetzte Zahl der Batterien nicht 



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.DifUODB-, Corps-, AxiiiM>Aftill«k. 



39 



berdhrt werden» Die hiardorch nötig werdenden Ändemngen der 
IMedaie^OigHiiMition würden swar die Nen-An&tellnng von 
20 BegimeniMt&ben nnd die ümwuidelnng der sur Zeit bei 
lüiif Begimeatwi vorhandenen nur swei Batterien starken 
IV. fidifenden Abteflnngen in reitende Abteflnngen beaiehiingaweiae 
Batterien erfordern, dagegen kßnnte die Zabl der zur Zeit 
atehenden 158 Abteilnngest&be um 19 vermindert werden. 

Die gegenwirtig beetehendea 48 Feld-Artillerie-Begimenter 
sind, abgesehen von dem grobherzoglich hessiBchen Feld-Artillerie» 
Regiment Nr. 86 und dem 6. königlich bayerischen Feld-ArtillenV 
Regiment, zu groke RegimentsTerbände. Kleinere und daffir mehr 
Feld-ArtiUerie- Regimenter würden jedeufalis den gesamten Dienst 
und gans beeonders auch die bei der Feld-Artillerie an und fär 
sich uberana mfibevolle Mobilmachung wesentlich vereinfachen und 
erleichtem. — Besitzt die Feld- Artillerie bereits im Frieden die 
ihrer Einteilung im Kriege entsprechende Regimenterzahl — bei 
2 Infanterie -Divisionen starken Armee-Corps 3, bei 3 Infanterie» 
Divisionen starken Armee - Corps 4, so verteilt sieb die mit der 
Bildung der Feld- Artillerie für die nom Armee-Oorps bei der 
Mobilmachung aufzustellenden Reserve- Formationen ▼erbnndene 
Arbeit auf mehr Regimenter, und kann dieselbe von den be- 
treffenden Regimentern aus der bei ihnen über den eigenen Kriegs- 
bedarf vorhandenen fahrenden Batterie bewirkt werden. Aufser- 
dem kann jedem der 43 Divisions-Artillerie-Regimenter die Bildung 
eiuer Munitions-Kolonnen-Abteilung, jedem der 20 Corps-Artillerie- 
Regimenter die Aufstellung der noch übrigen dem Armee-Corps ob- 
liei^ondeit Feld- Artillerio-Formationeu übertragen w rien. Die liil- 
Uung der für ihren eigenen Rednrf nötigen Hrsat/- Abteilung, 
Handwerker- Abteilung, Rekruteu-Depot u. s. w. ist au und für sich 
Sache jedes Regiments. 

Wenn im Frieden bereits bei jedem Armee -Corps ein Feld- 
Artillerie-Regiment (Corps- Artillerie - Regiment) über die Zahl der 
Infanterie-Divisionen besteht, müssen allerdings bei den f^röfsercn 
Truppenübungen einer der Infanterie- Divisionen des Armee-Corps 
zwei Feld-Artillerie-Regimenter zugewiesen werden. Bei dieser Di- 
vision würde dann jeder ihrer zwei Infanterie- Brigaden während 
der Brigade- und Divisions -Manöver ein Feld- Artilleire- Regiment 
zugeteilt werden müssen und dadurch ermöglicht werden, dafs 
während der Brigade - Manöver aus der jedem Detachement 
(Infanterie - Regiment) zuzuweisenden Artillerie - Abteilung eine 
kriegsstarke Batterie, während der Divisious- Manöver aus dem bei 



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40 



DirUmM-, Corp«-, ArmM-ArtUkrle. 



jeder Infanterie-Brigade befindlichen einen Feld-Artillerie-RegimMiii 
ame aimahemd kriegsstarke Artillerie -Abteilang a 3 Batterien ge- 
bildet werden kann. Während der Corps-Manöver kftonte die be- 
treffende Infanterie- Di vieiou ans den ihr Eugeteilten zwei Feld- 
Artillerie - Regimentern ein annähernd kriegsstarkes ArtilFeri^ 
Regiment ä 2 Abteiinngen u 3 Batterien bilden. Für das Corpe- 
Manöver gegen markierten Feind kann jeder Infanterie- Division 
nnr ihr Divisions-ArtiUerie-Begimeut in der Friedensstärke logeteilt 
werden, da bei diesem Manöver das Corps -Artillerie -Regiment aJa 
solches benötigt ist. Die bei den grölisercn Trnppenfibni^n — 
ebenso wie bei dem kriegsnmfsigcn Schiefsen der Batterien und der 
Abteilungen in kriegsstarken Verbänden — nicht zur Verfügung 
stehenden Munitionswageii liessen sich tlnrch die jeweilig nicht 
benötigten Geschützo einfach dadurch darstellen, dafs deren Rohre 
ausgelegt und in den Protzkasteu dieser Geschütze der gröfsere 
Teil der für das Manöver zur Verfiigang stehenden ManÖTer- 
kartuschen untergebracht wird. 

Der Ermöglichung des sehr berechtigten Wunsches, dafs die 
Commanik'uro iler Infanterie -Divisionen nicht erst im Kriege, son- 
dern bereits im Frieden dazu gelangen, sich mit der Feld-Artillerie, 
auf deren Ausbildung sie jetzt nur bei den gröfeten Truppen- 
übungen einen gewissen Einflufs ausüben können, mehr vertraut zu 
machen, mufs nun unbedingt auch noch näher getreten werden. 
Werden die Divisions- Artillerie -Regimenter bereits im Frieden den 
Infanterie -Divisionen unmittelbar unterstellt, so ist deren Comraan- 
deurcu gewifs in nicht minderem Grade die dringende Veranlassung 
gegeben, sich um die lkdiirfnis.se, die Leitungsfähigkeit und die 
Eigenart der Feld- Artillerie; zu kümmern, als wenn dieserwegen 
die gesamte Feld- Artillerie eines Armee- Corps gleiclimäfsig auf die 
Iiii.iulerie- Divisionen verteilt und hierdurch dem loiiitnandeur der 
Feld -Artillerie des Armee- Corps aller Einflufs auf die Waffe ge- 
nommen wird , welche unter seinem Befehle »im Gefecht eines 
Annee-Corpsc ihre wiehtigeten Gefecht^aufgaben — Kampf mit der 
feindlichen ArtiUerie und Vorbereitung des Infanterieangrifib — zu 
«rfOnen lial 

Wir erachten die nnmiitelbare ünterBtelliing der Divinoiia» 
Artülaru-Begimenier nnter die Infanterie-Divisionen, der Coi|w- 
Artillerie-Eegimenter nnter die Bzigade-Coniniandenre der Pdd- 
ArtiUene der Armee- Goipe als die allen Bed&rfhiasen des Krieges 
und Friedens entq^ret^endste LOenng, Eine Folge wnrde sein, dals 
jeder Infanterie^Division neben einem Adjutanten yon der Infuiteriei 



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Difinont-, Corps-, Aim«e-ArtiUeria. 



41 



•ndl. ein lololier fon der Fe]d-ArtUl«rie zugeteitt werd«D mfibte, 
wogegen bei den GeiMf»l«Koiii]iiandos der Aimee-Goups der der 
Fdd- Artillerie entnoauoeDe A^jolmi entiaUeii könnte, de fllr aHe 
auf die Artillerie dei Aimee-Goipe beifigUelien AngelegenlieiteB der 
dem Qenenl-Komittando nntefetellte Bngade<Somauuideiir der Feld* 

eteUt Uiebe, nurVerfagung steht, nndderedbe hierdoreh anehimStande 
ist, auf die rein aitilleriBtisefaen Angelegenheiteii der den Infaaterie- 
Diviaienen uunittelbar nntenteUten DivinoBa-ArtiUeiie*BegiiiMiiter 
dee Aimee-CoipB den Binflnb ansttben sa können, ivdober im 
Intereaee dee Armee- Ooips, dem ja die Infanterie-Difiaionen vnd 
hiermit aoeh depn IKvnoiM-ArtUlerie-Btgimenter untostellt nnd, 
geboten ist — 

Eine Armee - Artillerie im Sinne einer Reserye- 
Artillerie, wie 1866 bei der L prenüdschen nnd der Sster- 
rsiebischen Nord-Armee, 1870 bei der frsa^Ssiscben Bhein-Armee, 
ist niebt erforderlich. Was an Feld-Artillerie Toriumden 
ist, mois bei einer in Armee-Divisionen gegliederten Armee 
nur diesen, bei einer in Azmee-CoipB gegliederten Armee den 
Infanterie- Divisionen nnd den Armee-Oorps unterstellt werden. 
Nachdem jedoch »voraussichtlicli« der Feldkrieg in Zakonft 
immer bänfiger den Charakter des Positionskri^es annehmen 
wird, werden auch Feld- und Festnngskrieg in immer 
innigere Verbindung mit einander treten und wird ee daher 
angeseigt sein, auch die Kriegsmittel der Feld -Armeen von 
diesem Gesichtspunkte ans an eri^bixen, namentlieh denselben eine 
fQr den Positionakrieg ansreicbende, verstärkte und vielseitige 
Artilleriewirkluig so geben, d* h« eine Poaitions-ArtiUene sn 

In einer feldmäfsig oi^nisierten Positions- Artillerie er- 
blicken wir, da es sich empfehlen dürfte, dieselbe durch die Ordre 
de bataille nicht den einzelnen Armee- Corps oder gar Infanterie- 
Divisionen, sondern den Armee- Ober- Kommandos und den diesen 
beigegebeuen Chefs der Artillene der Armee zu unterstellen, die 
heutige Armee- Artillerie. 

Die mit den minder schweren Geschützen der Fnfs- 
Artillerie (etwa V4 Kanonen , 74 Haubitzen , Va Mörsern) 
ausgerüstete Positions- (Armee-) Artillerie wird nur in den Fällen, 
in welchen die Wirkung der Feld-Artülerie (Divisions- und Corps- 
Artillerie) zur wirksamen Vorbereitung des Infanterieangriös 
nicht genügt, also beim Angriff auf Positionen (stark verschanzte 



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42 



StellangeD), den dann oft Tage, violleicht sogar Wooboi in An- 
spraeh nehmenden Kampf (Plewna) einzuleiten haben, mithin »in 

diesen Fällenc die Aufgabe zn erf&Uen haben, welche hentzntage 
in den übrigen Fallen der Divisions- und Corps- Artillerie, im 17. 
nnd 18. Jahrhondert dem die schweren GeschUtie führenden Teil 
der Artillerie oblag. Treten solche Fälle ein, so mnfe die durch 
die Ordre de bataille dem Obei^Kommando der Armee nnd damit 
dem Chef der ArtillMie der Armee unterstellte Position»« (Armee») 
Artillerie rechtzeitig in die vordere Linie der Armee vorgezogen 
beziehungsweise den gegen feindliche Positionen in Thätigkeit 
tretenden Armee - Corps nach Bedarf zugeteilt werden können. 
Pro Armee ä 4 — 5 Armee-Corps erscheint eine mindestens 
80 Geschütze, mithin 2 Fuss- Artillerie -Rogimcnter a 2 Ba- 
taillone k 4 Conipafifnion starke Positions- (Armee-) Ar- 
tillorio unter dem Koinniaiido eines Gcucralm^jois (Brigade- 
Conimandeurs) der Fufs-Artiilerie erforderlich. 

Hierauf näher einzugehen, liegt aufserhalb des dieser Arbeit 
gesteckten Ziels. Aus diesem Grunde kann auch die wichtige 
Frage, ob besondere Wurf^cschütze — Haubit^eu und Mörser — , 
deren Anwendung ira Feldkricgc zweifellos geboten seiu wird, 
nicht nur in der Positions-, sondern auch in der Feld- Artillerie 
vertreten sein müssen, hier nur berührt werden. 

Zur Zeit bestehen in der Feld- Artillerie nur Flachbahngeschutze. 
Die Frage liegt daher nahe, ob mit diesen Geschützen allein die 
Feld- (Divisions- und Corps-) Artillerie die ihr im Gefecht zufallenden 
Aufgaben — Niederkänipfung der feindlichen Artillerie und Vor- 
bereitung des Infanterieangriös — , gegenüber in zweckeulsprechen- 
der Weise mit Hülfe des Spatens verstärkten Stellungen, mit 
Erfolg lösen kann. Denn es ist sehr wünschenswert, dafs die 
Heranziehung von Positions- (Armee-) Artillerie zur Bewältigung 
dieser Aufgaben nur gegen festungsartigen Charakter besitzende 
Verschanzungen geboten ist, mithin auf thuulichst wenige Fälle 
beschriiukt bleibt. Würde es sich daher herausstellen, dafs mit 
den Sprenggranaten der Flachbahn - Feldgeschütze eine ent- 
sprechende Wirkung gegen dicht hinter Deckungen befindliche 
Ziele des Feldkrieges nicht erzielt werden kann, so müfsten auch 
in der Feld -Artillerie — nnd swar nach diesseitigem Ermessen in 
der DiTinona- nnd Corps-Artillerie — Sieilbalm-PddgeBchfitM Tfli> 
treten sein, vielkidit in der Art« dafr jede fabrende Abtdlnng 
2 Batterien mit Flachbabn-FeldgescbfltBen nnd 1 Batterie mit 
Stdlbahn-Feldgeschfitsea beritst. Die letrteren würden dann im 



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Dinüoiu-, Corps-, AnaM-ArtiU«rie. 



43 



Armee- Corps zu den Flachbahn- Feldgescliützen im Verhältnis von 
weniger als 1:3, mithin lUioiUiurud ebenso vertrcti'u sein, wie vor 
der Einführung der gezogenen Geschütze die iluubitzen zu den 
Kanonen. Jede fahrende Abteilung würde hierdurcli für den Fall, 
dals sich in dem ihr zur Bekämpfung zufallenden Teil der feindlichen 
Artillerie (beziehungsweise Stellung), dicht hinter Deckungen ge- 
legene lätÜB befinden, über eine sn deren Bekämpfung geeignete 
Batterie verfügen können. Da es sich hierb« lediglich nnr um 
Zwecke dea Feldkrieges handeln kann, dnrfte einer 12 cm — viel* 
leidit sogar 10,6 cm — knixen Kanone (Hanbitae) nabedingi der 
Yonug vor dnem 15 cm Mdrser gebühren. Die Haubita- Batterie 
wird, wenn eine fahrende Artillerie-Abteflnng nur freistehende Ziele 
zu beki&mpfen hat, den in diesem Falle viel erwflnsehteren Besita 
von 3 statt nnr % Kanonen -Batterien nieht in dem Grade an- 
gfinstig iQhlbar machen, als eine Mörser-Batterie. Denn eine 
Hanbitae verspricht in ihrem Sohiapnebehaia mit der grSfsten 
Ladung gegen fireistehende Ziele, nnd auch bei Nahangriffen aar 
Belbstverteidignng noch, wenn audi in mifaigerem Orade ab ein 
Flachbahngeschüts, Wirkung, der Mörser jedenfalls in noeh viel 
minderem Grade. Sin niheres Eingehen faieraaf nieht in dem 
Zwecke dieser Zeilen. — 

Das dieser Arbeit vorgssetste Ziel war, naehsnweisen, dafs, 
obwohl eine Reserve- Artillerie der Armeen and deren Corps im 
Sinne der ersten Bftlfte dieses Jabrhnnderto henttatage nicht mehr 
nötig ist, sondern geradeso aehadlieh sein w&rde, dennoch bei in 
Arinee -Divisionen gegliederten Armeen, Divisions- und 
Armee -ATtillerie, bei grofsen Armeen, fflr welche Bich 
die Gliederung in Armee-Corps mehr empfiehlt als die in 
Armee-Divisionen, Divisions-, Corps- und Armee-Artillerie 
erfordern eh ist, und voraussichtlich nieht nur bleiben, sondern 
immer noch mehr Bedfirfuis werden wird. 

Die Divisions- und Corps-Artillerie werden aus der Feld- 
Artillerie, die Armee- Artillerie aus der Fufs- Artillerie — • ab Fufs- 
Artillerie mit Bespannung oder Positions- Artillerie — gebildet, 
Dass durch die Schaffung einer feldniäftig organisierten Positions- 
Artillerie, für welche wir den Namen Armee-Artillerie beanspruchen 
zu dürfen glauben, auch für den Festungskrieg und für die 
Wiederau knQpfuDg der taktischen Verbindung zwischen Feld- und 
Fnfi- Artillerie ein grofeer Gewinn erreicht würde, ist bereits in 
»von LAbell's Jahresberichten 1889, II. Teil, Seite 763«, hervor- 
gehoben worden. 32. 



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XXL Üb8r die IMtigkeit und Teiwendimg 
dar Mteiü im Xiiege von 1866. 

Tob 

K«ii% 



(ScUiib). 

Die Thfttigkeit der Reiterei bei der Hain-Armee. 

Der Abmarsch der hannoverschen Armee von Güttingen nach 
Laugensalza ^ixh der preufsischen Reiterei eine herrliche Gelegenheit, 
ilire Tüchtigkeit im Erkunden der Bewegungen des Gegners zu er- 
proben. Allerdings hatte Genoral von Falckenstein keine bedeutondon 
Keitermasseu zur Verfii|^ung, indessen war die preuUaiacbe Eeiterei 
der hannoverschen doch stark überlegen. 

Die Division von Mauteuflfel zählte ü öchw. — 1120 Säbel, 
Div. Goeben 9 Schw. = 1260 Säbel, Div. Beyer 5 Schw. 7<)0 Säbel. 
— Dazu müssen 240 Säbel der Heeresgruppe gerechnet werden, 
weiche sich auf der Linie Eisenach-Gotha versammelte. Dies ergiebt 
zosammcD 3320 Säbel, welchen die liaimoTerauer nur 1800 Säbel 
entgegen zu setzen vermochten. 

Da die Division Manteuffel von Norden» aus der Gegend von 
Hamburg, die Division Göben von Westen aus der Gegend von 
Minden, die Division Beyer aber von Kassel her vordrangen, so 
mufete es möglich werden, die bann()vcri>che Armee von allen Seiten 
mit so starken Reiterabteiluugeu zu umschwärmen, dafs die preußische 
Heeresleitung la kurzer Zeit über den Vormarsch der Hannoveraner 
auf das genaueste unterrichtet sein konnte. Man brauchte zu diesem 
Zwecke die vorhandenen Reitermassen nur entschlossen vorwärts zu 
senden, die Regimenter der Divisionen Manteuffel und Göben in der 
Richtung auf Göttingen, die Schwadronen der Division Beyer in 
der Richtung auf Eisenaoh, während die schwachen Beiterabteilungen 
der Heeresgruppe bei Bisenaoh und Qotha Olfiner-Patronillen auf 
Mühlhaiueii Torzntreiben hatten. Allerdiiigi war eine einheitliche, 



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über die Thitigkeit vaA VenrandttBK v, e. w. 



46 



zielbewoTste Oberleitung die orste Grundbediugang zu erfolgreicher 
Verwendung der Reiterei. Gerade die Einheitlichkeit der Oberleitung 
fehlte aber bekanntlich giinxlich in jenen Tagen. geschah also 
gar nichts in Bezug auf eine Verwendung der Reiterei im grofsen 
Stile. Ebenso wenig dachten die DiTisions-Commandeure daran, für 
sich allein ihre Kavallerie in ähnlichem Sinne zu yerwenden. Selbst 
General v. Goeben that das nicht. So leicht geraten die Erfahrungen 
früherer Kriege durch einen langen Frieden in Vergessenheit. Denn 
es wird niemand bestreiten wollen, dafs 50 Jahre früher die Reiterei 
Bowohl von Napoleon, als von den Verbündeten und namentlich vou 
Blficher ungleich zweckmäCüger verwendet wurde. 

Thatsächlich tappte man in Bemg aaf die Heeraebewegangen 
der Hannoveraner VoiHg im finttem. Die richtigsten Nachrichten 
kaftte das groÜB Hauptquartier in Berlin, die am wenigsten ra- 
trefliBiiden Naeliriehten gelangten an den Genend Vogel t. iUeken- 
elein. Vor dem Trefiini von Langen8al2a fand nmr ein einiigar 
eraater Znetmmeutofe iwiachen preaMBoher und bannovendier 
Reitefei statt, am ftX. Juni bei Inatein« Eine Patronüle von 
1 OMmer, 12 Mann der Hneaien Nr. 9 stieb hier anf eine Behwadnm 
der baanovonchen Garde-Hnsaren nnd sohlng sich mit einem Ver- 
hüte von 7 Maan doroh. Bri diesem BeiterBcharm&tael trennte ein 
hanaoTenober Hnsar mit einem einsigea wachtigen Hiebe einem 
pf«aAisdben Hosaran den Kopf vmn Rompfe. 

1. Treffen von Langensalsa am 87. Juni Die Bannoreraner 
TSifl^stsn im Ksmpfe Ton Langrasalsa ftber folgende Btitertn^pen: 
Begt Kronprina-Diagoner 828 Beiler, B^ CSambridge- Dragoner 
276 R., B^ Kfinigin-Hnsaren 290 B., Begt. Oaide-Hosuen 222 R., 
Regt Garde da Coipe 245 B., Begt Garde-KQiasnere 370 B., Summa 
1731 & emsoUieUidi OfiBaieie. Bs IbUten Vs Sdundionen der 
GambridgeoDngoner als Stabswadm des SSnigs von Hannover, eine 
Ableibuig Kfinigin-Husaien mr Bedeeknng desIVilirwesens, 1 VsSobwa^ 
dionen der Garde-Huaaren, weldie rar Beohachtnng in der linken 
flanke abgeswcigt waren, und etwa «ine flcbvradron der Garde dn 
Corps, weÜke von einer grObnen Fonragiernng nicht mehr recht- 
nitig genug rarüokkehren konnte, um noch am Kampfe teil zu nehmen. 
— Die Prenfeen verfügten Aber die Ersatzschwadron Hasaren Nr. 10 
mit 80 Säbeln nnd dis Bssatanngssehwadronen Merseburg und Stendal 
mit je 70 Säbeln, sosammen über 220 Säbel, anssoblieliiUch der 
Offiziere gerechnet. 

Ein Vecsneb der Garabtidge-Dngoner, die üastrut etwa um 
1 Ubr mititags ao ftbenwhieüea, mnlste anfgegeben weiden, weil 



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4G 



Über die TbStigkeit und VerwendoDg 



lohoD die Spitn der Dragoner Tom Ba^wildchen her mit Sebnell- 
feaer obenwhiittet wurde. — Als dann die Ofllweive der Hftnnofenuier 
dorehgefübrt warde« inliten 2 Schwedronen Eitaigin-Hnaaren Aber 
die Brfteken Ton Merxleben m. Sie erhielten aber so heftiges 
Feoer, dale sie nniar dem Sehntie det ChansieedanuneB, welcher sie 
gegen das Badewildehen hin sohntste, halten bleiben mnlsten. 
Etwas ipiter, Tielleieht gegen 4 Uhr nachmittags, trabten, anoh die 
beiden noch llbrigen Schwadronen Königin-Hnsaren fiber die Brüchen 
▼or, erhielten ^eichfalls heftiges Oewehrfener nnd stfbrmten auf die 
im Engwege bereits haltenden beiden Sehwadronen ihres Regiments 
los. Ein heftiger Anprall erfolgte, iVi Schwadronen fiuden noch 
Deckung hinter dem Ghansseedamme^ die htate halbe Schwadron 
aber nidit Sie machte daher Kehrt und jagte nach Merxleben 
xnr&ck, wobei etwa SO Beiter in die Unstmt fielen, welche etwa 
SO Fub tiefer liegt als die Brücke. Zum Qlfick für die hanno?er- 
sehen Reiter konnte die prenfsische Artillerie den Wirrwarr nicht 
sehen und feuerte daher nicht in das Gedränge hinein, wodurch 
xweifellos eine Katastrophe herbeigeführt worden wSre. 

Bei dem Rückzüge der Preuüsen fand die hannoTcrsche Retterei 
Gelegenheit, sich auf das rahmvollste am Kampfe zu beteiligen« 
Zunächst attackierte die 4. Schwadron der Cambridge- Dragoner 
2 preufsische glatte 6 Pfünder, welche nur von etwa ^ Mann 
ErsatabataiUons Nr. 71 begleitet wurden. Diese beiden Geschfitie 
vermochten nicht den tief eiagesohnittenen, mittleren Illebener Weg 
zu überschreiten und wurden gerade in diesem Augenblick von der 
hannoversehen Schwadron ang^priffen. Zwar feuerten die beiden 
Geschütze 5 Kartätschschüsse ab, auch gaben die 30 Mann Infanterie 
2 Salven und dann Schnellfeuerf allein die Dragoner drangen dennoch 
ein. Es kam za einem wütenden Handgemenge. Die Bespannung 
der beiden Geschütze wurde scheu und sprang mit beiden Protzen 
in den Hohlweg herunter. Schlierslieh gelang es aber der Handvoll 
Prenfsen, sich der feindlichen Kelter zu erwehren und sie zum Rück- 
züge zu zwingen. Kinig^e Dragoner waren gcj^en die ge/.u^'ene 
4 pfündige Batterie der Proufsen, welche sich in der Nähe befand, 
vorgeprallt, von dieser aber durch einen Kartätschenschufs zur 
Flucht gezwnngen worden. In diesem Augenblicke gingen 2 Zöge 
der Schwadron Milseburg, welche eben auf dem Kampfplatze ein- 
trafen, zur Attac ke vor, ihnen stürmte die 3. Schwadron der Cambridge- 
Dragoner entgt'jj;en: es kam zu einem kurzen Handgemenge, nach 
welchem beide T»'ilc /uriu kgingen. Die Attacke hatte der 4. Sehwadron 
Cambridge-Dragoner eiueu V erlast von 1 Oftizier, Mann tot und 



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te IMtoMi im Krkge m 1866. 



47 



verwundet, 6 Mann gefangen gekostet, d. h, etwa 42 Prozent ihrer 
Stärke. Die Pferde der einen 6 Pfünder-Protze waren durchgegangen, 
bei der anderen waren mehrere Stränge durchgehauen worden, man 
mu&te daher die Geschütze liegen lassen. 

Zur selben Zeit, als die Preufeen das Badewäldchen räumten, 
ging das Regiment Königin-Husaren aus dem BrQckenengwege vor 
und marschierte zwischen der Rasenmühle und dem Badewäldcheu 
auf. Sobald das Regiment die aus dem Wäldchen zurückkehrenden 
Preufsen wahrnahm, attackierte es in 2 Staffeln, jede zu 2 Schwadronen, 
welche in aufgelöster Ordnung ritten. Man traf nnr noch auf 
massenhafte Versprengte, welche ülierritten und gefangen genommen 
wurden. . Etwa 1^0 Manu fielen den hannoverschen Reitein hierbei 
in die Hände. — Eine Schwadron der Garde-Husaren att;vckierte 
demnächst den Ilaupttrupp der aus vleui Badewäldcheu zurückgehenden 
Preufsen, welche Oberstlieutenant des Barres gesammelt hatte, 
orbielt aber sofort Schnellfeuer von dieser preufsischen Infanterie 
und machte schleunigst Kehrt Nnn sammelte sich die preufsische 
loianterie ni 2 groben Haufen unter dem ObersUieutenant des Barres 
und dAm Hauptmann Bosenbotg. Ifon darf sich unter diemi 
Haaftn ktisetwegs etwa gesddoiseiie, taktiadi «obl gegliederte 
Vierecke vonteUen, es war Tiebnehr allee bunt duicfaeiDander.ge- 
miaebt; die Haaptmase gebSiie dem Begunent Nr. 11 an, dann 
befanden eieb aber ancb starke Abteünngen des Landwebrbatafllona 
Potsdam darunter, endlieb Mannschaften des Regiments Nr. 85 und 
der 2, Coiupagnie Ersatabataillona Nr. 71. Die predatBchen Haufen 
bestanden lüso aas Mannsnbaften, wn, 4 TUscbiedetteD Truppenteilen 
und f&brten aum Teil nocb das Mini^ewebr. Die EEsehdpfung der 
Trappen ivar aof einen so beben Grad gestiegen, dab Ton einer 
strengen taktiscben Ordnung gar keine Bede sein kennte. Ifan 
kann also niebt von geofdneten Yiereoken sprseben, wobl aber von 
redt mangelhaft geordneten Kdhmnea, bei welohen die Offisiere 
nnansgesetet bemfibt waren, eine einigemiaben geordnete taktische 
Qfiedemng bersustellen. — Inswiscben war die baanoTttSobe Beeer?e- 
Kavallerie beiangekonunen und gewahrte die beiden preufsischen 
In&nteiietrapps. Da sie jedoch sich der Mitwirkung ihrer reitenden 
Batterie nicht entsehlagen woUie, so wartete sie anf deren Eintreffen. 
Bni als der bestimmte Befehl aar Attat^ gegeben wurde, ritt das 
Begiment Garde dn CCrps an. Im 1. Treffen befanden sieh die 2. 
und Schwadron, die 1. folgte im aweiten TMFen. Sie stieben 
anf den Trupp unter dem Hauptmann v. Boeenberg. Bis auf etwa 
70 Sebritte liefsen die Preufsen die feindlichen Beiter heran, dann 



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4S 



Üb« die ThItiglMit ud Tenvandaaf 



gaben sie eine Salve ab, welcher alsbald Schnellfeuer folgte. Die 
Attacke scheiterte vollständig, ohne dafs die 1. Schwadron ins Ge- 
fecht kam. Der Verlust der Hannoveraner betrug 2 Offiziere, 17 Mann; 
42 Pferde tot nnd verwundet. Die 3. Schwadron der Garde du Corps 
wurde von der übrigen hannoverschen Reiterei für Preufsen gehalten 
und wäre beinahe attackiert worden, erat von der 4. Schwadron 
Garde-Husaren, dann von der 3. Schwadron Cambridge-Dragoner. — 
Unterdessen war das Gardi - Kürüssier - Regiment gefolgt, seine 
2. Schwadron diente der reitenden Batterie als Bedeckung, so daGs 
nur 3 Schwadronen verfügbar waren. — Das Viereck des Oberst- 
lieuienants des Barrea war auf seinem weiteren Rückzüge anf die 
2. Schwadron der CSambridge-Dn^ner gestofsen und von dieser zur 
Ergebung anfgefordert worden, selbstredend ohne Erfolg. Zu dieser 
ZflH wofde eben die Attacke der Garde du Corps abgewiesen. Im 
selben AagenbUeke bransten die 6aide>B3lniBBien enf die Kolonne 
des Obeitffieateiuniti des Berne ki. 2 Salven erfolgten, darauf 
Sebnellfeier. Die Atladra der 1. nnd 4. Behwadnm Oflvde-KftnMiere 
•olieitarte ToUttSndig. Da Sbrigens die 4. Schwadron ton Norden, 
die 1. von Weeten her attadderten, so stieben beide Schwadronen 
anfeinsader, was der prenbisohen Infimterie naUrliaih sehr in stettoi 
kam. Etwa 20 Pferde dnrehritfeen die Nordweskeeke des Viereeks, 
ohne dasseLbe jedoch im geringsten an eisdiftttom. — Unmittelbar 
nachdem d i es er Rciterrtarm vorQher gebianit war, attackierte die 

2. Schwadion Gambridge - Dragoner ans der entgegengeeetsten 
Richtung. Dieseilbe traf auf die bei weitem schmalere Sfidfront des 
Vieiedn. Einige Drsgoner dnmgen in das Viereck ein, riefen für 
den Augenblick em wenig Unordnung hervor, vermochten aber nieht 
dasselbe emstlich an gefthrden. Die Schwadron verlor 8 Qfiiiiere, 
21 Mann tot nnd verwundet und scheiterte sehliebUoh gans ebenso 
voUstiodig in ihrer Attacke, wie vorher die Gaide-Kfiiassiere. Kanm 
aber war dieser Ansturm glficUioh vorüber, als die beiden eben ab* 
gewiesenen Schwadnmem Garde-Kfiiassiere von neuem attackierten. 
Wiederum wurden ne durch standhaftes Feuer abgewiesen, obsohcn 
einige Kfiraaaiefe in daa Viereok eindrangen. Die beiden Schwadronen 
verloren 4 Offiziere, 19 Mann nnd 40 Pferde. Ein letzter Angrilf 
drohte dem Viereck von Seiten der Garde -Hnsaren und der 

3. Schwadron Garde du Corps; da die preufsische Infanterie sich 
aber in nnerschfitterter Haltung zeigte, gab die feindliche Reiterei 
die Attacke an f. — Jetxt erschienen die 2 reitenden Geschütze der 
Reserve- Kavallerie, nachdem sie im Riethgraben stecken geblieboi 

' waren und aber ihre Flottmschang viel Zeit verloren gegangen war. 



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dar Biitani Im Xriig» von 18M. 



49 



Sie feuerten noch einige Granaten und Schrapnels auf die beiden 
pronbiBchen Kolonnen ab, ohne jedoch nennenswerten Erfolg zu 
haben. Die Bedeckuugsschwadron (2. der Garde-Kürassiere) nahm 
3 Offistfe, b2 Mann gefangen, welche im Getreide liegend sich ohne 
weiteras efgiben. Unterdessen mufsten an die Knifte der mrüek- 
gehenden preufsischen InÜMitorie die höchsten Anforderungen ge- 
itellt werden. Die Hitze war glühend, der ^Staub unertraglicb, 
nirgends Waaser vorbanden, alles lechzte vergeblich nach einon 
Trünke, ganze Sektionen stürzten ohnmächtig zusammen. Schon 
mufste mtm beinahe daran verzweifeln, die Truppen noch retten zu 
können, als man endlich die Gothaer Strafse erroichte und auf ihr 
(las Füsilier-Bataillon Regiments Nr. 11. welches die erschöpften 
Truppen um G'/j Uhr nachmittags! nnftialmi. Gerade als dio Er- 
schöpfung der zurückgehenden preufsischen Infanterie auf das 
änfsprstf gesticf^en war, versagte die vorher so rührige hannoversche 
Kelterei, obschon sie vollzählig vfrsammelt war (bis auf das Regiment 
Kronprinz- Dragoner und die sonst abgezweigten Teile), also in der 
Stärke von etwa 10 Schwadronen. Man darf daher wohl annehmen, 
dafs die bisher stets mifsglückten Attacken der hannoverschen 
Reiterei diese Zurückhaltung geboten haben. 

Dafs die verfügbaren 220 Säbel der Preufsen am Kampfe 
keinen besonderen Anteil nehmen konnten, liegt auf der Hand. 
Allein im Anfklämngsdienste hätten die prcufsischt n Reiter doch 
erheblich mehr leisten können, als dies in Wirklichkeit geschah. 
Nicht eine einzige Kavalleriepatrouille war nach dem Erbsberge 
entsandt worden, ao dafs der Angriff der Brigade Bothmer gegen 
die rechte Flanke der l'reufson völlig überraschend wirkte. Das 
durfte nicht vorkommen. Hütte mau die wenigen preufsischen 
fleiter zweckentsprechend verwendet, dann würde die preufsische 
Gefechtsleitung über die Verhältnisse bei den Hannoveranern ziemlich 
genau aufgeklärt worden sein, während dies bekanntlich ganz und 
gar nicht der Fall war. Änch auf Seite der Hannoveraner wurde 
die Reiterei bot Aufklärung ao gut wie gar niflibt verwendet. — 
Dm Vorsenden der Kdnigin-HnsarNi in den Br&el»iiengweg von 
Merxleben war sehr verfrfibt und mnb getadelt vrarden. Dab hier 
keine Katastrophe eintrat, lag nnr daran, dab die pren&radie Artillerie 
den Brfickenengweg nicht einsehen konnte nnd dab die prenfBiBohen 
SchfitMolinien, welche die wiiUichen G^echtsverhältnisBe kannten, 
kerne Meldung darüber aar Artillerie schickten. Bei der Verfolgung 
hat die hannovenche Beiterei tapfer attackiert, aber ihre KrSfte 
bei weitem nieht toU auagenutat Etwa 16 Schvradronen waren 

IUü»ltWt Ihr 4I* BtiHlt ämm n< ttete M. UXX« 1. 4 



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üb« die Tbitigkdt und Venr«ndiuig 



verfügbar, nnr 6 Schwadronen aber haben die beiden preufsischen 
KniUiol attiwkiert, davon allerdinpra 2 Schwadronen zweimal. Recht 
gut hätte die hannoversche höhere Führung das Erscheinen der 
halben reitenden Batterie abwarten können, ehe sie den Befehl zur 
Attacke gab, recht gut hätte auch die reitende Batterie der Brigade 
Bothmer, welche das Ghurde-Hnsareii-Begiment begleitete, im Rueken 
der Preolsen auftreten können. Ein paar IrefiRaiide Ck«miten in 
die MuM der hm nm Tode eredi5pfleB Pkienbeii bineingeworfen, 
hatten der Reiterei die Arbeit leicht gemaebt ThaMohlioh ver- 
geadete nan vergeblieh die Kraft weniger Schwadronen und er- 
reichte nichtB. Dieter Vorwurf trifft jedooh nnr die Fflhmng, die 
beldenmStagen Schwadronen haben geleiitet, ww sie konnten. Hü 
onfibertreffUcber Todeiverachtong ritten de an, jene 2 Schwadronen 
Garde-Kfimsriere sogar sun sweiten Male, niobdem ne rieb in 
ftbemecbend ichnenar Welse wieder formiert hatten. 

S. Gefechte bei Dermbaeh am 4 Jnli. Bei dem anf die 
Kapitulation Ton Laogenaaln folgenden Vormanche der Pkeufeen 
gegen das bayerische Heer wurde auf Seite der Prenlsen und ebenso 
auf Seite der gleichfalls Im Vormarsch befindlidben Bayern ein 
höchst mangelhafter Gebranch von der Beitärei gemadit Von 
einer auch nur einigermaisea genügenden Verwmdung derselben 
Bur Anf USmng war auf beiden Seiten gar kefane Bede. Die Bayern 
unternahmen swar mn paar BrkandigungsvorstSliM, welcfae am 2. 
und 3. Juli su Ueinen Qe&chten iUbrten, alleia beide Male wurden 
Infimterie und EaTallerie au denselben verwendet und awar derartig, 
dsft die Kavallerie so gut wie gar nichts that, dagegen die In- 
fiinterie die Last des Kampfes allein trag. — In den Gefechten bei 
Dermbach am 4. Juli kam die beiderseitige Reiterei fast gar nicht 
sur Verwendung. Eine bayerisohe Schwadron wnrde durch prenlsiBches 
Granatfener in Unordnung gebracht und ^ing im Galopp zurück, 
2 andere bayerisohe Schwadronen machten ' inen vei^eblicben Ver- 
such, gofren die preußischen Schfitzenschwärme anzureiten, 

3. Der Tag von llünfeld am 4. Juli. Das bayerische 
Reservo- Kavallerie- Corps hatte am 29. Juni den Befehl erhalten, 
die Verbindung mit dem VIII. Bundes- Armee-Corps in der Richtung 
anf Bebra aufzunehmen. Am 3, Juli erreichten daher die beiden 
leichten Reiter- Brigaden Hüufold, die schwere Brigade Fulda. 
Spät in der Nacht zum 4. Joli traf der Befeld ein, am 4. Juli gegen 
Vacha '/n demonstrieren. Da die Pierde der beiden leichten Bri- 
gaden für sehr ermüdet tj^elialten wurden, bestimmte man die 
schwere Brigade zu dieser Unternehmnug. Am 4. Juli, gegen 



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dw Rritani im Rrtog» tm 18116. 



51 



6 Uhr früh, stiefs die Spitze dieser Brigade zwischen Hünfeld und 
Rasdorf (anf der Strafse Hünfehi-G(nsa) auf die Spitze der Division 
Beyer. Die Strafse führte hier durcli einen Wald. Gegen den- 
•dben wurde eine Schwadron des 1. Rünasia-- Regiments YOlge- 
schoben; sie erhielt pldtelieh Infanteriefener vom Waldsanme, auch 
fahren 2 preufsische gezogene 4pfQndige Geschütze anf und er- 
dffiieten ein aafserordentlich wirksames Feuer. Mehrere Granaten 
schlugen in die Schwa^lron ein, welche in Folge dessen zu ihrem 
Regiment zurückeilte, nachdem sie in kürzester Zeit einen Verlust 
von 1 Offizier, 17 Mann nnd 18 Pferden erlitten hatte — 22 Prozent 
ihrer Gefechtsstärke. Die bei der pchweren Brigade befindliche 
reitpTide, bayprische Battnrio erwiderte das Feuer der Preufsen. 
Um die zurückgehende Schwadron wieder zum Halten zn bringen, 
wurde vom Regiment aus das Signal »Links nm Kehrt« geblasen. 
Das Regiment verstand jedoch diesos Signal falsch, machte selbst 
Kehrt und ging in Unordnung zurück. Diese Unordnung teilte 
sich auch, dem eben anrückenden Kürassier- Regiment Nr. 2 mit. 
Da die reitende Batterie in Folge dessen ohne jede Bedeckung 
blieb, mufste sie auch zurückgelien und dabei ein Gebchtitz stehen 
lassen, dessen Protzenriider zerschossen wareu. Hinter Hünfeld 
machte die schwere Brigade wieder PVont, erhielt jedoch etwa um 
9 Uhr früh hier abermals Geschützfeuer und ging daher auf Fulda 
und Bronzell zurück, woselbst Vorposten ausgestellt wurden. Die 
beiden leichten Brigaden waren schon früh morgens zurück ge- 
gangen und standen zwischen Fulda und Tann, beziehungsweise 
zwischen Fulda und Gersfeld. — Nachmittags wurde auf Grund 
einer falschen Meldung der Rückmarsch fortgesetzt und zwar in der 
Richtung auf Gersfeld. Gegen 10 Uhr abends erhielt das Kavallerie- 
Corp« den Befehlf anf Brückenau zu marschieren. Die 1. lachte 
Brigade war bei Lütter, zwischen Fnlda nnd Gersfeld, stehen ge* 
bfieben, die beiden eaderen Brigaden mnfrteii aber Kdirt machen, 
rnn die neue Biehtang eiofuehUigeii. Nor die Sehwadron der 
Avantgarde blieb im Maraofae, eireiohte Bischolbheim und bradite 
Uer die Naeht so. Zum Unglflok befimd sieh der Gommandenr 
dea KafaUerie-Ooipe in Heitenhansen, swiaohen Lftttor nnd Genfdd, 
all jener Befahl bei den marschierenden Trappen antraf; es mnbten 
aho die Brigade-Cknnmandenre selbatstSndig handeln. Die Oomman- 
denre der beiden lachten Brigaden eetsten eidi daher om lütter^ 
nadht in der Bichtang «af Hettenhausen in Manch, mn Ton dort 
Brfickenan sa etreidien. Zo diesem Zwecke mdste die EaTaHerie- 
Kobnne Kehrt machen und wieder den alten Weg sarfick mar- 

4* 



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52 



Ober die TUttigkeit and Venveiidaiig 



schieren. Die schwere Brigade hatte bereits Gorsfeld hinter aicli, 
als jener Befehl eintraf und durchritt den Ort zum zweiten Male. 
Während des Durchmarsches durch Gersfeld erfuhr der Kommandeur 
der schweren Brigade, daCs ein näherer Weg nach Brückenau führe 
und schlug mit dem Teile seiner Brigade, welcher binier ihm selbst 
mamehiwte, diesen Weg ein, während die Sohwadronen, weklie 
Yor dem Brigade- Oommandenr ritten, die einmal eingeschlagene 
Bachtung nach Hettenhaoaen beibehielten. Die 2. Idehte Brigade 
tliat daasdbei — Alles das geschah am Mitfcernacbt, die taktische 
Ordnung war sehr gelockert D» kOrta man plotilick in der 
Bicktung von Hettenkaosen das Signal »Alarm«. Eine Kttnwaier 
Abt«ilang mackte Kekrt, rib die kinter ikr folgenden Scbwadronen 
mit Sick Hurt, nahm aekr bald ein wildes Tempo an, so daft ancb 
die 2. leickte Brigade mit fortgerissen wurde nnd mne wilde Panik 
aosbrack. Die ganie, wild gewordene Masse jagte nvn naek Gera- 
feld sorftdc, gans wie ein eimelnes, sehen gewordenes Pferd, desaen 
Bmter die Henaekaft 3ker den Ducfaginger verloren kat Von 
Genfctld ans stok alles naek den Tenoktedensten Bicktangen anseuH 
ander. Alle Anstiengnngen der Oflisiere^ die Pliekenden mm 
Halten an kringen, waren Tergeblick, je toller die Qüaiere ritten, 
nm endlick einmal die Qnene so erreieken nnd dort Halt an ge- 
Ineten, vm so toUer jagte die wilde Maase selbst in der finsteren 
Kackt dakin. Es war unmöglich, irgend eine Ordnung in diese 
aafgeregte, tobende Schaar von PlQchtlingen sn bringen! — Der 
Teil der schweren Brigade, welcher den Seitenweg eingeschlagen 
hatte, Würde weniger von der P^k betroffen, erreiekte Helten- 
hausen nnd marschierte von hier nach BrfickenaQ, ebenso die 1. 
leichte Brigade; letotore blieb übrigens von den Ereignisson ganz 
unberührt. Dagegen war die 2. leichte Brignde völlig zersprengt 
nnd konnte eist am 5. Juli teilweise wieder gesammelt werden. 
Sie wurde dann in die Geguid von Kissingra verl^^ einzelne 
Beiter, darunter auch K&rasrisffB, jagten indessen Ins an den Main 
und kehrten erst von hier aus zu ihren Regimentern zurück. Der 
Verlust der Bayern betrug 1 Offizier, 23 Mann tot und ?erwundet, 
41 Pferde und 1 Geschütz. 

Das Unglück der bayerischen Kavallerie am 4. .Tiili ist vielfach 
zum Gegenstände sehr abfälliger Kritik geworden. Das ist un- 
berechtigt und beweist nur die Unkenntnis der betrelieudeu Beur- 
teiler. Jeder Kavallerie kann Ähnliches passieren. Es handelt sich 
eben bei der Reiterei nicht blos um Menschen, sondern auch um 
Pferde; wenn es schon schwierig ist, eine Panik unter Menschen 



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d«r Beiterei im Kh^e Ton 1866b 



53 



in kuner Zeil m beteitigeii, w ist e» fwt mmiSgliob, in mAhnran 
Buideri dnfobgehaickr Pferde die Ordnung wieder benoikellen, 
beeonden wenn deren Beiter eben&Ui von peniacbem Sebreeken er- 
fiüet lind »nd bei etoekfineterer Naebt! — So grundiSdieb es wSre, 
über die Kntaitropbe von Hfinfeld in ipöttehi, eo lebeinfc nne ein 
aaderar Punkt beeonden bemerkenawert nt aein, nimlioh die 
koloanlen HarMUeietangen, welehe die foa dem Unialle betroiffsnen 
Beiter- Begimenter aufraweiieii beben. Die eebwere Brigade bat 
vom Movgea dee 4. Jali bie aom andern Tage gewifa 12 deutaebe 
Meilen mrfickgelegt, «in Teil der Yerq^rengten noeb weit mebr. 
Wenn nnn die Beiterei anf dem Bdekrage eo gewaltige Leietnngen 
an vollbringen Temeg^ eo mole aie auch im Stande sein, dieaelben 
bei der Verfolgung eines iiiebenden Feindee an&aweieen. Die 2. 
leiebfce KaYaUerie- Brigade der Bayern war am 4. Jnli wegen lb> 
mildang ibrer Pferde nicbt an jener Demonstration gegen Yacba 
verwendet worden und ritt in der ünglfldsnaobt beiiebnngnreiee 
am Moigen dee folgenden Tages dennoch bis mm Main, nnd swar 
ohne ihre Pferde an Grunde tu richten* 

4. Treffen von Kissingen am 10. JulL Die beiderseitige 
Reiterei fand bei Kissingen wenig Gelegenheit zum Eingreifen in 
das Gefecht. Eine Sehwadron des 4. Chevauxlegers- Regiments 
attackierte, um der Besatzung des Kirchhofe von Kissingen Luft zu 
machen, stiefs aber auf einen Hohlweg und mufste zurück. Ein 
aweiter Attackenversuch derselben Schwadron scheiterte ebenfalls 
am Schnellfeuer der Preafsen. Ais dann später der Angriff der 
Preoisen auf Winkels erfolgte, eilte ein preufsischer Schütunr 
eehwarm k&hn aber unvorsichtig auf bayerische Artillerie vorwärts, 
wurde dabei von eben derselben Schwadron ereilt und teils nieder- 
gehauen, teils gefangm genommen. Das Verhalten dieser einen 
hayerischen Schwadron verdient auf das rühmendste hervorgehoben 
711 werden. Durch 2 vergebliche Attackenversuche liefs sich diese 
Schwadron durchaus nicht einschüchtern, attackierte viehnehr zum 
dritten Male und hatte dabei einen entschiedeneu Erfolg. Der 
Verlust des bayerischen Kegiments, welcher wohl fast ausschliefslich 
auf dieser einen Schwadron geruht halien mag, betrug 1 Offizier, 
20 Mann, 33 Pferde 22,2 Prozent der Reiter, 30,6 Prozent der 
Pferde. — Bei dem Angriffe der Bayern am Abend des 10. Juli 
gegen deu Sinnherg gelang es denselben bekanntlich, ihr Gewehr- 
feuer auf das ruhi<^ lagernde Vorpostengros der Preufsen in völlig 
überraschender Weise abzugeben. Die bei diesem Vorpostengros 
befindliche Schwadron Husaren- Regiments I^r. 8 verlor im ersten 



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54 



Über die Th&tigkeit ond Yenrendang 



iLuganUiQk der Verwirruug die ruhige Haltong, so dab ein Teil 
denalbea, um sich dem 'verderbHeben Fever sa entuehen, doicih 
eioige bifanierie-CompagDieu hindnrchjagte. Solche Dinge kommeii 
eben im Kriege vor, ein erfahrener Kri^gamann wundert aieh 
Aber diaadben nicht, Obrigena waren die wirUioben Verlnate der 
Hosaren im bnchstablichen Sinne Nnll, denn nicht ein eiasiger 
preolaischer Beiter wurde bei Kieamgen aalSnr Qiefeoht geeetaL . 

5. Qefeoht von Hammelbnrg am 10. Juli. Im Gefechte 
fon Hammelbarg wurden 3 Schwadronen dea bayeriMhen ülanen- 
Regimenta Nr. 1, welche eben von Vorposten aorftckkamen, durch 
Granatfener einer preuinsohen gesogenen 4plnndigen Batterie fiber- 
laadiL In Folge deasAi ritten die Ulanen in acharler Gangart 
weiter und ordneten sieh erat vor Hamnulburg wieder. Der Vor» 
pcelendienat- mufs hier seitena der bayeriaohen Reiterei mangelhaft 
betrieben worden sein, sonst hfttte eine derartige unliebsame Über- 
raschung nicht vorkommen dflrfen. Dafe die Ulauea in Folge dea 
plötzlichen Granatfeuers davon eilteu, darf nicht Wunder nehmen, 
wir haben ähnliches auch schon bei preobiseher Baterei kennen 
gelernt 

6* Gefecht von Aachaffe aburg am 14. Jali. In dem Ge- 
fechte von Aschaffonburg attackierte die 4. Schwadron Husaren- 
Ut'giincnts Nr. 8 eiii Kuüuel des österreichischen 35. FeldjÄger« 
Bataillons, uberritt dasselbe und machte dabei einige 40 Mann an 
Gefangenen. — Die Bedeckungs-Schwadron des Generals \ . Fakken- 
stein, die 1. des Kürassier- Regiments Nr. 4, verfolgte die absiebenden 
Österreicher nnd brachte noch 175 Gefangene zurück. — Auf Seite 
der G^ner attackierk^i um 10 Vs Uhr früh die beiden kurbessischea 
Schwadronen zur Deckung des Rückzuges, erhielten aber so wirk- 
sames Gowchrfeucr, dafs sie Kehrt macliten. Ihren glücklichen 
AV)7.ii'^' über die Mainbrücke verdankten diese beiden Schwadronen 
dein Umstände, dafs die prciifsischo Infanterie sie für preufsischc 
Husaren hielt. Donnndi verloren .sie 4 Offiziere, 80 Mann, ein 
Verlust, der allerdings durch ihre GefecUtsthätigkeit nicht erklärt 
werden kann. 

7. Patrouillen-Gefecht am 19. Juli bei Trennfurth. 
Am 19. luli gelang es cmer Offizier- Patrouille des hessischen Garde- 
Chevauxlegeis-lu'giments in der »Stärke von 1 Offizier, 16 Manu, 
eine ratruuille des 6. Dragoner-Regiments von 12 Mann in Trenn- 
furtli zu überfallen. Die preufsischen Draj^oiici hatten einen einzigen 
Mann als Vedette vor dem Dorfe aufgestellt und waren im übrigen 
in das Wirtsbaus des Dorfes eingekehrt. Der Führer der preuüsiscben 



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der K«it«rei im Kriege Toa 1866^ 



55 



PatrooiUo, «in Sergeant, entkam i^floklidi daduidi, daJs er mit 
aeuum Pferde in den Main ^rengte imd dteaen Strom darcbachwamm; 
einige Dragener entkamen gkiehfalls. Em Dragoner wurde vom 
Pferde geaebosaen, 8 Tervandeie vnd 8 nnTermmdete Dragoner 
fielen in die Binde der heaaiaehen Reiter, welche ihreneita keinen 
Veiinst erlitten. Dieaer ÜbeiiaU wnrde ledi^icb doroh daa aorg- 
loae Einkekren in ein Wirtahana Teranlalat. 

8. Gefecht won Hondheim am 38. JnlL Im Gefechte von 
Hnndheim attackierten 2 Züge Dragoner Nr. 6 in Schwaimattacke 
a l waehende hadiaehe Sohfttaen. Sie kamen bia auf etwa 80 Schritte 
an letitefe heran, da erhieHen aie plötalich Feoer ▼on mdireren 
geadiloeaenen Xnfitmterie-Abteüungen, wehshe hinter einer Bodenf- 
wetUe Töllig verdeckt geatanden hatten. Außerdem waren von 
Hnndheim her mehrere hadiaehe Gompagnien vorgegangen nnd ei^ 
&ffii0fcen gleichfalla ihr Fener auf die prenfinacfaen Dragoner. Die 
Attacke deraelben acheiterte daher und die Dragoner raafsten unter 
einem Verloste von 4 Mann and 15 Pferden zurück. Diese Attacke 
geachah am rediten Fleck nnd in rechter Zeit, das Gelinde bereitete 
indessen den Dragonern nnangenehme Überraschungen, so dafs die 
Attacke scheitern mufste. Schwerlich haben die beiden Züge mehr 
als 50 Säbel in der Front gehabt, ein Verlust von 15 Pferden 
beträgt alao 30 Prozent der Gefechtsstärke. Eine Attacke mehrerer 
Schwadronen, treffenweiae gegliedert und gleichzeitig einherbiausend, 

' würle dem gezogenen Yorderiadegewehr des Gegners gegenüber 
wahrscheinlich gelungen sein, denn da.s Geriliule begünstigte zwar 
aehr das plötsliche Anftauchen feindlicher Abteilungen, brachte es 
aber in Folge seiner weUenförmigen Gestaltung auch mit sich, dafs 
die feindliche Infanterie nur ein sehr geringes Schufsfeld hatte. 
Leider verfugten die Preufsen nicht über ausreichende Kavallerie. 

9. Gefecht von Walldürn am 23. Juli. Dom General 
V. Wrangel wurde während eines Hingert ii Haltes seiner Brigade am 
23. Juli, das Auftreten einer feindlichen (badischen) Schwadron ge- 
meldet. Sofort wurden von ihm 2 Schwadrüiieu Husaren Nr. 8 
vorgesendet. Dieselben warfen die feindlichen Vortruppeu zurück, 
ritten nach Walldürn hinein und stieCsen hier auf das Gros der 
badischen Schwadron, welches seinen Vortnippen zu Ilülte kommen 
wollte. Die preulsischen Husaren attiickierten ul.sbald den Gegner, 
es kam in den Strafsen des Städtchens zu einem scharfen Hand- 
gemenge, in welchem die gegen grofse Übermacht fechtenden 
badischen Dragoner 1 Ofhzier, 19 Mann und 11 Pferde verloren, 
wahrend die preuisischen Husaren nur 2 Verwundete hatten. Nach 



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56 



OImt die lUftiglMtt und Vflmwdung 



dem preninaehQii Geneialstobswerk betrag der Verlnst der Miadieii 
Dmgoner 1 Offiiier, 32 Maan nmd 21 Pieide. 

10. Gefeoht von Hardheim am Juli. Die Ätaatgaide 
der Brigade Wiangel erhielt am 24 Juli frfih die Meldung, dafe 
feindliclie Kavallerie im Anmaiache sei. 2 Schwadronen des 4.wfirttem- 
beigischeu Reiter-U^iments waren über Hardheim TOigeguigen und 
hatten die preufsischen Iluearen-Patroaillen vor sich her getrieben. 
Die württembergischen Reiter erstiegen eben die steile Höhe, an 
deren ostUchem Hange Hardheim liegt. Sofort warfen sicli 2 Schützen- 
siige des 1. Bataillons Regiments Nr. 15 in eine nahe iler Strafee 
gelegene Sandgrube. Die Württemberger, in dichte Staubwolken 
gehüllt, verfolgten eifrig die preuüsischen Husaren-Patrouillen, welche 
an der Sandgrube vorbeiritten. Plötzlich eröffneten jetzt die beiden 
prenfisischen Schützenzfige ein heftiges Schnellfeuer auf die sieh 
henmwilaende Rcitermasse. Die vorderste württembergiache Schwa- 
dron erlitt groligo Verluste und machte Kehrt. Eine preufsische 
Schwadron Husaren-Regiments Nr. 8 stürzte sich nun auf die 
weichenden Gegner, welche nach Hardheim hineingeworfen wurden. 
Der Verlust der Württemhergcr betrug 1 Offizier, 20 Mann, 12 Pferde. 
Die Württemberger gerieten hier in einen Hinterhalt und konnten 
unter den gegebenen Umständen denselben schwerlich vermeiden, 
wenn sie nicht jjHzu vorsichtig gewesen wären. Dann aber hätten 
sie von vornherein auf eine Verfolgung der {ireufsischen Husaren- 
Patrouillen verzichten mftsseD. Vielleicht wäre es möglich gewesen, 
diese Patrouillen nur durch schwache Kräfte zu Terfolgen, die Haupt- 
masse aber mehr zurückzuhalten. 

11. Gefecht von Helmstadt am 25. Juli. Im Gefechte 
von Helmstadt sandte General v.Manteuffel seine Bedeckungsschwadron, 
die 3. des Husaren-Regiments Nr. 9 vor, um die abziehenden Bayern 
zu verfolgen. Diese Schwadron ging in einer Mulde vor, welche 
sich in östlicher Richtung von llelmstadt aus hinzieht. Plötzlich 
ritten 2 Schwadronen bayerischer Chevauxlegers gegen sie an. Es 
waren dies 180 Säbel gegen 120 prcufsisciie .'!^äbcl. Wiegewohnlich 
gehen über das nun folgende Reitergefecht die beiderseitigen Berichte 
sehr weit auseinander. Beide Teile wollen den Gegner gewurteu 
haben. Wahr.scheinlich haben beide Parteien infofern Hecht, als sie 
auf je einem Flügel gesiegt haben, während der andere geworfen 
wurde. Nach dem Handgemenge luibeu dann verniutlicli Bayern 
und Preuüsen sieh rückwärtj, gesammelt. Übrigens wäre es bei der 
Übermacht der Bayern auch durchaus nicht verwunderlich gewesen, 
wenn sie wirklich die i^reulseu geworfen hätten. Mit dem Sammeln 



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der SMuni im Krtof« fw 1888. 



57 



wurden die Preulsen jedenfalls eher fertig, als ihre Gegner. In 
dicäeui Augenblicke erschienen 3 Züge der 5. Schwadron Husaren 
Nr. 9. Alsbald ging auch die eben im »Jefechte gewesene Schwadrun 
wieder zur Attacke vor. Auch die Bayern att^ickierten ohne Zögern 
zum zweiten Male, obschon sie mit dem Sammeln nicht fertig 
waren und nur 1 '/a Schwadronen verwenden konnten. Es standLMi 
also diesmal etwa 200 Säbel der Preufsen gegen 130 Siibel der 
Bayern im Kampfe. Wie bei einer solchen Übermacht nicht anders 
zu erwarten war, Warden diesmal die Bayern geworfen und bis zum 
Walde yerfolgt. Die Bayern yerloren 5 Offiziere, 28 Mann, die 
Preoben 3 Ofifinere, 26 Mann, letztere jedoch einsehUeislicb aller 
Lek^tftnraiideteo, weleliA hti der Truppe verblieben. — Dw in der 
Nihe befindUche bayciiMihe Inftnteiie hatte inawiaohen Vierecke 
formiert und feuerte anf die pranftiseheii Hmaren, welche eich daher 
weiter rHekwirte tammelteo« 

12. Gefecht bei des Hettstädter Höfen am 26. JnlL 
Ffir den 26. Juli war prentocheraeits eine kombinierte KaYalletie- 
Brigade formiert worden. Dieedbe beataad ane B Sehwadronen Dra- 
goner Nr. 6^ 2 Schwadronen Dragoner Nr. 5, 1 Schwadron Basaren 
Nr. 9 und iVi Schwadronen Landwehr^Hoearen Nr. 10 = 7V4 8chwii> 
dronen nnd 6 Geech&taen. — Nach Beendigung des Gefechtes Yon 
Otftingen folgte diese KaTallerie-Brigade den abiiehenden Bayern, 
welche rar Deckung ihres Rlickiagea starke Beitermaasen bei den 
Hettstidter H5fen Tenammelt hatten. Es standen hier die Kfirassier- 
Begimenter Nr. 1 ond 2, 3 Schwadronen Kürassiere Nr. S, das 
Dlanen-Begünent Nr. 8, das Ghevanxlegera-Begiment Nr. 6= 198chwa- 
dronen. — Die Bewegungen der preolsisehen Kandierie wurden von 
den Bajem rechtseitig bemerkt. Um Gewibheit über Stirke nnd 
StdloQg der Prenlben sa erhalten, liels dsa 6. GheTanzlegers-Begiment 
1 Sehwadron, in 2 Halbschwadronen formiert, vorgehen. Diese 
beiden Halbsohwadronen wurden von der 2» Schwadron Dragoner 
Nr. 6 ond der 3. Schwadron Landwehr-Hnsaren Nr. 10 geworfen. 
Einer sweiten Schwadron der Ghevauxlegers erging es nicht besser, 
dann aber attackierten auch die beiden letsten Schwadronen der 
(SiOTanxlegerB. Prenfeischerseits warfen sich ihnen die 4. Schwadron. 
Husaren Nr. 9 und 3 Zfige der 4. Schwadron Landwehr-Husaren 
Nr. 10 entgegen. Nach längerem Handgemenge mufoten die Gbevanxle- 
gers weichen. Bisher waren 290 Säbel der Bayern gegen 400 Säbel 
der Preafeen im Gefechte gewesen, das Zurückgehen der Bayern 
war also natnrgemäCs. — Jetzt erschienen die bayerischen Kürassier- 
Bfgimenter Nr. 1 nnd 2 mit 695 Säbelnl Sofort trat ein Umschwung 



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58 



über die Tbifcigkeit oad Verwendang 



obaohim die Kfiiuaera ihren eigeoen AofmAnch nieht abwarietoD, 
eondeni eofort mit ihren Tordersten Zflgen attadderfteitf eebeld ale 
die Ptanfaen sahen. Dem wnchtigen Stofte der flberlegenen Miaw 
mnlsten die preolsiBchen Hnearen weichen. JetsI ttfinten sieh die 
beiden noeh unberfihrten Sehwadronen Dragoner Nr. 6 in der Flank», 
diA wiedergesammelten thrigen preofnechen Sehwadronen in der 
F^nt den Küraerieren entgegen, allein die beiden linken Flfigd- 
Scbwadxonen des 2. bsyerlsohen Kfirasster-Begimenis sohwenkten 
halblinks mid warfen aach die frisohen Schwadronen der Dragoner 
Nr. 6 mrflck. 600 Schritte hinter dem linken Flfigd des 1. Treffens 
folgten die drei Schwadronen Kflrassiere Nr. S, ohne jedoch mm 
Einhanen za gelangen. Der ganze ReiterKhwarm wibto sieh nun« 
mehr weiter, die siegreichen Bayern hinter den weichenden Preolseii 
hinjagend, gerade anf die reitende Batterie der Preoben loa, welche 
hinter ihrer Kamllerie gehalten hatte. Dieselbe protste sohleanigst 
ab und empfing den ReiterBtnrm mit einem Hagel von Kartatacheni 
so dab die Reiter anseinanderstoben. — Über den nun folgenden 
Moment geben die beiderseitigen Berichte wesentlich anseinaadn*. 
Die Preufscu behaupten, dafe die beiden Schwadronm Dragoner 
Nr. 5 und Vt Schwadron Dragoner Nr. 6, weiche noch hinan- 
gekommen war, sich aaf die Kürassiere geworfen und sie zum 
Rdcksage geawnngen h&tten. Frische bayerische Kavallerie h&tte 
aber dann die geworfenen Kürassiere wieder vorwärts getragen. 
Nacli einer anderen preulsischen Lesart hätte die preufsische Batterie 
erst jetzt mit Kartätschen gtifeuert, während sie vorher nicht hatte 
feuern können. Eine dritte Lesart behauptet, dals durch das rück- 
sicbtsloee Einbauen der Dragoner Nr. 5 den preufsischen Reitern 
ermöglicht worden wäre, sich aus dem Getümmel los zu wickeln 
und sich, sowie die Batterie weitorcii Angriffen zu entziehen. Aus 
den bayerischen Berichten gewinnt man t1io Ansicht, dafs die 
Kürassiere überhaupt nicht Kehrt gemacht, sondern den Feind völlig 
vertrieben hätten. Nur Teile des 3. Kürassier-Regiments wären 
durch den Wald hindurch geritten und jenseits desRcll)en erst auf 
die preufsische Batterie gestofsen, wcklie sie mit Kartiitsclu^n em- 
ptaugen hätte, willircml sie, in einem Durchhaue des Waides reitend, 
sich nicht hitttt n t iitwit kein können. Die Bayern verloren 4 Offiziere, 
27 Mann, die I'reufsen (ohne den Verlust der Dragoner Nr. 5) 
7 Offiziere, 80 Mann, also 12,7 Prozent ihrer (iefechtsstärke. 

Wenn wir unparteiisch die Dinge abwägen, ao steht zunächst 
. zweifellos fest, dafs die bav» um Iic Reiterei einen vollständigen Sieg 
errang. Ferner möchten wir aus den beiderseitigen Berichten den 



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dtt Bflttoni in Kckg* von 18M. 



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iScliiufs zieheu, dafs das preufsische Kurlatschfeuer hauptsächlich die 
eigenen Reiter traf, wie dies kaum andere sein konnte, da jeden- 
falls die Bayern erst hinter den Preufsen herjagton, also diese 
letzteren als schützenden Wall vor sich hatten. Wir glanben, dafs 
die bayerischen Kürassiere überhaupt nicht geworfen wurden, dafs 
es vielmehr nur durch das Kartatschfener gelang, den Reiterstnrm 
znui Stutzen zu bringen, dafs dann durch das Eingreifen der beiden 
frisclieu Schwadronen Dragoner Nr. 5 es möglich wurde, die 
fliehenden Reiter und die Geschütze zu retten und aciilicfslich, dafs 
die verfolgende Schwadron Kürassiere Nr. 3, welche das Signal 
»Sammeinc nicht hörte, auf der jenseitigen Seite des Waldes durch 
Kartätschfeaer zum Rückzüge gezwungen wurde. — Übrigens war 
auch das 4. Chevaulegen-Regiment auf das Attaokenfeld henn- 
gezogen woiden, ohne jedoch zor Thätigkeit zu gelangen. Ebenso 
wenig kam das 3. Uhmen-Begiment nir Wirksamkeit. Die bayeriaehe 
BeHerai sammelte sieh bei den HettskSdter Hdfen nnd blieb hier in 
der Stiike von 83 Sehwadronen sonachst halten. 

Das Bcitergefecht bei den HettstSdter Hdfen war ein taktisch 
sweokloees BaolBn. Wollte man pnnfaiseherseitB einen Erfolg er- 
aelen, der recht wohl möglich war, dann mnbte man ansrei^ende 
Kaivalleriemaesen bereit stellen. Bfan Uttte dies recht gnt thnn 
können. Auf disr ganzen Strecke von Oerchshdm bis Wfli^ig 
▼erbot das Gelinde eme wirksame Thitigkeit der Beiterei, anlser- 
dem blieb die Dinsion Qöben aber am 26. Jnli stehen, brauchte 
also ihre 12 Schwadronen nicht. Das Oberkommaado der Main- 
Armee konnte redht wohl 8 Sehwadronen von der Division GOben 
fort und anf den linken Flügel der Armee liehen, wo eiaag nnd 
allein das Gelftnde eine Verwendung von Reitermaasen gestattete. 
Aneh die Divisionen FHes nnd Beyer konnten noch mehr Kavallerie 
aar kombinierten Brigade abgehen, welche bekanntlich' nur TVi Schwa- 
dronen zahlte, wahrend die beiden eben genannten Divisionen am 
26. Juli 13 Vi Schwadionen besaben. ^ Von Gerehsheim bis Üttingen 
amd iVs Meilen. Um 10 Uhr früh konnten daher 20 prenlsische 
Schwadionen bei Üttingen venmmmelt stehen. Mit einer so starken 
Reitermasse konnte man etwas ausrichten, sie war stark genug um 
der bayerischen Kavallerie die Spitze zu bieten. — Über den wirk- 
ladien Verlauf des Reitergefechts bei den Hetts^ter Höfen sind 
wir noch heute nicht völlig aafgeklirt Die Preufsen hatten dn- 
schlielslich der snletzt angekommenen halben Schwadron Dragoner 
Kr. 6 im Ganzen 8V4 Schwadronen znr Stelle, rund 020 Säbel. Die 
Bajem attackierten mit 985 Säbeln, welchen 530 Säbel ia Reserve 



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Ober die lliitigkeit and VerwenduBg 



folgten; leehnet man das 4. ClimQzl^«i»>BflginMnt mit, so folgten 
flog» 860 Säbel. Sie hatten alao die doppelte Übermaelit. — Aller- 
dinge war die gittlkte bayerieobe BeitennaMe^ wetehe auf einmal 
attackierte, nur 696 Säbel atark, alw aohwieber all die. Pnmfaen, 
wenn dieae letateren alle ihre Kräfte auf einmal Tcrwendet bitten. 
Da aber itarke Beeer?en jenen 696 Sibehi folgten, ao Wörde aelbet 
ein angeoUickliclier Erfolg der PrenCwn nor grüfimra Tcrlnite anr 
Folge gehabt haben, denn die frisohen Beeer>en dar Bajem wfivden 
den Sieg entaobieden haben. Ohne Zweifel hat der Anbfiek der 
530 Säbel des sweiten bayerischen Treffiana anf den Ansgug des 
Gefechtes einen grofsen EinflnJs ausgeübt Bs frigt aieh, ob nnter 
den obwaltenden Verbältnissen die pienfrisohe Sdterm flbeihaapt 
attackieren durfte. Wir glauben »neinc. Es war keine Ananehl 
vorbanden, die doppelte Übermacht vom Gefechtsfelde an fertreiben. 
Der thatsachlich eintretende Milseifolg konnte der pronfeischen 
Reiterei erspart werden. 

Leider sind die Verluste der prealkilohen Reiter nicht genau 
bekannt, da über den Verlust der Dragoner Nr. 5 keine Angabe 
vorli^{t. Immerhin steht fest, da& die Preuben etwa 3 mal soviel 
verloren, als die Bayern. Dies labt sich nur dadurch erklären, dafs 
die bayerischen Kürassiere durch den Stahlhelm und Küralis gut 
geschützt waren, beziehungsweise dadurch, dafs das Kartätschfeuer 
der prcufsischen, reitenden Batterie hauptsächlich preußische Reiter 
traf. Jedenfalls machte die bayerische Kavallerie den Unfall von 
Uünfeld gründlich wett. 

1.3. Gefecht von Seubottenreuth am 29. Juli. Das 
4. Bataillon des bayerischen Leibreginients geriet am 29. Juli 
gegenüber der Avantgarde des II. preufsischen Reserve-Corps in 
eine höchst nachteilige Gefechtslage. Ein Zug der 13. Compagnie 
des genannten Bataillons wurde am 29. Juli früh von der 1. Schwa- 
dron mecklenburgischer Dragoner niedergeritten, und nachdem von 
84 Mann 18 getötet oder verwundet waren, gefangen genommen. 
Das übrige Bataillon wurde von der 1. und 3. Schwadron attackiert, 
als es eben die tief eingeschnittene Eisenbahn überschreiton wollte. 
Die zuletzt marschierende Compagnie schlug zwar den Reiterangrifif 
durch wirksames Gewehrfeuer ab, indessen griflFen mecklenburgische 
Jäger und Teile des 4. Garde- Regiments in das Gefecht ein und 
das bayerische Bataillon konnte sich nur unter grofsen Verlusten 
retten. Dieselben betrugen bei einer Stärke von 16 Offizieren, 
600 Manu: 8 Offiziere, 250 Mann. Die beiden mecklenburgischen 
Schwadronen verloren 1 Offizier, 14 Mann, 38 Pferde. 



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der Bcitonl in Krtoge von IM 



61 



Der Feldzug der Main -Armee bietet trotz seiner kurzen Dauer 
viel Lehrreiches in Bezug auf die Verwendung der Reiterei. Im 
Felde ihres eigentlichen Berufes, nämlich in der Anfklürung im 
grofsen Stile, wurde die Ileiterei nirgends verwendet, weder von 
den Preufaen, noch den Bayern, noch dem VIII. Bund es -Armee- 
Corps. Nur einmal sahen wir die Reiterei in den Gang des 
Gefechtes in entscheiilcnder Weise eingreifen, nämlich die hanno- 
▼erache Kavallerie bei Langensalza. 

Eine ganze Reihe von Paniken der Reiterei läfst sich im Main- 
feldzug nachweisen: Bayerische Kavallerie hei Dermbach, Hünfeld 
und Hammelbarg infolge von Granatfeaer. — PreoTBische Kavallerie 
hti Kiasingen infolge plötKlicben Gewebrfeuen. — Panik der 
bayeriBchen Reiterd bei Geiafcild ohno stichhaltige YeranlaMaDg. 

Gelungene Attacken auf Infanterie wurden geritten: 
1. Von den haanofenehen Kfoigin-Hnaaren anf preoleisehe Nach- 
aflgler bei LangeuaUta. 2. Von bayeriseben Ghefanxlegers anf 
einen praoliiBchen SchfitBentohwann hii Kissingen. 8. Von preobi- 
sehen Hnaaren Nr. 8 anf ein Kniael Qaterreiehisdier Ji^ bei 
Aeebalfenbarg. 4. Von mecklenburgischen Dragonern anf einen 
Zug bejerieoher Infimterie bei Seabottenrenth. 

Folgende Attacken anf Infanterie tckeiterten gftnslich: 
1. AUe Attacken der bannorenchen Beiterei anf die beiden Viereoke 
dei Obentlieutenants das Btores und dee Hauptmanns Bosenbelg 
bei Langensalsa. 9. Zwei Attacken bayeriBcber CheTanzlegen anf 
preoisiMhe Infanterie bei Kissnigon. 3. Die Attacke der beiden 
knrh e > w i ch ett Sohwadionea auf preolirische Infanterie bei AacbalEBo- 
bnrg. 4. Die Attacke von 2 Zügen Dragoner Nr. 6 anf badiacbe 
Inluiterie bei Hnndheim. 5. Die Attacke der meoUenborgiidien 
Dragoner anf ein bayerisches Bataillon bei Senbottenrenth. 

Erfolgreiche Nachlese bei der Verfolgung weichender 
Infanterie hielten: 1 Sehwadron der bannoTerschen Qarde- 
Kfliassiere bei Laogensslia und die 4. Sehwadron KQcaaBiere Nr. 4 
bei Ascbaffenburg. 

Ein einziges grofseres Beitergefecht fand statt bei den Hett- 
Btadter Höfen. Von kleineren Gefechten der beiderseitigen Reiterei 
sind zn verzeichnen solche bei Langensalza, Walldürn, Hardhdm und 
Helmstadt — Patrouillengefechte gröCseren Umfangs kamen bei 
Arnstein und bei Trennfarth Tor* Einmal geriet Reiterei in einen 
Hinterhalt bei Hardheim. 



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HL 



Das saliweizeiisGlie Searwesan im JaJue 1890.*) 



Das Jahr 1890 war für die sohireuBeriiche Armee ein Jahr 
mhiger FortoitwieUniig and sind mir wenige tiefgreifende Än- 
derungen TO Teneichnen. Der anfangs 1890 erfolgte Tod des 
Cheft des eidgenSesiadien Genenlstabshfireans , Obast-DirisionarB 
Pryffer, hat eine empfindliehe Lücke gerissen. Vfyfla hat aaf das 
sohweiMrische Heerwesen einen herronagenden Einflnfe ansgettbt 
nnd galt allgemdn als com Höchst -Kommandierenden der 
schweiserisehen Armee im Knegsfiille wxgesehen. Sr wurde in 
seiner Stellung als GSief des eidgenüssischett Generalstabshiueans durch 
seinen fraheren Ifitaiheiter, Oberst A. Eeller, eraetat. Das 
Konmumdo Aber die von ihm geföhrte VIÜ. Armee - DiTision 
wurde Oberst Wieland, Ereisinstmktor der gleichen Division, flber- 
tiagen. In Folge Obemahme der Finanzdepartements durch den 
Vorsteher des IfilttSr-Deparfeements, Bundesrat Oberst Hauser, wurde 
die Leitung der IGlit&i^eaohille vom bisherigen Kommandeur der 
III. Infbnterie-Brigade, Bundesrat Oberst Frey fibemommen. 

Das eidgenSesische Gencralstabsbfireau hat eine Neil- 
Organisation erfahren. Dasselbe besteht nun aus einem Ohef und 
folgenden 6 Abteilungen, jede mit einem Vorstände: a) Die 
• Kanslei. b) Die Nachrichten- Abteilung: fdr Nachrichten- 
weaen, fremde Armeen und Militär-Qeographie. c) Die Generai- 
st a b s- A b t e i 1 n n g : für Generalstabageschäfte, Armee-Aufmärsche und 
IVrritorialdicnst. d) Die taktische Abteilung: für Taktik, 
Mohilmacbnng und Etappenwesen, e) Die technische Ab- 
teilan<r: für Fortifikation, Kriegsreserven and Materielles, f) Die 
Bisen bahn- Abteilung: far Eisenbahnen und DampÜMihiffe, sowie 
deren Kriegsbetiieb. 

Eine weitere organiaatorische Neuerung ist die Organi- 
sation einer besonderen Festungs- Artillerie. Es ist die 
Aufätellung von vorläufig 4 Compagnien in Aussicht genommen 
und zwar 1 für Airolo (Fort Fondo del bosco), 2 für Andermatt 
(Forts Bahl und Batsberg), 1 für Gbralp-Furka- Gotthard. Die 

♦) Anmerk. d. L. Naohstoheilder Av&atz dürfte nnseren Ivcsern um so mehr 
willliommon sein, als die jungst erschienenen trefflichen Locbell^chen „Jahresbe- 
richte" aus UrQndeu, welche das Vorwort aodeotet, keinen bezfigUchen Bericht 
entbalten. 



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I>M sohwfiiunMdie HeerwcMn im Jahre 1890. 



63 



Festungs- Artillorie-Compagnien werden als Trnppeneinheiten des 
Bundes rekrutiert und sind als weitere Truppengattung der Ar- 
tillerie zur Ausbildung nnd zum Er^ntz zugewiesen. Bekleidung, 
Bewaffnung und Aosfibung ist diejenige der Park-Kanoniere, jedoch 
mit Magazingewehr. Uit Eiiifilhniiig des neuen Infanteriegewebree 
wird das Fuchinenmesser mii Biyonett dnrdi das Dolohbajoneti 
enetet. Fttr freiwillige SehiebObnngen avlser DioMt bleilib das 
Gewehr m Händen der Mannschaft. Die Abieiehen der Fettang)^ 
Artillerie sind üestgesteUt: anf dem Esppi die eidgeoSssische Ko- 
karde, gekrensto Kanoneoiohre nnd Kompagnieniunmer (I—IV) in 
rQmisohen Ziffern. IHe Ächselklappennummem haben roten Grand 
■ut weifeer Nummer. Die Stärke einer solehen Compagnie soll auf 
800—250 Mann, 10—12 Offisiere inbegriffen, gebracht werden. In 
diesen Bestand ist ein Pionier-Detachemfliit eingeschlossen, dessen 
Ansbildnng jedoch yorilnflg ebenfalls Sache der Artillerie ist 
Bis jetst ist nnr die Festangs-ArtiUerie-Gompagnie I für Fort 
Airolo TollstSndig organisiert, die fibrigen werden mit dem Fort- 
schreiten der Befestigungsarbeiten anfgeetellt. 

Am Anbng 1890 ist die neue MilitSr-Strafgerichts- 
Ordnung in Kraft getreten, welche «nen greisen Fortachritt in 
der MilitSr-Bechtflpflege bildet, indem durch dieselbe ^ie kantooaleii 
Kriegsgerichte angehoben und durah Dirisionsgeriohte eisetet 
worden sind« Bs sind nun der Militir-Strafgerichtsbarkeit unter- 
worfen: 1. Personen, welche sich im eidgenössischen oder kaato- 
nslen Milttir-Dieost befinden; 2. Instniktoren während der Daner 
der Kurse, denen sie zugeteilt sind oder so lange sie in Militär- 
Anstalten Verwendung finden; 3. die Beamten und Angestellten 
der Militai^Verwaltung des Bundes und der Kantone in Bezog anf 
Handlungen, welche die Landesverteidigung •refHlirden; 4. milii^ 
Pflichtige Personen, welche aufserhalb des Dienstes im Militär- 
Kleide auftreten; 5. militärpflichtige Personen auCserhalb dee 
Dienstes mit Bezug anf ihre dienstlichen Pflichten; 6. Personen, 
welche bei Militär-Personen oder bei einem Truppen-Corps dauernd 
angestellt sind, wie Bereiter, OfHzier-Bediente, Putzer, Wäscher; 
7. Personen, welche zu besondern Verrichtnugen bei der Armee 
angestellt sind, z. U. für den Post-, Eisenbahn- und Teloi^mphen- 
dienst, zum Eisenbahnbau, zu ßefestigungsarbeiten, für Transporte 
und Liefenmgen, zum Spitaldienst, für die Marketenderei, Bäckerei 
nnd Schlächterei, Kasernenverwaltung, Magaziniernng, Munitions- 
fabrikation — wegen Handlungen, die sich auf diese Verrichtungen 
beziehen; 8. in Kriegszeiten Porpoiuii, welrlip «Imi- Armeo fnl._r»>n 
oder welche sich strafbarer Handlnngeu an Persoueu, die zur Armee 



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64 



Du Bcbweizerische Heerwesen im Jahre 1890. 



geboren, oder ui.SaeheD, die der Armee dienen, aclmldig maeben ; 
9. Kriegegefangene und Intemlerle; 10. OivilperMnen, welche 
MiHtSr-Penonen im aktiren Dienet nur Verleteong wichtiger mili- 
täriBcher Obliegenheiten verieiten oder in verleitea soeben; 
11. Civilpersonen, welche sieh der Spionage oder des FelsehwerbeaB 
Bcbuldig maehen. — 

Ans der Zahl der Jostia-OfiBiieire werden gewiblt: 1. Der Ober- 
anditor nnd oein SteHvertreter; 2. der Yoraiinnde des Kaaeatione* 
geriehti; 3. die Orolbricbter; 4. die Auditoren; 5. die ünteiaadiange- 
richter; 6. die Gerichtasobreiber. — Die Jnstii-Ofifisiflire können anch 
ta Mitgliedern des Kassation sgerichtes ernannt werden. Überdies 
bleibt eine Ansahl nicht eingeteilter Justiz-Offiziere zur unmittel- 
baren Verfügang des Bundesrates. Die Justiz-Offiziere mflsBea 
juristische Bildung besitzen nnd als Truppen-Offiziere in der Armee 
gedient haben. Der Bundesrat ernennt die Jastift-Offiaiere und be- 
stimmt deren Grad und militHrische Auszeichnung. 

Für jede Armee-Division besteht ein Divifdonsgerichti nach Be- 
dürfnis werden Ersatzgerichte aufgestellt. Ein Division sgericht 
besteht aus dam Grolsrichter nnd sechs Bichtero. Zur Vertretung 
der Richter in Yerhindemngsf&llen werden sechs Ersatzmänner 
ernannt. Dem Gerichte sind beigegeben: Ein Auditor, ein Unter- 
suchungsrichter und ein Gerichtsschreiber. Der Grofsrichter ist Vor- 
sitzender des Gerichts und mnfs wenigstens Mftjorsgratl bekleiden. 
Der Grofsrichtor, die Richter und deren Ersatzmänner, sowie der 
Gerich tsschreiber, werden vom Bundesrate auf eine Amtsdaner von 
drei Jahren gewühlt. Als Richter und als Kr?!ntzmänner sind je drei 
Offiziere und drei Unteroffiziere oder Soldaten der Armee-Division 
zu bezeichnen. Die Richter und Ersatzmänner behalten ihre sonstige 
militärische Rtelhinf^ bei. — Die Divisionsgerichte beurteilen alle der 
Militär-Gerichtsbarkeit unterworfenen Fälle, welche nicht der Kom- 
petenz des aufserordentlichen Militär-Gerichts oder des Disziplinar- 
gerichts unterworfen sind. 

Das Militur-K assationsgericht besteht aus einem Vor- 
sitzenden, der den (Jrad eines Obersten bekleidet, nnd vier Richtern. 
Zur Ersetzung von Richtern, welche an der Ausübung ihres Amtes 
verhindert sind, werden zwei Ersatzmänner ernannt. Ist der Vor- 
sitzende an der Ausübung seines Amtes verhindert, so wird er durch 
das an erster Stelle nac h ihm gewählte Mitglied des Gerichts ersetzt. 

Dem Militär-Kussationsgcrichte sind beigegeben der Oberauditor 
nnd ein Gerichtsschreiber. Das Militär-Kassationsgericht wird vom 
Bundesrate auf eine Amtsdauer von drei Jahren gewählt. Als 



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«5 



Bichtcr und Ersatzmänuer sind Offiziere zu bezeichnen, welche 
juristisch gebildet sind. Die Mitglieder des Kassationsgerichts, 
welche nicht Justiz-Offiziere sind, behalten ihre sonstige militärische 
Stellung bei. Das Militär-Kassationsgericht entscheidet fiberEaentioiia- 
begehren gegen Urteile der Divisionsgerichte. 

Das aufserordentliche Militärgericht besteht aas drei 
Jastiz-Offiziereu mit Oberstengrad und yier Oberst-Divisionären. Statt 
der Letztern können als Richter bezeichnet werden: Obersten, 
welche eine Armee-Division geführt lial)en, und die Waffenchefs. 
Zur Ersetzung von Richtern, welche an der Ausübung ihres Amtes 
verhindert sind, werden vier Ersatzmänner bezeichnet, welche den 
Grad eines Obersten bekleiden. Dem aufserordentlicheu Militär- 
Gerichte sind beigegeben: der Oberauditor nnd ein ('erichtuschreiber. 
Da.s aufserordentliche Militär-Gericht und dessen Ersatzmänner werden 
für jeden einzelnen Fall von der Bundesversammlung gewählt. Die 
Bundesversammlung bezeichnet den Vorsitzenden und seinen Stell- 
vertreter. Der Beurteilung durch das aufserurdentliche Militür- 
Ciericht sind unterstellt: der Röchstkommandierende der Armee, der 
Generalstabschef der Arme<\ di r Kommandierende eines aus mehreren 
Divisionen formierten Armee-Corps und dessen Stabschef, sowie die 
Oberst-Divisionärc und die Watleucliet's. ^u\d noch andere Militär- 
Personen mitbc schuldigt, so beurteilt das aufserordentliche Militär- 
Gericht auch diese. 

Das Disziplinargericht besteht aus dem Chef des eidge- 
nössischen Militär -Departements als Vorsitzendein und den vier 
Waü'enchefs. Ist ein Waffenchef an der Ausübung seines Amtes 
verhindert, so bezeichnet der Bundesrat seinen Stellvertreter. Das 
Disziplinargericlit beurteilt solche Offiziere, welche sich in oder uufser 
Dienst hlerbter Aufführung oder llaudluugen schuldig iiiachen, 
welche sich mit ihrer militiirischen Stellung nicht vertragen. Im 
weiteren behandelt das Gesetz die Stellung und Pflichten der Justiz- 
Offiziere, das Militär-Strafverfahren, die Rechtsmittel, den Straf- 
vollzug und die Begnadigung. Für das neu bestellte Disziplinar- 
gericht sind folgende besondere Bestimmungen getroffen worden: 
In den fUUen, welche der Beurteilung des DianpKnargeriehts unter» 
liegen, findet eine Vorantersuchung im Sinne des Geeetses nicht 
statt. Das eidgenosnache Militär-Departement sammelt die Beweise* 
Der Bnndenrat YerfBgt auf den Antiag des Departements die Über* 
wdsong. Das Disziplinugericht vernimmt den besöhnldigten Of&rier 
und ergänzt die Akten nach seinem Ermeassn. Das Urteil dea 
Dimplinargerichts wird nicht begründet Lantet dasselbe auf 



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66 



Dts achweiierisehe Hflerweun im Jahn 1890. 



Entlassung des Offiziers, so ist gleichzeitij^ die Versetzung desselben 
unter die Militär-Steuerpflichtigen auszusprechen. Die Verhandlungen 
vor dem Disziplinargerichte sind nicht otit-ntlich. Ist ein Oberst 
zu beurteilen, so wird das Disziplinargericht durch die Einberufung 
von vier Diviaionären verstärkt, welche der Bundesrat bezeichnet 
Der durch Urteil des Disziplinargerichts entlassene OfBsier kann, 
wenn der Grand seiner Entlassung dahin gefallen ist, ein Rennoiia- 
gesucb einreichen. 

Entsprechend der iieaeiiStea%erich1aoiidnung sind jedem Dirinoil»- 
Btabe je ein Grolinricliier, Auditor, Untemuehmigadditer und Q«richl»- 
Schreiber sogeteflt wordeii, dagegen fielen die' Auditoren der Infknterie- 
BngadeetSbe weg. Doreh die gleiche Yerftguug worden jedem 
DiTisionmtab dn Feldpoeichef nebet den nötigen StabaeekretSren 
nigewieMn. 

Kioe weitere langgewfineehto organieatonflche Ändemng fimd 
im Instruktions-Gorps der Infanterie statt, welches eine 
betrSehtUche Yeigidlmning erfahr. Die Einffthning des nenen 
In&nterie-Gewehres und die beToretehende Änderung des BSzeniep- 
Reglements, noeh mehr aber die angestrengte Arbeit, mit welcher 
seit Jahren in Folge der Yennehrung der Scholen und Kurse, ins- 
besondere das Infanterie-InstroktionsperBonal durch alle Klassen 
hindurch überbürdet ist, rief gebieterisch nach einer Erhdhoiig der 
Zahl der Infianterie-Instroktoren. Es war eine Folge der Finaoa- 
kalamitttan Yon 1878, dals das Instmktionspersonal auf den Ober- 
instruktor, den SchieCnnstroktor, 8 Kreisinstruktoren, 17 Instruktoien 
I. nnd 65 IL Klasse, sowie 8 Trompeter und 4 Tambourinstroktoren 
reduriert wurde. Sohmge alQahrlioh nur 4 Divisionen Wieder^ 
holnngakurse des Aussngs hatten, mochte diese Zahl knapp genügen, 
weil aus deigenigen Kreisen, in denen keine Wiederholungsknise 
stattfanden, ohne erhebliehe Schwierigkeiten stets Inatraktoren in 
Central- und Scbielsschalen und anr Aushülfe fSr di^enigen Divi- 
sionen, welche Wiederholungsknrse zu bestehen hatten, abkom- 
mandiert werden konnten. Mit der Einführung der Landwehr- 
Wiederholungskurse wurde diese gegenseitige Aushülfe aber sehr 
erschwert, da nun alljährlich in jedem Divisionskreise Wieder- 
holuugskurse, das eine Jahr für den Auszug, das andere Jahr für 
die Landwehr anzuordnen waren. Man behalf sich und schlug; 4c\i 
durch, schlecht und recht, aber zum Nachteile der Ausbildung der 
Truppen, indem weder den Wiederhol ungsknrsen, noch den Schieb- 
schaleu die erforderliche Zahl von Instruktoren zugeteilt wcrdra 
konnte, und öfter der Bestand des fttr eine Bekrutonschole nötigen 



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Das sdiweiniiiclM Hcenrestn im Jabre 1890. 



67 



lifllirperaonalB Uber Gebühr vermindert wercleii miuBte. — Die im 
Jahre 1882 folgende iHnUnhmng der UnteroüBsiflnchiileB Termehrto 
die Arbeit und die ÄnstrengoDgen der Inetrnktoren, weil sie in 
diesen Sefanlen, in welche keine anderen Ofifiaere dnbemfen werden, 
nicht nnr die Instruktion zu erteilen, sondern aoch die Führung 
der Abteiinngen in jeglichem Dienstverhältnisse, im Hanshalte, beim 
Exerzieren und im Gelände zu übernehmen hatten. Da die Bekraten- 
schulen zudem einen Bestand von GOO — 800 Rekruten hatten, wuchs 
die dieuslliciie Anstrengung und Uberbürdnng der Inetruktoren iu 
einem Mafse, dafe langwierige Erkrankungen mancher, eelbet mit 
bleibendem Nachteile die unausbleibliche Folge hiervon waren. Die 
Sterblichkeit unter dem Inetruktionepenonal ist eine verhältnie- 
mäfsig grofse. Abhilfe war dringend geboten. Sie erfolgte m« 
nächst durch Bewilligung des Kredites für einen Gehilfen II. Klasse 
bei der Schieüsschule, dann durch Anstellnng zweier weiterer In- 
stniktoren I. Klasse als ständiges Lehrpersonal bei der Centraischule, 
die, bei ihrer Bedeutung für die Ausbildung der Offiziere aller 
WalFen und Grade und bei ihrer fortwährenden Erweiterung, eines 
solchen olmehin iininnfränglich bedurfte; hernach durch Vermehrung 
der Tainbourinstruktoren von 4 auf die frühere Zahl von 8 und 
schliefslirh dnrrh Eröffnung eines Kredites für Instrnktionsaushilfe, 
der autanglich in beacheidenom Mafse <^eli alten, 1890 auf die Summe 
von 20,000 frcs. stieg. Endlich wurde mit Beginn des gleichen 
Jahres eine dritte ständige Lehrstelle an der Centraischule errichtet. 
Es soll nun die Zahl der Instruktoren für jede Division nach und 
nach auf 12 gebracht werden, wovon 4 T. Klasse und 8 II. Klasse. 
Man hat diese Anordnung einesteils deshalb getrollen, um in den 
Kekrutenscliuleu jeder Compaguie einen berittenen höheren lii- 
struktions-Offizicr für die Felddienstübungen zuteilen zu können, 
andrerseits aber, damit den strebsamen, arbeitsamen und leistungs- 
föhigen Instniktoreu eine Beförderung in ihrer Stellung noch im 
lebenskräftigen Alter in Aussicht steht, wodurch der innere Gehalt 
des Corps, welcher sich in den letzten Jahren gehoben hat, noch 
bedeutend gewinnen wird. 

Die Zahl der Instruktoren der Infanterie ist nun tol>;ender- 
malsen festgesetzt: 1 Oberinstruktor, 8 Kreisinstruktorcn, 1 Schiefs- 
instruktor, 36 lustruktoren I. Klasse (wovon .3 dem OberiusLruktor 
direkt beigegeben, 1 für die Scliiefsschule und je 4 für jeden 
Diviriionskreis), GG Instruktoren 11. Klasse (je 8 für die Divisions- 
kreise I bis VII, 9 für den VIII. Divisionskreis und 1 für die 
Schieüsschule), 8 Trumpeteriustruktoren, 8 Tamboniinstroktoren, 

6» 



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68 



Doa lohwMierische Heerwesen im Jahn 1S80. 



zusammen 128. — Die erforderlichen Mehrausgaben betragen ca. 
46,000 frcs. 

Die eü'ektive Starke der schweizerischen Armee betrug Anfangs 
1890: 

A. Im Auszug: Generalstab und EisenbahuaUeilung 79, 
Justizoffiziere 43, Infanterie 9 1,394, Kavallerie 2,792, Artillerie 18,369, 
Genie 7,448, Sanitatstrappen 4,877, Verwaltungstruppen 1,442, 
Summa: 126,444 Köpfe. 

B. In der Landwehr: Generalstab 13, Infanterie 61,877, 
Kavanerie 2,72 1 , Artnierie 1 1,143, Genie 2,565, Sanitätstrappeu 2,064, 
Verwaltungstruppen 413, Summa: 80,795 Kftpfe. 

C. Im Landsturm: FOsiliere: 8,054 Off., 6,796 Utffis., . 
62,042 Soldaten. — Schfitaen: 193 0., 675 U., 7,088 & — Positions- 
Artillerie: 123 0., 561 U., 2,797 8. — Pioniere: 747 0., 753 U., 
100,389 S. — BfflitSrarbeiter 14,939, Sanitätsdienst 9,104, Ver- 
pdegungsdi«ut 9,139, Transport- und Nachrichtendienst 12,227, 
Poliiei- Feuerwehr- und Bureandienst 39,083 ESpfe. — Summa: 
3,117 Olfinere^ 8,785 UnterolBsere, 256,656 Mannsohaft — Summa: 
268,555 KSpfe. 

Über 4en Pferdehestand und dessen militlrisehe Tauglichkeit 
sind Anfang November 1890 eingehende Erhebungen gemacht worden. 
Die leiste milit&rische Fferdez&hlung hatte hn Jahre 1877 statt- 
gefunden und war man allgemein der Ansicht, dals die Zahl der 
militfirisch bnuichhAren Pferde geringer geworden sei, da die Vieh- 
lählongen eine Abnahme des Gesamtpferdestandea ergeben hatten. 
Diese BefBrchtnngen haben sich nun als ungerechtfertigt herana- 
gestellt, indem die ZUünng eigah: Qffiaerareitpferde, eingeteilten 
Offisieren geharig 862; ftir Offiiiere geeignet und geritten 2,434, 
beiw. ungeritten 1374. Summa: 4,670. — IJnterofifiziersreitpferde: 
hereits geritten 1,421; zum Zureiten tangUch 3,041; als Batterie- 
angpferde tauglich 22,654; als Saumtiere tauglich 1,544; als Armee- 
und Linientrainpferde tauglich 25,619; im Not&U tauglich 10,140; 
unbrauchbar 14,005. — Summa: 83,094 Pferde. — Neben der Ab- 
nahme an Zahl hat eine bedentende Zunahme an Güte, namentlich 
an Reitpferden stattgefunden. In dieser ^Uilung sind übrigens die 
Kavalleriepfcrde, sowie die Pferde unter 4 und die Maultiere unter 
3 Jahren nicht inbegriffen* 

Im Unterricht haben mannigfache Verbesserungen stattgefunden. 
Was zunächst die Rekrutonau.sbildung anbelangt, so ist die Zahl 
der in die Rekrutcnschulen der Infanterie einzuberufenden Korporale 
▼on 50 auf 70 erhöht worden, wodurch nicht nur eine bessere 



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Das Mhwfliseriicbe Heenrasan im Jahre 1880. 



69 



Einzelausbildung stattfinden kann, sondern auch eine grosse Anzahl 
von Korporalen, die mit ihrem Dienst im Rückstände waren, heran- 
gezogen werden können. Bei der Kavallerie ist nun die Anordnung 
getroffen worden, dafs der vor einigen Jahren ausgeführte Winter- 
vorkurs für die Rekruten, an die Rekrutenschule sieh direkt anschliefst. 
Diese A^üolvierung des Kekrutciulieustes ohne Unterbrechung ist der 
Mann^^chaft viel angenehmer und zugleich für die soldatibche Durch- 
bildnug der Rekruten von bedeutendem Vorteil. 

Zu den Wicderholnngskursen der Infanterie sind im ver- 
flossenen Jahre alle 12 Jahrgänge des Aaszuges einberufen worden. 
Es ist dieses namentlich im Hinblick auf eine bessere Ausbildung 
dtt Landwehr gesehehen. 

In den Offiner-Gorps der Landwebr-Battaillone bestoben nocb 
groise LBcken, so dals mit OlBsieren des Anssiigs bei den Wieder- 
holnngskonen ausgeholfen werden mnls. Die VerlSngernng der 
Diensfeieit wird aber den Obertritt T<m AuBzagsoffisieren yerzögem, 
80 dab, will man die erwftbnten Lücken ansfftllen, angeordnet 
werden mnfste, sieh daan eignende ünterofifisiere des Anssnges so 
OfBsieren der Landwahr anaaDbilden. Zn diesem Zwecke wurde die 
Zahl der Teilnebmer an den 0£fizierbildangssdnilen der Lifiuiterte 
nm 30 erhöht nnd soll diese Mafivegel solange beibehalten weiden, 
bis €8 gelingt, jede Landwehrinfanterie-Ck>mpagnie anf den gesetz- 
lichen Bestand von 5 Offizieren zn bringen. Diese Blaferegel wird 
zur FeldtSchtigkeit der Truppe wesentlich beitragen. 

Der taktische Kursffir EaTallerieoffiziere ist in der Weise 
neu organisiert worden, so daJs derselbe nun in zwei Teile zerfällt, 
wovon der eine fttr Stabsoffiziere und Utere Hanptleute, der andere 
für angehende Schwadron-Chefs bestimmt ist Die Spezialkurse 
f&r Stabsoffiziere der Artillerie sind ebenfalls in der Weise 
neu angeordnet worden, dab in einem Jabre m^r die tsJktiscbe und 
aDgemdn militSrisdie, im andern Jahre mehr die technische Aus- 
bildung der Teilnehmer in den Yordergrund [tritt Die Gent rai- 
schulen sind bedeutend erweitert worden. Es sollen nun in Zu- 
kunft alle zn Gompagnie-Chefs in Aussiebt genommenen Ober- 
UeutenantB der Infanterie Yor ihrer Beförderung zn Hauptleuten die 
Centralschnle I bestehen, da nur diese Schule die lückenhafte taktische 
Ausbildung der Infanterieofifiziere, welche ihnen bei der allzu kurzen 
Daner der OfGzterbildnngsschnlen geboten werden kann, wirksam 
zu erganzen vermag. Ebenso sollen an allen Centraischulen ohne 
Ausnahme auch Offiziere der Sanität und Verwaltung teilnehmen, 
nachdem ein Versuch die Zweckmafeigkeit dieser Anordnung dar- 



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70 



Das acbwflriMlw flMrweiaB im Jalm 18W. 



geihan bat* welcher die Offiziere durch den gemeinsamen ünteiridit 
gegenseitig mit dem Dienste, den Aufgaben nnd dem Zusammen- 
wirken aller Waffen- ond Tropengsttnngen, besser als es bisher in 
den fheorctischen Kursen der einzelnen Waffen geschehen konnte, 
vertraut machen wird. In den Jahren 1888 und 1889 aind sänifc* 
liehe höheren Stabsoffiziere aller 8 Amieediviaimeii au SpeziaUrafBOi 
einberufen worden. Diese Kurse bestanden ans einem Vorkuis nnd 
einer 6 wöchentlichen Ül)ungsrei8e« Erstinr hatte zum Zwecke, die 
Offiziere mit der strategischen nnd taktischon Leitung grofser 
Truppenverbände, dem Znsammenwirken, verschiedener Waffen und 
Hilfstrappen, dem Territorial- und Etappendienste und mit den 
Formen des Oeneralstahsdienstes vertraut zu machen. Aufy:erdem 
hatten Übungen in kleinem, kombinierten Detaclienieiitii im 
Sichern II gsdienste und in den verschiedenen Dislokationen die 
Offiziere angemessen auf die j;röfseren Übungen der Rekognoszieruugs- 
reisen vorzubereiten, bei weh lien zuertit mit Division gegen Division, 
hernach mit Armee-Corps gegen Armee-Corps und im zweiten Kurse 
schliefsHrh in Übungen im Armeeverbande — zwei Armee-Corps 
gegen zwei Armee-Corps — mauövcriert wurde. Für 1801 ist nun 
ein Supplementarkurs vorgesehen, an welchem diejeniH;en höheren 
Offiziere aller 8 Divisonen teilzunehmen hahen, welclie im Verlaufe 
der letzten 3 Jahre zu den betreffenden kSteileu befördert wurden 
nnd wozu auch diejenigen Land wehr- Brigade-Kommandanten ebenfalls 
einberufen wurden, welche noch keinem solchen Kurse beigewohnt 
haben. 

Vom 6. — 10. November fanden Manöver der beiden fran- 
zSsisch redenden Divisionen I und II gegeneinander unter Leitung 
von Oberst Wieland nach folgender Annahme statt. Eine Südarmee 
ist ins Wallis eingedruiiufeu, in der Absicht auf Ihm zu marschieren. 
Ihre Marschkolonnen lienul/.en alle überj^änge, vvelclie aus »lern 
Kliunethal ins Aarethal hiuühuriiihrcn. Eine Division (die I.) bildet 
den üufseräten linken Flügel; sie hat die Aufgabe, über Vevey gegen 
Freibnrg vorzugehen. 

Eine Nordarmee steht bei Bern bereit, die Hauptstadt gegen 
einen von Süden kommenden Angriff zu decken. Alle ins Rhone- 
thal führenden Pässe sind von Landsturmabteilungen besetzt. Eine 
Division (die IL) ruckt über Freiburg vor mit der Aufgabe, di» 
feindlichen EiSft« nach denn Ctenfeitee gortlckindriagaa, — Die 
cSpesialideen» wniden vom Leitenden in Fotm von Armeebefehlen 
tSgUch gegeben. Ffir den ersten Handvertag lauteten dieeelban: 
1. Division. Die erste Dinson wird diiekt von Gbatel- St Denis 



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Das schweizeii&che Ueerweseo im Jahre lödO. 



71 



auf Vatücaf maracbiereD, am Kommamkationen iwischen Romont 
und BnBe m mdiatkanAm und das Dabonchieten des HanpMjbrpB 
ans dem Saanethal ni erlfiehtern. Sie wird Fftblnng mit dem 
BaApfe-Oorpe rocben. Sie wird lieh am 9 Uhr morgens von Ch&tel- 
St. Denis in Manch letiwii. — IL DiTiiion. Der Feind befindet 
aioh laut MeMoagen in GhMel-8t Denis. Die II. Division erhalt 
den Belidil, ihm entgegenBamarscbieren (mareher k sa renoontre), 
nm Um an Terhiadem, die Kommunikationen swisohen Bomont nn^ 
Balle an gewinnen. Sie wird Bomont nm 8 Uhr morgens Terlaaten. 

Die L DiTision teÜte ihre Kiifle in swa nngefShr gleich starke 
Teile, wodurch sie Gefahr lief, einseln gesehlsgen an werden. An- 
statt dafii die IL Division mit ihren Haaptkriften nach Yanlenf 
maxBchiertef ging sie mit denselben nach Le Grit, wo sie allerdings 
einen taktischen Erfolg hatte, der aber keinen grolsen strategischen 
Wert hatte. Die strategiBehe Idee war nnberOeksiditigt. Zudem 
war die Frontansdehnnng eine an giofte, die Artilleiie wnrde snwnt 
anrückbehalten nnd schob daher aitf an grobe Entfernungen. Anlser- 
dem Heften der Sichenmgsdienst nnd die Fenerleitong manches an 
wünschen übrig. 

Die iÜr den aweiten HanÜTerteg dnroh das unentschiedene 
Gefecht des ersten gesohaifene Lage war folgende: 1. Division. Es 
ist der Division nieht gelungen, die Kommunikationen swiseben 
Bomont nnd Bulle dnrch das Vorgehen auf der Strafte Sansales- 
Yanlcnf sn gewinnen. Sie versucht, da sie Verstirkangen (1 Land- 
wehr-Begiment) erhalten hat, den direkten Yormaisch auf Bomont 
über die HOhou Sie besetit um 9 Uhr 30 Yormittags eine Stellung 
Bwisehen Ecassejrs und La Jouz. — II. Division. Die am vorigen 
Abend eingezogenen Erkundigungen lassen vermuten, dals der Feind 
seine nispronglicbe Marschrichtung verlassen bat und sieh über die 
Höhen von Le Crdt direkt gegen Romont wendet. Die II. Division 
hat Verstärkungen (1 Landw^r^Regiment) erhalten und hat den 
Befehl, den Feind ansngreifen und ihn daran zn verhindern, sich 
auf Romont zu werfen. Sie wird die Linie ihrer Vorposten nicht 
vor 9 Uhr 30 Vormittags überschreiten. Auch an diesem zweiten 
Manövertage ist das strategische Ziel der beiden gegeneinander 
ope ri erenden Divisionen, nämlich die Beeetznng der Kommunikationen 
zwischen Bomont und Bulle, von keiner Partei gänzlich eireicht 
worden. Die L Division vermochte nicht Romont zu gewinnen, 
hielt sich jedoch auf den Höhen von Ecasseys und war imstande, 
von da ans die II. Division an einem weitern Vordringen gegen 
Vanlcuf und Balle sn verhindern. Der II. Division ihrerseits war 



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72 Dm ■chwMiariacbe HMnmai in Jahn 1890i 



es nieht gelungen, die Höhen von Sommenlier und BScaaBeyi, wekihe 
die Linie Bomoni-BBlle behemdien, sn beeetKen; de hatte swav den 
Vormarsch der L Dinsion mm Stehen gebndit, und dieselbe aa 
der Besetmng tob Romont Terhindert, der Besits der Commnni* 
kttiooen swischen Romont und Bnlle nnd namentlich des wichtigen 
Knotenpunktes von Vanlouf wurde ihr jedoch tod der L DiTision 
immer noch streitig gemacht und sie war geawungen, sich nach 
einem abgeschlagenen Angriffe in dne etwas rfickwärtigc Stellung 
zurüoksuziehen. Die strategische Lage war somit eine gleiche ge- 
blieben, wenn sich auch die taktische einigermassen verändert hatte. 

Für den dritten Manövertag wurden demgcmäfs folgende An- 
nahmen ausgegeben: L Division. Der Feind hat sich in der 
Richtung Ton Treyfayes und Romanens zurückgezogen und bedroht 
von da aus die Verbindung mit Bulle. Die L Division hat den 
Befehl, ihn dort aosngreifen. Sie wird die Linie der Vorpoeten 
nicht vor 9 Uhr morgens ttberscbreiten. — II. Division. Es ist der 
IL Division nicht gelungen, den Feind ans seiner Stellang von 
Ecassejs sn Terdrängen* Sie besetzt daher die Stellang swischen 
Treyfayes und Romanens, von wo sie dio Komiuimikationen swischen 
Romont und Bulle beherrscht. — Der Vorstofs der I. Division gelang 
lind mufste infolge dessen die IL Division die innegehabte Stellung 
aufgeben und sich in der Richtung von Romont hinter die Neirigue 
zurückziehen. Die I. Division war damit in den Rositz der viel- 
umsfcrittenen Kommunikationen zwischen Roinout und Bulle gelangt. 

Für den vierton (letzten) Manöverta^ war die Lage folgende: 
L Division. Der Feind hat die Höhen zwischen Lezi« res und der 
Neirigue besetzt. Die l. Division wird denselben in dieser Stellung 
angreifen. Sie soll ihre Vorpostenlinie nicht vor 9 Uhr morgens 
überschreiten. Die II. Division befestigt die Stellung zwischen 
Mezieres und der Neirigue. Die Arbeiten sollen um 9 Uhr morgens 
vollendet sein; die Division wird daselbst den Angriff des Feindes 
erwarten und denselben mit allen Kräften zurückzuweisen suchen. 
Sie kann auf Ankunft von Verstärkungen im liaufc des Tages und 
auf die Mitwirkung eines Detachenients, welches durch das Saaue- 
thal direkt von Freiburg auf Bulle marschiert, rechnen. 

Durch Eingreifen der Leitung wurde die L Division zum Rück- 
zug veranlafst und ging die II. zum Gefjenstofs vor. In der Schlufs- 
kritik des Leitenden wurde betont, dafs die stattgefundenen Man(»ver 
einen bedeutenden Fortschritt in der Kriegstüchtigkeit der Divisionen 
erkennen Hessen, dafs man aber bei den erzielten Ergebnissen nicht 
stehen bleiben dürfe, sondern noch weitere Fortschritte machen müsse. 



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I 



Dm achwoserische Hcenrosen im Jilire 189QL 73 

Vom 23.-25. September fanden in üqt Gegend von Beilach 
Kavallerie- Feldübungeu stAtt, an denen 3 Kavallerie -Regimenter 
und 2 Guiden-Compagnien teilnahmen. Es sind dieses die gröfsteu 
('bangen, welche bis jetzt für die Kavallerie allein statlgetunden 
haben, da bis dahin in der Regel die Wiederholungskurse nur im 
Reginieutsverbaud allein oder in Verbindung mit den andern WaÖen 
stattfanden. Diese Neuerung hängt damit zusammen, dafs man 
nach und nach auch in der Scliweiz davon abkommt, die Kavallerie- 
Regimenter den Divisionen auch für den Kriegsfall zu belassen und 
die weuige Kavallerie, die man hat, auf diese Weise zu verzetteln, 
sondern dafs man bestrebt ist, ilic Kavallerie in möglichst grofsen 
Massen vt)r der P'ront der Armee zu verwenden und den Divisionen 
nur das unumgänglich Notwendige zu überlassen. DementsprechLMid 
ist auch bei der Kavallerie eiue Reihenfolge des Unterrichts in tlcn 
Wiederholungskursen angenommen worden, wonach das erste Jahr 
namentlich der Einzelausbildung und dem Auffrischen des formellen 
und einfachen taktischen Exerzierens gewidmet ist. Im folgenden 
JahfL' wrriU n die Scliwadronen einzeln zu den Rcgiments-^fanrivern 
der Infanterie kommandiert. Im dritten Jahre üben einige Rei^imeutc r 
gegeneinander. Im vierten Jahre fintleu Übungen im Verbände der 
Armee-Divisionen statt. Im fünften Jahre wird sofort nach der 
Mobilisierung eine gröfsere Marschtibung gemacht, an welche sich 
Wiederholungen und namentlich Einzelausbildung anschliefsen. Im 
sechsten Jahre üben die Schwadronen gegeneinander, während in 
den folgenden beiden Jahren die Übungen des dritten und vierteu 
Jahres Avieder statthndcu, worauf die Reihenfolge von neuem beginnt. 

Die Annahme für die oben genannten Feldübungen war folgende: 
1. Von St. Gallen gegen Winterthur sind stärkere Armeeteile im 
Anmarsch. Ihnen voran erreicht das 8, Dragoner-Regiment (ver- 
stärkt durch 2 Guiden-Compagnien) am 22. September Winterthur. 
In der Nacht vom 22. auf 23. September erfährt der Regiments- 
Kommandaut, dafs feindliche Kavallerie den Rhein bei Kaiserstuhl 
überschritten hat und die Nacht dort zubringt. Er hat die Absicht, 
ihr entgegeuzugeben and sie am Vormarsch auf Winterthur za 
verhindern. — 2. Das 6. und 7. Dragoner-Regiment bilden eine 
selbstständige Kavallerie-Brigade, welche am 22. September den 
Rhein bei Kaiserstulil überschritten hat. Dieselbe kantonnicrte 
vom 22, auf 23. September in Kaiserstahl. Sie hat die Aufgabe, 
am 23. gegen Winterthur vorzurücken, am Fohlong mit dem von 
8t. GaUen her in Anmarsch befindlichen Feinde zu .suchen und sich 
som Zwecke der ZentSrung der Verbindungen mit der Ost-Schweis 



74 



Dm lebiriiudidie BecrwctM im J«hie 1880L 



in den Besitz des KisenbülinkiiokMipunkt^ VVinterthur zu setzen. — 
Der Vormarsch der Kavallerie- Brigade im Töfsthal wurde nur durch 
eineSchwadron einige Zeit aufgehalten, da der Reginieuts-Kommandant 
mit dem Gros über die Höhen südlich der Tr>fs marschiert war und 
dann zu spät kam, um der Brigade iu den Kücken zu fallen. Für 
den folgenden Übungstag gab der Leitende, Herr Oberst Wille, eine 
vollntändig andere Annahme aus, nach welcher die Brigade (Nord- 
Brigade) am 23. September abends iu Rafz angelangt ist, mit der 
Aufgabe auf Zürich vor/.ugehen, die Mobilniacliuiig der VI. schweizeri- 
Bchen Armee-Divifiion zu stören, die tt legraphiachen und Eisenbahn- 
verbindungen mit Zürich zu unterbrechen, sich der Brücken von 
Kaiserstuhl und Eglisau zu bemächtigen, um den nacKfolgeudeu 
Truppenkörpern den Übergang über den Rhein zu ermöglichen. 
Das Süd-Regiment hat den Befehl, an den Rhein vorzugehen, um 
sich der Brücken von Eglisau und Kaisenstuhl zu versichern, und 
feindliche Einbruchsversuche zur Störung der Mobilmachung der 
V. Division zu vereiteln. Der Kommandant erhielt das Reoht der 
Verfügung über die dortigen Landsturmkräfte. 

Nachdem eine Schwadron der Nord-Brigade den Rhein bei 
Eglisau in Kähnen überschritten hatte, woselbst die Brücke durch 
eine Patrouille des Süd-Regiments zerstört worden war, hatte das 
gegen Kaiserstiihl marschierende Regiment sich dahin «gewendet. 
Die Nord- Brigade hatte jedoch unterdessen die Brücke bei Uüdlingen 
benutzt und die Töfs durchfurtet und überrumpelte nun das Süd- 
Regiment. — Die Lage für den 25. war demnach folgende: 1. Kür 
die Nord-Brigade. Der Feind hat sich hinter die Slatt zurück- 
gezogen und hiilt diese Flufslinie fest. Die Brigade kantonniert in 
Beilach und Uni;j;ebung mit der Absicht, am 25. die Slattfibeigänge 
zu gewinnen und auf Zürich vorzudringen. — 2. Für das Süd- 
Regiment. Es ist demselben nicht gelungen, den an Kräften über- 
legenen Feind am (niersch reiten des Rheines zu hindern: die Brücken 
von Eglisau und Kaisrr.stnhl sind in seinem Besitz. Das Regiment 
hat sich hinter die Slatt zurückgezogen und beabsichtigt, dem 
Feinde die Übergänge über dieselbe streitig zu machen. Melduug 
davon ging an das Kommando in Zürich ab. Vom letzteren ist am 

24. abends die Nachricht eingetroffen, dafs die Division am 

25. September die Höhe von Kälsch zwischen Rnmling und dem 
Katseusee besetzen werde; das Süd-Regiment ist beauftragt, diesen 
Vormarsch der Divisioil zu verschleiern, indem es der feindlichen 
Kavallerie den Zugang zur Slatt verwehrt. — Auch bei dieser Übung 
ist €8 der Nord-Brigade gelungen, über die Siatt su kommen« ßiner 



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Om MliwiMriNlw ntuwam im hkn im. 



76 



der Hauptfehler, welcher bei diesen Übangen forkam, war, dah ach 
die Parteien za wenig nach der strategischen Lage richteten. 

Eines der bei diesen Übnngen beteiligten Kavalleric-Rorrimenter 
muDste sofort nach Beendigung der Übangen lor Verstärkung der 
Besatzungstruppen nach dem Tessin abmanohienra. Der Tessiner 
Putsch hat für die schweizerische Armee wenigstens den Nutzen 
gefaabti da£i er die Unzulänglichkeit des bestehenden Wachdienst- 
reglements uud den Maugel an VorBchriften über den Waflfengebraach 
des Militärs i)ei Volksanfläufen darthat. Im übrigen wurde dieser 
Besatzungsdienst soweit als möglicb ancfa für die £eidma(nge Ans» 
bildong der Trappen benutzt. 

Bemerkenswert ist nocli der Marsch der Guiden-Compagnie 8 
fon Bellinzona fiber den St. Bernardin nach Chnr Ende März. EHsser 
war wegen der Schneeverbältuisse mit grofseu Schwierigkeiten ver- 
knüpft, worde jedoch gut und ohne Schaden für Mannschaft and 
Pferde znrflckgelegi. Die Manöver eines kombinierten Regiments 
auf dem Gotthard Mitte September molsten des ausnehmend schlechten 
Wetters wegen verschoben werden. Trotzdem das betreflTende 
Regiment aas Gebirgsbewohnern (Umer, Schwyier und Glamor) 
besteht, mudtOi nachdem die Leute etwa 10 Tage im Ursemthal 
kantonniert hatteni der Wiederholnngskors TStlegt werden, da der 
Gesundheitssnstand anfing bedenklich zu werden. Die zu diesen 
Übungen kommandierte Gebirgs-Batterie 61 hat nnter sehr schwierigen 
Verhältnissen den Blaisch von Chor nach Andermatt in drei Tagen 
an^geföhrt. 

FSr die Sieherstellung der Verpflegang im Mobil- 
machnngsfalle werden grössere Fleisehkonaenrenniederlagen an- 
gelegt, welche anf 1,000,000 PortioDen gsbraeht werden. Zugleich 
wnrde die Anordnung getroffen, dab in jeder Schale nnd jedem 
Korse die Hannschaften einige Tage mit Konserven verpflegt werden, 
einesteils am die Leate an den Genais derselben za gewöhnen, 
anderseitB am einen regelmäfeigen Umsatz der Vorräte zu erzielen. 
Es wurde darauf bedacht genommen, anstatt der anfänglich erprobten 
amerikanischen Konserven ein inländisches Fabrikat anzuwenden und 
lind in Folge dessen in Rorechasch nnd Bern von der PriTatindustrie 
Armee-Konservenfabriken errichtet worden, welche «n recht gutes 
Fabrikat liefern. 

Die Schweis ist genötigt, den grOJsten Teil ihrer Reitpferde im 
Auslände an kaufen. Es wnrde nnn neuerdings ein eidgenSssisohes 
Centralremontendepöt in Bern eingerichtet, welches dazu b^ 
stimmt ist, die für den Kavalleriedienst bestimmten Pferde anfku- 



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76 



Bm flohweuerische Heenresen im Jahre 1890, 



nt'lnncn. Dieso Mafsregol, durch welche ermöglicht wird, die Ka- 
valleiiepferde vor ihrer Abgahe an die Mannschaft gehörig zu 
akklimatisieren, bedeutet für die Kavallerie nicht nur eine hervor- 
ragende Kräfiiffung ihres Pferdeiuatcrials, .sondern auch tlie Möglichkeit 
einer viel intensiveren Dressur der lieuionten, indem dieselbe nun 
fast gar nicht mehr durch die Akklimatisationskrankheiteu beein- 
trächtigt wird; zudem ist damit eine Reserve von etwa 400 — 500 
Remonteu geschaften. Für 1891 sollen 700 Kavallerie- Pferde ange- 
kauft werden, von denen nur KX) im lulande beschafft werden, 
wiihrend der Rest aus dem Auslände (Ostpreufsen) kommt. Auch 
die Pf'erderegieanstalt, welche Pferde an Offiziere zu liefern hat, ist 
vergröfaert und auf einen Bestand von etwa 500 Pferden gebracht 
worden. Dieselbe kaufte Ende des Jalires an Remonten für 1891: 
50 Anglo-NormUnner, 50 Trlänuer, 30 österreichisch -ungarische 
Gestütspferde, 15 2jährige Vollblutpferde und 15 Landesfohlen. 

Das Kriegsmaterial hat im verflossenen Jahre eine nicht 
unbedeutende Vermehrung erfahren. Vor Allem wurde mit der 
Ergänzung der Fuhrwerke der Infanterie des Auszugs begonnen, 
welcher früher nur ül)ur 2 ITall)kais.sons (Munitionswagen) und 
1 Fourgon für jedes Bataillon verfügte und für alles Andere auf 
Rec^uisitionsfuhrwerke angewiesen war. Es sind nun für die Hälfte 
der Infanterie-Bataillone des Auszugs je 5 sogenannte Einheitswagen 
angeschafft worden, wogegen der schwere, unbehilfliche l''uargon 
den Landwehr-Bataillonen überwiesen wurde. Die andere Hälfte 
der Fuhrwerke soll im Jahre 1891 angeschafft werden und wird 
dann jedes Infanterie-Bataillon mit 10 zweispännigen Fuhrwerken, 
wovon 3 Requisitionswagen, verseilen sein. Das neue Infanterie- 
Fuhrwerk ist ein sogeoauuter BrUckeuwagen von groüser Lenkungs- 
fähigkeit. 

Die Kavallerie hat bereits seit einiger Zeit Versuche mit 
Maschinen ixt" weh reu gemacht, welche jedoch noch nicht zum 
Abschlufe gekommen sind. soUeu im Ganz 'u 3i> Stück angeschafft 
werden. Die Artillerie macht Versuche mit vuivv anderen Munitions- 
verpackung für die Feldbatterien, da die jetzige nicht mehr ganz 
zweckentsprechend ist. Dieselben sind ebenfalls noch nicht hcendigt. 
Die berittenen Unteroftiziere der Fcldbatterien sind mit sogenannten 
llilfsgeschirren ausgerüstet worden, wodurch ermöglicht wurde, die 
Reitpferde derselben ohne Zeitverlust zum Vorspann und dergl. zu 
verwenden. Das Schulmaterial ist soweit ergänzt worden, dafs man 
für jeden Artilleriewaffenplatz nun je 3 vollständige Schulbatterien 
zu je ö GeachUtzeii (zluaammen 9 Batterien) besitzt. An Geniematerial 



Dm MhwaisenselM Bdwnmn im Jalm im, 77 

sind namentlich die Pionierriistwagen der Landwehr- Infanterie und 
des Brücken niaterials ergänzt worden. EbenfiO wurde eitt gröÜBeres 
Quantum Scliiefsbantnwolle angcscIiatVfc. 

Das Sanitüts- und Verwaltuiigsinaterial wurde ebenfalls 
namhaft ergänzt, so wurden augeschaÜt IG Fourgous und 12 (20) 
Blessierten wagen für Landwehrambulanzen, rifX) (1000) Spitalbettcn 
nebst Zubehör, 500 (400) Lagerstellen in Güterwagen für llilfszüge. 
1891 sollen ferner die mit eingeklammerten Ziffern angegebenen 
Anschaffungen gemacht werden. Aufserdem sind nun für den ganzen 
Auszug die notwendigen Mannschaftsdecken angeschafft worden. — 
Fnr die ganze Armee ist dann der sogenannte englische Kaltbeschlag 
eiDgeführt und sind grof^^ere Anschaffungen davon gemacht worden. 

Mit den Gruson'scheu 5,3 cm transportablen Panzerlafetten nnd - 
12 cm transportablen Panzerhaubitzen sind Versuche begonnen 
worden; dieselben erstreckten sich namentHch auch auf die Transport- 
fahigkeit in den schweizerischen GeländeverhältniBRen. 

Die Gotthardbefestigung ist soweit fortgeschritten, daCs das 
Fort Airolo fertig ist, die anderen Werke dagegen 1891 wenigstens 
Terteidignngsnihig win werden. Die Neubewaffnung der Armee 
mit dem Infanteriegewehr M. 1889 hat für die III. — V. Armee- 
DiTision 1891 begonnen. Für die Neubewaffnung der Kavallerie 
nnd Versnobe mit einem kloinkal ihrigen Tic petierkar abiner im 
Gange. Kon vor Jabresschlufs ist das mit der Neubewaffuung in 
engem Zu^unmenbange stehende neae Exersier-Beglement für 
die Infanterie vom Bandesrate genehmst worden und ist das- 
selbe Mitte Februar zur Ausgabe gelangt. 

Das neue Reglement serfallt in 8 Kapitel und eine Ein- 
leitung und hat einen Umfang von nur 144 Seiten kleinen Formats. 
Die Grandzüge des Reglements sind folgende: Die gewäblten Formen 
sind einfach und für Jedermann leicbi an erlernen. Um so mehr 
ist auf gründliches Einüben und genaues Ausführen zu halten. 
Damit wird das Exerzieren ein Mittel zur Anerziehung der Manns- 
zncht und zur Befestigung des Erlernten in einer Weise, dafs es 
selbst in den Wechselfallen des Krieges und anter den Eindrücken 
des Gefechts nicht yo'loren gebt. Jeder Voi^esctzte, Offizier odw 
Unteroffizier, soll zur Ausbildung der ihm unterstellten Abteilung 
befähigt sein. Die kurze Dienstaeit und die Unterbrechungen im 
Dienste, welcbe die Folge des Milizsystems sind, machen die Anstellung 
Ton Offizieren notwendig, die den militärischen Unterricht als Beruf 
betreiben ond die vermöge ihrer Diensterf abrang in der Art in 
nnterriditen besondere Fertigkeiten sieb erworben baben. Diese 



78 ■chwöieriache HMiwesen im Jfthi« 1890. 

Instruktions-Offiziere haben die Aufgabe, den Truppenführern im 
Unterrichte mit Rat und That iin die Hand zu gehen. Ihre vor- 
nehmlichste Aufgabe mufs darin bestehen, die Tnippenführer selbst 
uioglichst selbstständig zu macheu. Sie dürfen denselben daher 
weder die Verantwortlichkeit für die Ausbildung der Truppen ab- 
nehmen, noch sie in der Wahl der Mittel beschränken, so lauge 
solche den gewünschten Erfolg innerhalb der gegebenen Unterrichts- 
zeit möglich machen. Sobald von Seiten eines Truppenführers 
Mittel angewendet werden, wdche nicht oder nicht innerhalb der zu- 
gemessenen Unterrichtszeit zum Ziele fähren, so ist von Seiten des 
Aufsicht führenden Instruktions-Offiziers einzuschreiten. Geschieht 
PS mit Takt, so werden Konflikte selten entstehen. Nötigenfalls 
entscheidet in Rekrutenschulen der höchste anwesende Instniktions- 
Offizier, in WieUerholungskursen der Huchstkomraandierende, soferu 
er hoher im Grade ist als der anwesende höchste Instruktiona-' 
Offizier, sonst ebenfalls der letztere. 

Das erste Kapitel behandelt die Soldaten«chule. Stillgestanden 
wird auf das Kommando »Achtung — steht«, geruht auf den 
Befehl »Ruhen«. Die Schrittlänge beträgt 8Ü cm für gewöhnlichen, 
90 cm für den Laufschritt. Das Reglement kennt folgende Schritt- 
arten: Feldseliritt (ohne Tritt) 11 Ü— 120, Taktsrhritt 1 Iß— 120, 
Schnellschritt (ohne Tritt) 120—140, Laufschritt 160, Sturmsehritt 
(im Takt) 140 in der Minute. — Der Feldgchritt ist als der gewöhn- 
liche Schritt angenommen. 

Es siud alle Gewehrgriffe, ausgenommen das Anhängen und die 
Ladegriffe weggefallen. Soll das Gewehr ausnahmsweise geschultert 
werden, so geschieht dieses auf Befehl. »Im Bereich des feind- 
lichen Feuers darf das Gewehr nicht auf der Schulter getragen 
werden.« Das ({ewt hr ist stets auf EinzoUadung gestellt (Magazin 
ausgeschaltet), wenn nicht das Laden aus dem Magazin ausdrücklich 
kommandiert worden ist. Zudem ist das Gewehr, sofern nicht ge- 
feuert wird, stets gesichert. Die Ladung kann stattfinden ent- 
weder für eine oder zwei Schaciiteln, oder einzelne Patronen. 
Es giebt nur noch zwei Feuerarten, das Einzelfeuer und das Maga/in- 
feuer. Die Salven sind abgeschafft. Beim Einzelfeuer wird auf 
das Kommando »Schufs« von jedem Mann nur ein Schafs abgegeben, 
die Patrone ersetzt und das weitere Kommando abgewartet. Der 
Verschlais wird dabei an der Schulter zurückgezogen. Das Magaziu- 
feaer wird so abgegel)en, dafs das Gewelir an der Schulter bleibt, 
bis zum Fenereinstellen gepfififeo wird oder naohgefuUt werden rnoDk 
Zorn Entladen wird das Magarin weggenommen. 



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Dm fobribeilMlM Umwmtm In Jalne 18^ 



79 



Die Ausbildung des Soldaten für das Schiitzengefeclit bildet 
einen wesentlichen Bestandteil des ersten Unterrichts des Soldaten. 
Es molis damit in den ersten Tagen der Rekrutenschale schon be- 
gonnen werden, nicht nur um Abwechslung in den Unterricht zu 
blingwi, sondern namentlich auch, um den Soldaten frühzeitig mit 
seiner hauptsächlichsten Bestimmung bekannt zu machen. Der 
Wehrmann soll erkennen lernen, wie die strengste Unterordnang 
nod die genaueste Ausführung beim Exerzieren mit der ungezwungenen« 
aber wohldurchdachten freieren Bewegung im Qdände Hand in 
Hand gehen mub. Der Unterricht im Schftrfechiefsen vor der Scheibe 
ist so zu betreiben, wie das Feuer in der lentreuten Ordnung sor 
Anwendung kommt. Das Schiefsprognunm hat daher die rer^ 
schiedenen Körperlagen zu berücksichtigen. Schon hier ist streng 
daraof zu halten, dals der Mann beim Einzelfeuer nach jedem 
Scbufs eine Patrone in den Lauf bringt nnd beim Magazinfener 
sofort das iM[f>g^yin nachfüllt, damit ihm dies zur Gewohnheit wird. 

Das zweite Kapitel enthält die Zugschule. Je 4 Rotten 
bilden eine Omppe. Jedem Zuge werden 2 Wachtmeister und 
4 Korporale zngeteilt Die Wachtmeister kommen als Führer anf 
die Flügel ins erste Glied. Von den Korporalen kommen 2 auf die 
Flügel ins zweite Glied; die übrigen an die rechten Flügel der 
mittloron Gruppen ine erste Glied. Der Führer rechte ist der erste, 
der Führer links der zweite Stellfertreter des Zugführers; die hinter 
ihnen stehenden Korporale kommandieren die Flflgelgruppen ; die 
übrigen Korporale — bei mehr ale vier Gruppen die daao be- 
zeichneten Soldaten — kommandieren die mittleren Gruppen, au 
deren rechten Flügeln sie stehen. Die Richtnng und Fühlung ist 
stets, sofern nichts anderee befohlen ist, rechts. Anstatt >lor früheren 
gebrochenen Schwenkong ist nun die sogenannte steife Schwenkung, 
\)ei welcher die Leute ausgerichtet bleiben, eingeführt worden. Der 
Übei^ng von der zweigliedrigen Formation zur eingliedrigen ist 
häufig zu Üben nnd sollen in der eingliedrigea Formation oft 
Richtungen, Frontmärsche und Schwenkungen Torgenraunen werden. 
Die Bewegung Tollzieht sich nach der Mitte; als solche gilt der 
Fl&gehnann rechts der dritten Gruppe. Die Marschkolonne wird 
mcht mehr durch in die Flanke Selsen und verdoppeln der Glieder, 
sondern durch Abschwenken besiehungs weise Abbrechen mit Gruppen 
enteilt. Die Linie kann durch Einschwenken oder Aufmarsch 
erstellt werden. Das Zusammensetzen der Gewehre geschieht in 
der Marschkolonne oder in der Linie stets gUederweise in jeder 
Gruppe. 



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80 



Dm Mhw«iMriMhe HMnraien im Jahn 1800. 



Der Zug, als der kleinste von einem Offizier befehligte 
Truppenteil, ist gleichsam das Element für das Schützengefecht. 
Das Ausbrechen zum Schützerifrefecht geschieht auf das Kommando: 
»Ausbrechen — Marsch« (Richtiing)I Der Zugführer und die 
Führer der Gni])pe treten, solange nicht gefeuert wird, vor die 
Mitte ihrer Abteilungen; die Führer rechts und links hinter die 
Mltt<' der lipiden Zugshälften. Die dritte Gruppe ist stets 
Richtungsgruppe, sofern nichts anderes befohlen wird. Der Führer 
d« i* dritten Grupjic marschiert in der anbefohlenen Richtung vor- 
wärts; die übrigen (iruppeu ziehen sich in beschleunigtem Schritte 
80 weit auseinander, bis sie den Entwicklungsraum für ihre 
Gruppen gewonnen haben. Der Vordermann der dritten Rotte 
einer jeden Gruppe folgt seinem Gruppenführer, die übrigen Leute 
ziehen sich, indem diejenigen des zweiten Gliedes sich links neben 
ihre Vordermänner stellen, soweit auseinander, bis von Mann zu 
Mann ein Zwischenraum von etwa einem Schritt entsteht. Ein so 
ausgebrochener Zug von 20 Rotten nimmt rund eine Front von 
60 Schritten (50 m) ein. Im Kückmarsclie begriffen, darf der Zog 
nicht ausbrechen, ohne vorher gegen den Feind Front gmoAcht m 
haben. Die Gruppenführer befin l. n sich bei den Feuern in ihren 
Gruppen in der Feaerlinie und schieben auf die mittleren und 
kurzen Entfernungen mit. 

Für die Fcuerloitnng gelten folgende Vorschriften: Die Feuer- 
leitung ist Sache der Zugführer nach den Anordnungen des 
Compagnic - Kommandanten. Zu diesen Anordnungen gehören die 
Angabe der einzuhaltenden Marschrichtung, die Wahl der Stelle 
für die Feuerlinie, der Befehl zur Eröffnung des Ferners und so- 
lange als möglich die Wahl des Zieles. Der Zugführer trifft 
diese Anordnungen selbststandig, sobald er nicht mehr im Befehl- 
bereich des Compagnie- Kommandanten steht; er bestimmt die 
Feuerart, bezeichnet das Visir, regelt die Feuergeschwindigkeit und 
beobachtet die Feuerwirkung, wozu er mit einem Fernglas 
versehen sein mufs. Die schliefsendeu Unteroffiziere sind die 
Gehilfen des Zugführers; sie haben dessen Befehle, sofern sie nicht 
geliöri werden können, weiter sn befordern, deren Ausführung und 
da.s Nachfüllen des Magazins zu Überwachen, wie durch Meldung 
oder Zuruf den Zugführer auf neu erscheinende Ziele aufmerksam 
SU machen und die Entfernungen zn schützen. Die Gruppen- 
führer überwachen das Stellen der Visiere und sollen jederzeit über 
die ?orhandene Munition melden können. Im Gefechtalarm oder 



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tehirdsefiNhe flMrmtm im Jahr« 1890. gl 

wenn grofse Stille geboten ist, geschieht die Übermittelung der. 
Befehle von Mann zu Mann. Es ist dies häufig zu &beD. 

Die Entfernungen werden eingeteilt in kurze 0 — 500 
mittlere 500— 1000 m, gfolee 1000— 2000 m. Genügende Treff- 
erfolge sind noch zu erwarten: auf kurze Entfemnng gegen Einzel- 
ziele (einzelner Mann, Reiter), auf mittlere gegen Linienuele, 
Abteilungsziele (Zug, Geschütze, Scliützenlinie), auf grofse gegen 
Kolonnenziele (taktische Einheiten in Kolonne, Batterie in Gefechts- 
fofmation). Der Halte}) unkt ist im Allgemeinen die Mitte des sicht- 
baren Zieles. Bis auf 350 m ist mit heruntergedrücktem Yisir 
und entsprechendem Haltepunkt zu feuern. Gegen attackierende 
Kavallerie wird stets m\t Visir herunter gefeuert nnd anf Pferde- 
brnst gezielt. Das Feuer kann begonnen werden, wenn die 
Kavallerie anf 500 m herangekommen ist. Anf mittlere und 
groisere XSntfenkongen können swei Visire von 100 m TJnteraehied 
angeordnet werden. 

Die Compagnieschnle (IlL Kapitel) ist ebenfalls anf das 
Notwendigste beschränkt. Die Compaguie wird in 4 Züge eingeteilt. 
Zählt sie weniger als 48 Rottw, ao ist eine entsprechend geringere 
Zahl Ton Zügen zu formieren. Zwei nebeneinander befindliche 
ZOge, welche gemeinsame Aufgaben haben, heilsen ein Ploton und 
werden vom alteren Zngffihrer kommandiert. Als Schlielsende be- 
finden sich hinter der Fh>nt der Feldwebel, der Foniier, der 
Wärter und die Spielleate. Die Kolonne der Gompagnie itt die 
Plotona-Kolonne, bestehend ans swei hintereinander stehenden Plo- 
tonen mit beliebiger Beihenfolge der Zage. Zd Versammlnngs- 
awecken, als Obergangsformation n. s. w. dient die Zngskolonne. 
In Flotons- nnd Zugskolonne haben die Abteilungen vom ersten 
zum ersten Glied 6 Schritte Afaatand. Sowohl die Plotons- wie die 
Zugskolonne werden anf die Mitte, benehungsweise den aweiten 
oder dritten Zug formiert Zum Zwecke eines raschen Überganges 
▼oii einer Formation in eine andre oder auch snm Zwecke einer 
Frontveründerong kann man sich auch des Mittels bedienen, neu 
antreten zu lassen. Zu diesem Behufs wird die neue Formation 
nnd Frontrichtung durch Befehl, letatere auch durch die eigene 
Aufteilung und durch Sibelzeichen des Compagnie-Kommandanten 
bestimmt; a. B. »Antreten in Plotonskolonne, Richtung Kirchturm, 
Lau&chritt, HiEursch!« Die Gompagnie muli in solchen Formations- 
und FVontftnderungen wohl geftbi sein. Vor Übergang in die 
serstreute Ordnung können nach ümatSnden die Züge der in Linie 
marschierenden Gompagnie auf Zwischenräume yon Zogafiront 

MakMw llf «t ItwiMto AHM asi ÜMiat. B4UUUL.]. 6 



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Dl« feMieineh» IhanwiBi ni Jahn IM 



•aneinander gezogen werden, der dritte Zag wird ohne weiteres 
Richtongszug. 

Zum Schiitzeugefecht werden «t^t«? ganze Züge vorwendet 
und zwar aus der Kolonne die vordersten, l>eziehung8weise wenn 
aas der Plotonskoloune ein Zug ausbrechen soll, einer der beiden 
vordersten. Die geschlossen zurückbehaltenen Züge heifeen Unter- 
stützung. Vor Eintritt in das wirksame Infanteriefeuer ist es 
zweckmSfeig, die zum Ausbrechen bestimmten Züge vorerst zwar vor- 
gehen zu lassen, jedoch noch geschlossen /.n behalten. Alle ge- 
schlossenen Abteilungen entsenden stets Tatronillf^n vor sich hin 
und nach der nicht angelehnten Flanke. Beim Anshredit u lassen 
die Zage zwischen sich einen Zwischenraum von etwa 20 Schritt. 
Die Unterstützung formiert sich in Linie oder in offene Zugslinie, 
unter ümstäuden auf einem Glied. Die Kolonne ist nur bei voll- 
ständiger Deckung zulässig. Wird im Vorrücken ausgebrochen, so 
bleibt die Unterstützung stehen, bis sie den nötigen Abstand hat; 
wird auf der Grundlinie aasgebrochen, so nimmt sie den Abstand 
nach rückwärts. Der Abstand ist so zu bemessen, daüs die Unter- 
stützung der Schützenlinie nahe genug ist, um rechtzeitig ein- 
greifen zu können, jedoch soweit, um nicht in das dichteste der 
Schützenlinie geltende Feuer einbezogen zu werden. Der Abstand 
wird daher zwischen 100 — 300 Scliritt betragen. Die Verdichtung der 
Schützenlinie erfolgt zum Zweck der Erhöhung ihrer Feuerkraft, wird 
aber auch häufig vorgenommen, um damit den Anstois zur Vorwärts- 
bewegung der Schützenlinie zu geben; zn diesem Zweck gehen die 
Unterstützungen, bevor sie die Feuerliuie erreichen, in Laofschriti 
Ober und reifsen dieselbe mit fort. 

Im Verlaufe des Gefechts wird die Schützenlinie durch Ein- 
schieben von Abteilungen bis auf 1, selbst 2 Mann auf jeden Meter 
verdichtet; ja es werden die Schützen sich als eine ununterbrochene 
Linie darstellen, in welcher Mann an Mann der unter sich ge- 
mischten Truppenteile steht. Es ist daher auch diese Formation 
im Friedeusdienste häufig zu üben. Die Uefehlsverhaltnisse über 
derartig gemischte Truppen werden so geordnet, dafs die Schützen- 
linie durch Zuruf rasch in soviele Abteilungen zerlegt wird, als Zug- 
führer vorhanden m\({. In der Vorwlirtsbewerriins? streben die ans- 
gehrochenen Züge nach dem angegebenen Hichtungspunkte, oiine 
unter sich geuaues Ausrichten zu snclien, doch immerhin so, dafs 
sie sich nicht gegenseitig am Feuern verhindern. Beim Abkommen 
einzelner Züge oder Abteilungen, siulien sie nach der Mitte An- 
schluis zu gewinnen. Die Unterstützungen folgen von einem Stand- 



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Dm schweiaeriMlie Hmnmsa im Man 188a 



83 



ort zum andern, am besten, nachdem die Schützenlinie eine 
Vorwärtsbewegung vf»llend»'t und das Feuer wieder aufgenommen 
bat. Im wirksamen feindlichen Feuer hat die Bewegung im Lauf- 
Bchritt zu erfolgen. 

Die Bataillonsschule (IV. Kapitel) ist auf 13 Seiten be- 
handelt. Die Grundfonnen des Bataillons sind die Plotonskolounn 
(ausnahmsweise die Zugskolouue) und die Kolonnenlinie. Die 
Doppelkolonne ist abgeschafft. Zum Schlüsse findet zunächst ein 
Auseinanderziehen der in Kolonnen formierten Compagnien statt. 
Die zur Bildung der Feuerlinie vorgenommenen Compagnien 
heifsen das Schützentreffen, die übrigen Compagnien bilden die 
Bataillonsreserve. Die Leitung der ins SchiitzentrelTen vor- 
genommenen Compagnien ist nach den allgemeinen Anordnungen 
des Bataillons- Kommandanten Sache der Compagnie-Kommandanten. 
Tn der Kegel werden die Compagnien vorerst in Plotonskolonnen 
formiert sein. Die als Bataillons-Reserve zurtickbehalteucn Com- 
pagnien bleiben nntor dem unmittelbaren Kommando des Bataillnns- 
Konimandanten. Behält er die Comiiap^nien vereinigt, so bestimmt 
er deren Aufstolhmg, ordnet er aber gröfsere Zwischenräume an 
als in der ge,s( blossen en Kolonnenlinie vorgesehen sind (G Schritt), 
so ist die Anordnung der Formation Sache der Compagnie- 
Kommandanten. Die Fahne rnit ihrer Bedeckung geht zu einer der 
in Reserve stehenden Compagnien. Wird die Gompagnie in der 
Feuerlinie verwendet, so geht die Fahne nur dann zu einer andern 
Compagnie, wenn diese sich ganz in der Nähe befindet, sonst geht 
sie mit der Gompagnie, welcher sie sich angeschlossen hat, in das 
Schiitzentreffen. Jeder Gompagnie folgen 1 Signaltrompeter und 
2 Taraboure (Schützen 2 Signaltrompeter). Das übrige Spiel 
bleibt bei der Fahnen-Compagnie vereinigt. — Die Abstände der in 
Resenre gehaltenen Compagnien richten sich nach den Ver- 
hältnissen und können anfanglich etwa 400 m betragen. 

Das V. — VI. Kapitel behandelt die Regiments- und Brigade- 
sehule. In Sammelstellung betragen die Abstände and Zwisohen- 
linme zwischen den Bataillonen je 30 Schritte. Wo immer es an- 
geht, wird der Regiments- beziehungsweise Brigade-Kommandant, 
sieb nicht auf den biorsen Befehl beschränken, Bondem Mine Unter- 
führer anch über seine Absicht verständigen. Bewegungen dürfen 
durch die Versammlung der Unterführer nicht ▼erlangsamt oder 
eingestellt werden. — Die erste Entwicklung hat, ganz besonders 
für den AngriflF, mit schmaler Front und tiefer Gliederung zu er- 
folgen. Beides ist so Unge als müglicb fest su halten. Der Befehl 



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84 



Dm schweiurische UeerweseD im Jahre 1880» 



zur Entwickelung hezeichnet die Treffen, in welche die einzelnen 
Bataillone zu stehen kommen, sowie dasjenige Bataillon, von welchem 
aus die Entwickelung vor sich geht. Die Bataillone der rück- 
wärtigeu Treffen stehen gewöhnlich als StafVelu links hinter dem 
einen oder hinter beiden Flügeln, ausnahmsweise hinter der Mitte. 
Die Treffenabständc richten sich nach den Verhältnissen, anfänglich 
betragen sie 500 — 300 ni. Die Zwischenräume der Bataillone des 
ersten Treffens sind auf die Entwickelung von 1 höchstens 2 Com- 
pagnien zum Schützeugefecht zu berechnen. Für die Bewegung 
eines ent^vickelten Regiments ist stets die allgemeine Richtung und 
das Richtungs-Batailloii anzugeben. 

Das VII. Kapitel enthält die taktische Anleitung, »Das Ge- 
fecht«. »Das Gefecht wird durch das Feuer eingeleitet, durch- 
geführt und in den meisten Fällen auch zur Entscheidung gebracht. 
Die blanke Waffe kommt nur ausnahmsweise zur Auwendung z. B. 
im Nachtgefecht, im Gefecht um Ortlichkeiten, im Waldgefecht und 
als letztes Mittel zur Herbeiführung der Entscheidung.« Wo immer 
die Umstände es gestatten, ist ein Gefecht angriffsweise zu führen, 
weil nur durch den Angriff entscheidende Erfolge zu erwarten sind. 
Es mufs daher auch die Verteidigung, wenn diese Fechtweise ge- 
wählt worden ist, möglichst mit angriffsweisem Verfahren verbunden 
werden, sofern nicht gewichtige Gründe für ein ansschliefslich ver- 
teidigungsweises Verhalten sprechen. Über die Art, wie das Gefecht 
gelehrt werden soll, mufs ein fester klarer Entschlufs gefafst werden, 
der mit eisernem Willen durchzuführen ist. »ünontschlosseuheit 
ist ein grober Fehler, Unthätigkeit ist strafbar.« Im Gefecht haben 
sich die Kommandierenden aller Grade auf den Erlafs einfacher und 
klarer Befehle und auf die Überwachung vor deren Ausführung zu 
beschränken, im Übrigen aber den rnterfnhrern den nötigen Spiel- 
raum zu gewähren. Dem Unterführer erwächst daraus mit dem 
gröfseren Ansporn zur Thätigkeit auch die Verantwortung dafür, 
dafs seine Handlung stets der Absicht der höheren Führung an- 
gepafst sei. Es ist daher schon im Unterricht stets auf grÖfst- 
mögliche Initiative der unteren Führer hinzuarbeiten, gleichzeitig 
aber auch auf richtiges Rrfassen und genaue Durchführung der von 
üben gegebenen Befehle. Die Mitteihmg der eij^^f iu ii Absichten vor 
versammelten Unterführern ist stets ein vorzügliches Mittel, die 
Einheitlichkeit d»^r Handlung zu fördern. Die Wahl der zur Aus- 
führung zu ergreifenden Mittel aber mufs dem Unterführer ül)er- 
lassen werden. So sind die Compaguie-Kommandauten vom Bataillons- 
Kommaudauten daran zo gewöhnen , dals sie ihm nicht aus der 



Dw MinraiiarifGlM Emmmm im Jahn 1890l 



85 



Ilaud flehen, aber auch nicht Befehle abwarten, wo sie im Zusammeu- 
hang mit der Gefeelitj^aul'gabc des Bataillons selbststäudige Ent- 
schlüsse fassen können. Im wirksamen Feuerbereich haben die 
berittenen Kommandierenden vom Pferde zu steigen. Es soll dies 
auch bei den Übungen geschehen. Ebenso haben die Kommandie- 
renden aller Truppenteile bis zum Zag herunter gegebenen Fallee 
gleich der Truppe Deckungen zu benützen, sofern sie von denselben 
aus genügenden Überblick haben und zwar anoh bd den Fri^en»* 
üboDgen. 

Das Reglement empfiehlt eine Entwicklung der Schützen mit 
möglichst schmaler Front und grofse Tiefengliederung. Die Sohüizep 
einer Gompagnie sollen nicht über 100 m Front einnehmen. Die 
Gefechtsfront des Bataillons richtet sich nach der Zahl der im 
Schützentreffen stehenden Gompagnien. Die Schützenlinien müssen 
das Bestreben haben, mit einer möglichst grolsen Patrouenzahl auf 
MagasinfenerdiBtanz an den Feind heranzukommen. Das Heran- 
bnngen der eigenen Feuerlinie an die feindliche geschieht anflu^jlich 
im raschen Schritt, später (etwa von 600 m ab) durch sprangweises 
Vorgehen der Schützen von Abschnitt zu Abschnitt. Wo immor 
möglich, namentlich in ebenem Gelände, sollen die Sehütien ganzer 
Bataillone, snm mindesten ganzer Compagnien die Bewegung gleich- 
zeitig beginnen. Im wechselnden Gelände oder wenn sonst die 
Gefechtslage es erheischt, kann die Bewegung auch von kleineren 
Abteilungen begonnen werden. Siß ist durch das Feuer der liegen 
bleibenden Abteilungen 7,n nnterstützen. Die Unterstützungen folgen 
der Schützenlinie so nach, dab sie ihr in kürzester Frist wirksame 
Hüfe bringen können. 

Wo immer es angeht ist beim Anmarsch znm Gefecht die im 
Gefechtstrain vorhandene Munition auf dit3 Mannschaft zn verteilen. 
Im Gefecht folgen die Munitionswa^on dem Bataillon bezw. Regiment. 
Im hohem Verband stellt sich die Brigade-Mnnitionsabtellung nach 
der Anordnung des Brigade-Kommandanten etwa 1500 m hinter der 
Fenerlinie, möglioket im Gentram der Hri^mdc; in gedeckter Stellung 
nnd an Verbindungswegen zur Feuerlinio auf. Die II. Staffel, der 
Divisionspark, stellt sich ungefähr 2500 m hinter der Brigade-Ab- 
teilung seitwärts der Strafse so auf, dafs sie leicht nach vor- und 
rnckw&rts abfahren kann. Der (\ihrer einer Munitions-Abteilung 
ist Terpflichtet, während des Gefechts anf jedes Begehren hin 
Munition abaogeben. Die Munitionswagen werden am Tage durch 
rote Fahnen, nachts durch rote Laternen kenntlich gemacht. Künst- 
liche Deckungen können anJser in der Verteidigung auch im An- 



86 



Du wAmtbiBM» Htanman ini Jalm 1800L 



griffe zum Festhalten einzelner orrungener, besonders wichtiger 
Punkte dienlich sein. Nie aber darf die ErriohiuQg derselben das 
Streben nach vorwärts aufhalten. 

Die Durchführung eines Angriffs bespricht das Reglement 
wie folgt: Erachtet die obere Führunf; den Moment zum Sturm 
gekommen, so werden die rückwärtigen Staffeln herangeführt. Sie 
pflanzen die Bajonette auf und schHefsen in ununterbrochenem 
Marsche, unbekümmert um das, was uebeu ihnen vorgeht, auf die 
Schützenlinie auf. Sobald die Bewegung vom Feinde gesehen werden 
kann, wird von den Spielleuten aller geschlossenen Abteilungen der 
Marsch zum Vorrücken geschlagen und geblasen. Die Schützen 
pflanzen die Bajonette auf und gehen, verstärkt durch alles, was 
sich ihneu noch anschliefsen kann, im Laufschritt, je nach Umstanden 
von Abschnitt zu Abschnitt, an die feindliche Stellung so nahe 
heran, als notwendig ist, um von da aus in einem Zuge in dieselbe 
eudnngen zu können und überschütten den Feind mit Magazinfeuer. 
Was noch hinter der Feuerlinie ist, verharrt in imaasgcsetztem 
StreboD nach vorwärts. Der Kommandierende lälst im entscheiden- 
dm Äugenblicke das Signal »Alles som Angrifft geben. Dieses 
Signal ist von allen Trompetern unausgesetzt zu wiederholen, die 
Tambonre schlagen Sturmmarsch. Alles, gleichviel in welcher 
Fonnatioik es sei, wirft sich auf das Kommando »Laufschritt, Marsch, 
Hurrah € mit wiederholtem Hurrah auf den Feind. Die Schwierige 
keiten der Annäherung im feiudliclien Feuer werden mitunter dazu 
führen, dieselbe unter dem Schutoe der Dunkelheit zu suchen. Es 
ist daher Angrifi* und Verteidigung auch in der Nacht zu üben. 
Der Hauptzweck ist hierbei, die Truppe mit dem Ungewohnten 
nächtlicher Bewegungen vertraut zu machen. 

Der taktische Teil schliefst mit den Worten: »Formen und 
Grundsätze des gegenwärtigen luglements müssen Führern und 
Mannschaft so in Fleisch und Blut übergehen, dafs sie auch in 
Augenblicken der Gefahr angewendet werden, dafs .selbst die ihrer 
Führer beraobte Mannschaft nach ihnen handelt Über der Form 
steht das moralische Element, dieser mächtigste l'aktor im Kriege. 
Mannssueht, Mut und Entschlossenheit in der Gefahr sind Vor- 
bedingungen zum Siege. Die Führer gehen mit gutem Beispiel 
Yoran, jeder Soldat blicke mit Vertrauen auf sie, eifre ihnen nach 
und er selbst sei seinen schwäohereu Kameraden ein gutes Beispiel, 
an dem sie einen Halt finden.« 

Das Scblarskapitei behandelt die Inspektion, Deilieren, Ab- 
holen der Fahnen und EhrenbeieugnngeD. 



Üigiiizeü by GoO; 



87 



Im neuen Exerzier-Reglement ficr schweizerischen Infanterie, 
welches vom Waffenehef desselben, Herrn Oberst Feifs, ausgearbeitet 
worden ist, wurde eine möglichste Vereinfachung durchgeführt und 
damit der kurzen Dienstzeit der schweizerischen Armee liechnung 
getragen. Die Anwendung wird lehren, inwieweit das Rechte ge- 
troffen wurde. 86* 



IT. HuiÖYerbetiacIitimgeiL 



I. ü her Patrouillen. Als ersten Fingerzeig für die Führung 
im Felde mochte der Grundsatz betont werden, dafs eine gute Auf- 
klärung dem Führer eine beiweiten bessere Handhabe für seine 
Entschlüsse bietet als e>s die zutreffendste und glücklichste Kombination 
und Voraussicht vermag! Sie ist in erster Linie Sache der EaTallerie 
und sei daher auch hier ein Wort über diese gestattet. 

Abgesehen von den Nachrichten, welche durch die Vorposten 
übermittelt werden, geschieht die Aufklärung für eine in Aussicht 
genommene Waffenunternehmung durch Offizier-Patrouillen, 
welche gegen die Flanken des feindlichen Detachements möglichst 
mit Relaisverbindung vorzutreiben sind. Die durch jene übennitttlten 
Nachrichten leiden oft daran, dafs sie zu spät eintreffen, zuviel auf 
Details geachtet wird, auf die es in erster Linie nicht ankommt 
Von gröfster Wichtigkeit sind immer die ersten Meldungen über 
Ort und Zeit der Zusammeazielnuig des feindhchen Gros. Die 
Meldung hierüber — aber auch nur hierüber, kann nicht schnell 
genug befördert werden, da von ihr zumeist die diesseitige Disposition 
über den etwa einzuschlagenden Anmarschweg abhängt. Eiiio zweite 
Meldung würde abzusenden sein, sobald erkannt ist, welche Mafs- 
nahmen der Gegner trifft, ob er Aufstellung oder Stellung nimmt — 
wie und wo — ob er sich in Marsch setzt und auf welcher Strafse. 
Hiermit ist indes die Aufgabe des Patrouillenreiters noch keineswegs 
erfüllt! Sie besteht vielmehr darin, auch ferner das feindliche 
Detachement in der Flanke zu begleiten, womöglich bis ins Gefecht 
hinein, und fortgesetzt Meldungen über die weiteren Uuternebmongen 
des GegnesB zo vennitteln. 



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88 



ManöTerbetracbtougen. 



Wie wichtig ee hieirbei ist» dab ein PatrouÜleDofIfisier nicht 
nur ▼on dem Amftiig dos eigenen DetediemeBiB, eondern «ach f^on 
den ibdehten seinei FQhren eingehend nnterricfatek sein muisi 
bnmehi ksom erwihnt sn werden, da jener nnr dnrch Kenntnis 
dieses in der Lage sein kann, sa ermessen, wdche Naduiehten seinem 
Fflhzer tou gH^fimrer oder geringerer Wiehtigkdt sein werden. 
Aber selbst auch nnter dieser Voranssetsnng ist es kaum möglich, 
▼on einem jungen KaTallerie-QfiBsier sa Tsrlangen, so hohen An« 
forderangen an genügen, wenn nieht eine ganz spezielle genaue 
Instrnklion ihm erteilt wurde. Gute Anfklinmg ist meist nnr Folge 
einer guten persönlichen Instruktion des betreffenden höheren 
FOhrenSi BSne genaue Kenntnis der Sadüage und des Bewegangs- 
sweeks ist ebenso unerUUsKch f&r den Führer der Avautgarden- 
Ka?allefie wto fBr den Ftthror einer Belbetständigen KaTal1erie-Ab- 
teilang. Wahrend ersterer in steter Yermittelang mit der Avantgarde 
bleiben und, selbst wenn er weiter voigetrieben worden, einige 
Reiter zur Verbindung und direkten Aufklärung zurücklassen mufs, 
darf der Führer selbstständiger Kavallerie seine Operation nicht als 
Selbstsweck auffassen, sondern nur als Mittel, um mit Anwendung 
Ton Gewalt Nachrichten über die Üntemehmungen des gesamten 
feindlichen Detachements einzutreiben. Eine schnelle Vermittelung 
der von beiden gemachten Beobachtungen an den oberen Führer 
ist hierbei die Hauptsache. Eine persönliche wiederholte Orientierung 
des Kavallerieführers beim höheren Führer über den Staud der 
Diuge kaun daher nicht genug empfohlen werden. 

II. Befehlsführung. Bei der Infanterie hat sich von je 
her der Ubelstand gezeigt, dafs mit dem Mumcnt der GelV'chts- 
eutwickehing sich leicht Unruhe und Reibung zwischen den Kommando- 
Behörden einstellte. Die Ursache hiervon ist wolil m erster Linie 
dem Umstand zuzuschreiben, dafs bei der Infanterie die Befehle 
eine gröüsere Instauzeureihe zu durchlaufen haben als bei der 
Kavallerie. Während dort die Schwadron nur als selbst.ständige 
Gefechtseinheit betrachtet werden kann, so lange sie allein auftritt, 
da.s Kavallcrie-Kegiment, wenn es versaniinelt ist, aber meist unter 
einheitlichem Kommando steht, bleibt die Compagnie selbst im 
Gefecht einer Brigade, wenigstens was die Form ihrer Fechtwei.se 
anbetrifft, eine durch ihreuFührer selbstständig geleitete Gefechts- 
einheit. Die ihr zugehenden Befehle haben die Brigade, das 
Regiment sowie das Bataillons-Kouimando zu durchlaufen. Nun 
ist es ja das, besonders neuerdings ins Auge gefafste Streben, die 
Befehlserteilung so zu regeln, dafs alle Befehle mit Hube auf diesem 



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lUiiftferbetnMhtaogaflu 



Instanzenwege erfolgen. — Das Exerzier-Reglement sfigt mit Bezug 
hierauf Seite 130 Nr. 9G Abs. 3: >\)c-t Ihtiiillonsführer hat beim 
Eintritt in den Kampf seine Befehle au jeden der Compagnieführer 
— möglichst im Beisein aller — kurz, klar und bestimmt zu er- 
teilen, die Wahl der Mittel aber zu überlassen.« Desgleichen 
Seite 133 Nr. 103 beim Regiment: »Der Führer wendet sich mit 
seinen Einzelaufträgen an die Bataillone und überläfst diesen Art 
und Form der Ausführung.« — Wie sehr danach m streben ist, 
möglichst unter allen Verhaltnissen dieses Verfahren zu beobachte«, 
braucht hier kaum hervorgehoben zu werden und ist zu hoffen, 
dafs wir uns mit der Zeit in dieser Praxis auch noch sclir vervoll- 
kommnen werden. Vor der Hand ist schon viel gewonnen, wenn 
wenigstens l>ei Eünleitung eines Gefechts und bei Gefechtsabschnitten 
hiernach verfahren wird! — Im Gefecht selbst gestaltet sich die 
Sache indes schon schwieriger, denn es liegt in der Natur desselben, 
dafs, besonders wenn Gefahr im Verzuge iat, nicht allemal hiernach 
verfahren werden kann. 

Das Reglement trägt diesem Umstand auch in weiterer Folge 
Rechnung, indem es sagt: >Nur bei augenscheinlichen Mifsverständ- 
nissen und Fehlgriffen, welche das Gefecht in unbeabsichtigte Bahueu 
ziehen würde, ist der unmittelbare Eingriff auf Züge einzelner 
Compagnien für den Bataillonsführer geboten.« 

Ebenso beim Regiment.sverhiiltnis: »Der auf das Verhalten 
einzelner Compagnien gerichtete Eingriff hat sich auf seltene Aus- 
nahmefälle zu beschränken und ist nur dann gerechtfertigt, wenn 
durch Handlungen der Unterführer die Durchführung der Gesarat- 
ab.sicht ernstlich bedroht erscheint und es an Zeit gohricht, mit dem 
Befehl den Dienstweg zu betreten.« Ein solcher Fall tritt z. B. 
ein, wenn plötzlich abäiulernde Befehle erfolgen. So setzte ich beim 
Manöver einmal auf höheren Befehl ein Bataillon auf dem Wege 
nach A. in Marsch, als ich den Befehl erhielt, es nach B. zu senden. 
Das Bataillon hatte den Weg nach A. bereits eingeschlagen, der 
Bataillous-Commandeur war vorausgeritten. Wollte ich den Befehl 
erst ihm übermitteln, so würde djis Bataillon in verkehrter Richtung 
einen überflüssigen We;:^ fortgesetzt und zu spät seinen Bestimmungs- 
ort erreicht haben. Hier erfolf^te der direkte Befehl an die Truj)pe: 
»Kehrt marsch It Der Bataillons-Comniandeur wurde erst hierauf 
von dem veränderten Befehl in Kenntnis gesetzt. Derartige Momente 
werden sich stets wiederholen, sie sind unvermeidlich, ja sie können 
noch drastischer auftreten, so dafs der Untergebeue den Grund für 
einen solchen Befehl garnicht einaebt. £ine Anseinanderaetzong 



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90 MufiTerbetracbtniigen. 

• 

fm Sinne korrekter Befeblserteilung kann unter Umständen nicht 
iiberall erfolj^en, sie würtle zu viel Zeit beanspruchen, wenn Gefahr 
im Verzuge liegt und — wollte der Untergebene sie als sein gutes 
Recht beanspruchen — so würde ein wesentlicher militärischer Faktor, 
die Disziplin, hierdurch in Frage gestellt werden! 

III. Selbstständigkeit der Führer. Ein so hoher Wert 
auf die durch das Reglement befürwortete Selbstständigkeit und 
eigene Verantwortlichkeit der Unterführer gelegt werden mufs, als 
gegensätzlich zur sogenannten russischen Disziplin, so sehr sie bei 
einer so intelligenten Armee wie die unserige am Platz ist, so ist 
sie doch nur eben durchführbar bei grofster Intelligenz jedes Einzelnen, 
da andernfalls eine nicht geringe Gefahr in einer mifsyerstandlichen 
Auffassung ihrer Grundsätze liegt. Es sei mir gestattet, ehe ich 
näher hierauf eingehe, zwei Beispiele aus deu letzten Manövern zu 
besprechen : 

1. Ein Regiment hatte einen nächtlichen Überfall auszuführen, 
marschierte über A.-Bach und die B. -Mühle im ilohlweg. Zwei 
Compagiiien waren in der .\vantgarde, der Bataillons- und Uegiments- 
Commaudeur folgten diesen Compagnien unmittelbar. — Es war 
durchaus sachgemäfs, dafs einzelne Schüsse der bei der B. -Mühle 
passierten feindlichen Vorposten von den Compagnien unbeachtet 
und jene im beschleunigten Marsch blieben. — Als aber der Feind 
in der Flanke eine Schützenlinie entwickelte, welche die Marsch- 
kolonne auf 50 oder 100 Schritt heschofs, mu£ste eine der Avant- 
garden-Corapagnien sich hiergegen entwickeln, um den Feind zu 
vertreiben, den Marsch des Regiments zu decken! — Es geschah 
indes nichts, vermutlich weil ein Befehl hierzu erwartet wurde; 
solcher konnte aber des Hohlwegs wegen nicht übermittelt werden. 
Hier wäre eine selbstständige Handlungsweise des Unterfahrers am 
Platz gewesen! 

2. Ein Bataillon war im Gefecht, ein anderes stand echelonniert 
zur Unterstützung dahinter. Von dem letzteren waren bald 2 Com- 
pagnien links eingesetzt worden, iler Bataillons-Commandeur befand 
sich bei diesen. — Der Rcgimints-Commandeiir hatte ausdrückliche 
Weisung von der Brigade erhalten, sich nach rechts nicht weiter 
auszudehnen, nahm aber wahr, dafs eine der Soutien-Compagnien 
die angegebene Linie in ihrer Aufstellung überschritten hatte; er 
befahl dalicr dem Führer, mit der Coinpagnie 50 Schritte links zu 
rücken. Die Ausführung erfolgte sehr /ögernd, so dafs der Befehl 
mit l^achdruck wiederholt werden muÜBte. — Der Compaguie-Chef 



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.91 



hatte geglaubt als selbstständiger Unterführer die Pflicht zu haben, 
sich selbst den geeigneten Aufstellungspunkt zu wählen! 

Hier ist ein Gegenstück der drastischsten Art! Wo würde die 
Armee hingelangen bei einer solchen Auffassung von selbstständiger 
Verantwortung, wo bliebe die Disziplin, der Grundpfeiler des Heer- 
wesens, wo bliebe der Gehorsam!? Dem gegen&ber kann man nur 
Gehorsam, ja nnter Umständen blinden Gehonam predigen! 

Doch es soll die Aufgabe sein, die hier zu Tage getretenen 
Irrtümer aufzuklären und keinen Zweifel über die Tragweite einer 
so hochwichtigen Frage bestehen zu lassen, wie es die der sogenannten 
selbstständigen Verantwortung der Unterführer ist! — Die Sache 
selbst ist nichts Neues for nnsere Armee, nur giebt das Reglement 
vom Jahre 1888 ihr einen offisiellen Ausdruck. Die Instruktion 
für die höheren TruppenfQhrer TOm Jahre 1885 stellt bereits in der 
EinfQhrungsordre den Satz oben an: »Das selbstständige Handeln 
der Führer jeden Grades habe ich in dieser Instruktion nicht durch 
bindende Regeln beschränkt, erwarte vielmehr, dafs auch fernerhin 
die auf richtiges Verständnis gegründete freie und entschlossene 
Thätigkeit bei Führung der Trappen Gemeingut meiner Armee 
hieibcn wird.c Dm riohtige Verständnis sich aber ansaeignen ist 
Aufgabe der Armee. 

Die Instruktion fährt fort: »Die praktische Intelligenz der 
Unterführer wird dann anch im Kriege im Sinne des Vorgesetzten 
da zu handeln verstehn, wo nach Zeit und IJmständt n sein Wille 
nicht ausdrücklich ausgesprochen werden konnte. Dafür endlich, 
dafs dieser Wille überall snr Ausführung gelange, btbrgt die Disaiplin 
der Truppe!« 

Die Lehre von der Selbstständigkeit ist hiernach überall nur 
aufgefafst als eine Anregung anr Initiative, ea ist eine Aufforderung, 
nicht in Untliätirrkeit zu verharren,* wo etwa Befehle ausbleiben; 
gleichzeitig aber dnrdudeht diese Gedanken der stete Hinweis auf 
die Disaiplin, dab es vor allen Dingen Pflicht des Untergebenen sei, 
stets nur im Sinne seines Voigeselsten zu handeln. Nur ein Peasus 
in der AUerhöchstoi Instruktion entlnndet den Untergebenen von 
der strikten Befolgung eines gegebenen Befehls, er lautet, nachdem 
▼on der Verpflichtung die Rede ist stets auf den Kanonendonner 
Kuzumarschieren : »Aufträge, wdche eine andere Direktion vor- 
schreiben, sind dann der Erwignng an unterziehen, ob sie vielleicht 
unter Umstanden befohlen waren, welche das eingetretene Gefecht 
nieht voiaassehen lie(8en.c 



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92 .MudmbetntchtaDgeD. 

Die Verantwortung für die Nichtbefolgung des betreffenden 
Auftrages würde aber immerhin der Betreffende zu übernehmen 
bubon. Jedenfalls wird hier aber stets die Abwesenheit des befehlen- 
den Vorgesetzten vorausgesetzt. Ein Weiteres bedeuten die neuen 
Verordnungen des Reglements auch nicht. Als schädlich mü£ste es 
bezeichnet werden, wenn die Disziplin hierdurch nur im Geringsten 
berührt würde. Schliefst doch der I. Abschnitt der vielgenannten 
Instruktion mit dem klassischen Ausspruch: »Die Disziplin ist der 
Grundpfeiler der Armee und ihre strenge Aafrechterbaltong eine 
Wohlthat für Alle!« 

Hieraus ist nun die Schlufsfulgerung dahin zu ziehen, dafs in 
Gegenwart des Vorgesetzten jeuer allein die Verantwortung zu 
tragen hat, dafs also unbeschadet aller Initiative des Handelns, 
jedenfalls ein direkt gegebener Befehl unter allen Umstanden nach 
wie vor so zu vollziehen ist, wie es die Instruktion der Mann- 
schaft vorschreibt! Die sogenannte Selbstständigkeit der Unter- 
führer entbindet dieselben keineswegs vuii den bisherigen V«*r- 
pflichtungen, sie legt ihnen vielmehr neue, sehr schwere und eruäte 
auf, die Ptiicht, nicht nur als Teil einer willenlosen Maschine zu 
wirken, sondern zu denken, selbstthütig einzugreifen und im Sinne 
der Führung zu handeln. Sie legt ihnen eine schwere Verantwortung 
auf, indem jede Handlung, die eben nicht im Sinne der höheren 
Führung ist, sich als ein Vergehen gestaltet! Um in diesem Sinne 
handeln zu können, dazu gehört neben vollem Verständnis der 
Situation vor allen Dingen eine noch höhere innere Dissiplin als 
solche im gewöhnlichen Sinne! 

Ein anderes Beispiel! Als ein Überfall auf A.-Bach über die 
B.-Mühle unternommen werden sollte, hatte der Detachementsführer 
sämtlichen Stabs-Oftizieren die Diaposition dahin mitgeteilt, dafs das 
Regiment Nr. N. den Angritf auf A.-Bach nicht früher unternehmen 
solle, als bis das Keirnnent Nr. U, welches über die C.-Mühle 
marschierte, in gleicher Höhe eingetroffen sei. Dius Regiment Nr. N. 
hielt dementsprechend die Bataillone von weiterem Vorgehen 
zurück. Nur eine Compagnie war nicht zu halten. Sie hatte eine 
Hohe vur sich und der Führer glaubte von seinem klein-taktischen 
Standpunkt aus vielleicht ganz richtig, dieselbe besetzen zu sollen. 
Statt aber eine (iefechtspatrouille hinaufzuschicken, that er es mit 
einer Schützenlinie, die, als eine zweite Höhe den Ausblick ver- 
hindert43, auch bis auf diese vorging! So kam es, dafs sie allem 
ohne Nebenverbindung das Gefecht gegen den Willen der höheren 
Leitung weit zu früh eröffnete, wodurch leicht die ganze Untere 



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HftDdrerbetnehtQngmi. 



93 



nehraung hätte in Frage gestellt werden können. Es erwächst 
hieraus einmal die Lehre, dafs I?efehle, wenn es irgend die Zeit 
erlaubt, an die untergebenen Truppenführer und von diesen möglichst 
an alle Untercharti;en, im Frieden sogar an die Afannschaft weiter 
gegeben werden müssen. Hierdurch wird bei diesen auch mehr 
Interesse für diesen ganzen Dienst angeregt! 

Die zweite Lehre ist, abgeselien von dem Verstofs gegen die 
Disziplin, der schon besprochen wurde, die, dafs der Einzelne nicht 
ungebunden nach seinen momentanen Eingebungen handeln, sondern 
auch da, wo kein Befehl ihm zu ging, nur im Einklang mit dem 
Ganzen siih verhalten darf. Es bezieht sich das ganz besonders 
auf einen von mehreren Verbänden gleichzeitig zu unternehmenden 
AngriflF, bei dem ein partielles Handeln nur den Mifserfolg des 
Ganzen nach sich ziehen kann. Wo eine Befehlserteiluug oder 
Erteilung von Direktiven unterbleibt, erwächst für den Unterführer 
die doppelte Pflicht, die Absichten der Führung zu erkennen und 
•sinngemäfs hiernach zu handeln, jedenfalls aber in solchem Fall 
bestimmte ihm zugehende kurze Befehle, auch wenn er deren 
Motive nicht gleich erkennt, nnbediiit^t zu befolgen! Wie wäre 
anders die einheitliche Leitung eines Gelechts, wie die Durchführung 
einer reinen Defensive und Offensive, oder der gelegenthche Über- 
gang von der einen zur anderen zu ermöglichen! Gewifs sind 
Schlachten auch ohne einheitliche Leitung geschlagen und gewonnen 
(Spichern), doch dürfen solche uns nie zum Muster dienen! 

Zum Schlüsse möge noch ein Ausspruch des Reglements an- 
geführt werden, der auch von den oberen Führern beherzigt werden 
mag: »Die oberen Führer haben darüber zu wachen, dafs ihre 
Truppen ihnen nicht aus der Hand gehen und alle unteren Führer 
dahin zn trachten, nach Erfüllung eines ihnen erteilten Auftrages 
sich schnell ihrem Verbände wieder anzusrhliefsen oder demselben 
sich zur Verfügung zu stellen. Diese Forderungen werden erfüllt, 
wenn von der höheren Stelle nicht mehr befohlen wird als von 
ihnen befohlen werden mufs und kann, wenn die ausführenden 
Stellen zu dem hingestellten Zweck zusamraenwirkcn und die ihnen 
eingeräumte Selbstständigkeit ni( Iii zur Willkür niifsbrauchenl c 

Zum Schlufs kann ich hier nur dem Wunsch Ausdruck geben, 
dafs Jeder über die hier angeregten Fragen ernstlich mit sich zu 
Rat gehen möge! Der Wahlspruch: »Was Du nicht willst, das 
man Dir thu\ das füg' auch keinem andern zu,« wird liierbei nach 
unten und oben den besten Fingerzeig geben! Die Sache hat für 
den Ernstfall die schwerwiegendste Bedentang, aber auch für unsere 



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94 BenMikaBgeii n den im M>HMI te DMlidMi Sodidim 

FriedenmuiSm ist ae Tom gifiMen Emiit Die Manftfer, welche 
andern Falk so recht geeignet sind, pfliehtfarene nnd echte Kameraden 
sieh naher sn fahren nnd ihre gegenseitige Hoehachtnng an fördeitt, 
werden bei fortgesetster Unklarheit nher diese Kompetensfrsgen 
jenes edlen Zieles Terlnstig gehen nnd nur Veistimmnngen nach 
sieh ziehen! 

MSge der Vorgesetete Mifcfeistandnisse semer Untergehenen 
milde beurteilen. Mfiehte aber Tor aDen Dingen das Wesen stvengster 
Dinlplin das Herz eines Jeden erföllen nnd er verstehen, es mit 
echter Kameradschaft in Einklang sn bringsnl v. H. 



T. BemerkongeE 

2U dem im Mai-Uett der Deutsclien Kimdschau 
ersohieneiien Auftats: ^Maritime TnigsdilüSBe von Vüer 

Admiral z. D. ßatscL*' 



Der Verforner beechaftigt sich znnichst mit den diesjShrigen 
BeichstagB-Yerhandlnngen bei Beratnng des SCsrine-Etats, er er- 
örtert die Baagfrage der Flotten, die Denkschriften za den tot- 
scbiedeneu Marine-Etats seit 1867, die Yerwendnng der Kriegsschiffe 
im Freden snm Schvtes des Handels n. s. w., er erhebt dann 
eine kräftige Evweitemng der deutschen Flotte anf seinen Schild, 
bespricht die Gehaltskompetensen nnd die Stdlong der Marine- 
Mannschaften denen der Armee-Mannschaften gegenüber, tadelt 
die Vernachltlsigung der Kriegsschiffiibautett durch die firflhere 
Marine- Yerwaltnng, kritisiert unter Hinweis darauf, wie diese 
oder jene Sache besser eingerichtet werden konnte, teils offen, 
teils Yorsteckt, Personen nnd Einrichtungen, sucht sane frfiher 
Uber Helgohmd gebrachte Ansicht der derselben gewordenen Kritik 
gegenüber xu rechtfertigen, ftnlsert eich fiber die Erziehung 
der Flotte etc* nnd schliefst mit den Worten: «Dss Lebens^ 
etement einer Seeverteidiguug ist das OffensiTvermdgen und der 
gute Wille, es zur Geltung zn bringen. Seit den Yerhandlungeii 



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erscbieneacD Au&aU: M^time Trugschlüsse o. s w. 



95 



der Marine -Kommission 1869 bis zu deu Reiohatagsreden über den 
Etat 1892. also seit nahezu 30 Jahren, wird diese Wahrheit von 
ilom überwiegenden Teil der Volksvertretung verkannt; hoffentlich 
gelingt es der Monarchie auch dies Mal wie schon einmal, der ver- 
kannten Wahrheit zu ihrem Ivecht zu verhelfen.« 

Es thut uns leid, dein Verfiusser bfi Erörterung de.s so umfang- 
reichen Materials aus Mangel an Raum nicht überall folgen zu können, 
glauben jedoch, manche seiner Behauptungen nicht unerwidert 
la.ssen zu dürfen, um darzuthnn, dafs selbst in Marinekrelsen 
nicht alle von ihm entwickelten Ansichten geteilt werden. Denn 
sagt er doch selbst: >Grundsätze stehen immer der Deutung 
offen, und wer Grundsätze nach seinen Wünschen deuten will, dem 
ist die Möglichkeit nicht abgeschnitten. Nichtsdestoweniger bleiben 
sie was sie sind, und wenn sie Wahrheit enthalten, so kann man diese 
nicht nach Belieben zu Unwahrheiten machen.« Zugegeben, dafs 
vielleicht manche der vom Verfasser in der Marine- Verwaltung ge- 
rügten Milsstände berechtigt sind, so bleibt es doch befremdend, dafs 
Derselbe erst so spät zn dieser Einsicht gelangt ist^ während er 
doch in seiner früheren einflufsreichen Stellung eine ganze Anzahl 
solcher Mifsgriffe, wie z. B. den Bau der unterwertigen >01denburg«, 
der nicht modernen Korvette »Charlotte«, bei deren Inangriffnahme 
die älteren See-Offiziere doch gewifs gehört worden sind, hätte ab- 
wenden und für deu rechtzeitigen Ei-satz des »Grofsen Kurfürsten« 
u. s. w. hätte eintreten müssen, denn aus jener Zeit (1880) datiert, 
wie bekannt, die Zeit des Rückganges iu unseren Marine -Schiffa- 
bauten. 

Verfasser hebt zunächst hervor, dafs die etwas »offene Aus- 
sprache des Staatssekretärs des Reichs-Mariueamts, wodurch er die 
Steuerzahler zu einer utopisclinn Flotte habe zwingen wollen, eine 
Art »Panik« hervorgerufen hätte, obgleich seine Enthüllungen sieh 
doch nur lediglich darauf baschränkten, da.s zu sagen, was in deu 
Denkschriften der Vorgänger nur verblümten Ausdruck fand.« 
Dies scheint nicht ganz zutreffend zu sein. Allerdings haben die 
Aufserungen des St^latssekretär8 in der Budget- Konimis.sion ein 
gewisses Staunen erregt und zwar insofern, als der ^''ertl•eter 
der Regierung sich gewissermafsen weigerte, seine ErkUinniij;eu zu 
Protokoll zu geben, und die nachträglichen Mitteiluugen über den 
Inhalt dieser Erklärungen manches zu wünschen Übrig liefsen — 
wodurch Unbehagen, Mifstruuen, Verwirrung in Fragen getragen 
wurden, die, wenn von Anfang an mit der nötii^en Klarheit be- 
handelt, schwerlich za Mifsverständuissen AnlaCs geben konnten. 



96 



Bemerknngen zu dem im Hai-Heft der Deatschen Rondscbao 



Eine Panik ist aber von Niemand im Reichstage bemerkt worden, 
und lag hierzu auch keinerld Veranlasanng vor. Solche Aus- 
lassungen eines »rabiaten Fachmannes«, wie Verfasser den Staats- 
sekretär bezeichnet, waren, wenn auch nicht dem parlamentarischen 
Gebrauch entsprechend, insofern ganz interessant, als aus ^em 
Monde der früheren aus der Armee hervorgegangenen Chefs der 
Admiralität eine solche Sprache nie gehört worden war, obgleich 
manche Reichstagsverhandlungen wahrend ihrer Amtsführung unter 
Umständen doch auch recht peinlich für sie sein mufsten; wir er- 
innern an die Katastrophe bei Folkstone, 31. Mai 1878, das 
Anrempeln des Feuerschiffes von South Sand Head bei hellem 
Tage u. 8. w. 

Die Frage bezüglich der Sclnielli^rkcit, beziehungsweise des 
Gefechtswertes der neueu ranzerscliifl'e, wie sie von dem einzigen Sach- 
verständigen im Reichstage in der Riulget-Komniission lediglich im 
Interesse der See- Offiziere angeschnitten wurde, damit uicht Er- 
wartungen bei künftigen Kriegen an diese Schiffe geknüpft würden, 
denen die Commandeure derselben wegen der geringen Geschwindig- 
keit zu entsprechen wohl kaiun im Stande wären, scheint sich nicht 
des Beifalls des Verfassers der Miii itimen Trugschlüsse zu erfreuen. 
Hören wir seine Auslassung: »Es ist neuerdings unter dem Titel: 
»Unsere Marine in der zwölften Stunde« eine vortreffliche 
Schrift erschienen, die, statistisch genau belegt, einen nicht 
günstigen Vergleich der unsrigen mit aiulercn Flotten aufstellt. 
Ks wird in dem anonymen Verfasser wohl nicht ein See- 
Offizier zu suchen sein; ein solcher würde gröfsere Neigung gehabt 
haben, im Punkte der Schnelligkeit der Schiffe die praktischen 
Bedenken des Marine -Staatssekretärs zu teilen; der Letztere be- 
hauptete, die für fremde Flotten veröffentlichten Fahrtangaben be- 
ständen in der Hauptsache nur auf dem Papier; aber auch 
sonst sei die Gewinnung der Fahrtangaben auf ganz verschiedenen 
Faktoren behandelt Beide Behauptungen sind richtig.« 

Der Verfasser scheint hiernach die Geschwindigkeit der im Bau 
b^rift'encn vier Panzerschiffe von 15'/.^ Knoten für ausreichend zu 
halten. Wir hotfcn jedoch, dafs er mit seiner wirklichen Über- 
zeugung aus uns unbekannten Gründen zurückhält, sonst möchte 
er Gefahr laufen, mit einem Teil der See- Offiziere darüber in 
Widerspruch zu gerathen. Geschwindigkeit ist unserer Ansicht nach 
die thatsächlich wichtigste Eigenschaft eines Schiffes nächst seiner 
artilleristischen Offensivkraft; ein Schlachtschiß' von nur 15 bis 
lö'/t Seemeilen Geschwiudigkeit ist ein minderwertiges, solange es 



encb kBe i w ii Avteta: Ibritbn» TngßMm m t. w. 97 

dsB SohüBBii andenr Marinsu in dieser Beriehimg nadBfcehi. Keine 
Marine» ob mit einer Flotte ereten oder b weiten Ranges, bant 
noeh derart langeame Panier. Die engUsche Anson-Elane, deren 
Typ die neuen deutschen Panserseliiffe angebfieh gleiehen sollen, 
bat eine grOfiMre Fahrg^sehwindigkett ak 16 Knoten und Ist sehon 
TOT fiBnf Jahren (1886) nm Stapel gelasBen; der lotste Fsnser mit 
15 Knoten in England ist unseres Wissens tot sehn Jahren gebaut; 
alle neuen — dort sofwohl wie in Frankreich, Busdand, Italien 
n. 8. w. im Bau befindlichen, sind für die Yorgesehriebenen Pkobe» 
fahrten auf 17 Knoten berechnet Dagegen soll die deutKhe Flotte, 
wenn es sich, wie es in der Denkschrift von 1889/90 heilsty um 
den Kern einer Ansahl vollwertig e r Schiff» und, beilinfig gesagt, 
unaenr aiSrksten handelt, nach 2 bis 3 Jahren sich nur mit 
15 beiiehnngsweiae 15Vi Knoten Füirt bescheiden? Das billige 
wer da wiU! — Und wie stimmt dies mit den Ausführungen 
der Denkschrift von 1889/90, worin es heilst: »Die Schüfe- 
grOlsen sind uns durch die YerhSKnisse unserer KQsten und 
Hftfen Toigeieidinet Diese gestatten uns, Schiffe bis su 10,000 Tons 
Deplacement sn bauen, welches im Übrigen vollkommen ge- 
nfigt, um gut manSvrierende , schwer annierte, allen An- 
forderungen der Neuseit entsprechende Schiff» von hin- 
reichender Geschwindigkeit au bauen, alle Fortschritte der 
Technik bei ihnen su Toller Anwendung su bringen« u. s. w. 
Ob aber der jetzige Staatssekretür oder rielmehr sein Voigänger 
fttr die InnebaltuDg des obigen Programms Terantwortlieh ist? Ob 
die Zentral-BehSrde so wenig stabil und deren Organisation so 
dehnbar ist, dals jeder Personenwechsel auch ein^ Systemwechsel 
war Folge hat« darüber schweigt der Verfasser der Maritimen IVog- 
sdüllsse und sucht uns mit der Äufterung des Staatssekredrs des 
Eeiebs-MBrineamts su trOsten, dab die Fahrgeschwindigkeiten firemder 
PanaeRschiff» der Hauptsache. nach nur auf dem Papier stiaden. — 
Wire es aber, so möditen wir fragen, nicht doppelt beklagenswert, 
wenn nun auch btt unseren Keubauten die 15 Vs Knoten nur auf 
dem Papiere stSnden? oder hat man für die »Oldenburg« und die 
»Chailotke« u. s. w. etwa absichtlich nur eine so geringe Geschwin- 
digkeit gefordert, wShrend doch in anderen Marinen schon Sdiiffe 
von grSberem Gefechtswert ftlr nötig erachtet wurden? 

Aber auch die EkklSrungcn des Staatssekret&rs des BeichB-Marine- 
amts im Reichstage bezüglich der Geschwindigkeit lauten nicht sehr 
Tertnuensvoll, wenn er sagt: «Es sind unsere neuen Pansenohiffe, die 
hier im Etat mit Ä. B. C. D. genaunt sind, auf eine Geschwindigkeit 



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96 



Bennkwigw n dm im Mai-Eeft d«r Deutaclira BnadieliMi 



▼on 15 bis l.^Va Seemeilen berechnet. Ich bin augenblirklirli nicht 
in der Lage zu sagen, wie unsere neuen Schiffe laufen werden, 
wenn sie fertig sind, kann aber mein Vertrauen anssprecbcu im 
Hinblick auf die Leistungen unseres Konstrnktionsbureaus, Jafs diese 
Versprechung voll erfüllt werde.« Nun hat auch der Herr Alt- 
geordnete Richter durchaus richtig angeführt, dafs fremde Nationen 
Panzerschiffe hahen, welche weit Ober 15 Seemeilen laufen, nämlich 
16 nnd 17, und darüber hinaus wurden auch Zahlen gegeben, das 
ist nicht zutreffend. Es giebt meines Wissens kein Panzerschiff, 
welches auf mehr als 17 Seemeilen berechnet worden ist. Schiffe, 
die mehr laufen, sind Panzerkreuzer, die hier nicht mitzählen. 
Immerhin sind Geschwindigkeiten bis su 17 Seemeilen genannt. 
Ob diese Geschwindigkeiten jemals erreicht worden sind, das zu 
bestätigen bin ich nicht in der Lage n. s. w.c Der Staatssecretär 
ginbt also KU, daXs Panzerschiffe ümnder Nationen auf 17 Knoten 
berechnet worden sind, während ilHUI ach bei uns nur mit 15 Vs 
Knoten begnügt hat. An taoet anderen Stelle des stenogim- 
phi sehen Berichtes heifst es dann: »clals naturlich andere Stimmen 
laut werden, die verlangen, dafs unsere Schiffe die höchste 
Geschwindigkeit erreichen solleDf das ist selbstverständlich. Das 
ist leicht ansgesprochen ; da nehme ich den Mund voll nnd brauche 
auch nicht Rficksicht su nehmen auf das andere was in Frage 
kommt, sondern ich sage: wenn unsere Schiffe nicht 17 Seemeilen 
laufen, taugen sie nichts. Das kann aber die Marine- Verwaltung 
nicht berühren, die ihre Konstruktionen in sehr ernste Erwägung 
nimmt.« Ta geschieht das etwa in anderen Ländern niobt auch? 
Oder haben uosens Konstrukteure bisher nur Hervorragendes 
geliefert? Ist irren nicht menschlich? — »Ich mochte aber gans 
besonders betonen,« so fährt der Staatssekretär dann fort, »wel<^e 
Ansicht in der Marine herrseht (?); es würde uns sehr Ueb sein, irenn 
diese Minderwertigkeit uns siebt bei den Maschinen zum Vorwurf ge- 
macht würde, sondern wenn man denselben Vorwurf erheben wollte 
gegen die Minderwertigkeit in der Zahl der Schiffe ; das thnt man nicht. 
Wir würden uns sehr freuen, wenn wir dieselbe Stimmung fanden bei 
unseren Forderungen, die darauf hinauilanfen, uns nicht zurück- 
stehen zu lassen in der Zahl hinter unseren Nachbarländeni} mit 
der Geschwindigkeit werd en wir uns schon abfinden xu 8. w.< 
Also mit anderen Worten: Reichstag bewilligt uns nur die 
Mittd und überlafst uns das übrige, ob zweckmäfsig oder nicht. 
Wer sich mit der technischen Litteratnr beschäftigt, dem wird 
es nicht unbekannt sein, dafs, wenn man Schiffe hinsiehtlich ihrer 



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enehieneiMii Anlhalt: IfariUiM Trngscblflaie 99 

Geflcliwüidigkeit yergleicheB will, nstargeinäb nar diejenigen Werte 
SQ Ter^eichen und, welche dnreh Probefahrten tob KiiegwohiiFen 
nnter gleichen YerhaltniaMn ermittelt sind. Die Qmndefttse, nadi 
welchen die Probefahrten von Kri^gsBohiffen von den Teraohiedenen 
Lindem ausgeführt werden, sind aber in den fersehiedenen 
lAndem Terschieden. Bevor man also vergleicht, and die gegen- 
über an stellenden Werte namhaft zu machen. — So beieiofanete 
s. B. der Chefkonetmktenr der brittischen Admiralitlt das hOehsta 
Hafs der wirkUchen Maschinenleistnng engliecher KriegsschÜfe unter 
normalen VeilAltnifleen = 60 hie 60% Maechinen- 
Ueferanten auf der kontraktlichen Probefahrt bei natürlichem Lnft- 
sog in den Kesseln ermittelten Leistung; wShrend, soviel uns mit- 
geteilt ist, die wirkliehen fifasehinenleistnngen unserer Schiffs auf 
den Probefahrten den spftteren DurchschmttoverbSItnisBen gegenüber 
soviel niher kommen, dals sich jener Procentsats auf 80 stellt. — 
Nun, die Zukunft wird es ja lehren. In der franzdsiachen 
Marine werden die Oesohwindigkeiten der 8chi£Pe auf den Probe- 
fahrten nicht wie in Deutschland bei voll eingetauchtem Schiffe, 
stmdem bei geringerem Tiefgange (an der Konstmktionswasser* 
linie) gemessen, wie dies von einem faehminnischen Mitgliede der 
Rechten im Beichstage hervor^hoben wurde. Die Richtigkeit 
obiger Behauptung bestfttigt auch »Le Yacht«, in welcher Zeit^ 
schiift es heifst, dals, iriihrend die Maschinen des Panserschiffn 
»Maroeau« für eine hdchste Gesamtleistung von 12,000 indisierten 
PferdekfSlken konstruiert sind, es gelang, mit nur 11,017 Pferde- 
kriften in vierstündiger fUirt, eine mittlere Schnelligkeit von 
16,4 Knoten su erzielen. Tu kriegsmäfsiger Ausrüstung, mit der 
vollen Bemannung and Munition an -Bord wird das Deplacement des 
Schilfes allerdings ein etwas gröfseres sein, als dies bei den Probe- 
fahrten der Fall war. Wünschen wir also, dab unsere neuen 
Sehladitschiffe trots ihrer in Aussicht genommenen geringen Oe- 
sehwindigkeit bd den Probefishrten den angeblich auf dem Pkpier 
schneller fahrenden gleidikommen. Doch ist hierbei nicht zu über- 
sehen, dals besonders den firanzüsischen Ingenienren, wie auch den 
englischen ein guter Ruf zur Seite steht* 

Yeriksser hebt sodann hervor, dafs im Reichstage nur Bin er, 
Herr von Keud^, mit anerkennangswert«r Offenheit der Rangfrago 
der Flotte gerecht wurde. Wir lassen das dahingestellt, fragen 
aben: ob in den AnsfÜhrungen des Herrn von Keudell, worin es 
heilst: der Kriegssehifibbau ruhte 9 Jahre und zwar von 1880 — 
also zur Zeit, wo der Verfasser der Maritimen Trugschlüsse noch 

7» 



100 



BenMrkiingeii in dem im Mii-H«ft dm Denbohoi BandNlwQ 



eine einflnfsreiche Stellung inne hatte — nicht ein Vorwurf für 
Let/t^ren enthalten ist? — Auch mag die Frage hier gestattet aem: 
Weshalb man nicht schon 1880 mit dem Bau der Panzerkanonen- 
boote au^ehÖrt und statt des Bestes derselben seegehende KQsten- 
verteidigungsschiffc etwa wie die Sifigfriedklasae gebaat hat? 
Darüber schweigt aber der VerÜBSserl 

Besonders heftig wird dagegen dor jetzige Herr Beichskamler 
während seiner Amtsfühmng als Chef der Admiralität vom Vorfasser 
angegriffen, die Vernachlässigung der Kriegsschiffsbaaton uu J statt der- 
selben sein Turpcdokultuä scharf getadelt. Verfasser nennt die Ansicht, 
dals für das deutsche Reich wichtige Entscheidungen nnr zu Laude 
getrofifen werden, eine Scfaulansicht, die gröfstenteils die Schuld trägt, 
dars man Antiigen auf Verstärkung der Flotte heute mit der bekannten 
Beängstigung entgegentritt. Er sagt femer: »Der Einwand, dafsKriege 
denkbar sind, deren Haoptentscheidungen zur See fallen, würde, wenn 
nicht ungehört, doch nngeglaubt verhallen.c — »Die Tragweite der 
Machtniittt 1 — der Rayon — ist weiter hinaoageBchohcn. Die Fühlung 
mit den Maditmitkeln des Gegners muCs enger gehalten werden; die 
Wache vor dem eigenen Thor hört anf eine Verteidigungsstellung 
sn sein, und wer aich überhaupt Terteidigen will, mab den Machtr 
qnellen des Gegners näher rücken.« 

Merkwürdigerweise findet man in den obigen Aeulseningen 
gleiche Gesichtspunkte wie in einem Artikel der Kational-Zeitnng 
▼cm 12. April entwickelt. 

Wenn aber der Verfasser mit dem jetadgen Herrn Reichskansler 
so seharf ins Gericht geht, so yermissen wir irgend welche Änisemngen 
?on ihm Ober den Chef der Admiralität, nnter welchem er eine so 
eiuflulisreiche Stellung einnahm. Für denselben hat er weder ein 
Wort des Lobes noch des Tadels. Die Qründe hierfür sind 
sehwer zn ei&ennen, denn ni den Grnndsäteen des Ver&ssers: »Die 
Fühlung mit den Machtmitteln der Gegner enger zn halten,, nnd 
die Verteidigung des eigenen Theres nicht an der eigenen Küste, 
sondern an denen des Gegners sn suchen«, bekannte sidi, soviel 
wir wissen selbst mit den minderwertigen Schiffen, anoh der Vor^ 
ganger des Hecm t. Caprivi! 

Wir glaubenden beiden frnheransder Armeeherrorgegangenen Chefs 
der Admiralität ihre Verdienste nicht achmälam sn dürfen. Sie waren 
Männer des festen Willens, die von der Richtigkeit ihrer Anschauungen 
unorsehntterlicfa flbeneugt waren, besonders aber als sie nach längerer 
Zeit ihrer Amtsführung Verständnis von der Sache sn haben gkubten. 
Zweifelsohne war es eine schwierige Aufgabe für Männer in so vor- 



tnehiiiiMMii AnÜMti; Maritiiiie TrogaehlOaM o. s. w. 101 



gerikkten Jahren die Direktion über eioe dem ganzen Wesen und 
der Bcnifsthiitigkeit nach ihnen frciiide Waffe, die Verwaltung eines 
so komplizierten Materi?ils zu ühi rnehmen, von dem ihnen schon die 
Nomenklatnr, gesdiweii^e denn das ganze Getriebe vom Alpha bis 
zum Omega eine terra incognita war; eine Rtollnng einerseits voll- 
ständig iinnbhängig von jeder Kontrdlle, andererseits der Natur der 
Sache nach von ihren früheren Lebensgewohnheifen und Anschauungen 
völlig abweichend. Oh mit dem Personenwechsel in der oberen 
Leitung der Marine eine andere Aera erblüht, mufs die Zeit lehren. 
Wie weit einen Teil der Seeoffiziere der früheren Aera die Schuld 
trifft, wenn unsere Marine nicht die gewanschten Fortschritte ge» 
macht hat, wollen wir unerörtert lassen. 

Am Schiasse seiner Angriffe gegen den jetzigen Herrn Reichskanzler 
8^t Verfasser der Trugschlüsse wörtlich: wird den damaligen 

Chef der Admiralität, heutigen General-Beicbäkanzler, Niemand des 
seemännischen Chauvini smns zeihen wollen; man wird dagegen die 
Vertrauensseligkeit patriotischer Volksvertreter bewundern müssen, 
denen ein GffensiyyennSgen der Flotte so verwerflich scheint. Es 
ist ein Trugschlufs, zu glauben, dafs die Seeflanke nur an der 
eigenen Koste ihren Schutz findet, und je eher man sich dieses 
Tmgschlusses entledigt, desto besser wird es sein. Schreiber dieses 
ist, wie schon mehrfach erwähnt, See-Offizier, und verlangt nicht 
blinden Glauben in Dingen, in denen er pro domo spricht; er glaabt 
aber die Aufmerksamkeit auf dieses hinleiten zu sollen, denn er 
befurchtet, dafs die öffentliche Meinung niclit die nötige Klarheit 
besitzt etc.c — Dann fahrt er fort: »Es liegt bei uns eine Gefahr 
darin, dais man schablonenhaft von den taktischen B&cksichten des 
Landheeres auf die Flotte folgerte n. s. w. Wenn von einem Mit^ 
ari)eiter der »Jahrbücher« früher ausgesprochen wurde, dafo es 
gewils keinen deutschen See-Offizier giebt^ der nicht im Herzen 
seinem Vaterlande eine starke, Tollwertige Flotte wSnscht, 
welche nach Ost nnd West fem von der heimischen Efiste auf 
offiBoer See dem Feinde die Stirn zn bieten Termag, so darf hierbei^ 
nicht übersdien werden, dals hierzu auch bedentende Mittel er^ 
forderlieh sind. Die letzten Verhandinngen im Beidistage haben 
aber von Neuem gezagt, dafs die weit überwiegende Mehrzahl 
unserer Volksvertreter über eine Flotte zweiten Ranges nicht 
hinausgehen will und im Sinne ihrer Wahler, deren Vertrauen sie 
in den Reichstag geführt, rielleicht nicht kann. Eine Flotte zweiten 
' Ranges aber mit vollwertigem Material, wie solche vom hochseeligen 
Prinz Adalbert seiner Zeit in Aussicht genommen worden ist, wQrde 



^ i;jKi. „^ i.y Google 



1Ü2 BemerkangeD »a dem im Mai-Heit der Deutschen Baadachaii 

also zimächst aii/ustrebeu sein. Die MBrine-Verwaltang hat es aber 
bisher leider niclit /u Wege gebracht, eine solche zu schaflfeu. — 
Wenn ubui tler Verfasser jetzt eine Flotte von unbegrenzter (irufse 
auf seineu Schild schreibt, so ist das weder schwierig noch für ihn 
beschwerlich. Vorteilhafter aber schwieriger wäre es allerdings für 
ilin gewesen, er hätte versucht, solche zu einer Zeit anzustreben, 
wo der damalige Chef der Admiralität im Ileichstage sich noch 
eines grofsen Vertrauens erfreute. 

Verfasser kommt dann auf die ivekrutierung der Flotte und 
sagt: »Die Übertragung der Wehrpllirlit ;iuf dw. seeniilnnische Be- 
vülkerung, wie .-sie im deutschen Reiche beute gehaiulli.int: wird, ist 
in ihrem Wesen gut; nur liarf in.iu sich in der Ausfiiliruiig nicht 
an die Schablone des Heeres halten; was für dieses und für die 
Landbevölkerung pafst, pafst nicht alles für die Flotte und die See- 
leute. Mit der in den siebziger Jahren erfolgten Verringerung der 
Lohnsätze hat mau, so weit es eingeschiffte Leute betrifft, einen 
Fehlgriff gethan« u. s. w. Das letztere hat wohl seine Berechtigung. 
Wenn aber Verfasser die geringe Neigung der Seeleute, nach 
abgelaufener Dienstzeit zu kapitulieren, zum gröfsteu Teil deu 
geringereu Lohnsätzen zusehreil^t, so dürfte das doch wohl nicht 
ganz zuti'efl'eu. Denn der beschwerliche Kriegsschiflfsdieust, der 
Zwang u. 8. w. behagt den Leuten weniger; sie wollen sich ihre 
Schiffe, ihre Reisen u. s. w. .selbst wählen, nicht unter den Kriegs- 
artikelu stehen. Dazu kommt aber noch, dafs die aus dem 
SchifiFsjungen-Iostitut hervorgegangenen Unteroffiziere den älteren 
Matrosen wenig sympathisch sind und sie schon um dcrenwilleu sich 
freuen, wenn ihre Dienstzeit zu Ende ist. Wenn aber die see- 
treibende Bevölkerung in der Abnahme begriffen ist, wie der Ver- 
fasser richtig anführt, so liegt das zum Theil iu dem Rück gange der 
Segelschi tiahrt, des Handels u, s. w. Unsere Küstenbevülkerung ist zu 
indolent, zu wenig unteriK hm^lnl^^^lusti^', um auf die Hochseefischerei, 
den Walfisehfang u. s. w. ein ofses Gewicht zu legen. Die Bade- 
orte an flen Küsten bieten ihnen Gelef^^enheit, mit Bcquemlielikeit 
sieh einen Sommervcidltnst zu niacbuu, sei es durch Vermieten 
der Wohnungen, sei es duicb kleine Bootfahrteu und djis lieben sie 
mehr, als sich auf holier See von Sturm und Wellen durch- 
schütteln zu lassen. Der Segel-, Dampfer- und Rudersjinrt liegt 
bei uns noch im Argen, wenn man bedenkt, dafs z. B. in England 
3'>,(XK) Personen etwa /n Sport/.wecken Verwendung finden. .Vufser- 
dem braucht man weder auf den Schlachtschitfen noch auf einem 
Teil der Panzer- und anderer Kriegaacbüte die bedeutende Zahl 



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endüeneueo AniiiaU: Maxitimti Trugschl&ue u. s. w; 



103 



Ton Blaojacken wie frfiher. Wird der Stamm der Besatzungen aus 
den, dem SchiffiyuDgen-Institut hervorgegangenen Leuten entnommen, 
8o brauchen die Übrigen sich nur Seebeine anzueignen, den übrigen 
Dienst lernen sie bald. Über die Erziehung der Kriegsschiffsmann- 
Schaft in unserer Zeit sind selbst in England die Ansichten unter 
den See-Offizieren geteilt. Ein Mein ungs -Austausch darüber hat 
bereits vor nicht langer Zeit im »lioj^al United Service lusiilution« 
stattgefunden. 

Auf den Aufsatz des Verfassers im Oktoberheft der >Deutscbeu 
Kund-schauc: »Helgoland fest oder sicher?« kunucu wir wegen 
KaummangL'l.'i uii.s nicht weiter einlassen. Nur soviel sei hier mit 
Bezug auf den Artikel in den * Jahrbüchern« (OktoberLeit 18'JO) — 
»Die militärische Bedeutung Helgolands« — bemerkt, diifs, wenn 
man dem Verfasser desselben vorgeworfen hat, er habe die Ver- 
mehrung der Flotte nicht genügend hervorgekelirt, so dürfte der Hin- 
weis auf eine moderne d. h. den Anforderungen der Neuzeit ent- 
sprechende Flotte, wohl eine solche Deutung ausäcbliefsen. Was 
aber die Befestigung Helgolands betrifft, so können wir mit grofser 
Genugthuuug erklären, aus dem Munde des Grafen v. Moltke noch 
wenige Tage vor seinem Tude gehört zu haben, dafs die in dem 
obigen Artikel der »Jahrbücher« ausgesprochene Ansicht der 
seinigen nicht entgegenlaufe. 

Schliefslich noch die Bemerkung, dafs wir mit dem Verfasser 
bezüglich seines Schlufssatzcs, dafs das Lebenselement einer See- 
verteidigung das Offeusivvermögen ist, ganz einverstanden sind. 
Nur wäre zu wünschen gewesen, mau hätte auf die Schaffung der 
hierzu nötigen Anzahl Schiffe schon früher Bedacht genommen. 

19. 



. i;jKi. „^ i.y Google 



VL TJmscliaii in der lilitär-Litteratur. 



L AvBlAiidiBclie Zeitachriflen. 

Organ der nilitftr-wittenichaftliclwii Vereiae (Otterreich). 42. Bd. 

4. Heft: Der Einflufs des rauchlosen Fiüven auf die Tkktik der drei 
Waffian. (Qeoenlmajor StAnger) Manitions 'Verbrauch, Verlaate 
und Binflnfs der Distansmeseer im Zakanfiskriege. Letztere 
werden mit ifmilitBriach oigaaiaierten» raedi ▼orflbergehenden VSlker- 
wandeniDgen* vergliclMn, gania LKndeigvbtete würden den Kriegaeolianplats 
baden, die Verluste Im All^'em einen twar adir bedenteud sein, doch nie 
die Verlustziffem der Kämpfe Mann gegen Mann erreichen. — Über eine 
Ausrüstung der Genie- Com pagnien mit leichten BrückentnunSt £Sse 
mssiseho Stimme Uber den Zukunft s-Fesstungskrieg. 

Streflieer't Osterreichische mihtariiche Zeittchrift. (Mai): ' Dan 
St'hiefsen von Brisanz-Gosclio.ssen aus Feldgescbüt/en. (Oljerst Ohristlj. — 
Vorschrift tiber die Benützung, Aufbewaluung, Erneuerung und In- 
spizierung der zerlegbaren Einrichtungen von Güterwagen zum Trup|)en- 
Thmaporte auf Bieenbafanen in Biunland. — * Ans dem Bocbe vom OfiBtier 
(OberBÜientenant A. t. Hanaeobeim). — Anthropologische Stadien (Fcurta.), 
von Bittmeiater J. Obet. 

MltttllMfm Ibtr BigMitiiit des Arlllliflt» md flrale-WiMti. 

5. Nift: Der 8 mm Bepetierkarabiner M. 1890 — Obersicht der wichtigen 

Versuche und Übungen der beiden Genie-Regimenter in den Jahren 1889 
und 1890. — Einige neuere Beleuchtungs- und Kraft Iii >ertragung8- 
Anlagen. — Fortbringen der Fuhrwerke des Feld-ArtiUerie-Materials bei 
tiefem Schnee. 

Armeeblatt (Österreich). Nr. 18: Organisation der Zentralstellen in 
der k. russischen Marine. — Nr. 19: Berittene Hauptleute der Fufs- 
truppcu. — über russische Rüstungen meldet A. das Fol- 
gende: In den letzten Wochen seien € neue Infanterie* und 3 Kavallerie- 
Begimenter an der Grenze der Bukowina eingetroffen; Bnasland habe in 
etwa 2 Jahren aeine Streitkrttfte dort um 51 Batterien, 48 Eakadrona und 
16 Batterien vennehrt» ungerechnet die Verdoppelang der Qrenswadie. 
Im letiten Herbete seien 2 neue jbifimterie-Diyisioaen nach West-Bnaaland 
Terlegt worden; Ende dieses oder Anfang nilchsten Jahres würden die 
russischen Rüstungen fertig sein. — Nr. 20: Scharf schiefsen — 
aufs Volk. Es wird betont, dafs es ein verhängnisvoller Wahn sei, zu 
gUuben, es werde bei Stndisen-Bevolten xuerst jedesmal nur blind ge- 



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UmehM in im MflitfiwLittonfev. 



105 



schössen. — Nr. 21: Der Kegiraents- Kommandant in ^•einer Einwirkung 
auf das moruluicbe Element. — Die l'ulver- und Dynamit- Fabrik in 
Pressburg. — Nr. 22: Nochmals Dragomirow. Behandelt dessen im 
vorigen Jahre erschienenes Werk: „Die Vorl>ereiLung der Truppen zum 
Kampfe*. — Die Heeresverpflegung durch die Landwirte. 

Militär* Zeitung (Olterreich). Nr. 32: Illoyale Kampfesweise. 
Behandelt da.s in Leipzig erscliienene Pamphlet: „Österreichs Unter- 
gang". Wir meinen, es genüge, das klägliche Machwerk niedriger zu 
hängen. — Nr. Si: Die Verlegung der Wiener Eaaemen. — Nr. S4: 
Die &?allerie im Zukonftskrißge. 

Oit RlicbllHlr (Otttrrtkb). Nr. 124: Die Meerengenfrage. 
Behandelt den msdeoh-ttlrkiBohen Streitfall in Saehen der freien Dorch* 
fahrt von Kvi^gsBchiAn dniob den^lBoepome; letcere wird für Bonland 
als nnentbehrlich beaeichnet! — Gewehr and Begiemeni. Behandelt 
besonders die Frage des „Weitfeaers" beim Angriff. — Nr. ItS: Melde- 
reiteir bei der Fufstruppc. In Anlehnung an die Regenspurskysche 
Broschüre und Honigs I3eispiele (Gefechte von La Garrrioni()re and 
Villochanve) wird die Einführung solchor gut berittenen Ordonnanzen, 
die organisch xom Begiment gehören und es nie verlassen, warm be- 
fürwortet. 

Le Spectateur militaire. (l. Mai): Das Gefeiht von liagneux. 
Inttres.santer Beitrug zur Geschichte des deutsch - französischen Krieges, 
BruehjitiUk aus ilem Werke von A. Duciuet über den Krieg von 1870. — 
Der Oftizior im Meere und im Volke. — Die Wahrheit in der Kriegs- 
ge>^chicbte. Verfaser geht der militäiischen Mythenbildung scharf zu 
Leibe und memt, dab die franzOnsehe Kriogsgeschidite danrafhin einer 
Nenbearbeitnng bedürfe. — (16. Ifai): Zur Frage der «Sehilde*. 
Kochmals kommt Verf. (L. Bnm), in einer Polemik gegen »Pkogrds mili- 
taire** aof dieselbe zarück, denn der Angriff ohne Deekong eei in Zn- 
kanft völlig onmOglich. — Die Wandelangen der Kavallerie. — Eine 
interessante heeresgeschichtlicho Studie. (Fort. , folgt.) — Die nngedroekten 
Werke Vaubans. — Die Feldbefestigung und die Heeres-Reorganisation. — 
Bewaffnung und Taktik der Griechen vor Troja (Forts.). — Die 
ZukunftskUmpfe (Besprechung der Broschüre ,lee oombais fdturs" par 
Badou.Y). 

Revue de Cavalerie. (April): Die Übergangs- (Remonte-) DeiX)ta. — 
Franceschi -Delonne (Schlufis). — Die deutsche Kavallerie (Forts). ~ 
(>I>erationen auf den Verbindungslinien der Armee; Dezember 1613 
(Öchluls). 

Revee d'Artilierte. (Mai): Die beiden Generale de Senarmont. 
Biographie die.<!er beiden berühmten Artillerie-Generale der napoleonischen 
Zeit. — Die mechanischen Konstruktionen u. s. w. auf der Welt- 
anasteUang 1889 (Forts.). — Kmppeche Venaebe mit der 12 c Hanbitie 
und dem 15o Feldmtlner. 



106 



UmscbM ia d«r Militür-Litteraittr. 



Htm ii MnrtM le riiteidaict «Uttain. (Miin— April): Die 
Aekwriiaa tmbeiicl«ii Bcgumeo Fnalmichs. — Dw Xa&e auf dem fha- 
tUdacheii Markt. Der Ko ru w uru i im Getreide des Noideoa. — Weiien- 
meU (ScUals). 

Revue de cerelt aHltalrf. Nr. 18: SkobelefTs Ansicbt Uber die 
T^anze. Der General erklärt sich als persönlichen Gegner derselben, «n. 
scbnellfeaerndes (lewebr und ein gut«r SUbel mit gerader Klinge sei ge* 
nügend. — Die Verwundungen durch kloinkallbrige Geschosse. — Hr. t9 
U. 20: Kritisclie Bemerkunrren über die achweizerische Armee. — Die 
Verwundungen durch kleinkalibrige Geschosse (Schlufi^). — Die grofsen 
Handel.s.>trarsen in Tonkin. — Nr. 21: Das Webi^esetz im hollündischen 
i'iit laiucut. — Die Aufgabe der Iiilantcrio bei Rekognosi^ierungen. (Be- 
zieht sich auch auf die Aufsätze des Major Kunz in den „Jahrbtlchern": 
„Über die Thfttigkeit nnd Verwendviig der Beiterei im Kriege von 
1866*). — DiataBiaehBfawn mittelst des Schalles. — Die gro&en Handele- 
strafiMii in Tonkin (Sdhlnb). 

L'AVMir alNtalrt. Nr. 1815: Der Marschall Uoltke. A. widmet dem 
verstorbenen Feldhem einen wann empfiindenen Naohrof nnd sagt: 
aSeine Verkleinerer sollten bedenken, dafs: einen Mann herabzusetzen, 
weil er ihr Feind war, eine Armseligkeit und Ungeschicklichkeit zugleich 
bedeute; wenn er nicht weit über das Mittelmäfsige hinausgeragt ha1>e, 
was solle iiKin dann von Denjenif^en denken, die er besiegt habe? — 
Als zukünfijgo Anuee-Corps-rnmmandanten werden, nach Wahl des 
Obersten Kriegsrat^s, die folgenden Divisions -Generale namhaft gemaclit: 
Herve, Voisin, Posme, Ladvocat, d'Aubigny, Vosseur und Peauecllier. — 
Nr. 1878: In dem Bataillon des 145. Begiments, welchem die Aufgabe 
snfiel, den Anfiatand in Fonrmiee za bekSmpfen, be&nden sieh etwa 
50 Leute ans dem Orte selliet, welche angebüdi Tersprocben hfttteni nklit 
auf die Arbdter zn sohieliMn. Dms sei. bemerkt A., das Verdammung^ 
Urteil der BegiomJ-Rekmtiemng. — Nr. 1878: Im KriegsfUle werden, 
laut HGttmlnng der Zeitschrift «l*Annee territoriale", sämtliche Territorial- 
Begimenter des 14. und 15. C i j besondere Territorial- Jäger-Com- 
pagnien im Alpengebiete bilden, deren Chefs schon bezeichmet sind. 

Le Progr*8 mllitalre. Hr. 1094: P. m. hat in seinem Leitartikel, ge- 
legentlieh de« Todes Moltkes* . nur Worte zügellosen Hasses und em- 
pörender Geringschitt/.ung gegenüber dem gi-oCsen Todten, den es einen 
„RechnenkUnstler des Todes" zu nennen beliebt. Es lohnt nicht, auf 
diese Auslassungen, die sich selbst richten, ein Mehreres zu erwidern. — 
Nr. 1096: Der Generalstabsdienst. Besprechung eines Werkes des 
Oberst Fix, vormab Professor an der Kriegsakademie. — Nr. 1180: Die 
Die Sitnation des General stabes. Beformen desselben werden ver- 
langt; die Armee habe einen Tom Parlamente abhängigen Rriegsrntnister, 
aber keuMm «Ohef, der Generalstabs-Cbef mflaae nnabhKngig sein, ihm 
gebflhre Autorität der ganien Armee gegenttber, ans der er sich seine 
Ofiliaiere nach Bedfirfiiis mtlsse wihlen kSnnen. — Nr. 1181: Unsere. 



UmaohM in der liilitfc>Littemtiir. 



107 



Artillerie und das xVusland. Der vom Marine-Minister zu 
Versuchszwecken bewirkte Ankauf von 2 Armstrong - Kunoneu wird als 
eine sehr weise Malisregel bezeichnet; Franknioh stehe vor einer völligen 
UniwSlsiiiig seiiMs GeadiUta^ystems; vor Allem mflBM man »noh mit den 
SehBellfeoer-GeeehlltBeii rechnen; man iteUe dwen flchoo von 18 und 
15 cm Kaliber her nnd weida sie sweifeUoa aof den Schlachtfeldern der 
Zukunft vorfinden. 

La Tmm Blltilit. Nr. UN: Im Beraohe dea 6. Gorpa finden 
fortgesetzte nlehtliehe Allarmiarongen und Mohilmachnngsvenoehe statt. 

— Nr. 2112: Das Gewehr and der Bepetiermecbaniemus. Der 

deutsche Repetierer sei bis jelxt der be^ie und praktiaehBtn, der fraa* 
zösische müsse schleunigst dui'ch einen besseren ersei/i werden (! !). — 
1^. 2114: In Ausfniining der IJestimmun^', dafts alle .Iä<(er-Iiataillone an 
der Grenze stationieren sollen, ist das 16. nach Ötenay, das 20. nach 
Ilaocarat, das 5. nach Buü&ang (in den Vogesen) verlegt worden; 
die Verlegung des 8., 16., 29. steht noch ans. — Hr. 2115: 
Mürser-Batterien. liesprochung der vom Generallieutenant v. Sauer 
den Offizieren der Feetang Ingolstadt gehaltenen und im Druck ex^ 
sduenenen Vortrt^ über den al^kttnten Angriff von Festungen und die 
Terweodung von Wnrf-Battcsien im Fetdkriege. — Nr. 1116: Das Lehel- 
Gewehr. Über den Ursprung desselben und sone Wirkung Wird Inter- 
essantes mitgeteilt. Nadi den «Aidhives gtoMes de mddicine" soll das 
Geschols auf 300 m noch 5 Rotten einer Trappe, auf 1200 m noch 2 oder 
3 darchschlagen, was durch Vei-suche festgestellt sei! — Nr. 2120: Der 
Kriegsminister hat verfügt, dafs sämtliche an den Manövern des 5., 6., 
7. und 8. Corps teilnehmenden Truppen mit dem Ijebel-Gewehr und 
rau<"lilo8ftn Pulver ausgerllßtet sein sollen, j»er Kopf H'O Patronen. 

Schweizerische Monatsschrift für Offiziere aller Waffen, f April): 

Die Dorfvertt i'lif^ung (Schlafs). — Die Reorganisation der schwii/t rischen 
Militär- Sanitat. — Die Manöversuppositionen im Truppenzusammenzug 
vom Herl)st 1890. 

Schweizerische Zeltschrift für Artillerie und Genie. (April): Er- 
gebnisse von Versuchen über Bronnz.eiten von 8,4 cm und 12 cm Tempir- 
platten in verschiedenen Ortshöhen. — Ergebnisse eines Versuches über 
den Einflafs von in das Geschützrohr gelangten Gewehrprojektilen, Stein- 
trtlmmem und Geschobsplittem auf Geschftte und Qesehollai, beim Abfeuern 
von Oianaten. — Feldbefestigungen fBr In&nterie mit Bepeiiergewehran. 

— Vorrichtung mm Verlindem des Rticklaufts der Geschtttxe mit Be* 
nutcnng der Palvergase. — Der Nord-Ostsee -KanaL — Lieferung 
sehwerer Geschütze fttr China. 

Htm MHiMre nllM. Nr. 4: Das schweixerische Bepetiergewehr 

M/88. — Moltke. (Ein sehr würdiger Nachruf des verewigten Feldliorm; 
wird fortgesetzt.) — Die Entwiokelung der Gebixgs-ArtiUerie, besonders 
in der Schweiz. 



^ hjui^u^ L.y Google 



106 



UBMchaa in der MiUtftr-Littmtiir. 



Allgemeine Schweizerische Militärzeitung. Nr. 18: Die Entwiekelung und 
strat4?frisclie Bedeutung des italioniscbon Eisenbahnnetzes (Selilufs). — 
Die Bedeutung mobiler Panzer für die schweizerische Landeabefestigung. 
^ Nr. 19: Eine Antwort auf di« Beceato der Broedillre: ,Die Be- 
deatnng moUler Panzer". — Nr. II ■. II: Armee-Corps oder Divi- 
Bionen? Ver^ mdnt, ohne bedeutende VermehniBg der Armee sei die 
Bildung von Armee-Corps nutzlos. — 

U Btlfl^M ■HHiira. Nr. IMt: Der Tod des Harschall MoUke. 

m. sagt in einem warm empfundenen Nekrolog, mit ihm sei der 
gröfste Kriegsmann der Neuzeit gestorben. — Nr. 1049 u. 1059: Dis- 
kussion ül»er das Militär-Budget. — Militärische und nationale Erziehung. 
— Nr. 1051: Die Frage der allgemeinen Wehrpflicht in Holland. — Die 
Frage der bfltris« lit-n (ieschütze. • 

The Army and Navy Gazette. Nr. 1631: Die Srhlacht an der Alma. 
Fortsetzung der Schilderung der iH-rsiiniii hcn Erlebnisse und Betrachtungen 
de.s damaligen Berichterstatter« der Times Mr. W. 11. Kussel. — Die 
Canet-Schnellfeuer-Geschütze. Beschreibung der in Havre fttr Base- 
land angefertigten SchneUfeaer-Geschatse von 10, 13 und 15 em, deren 
erste Sahiefsversaohe günstig aoagefallen sein sollen. — Die Taktik der 
Zukunft Ein pceiflgekrBnter Vortrag des I^pitBn Bensen, in dem die 
EmftUirong der Magazin-Gewehre, des Momtions-Ersatses, des ranchloBen 
Pulvers und der Schnellfeuer-Geschfltze besoi^ere BerUckeichtignnggefiuiden 
haben. Frontal-Angriffe der Kavallerie können nur ausnahmsweise noch 
vorkommen, die Aufklttrung sei erschwert, die Infanterie müsse mehr wie 
bisher das (lelündt^ zur Deckung ausnützen, die Verwendung von Maschinen- 
Geschützen l^eeintriichtigo die Wichtigkeit der Artillerie nicht. Mehr al.s" 
je zuvor sei auf türhiig au.sgeVnldete Mannschaft Wert zu legen, selbst 
grofse Massen ungenügend ausgebildeter Leute seien weitlcs gegenüber 
grtindlich ausgebildeten schwächeren Kräften. — General Dragomirow 
über Magazin-Gewehre. Derselbe spricht sich in einer Flogschrift 
entsdiieden gegen Magazin-Gewehre aus, da sie zu schwer sind, und ä&r 
Mechanismus zu empfindlich ist. Günstige Ziele fttr Magazinfener seien 
fast nie zu erwarten, alle Versuche haben ergeben, dals Einaellader dieselbe 
Trefferzahl haben wie Magazingewehre. — Mobile Infanterie. Oberst 
Hutton betont in einem in Aldershot gehaltenen Vortrage den Wert rettender 
Infanterie, einerlei, ob diese auf Pf» rdpu, Maultieren, Ponys, Kamelen oil- r 
Elefanten beritten gemacht sei. Im Kriege in Ägypten und im Zululuude 
hiitte dieselbe hervorragende Dienste gpb i^tct. — Nr. 1632: Geschichte des 
Northumberland-PüsilifT-Reginients Nr. 5. Die Gründung des 
Regiments fSilli in das Jahr 1G74, Nachruf von Moltke. In den Aus- 
drücken lun li.>.ter Anerkennung des Charakters und der Ijeiftungen des 
verstorbenen Fcldmar.sthalls werden eine Reihe bezeichnender Charaktorzüge 
desselben mitgeteilt. — Nr. 1633: Die Yoomanry und ihre Zukunft 
Es wird gegen die beabeichtigie Umwandlung der Yeomanry in berittene 
Infitnterie gesprochen. — Nr. Uli: Berittene Infanterie. General 



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Ümseban in d«r UÜitir-Litlentttr. 



109 



Wülsele}- üufiert sich über die Notwendigkeit reittiide Inlantene zu lialwn, 
um Ahnüclies leisten v.ix können, wie die Keiterscharen der Generale Stuart 
und Sbeiidan. — Nr. 1635: Das neue Infanterie-Gewohr. Oberst 
Jr'osbery wiederlegt in einem Vertrage alle die Vonvtirfe, die in üffentlicbeu 
Blättern gegen da^ neue Gewehr erhoben sind. 

Tbl lainal •! tbt Royal «litai tirvici InMillM. Mu-Hefi Taktisclie 
Neaemiigdik bei den Armeen des Eoaiiiieiits. K^utitn Gnienon» 
weleber deo deatechea KaiMr-ManOveni der beiden letiten Jebre in diensi- 
lieher EägeoBduift bfligewdmt» Bebildert die Taktik der deuteeben Infanterie, 
soweit sie durch die kleinkalibrigen Gewehre und das raucbschwache 
Pulver gelindert ist. Die ttbrigen Armeen des Festlandes sind nur flüchtig 
gestreift. — Die Erziehung und Ausbildung der Miliz->Offizier& 
— Die Straf-roiiipagnien der französischen Armee. Eine ein- 
gehende Schilderung de.s Zwecks und der Organisation dieser Sti-af- 
Coinpagnien. — Zusammenstellung der in diesem Jahre statt- 
findenden gröfsercn MänOver in Deutschland, Frankreich, 
Österreich und Italit n. 

RuiSitchsr livaiide. Nr. 65: In Kronstadt werden für die Mannschafben 
der Flotte Vorlegungen von MarineolBsieien gehalten. IHe im IfKn, 
Yoa KapitBn Newinak^ rot mehr als 1600 Znbörem gehaltene hatte 
Heldenthaten nusiaeher Seeleute nun Gegenstand. — Nr* 68: Unter dem 
25. MSn a. 8t sind vom Kaiser dner Beihe von Regimentern die Namen . 
nm den russischen Kriegsruhm verdienter Generale hdgelsgt worden, so 
u. a. der Feldraar.schälle Golowin, Scheremetjeff, Mcntschikoff, Repnin, 
Golilzyn, Bruce, Mllnnich, Lacy, Apraxin, Saltykoff, Potemkin, Witgenstein, 
der Generale Bragation, Kamenskij, ZizianotT, Jermoloft' und Kottarewskij. 
Ebenso sind einige bislier mit Nummern l)ezeichnete Reserve- Kadre- Bataillone 
mit geographisch -hi:storischen Namen ausgezeichnet worden und die 
Benennungen des ehemaligen Nascheburgischen Infanterie- und des Nowo- 
troizker Dragoner-Regiim nts erneuert worden. Ersteier Name wurde dem 
163. Lenkoranischen Infanterie-Regiment, letzterer dem 10. JekaterinoBlaff* 
sehen Dragoner-Regiment beigelegt. Der Inval. bringt eine Übersidit über 
die Bedentang dieser Generale und eine kante Gesobichte der betreffenden 
Regimenter. — Nr. H: Durch Prikas vom 19. Mftn a. Si haben die 
Genenle and Offiziere des Ural-, Amur-, Transbaikal- and Ussnri-Kasaken* 
beeres statt der bisherigen Montierang und des Kasaken-Rockes (des 
Tschekmen) die tartarische Cniformierung (Mundir-tatarka und Tsehekmen- 
tatarka) anzulegen. Nur die Ural-Leib-Garde-Eskadi'on behält die bisherige 
Kasakcnt rächt. — Nr. 73: Die Brieftauben in Verbindung mit 
der Luftscliifffalirt v in Baron Kaulbars. — Hr. 74: Die Eisenbahnen 
Rumiiniens. Dies<ll m haben sich seit 15 Jahren in ihrer Länge ver- 
doppelt — heute 2,j1U km, das rollende Material l)e.->ieht freilich erst aus 
3Gb Lukouiotiven, Ül4 IWagier-, Ö,9;{<; Oüter-Waggon.s. Die Verteilung 
des Eisenbahnnetzes Uber da.s 2,2^7 Li km grofse Land ist insofern gflnstig, 
als mit wenig Aaanahmen keine Ortlicbkeit weiter als 55-* 60 km von der 



110 



ÜmseluHi in der Uilit&r-Litiemtinr. 



Eisenbahn entfernt ist. — Hr. 77: Nacbtscbiefnen des Jagd-Kommandos 
des 85. Infaniehe-Beginienis Wyborg. — Nr. 78: Unter dem 29. H&r a. 8t 
and 18 Baserre-Bataillfliie auf den erMbten Stand von 6 Gompagnion, 
12 Besem-Beginento* aaf denjenigen tom Jahn 1889 gesetst worden. ~ 
Nr. 81: Fragen des Felddienstes and der Trappenansbildnng. (Qeneial 
Ssnehotin.) Nr. 84: Übersielit Uber die ailitljr-topograpbiBdien Arbeiten 
im Jahre 1890 (Fbrisetznng in Nr. 86). — Nr. 85: Ober die TakUk der 
LnftbaRons. — Nr. 86 u. 87: Dia Sommer-Übungen im Talire 1891. An 
den „allgemeinen" Zusammenziehungen nehmen von den Truppen des 
europäischen Kusslands, des Militilrbezirks Turkestan, Omsk und Trans- 
kaspiens sowio des KaukaMi« Teil: 91 '/o der Infanterie, 88°/,, der Kavallerie 
und 92*/p der Artillerie, etwa.'* mehr als im vergangenen. — Grüfsere 
Manöver sollen in den Militärl)e/.irken Petersburg, Wilna, Warseban, Kijew, 
Odessa, Kaukasus, Moskau und Turkestan abgehalten werden, an denen 
eine 10 '/u grüfsere Tnippenzabl als im vergangenen Jahre Teil nimmt. 

WaJenifiJ StbOmiic. iV. Helt. Aus der Geschiebte des Krieges 
und der Herrschaft der Russen im Kaukasus, von Dnbrowin. (If'oi-ts.) 

— Die Yorbereitnng fflr nRefatlicbe ITnternehmnngen. Verf. 
gebt von dw Ansieht an«, dafii hierfilr in der mssischen Armee nidit 
genng geschehe. Br will die Ambildnng der Infimterie nach dieser 
lUditnng hin sehr eiystematisch anfbanen und verlangt 1. die Voiiiesreitang 
des ein/einen Mannes, 2. diejenige des Zuges und 3. die der Gompagnie. 

— Die A usfübrungsbestimmungen von 1886 zum deutschen 
Pferde-Gostellungs-Gesetz im Kriegsfalle vom Juni 1873. Verf. 
giebt seine Betr.ubtungen auf Grund eines Artikels der „Revue militaire 
de r('triuii,'er IBOO Nr. 7.50". Im allgemeinen ist das l>ezüglicbe russiche 
Geset/, dem deutsehen naebgebildet. Ein wesentlicber Unterschied besteht 
aber darin, dafs nicht wie in Deutsebland die nai Ii Ansiebt der Aushel>ung^- 
Komiiiission besten gonoramon, sondern dafs die Pferde nach dem Los 
bestimmt werdoi. ~ Chronologie der russischen Kriegsgeschichte. 
(Forts.) Einige grobe geographische Lrtttmer laufen n^t unter. So wird 
am 7. IX. 1760 Oolbeig an der „Wisla*! ^* 1>* Wdchsel liegend genannt. 

NntiMiMI Artll1«ri6-JMrMl. Nr. 8: Die Ausbildung der Feld- 
Artillerie (Forts.). " Die fiibrikmftlsige Herstellung des Pyrozylin und 
des Nitroglycerin. 

RMtliClM Mlrilt-Jnnal (Morskoi Ssbornik) Nr. 8: Es enthalt 
nur wenige Original-Äufstttie, sondern ftst ausscblietilicfa Übersetsnngen 
aus dem Englischen und Fhai286ischen. ~ Unter «Nachriditen Uber die 
Fahrten uoserer Schiffe aufserhalb der Grenzen' ist der Bericht des 
Kni>itiins des .Parnjat Asowa*' Uber den Fortgang der Reise des QrobfUrsten* 
Thronfolgers enthalten. 

Raswjedtichik. Nr. 53-55: Die Besonderheiten des Krieges in Asien. 

— Das Duell vom Gesichtspunkt das Strafrechts. — Biogi"aphiscbe Skizze 
und Bild des General-Feldmarschall Qrafea Fedor Alesejewitsch Golowin« 




OniebM in der inUtlr-Lmmtar. 



III 



— Über die gegenseitigen Pflichten der verschiedenen Waffengattungen. — 
Kogfaphie und Bild des General-Feldiiiancball Ffint Potemkin der Taurier. 

17. 

RIVilta milltare italiana. (April): Cadres und Avancement im 
Heere. Beleuchtet die Dnrflischnitts-VerhHltniss-e der Offizier-Lanfliahn 
im italienischen Heere und die Tag^frage der Grundlage f(lr ein neues 
Beförderongsgesetz. — üiiteroffitiere nnd Eraparnisse: Vonehlflge, 
die ZUbr der hSlieraii UnteroCfinaralungai im Front- und beBondera aneb 
adminiatntifai Dieoatd sn ▼araRfsdenit dafttr diejaB^en der ntedam 
ünterolBtiengnde bedeatend m Tennebren ond dadoicb nameBtlidi Muk 
noeh grOndliobar ftr die mobilen ESoabrnten vomoaoigeB. — Nicbtliebe 
Unternebmungen (Porta). — Nachtgofechte mit Beispielen. Der Ver- 
fasser kommt sn dem Schlüsse, dafs Nachtgefechte in Zukunft, wegen dea 
oft bei Tage unmöglichen Angriffes, sehr viel häufiger stattfinden werden. — 
Ttauchloses Pulver und Taktik. Wiedergabe der haapts&chliohaien 
in der Litteratur aufgebotenen Ansichten. 

CterCita Italiano. Nr. 51: Bezüglich der Änderung des He- 
krutierungsgeset'/es hat die iwirlamentarische Kommission am 25. Apri 
im Beisein des Kriegsministers sich dahin ausgesprochen, daia von den 
95,000 Mann erater Kategorie 39,000 nacb 2jilhriger Dienataeit enflaaaen 
und von dieaen S0,000 dnnb daa Looa, 19,000 dnvob die Entaebädnng 
der T^ppenftbrer baatimmt werden aoUao. — Dia militärgeograpbiacbe 
Inatitnt hat 1890 78 Blfttter (1 im Habalnbe 1 : 50,000, 1 1 : 50,000) 
■la Fortaetzong der Karte 1 : 100,000 dea KSnigreieba imd 12 im Ifabatabe 
1 : 50,000 als Forlsrf zini;,' der Kaiie der Kolonie Eritrea herausgegeben. — 
Nr. 54: In Folge der Explosion des Pulvermagazins der Vigna Pia 
hat der Kriegsminister eine Kommission berufen, welche die Frapp. ob die 
in Italien bei Aufbewahnincr nnd Gebrauch explosiver Mittel geltenden 
Vorschriften zur Verhütung? der UnftUle ausreichen, zu boraü'n bat. 

RIvitta dl artigleria e ganio. (April i: Ani;aiif»n ni.cr die neuen 
Maschinen zur Gewinnung dea Sauerstoffs für industrielle Zwecke. Alte 
Wahrheiten nnd neue Paradoxen, mathematiäche Betrachtung der Theorien 
von Woloakin in der Sehrift: ,Daa Oewabrfoner im Qefeebt*. ünter 
den Miaeenan aind bamerkenawert: Über einilge Keneningen in der 
Fbld-ArtiUerie", .Antwort daa Genend Saner anf daa letste Werk daa 
Oenaral Brlalmont* (beziebt aidb anf . Jährbtlehar* nnd „Berne de Parmte 
beige") und „finsriBcbe Vetancbe beaOglicb Überacbreitnng von featnnga- 
Grüben". 

Revilta cientitca-militar (Spaalen). Nr. 9, 10 u. 11: Die Artillerie 
von Canet. TIT. Belagerungs- und Festungs -Artillerie. — Rfwas von doi- 
Militär-Luftschiffahrt (Schlafs). — Die Chronik des Au.slan<le^ meldet im 
Heft vom 15. Mai den Wechsel in der l'erson des deutschen «ieneralstabs- 
Chefe und sucht den lieweggrund in einer Kritik des bislierij/en Chefs 
über die Kaiserliche B'Uhrunj,' beim Manöver des IX. und X. Armee-Corps (Vj; 
ala Quelle bat die BeYue militaire euisse gedient (1). 



I 



112 Umaehaa in der Militftr-LiUentiir. 

Meaarial de Ingenieros del CJercito (Spaaien). Crgäazyiigikelt zh 
Nr. XXIV: Die Yersiiclia daa Grnaonwarka. Ein antomatisches 
50 mm Gescfattti. 

livilta MilHir (Nfftaill). Nr. 8: Die Kolonialfrage: Beaeicimet 
die Yarsttrlcaiig dar Stnitkxttfte in den Eoknian und dar Marina als 

dringend erforderlich. 

Kri|svetenikaps - AkaitMieRt Handliagar (Schweden). 7. Italt: Ba- 
irachtangen Uber eine zeitgemUfse Kampfweiise der Infanterie. 

Norsk-MiUtaert-Tid8Skrm(Nann|U). 8.Hlit: ÜberKttatenverteidigoog 

in den Kri. Ljen 18u7 — 1814. 

De Militaire Spectater (Holland). Nr. 3: Über den Sichernngs- 

dienst bei Nacht und Naclitgefechte (Ports.). — Nachtgefechte 

Telephoniüche Verbindung im Dienst der Zwischenl^tterien. 

« 

n. Bfteher. 

MlttaMungen des k. und k. Kriegt- Archivs. Herausgegeben von der Direktion 
des k. und k. Kriegs-Arcbivs. Neue Folge. V. Band. Mit 4 Tafeln. 
Wien 1891. Verlag von L. W. Seidel k Sohn. 

Der Inhalt dieses neuesten Bandes der „Mitteilongen" unifafst vier 
kriegsgeschichtlich hoch bedeutsame Aufsätze. Den Roigen eröffnet der Be- 
ginn einer Darhiiellung: „Österreich im Kriege gegen die franzö- 
sische Revolution 1792", von ITuuptmann Huusenblas. Eine irgendwie 
befriedigende Geschichte dieses Fehlzuges gab es bislang nicht; die Werke 
von Lieger, Schulze, Renouard, dann die „Gejschiehte der ersten vier Feld- 
zUge des französischen Bevolutionskrieges von einem deutschen Offizier* 
n. a. kabaD, da deren VerfkaHam die primKren Quellen, d. h. die Akten 
dee k. vnd k. Kriaga-AiehiTe, nioht rar YerfÜgnog atandan, doch nur einen 
bedingten Wert. Wir atehen denmaeh Iiier einer besonders wertvollen 
kriagsgeachiehtlicben Neuheit gegenabery für die wir der k. n. k. AiehiT- 
Verwaltong ku besonderem Danke verpflichtet sind, and möchten bei 
diesem Anlafs dem Wunsche Ausdruck geben, dafs die kriegsgeschichtliche 
Abteilung des prenfsischen Generalstabes die Hand legen möchte an eine 
Uhnliche Darstelhmg des Anteils der jtreufsischen Truppen an dem Feld 
zuge 1792. Der liier verüti'entliclite Aufsatz giebt zuniif list eine ircHliche 
militür-geographi^^che Studie: „Der Kriegsschauplatz in den Niederlanden, 
der Cliami^agne und am Rhein", dann die allgemeinen Krie^svorWreitungen 
und Rüstungen Österreichs in den Niederlanden, die beiderseitigen Ordres 
de bataille, die Einteilung der Armee am 20. April 1792, die Bttstongen 
Frankreidia nnd den Kriegsplan. Im VI. Bande wird die Fortsetaning in 
Anaaieht geatellt — Der aweite Anftata schliebt die im IV. Bande be* 
goonene Arbeit: „Die freiwilligen Aufgebote ane den Lftndern 
der nngari sehen Krone 1741 and 1743" ab and behandalt im Speaienen 
die Prefsburger LandtagsbesehlOsse und die allgemeine Insurrektion in 



ümdMtt in dtr imitlr.Litt0ntv. 113 

rugam 1741/42 (von Hauptmann Alexich). Es Ist zu bedanern, dafs der 
küniglicb preufsische Oencralstab diese Vwßffentlichungen \m Herausgalie 
des I. Bande« des „Ersten srhlesiscben Kn'pj^s" nicht hat nutzbar machen 
können; derselbe spridit infolge dessen bezüglich der österreichischen frei- 
willigen Aufgellte (a. a. 0. S. 96) nur sehr obenbin von „zahlreichen als 
ungarische Insurrektion, National-Regiraenter oder Irregulierte bezeichneten 
Abteilungen". Tbatöäcblich betrug die Ciesamtzabl der wirklich zur Ver- 
frandang gelangten Traj^pen des' ungariacben Aufgebots vom Jahre 1741 
im Jahfe 1742 «tw» 9000 Mum Bifimtarie «ad 10,746 Bdter an Stalle 
der 10(^000 HaiiB» tob denen in der erstea stUrmiacben Erregung des 
Preblnuger Lindtages 1741 die Bede war. — Im dritten Anftatse giebt 
Hajor Duncker die Fortsetsnng der «Hilit&riseheii und politisehen 
Anfs&tze znr Geschichte des ersten schlesischen Krieges 1741", 
Tomflmlich den auch biographisch sehr bemerkenswertoi Briefwechsel der 
Kaiserin Maria Theresia mit F. M. Ciraf Neippercr und denjenigen dieses 
letzteren mit dem Grofsberzog von Toscana; dei-selbe bezieht sich auf die 
Zeit vom 3. Juli bis 21. September 1741; Verf. bat, wie sich aus den 
Fufsnoten ergiebt, auch die „Politische Korrespondenz FriedrichH des 
Grofsen" zu Kate gezogen, so dals nunmehr die Akten Uber diesen Teil 
des ersten schlesischen Krieges wohl als abgeschlossen betrachtet werden 
kSniien. — Im mten AoMs wird dis gKriegs-Olironik Osterreieh- 
Ungarns* fortgesetit .Dieselbe ist beaeiobnet als nMilitariscber Ftthrer 
aaf den Kriegssciiaaplätien der Honarohie'', und nmfUbt der noeh im Er* 
scheinen begrüTene IIL Tal den „sadlistliehen Kriigssohanplata in den 
Lindem der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien**: die Fortp 
set'/ung des Feldzuges 1709 (die Räköczischen Unruhen), den Feldzug 1710 
und 1711, den Krieg zwischen der Republik Venedig und der Türkei 1714 
bis 1718, den ersten Krieg Kaiser Kari VI. gegen die Türkei 171G-1718, 
den zweiten desgleichen 1736 — 1739, den Aufstand der Wallachen in 
Siebenbürgen 1784—1785 und den Krieg gegen die Türkon 1788—1791. 
— Die dem Bande angehefteten zum 1. Aufsätze gehörigen vier Tafeln 
geben eine graphische Darstellung der beiderseitigen Streitkräfte am 
20. April 1792, dann die projektierten Truppenstellungen und die strate- 
gische Stoetion Ende April nnd An&ngs Kai 1702. — Der Torliegendei 
Band reibt sieb seinen Vorgüngem aiif das Wttrdigste an ond wird jedemt 
der Uber die hier behandelten Im^gsgesobiditliehen Themata Belebmng 
sacht» dieselbe swmftUos in reudism Mdbe Ineten. 1. 

RrieftgtlcMcMnchl QneltehrHIsi, beransgegefaen vom Oroben Oeneral- 
stabe, AbteOnng ftlr Kriegsgeschichte Nlft XIV: Der Bechtsabmarsch 

der L Armee unter General ▼. Goebenanf St. Quentin im Januar 1871. 
O^it pin(fr Ül)ersichtskarte nnd eincin Plan.) — Di^ Verfolgung 
der französischen Loire-Armee nach der Schlacht bei Le Man.^^ diirdi 
das Detachement dey (ieneral.s v. Schmidt 13.— 17. Januar lülL 
JakiMehw ftt <U* D««iMk« AnoM mU Mute«. Üd. 1.1X1^ 1. g 



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ÜUNhm im dir Müilii^LittiMlv. 



(Mit einer Übersichtskarte und einem Plan.) Preis 2,2ft M. Berlin 1891. 

E. S. Mittler & Sohn. 

Der Generalstab giebt in dem vorliegenden Hefte zwei lehiTeiche 
Studien. — In der ersteren wird die Entwlokelung der Din^'c vor der 
Schlacht l>ei St. Quentin eingehend geschildert. — General v. Goeben hatte 
das Überkommando der 1. Ai-mee mit dem Falle der Festung P^ronne Qber- 
nommen, durcb welchen die Dinge an der Somme eine günstige Wendung 
faekauMD. Li Uanr Weiae wird mm gezeigt, wie GeDenl GoebeB i» 
riektigwr Erkamitius der Lage asiiMr Afmee ddi ivader dnitli die tod 
10. — 14. Januar dnrch die Framoeea tmtemommene Bewegung anf Albert 
noch dnrdh die am 16. erfblgfiBde Besetauog von St Qaentin aeiteiis des 
Feindes zu einer voreiligen Versamwlong der Armee nach deren rechten 
oder linken Flügel verleiten liefs. — Dies ruhige Abwägen und der dam 
folgende schnelle Entschlufs ist und bleibt ein Beispiel för die Feldherren 
künftiger Tage. — Die Verfolgung des Generals v. Schmidt nach Le Mans, 
13. — 17. Januar 1871, zeigt uns einei-seits, wie der kühne, nie rastende 
Führer auch mit schwachen Kräften seine Auff,'abe zu lösen wufste; 
andererseits aber, wie glänzende, entscheidende Erfolge nur möglich gewesen 
wfiren, wenn schon die Lage am Abend des Schlachttages eine günstigere 
für die AuflMdieidung von Yerfolgungsabteilungen gewesen w8re, und wenn 
TOT alkan statt 2800 Hann Infiuiterie, 1400 Beiter imd 10 OeschlUaeB die 
dreifiudie Zaid für diesenwn bereit gestellt. wSren; dann würde es mllglieh 
gewesen aaini nur mit geringen Ktftften die Fhut des Gegners tn be- 
seblftigen nnd mit starken Umgehnngsabteifangen anf teallelstraben ihm 
snTonnkommen. 17. 

Oer Feldzsg des Jahres 1622 asi Qberrheln und in Wettfalsn bis zur 
ScUadit ¥on Wimpfen, von K. Frh. Reitzenstein, I. Heft: 
Vom Ausgang des Jahres 1621 bis snm HerTortreten des 
Markgrafen Georg Friedrieh von Baden. Ifttnohen 1601. 
P. Ziggerers Bncfahandlnng QL Thomm), Pkeis: 2,80 IL 

Über den SCjuhrigen Kang ist bekarnitltoh sohen so viel gssehrieben 
und gedmekt worden, dab «an Geschichtsftennd mindeslsns eibenfidls 
80 Jahre branehen wflrde^ nm sidi mit allem anoh nnr obsdlflshlieh 

vertrant zu machen. Nenndings, seit die Ardiive ngSnglicher und ihre 
Benntsong allgemeiner geworden, ist die Flut sogar wieder im Steigen 
begriffen. Eine Frucht eingehendsten arefaiTalisohen Quellenstudiums stellt 
auch die vorliegende Schrift dar, welche in vier Abschnitten die letzten 
Ereit^niKso von 1621 am nixrrhein, den ersten, fruchtlosen Voretofs des 
„tollen Christian" von Braunscliweig gegen die Pfalz, Mansfelds Einbruch 
in das ünterelsafs, die pfalzgräflichen Werbungen und die Rüstungen des 
Markgmfen Georg Friedrich von liaden-Durlach behandelt. Im letzten 
Abschnitt werden zugleich zu der bekannten Oberlieferung vom Opfertode 
der 400 Pforshmmer bei Wimpfen einige Erlttnterangen gegeben, die an 
sich nicht von grober Bedentong» wohl aweekmttbqser in der SchiUmrong 



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ÜHNhM !■ teüililiiwLIIImlMr. 



115 



der Schl&cht selbst ihre Stelle gefanden hätten. Eine dankenswerte 
Beigabe bildet da?; anpfehjin^te Namenvery.eiohnis. — Die aufserordentlif)ie 
Gründlichkeit der mühevollen Forschungen de* Henn Verfassere liifst nicher 
nichts zu wünschen übrig; hingegen würde er zweifelsohne wobl gethan 
haben, sich in der Behandlung des zum Teil recht spröden Stoffes eine 
strengere Beschränkung aufzuerlegen. Nicht alles, was die Archive zur 
Sadbe cnllMUen, ist auch Ton geaehidiUioheni Wert and Interesse; nicht 
jede MdiwiiikMMte Folgfraiig» die num unter voniclitiger Beifügung m 
ff ie gMew li eu , adoeb woU* oder „TBnmitlioh'' tau sweiftUiafteii Qnellenr 
■ngalMB debm la dfliftn ^aaht, lohit ttberiianpt der MittdhiQg; vklit 
Amtliche QueUenaadiweise bnuclieii dem Leaer in AmnerkiuigeB, wdehe 
reichlich die H&lfte da> guiseil BuduB einnehmen, jedesmal von Fall zn 
Fall TorgefÜhrt zn werden. Kurz, eine scb&rfere Sichtung des 8toffiM| 
sowie eine nbersichtliche j^eordneie und aljgegrenzte Darstellung, — das 
wäi-en die Wünsche, welche wir dem Herrn Vei-fasser für die Bearbeitung 
der noch folgenden Hefte vor allem ans Herz le^en möchten. Ihre Be- 
rücksiclitigung wird den Genufs der Leser an der ül>eraus gründlichen 
Arbeit jedenfalls bedeutend erhöhen, ohne den sachlichen Wert des Ge- 
bfytenoi sn vermindern. 62. 

Bt|lmiiB*BfMUcMM. (Ans d.VeriageT.E.S.lütUerA Sohn. Berlin 1891). 

1. Das Fflsilier-Regiment Prinz Heinrieh Ton Prenfeen 

(Nr. 35). 1740—1806. Von P. Taeglichsbeck, Hauptmann u. s. w. 
Mit 2 farbigen Uniformbildem und 7 Geländetkiasen im Text. Preis: 
6 M. — Aus der sehr grofsen Zahl von RegimentsgeRchirhten. welche 
die letzten Jahraehnte gezeitigt haben, hebt sich die vorliegende in ihrer 
Art als ein Unikum ab, denn sie behandelt die Geschichte eines 
friedericianischen, seit 85 Jahren nicht mehr bestehenden Regiments, dessen 
Namen in neuester Zeit auf eines der berühmtesten Kegimenter der 
jetzigen preoisischen Armee übertragen worden ist. — Jeder Kenner 
dar mtnttadiaelien Heeteqgetdnehte weib es, dab leider nnr aelir geringe 
Beete der alten Begunente-Akten liaben ane der Kaiaetniplie dee Jahres 
1806 (in der das Begiment ^Viha Helnrieh* glekh den neiiten übrigen 
dw «Alten Armee" in Gnmde gin^ gerettet werden kfinnen. Zum Teil 
tfnd diBBe unschätzbaren nnd nnersetslichen Dokumente einer ruhmreidien 
Vergangenheit vom Sieger vernichtet und nadiweislich zu Patronen- 
hülsen verbraucht worden. Die preofsiBche Heeresgesohichte auf Gniud 
der Original-Akten zu rekonstruieren, ist deshalb schier nnmiitrlich. T^m 
so dankenswerter ist es, wenn, wie hier der Fall, von <r!ii( klci Feder 
der vollkommen gelungene Versuch gemacht wui'de, dies luit Hülfe der 
mehr oder minder lückt-nhaften Bestünde des Geheimen Staats- Archivs, 
Kriegsmini.steriums , Gcuerulstabs und der gesamten einschlägigen 
Liiteratar zu thun. Die sich hieraas ergebende Arbeit ist, wie wir aas 
eigener ErtUuro^g wiiMO, cane eelir mflhefoUe, doeh nag der Herr Yetteer 
tidi doreb die ungeteilte Anflritennnngt welehe seiner fleifirigen Arbeit 

8* 



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116 UmiehM in dar MiUtir-Litteratu. 

gebühi-t, belohnt fUhlen. — Das Regiment „Prinz Heinrich" gehört zu 
den vom Groben Könige im Jahre 1740 neu errichteten sogenannten 
FOsflier-Bflgimrateni und bat in den 66 Jahren aeinaa Beeiehene aeineB 
Namen nicht geweohsalt; in der Stamnliste des Jahres 1806 fthrte es 
die Nnnuner 8Ö. Wir mttasen ee ons yvmgai, die ffi^gedanfbafan diewr 
BohOnen alt-preolsiachen Truppe an der Hand dee vorliegenden Bnohee n 
schildern ; es mögen einige Andeutungen genügen. An dem 1. tdUeBeoben 
Kriege hat ee keinen, am 2. nur sehr geringen Anteil goxmimen, um so 
th&tigeren und ehrenvolleren aber am siebenjährigen Kriege, in welchem 
seine Verluste die der Etatssiilrkp liei weitem überragen (bei Kunersdorf 
fast Vj seines Mannschaffsstandes); 71 seiner Offiziere sind vor dem 
Feinde getixUet oder verwundet worden; Hir^chfelde, Reichenherg, Prag, 
CoUin, llreslau, Leuthen, Kunersdorf und Torgau sind die llauptschlacht- 
und £hrentage des liegimentä. Verfasser macht darauf aufmerksam, dafs 
(eine nub nnseremMts gemaehte Wahmeihning) die Angaben der alten 
„StammliBten" in dieser Beaehnng sehr nnsuTnllssiger Art sind. — Das 
Begiment erwarb sieh in so hohem Qrade dia Zufriedenheit des KOnigs» 
dab er ihm naeh dem Hnhertsbuger Frieden das selten gentthrte Bedbt 
erteilte, sidi mit Übergehung der nenen Oenecal-Inspekteure in allen Ein- 
gaben direkt an seine Ppisnn zn wenden. Die Garnisonen des Regiments 
waren Potsdam (bis 1764), dann Spandau und Nauen. Für die 
SchilderunfT der Fripden>periode {rewUhrten dem V^rfacser einen siehr 
brauch bartMi Anhalt die Aiif/oi( linnn'^en de.> Spandauer Superintendenten 
und Predigers Schulze, welche dersellx? in der Sf^ndauer Kinhen-Chronik 
niedergelegt hat. — Das UnglUcksjahr 1B06 findet das Regiment in der 
Sc'lilacht bei Auerstüdt; die getrennten Teile desselben mufsten in Magde- 
burg, Erfurt, die Qrenadiere in Lübeck die Waffen strecken. Das Begiment 
wnfde nicht wieder erriehtet. — Ana der in Anlage 5 gegebenen «Liste der 
Offisiere des Fllsilier-Begiments Prinx Aiinrieh von Fno&en, entnommen 
der Geheimen Kriegskanilei", heben wir besondeis hervor den bei Kuners- 
dorf geftllenen Mqor Bwald von Kleist, den Dichter des „FrOhlings", 
dessen Briefwechsel, soweit vorhanden, Verfssser ebenfalls benut/.ie; femer 
den späteren General Graf Tr^iimtzien von Wittenberg; Gaudi, den Ver- 
fasser des bekannten Tagebuches zur Geschichte des 7 jährigen Krieges, 
endlich Schöning, den 18*'(' verstorbenen Hisioriographen der prenfsischen 
Armee. Aufser der „Kapitulation«- (Stiftungs-) Urkunde" des Jahres 
1740, enthalten die Anlagen noch Ranglisten der Jahre 174Ü, 
1744, 1756, 1757. 1758, 1759, 1761, 1763. 1778, 1792 und 1806; 
femer Verlustlisten, ein alphabetisches Vei-zeichnis sUmtlicher Offiziere, 
B^menis-Feldsdieerer, Feldprediger, Auditeare, Regiments -Quartier- 
meister u. v, A. — Besonderen Wert hat die ans den Sammlungen des 
Dr. Kling in Weimar geschöpfte „Uniformiemngqgeschichte", welche nicht 
allein Aber Ausrüstung und Bekleidung dieses Begiments, sondexn der 
friederidanischen Tnfiutexie ttberhaupt die genansstte und besten Nach' 
weise liefert — Man wird die vorliegende Arbeit als eine der ^dialtp 



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UbmIim in dsf Hi Ht fir'JiittBnitir, 



117 



voilüien Ei-bcheinungen auf dem Gebiete der älterea Ueereageschichte be- 



Das Fflsiliar • RegimeBt Friai Heinricli toü Preuften 
(BmadeDbiugiBcliM) Nr. 85. Ein Bitokblidc auf die GMehidiia daiselbaii. 
Zur Feier des fttnftindriebiigjsliiigieii Pmtshem anf BeCsU das Bflgimoit^ 
Cominaadenrg Gearbeitet von K. Freiherr Seid, Haaptmaan. Mit Ab" 

bUdnngen und Skizzen. Pkeie: 1,60 II. — Das genannte Beginmt hat 

bereits in der Peison des verstorbenen Hauptmanns IsenbuiT? seinen 
Historiographen gefunden. Wenn gleichwohl zu dem erwähnten festlichen 
Anlafs diese kurz gefafst/? Geschichte des tapferen Regimonts prsohipnrn 
ist, 80 geschah es zwtitVllos in der Absicht, den Unteroffizieren, Mann- 
schaften und ehemaligen Anr^* )iörigen des Regiments die Möglichkeit zu 
geben, sich mit geringen ün kosten in den Besitz eines für diese Kategorie 
vorzugsweise bestimmten Eriuneinrngsbucbes zu setzen. Über den Wert 
deiarUger Sefariften haben wir nna wiederinlt ausgesprochen; sie sind in 
onaerer an den heüigaten Oberliefeningen kflU vorAbeigeheaden 
nllebtenien Zeit von höchster Bedentnng snr Erweolning nnd Erhaltvag 
echt Taterlladiseben Geistes nnd werden die Grobthaten der Tfeter vor 
dem Geschick bewahren, der onTerdienten Vergenenhttt zn verfielen. — 
Seit dem 27. Januar 18S9 flnfart das Regiment seinen jetzigen Namen. In- 
feige dessen hat der Verfasser sweckentsprechender Weise einen kursen Ab- 
rils der Geschichto des friedericianischen Regimentes gleichen Namens und 
gleicher Stammnummer in der Einlf itung gegeben, de^^gleichen eine kurze 
biographische Skizze des erlauclitt n Feldhenn, dessen Namen es trügt und 
dessen Porträt dem Texte eingefügt worden ist. - Die Darstellung hat 
den richtigen Ton angeschlagen und schildert in knapper Form die 
kriegerischen Ereignisse , an denen das Regiment in 3 FeldzUgen be- 
teQjgt war, in fesselnder, von echt soldatisehem Geiste beseelter Weise. 
Die 9 BeOagen enthalten die Kamen der Bcgiments-Gommandeore , fie- 
sdureibang der Fahnen, dk verliehenen Eri^gedekotstionea, Banglisten der 
Jahn 1816, 18S0, Eriegsranglisten von 1864, 1866, 1870 nnd die Bang^ 



Geschichte des 5. Badischen Infanterie-Regiments Nr. 113. 
Bearbeitet von Frciherm Schilling v. Canstatt, Oberstlientenant n. s. w. 
— Die Geschichte dieses Regiments, welches schon am 10. Februar 1886 
auf eine 25 jährige Zeit seines Bestehen^ zurückblicken konnte, wurde, 
(mit Ausnahme des letzten Abschnittes, 1. Juli 1871 bis 1. April 1890), 
wie in der Vorrede gesagt wird, schon in den .laliren 1873 —1875 
verfafst, doch gelangte bisher nur der Abschnitt über die Teilnahme des 
Regiments an dem Feldxuge 1870/71 snr Vei6flhntlichnng. — Das 
Btamm-Batatllon des Bi^ents (jetzige L) wnrde am 23. Oktober 1867 
als 3. seibsiatflndiges Fllsilier-Bataillon des bsdischen Armee-Oorps er- 
liebtet, dann dnreh 2 nea anfinisteUende Bataillone in das jetsige 
5. In&nterie-B^giment noqgefonnt. Die Breignism des Jahres 1866 
bnehten demselben nun ersten Ihle eine swar wenig belangreiche, doch 



zeichnen dürfen. 



1. 



liste von 1891. 



1. 



IIS 



UmMshM in da Militü-Litterftiar. 



niehi rubiuiuäe Tbäiigkeit alü Teil der unter dem Oberbefehl des Prinzen 
Aleiamdsr nm HMsen stolundtii 8. Bnade^AznieeOoipt. Yob ^tm Oe» 
leditflift dieaM u^lOeklkb verianftncn Fcldngw hat das Eegünent 
Iwmptalelilicli« Anteil an dam Otflaehi van Hnndhaim, wo daaadbe 
6 Ofiläera, 64 üntorofifiiiera und Soldatw an Todtn mid Venrandelni 
verlor. Bepeits am 30. Juli trat die bitdische Feld-Division infolge Ein- 
tritts der Waffenrabe den Rtickmarscb in die Heimat an. — Erfolg- 
reichsten und ahranvoUsten Anteil bat das R^[iment am Feldzag 1870/71, 
dessen Ereignissen natnrgemafs der weitaus gröfseste Teil dieser 
Regimentsgescbichte gilt. Strafsburg, Dijon, Beifort (öcblacbt nn der 
Lisaine) sind die Haupt-Etappen seines Siegeszuges. Wir müssen e^^ uns 
leider versagen, auf Einzelheiten einzugehen und können nur sagen, dafs der 
Herr Verfasser dieselben in Uufserst fesselnder uud belebreuder Weise 
dargestellt hat. Die Lesung derartiger gut geschriebener Begimanto- 
gfgohiohten aai alkn kriegsgeaabiahtliehe Balehrnng aodMnden Offiaienn 
gnns beaondars empfohlen. Mit dem 1. Jnli 1871 ist das RegimaBt in 
dan Verband der prenfrMdien Annae ala ,5. hadtadiea Lifiuterie-Begunent 
Nr. 113** eingeferaten; seine jatalga Ganuson iat Freilmrg L B. Dia Bei- 
lagen enthalten eine namentliofae Naohweisang aller Offiziere, Ärzte, 
Portepee-Fähnriche und Beamten seit dem 23. Oktober 1657 bis 1. April 
1B90, eine Mai'sch- Übersiebt im Feldzuge 1870/71, dann zahlreiche Karten 
nnd Slüiaen der QefBchtsfelder ; die Auasiattnng ist eine vortxeiliohe. 2. 

Alt im Feldllflt ISN. Briefe ans dem Felde nnd Predigt et| und 
Beden im Felde von Prof. Dr. Fricke in Letpsig. Leipsig 1891. 
Verlag von Fr. Biohter. Fteis: geh. 3 M., gebd. 4 M. 

VeEfiMsr war wibrend des 1866 er Feldzuges Feldpropst des 
Kfinigliob slehsisshsn Annee-Oorps nnd hat bis sn der Anflug 
November jenes Jahres erfolgendsn Heimkehr alle Entbsbrongen 
nnd Mflhsala des Kricigslebeiis mit demsslben geteilt Die hier 
veröffentlichten, an seine in Lsipafg lorliekgebliebene Vnsa geriditetsn 
Ih iofe sind ein wei-tvoUer Beitrag zur Memoiren-Litteiatnr dieSBS Krieges. 
Wir lernen letzteren in wabrbeüsgetrener DarBiellnng von seiner Kehr- 
seite, „hinter der Front", kennen und gewinnen einen tiefen Einblick in 
die inneren Znstilnde des damaligen österreicbigch-sächaischen Hoerf». 
Verfasser erweist siih, wie dies selbstverstUndlicb ist bei seiner Stellung, 
nicbt nui aJs warm herziger evangelischer Christ, sondern auch als echter 
deutücher Patriot, dem die Ereignisse dieses Jaiiren zwar tief in das Hen; 
geschnitten haben, der sie aber treffend „nach Gottes Fügang die 
Eingangspforte" SD den grSfimen Breignissen des Jahres 1870 nnd 1871 
nennt. Diese 19 Briefe sind ein beredtes Zeugnis der SÜmnrangen nnd 
poUtisdien Oegeosttss ans jener Zeit nnd bieten ein ansohanlioiies Bild 
vom wechselvoUen Kriegslehen, welehes dnreh die beigegebeBen 8, nnter 
firniem Himmel gehaltenen Feldpredigten in wirkungsvoller Weise eigttnxt 
wird. Mit gleieh bleibendem Interesse haben wir diese BMfeter gelesen 



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UiDMbaa io der Milit&r-Littamtar. 



119 



md aBfeattfli dam Hma VwfiHwr flbr die YeiMcotlidiiiiig dendban 
miMni Duk; fiad m doch «in Zsogiiis d«fBr, wie auch im MiliigcMiiiek« 
hrnn &dMm aob ludtai .iin Dienate ibnr Pflielit» ihr« KBrngB und 
VaMuuUe*. 1. 

Qtelquet IndicatiOit pOUr le combat par M. 1e grn('>ral Ferren. 4« edition, 
mise ii jour avec l'emplui de la j>üudre sann fumee. V&ria 1891. 
Librairie militaire de L. Bandoin. 

Der ehemalige Kne^fsminister, jetzige (Jomraandeur des 18 französischen 
Armoe-Corps giebl hier eine weitere Aubführung zu der knegj^iuiniateriellen 
„Instruction sonimaire pour le combat" von 1883. Und awar enthält die 
Schrift Zusätze and Erläuierongen zu jener „vielleicht ftlr eine gewisse 
Zihl YOB OBbümm mäd mmMmdm JmAxmItikm*, wekhe gewbOpft sind 
AUS dfln BtglnMBili vbA rat den Warimi der bedeatendeten md ue* 
Httdiadw Taktiker. So kommeD n. Hobenlohe^ ICeokd, die deataeben 
BegleweBto m Wort Im Qansen and Groben finden wir daa wieder, 
waa im dentscben Heere Yorachrift iat und in Geltung aieht: nar ist die 
franzSsiscbe Neigung zum Schematisieren nicht ganz untodrttckt. Nach 
Ansicht dee Generals Ferren wird das rauchlose Pulver zyrar den Angriff 
schwieriper machen, al)er die alli^erroinen Bedingungen «einer Dnn hfflhrnnp 
nicht wesentlich ändern. „Die Methode, sagt er, wird immer dieselbe 
sein, die napoleonische Methode, d. h. Erschütterung des Feindes durch die 
Kräfte der vorderen Linie und neme Vernichtung durch Truppen zweiter 
Linie." — Ah>o der Gang dch Kaiupies wird Änderungen zeigen. Zu- 
vOrderst wird der firkundung&dienst ftlr die Beiterei schwieriger werden, 
ae wird alao die Aufgabe der onmittelfaaren AnfkUmng der Infimterie 
tiberieaaen und an dieaem Zweoke wird letstere auf einige hundert Meter 
naeb vom nnd auf dto Flanken der Avantignrde Gompagnien eniaenden, 
deren BeaÜnunnng ea iat, die ürindHehen Splher aarttckiutreiben und aidi 
über seinen Marsch oder seine Stellung Kenntina zn vwacbaffen. Auf 
etwa 2000 m vom Feinde mufs die Infanterie, wenn sie gesehen Wird, die 
Schützenlinie entwickeln. Zwischen 1500 und 1200 ni mufs man auf alle 
auspfedehnten und ganz sichtbaren Ziele, die sich darbieten, Salvenfeuer 
abgeben- Der Strich von 800 bis 400 m ist der des lebhaften Feuers, 
unter dessen Wirkung die Sturm-Bataillone, die feuernden Bataillone 
mit sich forireifsend, sich auf die Stellung des Feindes zu stürzen haben. 
Etwa auf 1000 bis 800 m folgt die allgemeine Reserve diesem Angriff. . . . 
In annunn: die Selirift giebi Anfteblwfa dnrttber, wie nnaere Nacbhom «08 
machen*. Das mufii man atndieren« 34* 

Olt Kavallerie la den Ziikunftskriegen von H. Walter v. Walthoffen, 
k. und k. Oberst a. D. Kathenow 1891. M. Babenzien. 

Sine sehr sachkundige Behandlung der Frage über Bedeutung, Auf- 
gnbOi Ausbildung und Bewaffnung der Kavallerie in der Neuzeit, und 
«Mgiache Abwehr aller Angriffe deqenigen, welche der Meinung sindt dafe 



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120 



ÜOMchfta in der Uüitftr-Litieratar. 



bei den dflneitjgen TenroUkommneten SofanCnraffen, nameiiÜieh denen dar 
iB&nterie^ die Bedentang der KftnUlerie in der SeUacbi eelnr in den 
Hinteigrond gerückt eeL Der Heir Verfiuner widerlegt dieie Aaeidit «if 
du Qrfindliohete ni^ verteidigt seine Wafie in der feeten Übeneagmig, 
daÜB dieselbe noch immer eine wichtige Kolle in den wecbaelvollen Stadien 
der modernen Schlacht spielen werde. Ein frischer, vcUev Reitergeiat 
weht ans den Zeilen dem Le.ser entgegen. Es ist wohl nicht zu be- 
sweifeln, dafs jeder K^^itorsmann die in dem Schriftchen ausgesprochene 
Ansicht des Herrn Obersten als ihm aus der Seele gesprochen bezeichnen 
und den Worten zustimmen wird: „Man Uberaiebt ganz, dafs das moralische 
Element und der Keitergeist nach wie vor die Hauptstärke der Kavallerie, 
die Quelle aller ihrer Siege bilden und dafö eben im modernen Gefechte 
die geistigen und moralischen Elemente nne viel grObeze Bolle q>ielen, 
denn je snvor." — Die Frage der 6ew»fflBvag der SnvnUerie wird ein- 
gebend beloDchtet Hierbei wird die IVndemng gestellt^ die Kavallerie 
durchgängig nut eJnem guten Bepetierkarabiner anaiarflgten, am ,der an 
sie beiantreteaden selbststlndigen Verwendnng im Diosle der Strateipe'' 
Geniige leisten zu können. Über die Lanze hat der Bnrr Verfasser ein 
absprecliendes Urteil, welches auf eigene Erfahmngen als selbststftndiger 
Führer einer Ulanentruppe im Kriege sich gründet. Als Schlufebetrachtung 
seines Themas hat der Herr Oberst die Frage über die grofsen selbst- 
ständigen iStreiCzüge der Kavallerie auf weite Entfernungen (liaids) gewählt. 
Er hält dieselben auch '}eiii für sehr wohl möglich und namentlich ange- 
bracht „entweder in der Vorbereitungsperiode vor Eröffnung der eigentlichen 
Kriegsthätigkeii durch die beiderseitigen Hauptheere, odei* wenn dieselben 
an groCnn Festungen nnd venchansten Lagern mm Stehen gekommen sind, 
im sog. Positionskrtoge*'. — ^r wOnsehen der Sdbrift «Die KavaUerie in 
den Znkonftskiiegen" nhlreicbe nnd anfinerksame Leesr. Gr. v. Pt 

Ois Feld- ynd Gebirgt-Artillerle der europäischen Staaten Im Jahre 1890. 

Bearbeitet von Joseph Schubert, k. und k. Hauptmann im 
Artillerie - Stabe. Hierzu 16 Figurentafeln. Wien 1890. L. W. 
Seidel & Sohn. 

Das vorliegende Sanimelwt ! k giebt Aufschlufs Uber das Artillerie- 
Mat«'rial im engeren Sinne, die Leistungsfähigkeit der Geschütze, die 
Zu>a.uiiiien.set/.ung der Batterien und gröfseren Artilleriekörper, die 
Gliederung der Artillerie-lleserve-Anstalten, diu Ausrüstung der iiatterien 
nnd Reserve- Anstalten mit Monition, sohlieCslich über die in den 
Staaten organisationsmälhig vorhandenen Fdd- und Gebiigs-ArtiUerie- 
Tmppen. Die Artillerien der Grolsstaaten, sowie emiger Mittelstaaten 
CBchweden, Scbwriz, Spanien) nnd in einer Reihe sehr ttbenriefatlicher 
Tabellen behandelt, denen ein ergftnisnder textlicber T«l folgt. Der letstere 
unifafst auch die in den Tabellen nicht aufgenommenen Artillerien Enropas, 
als BelgieOi Bulgarien, Dänemark, Griechenland, Holland, Montenegro, 
Korwegen» Portugal, Rnmlbiien, Serbioi und Türkei. Die detaUliertai 



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JhmbM ja d«r Militli^Uttflntiir. 



. 121 



Figurentateln, wtklie dem Werke beigege!>en sind, ven'ollstiindigen das 
im Text dargestellte Bild der Einrichtunj^'en der verschiedenen Feld- und 
Gebirgö-Artillerien. Das vom Verfasser benutzte Quellenmaterial ist ein 
sehr reichhaltiges. Wir finden darunter ao&er den Dienstbüchern der 
OBtomiduacb'tiogariMlieR Artillarie 3 Werke betrefleod d» Feld-ArtiUerie 
DeaiecUaadfl, 7 aber äkgeiuge Eofl^ds, 5 ttber dkgenige FnwkreicliB, 
3 Aber die itelieniaohe Artillerie^ 8 ttber die mniMihe Artillerie, 2 von 
der Sehweis, 3 von Bebweden» 8 von Spenien, 1 Aber portugieeiiebe Artilleiie. 
Aulserdrai haben die Jahresberichte des Obersten LObell, sowie die ein- 
sehlllgigeit Zeitschriften Berücksichtigung gefanden. 

Die yorerwähnten Tabellen beziehen sich auf die Kanonenrohre, die 
Laffeten, die Protzen, Achsen und Rüder, die kompleten Geschütze, die 
Munitionswagen, die Munition, die Leistungofähigkeit der Geschütze, die 
Zusammensetzung der Batterien, die Munitionsausrüstung der Feld-Artilierie, 
sodann auf die Kanonenrohre, Laffeten, Munition, Leiblungsiahigkeit, Stand 
und Ausrüstung der Batterien der Qebirgs-Artillerie. Eine besondere 
TabeUe enthüt die Übersicht der Feld- und Qebirgs-Artillerie, Truppen 
der Vontiiienlalen Ghrobmäcbte^ sowie in aVgokOnter Weise diejenige der 
ttbrigen enropftisebeii Staaten. Die testlicben ErlHnternngen, sowie die 
FignrentaMn berücksicbtig«! bei Bnssland und der Sdiweis «nob die 
FeldmÖrser dieser Artillerien. 

Das Werk des Hauptmann Schubert zeichnet sieh durch oine grobe 
Beichbaltigkeit und Zuverlässigkeit der Angaben aus. Die Darstellung 
ist eine ungemein übersichtliche und gedrängte. Man kann wohl sagen, 
dafs die nur mit dem grSfsten Aufwand an Fleifs möglich gewesene Arlieit 
einzig dasteht. Ganz besonders mJkhten wir noch die troff] iclie Auswahl 
und Anschaulichkeit der Abbildungen hervorheben. Da> Werk wird sich 
nicht nur bei der Artillerie-Wafle, .sundern auch in weiteren militärischen 
Kreisen eines ausgedelmtcu Beiialls erfreuen. 18. 

Olt tcinifeiurlMbe Kirtogriphle ai der WtItauiitellHig in Paris 1889 uad 
Ihre neoen Ziele. Mit drei artistischen Beilagen. Von F. Becker. 
Fraoen&ld. J. Haber X890. Preis 2 M. 

Vorliegeades Scbriftchen, obwohl sonSobst nur gepLint, schweizer 

Karten, Reliefs nnd Panoramen zu besprechen, verdient auch bei uns ein- 
gehendes Stndinni seitens der Offiziere, namentlich derjenigen des General- 
staVtes. Wenn in der kleinen Schweiz, welche in der offi/.iollen Kartographie, 
in der Wahrheit der topographischen Zeichnung und deren getreuer, s( liiiner 
Wiedergabe durch den Stich, anerkanntermafsen an der Spitze aller Stiiaten 
steht, von dort aus ein Fachmann seine Stimme erhebt und zu weiteren 
Anstrengungen auffordert, vor dem „billig und schlecht'^ warnt, dem 
kttnstlerifichen Kupferstich gegenüber der geistlosen Photolithographie und 
HeliograTore das Wort redet, fttr die möglichste Verbreitung des Sarten- 
wslftndnisseB unter dem Volke plädiert a. a. m., so dttrfke das mntaüs 
mnlandia anch für nns Behenignng verdienen. Oder wtsiweehen wirkUeh 



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m 



ümehm ia d« lUlilii^ittanlv. 



unsere MefstischblHtter, schwai^z in schwarz, von den l>aclischen und sächsischen 
abj^esehen, dem Ideale einer toiwgraphischen Karte (blaues Wa,sj«r, braune 
Höhenkurven mit darill>er gele^n Farl'entÖnen)? Befördert der hohe 
Preis derselben und der „Karte den deutschen Kelches" ihre Verbreitung 
im Volke? Sind nicht die Oeterreicbischen, franzOoscben» italiflniadMii vaä 
aorwegi w hen OonentstabskartoB viel billiger? NamanUkii MUtm wir 
fom nülitSriaehen Staadpnnkte ans Beeken Meiaimg USkn, wean er ngi: 
«Wir sind der Anaifllit» dab das KarteBweeen in der Tolksselialo ge- 
leluri werden nnd dort das Ventlndnie fllr die Hauptwerke mieerer vatev^ 
llndiwben Kartographie geweckt werden soll; alle Bflrger sollen erae 
tOfMgiaphiMhe Karte verstehen können; jeder Bttiger sollte eine, wenn 
auch nur einfache Karte seines Heimatlandes besitzen, wie er seinf Gosetzes- 
saramlung und seine Zeitung oder seinen Kalender hat. ... In 15ozug auf 
die Einführung in das Volk durch das Mittel der Kartographie liegt noch 
ein grofseü Feld zur Bebauung vor uns und es liegt im hohen, volks- 
wirtschaftlich patriotischen Interesse, dafs es l>ebaut werde." Beckers 
Schrift bietet uns nach den verschiedensten Richtungen ernsten Stoff znm 
Nachdenken. O. W. 

Rang- und Quartier-Liste der Itönigliclt preiftisclien Armee fOr 1891. Mit 

den Anciennitäts-Listen der Generalität und der Stabsoffiziere. Nach 
de« Stande Tom 1. April 1891. Berlin. E. 8. Mittler Sohn. 

Nachdem sich bereits im vorigen Jahre die Notwendigkeit heraus- 
gestellt hatte, in Folge der gegen Ende des ersten Vieriie|jaIirB erblnraogs- 
mäHdg bMonden lahlveidien Personal-Teiftnderungen eine sweite Auflage 
der Bangliste nun X. April zn veranstalten, ist letsterer Termin fortan ak 
deijenige des Ersoheinflns derselben endgültig bestimmt worden; die Beog- 
liste ist fclj^ieli nnnmehr weniger dem Qesohick des Veraltens ausgesetzt, 
was jedem Besitzer derselben nur orwtlnscht sein kann. Die diesjährigen 
Veränderungen beziehen sich in der Hauptsache auf die im vorigen Herbste 
vollzogenen Neuformationen (Inf.-Rgt. Nr. 145, die neuen Batterien der 
Peldartillorie u. s. w.); auch ist zweckmässiger Weise die Anciennitäts- 
Liste vor den Reserve- und Landwehr-Offizieren eingefügt worden. Druck 
und Ausstattung sind, wie immer, vor/.tlglich. Ob sich nicht durch etwas 
grüfsere Sparsamkeit in der Ausnützung des Raumes der bis aut 10ö2 Seiten 
gewachsene Umfang dieses unentbehrlichen Handbuchs in Etwas ein- 
scbrKnken liefse, wtra der Erw&gong würdig, 2. 

Cisteilttsg und Standorte des dsutschen Reichsbeeres. Lehr- und Nach- 
schlagebuch der Organisation des deutschen Heer- und Marine- 
'WesenSi bearbeitet Ton Eeke, Hauptmann. IL Jahrgang (abge- 
schlossen am 34. AprU 1891). KssssL IL Bnunemann. 1891. 
Preia 1 M. 

Wir hatten sebon bei Gelegenheit des &scli«nens des 1. Jahrganges 
nns dahin gettnbert, dab dieses dnrchans mverilsBige Werk einen voll* 
süfadigen ÜberbJiek Aber die gesamte Organisation des dentsehen Ilssiss 



Luyitizuü by GoOgle 



UnuhM in dar Mm*a» -T iHitiif aiw. 



m 



und der Marine gebe. Der vorliegende, alle Vtuiindeiungeu des iet/ten 
Jahres berückfichtigende II. Jabi^ng ist noch l>*^iei( hert worden durch 
die Organisation der deuti»cb^ Scbutztruppe in OstatVika, die hier zum 
«iImi Uli« bmIi MütlMham Hatnkl fiKtUhntliobt wird. Wir empfeblen 
die Eoke'adM „fintoiliuig'' bwtcnt. 4. 

Mn de bitaille der Heere Europas. Einteilung, Süirke und Dislokation 
1. der deutschen, 2. der rassischen, 3. der französischen Armee in 
graphischer Darstellung. Leipzig. Verlag von M. Kühl. Preis 
jedes Heftes 1,50 M. 

Die vorlie'renden Tal>e!len, welche in siebenfachem Farbendruck die 
Friedens-Fonuation der genannten Armeen zum Ausdruck bringen, können 
als ein höchst praktisches HUlfi<mittel zur schnellen (Hirrsicht der StArke, 
Einteilung und Dislokation derselljen bezeichnet wt;rden. Die hier ge- 
Eoachten Angaben sind, soweit wir sie kontrollieren konnten, richtig; doch 
haben die jüngsten Veränderungen und Neoformationen des russischen 
He«r88 «oU aooh keim BerOolniobtigung geftuideB. Sehr duiktmtnti 
ist aoeh das aigehl^gte Veneidiiiis aftmtliober Truppenteile, nebet Be- 
Miebn^g der ChurBieonovie^ Armee-Oorpe, BifitioiieB; kider ist dem 
IIL Hefte (feaailVnBelie Armee) ein eolelies nicht beigaben inorden. 

4. 

in. Seewesen. 

AsRalee der Hydrograptile. Heft III: Nonr- Mothnd 0 zur Bestimmung 
des Poiarabstandeü eines Magnets. (Schlufs.) — Kirrn Tabelle Tieflotsnngen 
im nördlichen Stillen Ozean an der Westküste von Amerika, aosgefllbrt 
von Z. L. Tanner. 

MlriM-flMiKlM. Ntlt S: Über den Angriff von Schiffen auf Kflsten- 
beÜBstignngen. Vortrag gehalten in der MilitSrisehen GeseUschaft tu 
BerÜB am 18. Hin 1891 von Bctfcenhagen, Eoryetteii-Ka^tia. Oohlnlb 
des Viortngee in der niehsten Nnnuner, eine Kritik bleibt Us dahin ver- 
behalten.) Den in der Bondaehan enthaltenen lütteilnngen aus fremden 
Marinen entnehmen wir, da(s die englische Admiralität bei Vickers 
in Sheffield Stahlplatten von 12, 10, 9 und 8 Zoll (3U5, 254, 228, 203 mm) 
StUrke für das Panzerschiff „Centurion" bestellt hat. Bei den Barbette- 
schiffen I. Klasse soll der IBzölli^c (454 mm) Panzer in der Wasserlinie 
aus Com|K)undplatten, der Si'it onpunzer zum Si liutz der Nebenarmiorung 
aber aus Stahl bestehen. Stahl hat im XfaUich zu Compound im all- 
geraeinen bei 12 Zoll (305 mm) IMatlen bessere Resultate ergeben, wie bei * 
lö Zoll (457 uuu); deshalb auch dm Verwendung von Stahl in England.— 
Der vor knnem an die apanische Regierung abgelieferte Krenier 
„Pelago* ist anf den Werken der Oompagnie dee Feiges et Ohantiers in 
Im Bmga» bei Tbnlen gans aas 8lahl erbaut. Die Llnge betxSgt 105,6 m, 
Breite 80,2 m, Tie%an^ 7,5 m, Deplacemant 9900 Tonnen, indisierte Pfiorde- 



lU 



UmMhu in der MiUtfi^LitinatBr. 



krHft.e bei naförlichem Zuge 6800, Geschwindigkeit 15 Sm. In der Wasser- 
linie liegt ein Gürtelpanzer von 432 bis 281 mm starken Siablplatten. 
Die Armierang beHtehi aus zwei 32 cm, zwei 28 cm, ein 16 cm, zwölf 
12 cm, einsr AmaU 8diiielliiBa«^ vaä MuafahMngBBdiftliMii und 7 Torpedo- 
lanxionohren. — Von den in den Vereinigten' Staftton Nordamerikas 
in Anssidii genommenen Kriegncbifieni deren DimennoneOf Fanerong^ 
Azmierong n. s. w. tabeUaxieeb anfgefllbrt sind, Inlden besondere die 
Kasten-Scblaclitschiffe: Oregon, Indiana and Massacbasetts 
den wichtigsten Teil des neuen Scbiffbau-Programms. Das Deplacement 
dieser Schiffe betrügt 10,298 Tonnen. Ihre Bestimmung ist, den Kampf 
mit solchen feindlichen Schiffen aufzunehmen, die die schwerste Armierung 
und den schwersten Panzer besitzen. Der teilweise Panzergürtel erhält 
18 Zoll (457 mm) Starke, welcher in einer Hßhe von 2,3 m etwa 567« der 
Scbiffslünge bedeckt und von 76 cm tiber bis 1,54 m unter Wasser reicht 
Das Panzerdeck in den Scbiffsenden ist 76 mm, da^elbe Uber dem Gürtel 
64 mm stark. J3m Armierang bestebt aas vier 38 cm Gesebtttsen, paar- 
wwee in 482 mm starken, mit geneigten Pkttm gepaaierlen Tflnnen anf- 
geetdlt. Femer sind vier 15 em Qesehlltae voxgessben, die dnrob 1S7 mm 
Fsnxer gedeckt sind. 88 kleinere Schndltenei^geedrtltse and seohs Torpedo- 
rohre Tenrollständigen die Annierang. Die Maschinen * von 9000 Pfcrde- 
krftften sollen I674 Knoten und eine Seegeschwindigkeat von 15 Seemeilen 
ergeben. Skizzen erläutern die obigen Angaben u. s. w. — Einen wert- 
vollen Jifitrag zu dem Kampfe der Stablplatte mit und ohne Nickcl- 
zusatz gegen die Compound platte, wie er sich in letzterer Zeit ent- 
sponnen hat, liefert ein Autsatz in dem „Engineer" vom 27. 3. 1891, welcher 
den Vortrag des Herrn Barba, von der Firma Schneider in Creuzot, ge- 
halten vor der „inütitution of naval architectä*' bespricht und in deutscher 
ObMietsang hier wiedergegeben ist. 

■ttteiluagen m im BiMile dM titwtnM. Nr. S: Segelsport von 
Frans Freiberr v. Preoseben, k. and k. Linienschifls-PlÜmiiph. VeKÜMser 
bebt den erfreaÜcben Anftdiwnng, weleben dieser Sport in letster Zsit in 
allen KOstenlindefn genommen bat, bervin*. Der erste Teil dieses Auf- 
satzes entbftit den Entwickelungsgang des Segelsports in diesem Jahrbondert 
in Europa sowohl wie in Nordamerika; die Banart, Betakelung u. s. w. 
der ein/clnen Fahrzeui^e. Femer das Klubwesen und die Statistik der 
Yacht Hut li'n. So zlihlte Ende 189<i z. B. die gesamte franaööische Yacbt- 
flotte (die ungedeckten Lustfahrzeuge nicht miteingerechnet) 1049 Fahr- 
zeuge. Hiervon waren 337 Dampfyachten von zusammen 11,165 Tonnen 
Deplacement und 712 Segelyachten mit 8970 Tons. — Der englische 
t Tachtsport beisals zur genannten Zeit über 6000 Fahrzeuge von zusammen 

ca. 16j&,000 TonoMi Oehalt and einem Werte von rond 70 HOlionen 
Oulden. Dieee Yaebten besebllftigeii wübrend des Sommers direkt oder 
indirekt ca. 35,000 Meneeben. Die Veremigten Staaten Nordamerikas 
beeaben sa der Zeit 1857 Tachten, down Deplaesment jedoeb niofat genaa 
angegeben uk Deatsoblaad nnd üngani besaben 812 Tacbten mit 



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UwmiImui in dtv MUitfi^Littontiir« 



125 



5359 Tonnfin Deplacement. Schweden und Norwegen 243 mit 4872 Tonnen, 
Italien 63 mit 3961 Tonnen Deplacement u. a. w. — Neue Torpedo- 
krenser für BnssUnd. Infolge der TonOglicheii Leiatiuigen det Tor* 
pedokmuen nLieutenant Kasarsky* bei ieinor Überfthnuig von 
EUbing naeh Semtlopol hat die nusiacbe Btgienmg swei nene Kremer 
vom gleieben Typ bei der Finna Sehichaa in Beefcellang gegeben. Für 
dieselben ist ebenfalls eine Geschwindigkeit von Sl Knoten pso Stnnde bei 
ToUer Belsstong nnd vollen Kohlen (mindestens 90 Tons) garantiert. 

Rem MfltlM tt ColORlale. Heft 355: Organisation, GesebUfts Ver- 
teilung, Funktionieren der Marine-Centiall>eliurden fremder SeemUchte. 
IV. Italien, V, Rusaland, VI. Österreicb-Ungani (d OnritMi rle la Batie; Schlufe.) 
— Fortsetzung der Gp?*chichte der Krlf«; -Marimi des Altertums. Von 
M. Serre, Contre-Admiial a. D. — Das Budgt^t der deutschen Marine pro 
1891 — 1892 nach den Mitteilungen aus dem Gebiete des Seewesens vom 
Jannar 1891. — Submarine Geschütze nach den Plänen von Ericson 
nnd Torelli inr Kflstenverteidigang. Ein solclieB GeeobAts ist faeraitB 
in Betblebem in Aibeat DasBolbe soll ein Kaliber 16 Zoll, eine LBnge 
▼on 35 Fnb haben und von einem Fahnenge geüdirt weiden. Die 
25 Fnls langen PrqjektUe sollen eine Sprengladnng von 3—400 FAind 
Nitroglycerin erhalten und mit 25 Pfand Pulverladung etwa 700 bis 
lOOO Fab geaeUeodwrt werden. Diese D^ails sind aus dem Army and 
Navy Register vom 28. Februar entnommen. — Nach der „Rivista di 
Artigliera e Qenio" vom Februar und anderen Zt'itschriflen soll Torelli 
mit einem submaiinen Geschtttz schon im Como-See mit günstigem Erfolge 
exj>erimentiert liaben, und infolge der günstigen Resultate V^ersuche mit 
einem Geschütz von grOfseren Dimensionen anzustellen beal>sichtigen. 

Josrsal af tlM Royal Uiited tanrice IsiUtstieB. Nr. 159: Vortrag 
des Lord Bnss^ Aber die bessere Ansbildnng der englischen SeeofBxieKe 
bezüglich des Navjgiflrens mid Lootsens von Kriegssebiffen. — Die Kriegs- 
nanne nnd die jelat in der IfiAe Londons befindliehe maritime Ansstellnng. 
Von Kapitia 8. M. Eardl^-Wilmoi B. Dr., ein Artikel, der Streifliehter 
anf die versdiiedenen enropUischen Kriegsmarinen wirft nnd die Fortschritte 
dmnelben bttrvorbebt. — Ballons für Marine-Zwecke, eine englische Ober- 
setzung aus der „Internationalen Revue" über die gesamten Armeen nnd 
Flotten. Von Hauptmann J. F. Dani* !! R. M. L. J. 

Arny asd Navy Journal. Nr. 35: Aus dem neuen Elswick Gzölligen 
Scbnellfeuergeschütz wurden 2i\0 Schufs oefeuert, ohne daüs weder an der 
Laffeto noch dem Kohr u. s. w. Fehler bemerkbar wurden. Der Orrechoni, 
elektriHcher, dirigierbarer Torpedo, eine Kombination der besten Eigen- 
schaften der Lay- und Whitehead-Torpedos wird t>ehr günstig beurteilt. 
Derselbe bat einen elektiisiihsa Motor und wird, wie der Laysche Torpedo, 
dnroli Leinen gelenkt. Der vordere Teil des Torpedo entblllt die Spreng- 
ladung» der mittlere den elsktrisohen Apparat nnd der hintere den Treib- 
appamt. — Nr. SS: Li Nordamerika werte mit den Air Armee nnd Marine 
gefertigten ISsBlligen StaUgesohtttsen in nächster Zeit bei Sandy Hook 



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126 



UmtobM in der MUit&r-Litteratar. 



Schiefirvomulie nnfiuBOidflr Art itekUbden. — Dia finde April mi Stapel 
geliMene nordameriktiiiBebe Klatenvertoidigiinge-FeiiReug „UatAmif* von 
961' LBage, Braite, 14' 6" Tk/^gutg «Mi 4000 Tone Depbcemeiit» bat 
eiaea ISiülligea GlbrMpeiiier mitadofi and iriid eiae GeeciiiriadigkBit 

TOD 16 Heilen erhalten. Die Arraieining besteht aus zwei 12z0lligen Ge- 
schützen en l)arbette, letzteres 13 Zoll Stahlpanzer, Geechofsgcwicht 850 Pfd.^ 
Pulverladung 425 Pfd., zwei 10 Zoller en Imrbett« von 500 Pfd. Geschofs- 
gowicht und 250 Pfd. Pul Verladung. Sechs 6 Pfünder Schnellfeuerkanonen, 
vier 37 mm HotchkijM Be?olverkaiioneii and zwei 1 PfUnder Befles Tollenden 
die Arraierung. 

Army and Nivy Gazette. Nr. 1632: Die am 2. Mai d. J. durch 
S. K. H. den Prinzen vun Wales in London eröffnete erste Marine- 
Ansatellung ist sehr reichhaltig and intereasant and zeugt Ton dem 
grobea Litogeaae jedaa Englündeis ftr dk KH^ga-Hariaa. IKe leiftUt la 
die aogauaata FiaaUia'-OaUfiiM mit allao ia daa Ndndpolar-B^gloiMi ga- 
aaaamaltaa QegwiBtBndeti, damntar der SeUitlaa daa Kapitia Pany aaa 
dam Jatara 18S7, dia Ünioa-Taok, aiit walabar Flügge dar obiga Offinar 
bis 82* 45' n. Br. vordrang; ferner Soblittaa d«r „Alerf-Expedition und 
Polarkostttme; Eskimos-Kuviositttten u. s. w., femer eine Gemäldesannalaai^ 
zu welcher I. M. die Königin sowie der Prinz von Wales, der Herzog voa 
Edinbur^' iind andere hochgestellte Persönlichkeiten eine Anzahl Exemplare 
zur DisjKisition gestellt und wclclu' sämtlich auf die englische Marine 
Bezug iiaben. Eine andere ist die sogenannte Cook-Gallerie, enthaltend 
alle nautischen Instrumente, Signalapparate, die Leuchtapparate, Bogen 
für Markierung von Fahrwassem. Hierzu ein 170 Fuh hoher Leuebtiunu 
mit 5,000,000 KaiMnatKrka. Battongsboota n. a. w. MadaD-BaktioB flot« 
hattaad SoliiAnnodeUa dar lütaataa Xiiagaaofaiflb bia aar Hanaa&t. AftiHarie- 
Abtailnag mit Sohifl^gaaehtltiaa aaa dar Zeit KSaig Heinrioha VI. a. a. w. 
Ia dar ümgebaag daa GelAades befiadet sieh sooh ein Modell von Naboaa 
ftVkIoiy*, Torpedoapparata «. a. w. — Nr. 163S: Za Aa&ag daa Moaati 
Mai wurden in Gegenwart TOB eingeladenen Güsten aus Paris auf der 
Rhede von Havre mit den sogenannten Sims-Edison-Electrie-Torpedo 
Experimente aii?fTpf(ihrt, welche befriedigende Hesultate gegelien haben 
sollen. Der Toq)edokijrper aus Kupfer von 28 Pufs Länge und 22 Zoll 
Durchmesior soll in seinem Kopfe 500 Pfd. I)3'Tiamit führen, I^eitdrähte 
biß zu zwei englifwlien Meilen Länge enthalten und eine Geschwindigkeit 
zwi.>^clien 20 und 30 Knoten erzielt haben. Diese Exi>erimente sollen von 
dem Erfinder Mr. W. Scott-Sims in den englischen Gewässern bei der 
Insel Wigfat wiederholt werdaa. 

Bibllatiliqiia du Marine. Marines ütrangöres par H. Buchard, Lieutenant 
de vaiaaean. Paris. Berger-Lavraalt et Co. Librairea-Editeora 1891. 

Das umfiragreicbe Werk enthAlt eine allgamaiae Übersieht der eoro- 
pftischen Marinen mit Ausschlufs der franzSeischen, sowie die dar nord* 
amenkaniaoben, Immliaaiaohaaf ohiaeaiscbea, japaaaaäwhai a. a. w. aad 



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UmicbM in der lIUitfr-Littaiftter. 



127 



SUrke der Flotten, deren Tonnengebait, Dimensionen, Pferdekräfte, 
fiteaUigkeit, ArndenuRg u. a w. Ar einielnen SeliiAi n. s. w. Fenusr 
dM Badget , OrgaidiBtioii, Stitarke dei Ftnonals, Erziehungt- lud BildnngB- 
w o a n , dMselbe mit 80 Ta&ln Zeiolui«i|g«ii tob Unilbcmen ftr See- 
ofiBiMre u. s. w. Sodaim die snbnuriiiA Vsrtaidigniig der Kllaton; Auf- 
zeichnungen bmttglich der Handelsflotten der einzelnen Staaten n. s. w. 
Die Schrift ist zur InformatiOD der französischen Seeofßziere bezüglich des 
Standes der einzelnen Normen gesehrieben und erfOUt in dieser Bexiehang 
▼olbtindig aeinan Zweck. — 

Olt t«ll|lliMlt tMitorge Ii der deiUchei Kricgt-Miriat von Hellmuth 

Wiesener. Pastor prim. in SwineniUnde und eheinal%er Manne- 
Pfimrer. Qotha. Qustav Schloebmann. 1891. 

Dia Schrift babaadett in tean arstai Tifl dia Ga tt a n d iwt Orinang, 
im swaitan dia Butrnktion ftr den SdiUb-Pfiurtw auf den dantaJiBn 

Kriegs^hiffen und im dritten die Instruktion fttr den lluine-Oberpfarrer. 
Der üerr Verfasser bat sich, ähnlieh wie seine HeiTen AmtabrOder ftlr die 
Armee, die dankenswerte Aufgabe gestellt, einerseits denjenigen Kreisen 
des deutsclun Volkes, welche sich für das Lobon und Gedeihen unserer 
Kriegsmarine, spo.'ifll andi ffir ihr flu iisiliche*;, sittlich -religiöses Leben 
und Gedeihen interendieren, ein anschauliches Gesamtbild ihrer seelsorgeri- 
schen Verhältnisse vOr Augen zu ftlhren; andererseits den im Amte be- 
findlichen MarinegeiAÜichen, sowie den zur Se^lsorge auf den Schiffen in 
Beadahnng stellenden Offizieren u. s. w. eine Art praktischer Anleitung zu 
biatan. Es ist ihm diea in vollam lik6a galnngan« Dia beatlglioban Ana- 
fillirangan aind den tbataSahliohan VarblltnisBan antspreebend; dia Sprache 
dam Gegenstände angaoMBBen wttrdig und ernst und doch belebend» er- 
finsehand und wobltboand. Da der Reinertrag dee Werkes an Gunsten 
der „Deutschen Seemanns-Mission" Verwendung finden soll und die Schrift 
eiuena Zweige christlicher LiebesthUtigkeit gewidmet ist» so wflnschen wir 
der Varbnitong denelben das beste Gedeihen. H. 



IV. Verzeiclmis der zur Besprechung eingegangenen 

BIteher. 

1. Dm rUMm^lighiMt Mk HliMidi «n PnrfkM (Nr. 35) 1740 
bis 180& Von F. Taagliobsbaek, Hauptmann n. & w. Mit xwei 
farbigen üniformbildem und sieben GaHndeakiiMn im Text. Berlin 1891. 
£. 8. Mittler * Sohn. Praia 6 M. 

S. ttniM- mi tmMIcUM im dülSdWl QIMtri. Für an- 
gebende und jfliigare Offiziere des stehenden Heeres nnd des Beurlaubten- 
standes bearbeitet yon Sehaible, kgl. preob. Oberst a.D. Berlin 1891. 
Yerhg tou B. Bisenschmidt Pkeis 2»50 M. 



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128 



Unuehaa in der Militir-Litteratar. 



S. AiltltMii ar AMMIdvii VM Rrit|itailia. Von M«l«iitjef, 
Hauptmann im 125. Knnkseben Inf.-B«gi Ana dem Bnsstoehfln flbar- 
satct. Berlin 1891. Verlag rm B. Eunniefamidt. Fkeis 0^60 M. 

4. RlltidNkif am itr BnnirMM Vtit Betraebtangen nnd Br- 
innemngen Ton A. t. DrygalskL Berlin 1891. Yerlag von B. BiaeB- 
aebfflidi. FmIb 2 IL 

5. aaNtniMlnUiii. Lose Blätter snr Geschiebte der Entwickelong 
der militariseben Tracbi in Dentaebland. Hetansgegeben, genlebnet nad 
mit kunem Teste y ersehen tou Bicbard KaOtel. Baad IL Heft 1. 
Bathenow 1891. Verlag von H. Babenoen. Pteis 1,50 IL 

6. Msitkt't Hnniiitt Martttagtliltr 18. Iktelir 1888. Bin 

ErinnerongBblatt. Ah Handecbrift gedruckt. Berlin 1891. B. 8, Mittler 
ä Sobn. 

7. Britit Her Ziiütit lai BfftlttMtM ii dar Tirittl aus den 

Jahren 1835 bis 1839 von Helmnth v. Moltke, Hauptmann im General- 
stabe, sf^iter General-Feldmarschall. FUnfte Auflage. Berlin 1891. S. S. 

Mittler & Sohn. Preis 8 M., geb. 10 M. 

8. Olt rutsitchi AmM bd Aitbrach des Feldzuget 1877—1878. Von 

A. Pusy rcwski , kais. rnss. Generalmajor im Opnoralstah. Auton?leHe 
ÜV)erset/un^' ans dem Russischen von Frh. v. Tetiau, rremierlieutenant. 
Graudenz 1891. .Tu). Gaehers Buchhandlung. Preis 90 Pf. 

9. Ein Beitrag zu 1813. Die Belagerung? der Festung Simndau und 
damit in Zupainmeuliang stehende krief,'orische Ereignisse im Königreich 
Preufsen, vornehmlich in der Kurmark bis ^jefrcn Ende 1813 Mit Plänen 
und Beilagen versehen und nach Archiven und getfchi cht liehen Belegen 
bearbeitet von Karl G. H. B. Graf v. Rittberg. Graudenz 1891. Jul. 
Gaebers Bnchhandhnig. Preia 9,50 M. 

10. Das Garde-Scbützen-Batlillon. Ein kurzer Abrils seiner Geschichte 
von der Stiftung bia snr Jetztzeit bearbeitet im Auftrage und unter Mit- 
wirkung dea Bataillona-Commandeurs von A. Frh. von der Horat, 8ek.- 
Lieutttuat im Bataill<m. 2wdte Auflage. Ißt euiem üniformhilde und 
drei Hokaohnitten. Beriin 1891. B. 8. Mittler dt Sobn. Freie 1,20 M. 

11. Hndbicb Ür dti MJetiitoNliiit b«t Tnipptt Mi MMn von 

Borowaki, Hauptmann und PUtsm^jor in Diedenbofen. Bertin 1891. 

B. a Mittler Sohn. P^ 4,50 M. 

1t Kim AilaltiRi nm traktliclwi Rrakiarf ■ Mr «llltirltcte Zhnckt. 

Von SchnUe, Major k la auite dee Generalstaha. Zweite, durchgesehene 
Auflage. Mit zwei Figuren und einem Mabatab. Berlin 1891. B. S. 
MitUer & Sohn. Preis 1 M. 

18. Anleitung zur ErtelhiR| des mOndlicbti OlenttaRtarrlchtes. Nach 
pBdagOgiachoi Grundsätzen znm Gebrauche für die Unteroffiziere aller 
Truppengattungen bearbeitet von Rudolf Patrzek, Vioefialdwebel .d. B* 
Berlin 1891. K & Mittler & Sohn. Preia 50 Ff. 



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129 



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und Marine. Berlin 1891. E. S. Mittler k Sohn. Preis f) M. 

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etimmang von Ernst Lechner. Kiel und Leipzig 1891. Verlag voa 
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VH Die Savalleiie im heutigui Kriege. 



MMSierung ist heute nach vielen Richtun^n hin ein Schlagwort 
geworden, berechtigt nach einigen, anberechtigt nach anderen. Auch 
für die Ausichteilt die man über die Verwendung der Kavallerie im 
heutigen Kriege ausgesprochen findet, gilt dies min TeiL Ein 
Extrem haben wir zweifellos in dem, im September vorigen Jahres 
in der »fieTue des deux Mondes«, dann auch in Broschfirenform 
erschienenen ond dem brauchbarsten franiösischen Reitergeneral, 
de GaUiffet, zugeschriebenen Artikel >La cavalerie dans la gnerre 
moderne« zn erbliekeni welcher die Kavallerie ganier Armeen unter 
einem Führer soMinniengefafst, die Armee-Corps nur mit einigen 
Landwehrreitern auf requirierten Pferden ansgeetattet sehen möchte. 
Die genannte Broschüre sucht ihre Behauptongen nnd Wünsche 
anf die Er&hmngen dw napoleonisch eu Kriege in stutzen, auf sie 
mfissen wir daher zurückgreifen. Wir können uns in dieser Be- 
ziehung an nnsem Aufsatz im Oktober— Dezember-Hefte 1884 der 
»Jahrbücher fftr die Deutsche Armee und Marine« anlehnen, in 
welchen wir venneht haben, einen Vergleich zwisohen der Ver- 
wendung der napoleonischen Kaviillerie in den Feldzfigen der Jahre 
1805 — 6 — 7 und der friderizianischen im 7 jährigen Kriege an ziehen 
nnd deien charakteristische Unterschiede zo begründen. 

Der gewaltige Unterschied in Heeresersatz und HeeresgUederung, 
Verpflegnngssystem und Weite der Räume, Heeresgröfee nnd mög- 
liehe Energie der Kriegführung, Taktik nnd Geländebenutzung, wie 
er zwischen der Zeit Friedrichs des Grofsen nnd Na}K)leons, der Zeit 
for und nach dem Jahre 1796, das eine nene Ära der Kriegführung 
inaugurierte, bestand, ist zwar zwischen der modernen Periode und 
der napoleonischen nicht vorhanden, aber Eisenbahnen und Tele- < 
graphen, wirUiche Volksmassen beere, das Resultat des strenger j 
dnrehgeföhrten Grundsatzes der Allgemeinen Wehrpflicht, — nene ; 
Strategisohe Waien, — grtlndlioher durchgebildete Unterfllhrnng, '. 



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131 I>M KaT«U«rie im iMatigen Kriegt. 

aulaerordentlich yervollkommnete Bewaffiinn^ und neuos Treibmittel 
ohne Rauch, veränderte Kampfesweise und weit erhöhte Ausnutzung 
des Geländes — sehr verbesserte taktische Waffen — zwingen 
unsere Kriegführung doch zu einer aoÜBerordentlicheii £r Weiterung 
der napoleoniachen. 

Auch auf die Verwendung der Reiterei im modernen Kriege 
iiiüäsen die genannten Wandlungen EinÜufs üben, aber nicht in der 
Richtung, welche die obengenannte Broschüre vorzeichnet, znr 
Massierung der Kavallerie ganzer Armeen in einer Hand. 
— In Bezug auf die operative Verwendung der Kavallerie stehen 
wir entschieden in Napoleons Fufsstapfeu, ohne uns freilich zu 
Extremen in der Massierung von Kavallerie zu bekennen, die auch 
hei Napoleon wohl vorkommen, aber nicht die normale Verwendong 
bilden. 

Das Häufen von Reitermassen hat denGedanken der Schlachten- 
entscheidung durch Kavallerie zur Voraussetzung, der bei 
[ Napoleon thatsichlich stellenweise noch vorherrscht. Einer schlach- 
tenentacheidenden Thätigkeit der Kavallerie stehen wir heute 
aber mit Berechtigung skeptisch gegenüber. Napoleons Reitermassen 
haben — der veränderten Taktik und der Ausnutzung des Geländes 
halber — schon nicht mehr schlachtenentscheidend 7Ai wirken ver- 
mocht, das Schicksal der Tage von Aspern, Leipzig, Waterloo nicht 
gewendet, auch bei Jena nicht entschieden. Sollte dies heute, bei 
rauchfreiem Pulver, bei enorm verbesserten Feuerwaffen und noch 
intensiverer Ausnutzung des Geländes, eher möglich sein? Die 
Kriegsgeschichte ist uns, wie Meckel richtig ausspricht, bis heute 
den Beweis noch schuldig geblieben, dafs ausgedehnte operative 
Thätigkeit der Kavallerie mit Massenverwendung in der Schlacht 
sich unmittelbar verbinden läfst. Sclilachteneinsatz war schon in 
den Kriegen des Grofsmeisters der Schlachteuthätigkeit der Kavallerie, 
Friedrich des Grofsen, der Grund für das Fehleu zahlreicher aus- 
/ giebiger Verfolgungen; die Reitermasaon, die Napoleons glänzende, 
/ rastlose Verfolgung nach Jena ausführts n, waren in der Schlacht seihst 
' nicht zu energischem Elinsatz gelangt, da sie verspätet eintrafen. 

Nach der erfolgreichen Schlachtenthätigkeit der preuCsischen Kavallerie 
/ am 16. August 1870 war deren operative Thätigkeit am 17, und 
/ 18. August, wie wiederum Meckel bemerkt, gleich Null. Reiter- 
masseu werden heute eventuell zum Kampfeseinsatz in der Schlacht 
berufen werden; das aber wird mau dabei nicht übersehen dürfen, 
dafs die Chancen für ihren Erfolg ab, die für ungeheure Verluste 
bei dem raachichwaehen Pulver and den «ehr yerroUkomxaneten 



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Di» Kavallerie im beatigeD Kriege. 



132 



Waffen enom sogenoBimeii haben, dab meh dort, wo die Brenig 
ponkte der GntocHeidiiDg dindi Feaer liegen, meiit wohl fanini 
Baum findet für gewaltige BeitennasBen — nnd an den Banm- 
weehad snr richtigen Zeit knfipfen aieh die Lorbeeren der Betterei 
— dab man oe in der weitaus überwiegenden Hehnabi der Fille 
wohl unfähig zarfiekerhSlt fttr die operativen Aufgaben. — 

Damit kommen wir aof dieee zarllck. Wir bemerken hier 
gleich, dab wir Ton den eigentliehen Operationen sprechen, 
nidit yon der Periode der MohQmachnng nnd des strategischen 
AnfinaischeB, an deren Schnta ja swdfeUos schon die Mafinahmen 
anderer Staaten dam awingen konnten, an KaTallerie Alles n- 
sanunenwifanson, was nar Hand ist, anch nicht ▼on besonderen 
Fällen wie s. B. Yerfolgnug, uder Spesial-Aufgaben, wie sie Napoleon 
den 5 dnrdh den Sohwarswald Torgetriebenen, unter Mniat Tor- 
einigten Bdter^Divisionen in der Ittaschung des Gegneie, der Ter- 
sehleiemng des Linksabmaisches der Armee nnd der Bereiistellung 
derselben snr strategis c hen Umfassung, enteilte. Das sind besondere 
FUle, die auch hente noch mehrere Kavallerie-IKwonen in der 
Hand eines FQhrera Tsreinigen lassen würden. 

Für Kapoleon lagen swingende Gründe vor, seiner KaTallerie 
operative Aufgaben ansnwinsen. Gründe, die für den GboCran K&nig 
niebt vorhanden gewesen waren. Für uns sind diese Gründe noch 
swiugendere geworden, weil die Verhiltnisse, aus denen sie hervor- 
gingen, enorm gewachsen sind« 

In den Worten Napoleons: ȟne arm^ snp^rienre en eavalerie 
aora toujours Favantage de bien oouvrir ses monvements, d*6bw bien 
inatraite des mouvementB de ses ennemts et de ne s*engager 
qu'antant qa'elle le voudra«, spricht sich der Grundgedanke der ope- 
rativen Th&tigkeit der Kavallerie ans. Der durch die Bevohitionen 
erschlossene Born der nationalen Kraft, das Beservoir für den 
Bedarf einer Kriegfilhmng, die rücksichtslos wirtschaftete in Besug 
auf die Ansnutsnng der feindHchen und den Binsatc der eigeneu, 
Uiofater sa 6K|^hiaenden personellen und materiellen HSfimiittel, 
mdHch, da die Bevolntion dem natürlichen Grundsatae, dab der 
Krieg den Krieg emShren müsse, huldigte, das Abstreifen der 
Feesebi der tfagasinverpflegung gestatteten, wenn wir so sagen 
dorfen, die Strategie der weiten B&ume, diejenige, bei welcher 
es nicht auf das Znsammen sein sondern auf das Zusammenwirken 
der Krftfte ankommt. Bin dauerndes Znsammenhalten der weit 
vergröberten Heere erschien aasgeschlossen, Bflcksieht anf Ver» 
pflegung und Unterkonft, wie anf Lenkbarkeil und Bewegungs- 
los 



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188 



Di0 KavallMrie im keotigMi Kfi«giu 



sobnelligkeit Teranlafirte die Gliedernng der Heere in, zu selbetetandiger 
Bewegung und zn einem selbstständigen , zeitlich allerdings ' be- 
schränkten Kämpft befähigte Teile. — Scharnhorsts bekannter Satz 
wurde hier zuerst in die Praxis übeisetet — Trennung bild^ 
fortan, wegen ihrer Vorzüge in Besug auf Unterkunft und Vet^ 
pflegung während der Operationen, der Möglichkeit leichterer 
Direktionsverändemngen, so wie wegen der schnellereu Konzentration 
nach der Mitte und den Flügeln gQgenfiber der Schichtung nach 
der Tiefe auf einer Strafise, den normalen Zastand. Sie konnte 
aber wie ein zweischneidiges Schwert wirken, wenn nicht Vorsorge 
g -troffen wurde, dafs man den Moment der Kmiaaitrations-Notwendig- 
keit rechtzeitig erkannte, einem überlegenen und venammelten 
Feinde nie mit getrennten Teilen in S^chlagweite kam, andererseits 
aber auch nicht vorzeitig in die für Verpflegong und Vorwarts- 
bewegong kritische Vereinigung überging. 

Nnr die Kavallerie vermochte hier auszuhelfen, daher die uu- 
gehenre Steigerung der Bedeutung ihrer Thätigkeit vor der Schlacht. 
Sie wuchs aus strategischen und ans taktischen Gesichtspunkten: 
Die w^t TOrgröfserteu TIcere enengten höheren Druck, damit 
gröbere Energie der Kriegführung. Fehler im Kalkül mit dem 
Gegner wurden verhängnisvoller. Der Kalkül beruhte aber, neben 
der richtigen Beurteilung der militärischen Individualität des Gegners, 
auf den jedesmaligeu Nachrichten vom Feinde, die natnrgemäfs um 
so schwieriger zn beschaffen, je schneller die Bewegungen, je grdÜMr 
die Räume warsn. 

Napolson war, wie wir hier gleich bemerken wollen, in dieser 
Beaehung günstiger situiert als wir. Relativ geringere Streitkiälte, 
als wir sie heute auf einem Kriegstheater sum Einsatz bringen, 
gestatteten, berechtigtes Mifstranen in dal operative Verständnis der 
Unterführer (Sein Wort »H me fallait fitre partout ou je von 
lois vaincre, c*est la le d^ut de ma cuiras8e,€ ist bekannt) zwang 
dazu, die Corps, die et auf einem Kri^pschauplatz selbst führte, in 
seiner Hand zusammen an halten, freilich nicht in der Form 
eines untrennbaren Garnen, sondern als Kolonnen von Corps, die 
auf gegenseitige Unterstütznngsweite einander genähert waren. Wir 
sind dagegen, schon durch die, für die Beschleunigung der Mobil- 
machung und des strat^schen Aufmarsches, für Nachschub und 
Evakuierung ja unermelslidi wichtigen Eisenbahnen, dann aber auch 
durch die GrSise der Heere selbBt geawungen, durch die gründlichere 
operative Vorhildung der Führung aber anch befähigt, die Millionen-, 
beere von vomheretn in Gruppen von Armee-Ocips, Armeen, lu 



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IH« JLmSktk im Xiiift, 



zerlegen, die durch Direktiven des grofsen Hauptquartiers geleitet 
werden. Diese zunächst räumlich t^'et rennten Arnuen müssen, kon- 
zentrisch vorgehend, zum Schlage ganz, oder doch zum grofsen Teile 
vereinigt werden. Wie bei Napoleon, nur noch im erhöhten Mafs- 
stabe — eben weil die räumliche Treuuung eine viel gröfsere ge- 
worden, die Notwendigkeit der Versammlung zum Schlage aber 
mindestens dieselbe geblieben ist, — mufs uns die Kavallerie, vor 
die eigenen Bewegungen einen Schleier ziehend (»bien couvrir ses 
iiiouveiuentS'i) durch Nachrichten über das Wie, Wo und Wann der 
ieiiidliclien Massen (»etre hien instruito sur les mouvements de ses 
ounemis«) Mat-erial für die ISi hlij^se auf den Konzentrationspnnkt 
räumlich sehafiFeu. Die Priorität äes Orientiertseins über den 
Gegner hat eine durchschlagende Bedeutung, dem Feinde mufe da- 
gegen der Einblick verwehrt werden. W er zuerst die erforderlichen 
Nachrichten hat, während der Gegner noch im Dunklen tappt, 
vermag das Gesetz des Handels zu geben; er ficht wie ein Freier 
gegen einen Gebundenen. Daher die Bedeutung der Aufklärung 
und der Verschleierung. Die Füiirung bedarf dieser Nachrichten, 
die, nach Clausewitz, die Grundlage aller Ideen und Handlungen im 
Kriege sind, frühzeitig, um zu sehen, in wie weit der Feind dem 
Drucke der eigenen Mafsnahmen nach dem, von Napoleon bekannt- 
lich sehr frühzeitig und meist richtig kalkulierten Punkte für die 
Entscheidung hin folge, deu Konzentratiouspunkt strategisch günstig 
zu legen, die Vereinigung rechtzeitig eintreten, aber die Trennung 
auch so lange als möglich beibehalten zu lassen. Die Führung 
braucht diese Daten heute sogar frühzeitiger als Napoleon. Die 
Trennung ist eine gröfsere; verfrühte Vereinigung würde die Vorwärts- 
bewegung der heutigen lüesenheere auf längere Strecken aus- 
schliefsen, Direktionsveränderungen unmöglich machen; die Trennung 
mufs möglichst so lange beibehalten bleiben, bis durch einfaches 
Geradeaus die bei der heutigen Bewaffnung zweifellos günstigste 
Form des taktischen Angriflfs, die Umfassung, auf dem vSchlacht- 
felde erzielt wird; die gewachsene Bedeutung frühzeitiger und aus- 
giebiger Meldungen der Kavallerie liegt also auf der Haud. 

Aus diesen Anforderungen ergaben sich für Napoleon (und er- 
geben sich auch für uns) Gesichtspunkte von vitalster Bedeutung 
für die Verwendung der Kavallerie: 1. Er bedurfte Kavallerie 
weit vor der Front, bis zur Erkennung der feindlichen Massen vor- 
gehend. — 2. Diese Kavallerie mufst^, unabhängig von dem folgenden 
langsamer sich vorbewegenden Gros, nicht allein sehen, sondern sich 
den Einblick nütigeuialis auch erkämpfen können. Für Napoleon 



135 



JM« KivalMs Im heutigen Kri^e. 



lagen avek in dmor Booeliung die VeriiSttnisae sehr viel gfinikiger 
als hente. Seine Gegner lonten crafc ep&t seine opentiTe Verwendung 
der EnTtllerie, Veraettelnng der gansen Beiterd blieb bei iluen 
lange HegeL Weitere Trennung und grObere m bewegende MasMn 
mtoen anÜMrdem, wie acbon oben bemeikt, die Fabrang hente 
frflbseitigere Meldungen TerUngen lassen. Als ISnheit für Kampf 
und Bewegung entstand bei Napoleon die EaTallerie-DiTiaion, 
aelbilstindig gemaoht durch die Bewaflbung der Kavallerie (aas> 
achlielaliDh Kfiraaaiere, die erat 1818 pro Schwadron ein Drittel 
Karabinsr haben) mit dem Karabiner und die Bogabe reitender 
Artillerie. Der potenzierte Gedanke einheitlich« Verwendung 
mehrerer Dinsionen sum Zweck der Kampfverwendung von Reiter- 
maasen, ja, wie BchoD oben bemeikt, derjenige der Sehlaehten- 
entaeheidung liegt atellenweiae in den KaTallerie-Gorpa au8> 
gesprochen, eine Gentralisation, die wihrend der operativen Th2tig> 
keit beachrftnkend wirken konnte. Die Kiiegsgeaehiehte bietet 
Beispiele genug dafür, dals dieae Kavallecie-GorpB für die operative 
TbEti|^t in ihn Einheiten zerlegt wurden, andere anch, in denen 
man sie nicht vor der Front verwendete, sondern ala Reaerve, d. h. 
Sdilachten-Kavallerie, folgen liefe. Eine Grdre d. d. St Qoud 
SOi September 1806, setzte Murata Kavallerie-Gorpe ans 2 aehweren, 
3 Dragoner^Divisionen (von denen eine allerdings erst im November 
gebildet wurde) und 2 leichten Brigaden, nominell mit 4, faktisch 
mit 8 Begimentem, zusammen. »II y aura ^ la reaerve de cavslerie 
aoua lee oidrea dn prince Mnrat, deux brigades de huasarda et de 
ohasseurs. üne ssra command^ par le g^n^al Laaalle, Fantre par 
le g6a4anl Uilhand. Celle du gäieral Lasalle aera compos^ des 5. 
et 7. de husaarda, oelle dn g^n^ral Milhaud des 11. et 18. ohasseura. 
Par oe moyen le 1. 8. 4. 5. et 8. corpe n*aurait ehaeun que 3 r^giments 
de cavalerie leg^ le 7. n*en aura que 2. Lea regimenta de ees 
brigadea de cavalerie legdre peuvent dtre ehanges quand ila aeront 
iütiga^« (Hier haben wir gleich anch noch eine Andeutung über die 
Zuteilung der Kavallerie an die Corps, denen die genannte Broeehfire 
sie ganz nehmen will.) Und wie verwendet Napoleon diea Reiter» 
Corpe 1806? Er verstiela — nnd das ist der Grund, weshalb bei 
dem Vormarsch gegen die Saale nicht dieselben Erfolge der Anf- 
klarnng durch Kavallerie wie 1805 beim Vormaiach gegen Ulm er- 
zielt wurden — gegen den Grundsatz, die ganze Kavallerie, ao weit 
die greisen gemisditen Einheiten ihrer nicht bedurften, vor der 
Front SU haben. Die Resultate der AnfklSrung blieben hinter denen 
von 1805 weit snrBck, obwohl mau, wie Gneiseoau sagt caelbige (die 



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Dto KmIMt im hMBMgn Wtkgt, IM 

Kavallerie) preufsischerseita so zerstückelte, dafs sie nachher nirgend 
eine kräftige Wirkung thuen konnte« (auf 700() Mann Infanterie der 
Divisionen kamen 17(X) Pferde). Thatsache i.st, dafs Napoleon 1806 
die Gewifsheit über das »Wie, VVo und Wann« nnd die Mafsnahmen 
der feindlichen Hauptmassen, so dringend erforderhch gerade bei der 
geplanten Form der strategischen Umgehung (da man doch wissen 
uiufs, wo der äufsersto Punkt des Flügels liegt, den man umgehen 
will und was dahinter steckt) relativ spiit und nicht durch 
seine Kavallerie erliielt. Bis zum 12. abends, ja bis zum 13. 
früh 9 Uhr, also kaum 22 Stunden vor den Entscheidungsschlachten 
des 14. dauert seine ÜQgewüiskbeit, dann heiibt es endlich: »Enfin 
le yoile est dechire.« 

Wenn wir uns Napoleons Plan für diesen Feldzug klarlegen, 
so durchzog denselben der Gedanke: »taktische Niederwerfung der 
Prenfsen, Abdrängen derselben nach Norden, fort von ihrer Ver- 
bindaug mit der Hauptstadt und dem weitereu llinterlande, Trennung 
von den zugesagten russischen Verstärkungen, d. h, Druck auf die 
linke preufsische Flanke«. Napoleon wufste (die von Foncart »Ca- 
valerie dans la campagne de Prnsse« mitgeteilte Orientierung der 
kommandierenden Generale der 3 Seiten-Corps der 3 Kolonnen ver- 
dient besondere Beachtung), dafs bei Weimar Truppenkonzentrationen 
stattfanden, er hielt aber zunächst Erfurt für den allgemeinen Ver- 
einigungspnnkt, glaubt die Sachsen im Flankenmarsch dorthin be- 
griffen und hoffte, dieselben en flagrant delit zc überraschen. Dies 
und die Defileen, die zu durchschreiten waren, wurde der Gnxnd, 
dafs er die auf die 3 Straüaen Amberg — Hof, Bamberg — Kronach— 
Schleiz — Gera und Wtlrzburg — Coburg — Gräfenthal — Saalfeld verteilte 
Armee, da er mit dem rechten, den weitesten Weg habenden Flügel 
zn spät zu kommen denkt, mit dem Zentrum eiligst vorausgeht, 
wahrend der rechte Flügel als Staffel folgt. Dadurch erweiterte 
sich die Ton der Kavallehe aufzuklärende bezw. verschleiernde Zone 
sehr bedeutend. Dies war um so gefährlicher, als die vorn zur 
Verfügung stehende Kavallerie an Zahl relativ gering war. Napoleon 
befiehlt, wie uns Foncart mitteilt, dies wohl nur an die vor die 
mittlere Koloime TOigeschobene Kavallerie Murats und zwar bis mm 
11. Oktober, «n wdebem Tage, wie Foncart sagt, die Vereinigung 
folliogen, die einzelnen Kolonnen auf gegenseitige ünterstützungs- 
weite einander nahe gebracht waren. Ein Befehl d. d. Bamberg 
7. 10. 10 Uhr vormittags segt, Murat solle die leichte Brigade LasaUe 
(2 Regimenter) möglichst zusammenhalten, Watier (Corps- Kavallerie 
dfli 1. Corps, Seiten« Corps der mittleren Kolonne) beläüst ihm 



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287 ^ EATAUerie im beatigen Kriag«. 

3 Regimflnter, Ueibt mit eiimn vor ihm; UUhaad mit einem Regiment 
linke» ImbUo mit einer AUeihing rechte eollen Mine Fbnke lidwni. 
Morat hat elio, da die 3 Regimenter atarke Brigade Leealle doeh 
auch mit einemTeQe wie bemerkt linke eiohem edU, knapp 4 Regimenter 
in der Hand; von einem Yornehen der 8 leiehten KaTallerie-Begi- 
moiter dea UT. Corps (das in der 1. 3 Corps dUeoden mittteren 
Kolonne in sweiter Linie mareehierte) iet nicht die Bede. Hont 
ist wiederholt gezwungen, um der AnfUftrang die nötige Breite in • 
geben, die Regimenter bis anf 1 oder 8 ans der Hand sa lassen* Eine 
MaMisfitng im Sinne der mehrfach genannten Broeohfire kann man 
diee nieht wohl nennen. Rechnen wir selbet die Brigade Tieilhaids des 
V. Cörps (Seiten-Corps der linken Kolonne, dessen kommandierender 
General Lannes für Anfkttrung selbst an sorgen hat and nicht aber 
die Katalletie des hinter dem Y. also in aweiter Linie marsduenndea 
YH. Corps Terfagen konnte, jedenfidls nieht verfügt) hinin, so 
staadeD, da Milhaad soniehst nur Aber die 13. Chsssenrs Torfügte, 
mr Anfkttraug und Deckung von 10 Molen IVont nnd Flanke nur 
malimale 37 Eskadrons (die Regimenter naeh Poncart an 8 Bskadrons) 
sar Yerfügang. Dabei mffigte aber Lannes ttber seine KavaUerie 
selbstattndig. Diese weite Ausdehnung und relativ geringe Stibrke 
Marals h&tte einem Gegner, wenn er mit je 1 KaTaUerie-DiTiikw 
auf den HauptstnUaen vorging, erlaubt, spielend den Schleier lu 
dnrchstoliien« FQr Anfklftrungs- nnd YersehleierungsSwecke wurde 
hier nieht genug gethan; einem Gegner gegenüber, der nach unseren 
modernen Grondsfttnn seine Kavalleiie verwendet hfttte, würde sich 
diee bitter gerächt haben. Wir betonen hier wiederholt, wir brauchen 
dies Faktum für den 3. Teil unserer Eiliuterung, daCi nirgendwo 
anf die Kavalleiie der in aweiter Linie mavsohierenden Corps sufftck- 
gegriffen wurde. Eine Kavalleiie-DiYiaion anf jeder der Haopt- 
straben war hier am PktM, wo die schwaohe . leftohte Kavallerie 
durchkommen mufete, in den Defileen kam sie erat leeht dnreh; die 
Kraft sum Durchbruch und die SeLbslstindigkeit der Bewegung 
wSre dadurch gesichert gewesen, direkt an das groise Hauptquartier 
meldend, hftttoi diese Divisionen wohl die erforderlichen Nachrichten 
geschafft Am Abend dee 8. Oktober befand sich dagegen die Spitze 
der Kavallerie-ReserTe (8. und 4. Dragoner-Division), während die 
Teten von 4 Imchten AnfklSnmgs-Regimentem in erster Linie schon 
die Saale erreicht nnd bei Saalburg, unterstützt durch das 27. leichte 
Infanterie-Regiment die anserstörte Saalebrücke genommen hatten, 
noch 45^60, mit der Queue noch 89 — 98 km vom Gros entfemi 
Gewill hat Napoleon später versucht, die Reserve-Kavallerie in die 



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Di« Ktmlkm im hestigca Kii«ffe. 



138 



erste Linie zu ziehen, aber von der grofsartigen Thätigkeit von 
Kavallerie-Corps, wie sie die genau uto Broschüre im Auge hat, ist 
nicht die Rede. Murat komuiandierte thatsachlich eine nicht einmal 
sehr starke Kavallerie-Division und die Aufklärungszone, sehr grofs 
für die zur Verfügung stehenden Kräfte, erreichte bei weitem uicht 
das Mafs, das sie vor der Front einer uuserer heutigen Armeen 
aufweisen würde und auch nicht dasjenige, welches Foucart fiir die 
Ausbreitung der Kavallerie vor der Front bei Napoleon als normal 
(mindestens 50 km) angiebt. 

Eine Besprechung der Publikation Foucart« iui M. W. (Nr. 97. 
1890.1 behauptet u. a., zur Rettung der zweckmäfsigen Verwendung 
der Kavalleriemassen Napoleons in dieser Phase des Krieges, dafs 
die Dragoner- Üivisiou Beaumont bei der auf Saaiburg vordringenden 
Kolonne (also der mittleren) zwischen der Teten- und 2. Division 
des I. Corps (also des Teten-Corps) eingeschoben gewesen sei. 
Stimmte dies auch, so wäre sie dort doch nicht an ihrem Platze 
gewesen; sie gehörte in die erste Linie, wo mau ihrer dringend 
bedurfte. Im übrigen ist diese Ansicht, wie sich aas Foucart selbst 
ergiebt, auch nicht zutreffend. Muratü btabs-Äief Belliard und 
Murat selbst meiden d. d. 8. 10. 10 Uhr abends, dafs Murat mit 
Watier zur Erkundigung nach Saalburg vorgeritten, vorwärts Ebers- 
dorf die 2. und 7. Husaren und die 5. Cliasseurs, rückwärts des Ortes 
das 27. leichte Infanterie -Regiment und 3 Geschütze belassen, 
Lisalle auf Hof, Milhaud in der Richtung auf Saalfeld vorgetrieben, 
Watier ihn mit den L Husaren begleitet habe. Beaumont erhielt 
durch Belliard, Murats Stabschef, den Befehl — also nicht Bernadette 
— am 9. in Ebersdorf zu sein. Nach Meldung Bernadettes vom 8. 
war an diesem Tage seine Teten-Division schon in Saalburg, Rivaud 
in Ebersdorf, Dupont in Lobenstein. Beaumont kann also an diesem 
Tage nicht zwischen Drouet und Rivaud marschiert sein. Bernadettes 
Stabsquartier ist am 9. in Saalburg, Murat mit seiner Kavallerie 
und der Teten-Brigade Bernadottes in Schleiz, Murat berichtet, dafs 
er Beaumont den Befehl erteilt habe, am 0. nach Ebersdorf und 
Lobenstein zu gelangen, die übrigen Divisionen der Reserve-Kavallerie 
sollten mit je 1 Tage Abstand folgen, Bernadottes Teten-Division 
Drouet kämpfte bei Schleiz, Murat hat dort zunächst nur das 
4. Husaren-Regiment zur Stelle, die 5. Chasseurs treffen später ein, 
Watier geht mit ihnen abends nach Lohma. Wenn Beaumont 
hinter Drouet folgte, so hätte Murat ihu spätestens zur Verfolgung 
nach dem Schleizer Kampf zur Hand gehabt, unter nicht absolut 
ungünstigen Verhältnissen sogar für den Kampf selbst. Daüs dies 



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139 



Die KATaUttie im heutigen Kri^ 



nicht der Fall war, ist aolum an Beweis dafOr, dalk Beanmont auch 
an diesem Tage nieht hinter die Teten-Division Bemadottoa ein- 
geschoben war. Einen bestimmteren Beweis sehen wir noch in der 
Meldung Mnrits d. d. 10. 10. S Uhr Tormittafi^: »Domain matm 
(soll wohl heilsen oe matin, da er von dem spricht, was am 10. 1(X 
thatsicblich anageftihrt wnrde) le g^a^ial Lasalle avec S regiments 
de tronpes legdres se rendra & Sehleis ik 5 henras dn matm, le gendral 
Beanmont j sera, j*espere, a 8 henres dn matin;« und in der Dis- 
lohationa-Angabe für den 9. 10.: 8. Dragoner-Division Röppisch, 
4. Dragoner-Division Steinwissett, 1. schwere Kavallerie-IMvision 
Kiips Q. s. w. Es liegt entschieden eine Verwechselnng mit der 
4. Dragoner-Division Sahne vor, die thatsichlieh mit Davoost schon 
2 Tage maradiierte, als ihr am IS. 10. 4 XThr vormittags von Napoleon 
der Befehl sngesendet wnrde, mit demselben anf Nanmborg an sehen. 
Am 10. 10. ist Lasalle in lÜttel^POUnita, die 3. Dragoner>Diviaion 
in Tömmelsdorf, Mnrat sor Hand, mit dem sie andi, nach seiner 
Meldung in der Bichtnng anf Anma maisehiert ist, das 1. Corps 
mit 2 Divisionen vorwSrti GfitterUts. Lennes hatte für das Gefecht 
von Saalfeld 2 IsMite EavaUerie-Regimeoter an seiner Verffigung, 
Augeraas Kavallerie wird ans der 3. Linie nieht vorgezogen. Auf- 
fallend sind hier veraehiedene ErseheinangeD an dem Oefisehtstage 
von SaaKeld, beseiehnend ist es vor allein fttr das nicht hinreidbende 
Orientiertsein Napoleons, dafs er die Bedsntnng des Gefechtes von 
Saalfeld, insofern es f&r die Umgehung der linken prenfnschen Flanke 
die Bahn brach, noch nicht erkannte. G^erade hier w8re es einer 
starken fntnsSsisclien Kavallerie möglich gewesen, Aber Rudolstadt 
um Kxanichfeld hemm ansbiegend, die ganzen am 
10, abends noeh be fo hlenen Veribidenmgsn: Komentration Hohen- 
lohes swiachen Jena und Weimar und das Zurückgehen der Hanptp 
Armee auf Weimar, einausehen. Napoleon vrar am 12. noeh immer 
der t)berzengung, dab die preulaisehen HauptkrSfta bei Gera oder 
nSrdlieh davon an suchen snon. 6brade dieser Irrtum Napoleons 
hätto, bei einiger Energie anf Seiten der preufeiBehen Heeresleitang 
die Rficksuglinie nach Berlin noch immer o£Fen gelassen. AuiUIend 
muls es fmer erscheinenf dafe die beiden Kavallerie-B^gimtfiter 
Lennes nicht um den rechten Flügel dar anf Rudolstadt— 'Blanken- 
borg weichenden Trümmer der Avant-Garde Louis Ferdinands herum- 
sahen. Aufiallend ist weiter, daDs Murat, der sich anf dem Wege 
nach Pöfeneck — Saalfeld befand, nnd den Kanonendonner hörte, 
doch einer Ordre des Kaisers gemäfs, die nicht mehr Geltung haben 
konnte, in entgegengesetzter Richtung auf Auma ging, aof- 



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Dii bmUKto im bnlig« Krii««. 



140 



fallend endlich, dafs Milhand, der von Mnrat noch 1 Regiment der 
am 10. zu ihm ^estofsenen Division Beaimiont erhalten hatte und 
vorwärts Pi»fsneck stand, Murat zwar Nachrichten über das Gefecht 
von Saalfeld und den Rückzug der preuCsischen Truppen auf Orla- 
münde sendet, aber keine seiner Patrouillen an die Saale heran 
beziehungsweise darüher hinaus schickt, um festzustellen, was hinter 
diesen Truppen steckte. Am Tage nach dem Gefecht von Saalfeld 
ging sogar, da eich die Aufmerksamkeit hauptsächlich anf Gera — 
Zeitz, und auf die Strafse nach Jena nur bis zum Rand des Saale- 
thales riclitete, die Vorbewegung auf Gera fortgesetzt wurde und 
(las V. Corps, links gedeckt von 2 Regimentern unter Milhaud, 
sogar den Flankenmarsch Saalfeld — Neustadt ausführte, die Fühluug 
mit dem Gegner völlig verloren, obwohl Lasalle, der mit 2 Regi- 
mentern auf Zeitz und Leipzig aufklarte, mit der Bedeckung einer 
Bagage-Kolonne zusammenstiefs. Murat standen in dem 28 — 30 km 
breiten Raum zwischen Elster und Saale, einschliefslich der 3. Dra- 
gouer-Division, die doch wohl nicht ihre ganze Stärke bedurfte, um 
die Stralsen Greufsen — Naumburg und Eisenberg — Naumburg zu 
beobachten und mit ihrer Teten-Brigade in Laugenberg angelangt 
war, nunmehr mindestens 7 — 8 Regimenter zur Verfügung; auf 
Jena — Apohla beziehungsweise Kahla war speziell für die leichte 
Kavallerie I. Cor|)R ein kurzer Ritt. Ein eifrig betriebener Auf- 
klärungsdienst in der linken Flanke würde, • — was Murat allerdings 
nicht wissen konnte, — deshalb besonders gute Resultate ergeben 
haben, weil Hohenlohe bei Jena gar nicht über Kavallerie verfügte, 
und bis zum 13. früh in völliger Ungewifsheit über die französischen 
Bewegungen blieb. Auf die 4. Dragoner-Division, die mit Davoust 
marschierte, wiesen wir schon hin. Davoust hatte seine leichte 
Kavallerie, Sahne hatte, am 11. früh aus dem Biwak südlich Auma 
abmarschierend^ an diesem Tage noch bis gegenüber Kahla ge- 
langen können. 

Das Zurückhalten der Reserve-Kavallerie rächt sich bis zur 
Schlacht von Jena, wo verspätetes, tropfenweises Eintreffen zu 
konstatieren ist, ja selbst für die Verfolgung kamen die Divisionen 
zum Teil nicht so rechtzeitig, wie es erwünscht gewesen wäre. 

Im Jahre 1805 traten die Nachteile der Massierung von 
Kavallerie in einer Hand nicht deutlich hervor, obwohl wir auch 
hier Beispiele für solche tinden. Wir erinnern an die Tage des 
8. und 9. November, wo Kutusow unter dem Schutze von 8 Re- 
gimentern Kienmayers nicht allein den Übergang über die Brücke 
Tou Krems ohne Verluste vollzog and dieselbe dann anzündete, 



141 



Die E»TftUeri« im heatigtn Krieg«. 



eondern «loh Hant» die 2. tehwere KttvaUai^-Diviaion zu qpU 
enteendend, Mgar die Ffihlniig mit dem Haupigegner verior and 
sieh von Kienmayer auf Wien naehsieben UeCk Die hShmaeb* 
earkaetisclie Rüge Napdleons, über welcbe er am 11. sn quittieren 
hatte, war die Folge. Beseiebnend für die Nachteile von Kayallerie- 
Corpe encbeint nos auch das Faktum, dab Napideon, wenn er 
besonders schnell Nachrichten haben wollte, selbstBOndige Beiter- 
Üetachements mit deren Beschaffong beauftragte, die an ihn direkt 
SU melden hatten« Wir erinnern femer an den 5. NoTomber, 
wo Murat» der eine leichte Brigade, eine KVrassier- und eine Dragoner^ 
Division in der Hand hatte^ an der Anrieregarde Bagiations nach- 
haltigsten Widerstand fand, was ja erklirlich sein mag, ihn aber 
doch nidit zu hindern branehte, um die Flfigel der Anrieregarde 
herum su sehen und dadurch sowohl ihre Stärke als daa was hinter 
ihr vorging, d. h. den Absng Kutusows an erkennen« In breiter 
Front selbststSndig voigebend lültten diese Divisionen im Verein 
mit derjenigen Davousts, entschieden mehr Nachrichten gesobafit 
Nicht hinreichend nach vom ausgreifende Aufklärung war auch 
die Ursache der Katastrophe Mortiers bei Dfirrenstein; Verlieren der 
Fühlung m^t dem Gegner verschuldete Kutusows unbehelligten 
Donau-Übergaug. Und wieder am 14. November gab Murat, bei* 
Stockeraa einen Bubetag machend, keine besonders gltteklichen 
Proben für die Leistungen eines starken Kavalleiie-Oorps. Wir 
können es wenigstens nicht als eine Musterleistnng der Kavallerie 
ansehen, wenn die vorhandenen 4 Reiter-Divisionen und die leiebte 
Brigade TreiUuurd des V. Corps unter Murat nicht einmal den 
ernstlichen Versuch machten, &ber Emstbrunn oder noch weiter 
links ausholend, in die linke Flanke des Gegners su sehen. Nach 
dem Übergänge Aber die Wiener Bracke stand Murat auf der 
kürxeren. Verbindungslinie mit Znaym; es war mSgüch Kutosow 
von Mähren absudrängen und sum Schlagen su bringen, somal 
Beraadotte mit iVs Corps und 1 Kavallerie-Division von Krems 
aus in Eilmärschen die Bussen drängen sollte. Morels Leicht- 
gläubigkeit, indem er sich durch eine, von dem auf Znaym weichen- 
den Kutnsow auf die StraCse Wien — ^Znaym entsendete Arrieregarde 
unter Bagration aufhalten liefe und nicht einmal durch seine 
Kavallerie grflndlich ansah, wie stark Bagration sei, was sidi hinter 
diesem volliog, verschuldete, im Verein mit Bomadottes Lässigkeit, 
das Scheitern des Planes. Selbstrtändige Divisionen, vom Ober- 
Kommando mit Weisungen versehen, hätten anch hier Besseres 
geleistet. 



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IH» KmlMA Im hmtifBB K^kagt, 



U2 



Im Dezember 1806 bieten sich, als Napoleon, wie die Verhält- 
nisse lagen, mit Recht für den weiten Kriegsschauplatz, auf dem 
er die Russen und Prcufsen erwartete, 2 Armeegruppen bildete, 
von denen die eine gegen den linken Flügel der Preufsen, die 
andere gegen den rechten der Russen operieren sollte, um beide zu 
trennen, bei dem der nördlichen Grupiie zugeteilten nnd aus einer 
Kürassier-. 2 Dragoner-Divisionen und 3 leichten Regimentern be- 
stehenden Kavallerie-Corps unter Ressieres weitere Beispiele. 
Neben der Aufgabe, das Gelände vorwärts und seitwärts vom 
Feinde zu reinigen, den Gegner über die VVkra zu werfen und den 
Übergang Soults und Augeraus über die Weichsel, Murais über den 
Narew dadurch zu erleichtern — Aufträge, von denen der erste. 
Dank den Verhältnissen bei den Verbündeten, ziemlich ausreichend, 
der andere ungenügend von Bessieres erfüllt wurde — war ihm 
auch der Auftrag geworden, die Stellung der rassischen Armee, die 
nach Davousts Meldung von Pultusk bis Willenberg reichen sollte, 
baldigst zu erkunden, den rechten russischen und den linken 
preuüsischen Flügel genau ond schnell festzustellen. Dieser sehr 
wichtigen Aufgabe, deren Resultat auf den angegebenen Plan 
Napoleons einen entscheidenden EinflnÜB haben mufiBte, hat Bessieres 
Kavallerie -Corps nicht entsprochen. Er mufste, nachdem das 
VIL Corps in Plonsk, das T. in Biezun war und unter Sicherung 
gegen Pultusk und Willenberg über Ciechanow oder Przasnicz auf 
Pnltnak vorgehen, statt am 25. und 26. Dezember unthätig in 
Biesan sa bleiben. Das zögernde Vorgehen des Bessieresschen 
Kavallerie-Corps trägt den Hauptteü der Schuld dafür, dafs Napoleon 
vom 24. bis 26. Dezember unter ganz falschen Voraussetzungen 
handelte (Siehe Bulletin 45 der grande arm^e und Befehle aus dem 
Kaiserlichen Hauptquartier ?om 26. früh), dafs Napoleons Konzen« 
tration gegen Golymin eine verfehlte wurde« die Entscheidungs- 
schlacht gegen die Russen dort ein Traum blieb und Napoleon am 
26. thatsäcblich, besonders mit dem IV. Corp«, einen absoluten 
Luftstofs machte* Blieb doch Na]^oleon am Tage von Goljmin mit 
dem IV. Corps und einem Teil der Garden im Marsche anf Cie- 
chanow, wo er merkwürdigerweise die Reserven der russischen 
Armee vermutet, während er sonst immer Pultusk als den Ort 
bezeichnet hatte, wo die Entscheidung des Feldzugs faUen sollte 
und auf den er doch nur 1 Corps (V.) dirigierte, das im eigent- 
lidien Sinne des Wortes geschlagen wurde. Bei einigem Eifer und 
zweckmafinger Verwmdnng der Kavallerie-Massen Bessieres mufste 
Kapoleon spitestens am 25. Desember die Lage klar aberseheo. 



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143 



Die KftTallerie im bentigen Exioge, 



Selbststiiiidige Kavallerie-Divisionen mit ausreicbenilen Weihungeu 
der Ober-KoDimnnciüs vei^sehcn, hätten diese Klärung wohl sicher 
geschafft, das Kavallerie-Corps stellte eine Zeutruiisfttion dar, die 
schon deshalb schädlich wirken mnfste, weil sie nur die reiterliche 
IndividuaUtät eines Führers (und hier keine besonders glückliche) 
zum Ausdruck kommen liefs. Nicht einmal die Verbindung nach 
rechts hat Bessieres aufrecht erhalten. Wenden wir uns nun der 
Südgruppe zu, so finden wir auch hier einige Thatsachen, die nicht 
gerade lür die Vorteile des Znsammen fassen» von Kavallerie-Divisionen 
zu Kavallerie- Corps von grofsem Umfange zu sprechen scheinen. 
Nachdem der Übergang ül)er den Narew erkämpft war und die 
zersplitterten rusnischeu Kräfte, ohne sich zu einer kräftigen und 
aussichtsvollen Offensive entschliefsen zu können, für den Zweck 
des Zeitgewinns viel zu hartnäckigen Widerstand geleistet hatten, er- 
wartete Napoleon, bei Nasielsk auf eine starke, von mindestens 
30,000 Mann besetzte Stellung zu treffen. Diesem Gedanken ent- 
sprachen seine Anordnungen für den 24. Davoust, der nach dem 
Übergang sofüil geradeaus gegangen (er hatte für den Vormarsch 
merkwürdigerweise eine Marschordnung angenommen, nach welcher 
die leichte Kavallerie des Corps und eine Dragoner-Divisiou au der 
Tete der Division Friand, eine andere Dragoner- und eine Kürassier- 
Division an der Queue marschierte) und Launes, welcher nach der 
Überschreitung des Narew rechts ausgebogen war, sowie die Garden 
sollten zum Angriff beziehungsweise auch Widerstande bei Nasielsk 
zur Verfügung sein. Napoleon dachte sich nämlich einen russischen 
Offensivstofs, um die Franzosen m den Narew zu werfen, nicht un- 
möglich. Der Rest der Kavallerie- Reserve sollte Wkra aufwärts 
den Anmarsch des VII. Corps auf Kolozomb sichern, mit der leichten 
Kavallerie desCorpa in V^erbindung treten, aufserdem aber baldigst die 
Ausdehnung des russischen rechten Flügels festzustellen 
suchen. Im weitereu Verlauf sollten das VII. Corps und die Kavallerie- 
Reserven auf die Verbindungslinie der Russen nördlich Nasielsk treffen. 
Als der Gegner bei Nasielsk nicht in der erwarteten Starke gefunden 
wurde — ein Beweis dafür, dafe die Fühlung der französischen 
Kavallerie mit demselben nach dem Gefecht verloren gegangen war 
— wurde für den 25. eine neue Disposition gegeben, nach welcher 
Lannes, unterstützt durch die Dragoner-Division Becker, auf Pultnsk, 
wohin ein, wie Napoleon dachte, schwacher Teil der Russen zurück- 
gegangen war, vorgehen, Davoust mit seinem Corps und der 
Dragoner-Division Beaumont in der Bückzugsrichtuug der Uaupt- 



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Dm KtTilkito im h«ntig«B Xtkg«. 



144 



kräfte Ober Stregozin folgen, Augerari den Anmarsch über No- 
wiemaado, Soiilt über Soclinczin vollziehen sollten. Die Reserve- 
Kavallerie sollte auf dem linken Flügel hernrngreifen und aufklären. 
Das letztere war allerdings dringend nötig, da Napoleon in der 
That nicht wnfste, wohin die Huui^tkräftt? der Russen zurückge- 
gangen waren, auf Puitusk oder auf Golymin. Es gelang dem 
starken Kavallerie-Corps nicht, diese doch unbedingt notwendige 
Angabe 7.n schatten; es meldete jedenfalls (ein Beleg dafür, dafs es 
nicht w» it genug hernnigefafst hat) den rechten Flügel der Hanpt- 
kräfte dicht bei (tolymiu. Auch hier hätten unserer über/eugung 
nach selbststUndige Kavallerie- Divisionen hinreichend ausgebreitet 
und mit entsprechenden Weisungen versehen, zweifellos mehr ge- 
leistet. Napoleon disponiert nun unter der Annahme, dafs Bennigsen 
bei Golyrain stände und als wenn Buxhöwdeu, dessen Heerteil mit 
Bennigsen vereinigt den Russen doch eine nicht unbedeutende ITber- 
legenheit geben mufste, noch gar nicht heran wäre. Der Kaiser — 
und das ist wieder ein Punkt, der anf das Schuldkonto des 
Kavallerie-Corps Murat und Bessieres geschrieben werden 
mufs und bei einem energischen Gegner für die Franzosen ver- 
hängnisvoll werden konnte hatte von der Annäherung des Heer- 
teiles Buxhöwdeu nichts erfahren. Für den 26. plante Napoleon 
den konzentrischen Vormarsch auf Golymin. Das III. Corps sollte 
von Stregozin, das Vll. und die Garden aus der Richtung von Sonsk, 
das 1\\ über Ciechanow, die beiden in Murata Hand noch vereinigten 
Kavallerie-Divisionen — die Zerlegung des zunächst weit gröfsercu 
Kavallerie-Verbandes Murats hatte sich schon von selbst ergeben — 
von Slubowoaus gegen Front- beziehungsweise Verbind nngsli nie Goly- 
min — iMakow der Armee Bennigsens vorgehen, während das V^. Corps 
die Richtung auf Pnltuak beibehielt. Die russischen Hauptkräfte 
standen bei Piiltusk, die Konzentration auf Golymin war eine ver- 
fehlte mangelhafte Aufklärnng und Spuren von Unthätigkcit bei 
den grofsen Kavallerie-Körpern tragen die Hauptschuld. Der Plan, 
den Napoleon auf die Spionen-Narbrichten hin — denn Spione und 
nicht seine Kavallerie-Corps brachten ihm diese — dafs die Russen zer- 
splittert und von den Preulsen getrennt stünden, gefafst hatte, schnell 
pinen entscheidenden Schlag zu führen, wnnle bei « iolyniin begraben. 
Der ursprüngliche Gedanke, auf dem rechten VVeichselufer nur eine 
Basis mit genügendem Hinterland zur gründlichen neuen Vorbereitung 
eines Krieges gegen Russland zu gewinnen, trat wieder in sein 
fieoht Die Onica- YieUeicht die Omulew-Linie sollte noch ge- 



145 



K&TAÜerie im heutigen Kri^e. 



wonnes, wenn dar Gegner bei Hakow Stand hielt, dort neHadit 
aneh nocli ein Schlag T6nneht Huden, Am 88. wird Mnimt av 
Yeifolgung beriehungsweiae aomDiSagen aehwSoherer, aa voiaichti- 
geiem Yer&hzen gegen atirkeie Kiifle voigeaddckt; auf dar Stnlee 
Pnltoak-OitroleDlai war adhon eine Dragonar-DiTiaion in Bewegung. 
Mnxat tritt den Yofmaradi auniohat mit 2 leichten Brigaden nnd 8Dia- 
goner-DiTiaionen anf einer Stmba gegen Hakow an* Äla die 
leichte Brigade Watier hinsntritt, aieht er eich nach eonem Briefe 
an Naf^leon gezwangen, allein lehon aoa YerpflegungorllekricfateDf 
daa Goxpi in 8 Kdkmnen an lerlegen, die jede eme lädite Brigade 
an der Tefee hahen und an deren mittlerer noeb die Kfiraaricr^ 
Divieion Naaaonty hinantritt. Die reehte nod mittlere Eohmne 
▼erfolgten konaentrieeh anf Boahan lanfende Wege, die an dem 
Ponkte der griSfirtcn dflkini^ der Winkel-Sehinkel 4 km von ein- 
ander entfernt waren, gegenteitige UnteiatAtBong dieaer hddea Ko- 
lonnen alao erlaubten; der Abstand der linken Ton der nuttlerea 
Kolonne betrug 12 — 13 km, iwiechenliegende SOmpfe nnd Wnwwr 
l&ofe schloeaen die gegeoaeitige UntentOtanng ana. Nach Hnrati 
eigenem Gest&ndnis war ein aueammengehaltenea KaTallerie- 
Gorps nicht zn ernähren. Daa iat einer der Pankta, die gegen die 
Bildnug grofaer Kavallerie-Corpe sprechen. Ans den Torstehendeu Bei- 
spielen lassen deren sich übrigens mehrere herauslesen. Eine Masse 
Ton KaraUerie, wie sie die mehrfach genannte Brochure ja aus der 
Reiterei ganzer Armeen zusammengesetzt zu sehen wfinscht, ist nicht 
aliein schwer zu ernähren, sondern ihre Bewegungen sind auch 
schwerfallig nnd ihr Einsatz erfordert Zeit. Wir erinnern in dieser 
Besiehung an das Kavallerie-Corps der preulirischen 1. Armee 1866. 
Sie hat auch weitere Schäden. — Die Deckung der breiten Front 
einer Armee, sagt Meckel mit Recht, fordert eine Ausbreitung und 
eine Verwendung der KaTallerie-Divisionen nach verschiedenen Rich- 
tungen. Nor das Ober-Kommando kann diese Richtungen bestimmen 
(Murats YerfSshren in einseinen der oben angefahrten Beispielen und 
dessen Resultate speziell auch bei Krems beweisen deutlich, wohin 
es fahrt, wenn der Fahrer eines Kavallerie-Corps sich nach einer 
anderen Seite sieben läfst, als das Ober-Kommando dies wünschen 
mufs. Die in dem Massieren liegende Zentralisation kommt gerade 
in solchen Fällen iu ihrer Nachteiligkeit zum Ausdruck. Ähnliche 
Beispiele lassen sich übrigens noch mehrere ans der Geschichte der 
napoloonischen Kriege herausfinden.) Ein Kavallerie - Corps- 
Kommando, welchem die nach verschiedenen Seiten auf verschiedenen 



L>'iyuiiiL,J Oy 



Die Kmllnie im hentigao Kxiqge. 



146 



StrafaeD sich bewegenden Kavallerie-Divisionen unterstellt wären, 
würde eine unnütze vielfach hinderliche Zwischenbehörde sein. Man 
denke sich die vor der Front einer noch iu den OpirationKbe- 
wegungen begrilfenen, nicht schon zum Schlage enger zusammen- 
gezogenen Armee ausgebreitete — und Ausbreitung ist doch sowohl 
zur Aufklärung, als zur Verschleierung dringend erforderlich — 
Kavalleriemafise und diese nur einem Führer unterstellt. Solleu 
die Meldungen von den weitest vorgetriebenen Abteilungeu auf den 
Flügeln auch erst über das Kavallerie-Corps-Kommandü au das 
Ober- Kommando gehen, das sie dann in diu meisten Fällen auf 
einem grolsen Umwege, also verspätet, erhält — zweifellos zum Nach- 
teile der Unmittelbarkeit der Meldungen und des V^orauseilens in 
Bezug auf die Handlung, die sehr grofse Vorteile der Kavallerie- 
meldungen vor anderen Nachrichten bilden — oder direkt an das 
Ober-Kommando, und das Kavallerie-Corps- Kommando unorientiert 
lassen? Die Breite des Frontraums einer marschierenden Armee 
verbürgt zudem durchaus nicht, dafs der Führer des grolsen 
Kavallerie-Corps mit der Hauptmasse gerade da ist, wo er im ge- ' 
gebenen Augenblicke mit ihr zu wirken hatte; übersehen kann der 
Corps-Commandeur den weiten Frontraum erst recht nicht. Wie 
lange würde es dauern, bis die hinter der Mitte zusammengehaltene 
Masse auf einen Flügel die zum Überwältigen des Widerstandes etwa 
erforderliche Unterstützung bringen könnte? 

Die (operative, die Einheit für Kamjit und Be- 
wegung der Kavallerie mufs die Division bleiben, ein 
Zusammenfassenzn Corpsempfiehltsich durchaus nicht. — 

lö. 

(SohlnA folgt) 



JkhrbüciMr Ifir ü» Dtatacb* AmM and Uuiü». Bd. LJLXX.. ». 



11 



Vin. Taktische Rückblicke 

aui dieScbiachteii den deutech-ti'anzösisclieii Krieges mit beson- 
derer Berück sicbtiguug der Ver>vendung der Artillerie. 



(F<Mrt00tntig.) 

Die Schlacht bei Beaugeiicy am 8., 9. und 10. Dezember. 

Am 8. Denmber moigens waren die FranzoBea bereits vor 
Tagesanbnieh in die ihnen asgewieaenen Torbereiteten Stelinngen 
eingerSckt Die 22. Infimterie-DiviMion erhielt daher, ab sie in der 
rechten Flanke dnrch die 8. KavaUerie-Biigade gedeekt, mit ihrer 
rechten Flltgel-Eolonne — 5 Batsillone, 8 Eikadronen, 3 Batterien 
— Ton Onsoner le Marchs anf Cranmt Torrflckte, ans der Gegend 
▼on Poisly sehr bald Fener. Ein gegen die länie Boigny — Sedenay 
— >Hontaouri8 erfolgender, ven ArHUefie nntentfltster Angriff der 
2. DiTirion des XXI. Gorpa werde Ton 4 BataUbnen der Infsnterie- 
Regimenter Nr. 94 und 95 nnd den bei Villermatn aufgefahrenen 
3 Batterien, denen spiter noch die 3 Batterien der linken Flfigel- 
Eolonne sn Hilfe kamen, abgewieeen, worauf die letstere unter dem 
SchutM der durch die 4. Eavallerie^Dirision inswisehen verBtärkten 
rechten B^lonne ihren Vormarsch yon Chat Coudray auf Crayant 
fortsetate und um 1 Uhr die Verbindung mit dem schon lange 
Zeit im heftigaten Eampfe stehenden I. bayerischen CorpS/ her- 
steUte. 

Dort hatten 2 Bataillone mit 5 Batterien der 2. Division den 
?on Villechaumont über die grolse Strafee gegen Beanmont vor- 
gehenden Feind snrnckge werfen, worauf der Grolshensog, beim 
Herannaben der 22. Division, um 12 Uhr das Vorgehen der 2. baye- 
rischen Division von Beaumont gegen Villechaumont und der 
17. Division gegen Beaugency befahl. Die 1. bayerische In&nterie- 
und die 2. Eavallerie-Division verblieben in Reserve. Die Einleitung 
nnd Unterstfitsnng dieses Angriffes durch eine möglidist starke 
Artillerie unterblieb. 8 Batterien der Artillerie-ReBerve, selbst eine 
Batterie der Angriffs-Division und alle der 1. Division wurden snrflek* 



TaktiMlM BflekbliAke auf die 8cldtioht«D v. •. w. 



148 



gehalten. Bei der grofsen numerischen ('lierlegenheit der Franzosen 
gewifo ein f^rofser Fehler, der die Infanterie viele Opfer kostete und 
den Erfolg schon von Haas aus um so mehr in l iage stellte, als 
überhaupt nur schwache Kräfte, nur 5Vi Bataillone, eingesetzt wurden, 
5Vj Bataillone mit 1 Batterie bei Beaumont und iistlich des Ortes 
in Reserve verblieben; 3 Bataillone der Division waren anderweitig 
verwendet. So kam es, dafe die trotz des heftigen Feuers der feind- 
lichen Artillerie und Infanterie bis an die groüse Strafse siegreich 
vorgednmgenen Bayern vor dem Gegenstofs der durch die 1. Division 
des XVI. Corps verstärkten Division Boquebrune (die 1. XVII. Corps) 
auf Beaumont zurückweichen mufsten und nur das linke Flügel- 
Bataillon sich in le Mee zu behaupten vermochte. 

Jetzt erst wurden, zur Aufnahme der geworfenen Truppen der 
2. Division von den noch verfügbaren Batterien der Artillerie- 
Reserve 4 wehst 1 der 1. Infanterie-Division, zwischen Cravant und 
Beaumont, die 3 andern östlich des letzteren Ortes in Stellung ge- 
bracht. Zu demselben Zweck gingen 8 Bataillone der genannten 
Division vor und Hefa die Angriffs-Division — 2. — ihre noch in 
Reserve gehaltenen Truppen, 4Vj Bataillone und 1 Batterie — 
1 Bataillon war schon früher nachgerückt — eingreifen. Gleich- 
zeitig trafen auch die beiden reitenden Batterien der dorthin ent- 
sandten 2. Kavallerie-Division auf dem linken Flügel der Bayern 
ein und rückte die bayerische Kürassier-Brigade auf Messas. Ihre 
beiden Batterien verblieben mit den 3 Batterien der 1. Division und 
der reitenden der Artillerie-Reserve in Reserve. Allerdings wurden 
die Franzosen jetzt wieder über die Chaussee zurückgetrieben und 
die Deutschen konnten sich abermals an der Chaussee festsetzen, 
aber der frühere Erfolg war die Veranlassung, dafs jene, nunmc^hr 
aus der Defensive zur Offensive übergehend, ihre Batterien auf beiden 
Flügeln des XVII. Corps, bei Villechaumont und Villeneuve ver- 
stärkten und sich anschickten die deutsche Gefechtslinie bei Cravant 
XU durchbrechen, als sehr zur rechten Zeit — gt'gPii 1 Uhr mittags 

— wie berichtet, die 44. Brigade der 22. Division anrückte, Cravant 
and Layes besetzte, während ihre 3 Batterien die Vortruppeu des 
Feindes aus Beauvert vertrieben. 

Wäre der erste Angriff der Bayern mit dem grofseren Teile 
der 2. Division — zur Besetzung Beaumonts genügten 2 Bataillone 

— und von sämtlichen Batterien dieser Division und der Artillerie- 
Reserve event. sogar von denjenigen der 1. Division unterstützt, 
eingeleitet und gründlich vorbereitet worden, so dürften die Erfolge 
k^om ausgeblieben sein, starke Verluste wären erspart und die 

II» 



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X49 Taktische ß&ckblicke auf die Schlachten des deotscb-frauz. Krieges 

Dflchillekaide 1. Infanterie-Divirion intakt geblieben, vor allem aber 
ein groCser moraliscber Erfolg errungen worden sein. Audi ^iter 
macht rieh diese eichtllche Sehen vor dem Einsetsen der 
gesamten Artillerie noch mehrfach empfindlieh richibar. So 
Itam ea, dab, ab die Batterien der l. Divirion endlich in die 
Fenerlinie einr8ckten, die 5 Gravant annichst stehenden schon stark 
gelitten und vor dem überlegenen feindlichen Fener hatten zurück- 
gehen müssen. Wiederholt wnrde hier wie bei Loignj gegen den 
ersten artilleriatischen Grandnta, üBbBr alten ümstibiden tob Hans 
ans fib erlegen anfintreten, veratolaen. 

Unter dem Sehntse der 8. KaYalleiie -Brigade gingen die 
Batterien der 44. Infanterie-Brigade ans ihrer ersten Stellung sehr 
bald in eine neue bei BeauTertf in der rieh gegen 2Va Uhr die 
8 Battmien der 43. Brigade und die beiden rritenden Batterien der 
4. Karallerie-DivisioB mit ihnen Tcveinigten nnd d^ Kampf gegen 
die bedentend flberl^gene, etwa 60 Oeschfttse lihlende Artillerie 
des Gegners bei la Vniette und la VilleBne «nfiiahmen. Die reitenden 
Batterien mnlsten indessen bald znm Mnnitions-Bnnti nach Montiguy 
zurückgehen, wo die beiden andern Brigaden da KaTaflerie-Dimion 
die rechte Flanke deckten. Sie gaben hier später bri le Carrefonr 
einige Schüsse gegen 2 in der Flanke anreitende KaTallerie-Regimenter 
ab, doch hätte diese Gefechtsthätigkeit sie kaum Yon der Rückkehr 
in ihre frühere Aofstellong zurückhalten dürfen, da hier die Gefechts- 
lage eine recht gefährdete and die Yersiarkong der Artillerie sehr 
nötig war, namentlich als die Franzosen um 3 Uhr mit starken 
Kräften einen Vorstofs gegen Cravant unternahmen, der zwar mit 
Hilfe eines bayerischen Jäger-Bataillons abgeschlagen wnrde, doch 
aber vorübergehend Vorteile errang und die Veranlassung war, dafe 
die 2. und 4. Kavallerie- Division in eine abwartende Stellung hinter 
beide Flügel der 22. Infanterie-Division herangezogen wurde. Die 
Cravant zunächst stehenden 5 bayerischen Batterien waren, wie 
bereits erwähnt, genötigt gewesen, wegen starker Verluste aus dem 
wirksamsten Feuerbereich des Gegners zurückzugehen und wurden erst 
nm 4 Uhr durch 3 Batterien der 1. Division verstärkt, als sich zugleich 
die 1. Infanterie-Brigade in die Gefechtslinie an der grofeen Strafse 
einschob. Wir weisen dicserlialb auf unsere früheren Bemerkungen 
nochmals hin. Wiederum wurde, n<H h ehe die nunmehr verstärkte 
Artillerie eine Feuerwirkung zu iuifsern vermocht hätte, ein Angriff 
gegen die Hölien /.wischen Cernay uml Villevcii unternommen und 
abermals durch neu auftretende Ver.stärkungen des Feindes ab- 
gewiesen. Die eitichütterteu bayerischen Bataillone wurden auf 



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mit iMKHid* Beraduiohtigiug der Verwendang der Artillerie. 150 



Beanmont zurückgeworfen, die nachstofsenden Franzosen mafsten 
aber vor dem Feuer der ausharrenden Batterien zurückweichen und 
bei einbrechender Dunkelheit Mee und ViUechaumont ihren Gegnern 
wieder überlassen. 

Weiter südlich hatte die 17. Division die am 7. eroberten Ort- 
schaften zur Verteidigung eingerichtet und den abziehenden Gegner 
mit ihren Vortruppen bis Les Vallees ujul Villeneuve verfolgt. Als 
gegen Mittag der Befehl des Grofsherzogs zum Vorrücken auf 
Beaugency eintraf, ging die Av;\nt^mrde auf der Chaussee vor, 
während 2 Bataillone mit 2 Batterien das Gros Messas angriffen, 
den hartnäckigen Widerstand der Verteidiger aber erst bei Eintritt 
der Dunkelheit vollständig bewältigten. Zu gleicher Zeit hatte die 
Avantgarde ihre beiden Batterien gegen die Höhe nordöstlich von 
Beaugency in Stellung gebracht, denen zur Rechten später die 
beiden Batterien des grufsen Seiten-Detachements bei La Margottiere 
auftraten uud die bei Venion stehenden feindlichen Truppen- 
Ansammlungen beschossen. Der in dieser Weise vorbereitete 
Infanterie-Angriff gegen die erstgeiiuimte Höhe gelang, sie wurde 
{genommen und behauptet, bald darauf auch das vom linken Loire- 
Ufer aus durch 8 Batterien des IX. Corps beschussene Beaugency 
nach hartnäckiger Gegenwehr besetzt. Durch einen nächtlichen 
Angritf wurde der Feind dann noch aus dem die rechte Flanke 
bedrohenden Dorfe Vernon vertrieben. — Das Gros der 17. Division 
hatte am Abend in der Umgegend von Meung Quartiere bezogen, 
auf dem linken Loire-Ufer die Spit/e der 25. Division am I^acb- 
mittag Maulnes an der Strafse nach Blois erreicht. 

Im Hauptquartier des Prinzen Friedrich Carl waren im Laufe 
des Vormittags Nachrichten eingegangen, welche besagten, dafs 3 
oder 4 Corps des Gegners auf Bourges und Vierzon zurückgegangen 
seien, am Nachmittag desselben Tages die Meldung des zur Armee- 
Abteib]!"4 entsendeten Ober - Quartiermeisters eingetroffen, dafs 
letzterer anscheinend mindestens 2 Divisionen gegenüberständen, 
dieselbe am Abend aber durch miindhchon Bericht über den Ver- 
lauf der Kämpfe des 8. Dezembers ver\ uUstäudigt. In Folge der 
erstgenannten Angaben entsehlofs sich der Prinz, an dem Vormarsch 
durch die 8ologne festzuhalten und befahl, dafs da.-i TU. Corps mit 
der 1. Kavallerie-Division am lU. die Loire überischreiten und am 
12. La Chapolle d'AngiUon, das IX. am linken Flufs-Ufer bis 
Blois vorgehend, mit der Armee-Abteilung in glt ielK'r Höhe bleiben, 
dann aber, sich links wendend, am 13. Mennetou 8ur Cher erreichen 
solle. Das X. Corps sollte ursprünglich seine weiter Torgeschobene 



151 TMktIb» BM/cHmA» uf di« SeUathtw dM draMpflnin. Kciagw 

30. Divinon ent «n 10. nach Orltes henuuieheii, anf den mnnd» 
lidi«! Berieht des Ober-Qnartienneutsn &bte der Frins aber eiiu 
baldige Unterstfltnuig der Azmee-Abteilaiig ins Auge und elellte 
dam genaimteD Goipi anheiin, die 20. Divinon lehoii am 9. in 
Orleans sa Yeieimgen. Als dann ana dflm grolsen Hauplqnartier 
die Weianng dnging, dai wiehtige Vordringen der Aimee-AbteOnng 
auf TouTB zn beKUeonigen and lelstere so schnell als mfi^ich 
dnrch mindestens 1 0ifision sn Terstirken, entscfalols sieb der 
Prinz, den Vormarsofa g^gan Bouges anfsogebsn und alle Ter- 
filgbaren EiSfte rar VeiatSrkang der Armee-Abieiinng eimoseteen. 
Die Befehle des Torhsrgehenden Tages winden daher wieder abge> 
ändert nnd am 9. Desember um 10 IJhr früh das X. Corps ange- 
wiesen, atte in und bei Orltos befindlichen Trappen sofort naeh 
Menng Tonoftthren, Qeneral y. Alvensleben, eine T^ppen-Abteilang 
bei GKen stehen an lassen und mit dem HL Corps nnd der 1. Ka- 
vallerie-DiTision in EUmüiachen naeh Orleans znrfloksiikehren, die 
6. KaTallerie-DiTision mit ihrem reehten Flflgel mit dem anf 
Vienne vorrüekenden IX. Corpe Fflhlong an nehmen und dnroh 
ihren linken Flügel, wie bisher, im Cher^Thal anfklSren sa 

Ins wischen hatte sich bei der Armee -Abteilnng bis lom ISn- 
treffen der ?oistehenden Mitteilungen die Lage ebenfidls wieder 
Terindert. hk der Voraussetaung, dals die EVamosen am folgenden 
Tage den weiteren Rnekiug anf Tours antreten würden, eine Annahme, 
weldie dureh den Ausgang der Kimpfe des 8. Deaember noch keines- 
wegs sicher gestellt war, hatte der Orolsheraog fttr den 9. Mh 
das Vorgehen der 17. Dinrion auf Tours und je 1 Brigade der 
3. und 4. KaTallerifr-Dirision auf VUloroeau und Siris, sowie die 
AbUsang der dureh starke Veriuste sehr geschwiohten Bayern 
durch die 22. Division befohlen. Die sp&ter bei dnem gefongen 
genommenen Ordonnans-Beiter Torgefnndenen Sehriftstileke bekunde- 
ten dagegen die Absieht des Feindes seine Stellungen an behaupten, 
nnd Teranlabten am 9. morgens 7 Uhr eine AlMiuderung der Mheien 
Befehle dahin, dafo die 17. Division sich bei Messas, die 22. Division 
bei Beaumont, die 4. Kavallerie-Division reohts dernlben und das 
I. bayerisehe Corps mit der 2. Kavallerie-Division hm. Grand Chatre, 
die letatere als Beeerve, sammeln solle. Diese Weisungen gelangten 
indessen nieht mehr sur Ausflihrang. 

Schon um 8 Uhr fiflh gingen am 9. Desember dichte Schütxen- 
schwirme des XVIL fransSeisehen Corps gegen Vemon vor, um dss 
Heransiehen der 1. Division des XVI. Corps an die bis Tavers 



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mit bMMid. BerSekiichtigau^ der Tarwendung dar AitUkn«. 152 

sarBckgewiehene DiTunon Ounft sa deokm, wurden aber abgewieieD 
und die gleicbieiiig in StoUang gegangene ArtiOerie duieh 5 naeh 
und nach eintraflSande Batterien der 17. DiTinon nun Schweigen 
gelnraeht. — Eine andere Eobnne war schon am 7 Uhr früh gegen 
die Siellang der Bayern bei Le.Sföe angerackt, aber doreh S Ba- 
taillone der 3. Brigade aiit Hilfe 1 Batterie der 17. Division 
zurückgetrieben. Als denn nach 8 Uhr die übrigen Bataillone der 
genannten Brigade Ton Beaamont eintrafen, gingen 6Vs Bataillone, 
dnich das Feaer 1 Batterie der 1. Dirision nnterstütit — wiedernm 
ohne die Torbereitang des AngrifiiBs dorch eine genügende Artillerie- 
Wirkong absnwarten — gegen Yillorceaa tot and nahmen dieses 
nach hartniekiger Gegenwehr gegen lOVt Uhr. Wfthrend dann, 
um die Verbindnng mit der 4. Brigade bei Villechaamont herza- 
steUen, das 1. JSger-Bataillon Villerert besetzte, Tereinigte sich das 
bayerische 12. Regiment bei Villoroean. Ein in der Mittagsstonde 
▼on Tillemarcean aas erfolgender Gegenstols wurde mit Hilfe der 
vorgenannten Batterie abgewiesen. Gegen 9 Uhr ging der Gegner 
▼on Süden aas aa^ gegen die bei TSleohaomont Tenammelte 
4. bayerische Brigade Tor, wurde hier aber dorch 6 Compagnien 
aa^dialten. S Gesehütie, — 4 der 4. 4pfftndigen und die 6. 6pftndige 
Batterie, welche der Brigade sageteilt, waren nicht mehr gefechts- 
l&hig — welche aas ihren SteUnngen nördlich des Dorfes bis auf 
die westlich TOrliegende Windmühlenhohe Torgezogen waren, mnlsten, 
nachdem sie dorch das Feaer dreier gegenüberstehender fran- 
adeiBcher Batterien and aaf nahe EntfemuDg herangekommener 
Infanterie schwere Yerlaste erlitten hatten, zor Wiederhenrtellang 
ihrer Kampffthigkeit zurückgenommen werden. Dennoch hielten 
sieh die 5 Jbayerisohen Bataillone bis die 2S. Divisioa gegen 9 Uhr 
VerstSrknngen heranführte. 

Wir sehen aooh hier die bayerische ArtQlerie-Beserve nach 
Art einer Reserve-Formation zarückgebalten. Nachdem die den 
Absichten des Grolsberzogs zarorkonmienden, Angriftweise vorgehen- 
den Franzosen zurückgeworfen und die Ortschaften Villorceaa und 
ViUevert genommen waren, mabten diese SteUangen schleunigst 
dorch eine starke Artillerie besetzt und gesidiert werden, nicht 
allein, weil neoe Anstreugangen die verlorene Stellung wiederzu- 
'nehmen, voransznsehen waren, sondern auch um die vom Groia- 
herzog angeordnete Ablesung des bayerischen Corps durch die 
22. Division za sichern und überhaupt ansföhrbar zu machen. Dals 
es nicht in der Absicht des General Ghan^ lag, ohne Kampf seine 
Stellungen zu raomen, war nach diesem YorstolB wohl mit Sicherheit 



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158 TaktiidM BMtUidm auf die SchlMhlm a« MaMtma. KiSagw 

anztmehmen, denn iu diesem Falle würde er mehr ein hinbalien- 
dM Gefecht geführt, anch seinen Abmuieh nicht bis Tagesanbruch 
fenSgert, vielmehr die Dnnkelheit ansgenntzt haben. Dafs ein 
solcher nicht beabsichtigt war, mnlste übrigens dnrch den Patrouillen- 
gang der Vorposten bereits festpostellt sein, der ja nach den die 
Verfolgung ins Auge fassenden Befehlen des vorhergehenden Tages 
ein doppelt lebhafter gewesen sein mufste, om die Abtnarschrichtung 
des Feindes festeosteUen. Aach später wurde mit dem Einaetun 
dar bei ßeaumont befindlichen Batterien gezögert, nur die zuvor 
zum Abfahren gezwungene Batterie trat, nachdem sie teilweiw 
wieder gefechtsfahig geworden, mit 5 Geschützen neben den zn 
dieser Zeit eintreffenden Batterien der 22* Division wieder auf und 
später scblob sich eine sweite Batterie an, welche erst jetst ihre 
Mnnition ersetzt hatte. 

, General v. Wittioh hatte auf Grund der eingegangenen Meldangen 
bei Tagesanbmoh nur die 49. Brigade zur Ablösung der Bayern 
bei Laonay versammelt, dagegen die 44. in der Linie Beauvert — 
Cravant belassen. Als er bei Beanmont eintraf, war eine Ablösung 
der Bayern nicht mehr ausführbar, er entsandte daher 3 Bataillone 
mit 2 Batterien der bei Villechaumont hart bedringten 4. Brigade 
SU Hilfe nnd gab dem Gefecht dadurch eine günstige Wendung. 
Der Gegner wurde auf Cernay zurückgeworfen, der Ort genommen 
und sur Verteidigung eingerichtet. Wie bereits erwfthnt, griff hier 
dann noch eine zweite bayerische Batterie der S. Division «n, 
wfthrend die beiden Batterien der 22. Division ans einer Stellung 
westlich Villechaumont den Kampf fortsetzten, 

Inswisehen war auch die 44. Brigade angegriffen nnd die 
irrtfirolich gerftmnten G^hdfte von Beauvert und Layis von den 
Franioeen besetst. Mit Hilfe swner Bataillone nnd 1 Batttoie der 
seit 7Vs Ühr bei Billy vereinigten 2. bayerischeii Brigade wieder 
genommen, wurde der Gegner in westlicher Richtung verfolgt, 
wfthrend 6 Gompagnien westlieh Gravant Fortschritte machten. Als 
sich spl&ter, Leyes gegenftber, ein Angriff voriubereiten schien, rückten 
auch die ühr^n bei Launay noch verbliebenen Teile der 2. baye- 
rischen Brigade in die vordere Gefeehtdinie. Auberdem gingen 
nSrdlich Beauvert 2 Batterien der 1. bayerischen Brigade mit 
8 Batterien der ArtiUerie-Beserve in Stellung und 3 Bataillone 
derselben Brigade fibemahmen bei Moutigny deren Deckung. Ihre 
ftbrigen Truppen gingen mit 4 Batterieit von Grand Chatre ans in 
eine Beservs-Stellung bei Launay. 



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mit bcNnd. fiwttdniolitigiiQg der VerweDdnng d«r ArtOkrie. 



IM 



Die 4. Kavallerie-Division beobachtete den mit einzelnen Truppen- 
Abteilnugen bis Villermain vorgegangenen Feind, zur Verfügung 
des Grofeherzogs verblieben demnach bei Rilly nnd Beauraont nur 
die bayerische Kürassier-Brigade, die 2. Kavallerie-Divisinn, die 
Truppen -Abteilung des General v. Rauch mit 1. bayerischen Batterie 
und die am Morgen eingetroffenen Ersatz-Mannschaften der 1. 
bayerischen Division. Von der Artillerie waren hiernach 6 reitende 
und 5 Fufs-Batterien niclit eingesetzt, von denen mindestens die 
letzteren in der Feuerlinie nützliche Dienste geleistet, erstere für 
Reserve-Zwecke nötigenfalls genügt haben würden, um in bestimmten 
Momenten einzelne Abschnitte der Gefechtslinie im Bedarfsfalle 
sclmell verstärken zu können. Ein dringendes Bedürfnis, die reiten- 
den Batterien dauernd im Verbände Her Kavallerie- Divisionen zu 
belassen, lag vielleicht nur auf dem rechten Flügel und aaoh hier 
nur vorübergehend vor. 

Als endlich um 12 Uhr von der 4. Kavallerie-Division die 
Ansammlung bedeutender Truppenmassen nordöstlich des Waldes 
von Marchenoir und das Vorgehen dichter Kolonnen gegen Cravant 
gemeldet wurde, erteilte der Grofsherzog der 17. Division (lf>n 
Befehl, auf Villevert und Villorceau vorzustofscn. Hier hatte der 
Feind erst gegen Ii Uhr starke Kolonnen gegen Villorceau in 
Marsch gesetzt, vor deren Feuer die nach und nach eingesetzten 
3 Bataillone zurückgegangen waren. Nach Eingan«^ des obigen 
Befehls ging der Divisions-Comraandeur, General v. Tresckow, mit 
dem gröfstcn Teil des Gros von iMessas auf Grand Bonvalet, liefs 
die Avantgarde auf Pierre Couverte vorrücken, durch 2 Bataillone 
des erstereu Les Grolles und Glos Moussn besetzen und nur 
1 Bataillon mit 2 Schwadronen und 1 Batterie in Beaugency zur 
Deckung seiner linken Flanke gegen die bei Tavers stehenden 
Massen des Feinde:^ zurück. Während nun 2 Bataillone rait 1 Batterie 
des Gros auf I/oyues und Villorceau marschierten, 1 anderes Ba- 
taillon Villeniarceau besetzte, wurde ein von Orif^ny und Villejouan 
aus gegen diesen Ort gerichteter Angrüf durch 2 Bataillone und 
3 Batterien zurückgewiesen. 

Wa.s die beiden französischen Divisionen des rechten Flügels 
abhielt, diesen Vormarsch der 17. Division durch einen üffeusivstofs 
zn unterbrechen und dadurch ihrem ('entrum Luft zu machen, ist 
schwer erklärlich. Anscheinend standen die 1. Divi.sion tles XVI. Corps 
und die Division Camö noch unter dem Eindruck der ungünstigen 
Gefechte derMoTgenrtanden besiebongaireiae des vorhergehenden Tages 



155 TftktiNlie R&ckblifike auf die ä«hUdit«n das deotach-ftani. Kxi^et 



und veranlafste sie dieses sich auf die Verstärkang ihrer Stellungen 
bei Tavers und Serquen zu beschränken. Es gelanp daher den Iteiden 
bei (irand Bonvalet verbliebenen Bataillonen der 17. Division, sich 
zwischen Glos Mon.ssu und Boyn(>s zu hehaii{)teü und. nachdem sie mit 
Abteilungen des französischen XVI. und XVII. Corps ein lebhaft<?s 
Gefecht geführt hatten, im "Verein mit den in les (irolles und Glos 
Moussu befindlichen beiden Bataillonen den Feind mit !)ugnv /uriick- 
zutreibeu, worauf sie sich bei einbrechender Dunkelheit in der Liuie 
Grande Taupanne — La Pierre Tournante festsetzten. Der gegen den 
rechten Flügel der Armee-Abteilung erwartete Vorstofs der Franzosen 
war ausgeblieben, der Grofsherzog sah sich daher veranlafst, in den 
Nachmittagsstunden starke Abteilungen der 2. bayerischen und 
22. Division aus der vorderen Gefechtslinie wieder zurückzuziehen 
und um 3 ühr sogar 3 Bataillone, 6 Eskadrons, Batterie von 

Cravant und Villechaumont aus zur Unterstützung des durch die 
17. Division geführten Vorstofses gegen Villejouan vorzunehmen, 
diesen Ort und Origny zu besetzen und den Gegner auf Josne 
zurückzuwerfen. 

Hiermit endete der Kampf auf diesem Teile dos Schifichtfeldes. 
Die 17. und 22. Division stellten die Vorpo.st<»n in der Linie Beau- 
gercy — Glos Moussu — Origny bis Cernay, wo sich die 1. bayerisciie 
Division anschlofs und bei Montigny die Verbindung mit der bis 
Ouzouer le Marcbe stehenden 4. Kavallerie-Division herstellte. Vom 
X. Armee-Corps errt ichten die vordersten Bataillone, wie befohlen, 
schon am Abend Meung, während 8 Batterien mit dem Dragoner- 
Regiment Nr. 16 bereits um 3 Uhr nachmittags bei Grand Chatre 
eingetroffen waren. 

Auf Grund der am Morgen des 9. Dezembers vorgefundenen, 
den Erv^artungen nicht entsprechenden, taktischen Lage war die 
Armee-Abteilung gezwungen gewesen, den beabsichtigten Vormarsch 
aufzugeben und sich in Erwartung der später in Aussicht gestellten 
VerstärkuiiL'cii vorläufig defensiv /.u verhalten. Andererseits hatten 
die FranzusL'u, immer noch die Stärke der gegenüberstehenden 
Truppen erbeblich überschat/end, nicht gewagt, ihre Überlegenheit 
auszunutzen und zu einer energischen Otfensive überzugehen, ob- 
gleieli ein kraftiger Vorstofs ihres linken Flügels des am Walde von 
Marcheuoir stehenden XXI. Corps, die .\rniei-Al)teilung in eine 
recht bedenkliche Lage versetzen konnte. Vielleicht fehlte dem 
Oberbefehlshaber das Vertrauen zu (iiesei neu formierten Truppe. 
Jedenfalls wurden die wenigen Augntte so matt und zusammen- 
hangslos ausgeführt, dafs es den deutscheu Truppen nicht nur nicht 



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ndt ImmmmL Bartteknohtigiuig der Venreadang d«r ArtiUeria. 



166 



schwer wurde, sie zurückzuweisen, sondern auch den Angreifer über 
ihre numerische Schwäche zu täuschen, trotzdem die Führung vou der 
Artillerie nicht den ausgiebigen und einheitlichen (Gebrauch machte, 
wie solches darcb die taktische Lage im Centrum eigentlich ge- 
boten war. 

Auf deutscher Seite war die Spitze des IX. Cot\)s auf dem 
linken Loire-Ufer bis St. Die und Chat. Chambord gelangt, die 
6. Kavallerie-Division hatte die Brücke bei Vierzon gesprengt, das 
III. Corps, den erhaltenen Befehlen gemäfe, unter Zurticklassung 
eines schwachen Detachements in Gien, den Rückmarsch auf Orleans 
angetreten und mit seinen Spitzen Bray erreicht. Die 1. Kavallerie- 
Division war bei La Bussiere verblieben. Für den 10. Dezember 
ordnete Priuz Friedrich Karl au, dafs die Armee- Abteilung die ein- 
genommene Stellung zu behaupten, die 4. Kavallerie- Division gegen 
Moree, die 2. gegen Mer aufzuklären habe, dagegen das in den 
letzten Wochen stark angegriffene 1. bayerische Corps am 10. und 
11. als Besatzung nach Orleans zu entsenden sei. Das X. Corps 
erhielt Befehl, bis Beaugency vorzurücken . wenn möglich seine 
Spitzen bis Mer vorzutreiben und mit dem IX. Corps, welches auf 
dem linken Loire-Üfer bis Amboise vorzugehen hatte, in Verbindung 
zu treten. 1 Brigade der 0. Kavallerie- Division sollte das Cher-Thal 
durchstreifen, die andere von Vierzon aus den Gegner bei Bourges 
beobachten. Der Prinz beabsichtigte hiernach, die Loire-Armee von 
Tours abzudrängen und über Vendöme suif T^e Mans zurückzuwerfen. 
Demgemäß hatte der Orofsherzog von Mecklenburg die 17. und 
22. Division angewiesen, sich am 10. morgens auf ihren Sammel- 
plätzen zur Unterstützung des X. Corps bereit zu halten. Als dann 
der gröCsere Teil der in Origny, Villejouan und Villemarceau wahren<l 
der Nacht verbliebenen Truppenteile nach dem Sammelplatz ihrer 
Brigade abgerückt waren, wurden die daselbst zurückgebliebenen 
4 Corapagnien gegen 7 Ulir durch starke Massen dos Feindes an- 
gegriffen und die Ortschaften unter Einbulise einer gröDseren Zabl 
Ton Gefangeneu verloren. 

Die 22. Division hatte mittlerweile eine Briii;:ide bei Cernay, 
die andere bei Cravant entwickelt, vom 1. bayerischen Corps stand 
die 4. Brigade, nur noch 1500 Gewohre stark, bei Villeolmnniont, 
die 2. bei Layes und Beauvert; die 1. Brigade war unter /urüok- 
lassung vou 3 Batterien, von denen 1 nicht mehr gefechtsfähig, 
nnd des 2. .TH£;cr-B;itaiIlons nach Orleans abgerückt, die 3. verliliob 
bei Boauuiont m Keserve. Der starken Artillerie 'gegenüber, welche 
der Gegner in Stellung brachte, fuhren 2 Batterien der 2. bayeriflcheu 



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157 Taktisobe lUtokUioka Mf die SehlMhton dw deotMli-frMii. Kri^ 



Division — 2 waren nicht mehr sefechtsfahig — hei Villechaumont, 
2 der 22. Division, deren leichte Batterien, bis auf 8 Gearbiitze, 
ebenfalls nicht mehr schtifsfabitj; waren, bei Cernay nnd 2 Batterien 
der bayerischen Artillerie- Heserve bei Boaiivert auf. Als sich später 
vor dem französischen linken Flügel, bei Villemain, starke Massen 
zu sammeln begannen, lunfste die 2. bayeritche Brigade, durch das 
2. Jäger-Bataillon ans der Heserve verstärkt, ihren rechten Flügel 
verlängern und Montigny mit Jouy und Chat. Coudray besetzen. 
Zugleich wurden der sich zusehends verstärkenden feindlichen 
Artillerie gegenüber noch eine aus 8 leichten <Teschritzen der 
22. Division und 1 bayerischen Reserve-Geschütz zus am nun gestellte 
Batterie bei Villechaumont, 1 Batterie der 3. bayerischen Brigade 
bei Beauvcrt, 3 Batterien der 1. bayerischen Division bei Montigny 
und 2 Batterien der Artillerie-Reserve bei Chat. Cnndriiy in die 
F<*uerlinie vorgeführt. Gegen Mittag traten hierzu bei Montigny 
iHM'h die 4 Fufs-Batterien der Corps- Artillerie des X. Corps und 
um 2 Uhr bei Chat. Coudray die beiden reitenden Batterien der 
1. Kavallerie-Divisiün, welche zu beiden Seiten ihrer Batterien eine 
Bereitschatts-Stellnng eiunalim. Vor der Feuerwirkung dieser 
19 Batterien zugen die Franzosen um 3 Fhr ihre Artillerie zurück 
und beschränkten sich auf diesem Flügel auf vereinzelte schwache 
Vorstöfse, deren Abweisung der deutschen Infanterie leicht gelang. 

Während dieser Kämpfe bei der 22. l)ivi.<ion, hatte die 17. 
zur Rechten ihrer von Beaugency über Glos Monssu bis Les (irolles 
stehenden Avantgarde 2 Bataillone mit 2 Batterien nach Villemarcean, 
den He?<t ihrer Truppen gegen Villorceau vorgeschoben. Alle Ver- 
suche der Franzosen, von Origny und Toupenay aus, Villemarceau 
/u nehmen, scheiterten an dem Feuer der dortigen Batterien der 
17. Division. Als dann nü( Ii 4 Battaillone mit 2V2 Schwadron und 
2 Batterien des X. Corps zwischen Les Grolles und der Loire ein- 
trafen, konnte sich die Avantgarde nach Boynes heranziehen. 

General v. Trescknw liefs nun, um den von Villejouan aus seine 
rechte Flanke bedrohenden Gegner zu vertreiben, diesen Ort durch 
die beiden andern Batterien seines Gros beschiefsen und durch 
2 Bataillone angreifen, doch gelang die Fortnah me des hartnäckig 
verteidigten Ortes erst gegen 4 Uhr. Als die Franzosen dann von 
Origny und Ourcelle aus die VViedemahrae des Dorfes versuchten, 
wurde noch ein drittes Bataillon hineingeworfen und die ganze 
Divisions-Artillerie durch 2 von Cravant herankommende reitende 
Batterien des X Corps verstärkt, südlieh Villemarceau in Stellung 
gebracht. Au dar Yereinigten Wirkong dieser Trappen and der 



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uiC iMMHid. BntAbiditigiiiig d«r Yenraadimg <lar AitiUeri«. 158 

bei Cernaj stehenden Batterien der 22. Division brach sich der 
Al^riff des Gegners und noch ehe die bei Beaumont bereit gehaltenen 
Reserven flingnifen konnten, ging er in seine rackwärtigen SteUnqgen 
soröck. 

Bei Beaumont standen seit Mittag anfser der 2. Kayallerie-DiTiacn 
nud bayerischen Kürassier- Brigade die 19. Infautcrie-OiiiBiQn mit 
der 39. Infanterie-Brigade zur Verfügung des GrofsheizogB und ver- 
blieben auch während der folgenden Nacht in dem besetzten Ab- 
schnitte. Mit Rücksicht auf den angegriffenen Zustand der Truppen 
nnd den Ausfall fast sämtlicher leichter Batterien der 22. Divieion 
genehmigte das Ober-Kommsudo der II. Armee, dafs die 1. Infanterie- 
Brigade des zur Besetzung von Orleans bestimmten I. bayerischen 
Corps mit 6 Batterien noch im Verbände der Armee-Abteilung 
verbleiben und erst am 12. Dezember zu ihrer neuen Bestimmung ab- 
rücken sollten, zumal das III. Armee-Corps mit der 1. Kavallerie- 
Division am folgenden Tage noch nicht zur Armee-Abteilung übeiv 
treten konnten, weil sie erst bei St. Denis de THötel, östlich Or- 
leans, eingetroffen waren. Das IX. Corps hatte mit seinen Spitzen 
Vienne errslchti aber die die Verbindung mit Blois herstellende 
Brücke gesprengt gefnndra. Von der 6. Kavallerie-Division war die 
14. Brigade bei Vierzon terblieben, die 15. auf dem Vormarsch 
gegen Blois bis Aomorantin gelangt und die 3., nm die Verbindung 
mit der genannten Kafallerie-Division henosteUen, bis Biaeieux 
Torgerückt. 

Die Nachricht von dem Vordringen der Deutschen bis in die 
Hdhe Ton Blois und die inzwischen erlangte Gewüsheit, dala »nf ein 
Eingreifen des General Bourbaki nicht an reebnen sei, veranlabten 
den General Chanzy am 10. abends den Entsohlals zu fassen, am 
folgenden Tage den Rückzog anf Yendöme ansntreten. 

Werfen v?ir am Schlüsse unserer Betraohtnngen noch einen 
Blick auf den Verlaof der Schlacht bei Beangen^, so fällt canSchtt 
anf, dab die Armee-Abteünng, obgleich sie seit mehreren Tagen — 
seit Ende November — nnansgesetat mit dem Feinde in Berührung 
gewesen war, doch noch ToUst&ndig im Unklaren über seine Stirke 
nnd Znsammensetsnng sich be£uid. Noch am Abend des ersten 
Schlachttages herrschte die Ansicht vor, dafo ihr nicht mehr wie 
2 Divisionen gegcnfiber stilnden. Wir geben an, dafii die OrganiMtion 
der Loire-Annee die xaUreichen Henformationen und irregnl&ren Be- 
skaadteile dezselben die Überncht sehr erschwerten, dafo die Be- 
deckong des Gelindes, die Ungnnst der Jahresnit nnd der ange- 
strengte Dienst der Kavallerie hemmend einwirkten, dennoch mnbte 



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159 TaktiMbe MokUieke Auf die SchlMhten da deated^friu. Kntgn 



es der an Zahl und taktischem Wert überlegenen deutschen Ka- 
vallerie gelingen, pvrntiiell durch gewaltsame Rekoj^uoszierungen 
Klarheit zu scbafiFen und mufsten hierzu vor Allem die der Armee- 
Abteilung bei Orleans bewilligten Ruhetage verwandt werden. Sie 
war derselben weniger bedörftig, wie die Infanterie und ihre Auf- 
gabe war es, dem geschlagenen Feiiidi' keine Zeit zu iasseii, suli 
wieder zu organiaieren und seine Stärke unter allen Umstanden 
featzustellen. 

Trotz oben erwähnter ünterechätzung des Gegners wurd»? dit 
am ersten Schlachttage beabsichtigte Offensive nicht mit der nötigen 
Energie durchgeführt, vor Allem wurde die Artillerie nicht mit der 
durch die Lage gebotenen Rücksichtslosigkeit eingesetzt and liefs 
zugleich die einheitliche T/eitung vermissen. Es gewinnt den An- 
schein, als ob die am 3. Schlachttage eintretende Unbrauchbarkeit 
fast aller leichten ( ii^schützrohre lahmend auf die Verwendung der 
Artillerie eingewirkt hätte. Um so mehr bedurfte es der Entfaltung 
der gesamten Artillerie, einschliefslich der au allen 3 Tagen sich 
mehr oder weniger unthätig verhaltenden reitenden Batterien, einer- 
seits, um in möglichst kurzer Zeit entscheidende Erfolge zu erringen 
und die Anforderungen an die einzelnen Geschütze zu verringern, 
andererseits, um die geschwächte Infanterie entsprechend schonen 
zu können. In wiefern die bezüglichen Mafsnahmen hinsichtlich der 
Verwendung der Artillerie durch den Umstand beiuflufst wurden, 
dafs die Munitiotis-Kolüunen noch zurück waren und dafs dieserhalb 
vielleicht Munitions-Mangel befürchtet wurde, entzieht sich unserer 
Beurteilung. Zur Klärung der Lage kÜQueu wir indessen nicht 
unterlassen, desselben /.u gedenken. 

Für den zweiten Tag wurde die Verfolgung des al)ziehend ge- 
dachten Feindes angeordnet, obgleich der Ausgang des Kampfes am 
8. Dezember diese Annahme noch keineswegs l)ogründete. Die 
frühzeitigen Offensivstöfse der Franzosen gegen Vernon und Le Mee 
durchkreuzten die getroffenen Anordnungen und liefsen die ab- 
ändernden Befehle nicht zur Ausführung kommen. Wiederum 
wurden die folgenden Kämpfe vorzugsweise durch die Infanterie, 
nur durch eine geringe Zahl von Batterien unterstützt, geführt, 
deren Mehrzahl bei Beanmont in Reserve hielt. Wenngleich die 
iia(hträ*?lich vom Ober-Kommnndo ein^epangenen Direktiven ein 
defeusivt s Verhalten der Armee-Abteiiuug bedmgten und demgemäXs 
eine Artillerie-Reserve zAirüekgeh alten werden mufste, so wäre nicht 
nur mit Hürksicht auf die bereits erwähnte numerische Schwäche 
der Infanterie, weiche namentlich beim bayerischen Corps ein hohes 



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mit ImmhkL B«iiakiiclilignv dar Yawminag 4«r ArtDkrie. 160 

Mala eireicht hatte, sondern auch im Interetse der Konserviemng 
d«8 eigenen Geschützmaterials, die Entwicklung einer rnttgUohst zahl- 
reichen Artillerie unter einheitlicher Leitung geboten gewesen. Ffir 
Reeerrezwecke waren die reitenden Batterien der Kavallerie- Divisionen 
aiisreicbeiirl, welche, da letzteren eine selbstständige Thätigkeit nicht 
zufiel, bei diesen überflüssig waren und in Anbetracht der Jahrei- 
seit wie der Bodenbeschaffenbeit vermöge ihrer Beweglichkeit hierzu 
besonders geeignet erschienen. Die nächste Folge der Zarfickhaltung 
so vieler Batterien war, dafs die in der Minderzahl voj^eführten 
deutachen Batterien in kurzer Zeit der Überlegenen nnd gegen früher 
besser geführten französischen Artillerie g^enfiber schwere Verluste 
erlitten, respektive daüs die Unbrauchbarkeit zahlreicher Geschütie 
beschleunigt wurde, ohne dafs der eigenen Infanterie die wünschen»* 
werte Entlastung hatte geschaffen werden können. 

Die Gefechtsfl&hmng der Franzosen charakterisiert sich, trots 
ihrer ^rofsen nnmerischen Überlegenheit, deren sie sich allerdings 
nicht bewnfet waren, durch ein ängstliches Ausharren in der Yw- 
teidigung des Abschnittes zwischen Beaugency beäehnngs weise 
Tavers und dem Walde von Marchenoir. Die wenigen partiellen 
VorstöCse, m denen sie sich aufrafften, wurden zusammenhanglos 
ond matt ausgeführt. Dennoeb ist, wie bereits hervorgehoben, an- 
zuerkenne dafs sie von ihrer Artillerie einen besseren Oefarauch 
als in allen bisherigen Schlachten machten. 

In lichtiger Erkenntnis der bedrängten Lage der Armee- 
Abteilung sandte das X. Armee-Corps, welches Meung an diesem 
Tage erst abends erreichte, einen Teil seiner Artillerie, 8 Batterien 
unter Bedeckung eines Kavallerie-Regiments so beschleunigt voraus, 
daXs dieselben schon am Nachmittag S Uhr bei Grand Chatre ein- 
trafen. Eine anerkennenswerte Leistung, welche den Beweis liefert, 
daül lahrende Artillerie wohl im Stande ist, allen im Rahmen des 
Corps-Verbandes in dieser Richtung an sie herantietenden Anforde- 
rungen gerecht zu werden. 

Auch am letzten Tage eröffneten die Franzosen das Gefecht mit 
einem Offensivstofs aus dem Zentrum, der aber von den Flügeln 
nicht unterstützt wurde, weshalb die anfangs errungenen Vorteile 
wieder verloren gingen, als im Zentrum der deutschen Stellung bis 
znm rechten Flii<i;el eine grofse Artillerie-Masse in Thätigkeit trat 
und der linke Flügel, seinerseits einen Gegenstoß führend, den 
Feind zurückwarf. — Die Nachricht von dem Vorrücken der 
Deutschen bis in die Höhe TOn Blois und dafs auf ein Eingreifen 
des General fionrbaki nicht su rechnen sei, bestimmte den General 



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161 



Die AosbildiiBg des Offiikf^£natMB der taterteidüMdi- 



Chanzy, für den folgenden Morgen den Rückzug auf Vendöme an- 
zuordnen. 

Die Verluste der Armee-Abteilung in den 3 tagigen Kämpfeu 
beliefen sich auf etwa 34UO Mann; über diejenigen der Franzosen 
liegen zuferlassige Nachrichten bis jetzt nicht vor. 44. 

(SgUoCb folgt) 



IX. Die AusMdimg des OfMer-Brsatzes 

der ö8(eiTei(dhi8ch-ungari8cheDArmee unter besonderer Berück- 
dchtiguiig der Militär-Akademie m Wiener-Keustadt 

Vm 

le Jnge, 



Der Ersatz des Offizier-Corps der k. xind k. Aniiee findet 
auf vier verschiedene Weisen statt. Deu bei weitem gröligten 
Teil des alljährlich notwendigen Nachwuchses — fast 757o' — 
liefern die Kadettenschulen, etwa ein viertel des Bedarfes decken 
die Militär-Akademien, und ein letzter kleiner Prozentsatz wird der 
aktiven Armee durch deu Übertritt von Reserve-Offizieren und durch 
solche junge Leute zugeführt, welche das Offiziers-Exainen auf Grund 
einer privaten Vorbereitung bereits vor ihrem Eintritt in die Armee 
abgelegt haben. 

Da die Anzahl der letzteren, welche nach bestandenem Examen 
als »Kadetten« (Avantageure) in den aktiven Militärdienst eintreten 
und nach Erlernung des praktischen Dienstes stufenweise in der 
militärischen Hierarchie aufsteigen, bis sie die Rang -Abzeichen d^ 
tJnterlieutenants gewinnen, eine verschwindend geringe ist, sehen 
wir in der folgenden Betrachtung von dieser Kategorie ab, und 
betrachten nur die drei übrigen, indem wir dabei in umgekehrter 
Heihenfolge mit denjenigen beginnen wollen, welche zur Erreichung 
dieses Zieles den Weg über das Eiigäbrig-FreiwiUigen-Jahr und das 
Resenre-Offiiiei^üzamen wftbleo. 



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ugKiaelMB Mim» nnt« beioiidfnr B«Aflkiielit|giuif v. b. w. 



162 



Die Zahl dieser letzteren, ob'^leich bedeutend gerin<:^er als die 
Zahl der aus den vorher genaniiteu Miütärschulen hervorgehenden 
Aspiranten, ist dennoch zahireielier als hei uns, wo dieser Weg 
doch nur in besonderen Ausnahmefällen betreten wird. Der Grund 
hiervon liegt vornehmlich darin, dafs der als Einjährig-FreiwilHger 
in die k. und k. Armee eintretende junge Mann wesentlich schneller 
in die Charge eines UDteriieuteoaiitfl gelangt, als dies bei uns der 
FaU ist. 

Der Verlauf des erwähnten Weges ist etwa der folgende. Die 
Einjährig-Freiwilligen werden am 1. Oktober in die Armee ein- 
gestellt und in besonderen >Freiwilligen-Abteilungen«, welche einem 
Hauptmann als Kommandanten unterstellt sind, und denen zwei 
Subaltern-Offiziere nebst mehreren Korporalen und Unteroffizieren 
als weitere theoretische und praktische Lehrmeister zugewiesen 
werden, ausgebildet. Entgegen unseren Prinzipien, welche den 
Einjahrig-Freiwilligen gleich nach der rekrutenmäTsigen ersten Aus- 
bildung als seinem nächsten Truppenteil, der Compagnie, Eskadron 
Q. s. w. zugehörig betrachten und ihn soviel als möglich in dem- 
selben leben und lernen lassen, bleiben die jungen Leute in der 
österreichisch-ungarischen Armee, nachdem ihre erste Ausbildung 
mit dem L Dezember als abgeschlossen angesehen wird, noch 
4 veeitere Monate lang von dem Dienst des betrefifenden Truppenteils 
T^Ug losgelöst. Dienstlich und selbst ränmiich völlig getrennt — 
denn die Freiwilligen -Abteilung kaserniert auch, soweit ihre Mit- 
glieder nicht überhaupt die Erlaubnis haben, aufserhalb der Kaserne 
zn wohnen, ganz für sich — machen die Einjährigen vom 1. De- 
zember bis zum 31. März eine Art von theoretischem und prak- 
tischem Schnellpressendruck zum Reserve-Offizier-Examen durch. 
Sie lernen in dieser Zeit Taktik und Ekerzier-Beglement — in diesen 
beiden Fächern ist der speziolle Kommandant der Abteilung der 
Lehrer — Waffen- und Befestigungslehre, Terrainkenntnis, Dienst- 
kenntnis, Planzeichnen, Bechnongsgeschäfte n. & w. Am 1. April 
erst treten sie in ihre speziellen Compagnien u. s. w. ein, die 
besten sofort als Korporale, und erlangen in dieser während der 
folgenden 5Vs Monate die Charge des »OffiziersteU Vertreters« (etwa 
unserem 0£fiiierdienstthuenden Vizefeldwebel entsprechend), während 
neben dem praktischen Dienst in dem Truppenteil der frühere 
theoretische Unterricht, vreim anch in beschränktem Mafse, fort- 
dauert Am 16. September nimmt dann die Offiziersprüfung ihren 
Anfang. Dieselbe wird in dem Stab>quartier des betreffendoi 

JWvMater Iis «• DraMto Amt» oi lUitu. M. LUUL. S. 1) 



m 



Di» AaiMIdnf öm OffiileMiiMteei dir MsmkUMli- 



Divisionskommandos vor einer Kommission abgelegt, welche aus 
einem Generalmajor als Präses, dem General stabs-Offizier der Division, 
zwei Stabs-Offizieren und zwei Hauptieuteu b^teht. Derjenige 
Aspirant, welcher bestanden hat, wird alsdann, nachdem sich d&s 
Offizier-Cor|i8 seines Truppenteils über seine persönliche Würdigkeit 
günstig ausgesprochen und er selbst den Nachweis einer gesicherten 
Lebensstellung sowie eines privaten Einkommens von jährlich 
wenigstens GOO Gulden geliefert hat, zum »Titular-Feldwebel« bez. 
-Wachtmeister u. s. w. seines Truppenteils und schon zum 1. Januar 
des folgenden Jahres zum Unterlieutenant in der Reserve ernannt. 
Derjenige aber, welcher durch das Examen gefallen ist, verliert zu- 
gleich mit seinen Abzeichen — einem schwarz-gelben Streifen längs 
des oberen Randes des Armelaufschlages - das Recht des einjährigen 
Dienstes: er mufs ein zweites Jahr seiner Dienstverpflichtuug ge- 
nügen und kann nur ausnahmsweise während desselben noch einmal 
der Freiwilligen -Abteilung zugeteilt und nach Ablauf dieses sweiten 
Jahres wiederum zum Examen zugelassen werden. 

Will der zum Unterlieutenant in der Reserve beförderte junge 
Mann dann aus dem letztern Verhältnis in den aktiven Dienststand 
übertreten, so hat er zunächst eine sechsmonatliche Probedienst- 
leistung bei einem Regiment zurückzulegen und sich nach dieser, 
wenn dieselbe zur Zufriedenheit des betreiFenden Commandeurs und 
Truppenteils verlaufen ist, noch einer »Ergänzungsprtifung« zn 
unterziehen. Nach günstigem Ausfall der letzteren wird er alsdann 
zum aktiven Lieutenant d^ Regiments, bei welchem er seine Probe- 
dienstleistung ablegte, eventuell aber auch eines andern, ernannt — 
jedoch »mit Vorbehalt der nachträglichen Rangbestimmung« d. h. 
er erhält sein Patent erst hinter dem Jahrgang derjenigen Kadetten- 
schulen (über diese alsbald näheres), welcher bei Ablegung seines 
Examens zur »Ausmusterung« (d. h. Überweisung in die Armee) 
an der Reihe war. Auf diese Weise soll verhindert werden, dafs 
derjenige Linien-Offizier -Aspirant, welcher zur Erreichung seines 
Zieles den bequemern Weg über das Einjährig-Freiwilligen-Jahr 
wählt, den Aspiranten mit p^röfserer und längerei- Fachbildung in 
der Anciennität noch vorauskommt. Ks sei hierbei uoch erwähnt, 
dafs zur Erreichung der Berechtigung zum Einjähiig-Freiwilligen- 
Dienst entweder ein Abgangszeugnis, welches die erfolgreiche Ab* 
solvierung der obersten Klasse eines Ober-Gymnasiums bezieliungs- 
weise einer Ober-Realschule nachweist oder eine besondere Prüfung 
vor einer miliiarischen PrüfangBkommiaaion erforderlich ist, durch 



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.. eiche die Erreichung des für notwendig erachteten BüdnngigradM 
dargetban wird.*) 

Den bei weitem gröfsten Teil des jährlichen Offiziersbedarfes 
für die Armee stellen, wie schon oben bemerkt, die Kadetten* 
schüleB , die trotz ihres gleichklingenden Namens nicht mit unseren 
preufsiBelien beziehnngsweise deutschen Kadetten -Anstalten zu ver- 
gleichen sind. Die letzteren finden vielmehr eher ihr Seitonstück 
in den österreichischen Militar-Unter-Realschulen und der Militar- 
Ober-Realschule, welche ihrerseits die Vorbildungsanstalten für 
die beiden Militär-Akademien, m Wiener-Nenatedt lud in Wien, 
bilden. 

Während die Militär-Realschulen und die Akademien nur einen 
beschränkten Teil der Offiziers -Aspiranten aufnehmen und ausbilden 
können und in erster Linie sowohl gewissermafsen für die Söhne 
der ersten Familien des Landes, des höheren Offiziers- und Beamten- 
standes, reserviert scheinen, als auch vor Allem zur Beschaffung dee 
Ersatzes für das Generalstabs-Corps bestimmt sind, so haben die 
Kadettenschnlen die Aufgabe, in einem gröÜBeren Rahmen und 
unter Zurttckgreifen auf weitere Kxeiie der Bevölkerung den not- 
woidigen Offiziersersatz für die Armee sicher zu stellen. Im Gamen 
giebt es 12 Infanterie-Kadettenschulen (Wien, Budapest, Prag, 
Karlstadt, Karthaus bei Brünn, Lobzow bei Krakau,' Herrmannstedt, 
Triest, Liebenau bei Graz, Prelisburg, Innsbruck und Temeswar) 
ferner 3 Kadettenschnlen für die Spezialvaffon (Mährisch-Weils- 
kirehen für Kavallerie, Wien für Artillerie und fiainburg für 
Pionien)* Ffir die Bestimmung ihrer Standorte ist in erster Lwie 
der Gesichtspunkt mafsgebend gewesen, jedem einzelnen Kron- 
laade nach Möglichkeit eine derartige Bildungsanstalt zu über- 
weisen. Mit Ausnahme der Kavallerie-Kadettenschule zu Mährisch- 
Weifskircben, welche drei Jahrgänge umfaCat, bestehen sämtliche 
Kadetteneohulon aus vier Jahieskursen. Die Zahl der Kadettm 
beträgt meist 120, in Prag und Budapest aber je 280 und in 
Mährisch- WeiHikirchen 170. In Summa beläuft sich danaeh der 
£tat der Zöglinge in diesen Schulen auf etirae über 2100ii 

Aufnahme in den Kadetteusclmleu können bestinunnngsmäfsig 
nach Mafsgabe der vakanten Plätae alle gebildeten und wohl- 
erangsaen Knaben und JängKnge nach lurttckgetegtem 14. Lebena- 



*) Dss ÜnUbnnslNMidisii d<r Einjlhrig-FniwUUgsn bsstdit, boilliillg bsmeifct, 
«w «iaeaa sqIubsIss wArnrngdHtm AnnsMto, weUhsr dsa obcNs Baad dar 
AsMUft das WsftuMki aauiainl 



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165 



Die .Awbildong des Offiner-KnAtMi der MerreieUBck- 



jahr finden, welche einp entsprechende Vorbildung nachweisen 
können, nnd deren Angehörige sich zur Zahlung eines gewissen 
jährlichen Schulgeldes verpflichten. Dasselbe beträgt für die Söhne 
aktiver oder pensionierter Militärpersonen nur 12 fl. jahrlich, für 
solche von Reserve- und Landwehr-Offizieren, sowie von Hof- und 
Staatsbeamten 60 fl., für alle übrigen Staatsbürger der österreichisch- 
ungarischen Monarcliit' H. Dieser schon an und für sich ij;('ringe 
Betrag von 60 beziehungsweise l'iO fl. vermindert sich für die 
Artillerie- und Pionierschule noch um die Hälfte, 

Bisher war die Bennt/un<j der Kadettenschulen, welche zu den 
»Truppenschulen« gehörten und deren Schüler aktiv dienende, al>- 
komniandierte Militärpei-sonen waren, ausdriicklich »Soldaten aller 
Chargengrade« zugestanden, welche entweder als Freiwillige in das 
Heer eingetreten oder auf dem Wege regehnäfsiger Aushebung in 
dasselbe ojekoiniuen waren, sofern sie ein tadelloses Führungszeiiernis 
erwarl>en und die nötige Vorbildung besafsen. Die Rücksicht auf 
eine rrröfsere Homogenität des Offizierersatzes ist es wohl, welche 
endlieh dazugeführt hat, diese Bestimmung in Wegfall zu bringen, 
und von Beginn d(^s Schuljahres 1898/94 an wird somit kein so- 
genannter »Aspirant de'^ Truppenteils«, d. h. ein bereits bei der 
Truppe seiner Dienstpfliciit genügender Soldat mehr in die Kadetten- 
schule aufgenommen werden. Die Zwischenzeit bis zu dem ge- 
nannten Termin soll dazu dienen, den Übergang zu dieser be- 
greiflicherweise - auch ohne dafs dies an dieser Stelle genauer 
dargelegt wird — tief einschneidenden und segensreichen Neuerunpf 
ohne Schädigung berechtigter Interessen zu ermöglichen. Vom Be- 
ginn des Schuljahre« 1893 an sind also die Kadettenschulen den 
flbrigen Militär- Bildungsanstalten im wesentlichen gleichgestellt, ob- 
gleich für ihre Stellung diesen gegenüber noch immer der wichtige 
Unterschied bestehen bleibt, dals ihre Zöglinge nicht als Offiziere 
»ausgemustert < (eingestellt) werden, sondern als »Kadetten« (Ävanta- 
geure) in die Armee eintreten, und dafs sie die vorzeitig aus ii^^od 
einem Grunde ans den MilitiivB« ilschulen oder Militär-Akademien 
austretenden beriebnngaiweiM entfernten Zöglinge — sofern letzteres 
nicht als Strafe, sondern nnr wegen nicht aosreichend gater Leiatiingeii 
erfolgt — an£Eiinehmen haben. * 

Die wissenschaftlichen Anforderangmi, welche an die Aspirantoi 
der Kadettenschulen gestellt werden, sind, um ein Beispiel heraus* 
zugreifen, für den jüngsten (ersten) Jahrgang der zengnismafeigc 
Nachweis einer mit »geuüirendem Gesamterfolge« stattgehabten Ab" 
solnerung der vier untersten Klassen ein«r Realsohale oder eines 



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Gymnasiums, so dafs also die Kadettenschulen mit etwa mutatis 
mntandis — unserer Obertertianer-Reife anfangen. Jeder höhere 
Jahri,'ang verlangt natürlich ein dementsprechend höheres Klassen- 
zeugnis. Es ist jedoch hierbei zu erinnern, dafs, wie bekannt sein 
dürfte, die österreichischen Realschulen nur 7, die Gymnasien 8, 
wir dagegen 9 Jahrgänge oder Klassen besitzen. Die Unter- Real- 
schulen und Unter-Gymnasien in Osterreich umfassen die vier 
untersten, die Ober-Realschulen beziehungsweise -(lymnasien die 
übrigen 3 beziehungsweise 4 »Jahrgänge«. Der Aaadrack »Klasse« 
eiistiert dafür nicht). 

Jedes in einer Kadettenschule verbrachte Jahr legt dem be- 
treffenden Zögling die Verptlichtung auf, ein Jahr über seine gesetz- 
mäfsige Dienstzeit hinaus in der Armee zu dienen. Ein weiteres 
Äquivalent für die von ihm erwieseneu Woblthaten beansprackt det 
Staat nicht. 

Um einen ungef^ihren Vergleich der wissenschaftlichen Leistungen, 
welche die betreifenden Klassen der österreichischen Realschulen 
beziehungsweise Gymnasien erzielen, mit den uusrigen zu ermög- 
lichen, seien hier die wichtigsten Anforderungen angeführt, deren 
Erfüllung bei der Aufnahmeprüfung für den ersten (jüngsten) 
Jahrgang einer Kadettenschule (zu dem ein Abgangszeugnis über 
Absolviening der vier unteren Klassen der betreffenden Civilschule 
nötig ist) und für deu vierten (letzten) Jahrgang, der die voll- 
ständige Absolviening einer Ober-fiealsohnle verlangt, naohgewieMn 
werden mufs. 

Für den ersten Jahrgang: Deutsch. Entsprechende Be- 
herrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift. (Bei Be- 
werbern nicht deutscher Nationalitat braucht die Kenntnis der 
deutschen Sprache nur in soweit nachgewiesen werden, dals bei 
angdegeutlichem Studium schon im ersten Jahr die Vervollkommnung 
darin soweit sicher gestellt scheint, dafs der Unterricht erfolgreich 
au^enommen werden kann. Der Betreffende hat aber dafür die volle 
Beherrschung seiner Mutten|iiadie nachzuweisen.) Znm Zweck der 
Prüfung findet die Vorlesung eines oder mehrerer ausgewählter 
Lesestflcke, nebet Beeprechong des Inhalts und ein Diktat darüber, 
sowie die Anfertigung eines Aufsatzes statt. Schreiben. Ent- 
sprechende Fertigkeit in der deutschen und lateiiiischen Kurrent- 
schrift. Mathematik, unter Anderm: Quadrieren und Kubiertn 
ein- und mehrgliederiger Ausdrücke, sowie Kadizieren der letzteren 
und dekadischer Zahlen. Brüche. Dezimalbrüche. Abgekürzte Multi- 
plikati o n und Diiiflion. FroportioiieD» — Geometrie: Elemente der 



167 



Die AuMIduig des Offliter-Eiutiei der österreieMseh- 



PlAnimetrie; Flächenberechnung. Geographie. Das Wichtigst« 
aus der mathematischen und politischen Geographie. Geschichte. 
Altertum, namentlich griechische und römische Geschichte mit be- 
sonderer Hervorhebung des sagenhaften und biographischen Stoffes. 
— Latein findet im Lehrplan der sämtlichen militärischen Unterricht«- 
Anstalten keine Aufnahme. Französisch beginnt "erst im ersten 
Jahrgang; es wird daher in der Eintrittsprüfung noch nicht darnach 
gefragt, fällt daher in der Eintrittsprüfung fort. Englisch wird 
Oberhaupt nicht gelehrt. Zeichnen, welches in allen militärischen 
Unterrichts -Anstalten (Kadettenschulen, Militär- Realschulen, Aka- 
demien) eine hervorragende Stelle einnimmt, beginnt im ersten 
Jahrgang. 

Zur Aufnahme in den vierten Jahrgang (vollständige Absol- 
▼ierung einer Übcr-Roalschule, eines Ober-Gymuasiums oder einer 
diesen gleichgestellton Lehranstalt nötig) wird verlangt: Deutsch 
u, a. Grnndzüge der Stillehre, das Wichtigste aus der aligeineinen 
Rhetorik und Poetik, Einflechtuntren kurzer, jedoch systematisch 
geordneter Bemerkungen über die hervorragendsten Perioden der 
deutschen Litteratur, Charakteristik der berühmtesten Schriitäteller 
und ihrer Werke. Französisch u. a. die unregelmäfsigen, re- 
flexiven, unpersönlichen Verben. Übersetzungen aus dem Frauzö- 
aischen und in diese Sprache, (leographie. Staaten Europas 
ausschliefslich Österreich-Ungarn. Geschichte. Allgemeine Welt- 
geschichte bis 1815 mit be.sonderer Hervorhebung der Geschichte 
Österreichs. Mathematik, Geometrie und Geometralzeichnen. 
In Planimetrie, Goniometrie, ebener Trigonometrie, Stereometrie 
Wiederholung des für den vorhergehenden Jahrgang notwendigen, 
des.sen Angabe hier zn weit führen würde,*) ferner in der praktischen 
Geometrie: Elemente der Feldmefskunst, Kenntnis und Gebrauch 
der wichtigsten geodätischen Instrumente, Elemente der Höhenmefs- 
kuust, der wichtigsten Nivellier-Methoden, barometrische Höhen- 
mesaungen u. s. w. Physik u. a. das Wichtigste ans der Mechanik, 
Akustik und Optik, Elektrizität, Grundzüge der Wärmelehre (dies 
Alles schon im früheren Jahrgang behandelt). Chemie. Die 
wichtigsten einfachen Stoffe und deren Verbindungen, Bildungs- 
uud Zersetzungsprozesse, die bedeutendsten Anwendungen der Chemie 
im gewöhnlichen Leben, insbesondere in der MilitÄrtechnik (schon 
den früheren Jahrgängen zugehörig). Freihaudzeichen. Einige 



*) Hanpt^chlich dessen, was in nnserm Ktdetten-Coip« svr Zdt teils in Olm- 
Tflftia, teila in Sekunda gelehrt wird. 



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Fertigkeit im Umrifszeichnen nach Vorlagen. Schönschreiben. 
Gefallige, fliefsende üaudBchrift und Fertigkeit in der Plangchnft. 
Aofserdem das Wichti;;ste aus allen militärischen Fächern be* 
znglich Taktik, Terrainlehre, VVaffenlehre, Pionierdieutf ExOMMP- 
Bgglement, Heeres-( )rgani8ation und Dienstkenntnis. 

Die Kadettenschulen, welche in Übereinstimmung mit der er- 
wähnten Neuorganisation seit diesem Jahre (1889) in die »MiUiär- 
Endehungs- nnd Bildungs-Anstalten« eingereiht sind, stehen unter 
je einem Stabs- Offizier als Kommandanten und besiteen anleier 
diesem und seinem Adjutanten meist noch 8—9 Lehrer, wdclie 
sämtlich Offiziere, Hauptleute nnd Oberlientenant», letztere zuweilen 
auch vom Bahettande sind, sowie je einen Milii^rzt. Eine 
Trennung in Lehrer- nnd Erzieherpersonal findet nicht statt; alle 
Offiziere erteilen zugleich Unterricht, selbst der Kommandant, der 
meist die Taktik übernimmt. Die obenerwähnten militänaohen 
Fächer nehmen, besonders in den höheren Jahrgängen, eine dem 
speziellen Zweck der Schule entspreohende wichtige Stelle ein. 
Aulserdem wird Turnen, Fechten, Tanzen nnd »geieUschaftlicher 
Yerkehr« gelehrt. Aniser dem chiistUohmi Beligionsunterricht findet 
femer auch Unterweisung in der muhamedanischen Religionslehre 
statt Bei dieser Gelegenheit sei nooh besonders bemerkt, daÜB die 
christliche Bieligion nicht wie bei tme eine conditio sine qua non 
für die Erlangung des Offiziergrades ist; wie Mnhamedaner (bei den 
bosnischen Truppenteilen), eo können daher auch Juden und zwar 
bei allen Wafi'engaitnngen und Truppenteilen im 0£fisierstande 
Aufnahme finden. 

Alle Jabre findet eine Prüfung zur Feststellung der Forttebritte 
beziehungsweise der Absolvierung der ▼orgesobriebeneo JahiespeDsen 
statt Diejenigen, welche hierbei nicht genügen, messen »lepetiereiic 
(i. e. sitzen bleiben). Wegen schlechter Fflbrong oder gans un- 
genügender Leistungen können die Zöglinge, welche das militär^ 
Pflichtige Alter erreicht haben, auch strafweise als Gemme zu drei- 
jährigem Dienst in die Armee eingestellt werden. Diejenigen, 
welche das SchlufBezamen nach Absolvierung des vierten Jahrganges 
bestanden haben, werden als »Kadettenc (ohne Charge) in die 
Annee eingestellt und gewöhnlieh nach Gewinnung der Zwiscben- 
dmigen als Kadett- Korporal n. s. w., manchmal aber auch ohne 
diese, sohlielilich zum »Kadett-Offiziers-Stellvertreter« (entspricht 
etwa unserm Offizierdienstthuenden Degenfähnrich oder -Yicefeld- 
webel) befördert, und von hier nach einer aktiven Gesamtdienstseit 
von etwa swei Jahren (frftber ISager) mm Uoierlieatenani ernannt 



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169 



Die AmbUdniig des OfBsier-firaatMs d«r tetemichisch- 



An dieMT Stelle dllfften einige Angaben fiber die MigenblieUieh 
bestehenden Avanoements-VerhSltnuBe in den onkeien OfBaen- 
Chaigen der k. nod k. Armee nieht nnintereeeant eein. Diese haben 
iiek neuerdings gegen firOhtr weBenÜich gttnstiger gestaltet, nnd aind 
bei der Inlmterie etwa die folgenden. 8 bis 4 Jahre ünteriievtenani, 
6 bis 7 Jahre Oberlieotenani, 11 bis 12 Jahre Hauptmann (bd der 
EaTallerie dnrdhschnittlieh etwas linger), so dals der Kadett, dw 
nit etwa 19 Jahren in die Armee eintritt, mit etwa 21 Jahren 
OfiHsier, und sohon mit 31 Ins 32 Jahren Haoptmaon wird« Mit 
42 oder 43 Jahren erreicht er alsdann, wenn er das Enmen nach 
dem eiroa halbjSbrigen StabeofBsier-Enrsiis besteht, die Majors- 
Ghaige. Was die Gebaltsrerhlltnisse im Vergleich sn den nnserigen 
anbetrifft, so stellen sie sich ün Allgemeinen so, 'dafo die Emofai> 
mente der Unter- und Oberlientemmti in der k. nnd k. Armee 
hoher als die der gleichen Chargen bei nns, die der Hanptlante 
L nnd II. Klasse in beiden Armeen annShemd gleich, vom Stabs^ 
offinior ab die nnserigen dagegen höher sind. Ohne in die Details 
dnaagehen, sei aber hierbei herrorgehoben, dafe die Standes- nnd 
sonstigen notwendigen Ausgaben nnd Abzüge bei nns wesentlich 
hdher sind als dort, was das nngfinstige Yerhiltnis fttr die unteren 
Chargen bei uns nodi steigert, das günstigere in den StabsolBsia^ 
Chargen dagegen ansgldcht. Bemerkenswert ist aneh der wohl 
bekannte Umstand, dals die Andennit&t aller Chargen — also aoch 
der Unterltentenaats in Österreich-Ungarn durch die ganie Armee 
erfolgt, weshalb denn auch gewohnlich al^jShrlich nur swei grolse 
Afanoements-Termine, im Mhjahr nnd im Herbst, stattinden. 

Nach diesem Oberblick ^ber den Ofifinen^Ersata, soweit er sich 
aus den Einjahrig-Freiwilligen nnd den Kadetiensehnlen rekrutiert, 
gehen wir zu einer genauem Betrachtung der UilitSrwBealsohulen 
und Akademien Aber, speziell Yon wdch ietataren die su Wiener- 
Neustadt der Ckgenstand dieser Darstellnng sein soll. 

Die Vorstufen, auf denen der . künftige junge Soldat zu ihr 
gelangt, büden die vier Militib>Unter-Real8chulen zu St Pölten, 
Gflns, Eieenstadt und Kaschan, sowie die Militar-Ober-Bealschule 
su Mahrisoh-Weifakirchen. Eine Vorbereitnngs- und Vorbildunga- 
Anstalt für die Militär- Unter- Realschulen, ebenso wie für die 
Kadettenschnlen, besteht auch noch in dem Militär-Waiseuhaose 
zu Fischan bei Wiener-Neustadt Dieses Haus, welches einer Volks- 
schule gleichsteht, erzieht in 7 jährigem Kursus (vom 7. bis zum 
14. Lebensjahr) 140 unbemittelte meist vater- und mutterlose 
Waisen (zuweilen aber auch noch bei Lebzeiten eines Teiles des 



Eliernpaares) nnd überweist dieselben dann entweder in einem Alfter 
TOD 14 Jahren dem mitenten Jahrgang einer Kadettenaehule 
oder giebt die besten von ihnen schon frfiher, im Alter von 
10 Jahren, in den. dritten Jahigftng einer Militür* Unter- Keal- 
schnle ab. 

Die Militär-Unter-ReaUchnlen, welche in ihren Ein- 
richtungen nnBeren Kadetten -Voranstalten von Sexta bis Untertertia 
am nächsten kommen, enthalten je 200 bis 215, die zu Eisenstadt 
circa 280 Zöglinge. Sie nehmen in den jüngsten (ersten) ihrer 
Tier Jahrgänge Knaben im Alter von 10 bis 12 Jahren anf, welche 
also entweder direkt aus dem elterlichen Hanse, einer YdJaschole 
oder aus dem Militär-Waisenhause kommen, und erteilen einen der 
Civil-Unter-Realschule in den entsprechenden fflassoil gleichen Unter- 
richt, 80 dafe dadurch ein Übertritt aus den einzelnen Jahrgängen 
der letzteren in die entsprechenden dieser Anstalt erleichtert wird. 
— Die Gebäude der vier Militär-Unter'&ealschulen sind meistens 
8ch5n nnd in grofeen Gärten gelegen, namentlich ist die zu Eisen- 
stadt in der Nähe des Neustadter Sees befindliche ein herrlicher 
Bau in prächtiger hägp. Die Tageseinteilung und Beschäftigung 
tilgt, wie in unsenn Yoranstalten, dem Gesichtspunkte einer streng 
garegelten, geistigen wie körperlichen Erziehung gleichmäßig Rech- 
nung und die Vorgesetzten der Knaben sind ihnen nicht blofs 
dietee, sondern zugleich auch sorgsame und gewi«enhafte Vertreter 
der Eltern, wohlwollende Lehrer und fVennde, sowie echte Vorbilder 
auf dem ihnen beatonaiten Berufswege. Die Uniform der Zöglinge 
besteht aus einem grauen WafTenrock und blauer Hose, auf den 
roten Parolis des Rockkragens befinden sich die »einfachenc oder 
»doppelten Auszeichnungen« in Gestalt kleiner gelber Litzen, welche 
also unseren »Gefreiten- und Unteroffizier- Abzeichen« in den Kadetten- 
häusem entsprechen würden. Wie in den letzteren, so wird auch 
in den österreichischen Militär-Unter-Realschulen ein Seitengewehr 
noch nieht getragen. 

Eine Militär^Unter-Realschule untersteht einem Stabsoffizier als 
Kommandanten, nnd ihr E^ai aählt aufser diesem, seinem Adjutanten 
und dem ökononiieoffizier noch etwa 10 Hauptleute bezw. Ober- 
lieutenants und 1 Militärarzt, welche sämÜich auch Unterricht er- 
teilen. 4 Hauptleute fungieren als »Klassen vorstände«. An CiTil- 
Murem ist gewöhnlich nur ein »geistlicher Professorc (für Religion 
nnd meist noch eine Sprache) sowie ein Lehrer für Musik- und 
Ckeangunterricht vorhanden. Der Militärarzt lehrt zugleich Natur- 
gesehichte, die flbrigen Offinere Milser £xenieien, (Ausbildung ohne 



in 



Die Aathifciimg dn Offlikv-ErMtiM der fittorrtiohiMb- 



Gewehr bis zum Eremeren in der geschlossenen Compagnie) und 
Schiefseu mit dem Zimmergewehr, böhmisch oder ungarisch (eine 
dieser beiden Landessprache u ist obligatorisch), deutsch, französisch, 
Geschichte, Ge(»graphie, Mathematik, Physik, Chemie, Geometral- 
und Freihandzeichnen, Schönschreiben, Dienstvorschriften und An- 
standslehre (militärisches und gesellöchaftliches Benehmen umfassend), 
femer Turnen, Fochten und Schwimmen. Diejenigen Zöglinge, 
welche nach Ablauf des vierten Jahrganges nur einen »genügenden« 
Gesamterfolg — statt des geforderten »guten« — erreichen, werden 
statt in die Militär-Ober- Realschule in den ersten (untersten) Jahr- 
gang einer Kadettenschule übergeführt. 

In allen Militär - Realschulen, sowie auch in den Militär- 
Akademien giebt es ganz und halbfreie »Ararial-Plätze« sowie »Zahl- 
plätze«, aufserdeni noch eine beschränkte Anzahl von StaaU- bezw. 
Landes- oder I'rivat-Stiftungsplatzen, welche unter Voraussetzung 
des Zutreffens der sonstigen Aufnahmebedingungen im Sinne der 
Stifter besetzt werden. Auf die sogenannten >Arahal- Plätze«, 
welche von Sr. Majentät dem Kaiser und König verliehen werden, 
haben Anspruch: die Söhne aktiver und früherer Militarpersouen 
(bei h tztt ren ist, wenn es sich nicht um vor dem Feinde gefallene 
Personen liaudelt, eine wenigstens zehnjährige Dienstzeit Bedinguug). 
fenier die Söhne von aktiven oder pensionierten Civilbeamten, 
welche mindestens eine zwanzigjährige Dienstzeit hinter sich haben. 
Auf Zablplütze haben die Söhne aller österreichisch-ungarischen Unter- 
thanen Anspruch, jedoch erhalten befähigte Jünglinge mit guten 
Schulzeugnissen, insbesoudons Söhne von Militär-, Hof- und Civil- 
Staatsbeamten, den Vorzug, über die Zahlplätze verfiiiit das Reichs- 
kriei^aministeriuni. — In der That setzen sich die Zöglinge der 
Militär-Realschulen sowie der Akademien, wie schon oben erwäbnt, 
hauptsächlich aufser aus Ofüzierssöhnen aus den Söhnen der letzt- 
genannten Heanitenklassen zusammen. Dafs Söhne von Unter- 
Dtlizieren u. s. w. Eintritt finden, ist jetzt nur höchst selten und 
ausnahmsweise der Fall. Das Kostgeld betragt in den Militär-Eeal- 
schulen 400, in den Militiir-Akadenüen 800 Gulden. 

In die Militär-Oljer-Realschule gelangen aufser den direkt 
aus dem Civil eintretenden Knaben somit nur solche Zöglinge der 
Militär-Ünter-Realschulen, welche mindestens das Prädikat »gut« 
als Bezeichnung des Gesamterfolges aufzuweisen haben. Obgleich 
dies sehr hart erscheint, soll, wie versichert wird, von dieser Be- 
stimmaDg dennoch nicht abgewichen werden — es dürfte dann aber 



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QBgaMMi AvsM tttar hmn ^ m BflrtetaUMIgmv «. ■. w. ItÜ 
ivohl offc eitra sehr milde Beurteihug des Eiiiaalneo Plafti graifiBii 

Wie schon erwähnt« giebt es nur eine einzij^e Militör-Ober- 
Realschule, die sich zusammen mit der Kavallerie-Kadettenschule 
in MihriAch- Weilskirchen befindet, und welche, da die Militär-Real* 
schulen den siebenklasaigen Staats-Bfidaehalen mit deutscher Unter- 
richtssprache entsprechen sollen, demgematB einen drqjfthr^(en Kursus 
omftfet Sie bildet daher, mit unseren VerhältniBsen, so weit dies 
mOglidi, Terglichen, die Mitte zwischen den Yoranstalten nnd der 
Hauptanstalt unseres Kadetten-Corps und umfafst dabei etwa unsere 
Ober-Tertia und Sekunda. Das Mimmal-Eintrittsalter der Zf^linge 
ist 14, das Maximal-Alter 16 Jahre, ihre Zahl beträgt zur Zeit 
461 — M eigiebt sich daraus, dals, da die Militar-Unter-Realschulen 
snsammen Aber 800 Zöglinge enthalten, wohl nur der kleinere 
Teil derselben dieses Ziel erreicht. Überall tritt, wie sich dies auch 
spiter wieder bei dem Übertritt in die Akademien leigt, das Be> 
streben hervor, in letzteren, den HanptUIdnngBanstalten fiKr das 
Offizier-Corps, in jeder Beziehnng nur das geriditetste, beste Material 
zu rereinigen. Es sollen die ans diesen letzten Anstalten herror- 
gehenden Offiiiero eben in erster Linie das Material für den spfttem 
Besodi der »Kriegsschnle« bilden, welche bekanntüeh nmerer Eriega- 
Akademie entspricdit nnd den Naehwnohs flkr das GenaralBtabs-Gorps 
sn hefem hat. 

Die Militär-Ober-RealBehnle hat einen Oberst als Kommandanten, 
dem ein Adjutant nnd zwei ökonomieoffisiere zur Verwaltnng der 
Innern OescbÜte, femar 29 Offiiiere ak Enieher nnd Lehrer der 
Zöglinge untsTstsltt sind; unter ihnen bsinden noh 1 Major, 
15 Hauptlente, 2 liste n. s. w. Die ünterricht^gegenttlnde en^ 
sprechen im aOgeinflinen denen der obsrsten drei 'Klassen einer 
Cäfü-Ober-Realadisle nntir aagemeasener Brweitemng der Gmnd- 
lagen miltttnseher Ansbildong. Der wissensohafUiche Untenioht 
erstreokt sieb auf dentseh, böhmiaeh besw. nngarisoh, franzOsisGh, 
Mathematik, Qeechichte« Geographie, PbjBik, Chemie, Natoigesohiehte; 
anf Zeidinen (Geomeimt-, EVdhand- nnd SitaaüonsKeichnen) wird 
▼iel Wert gelegt, auoh BehSnschieiben (Knndr-, Bund- nnd Bh)ok- 
sehrift, Hegende nnd stehende Schrift) sowie Stmogiaphie nnd 
Anstan d slehre wird gelehrt, Religionsunterricht tndet dagegen nicht 
mehr statt. Wsitsie Lehigsgenatlnde sind Ttunen, Fechten, 
Scthwimmen, Bingen, nnd namentUeh Mnsik, welehe sehr eifelgretch 
gspflagt wird. Die speziell miKüiisohs AasbUdnng besteht in dem 



71S ^ Anbildang des Offliiar-&MtMs der tet«n«iobiioh- 

Bxenierdiengt Qua mm Eiennerieii ■ im BatiuUon), wobei Mif das 
geseblosBeoe Ezemeren der Sehwerpunkt gelegt werden soll, in der 
Ansbildnng als Lehnneister för den einzelnen Soldatm, der prakti- 
adien Einfilrnng der wiohtigston Fonaea dee Felddiemtes» der 
Kenntnis des Gewehrs und der Schie&iegeln, der Theorie des 
Schiebens, und dem praktischen Schiefsen sowohl mit dem Zimmer* 
gewehr als dem £xtra-Coips-€lewehr. Auch über den Piouierdienst 
und das Geschfitsweeen sollen die Zöglinge, jedooh nur »den Haopt- 
Qinriisen naeh« und nnr insoweit unterwiesen werden, als dies nötig 
erscheint, um sie mit dm hierher gehörigen, wichtigsten Formen 
nnd Benennungen vertraut zn machen. 

Während das Schuljahr, welches am 1. September anfangt, bei 
den Militär-Unter-Realschnlen schon am 30. Juni schliefst, dauert 
es bei der Mi Ii tar-0 her- Real schule bis zum 15. Juli, da sich für 
diese noch ein vierzehntägifipr praktischer Kursus anschliefst, in 
welchem alle diejenigen nulitärischen niid militäiisch-technischeu 
Übungen vorgenommen werden süllcii, welclie im Lanfe des Schul- 
jahres mit Rücksicht auf den ungestörten Fui Tirau^ des theoretischen 
Unterrichts nicht stattlinden können. Dad\ii ( h dafs die Kavallerie- 
Kadetteuschule der Militür-Ober-Realschule benachbart ist — sie 
befindet sich, wenn auch für sich getrennt, so doch in demselben 
Gebäudekoniplex — ist der letzteren damit vollkommen Gelegenheit 
zu gemeiuscliaftbclien Übungen mit gemischten Waffen geboten 
und zugleich damit für sie der Vorteil mancher kavaiieristischen 
Anregung verbunden. 

Das inuere Leben, der Dienstbetrieb u. s. w. ündet im all- 
gemeinen in ähnliclier Weise wie in der Militär-Unter-Realschule 
statt. Die Zöglinge werden von ihren jüngeren Kameraden in der 
letiteren dnieh rote Achselspangeu und Wulste, vor allem aber 
durch das Seitengewehr mit dem seidenen Portepee nnd. darcb den 
Besits des Qjakos mit einer seidenen Borte sowie des^Extra-Corps- 
Qewehrs unterseheiden. Die »einfaehenc nnd »doppdtenc Ans» 
seichnnngen sind dieselben wie |n den Müitir-ünter^Bealsobnlen. 

Ist die Militar-Ober-Bealschnle glKcUich, im Alter von 16 bis 
18 Jahren, mit dem Prädikat »gntc absolviert — die nnr mit >ge- 
nfigend« beseichneten Zöglinge werden in den entspreehenden Jahr- 
gang der Kadettensohulen vefsetrt — so kommt fBr den jungen 
Krieger der grolse Moment, wo er sieh in den »Akademiker« ver- 
wandeln soll. Jetst erfolgt, insofern ihm nicht dnroh die Stifksplltae, 
den Bestimmungen des Stifters entsprechend, der Weg von vomr 
herein Toigeeclirieben war, die wichtige Entsdiddung über die 



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«ngariaelMB Anaee' antar biMNidarar Berfiokiiehtigiiiig n. «. w. 174 



Waffeiifrage uiul die Trennung der bisher vereinigten Kameraden, 
von denen der eine — pröfste — Teil in die Wiener-Neustadt- 
Akadeiiiie (für Infanterie, JäLjer unJ Kavallerie), dor aiirlero kleiiirre 
in die technische Militär-Akademie zu Wien (iür Artillerie und lu- 
genieure) fibertritt 

Dk entgenannte, altberfihmte Akademie, mit der wir uns nmi 
gOBMur beeehaftigeu werdieii, ist die Stiftnng der Kuaerin Maria 
Theretia. Dtaio edle Uonarehin, welche der grofoen Menge anseres 
praaliriacheii Volkes viel sa wenig bekannt wfe — denn wie riele 
winen TOtt ihr mehr, ab dab ne «ne Ffimtitt ?on bewnnderonrarter 
Energie nnd die tapfere Gegnerin nnseres groben Friedrieh gewesen 
ist — hat rieh durch ihre wahrhaft grobartige kndesmttterliche 
Ffinosge f&r das Wohl ihrer Unterlhanen — eine Fllnorge^ deren 
Sparen der Reisende in östeneioh-üngani auf allen (Gebieten antrifft 
^ in den Henen ihres Volkes fOr alle Zeiten ein Denkmal gesetst, 
das, aere perennias, sehSner noch und herrlieher erscheint, als jenes 
prSehtige, welches man nenerdings der »groben Kaiserin« dort 
Bwischen den Monnmentslbanten des Bnzg^Binges anfgerichtet hat 

Anf dem Ckbiet des M]litir>]Sndehnngs» ond Bildnngswesen 
ist anber der Militär- Akademie an Wiener- Neustadt- noch das 
Ofifiiierstöchter-Erziehtmgsinstitat in Hemals unmittelbar aus dieser 
Ffirsorge der Monarchin für die Armee nnd deren Angehörige ent- 
standen. Indirekt verdanken ihr aber anch die Militär-Renlschul^y 
ebenso wie die Offizierstöohter-ErzJehuDgsanstalt in Odenburg ihren 
ürqnrung, da diese sieh erst ans den Mutter^Instituten entwicki Ueii, 
als die Notwoiuligheit einer Verraehning der Plätze nnd eine 
INmmnng der Unterrichtsstnfen sich im Laufe der Jahrzehnte fühl- 
bar machten. Auch die Kadetteitsrhulen sind nnr als eine indirekte 
Folge der erst von Kaiserin Maria Theresia bei den einzelnen . 
lief^iinentern in das Leben gerufenen Einrichtung der Kadetten an- 
zusehen. »Öo wurzeln noch lieutznta<^e fast die srimtliclHMi Er/iphungs- 
Anstalten der k. und k. Armee in jcnfii von der grossen Kaiserin 
und Königin geschaifenen Griindungon,« sni^t mit Recht ein hervor* 
ragender Kenner der Heeresgeschichte seines Vaterlaiuies.*) 

Wienei'^-Neu.stadt ist t ine etwa 50 km von der Keichshauptstadt 
eniiernte ond au der Bahn nach Graz gelegene Gamiaoustadt von 

*) Dans« in «üotar den ftJkam\ Anhat diaism Ba«h nnd — in entor 

Beihe — perBönlieher Studien und AvbeichDiiBgeB liegen unaorer Darstellung noch 

zu Grunde: die einsclilSgigen offiziellen Bestimmongon und Lehrpläno Fowio der 
(teilweise gchoQ veraltete) NFflhrer dnxob Haas n. i. w. der k. k. Milit&r-Akademie. 
Wien 1880. 



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175 



ca. S5,000 Einwohnern, bekannt als Gebortsstadt Kaiser Maximilians L, 
der auch in der SchlobkapeUe der ehemaligen »Bürge, der jetiigai 
MiUt&r-Akademie, beatattot uL Die Biug dar alten Babenberger 
mr 68, walioha die Kaiserin Maria Theresia 1752 xum Aufenthalts- 
ort eines »adeligen Kadettenhaoseec bestimmte, dodi verlor sich 
dieser Ausdruck bald, und es trat dafür die noch heute geltende 
Benennung »Akademie« ein. Der Bau wurde 25 Jahre später 
wesentlich veräudert und vergröfseil und blieb dann so, bis der 
jetzige Monarch, Kaiser Franz Joseph I., gegen Knde der fünfziger 
Jahre einen Anbau an das Hauptgebäude befahl, welcher augenblicklich 
unter anderm das Lazarett, die Reitbahn, die Focht- und Tumsäle, 
sowie das Schwimmbad enthält. Die Lehr- und Wohngebäude der 
Akademie haben dagegen, von einigen unbedeutenderen Veränderungen 
abgesehen, in der Hauptsache ihren alten baulichen Charakter bei- 
behalten. 

Die Akademie, welche einem Oberst oder wie augenblickUch 
einem General unterstellt ist, beherbergt zur Zeit 350 »Zöglinge < 
(bis 1888 nur 300) welche Zahl aber im Jahre IBUl auf 400 erhöht 
werden wird. W le schon gesagt, sind es iu erster Linie die besten 
Zöglinge der Militär-Ober-Realschule, die hier eintreten, soweit die- 
selben sich nicht für die technische Akademie entschieden haben, 
oder Abiturienten der CiTilrOber-Gjnmasien besw. Ober-Bealechulen, 
soweit dieie in den Rahmen dar BMÜmmniigen Uber die Anfiialune 
▼OD ABpizanton hindnpMeea. 

llSge der geneigte Leeer mit mir nnlohit eine hu» Waa- 
derong dareb die BSame der A Vedemie antreten, bei welcher wir 
nni bereite ftber eUee Wichtige bimiobtfiofc der OigenieetioB der- 
selben iDformieven kdnnen* Von der SInbe treten wir mnidiei 
.in die 1460 vollendete eehSne fiehVift" oder Geoigenkiidie ein, 
welche unter ihrem Hoobelter die (fennntlieben?) irdisdwn Ober- 
reete Kaiser Mairimillane birgt nnd auf dem mittieien dsr drei 
prsebtvoUen, von alten medcriandiechenKQnBtleni gemalten Fienstem, 
aof deren emem wir nooh die Jahremhl 1478 lesen, die Geetelt 
dieses Kaisers mit seinen beiden GemahUnnen nnd smnem Sehn 
Philipp zeigt. Vom Henpthof Aue .gehu^geo wir sodann in eine 
schöne Wappenhalle, welche anlser dem greÜMn Wappen des 
Kaiserstaates die aller der yerochiedenen einst sellwtstandigmi 
Landesteile enthält, die jetst unter dem segensrdlchen Szepter der 
Habsburger Tereinigt, die verschiedenen Bestandteile der polyglotten 
Monarchie bilden. Aus dem Wappensaale geLui^^t man über einen 
Yorplats in das mathematische oder Mefonstrnmenten-KeJfapnett. 



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angamcben Armee anter beeoaderer Berfickskhtigang a. s. w. 176 



Dieses sowohl wie die übrigen ModeilriUe für den phyBikalisohen 
und BAtarwitMiiaelwfüidMnUiitoniebt, dieliigMiimii^WiaMiischaften, 
die WaÜBiilehie iL s. w. sind anberordentiidi niehhaltig ausge-, 
atattei. Beeonden kt alles, was ftberhaapt in daa Gebiet des 
teehnisehen ünteixichiB iSllt, durch ansgeaeidineto Modelle und auf 
Wandtafeln in grofrein Mabstabe daigestellt, tun dem Frinsip des 
A nichawttngsnntcmelites in weitestem Mmüb Beehnnng an tragen. 
80 enthftlt n. a. der Modellsaal alle Proben der Hoharten, die im 
lageDieordieiiBt snr Anwendung kommen, Mbd^e aller bei der 
Feld- nnd p«rmanenten Befestigmig irgendwie rar Verwendong ge- 
langenden Werkaeage nnd QerStsebaften, grolse nnd schön ansge- 
fahrte Mbdelie Ton Eisenbahnen nnd ftücken der TerMshieden- 
ftrtigrtsn Konstroktion, welebe die Fortsdiritte Ton der filtesten bis 
»nf die neueste Zeit Yor Augen führen; fOr die permanente Be- 
festigung sind ebenso Forts neuester Kimstruktion mit modernen 
WaUeinnehtongen und sonstige Yerteidigangs-Anlagen, sowie Dar- 
stellnngen der modernen Belagerungsarbeitsn vorhanden. Der 
»Waffensaal« führt uns in übersichtlicher geschmackvollar Zu- 
sammenstellung und Ausstattung fast ein kleines Museum vor, in 
ivelchem alle Jahrhunderte in sich geordnet siud und das ein 
höchst lehrreiches Bild von der Entwickelung, der Bewaffnung im 
allgemeinen nnd namentlich der Feuerwaffisn zu geben weifs. 
Dieser Eindruck eines richtigen kleinen Museums wird dnrch die 
vielen Trophäen — die jüngste stammt aus dem bosnischen Feld- 
ziige — sowie durch die Anordnung erhöht, dafs man die Waffen 
der letzten drei Jahrhimderte in sehr geschmackvoller und sinni(:fer 
Weise nm die liiisten berühmter Herrscher und Feldherren 
gruppiert hat, welche vom Östeneichischeu Standpunkt aus ge- 
wissermalisen als die Vertreter ihres Zeitalters angesehen werden. 
Eine ausgezeichnete Büste Prinz Eugens, »des edlen Ritters«, ftillt 
hier vor allem in das Auge. — Ein besonderes hippologisches Ka- 
binett dient zum Unterricht in der Pferdekenntnis, nicht h\o^s für 
die Zöglinge der »Reitabteilunge (das heifst der während des 
dritten Jahrgangs bestimmten Aspiranten für die Kavallerie), 
sondern für alle Zöglinge gleichmäfsig. Dies erscheint sehr 
praktisch. Hier befinden sich zwei vollständige Pferdeskelette, ein 
aufgestelltes und ein zerlegtes, Schädel und andere KDüchcnti:ilc, 
gesunde und kranke Hufbildungen, eine Hufeisen Sammlung für ge- 
sunde und kranke Hufe, sowie viele Präparate innerer Teile* Sehr 
gelui^en und sngleioh höchst wichtig für den Ansehanuugsauterricht 
sind amih die ton den Zöglingen selbetgeseielmetett Ivbigen Wand- 



m 



Die AiubOdov to OOiMbMiMS MnniehiMih- 



tafeln, welche in charakteristischer Weise sowohl das Äussere der 
Terschiedenen Pferderacen dantellen, als anch bei jeder die Vorzügn 
und Fehler derselben karz angeben. — Bemerkeniwert iafc schlief 
lieb nocb das Mannsobafto-Musterzimmer, welches alle foraduift^ 
miCrigen Einriehtangagegenstände eines ManDschaftsianmes, aoirie 
die vollständige Aoartlatnng e'mes Infanteristen, Jägers and Kayallfr- 
risten nebst der seines Pferdes zeigt und die Zöglinge zugleich 
durch Tabellen and Zeichnungen sowohl über den Anzu«,' des 
Mannes und die Kascrncuorduung, als anch über daa Satteln und 
Packen des Pferdes unierrichten soll. 

Die sieben Lehrsüle nehmen je fünfzig Zöglinge auf (der erste 
Jahrgang hat we^on der neuerliehen Etatserhohung 3, die übrigen 
2 Parallelklassen), was nach unseren Ansichten fiir die Leistungs- 
föhigkeit eines Tichrers zur Gewinnung gleiehmäfsiger guter Resul- 
tate zu viel ist; bekanntlich enthalten daher die Klassen unserer 
Kadetten- Anstalten auch hinhstens nur die Hälfte dieser Zifler. 
Die Tische und Bänke, wie bei uns durch breite Clänge nnter- 
brochen, gewähren dem Einzelnen reichlichen Raum zum Arheiteu 
und Schreiben, bedingen aber dadurch eine so grofse Ausbreitung 
in die Tiefe, daCs eine genügende Beobachtung der letzten Bank- 
reiben v<»i dem demlicb kleinen und niedrigen Katheder ans ziem- 
lich aobwierig eracbeini, wie denn auch die Beherraohnng dea 
grofeenKlawenranmes grofaeAnforderaDgen an daa Organ dea Labxwa 
atelton rnula. Die KlaaMi in welche die Einzelnen nach der Seh- 
kiaft gawtst werden, dient den Zöglingen in weit anagedehnterem 
Malae ala bei nna nun Aufenthalt, da dieielben merkwQrdigerweiae 
keine eigentlichen Wohnsiiiuner beaitnn, aondem lediglicfa anf die 
Lehr- nnd SchlafiAle nebifc dem Erholnngnaal (Eaaino) beacbrftnkt 
aind. So mflaaen denn die LehnUe anch zu allen feakgeaelrten 
»Wiederholnngic- (Arbeita-) standen, com NachhÜfenntemoht nnd 
an priTaten Stadien n. a. w. benntit werden. Die Elaaaen- 
Emteilang der CSompagnie bildet denn anch die Gropfiiernng für 
den inneren Dienst binsiehtiicb dea Sehkf- nnd Elaaaalea. 

An den Winden der H&näle beaevgsn viele anfgehihigto Karten 
und Abbildungen immer Wieder den Wert, den man berechtigter 
Weise dem Ansohaunngamiterriebt beimiJat. Jeder Lehraaal ist 
aufserdem mit einem passenden Sinnspruch, sowie einem Gedoik- 
blatt zur Erinnerung an das fünfundzwanzigjährige Regierungs- 
Jubilänm Sr. Majestät des Kaisers geschmückt. Auf der einen der 
swei gio&en Wandtafeln des Hiinaals muls jeder Zögling der Reihe 
nach an jedem einaalnen Tage irgend ein auf diesen beaflgliches 



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iBgaifMbcB AiaMa ontar beioiid«rnr Berttekdehtjgu^ n. a. w. 



178 



yjisjorisclies Ereignis aus der Kript;8geschichte seines Vaterlandes, 
die er daraufliiii zu durchsurheii hat, niedersclireibeii — eine, wi« 
uns scheint, sehr empfehlenswerte Einrichtung. Der Lehrsaal für 
den physikalischen Unterricht ist, wie vielfach auch in unseren 
Schulen, mit ansteigenden Sitzen zum Zweck der besseren Vor- 
führung von Experimenten versehen. Die letzteren können durch 
ilie grofse Anzahl von Apparaten und Instrumenten, welche dafür 
y.in Verfügung stehen, sehr mannigfaltig und zahlreich sein — 
überall » Anschauung-sunterricht« ! 

Sehr grofaes Geweht wird in der Akademie iiugenscheinlich 
auf den Zeichenunterricht gelegt, fiir den drei grofise bcbondere 
Säle — zwei für das Situationszeichnen, einer f&r das Freihaud- 
seSclmen — vorhanden siiid. Die Modelle und Vorlagen, welche 
diese l^e enkbalten, and AbemielieBd maDnigfaltig und der Be- 
deutung, wekhe man dieeem üntemchtnwtige fUr den Moftigen 
jungen QffixMr beilegt, entspreebend sind auch die Erfolge wirklich 
henronragend gute in nennen. Die beaten Zeidurangen der Zöglinge 
trorden teils an den Winden ab Mnslar nnd Vorlagen aufgehängt, 
teils in besonderen Kartons Toreinigt, die im TheresieD-RitterBaale 
(iiber diesen siebe weiter nnten) aufbewahrt wetden. Sohon die 
greise AmaU der Yorlagen nnd Modelle logt Ton der Vielseitigkeit 
der Anslnldnng Zengnis ab. Da giebt es s. B. ftr das Sitnations* 
aeichnen Modelle ans Pappe, Oips, Zink nnd Enpfer, wdehe mr 
Hachahmnng nnd HenteUnng von Reliefkarten erfolgreich anregen, 
man erblickt bewnndemswilrdige ZSglings-Arbeiten dieser Art, u. a. 
Yon Teilen der Alpen, des Riesengebiiges n. s. w. — , ftlr das Froi- 
bandaelclinen Oipa- nnd HobmodeUe, welche alle Teile des mensch- 
liehen Körpers darstellen, anatomische Figuren nnd ganze Kunst- 
werke des klassisdien Altertnms; f&r die hippologischen Studien 
Pferd emodelle ni&Dnigfachst«r Art und für weiter Vorgeschrittene 
schließlich Vorlagen fBr Tieiv und Landschaftastudien sowie für 
Aquarelle. Nicht minder grolsenWert wird dem Geom >tralzeichnen 
beigel^t und viele Zeichnungen von mathematischen Gebilden und 
technischen Gegenständen, z. B. eines RepetitionsthetHlt^liten und 
eines Armee-Revolvers, beide in grofsem Mallsstabe und bis in das 
kleinste Detail direkt wie zur Aufnalune in ein Lehrbuch 
fertig, fesseln muere Aufmerksamkeit und erregen unsere Be- 
wunderung. 

Vm an dieser Stelle auch gleich der dem praktischen 
Unterricht gewidmeten Räumlichkeiten, durch die wir im Laufe 
unserer Wanderung gclanfjen, zu crwähueu, sei bemerkt, dafs dem 

Jakrbfiekar Ar di« Psgtieli« AmM nad MuiB*. Bd. LUX, S. 



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179 



Ke AaäbMvag des OfBiier-Enttiei der MnnioUaeb- 



Turn- und Fechtunterricht drei zwischen der alten Akademie und 
dem eigentliclien Neubau hctindliche Säle dienen. Dieser Unter- 
richt wird in ühulicher Weise wie in unseren Kadetten-Anstalten 
betrieben, das Fechten als Hieb- und Stofsfechten mit Säbel und 
Rappier, sowie das Bajonettfechten. Beim Turnen ist noch die An- 
leitung zu den wichtigsten FeuerwehrCibungen zu erwähnen, welche 
aber besonders im Sommer auf dem Tarnplatz im Freien betrieben 
werden, wo sogar das Modell einer mehrstöckigen Hausfront zu 
diesem Zweck erbaut ist. Die Tnrnsäle dienen aufserdom auch 
zum Tauzunterricht und zu gelcgeutiicben Tauzvergnügungen der 
Zöglinge. 

F8r den Reitunterricht im Winter existtert eine grofiae ge- 
deckte Reitbahn you circa IdOO Quadratmetern Ranminbalt, welche 
in den aof der ZoiebaaertribfQne ao^geetellten getretteu' Naeh» 
bildnngen der beiden greläen Reiterstatnen des Wieow BnrgpUtaea 
(ErsherBOg Karl and Prinz Engen) einen besonderen Schmnek be> 
sitit Über der Znschanerbilhne befindet sieh ein Banm ftr eme 
Mnnkkapelle, welcher anzeigt, dafo die »Beiteehnlo« (Reitbahn) 
aniaer dem Unterricht ancb noch feetlichen Zwecken dient. In der 
That finden hier auch gelegentlich die offizienen Feetfeierliohkttten 
dee gesamten Lehrer^ nnd ScbfilerperBonala statt, so z. das 
grolke Abschiedseesen des alljihrlidi am Qebnrtstage 8r. M^estät 
des Kaisers (18. Angnst) znr »Ansmuslemngc (Bntbssong ab 
Offiziere in die FVont) gdangenden dritten Jahrganges; der 
18. Angnst ist ein Tag, der dadurch ftr alle Beteiligten in swie» 
facham Sinne snm schönsten des gaaaen Arbeitqahres wird. An 
die Reitbahn grenzt der Stall, der zur Zeit 60 Pferde enthilt, 
aber ?on diesem Jahre an, wegen der wwlhnten Etats- 
Vermehmng Ton 350 anf 400 Zöglinge denn 80 beher- 
bei^en wird. 

Weiter ist die grofse »Sobwimmscholec zn erwähnen, eine 
Bade- und Schwimmanstalt, welche sich an die Tarn- nnd 
Feohtsäle anscbliefot, also noch /.wischen dem Alt^ nnd Nenban 
gelegen und die anf? einem beinahe 2000 Quadratmeter groben und 
im Schwimmraum .H'/j Meter tiefen Bassin besteht, das zur Zeit 
des praktischen Kursus in der darauf folgenden kurzen Ferienzeit 
ganz trocken gelegt uud gereinigt wird. Springvorrichtungen und 
Ankleidekabinen umgeben das Bassin, während schwimmende 
Balken, Flöfse, Fässer u. s. w. in dem Wasser die Lust und 
Freude der Jugend an diesem Sport fordern sollen. Für den 
Winter dient eine Warmwasaer-Bade-Anstalt den Zwecken der 



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nngniMlMii Armee «ater beiOBderar Bertekiieht^mg n. i. w. 180 

kdiperlichen Beini^ng. Von der Schwimmschale zum Lazarett 
sind es nnr wenige Schritte. Dieses Gebäude befindet sich im ersten 
Stock dee erwibnten Neubaues and enthält 6 grofse geräumige 
Krankenzimmer zu je nnr 6 bis 7 Betten, ein Inspektions- und 
Wärterzimmer, die Apotbeko n. b. w. Die Krankenzimmer liabpn 
infolge ihrer geringen Belccjnnt;sfiihir;keit und ihrer Ausstattung 
einen freundlicheren, wohnlichpr<'n Anstrich, als man dies sonst in 
den Lagerräumen militärischer und ähnlicher Anstalten zu finden 
pflegt. Dieser angenehme Eindruck wird noch durch einon breiten 
parkettierten und mit bequemen Ruhesitzen versehenen Gang ver- 
mehrt, welcher sich längs den Krankenzimmern hinzieht und der 
den Leichtkrau ken und Kekouvaleszenten einen angenehmen und 
geschützten Raum zum Aufenthalt und zur Bewegiing gewährt, 
während ihr Blick aus den vielen Fenstern nach dem schönen 
Park hinaus schweifen kann, wodurch das Gemüt der Kranken 
wohlthätige Anregung und Ert"n«chung erlililt. 

Die Resultate der geistigen Arbeit werden alljährlich in 
dem »Theresien-Rittersaale« zu Tage gefordert, wo eine zu diesem 
Zweck TOD Wien entaandte Prüfnngs-Komnrinioii ein starenges Gericht 
Uber die Lditangen der einzeliien Elasten abhält. So Mkliii nad 
grolsartig dioBar Saal rieh anch unter gewöhnlichen YerhaltaiiBen 
in seiner fonehmen Äasstettnng dem Beeehaner präsentiert, mit 
seinen in wob und gold gehaltenen, mit rotem Sammet gepolsterten 
Möheln, an der Wand das Bildnis des regierenden Monarchen in 
Lebenigrtfte, «mgeben Ton den bedentendaten Helden and Führern 
des Sstenreiehiaehen Heeres und ringabemm an den Wänden die 
Bildnisse aller BHteir des hohen Theierien*Qrden8, die einst 
hnge dieser Anstalt waren, — so bedenklich und nnheimUch mag 
dieser Saal gewib in den Tagen der Präfimg vielen der ünglnck- 
lidieii eiacheinflD, wiklie an den aohneU hineingesohafflen groben 
Tischen aohwitaen nnd grflbehi mäasen, nm die Qmntossopa ihrer 
Weisheit and die Frfichte ihres grOlseni oder geringem Fleüses 
während des letzten Jabreskursns an das Licht zu bringen! 

Aolser dem Tberesien-Rittersaal ist der »EhrensaaU besonders 
erwähnenswert. Dieser hat die Bestimmung, die Zöglinge zu einem 
edeln Ehi^eiz anzaspomen nnd sie beständig an die Pflicht der 
Dankbarkeit zu erinnern, welche sie der Fürsorge ihrer erhabenen 
Herrscherfamilie für ihre Erziehung und Ausbildung, ihr ganzes 
Leben hindurch Sebalden. Daher birgt der Ebrensaal die Portraits 
und sonstigen Bildnisse sowohl der berühmtesten Monarchen und 
Helden aas der mhmreicben Oesobiohte des Kaiserstaates, als auch 

18^ 



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181 



Di« AaibUdaDg des Offliier-ErMtiM der öitemichiaeli> 



aller derjenigen, welche mit ilem Wohl und Wehe der Anstalt 
verknüpft war^n oder ans ihr hervorgegang»'n sind, so der erhabfuen 
Stifterin Maria I heresia und ihres edeln Sohnes, Kaiser Josephs IL, 
der Kaiser Maximilian und Karl V., der jetssigen Majestäten, ferner 
Georg Frundsborgs, Wallensteios, MontecucuÜs, Stahreubeiigs, des 
Prinzen Eugen, der FeldmarsdiSIlB Dann, Laadon, Schwarzenberg, 
dei Enhenog Karl a. b. w. Ferner enthaltea die Sammlungen des 
Saake viele Hedaillen, welche dch aof geechichfUehe EreigiUBae 
oder Begebenheiten im Hensdierhaiise beliehen, die seiner Zeit ton 
Maria Theresia gestiftete Fahne, m der die edde Laadesuntter 
eigenhändig ein Band gestickt hatte, versehiedfloe Brinneningen an 
die fielÜMhen Bemiche mit welehen die Ifbnardien Ölrtanreioha die 
Akademie beehrt haben, nnd sehlieCdidi eine FflUe von Urknnden, 
Stiftsbriefen nnd Diplomen. Anoh die Schiiften aller de^enigen 
ehemaKgen Zöglinge, wdehe sieh Ton altersher bis In die neoeste 
Zeit anf litlerarischem Gebiete ansgeseiehnet haben (n. a. die des 
berOhmten Nordpolfahrers Jnlins Payer) werden hier gesammelt nnd 
in QlaskSsten den Lebenden anr Erinnerong, den späteren Qesdileoh- 
tern snr Kacheifemng soigsam anf bewahrt nnd der allgemeinen 
Besiehtigang freigegeben. 

Ihre Mahlseiten nehmen die Z5gltnge im Speiseeaal ein, dessen 
Wände mit den Bildern vieler berühmter österreichischer Generale, 
Feldzengmeifiter uud Feldmarschllle gesebmnckt sind; die Bilder 
sind praktischer Weise sogleich mit den nötigen biographischen 
Notizen versehen. Hier versammeln sich die Zöglinge, um die drei 
Hauptmahlzeiten des Tages, das Frühstück, das Mittag- und Abend- 
essen einzunehmen. Ersteres besteht im Sommer ans kalter Milch, 
im Winter ans Kaffee, dazu Weizenbrot; das Mittagsessen setzt sich 
— nach unseren norddeutschen Ansichten etwas opulent — aus drei 
Gängen zusammen, Suppe, Fleisch mit Gemüse, Braten; statt des 
letztern erscheint bisweilen als dritter Gaug eine der in Österreich- 
Ungarn stets so sehr beliebten Mehlspeisen. Unter letzteren versteht 
der Österreicher bekanntlich nicht blofs die süfse Speise, welche wir 
Norddeutschen mit diesem Ausdruck zu bezeichnen pflegen, sondern 
alle in der Hauptsache aus Mehl her;^erichteten Speisen, wie Nudeln, 
Klöfse u. 8. w. Abends giebt es stets warmes Essen und zwar 
immer eine Fleischspeise, oft Braten mit (leimise und Zubehör. 
Die einzelne Fleischportion mufs strt,s 140 (iramm in gekochtem, 
also meist wolil das doppelte oder mehr in rohem Znstande wiegen 
und es erscheint geradezu unbegreiflich, wie es dem betreffenden 
Ukuuuiuie-OÜizier, einem aktiven Hauptmann, dem die Verpfl^uugs- 



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nngwriacban Arme« aater besooderer BerücksichUguog a. s. w. Ig2 

Angelegenheit ansschliefslioh zufallt, möglich ist, bei den hohen 
Fleiwhpreiten und den Terhältnismälsig geringen ihm hiemi cor Yer- 
f&guDg stehenden Mitteln eine im Vergleidi mit den entepreehenden 
Verhiltniteen m nneeren Kodettenhftnsern, Alümtuiten n. e. w. gerade- 
ta opulente Verpflegung hemuteUen. Ane&bang der Selbet- 
▼erweltaug in weiteitem Sinn, wie b* B. durch Halten lebendigen 
VieiheB n. a. w., soll im Verein mit Sptfeamkeit nnd SaehkenntniB 
eine BrUirang daftr geben. Zwieehen dem Frllhetüek nnd der 
Mittagmahlieit «riialten die Zöglinge noch ein troekenes (nieht be- 
ekriehenee) weiohee WeUsbrot» Das Emen wird täglioh von dem 
dienathabenden Inapektione*Offiser, der aelbet mitepeiet, und von 
dem Alst, snweilen aneh Ton dem Ober-Inipektiona-Offiner (Aber 
den weiter nnten Qenaneres) geprüft. 

Die ^leheinriohtang im Speioeeeal ist der in nneeren Kadetten- 
Anetalten Shnlieh, die ZOglinge eiiien nach Elaaien ond Jahrgingen 
geordnet, an jedem einaehien l^oh ist ein Zögling des leisten 
(dritten) Jahr^gee »TisohTorsitzenderc Früher suchte man darauf 
hinzuwirken, dab lich an den einzelnen Tischen Sprachgenossen» 
flchaften zur Pflege der einseinen fremden Sprachen, besonders der 
nngarischen, unter selbstgewählten, der Sprache besonders mächtigen 
»Chefs« bildeten, doch ist dies Priniip wieder aufgegeben, da man 
erkannte, daXs — tout oomtne chez nous — doch schlieCslich die 
natOrlichste ond angeborene Sprache, die deutsche, die aUgemmne 
Kon?ereationiipnMhe blieb. 

Far die gerilige tägliche Frei- und Erholungszeit steht den 
Zöglingen ein Lesezimmer und ein Erholungssaal zur Verfügung. 
Im ersteren liegen Zeitschriften in den Hauptsprachen dp« viel- 
züngigen Reiches, ungarisch uud c/echisch, sowi.- fmnzösisrli aus, 
auch sind hier aus der tjrof'^en Hil>liothek gelatrrte Bücher /.ur 
geistigen Unterhaltung vorhanden. Im F^rboluugssaal, wu geranclit 
und in mäfsiger Weise Wein und Bier getrunken werden darf, 
stehen Klavier und Billards, sowie Schach, Dame und älmlicln' 
Unterhai tungs^iele zur Verfügung, dagegen ist das Karteuttpiei 
verboten. 

Die Scblatsäl^' enthalten die Betten für je zwei Züge zu je 
zwei »Kameradschaften« mit zusammen, einschliefslich der zum 
dritten Jahrgang gehörigen Chargen, 50 bis 60 Betten. Sie sind 
aufserordeutlich geräumig und mit einer grofsen Anzahl von Fenstern 
ausgestattet, welche, wenn die Temperatur ea irgend erhiubt, den 
ganzen Tag über otien stehen, so d;iff> die Luft in den Räumen recht 
gut ist. Die Betten, die sehr gefaüig ausächeu, bestehen aus 



Ijiyiiizca by GoOglc 



183 



Dia Anibildiiiig 6m Ottikr-linilMi dn MmtMM^ 



sohwan-ladderten eiienMii BettBtaU«ii, iralehe In fiir BflÜMn, dmi 
Tier KamendBchftftea entopiecliiaid, aufgestellt sind. An jedem Bett 
befindet sich ein Schränkchen, das aufser den Toilettegegenständen 
aooh die Kleider aad Wäsche des Bettinhabers aufnimmt, die hier 
in genau vorgeschriebener Ordnung untei^ebracht sein müseen* 
Was deu Hchlafsälen aufwr dem reichlichen Vorhandensein ron 
iiioht and Laffc» sowie der allgemeinen Sauberkeit ein besoaden 
angenehmes Aaesehn Tenohafft, sind die über jedes Bett aiM- 
gebreiteten groben, schwarz-gelb gestreiften und mit einem groieeDf 
darin eingewirkten Doppeladler verzierten Überlegedecken. Neben 
jedem Schlafsaal befindet sich ein kleiner Raum, in dem längs der 
Wand ein langer steinerner irog läuft, der mit verschiedeneu Hähneu 
•/um Ei!)fliefseu des Wassers versehen ist, und an dein einfache 
kleine Vorrichtuugeu zum Aufbewahren der Seife vorhanden sind. 
Diese Gelegenheit zur morgendlichen köqierlicheu Reinigung erscheint 
etwas primitiv, namentlich im Iliublick auf die gewisBennaisen opu- 
lente Ausstattung der Schlafsäle. 

Die grofse Bibliothek der Akademie, in welche wir uunmehr 
gelangen, besteht aus 30,000 Bänden, besitzt aber ein für die 
heutigen Bedürfnisse und Bücherpreise sehr geringe Jahres- 
budget — denn mit den ihr vom Reichskriegsministerium alljährlich 
zuHhfsenilcn ÖCK) Guldon, die nur ausnahmsweise auf besonderen 
Antrag zum Zweck einzelner spezieller Ankäufe erhöht werden 
können, läfst sich nicht viel machen, besonders wenn man bedenkt, 
dab diese Bibliothek, auiser dals sie deu Lehrern ausreichende Ge- 
legenheit zum Stodinm nnd nur Erweiterung ihres Wissens bieten 
soll, noeh mglmeh das Lasatett, das Lssedmmer der Zöglinge o. s. w. 
mit geeigneter Unterhaltnngslektfire zn Texsehen hat Allerdings 
Hieben ihr mannigfache Geschenke fon sciten der Mitglieder der 
Kaiserlichen Familie sowie anderwtttiger Freunde und Odnner so. 
Trotadem bleibt es wunderbar, dab sie im Stande ist, ihrem mehr^ 
seit^en Zweek gerecht zu werden. Die Bibliothek besitit einige 
sehr interessante und wertToUe alte Werke n, a. eine von dem be- 
rOhmten Künstler Hans Burgmaier selbst illustrierte Ausgabe des 
»Weilskunigc, welche einen Wert von droa 10,000 Gulden dar- 
stellt, das grofse nur in wenigen Exemplaren verbreitete Werk, 
»Dsscription de TEgypte«, welches seiner Zeit auf Befehl Napdeons I. 
von den ersten Gdehrtoi veriabt wurde. 

An sonstigen bisher noch nicht erwähnten Bftumen befindet sich 
femer noch in der Akademie und zwar in dem von den Zöglingen 
bewohnten Teile desselben das tinspekticnssinimer«, der gewöhn- 



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oogMischen Armee oater booo ndo rer Ber&cluiehtigung o. s. w. Ig4 

liehe AafeDthalt für den diensth&bendoi Offliier wShrand S4 fitmidtfi. 
Eine Emteilnng der Zögliuge in einaelii«!! Offisieton zugewi«B0M 
InipektioDeii, m sie i. B. in nDseron Kriegaschnlai oder in den 
Kidettea-AnetaHen siefa findet, exbtiert nicht, sondern nur eine 
aololie in Lehi^ und SehkfiAle Ar den innem Dienet, in Zfige für 
das Ssenderen n. e. w. Die KontroUe ttber die Handhabung des 
aOgemeiDen Dienetee, die Beobeflhtung der Hamordnnng ond Tagee- 
einteilnng n. a. w. daher in enter lonie dem fiir die jedee- 
malige Hemadiwainflgatflndige Zeitdaner komniandierien^Inapektione- 
Qffiser« ob, der nnsem Offinor da joor etietit; deitelbe wird in 
aeinem Dienet von den Avancierten dee IIL Jahrgangee ontexstiliit 
vnd iei eaineiieite dem »Ober-Inq»ektiona-0£fiBer<, einem der Staba- 
OlfiBere nnterstettt, die eben&Ui in einem bealammtan Tnmiis su 
diaeem Dienat heiangeaogan werden. Die Akademie besitzt nämlich 
aniiMr dem Kommandanten noch 2 bis 3 Stabe-Qffiaere (Majors und 
Oberstlieatenants), wekhe als »Studiendirektoreut dea 1. be/iehangs- 
weise 2. und 3. Jahrganges fangieren, daneben aber natürlich auch, 
wie alle Offinere, ihren Unterrieht erteilen. Die zur Akademie von 
der Truppe zur Bedienung u. 8. w. kommandierten Soldaten stehen 
unter der Anfincht einiger gleichfalls kommandierter Unteroffisiere. 
Dals somit die penönliche Kontrulle und Beaufsichtigang der 
Akademie-Zöglinge eine scheinbar ?iel geringere als bei unseren 
Kadetten -Anstaiteu ist, liegt darin, daüs die Zöglinge durchschnittlich 
alter sind als z. B. unsere Selektauer in Gr.-Lichterfelde und auch 
wohl als der Durchschnitt unserer Portepeefähnriche auf den Kriegs- 
schulen, mit denen die Akademie trotz des 3jährigen Kursus und 
des ausppdehnteu wissenschaftlichen TTnterriehts in manchen Hf- 
adehuugeii uocli eher /,u vorgleichen ist als die Prima oder Seleküi 
unserer Haupt- Kadetten -Anstalt. Auch hinsichtlich der Höhe der 
Zulage und ihrer Ausgaben besteht für die Zögliuge in Wiener 
Neustadt keinerlei Zwang oder Grenze; die ganz unbemittelten er- 
halten monatlich zwei Giüdea von Seiten der Akademie zuge^ 
wiesen. 

Ein besonderes »Wart- und .Sprechzimmer« dient zum Auf- 
enthalt sowohl der Offiziere während der Zwischenzeiten da^ Unter- 
richts als auch derjenigen fremden Personen, welche einen Zögling 
auf kurze Zeit zu sprechen vvünftcheu, da Fremden der Zutritl zu 
den von den Zöglingen selbst bewohnten Räumen gewöhnlich nicht 
gestattet wird. Aufser diesen für den Aufenthalt der Zöglinge und 
den Dienst bestimmten Räumen, durch welche wir in vorstehendem 
eine fläcbtige Wanderung gemacht haben, enthält der grofoe Gebinde- 



185 IM« AnsbUdniig d« OOtiflv-BnKtMi d«r MamidiiMli- 

KomplflK der Akademie noch mehrere Abeteigezimmer für die KaiNr- 
liehen Herrschaften, welche früher vielfiMh die Anstalt beenchten, 
ferner die Wohnung für den Kommandanten, sowie for die meiaten 
der übrigen Offixieie und endlich «n KaBino für die letsteran. 

Die Wohnungoi der Offiziere — von der des KommandantoD 
abgesehen — sind unseren Ansichten und Ansprüchen nach recht 
beechränkt und aufserordentlich einfach. Die Offiziere haben — 
auch die Terheiiateten — in Österreich- Ungarn in sehr vielen Fällen 
Dienstwohnungen, aber die Gröfse und BeschaflFenheit derselben 
würde uns, wollten wir den Mafsstab unserer Ansprüche anl^en, 
r»'(}it nn7Aireich»?nd erscheinen. So hat z. B. ein Lieutenant stets 
nur zwei, ein Hauptmann — ohne Rücksicht darauf ob er ver- 
heiratet ist oder nicht, ob seine Familie grofs oder klein ist — 
stets nur 8 Zimmer und 1 Küche, ein Major 4 Zimmer und 1 Küche 
y,u verliiiigeu. Die Sparsamkeit des Staates in diesem wichtigen 
Punkt erscheint um so aufiallender als derst llie sou.it sehr viel für 
seine Offiziere thut, um ihnen das Leben finanziell zu erleichtern, 
ich erinnere z. B. nur an die fünfzigprozentige Ermiifsigung bei 
allen Eiseubahufahrten, die Anlage grofser Militär-Badehäuser für 
Offiziere und deren Gattinnen in den meisten gröfseren Badeorten 
u. s. w. Die sämtlicheu :ils Lehrer fungierenden Offiziere bei der 
Milit';u -Aku(ienue erhalten uhiic Aii.>5eht;ü der Charge eiue monatliche 
Zulage von IG Gulden (30 Mark), welche immer nach fünf Jahren 
bis zum Höchstbetrage von 40 Gulden steigt. Das Offizier- Kasino, 
welches aus einem hübsch eingerichteten Salon, einem Lesezimmer, 
einem Spiel- und einem Speisezimmer besteht, macht einen freund- 
lichen and angenehmen Eindruck. 

Vor den Gebäuden der alten nnd neuen Akademie sieht sieh 
der 360 Seteireichiidie Joch (1 Joch = 400 Qnadiatraten) groCse, 
▼on einer Mauer eingesohloesene und doich einen Bach in mehreren 
Annen duiehsogene frühere Tiergarten der ehraialigen herzoglichen 
Burg hin. Von dieaem Areal ist iwar der grSlste Teil als Felder 
und Wiesen rerpachtet, aber es bleibt doeh noch ein fost dO Joeb 
grober Park fihiig, der sowohl alle für den praktischen Dienst im 
Freien notwendigen Anlagen, wie Ezeraierplats, 8ommep>Beitl)abn, 
Pferdesolnremme, Schießstände, Tiimplata, Laboratorium, Pionier- 
Übungsplatz entfaSlt, als auch in seinem der Anstalt snnSchst ge- 
legenen, mit schönen alten B&umen bewachsenen Plate eine will- 
kommene, grolse Erholungssi&tte für alle Insassen der Akademie 
gewihrt. In diesem lotsten Teil befindet sich, dem alten Gebäude, 
also ihrem eigensten Werk, gerade gegenüber ein schönes Denkma^ 



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imgiriwlwm Annae nater beMwdner Bcrteksiditigaflf q. h w. 186 



der Kaiserin Maria Theresia, das deu grofsen uacb ihr benannten 
Plais abechliefst, auf welchem bei allen feierlichen Gelegenheiten, 
so auch bei der Aasmusterung am 18. August mit dem Lehrer- 
personal die Gesamtheit der Zöglinge Aufstellung nimmt, um 
die kaiserliche Kabinettsurdre zu vernehiueii . den Eidschwnr als 
Offiziere zu leisten und dem geliebten und gnädigen Geburt^tags- 
Jabilar ana freudig gehobenem und dankbarem Herzen zuzu- 
jvbefai. Hwr befindet rieh ferner unter schattigen Bäumen ein 
MhSiMB Denkmal aller seit Begründung der Akademie w -dem 
Feinde gefallenen Zöglinge — der Slteete Name daÜerl aoi dem 
»weiten Jahr des riebenjährigen Krieges, der jüngste ana dem boa- 
niaelien Peldinge Ton 1878 — aowi« ein Deiikmal des erateo und 
bedentendaten Kommandanten der Akademie, dea Feldmaaehall- 
Üantenaota Gza&n Kinsky ~ Attea, ana der Dankbarkeit alter 
»Kenetidter« entataaden, würdige and scbAne Monnmente. 

Ctohen wir jetat von der Beachreibnng der einaelnen RSnme 
aof die Inaaasen derselben, den jngoBdliehen, aohneidigen Nacb- 
vrnchs für daa OfiBaier-Corps unaersa Terbnndeten Naehbam über 
und werfen wir sanibfaat einen Blick anf die allgemeben ofgani- 
flatonsehm YerbSltnisae sowie daa Leben nnd Treiben dar Züglinge. 
Die angenblieUich 350, vom nächsten Jahr »b 400 Köpfe blende 
Sdiar der Nenattdter Zögling« iat in swei Compagnien formiert, 
von denen die eine snr Zeit 200, die andere 150 Köpfe stank ist 
Jede Gompagnie ist für doi Ebcersierdienst in vier ana den ZSglingen 
dea I. nnd II« Jahrganges gebildete Zuge formiert, während die 
sämtludien Chargen ans den Zöglingen des III. Jahrganges ge- 
nommen werden. Die danach noch übrig bleibmden werden gleich- 
falls anf die vier Züge verteilt Alle Fanktionen als wie die eines 
Zimmerkomniandanten, Korporals, Zugs- nnd selbst Gompagnie- 
Kommandanten u. s. w. werden von allen Zöglingen dea dritten 
Jahrganges abwecbselud nach einander ausgeübt, um ihnen so Ge- 
legenheit zu geben, den Dienst aller Chargen kennen zu lernen. Die 
sonstigen > Auszeichnungen« für besonders gute Führung und wissen- 
schaftliche Leistungen bestehen, wie auf den Militär-Realschulen in 
»einfachen«, »doppelten« und »Unteroffiziers- Aus/.tiihnungen«, di«- 
ersteren werden durch einfache, die zweiten durcli dop|ielte goldene 
Börtchen an der Krajjje necke, die Unteroffiziers -Auszeichnung aulser- 
dem noch durch zwei Mif den Börtchen angebrachte Metallkuöpfe 
dargestellt. 

Der Dienst ist bis auf die kleinsten Zeitteile ein für jeden Tag 
streng geregelter. Die Zöglinge dürfen sich aufser am Sonn- und 



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187 I>ie Aaibildang des Offizier-Eraatses der dstmeiehiBoh- 

FcMig ohne bawideriB ürknb, der m gweDaohaftliQlMn Zweeken 
ik ■. w. woU erteilt wird, mehi am der Aofkalt entfernen, mit 
Anaaelime einei Abrade ini Moaftt (Mittiroohe oder DeoMnliCP) 
für deft errten, iweier Abende für den iweitn und einee finU 
itehenden Woehen-Abends fOr den dritten Jebrgang. NstSrlich 
8iiid für alle dieae Vergfiostigungen gnie FAbmng nnd entqnrediende 
Leistangen aelbetTeaRBttudliebe Bedingnng. Kleine gemeinsame Unter- 
haltungen der ganzen Anatalt, za denen die Freunde und Verwandten 
der Zöglinge eingeladen werden können nnd bei danen Mnaik- 
Anfführangen, deklamatorische nnd andere Unterhaltungen sowie 
last not least — ein Tanzchen stattfindet, bilden während des 
Winters ersehnte nnd achön verlaufende Unterbrechnngen der aonak 
angestrengten Lern- und Dienstzeit. 

Die Disziplinarstrafen bestehen in Verweisen, Entziehen des 
Urlaubs und anderer Vergünstigungen, Antreten in vollem Dienst- 
anzug, Hausarrest nnd einfachem Arrest (mit voller Beköetigang), 
sowie schlielslich der Entfernung von der Anstalt. 

Die Tageseinteilung für einen »Neustädter« gestaltet sich z. B. 
während des Wintoreeraesters folgenderraafsen : 6 T'hr Reveille. 
630 fünf Minuten lang Freiübungen. Darauf erstes Frühstück. 
665 Marsch in die Lehrsäie. 7 bis 10 Uhr Unterricht in zwei 
Fächern, entweder so, dafs diese je iVj Stunden lang, oder das eine 
IVii das andere 1 Stunde lang behandelt werden, letzteres dann 
mit einer halbstündigen »Vorbereitungszeit«. Eine Zwischenpause 
findet dabei nicht statt. Von 10 bis 11 Uhr ist kein Unterricht. 
In dieser Zeit wird der Anzug nachgesehen, Meldungen werden 
erledigt und um 10*6 findet die Einnahme des zweiten l riilistücks 
statt. Von 11 bis 12 Uhr Exerzieren, lleiteu oder theoretischer 
Unterricht. Die Zeit von 12 bis 2 Uhr ist zu angemessener Er- 
holung bestimmt. Nach dem um 127« Uhr > stattfindenden Mittags- 
eMwn findet Spaaierengehen im Park, im Winter SohKttaelnihlanliMi 
nnd d^ statt Von 8 bis 4 Ubr wieder üntenrieht in 1 oder 
2 F&ohem, gewSbnlicb dnbei wieder mit einer balben Stunde Vor- 
bereitung. Von 4 bis 5 Ubr: BefSeUaansgabe, Vesper, Erholnng. 
Die Zeit Ten 5 bia 8 Ubr lat den ▼eraehiedeiiBten Beaebftftigungeu 
nnd Tbitigkeiten sngeteüt: KonTeraationBBtandeny Naohbnifealiiiiden 
für die Sebwüdieren, ailgemeine Arbeitsatnnde (niobt mebr ak eine 
Stande lang, doch atreng innegehalten, nnd ateti nnter An&iobt 
der betrelFenden Lehrer atehend), Tomen, Fechten, Baden, fieiteo, 
Tauen, UnterweiBang im Dienatreglement n. a. w. Um 8 Ubr 
wird das Abendbrot eingenommen, woraof fon 87« bia 10 Uhr 



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«ogariidMo Amt» wtar batondbrar B«rt«lDMhl|giuf o. ■. w. 168 



>Erholuiig€ in dem ^hou oben erwähnten Elrlioluugsbaal folgt, 
Musikübnngen stattfinden u. 8. w. Um 930 Abendrapport. Von 
9 Uhr ab kann nach Belieben schlafen gegangen werden. 

Das Schuljahr beginnt mit dem 18. September und zerfällt 
in den theoretischen Kursus, der bis zum 30. Juni daaarfc, und den 
praktisoheD, welcher bei dem I. oad II. Jahrgang you Anfuig Juli 
bis gegen Ende diam Monate w&hrt, bei dem HI. Jahrgang sicli 
aber noeh bu sum Ammnitenuigstage (18. August) fortaetit. -Die 
Beartoilung der Zöglinge geaohiaht in 6 Noten: »vonSglieh«, »ailir 
gute, »gut«, »genügende, »nngenügeud«, »Mbleehtc, wtldiout dan 
Zahlen 6 bu 0 (tsohtecht«) ibran Ansdniok findm. Diim Zabten- 
irarto waidon dann, ohne Bfiokneht auf die ?enohiedene Bedentang 
der einnlnen lehrflcher, soeammengeriailt nnd dien« sor Kk» 
flaerong dee finnlnen. Den Gnd dee Wiiaens nnd der Beife dee 
Zö^inge far den Obertritt in den niehet höhem Jahrgang atellt 
der Lehrer dorbb mehrfadie mindliofa« nnd aehriftliehe Pr&fangen 
über dae gam» Penaom dea betreuenden Jahrgangea feat Hierflber, 
aawie fiber die al^ihrliflhen Haiqp^nlKiingan Ton Seiten der k nnd 
k. Eommiaflion weiter nnten mehr. 

Wer im eisten Jahrgang moht genagt, kann ein aweites Jabr 
in dieaem »repetierenc (aititen bleiben), im zweiten Jahr werden 
dagegen die mit nicht genfigenden Noten bedachten in eine Kadetten* 
schule versetzt und falls es im dritten Jahr der Fßiil iat, als Unter» 
Offiziere in die Armee eingestellt. Doch kommt dies nur selten vor. 
Die Zöglinge dürfen aioh ihren Trappenteil selbst wählen, jedoeh 
darf auf die Erfüllung dieser Wtnaohe ein bestinunter Ansprach 
nicht erhoben werden. Diejenigen von ihnen, welche sich bei Beginn 
dea letzten Jahrganges zur Kavallerie melden, bilden für dieses 
Jahr die sogenannte »Kavallerie-Abteilung«, welche die Zahl von 
20 nicht überschreiten darf und im Reiten, der Pferdekenntnis und 
dem R*'^'lenient der Wafl'en eine genauere Unterweisung als ihre 
übrigen Kainerutleu erhält. 

Diejenigen, welche schhelslich als Oftiziere in die Armee treten 
— und dies sind fast alle Zöglinge des III. Jahrganges — erhalten 
von der Anstalt nicht nur ihre vollständige erste E(iuipierung, au 
der sogar ein silbernes Efsbesteck nicht fehlt, sondern sogar noch 
eine Summe von 50 Gulden zu den ersten Nachanschaifungen. 

Was den Unterricht anbetrilft, so ergiebt schon die in der 
Tageseinteilung für die häuslichen Arbeiten so gering angesetzte 
Zeitdauer, dafs jeder Lehrer die für sein Fach fest^^esetzte Unter- 
richtszeit nicht blofs als Lehr- sondern vor allem auch als Lern- 



189 l^io Aasbildoiig des Offizier-Enatiw der MterreicbiBcb- 



itnnde Ar seine ZOgHoge m batraobten und m Ttrwenclen bat. 
Soviel als mliglkhi aolico die Lebrar aieb dabei der fittiigeren und 
ToigeaebritteDeraii ibier Sohflier snr ünt e ra iaUm g für die Föiderimg 
dar aebwäeberen bedieoen. Jeder Lebrer bal in Begiim dea Enrsiis 
dem Kommandanten eine Art geneliicber SkiiM Aber die Art nnd 
Weiae, wie er aeiaen UnterricbtnIoiF an Terteilen lud la bebandehi 
gedenkt, ebanreiobeD. Diese Vertaihingepttiie (»Programmet) 
wßrden dann eventuell von dem Kommandanten vervielfältigt und 
den Zöglingen als Leitföden überwiesen. Dagegen ist ein Diktieren 
dea Vortragsstoffes unbedingt verboten, auch ein freiwilliges fort- 
dauerndes Nacbsobreiben von Seiten des Zöglings nicht gestattet. 
Das Aufgeben von b&nalichen Arbeiten ist auf das Äniserste zu be- 
schränken und die zur » Wiederholungc in der vorgeschriebenen 
Tageseinteilung bestimiute Zeit (etwa 1 Stunde taglicli) auch haupt- 
sächUch nur zur wirklichen Wiederholung des während der Unter- 
richtsstunden Gelernten zu verwenden. Schriftliche Aufgaben sind 
daher hauptsächlich auch in den Unterrichtsstunden und nur aus- 
nahuiiweise aufserhalb dersolben anzufertigen; dagegen sind während 
der Ferienzeit häusliche schnltliche Arbeiten nach den Festsetzungen 
d&i Kommandos aufzugeben und von den Lehrern nach Ablauf der 
Ferienzeit zu korrigieren und zu beurteilen. Um den Zögling bei 
der Anfertigung seiner schriftlichen Arbeiten nicht durch eine zu 
ängstliche Rücksichtnahme auf die »Klassifikation« (Censurnoten) iti 
dem sorgsamen Durchdenken und Behandeln der Aufgabe zu beein- 
trächtigen, soll von einer scharten pointierten Ceusierung der Arbeiten 
Abstand genommen werden und die Beurteilung derselben vielmehr 
in Form allgemeiner Ausdrücke stattfinden. Diesen Bestimmungen 
entsprechend, finden sich denn auch häufig unter den Arbeiten 
Aufserungen wie »nur so so genügend«, »zum Teil beinahe noch 
hinreichend < und ähnliche — die einem »un dit« zu Folge auch bei 
uns nicht selten sein sollen. 

Ein groüseB Gewicht irird auf die von dem Lebrer im Lauf des 
Komis absohaltenden Ysnebiedenen Prüfungen gelegt. Zor Ei^ 
mittelung des Wiasenestaiidpimkta des Eimmhien irie der ganzen 
Klasse dienen annidisk die mdndlich und aobiifllicb — in den 
praktiscben DisdpliBen anob piraktisob ~~ abaobaKenden PrUfangen, 
welebe beatimmnngamilsig von Zeit an Zeit, dnrobsebnitiliob alle 
xwei flIooAte einmal, Teranstaltet werden sollen. Soweit dieee iti 
sehrifUicben Arbeiten besteben, entsprechen sie wobl onseien 
Ezlempenlien, da sie in das Heft des betreffimden Unterriebta» 
gegenständes gesebrieben und meist in der f8r denselben planmiftig 



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TOgMtodwa AiMM tmter b6M»d«Nr BevMiiditlgaif «. i. w. ifiO 

festgesetzten Zeit angefertigt sein müssen. Wie auch bei unseren 
Extemporalien soll dann die Rückgabe dieser Arbeiten in einer der 
nächsten Stande erfolgen und es soll sich hierbei der Lehrer münd- 
lich und schriftlich — ebenso wie auch sonst im Verkehr mit 
seinen Schülern — einer verletzenden Form der Kritik und Zurecht- 
weisung auf das sorgsamste enthalten. Besonders schlechte Arbeiten 
sonst williger Zöglinge sind daher lieber mit diesen allein als 
vor den anderen zo besprechen. Gewifs sehr sachgemäfse und 
den Forderungen einer gesunden Pädagogik enteprechende Be- 
stimmungen. 

In jedem Ilalbjahie mufs in einer müiuUichen wie praktischen 
Schlufsprüfuug der gesamte Lehrstüü' des betreffenden Jahrganges 
behandelt werden. "In den ersten Tagen des Juli erscheint auXser- 
dem alljährlich eine von dem Reichs-Kriegsministerinm entsandte 
beBondm Kommiisioii unter dem Vorsitz eines Feldmanchall- 
liaiiteii&iitt, w«ldie eina gttmw Bflnchtignng der gamen ^^^f*w«t 
wat aUen Gebwten des DMos<beferi«b«8 vonummt Die PrOfong des 
wiaiemelwftlichn StandpimkfteB und der Leiitangen im «UgemeiDen 
wie im einsdnen wird dabei in der Waise abgehalten, dab die 
Kommission ganae Klassen oder ans ferschiedeneo Klassen einaebie 
Zöglinge bestimmt, die sieb im Theresien-BitteESBale m&ndlidi wie 
aduiftUcb einer genanen üntersochnng flues geistigem BesitBes sn 
nnteniehen baben, waleho von ibren eigenen Lebrem ansostellen 
ist. Dn die letiteren bierm Torbsr em »IWigentafaleanc, dae etwa 
900 nnd mebr EVagen aas ibren resp. Disiiplinen entbUt, eiasn- 
raieben baben, ans welebem die Kommission dann bestimmt, was 
sie bflren will, so sebeint bier einige Gefifdur Torhaaden in sän, 
dab der ganae Unteniebt mit Rttcksielit daranf mehr die SinQbnng 
eines mebr oder minder meobaniseben Frag»* und Antwortspiels in 
den Vordergrund stellt, als ein volktindiges Erfassen des Stoffes 
nnd geistiges Vertiefen in denselben zum Ziel nimmt* Ob dem so 
ist, wagen wir nicht zn entscheiden; dab TOn öeteiTeichisch- 
nngarischer Seite diese Gefahr selbst zugegeben wird, zeigt der 
weiter unten so enriOmende Aufsata der »Streff leurschen Zeitechrift«. 

Nicht genug an diesen Prüfungen, findet bestimm ungsmäCrig 
am Schlub des ganzen Schuljahres noch jenes öffentliche Schlufis- 
Examen statt, über dessen Zwecklosigkeit wenn nicht Schädlichkeit 
man bei uns jetzt wohl kaum noch geteilter Meinung ist, und 
welches scheinbar den Augehörigen der Zöglinge eine Übersieht 
über (las ihren Söhnen und Neffen l)eigebrachte Wissen geben soll. 
Bei diesem finden auch musikaliach-deklamatoriache Aufführungen, 



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191 Di« AuBbildaog dti OOsier-EnatMt der österreiehisob- 

Bcthantanieii, Fediten n. b. w. itatt, und die Zeiclioii- mid AilMiti- 
. Iiflfke der Zöglinge weiden nur 91l!niUiGheB Annelit MMgdegL Diei- 
mal im Jebve gebt fibrigene den AngehSrigen der ZS|^ge «neb 
eine infonderende »SebiUernMbiicbU (CSensnr) von Ssiten dw 
Alndenue ni. In den militiMBoben Geecfaieklicbkeiten nnd Übungen 
(Exentieren, Tarnen, Fecbten, BeHen, Sebwinimen) weiden die 
teilongen in ihrer Gesamtbttt von dem Kommendenten der AneteH 
nech seinem Ermessen während der AniWldnng, jedenfidls aber am 
Ende des Schuljahres besichtigt. Dies mnb bestimmungsmäfsig mit 
aller Förmlichkeit und im Exerzieren im Beisein eller Offiziere vor 
sieh gehen — >nm den Ebigeis der ZdgUnge rege sn halten nnd 
tte zum Wetteifer anzuspornen«. 

In den offiziellen Vorschriften für die Lflitnng nnd Handhabung 
des linterrichtB auf den Milit&r-Erziehungs- und Bildungs -Anstellten 
wird es u. a. dem Kommandanten noch zur besonderen Pflicht 
gemacht, darüber zu wachen, dnfs die Lehrer sich bei den Vortrügen 
streng innerhalb dor ihnen im Lehrplan vorgezeichneten Grenzen 
halten, sowie dafs keiner von ihnen seinen Unterrichtsgegeustand 
durch Nachsicht und Nach^ebigkeit in den Augen der Schüler 
entwerte und herabsetze; ferner hat der Kommandant für eine 
einheitliche Erteilung des l^nterricbts zu sorgen und zu diesem 
Zwecke die einzelnen Lehrer verwandter Fächer, namentlich die 
jüngeren und neu eingetretenen Lehrkräfte zu wechselseitigem 
Besuch der Vorträge zu veranlassen und .schliefalich der gerechten 
Beurteilung der Zöglinge von seiten ihrer Lehrer seine ganz be- 
sondere Aufimerksamkeit zuzuwenden. NaturgemäDs ist von dem 
Kommandanten srhliefslich auch noch ganz besonders auf die sichere 
und richtige Aust ulirung aller allgemein militärischen und inilitänsch- 
t^icbnischen Übungen zu achten, denen eine besondere Bedeutung 
in der Ausbildung der Zöglinge zoraweuen ist, da ja die Fertigkeit 
hierin das praktiache Endsael ihrer milittriBcben Bniehnng ist. 

Der Umfang und das Ziel der einielnen Unteniofatsgegenstlnde, 
welche anf der MilitSr-Akademie za Wiener-Neustadt wihrsnd des 
dreijährigen Ennos betrieben werden, und welche in ihrer Gesamt- 
heit den Zweck haben, sowoU eine Erweitemng der anf der Beal- 
sobnle gewonnenen allgemeinen wisBensobaflUdie& Bildung unter 
BerScksichtigung der speiiell milHBrisehen Oedebftapnnkte bsrbei- 
«nfttbren als auch eine Vorbenitnng inm spUem Stndinm anf der 
KriegSBobole (Kriegs-Akademie) sn geben, geht ans einem Aussog 
des »Lehiplanes der k. k. HiliiSr-Eniehnngs- nnd Bildnngi-Anslaltsn« 
herror, den wir hier folgen lassen wollen. Es sollten dabei natBilieb 



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nur die bemerkenswerteren Punkte und namentiücb solche Er- 
wähnung finden, welche intereeBante VerBchiedenheiten von unseren 
Verhältnissen aufweisen. 

1. Militä rgeschüftsstil. Gewohnheit im mündlichen and schrift- 
Heben Oebiaach der Sprache, Herstellong der im militärischen Leben vor- 
kommendai Si^ftaMekei Ktunhiis der Militlr-OesdiiftBndnnng, soweit 
dies fttr den Truppen -Adjntenten erforderlieh ist nnd An- 
leitung sn dieser StelliiBg. Ztilveiw Leee- nnd Ver ir egstt b angen, 
wobei mnstergiltige Aufsätze militlrisehen Inhaltes voRiinelinien 
sind» Obnngen in militärischen Ansprachen und Reden. 

%. Ungarische oder böhmische Sprache.*) Weiterbildmiff 
der in den Militär-Realschulen gewonnenen prariiniatikalischen Kenntnisse 
und angemessene Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen 
Gebrauch der Sprache unter besonderer liUcksichlnahme auf 
die Anforderungen des milittrisehen Dienstes* 

3. FranzOsisehe Spraebe. Wie besidientlidi der nngarbohen 
nnd bObmisehen Spraehei Dem Übungen im Sprechen nnd Abfiusen ein- 
fiujber französischer Aufsätze. Militflrisohe Ausdrücke. Einige Ksnntnis 
hsrvorrtgendster Schöpfungen der französischen Litteratnr anter be- 
sonderer Berttcksichtipfung; militärischer Autoren. Konvpfsations- 
übungen zur Gewinnung,' des Tones und der Ausdrucks weise einer feinen 
ümgangsjsprache. Diktate litteraturgeschichtlichen und mili- 
tärischen Inhalts. (Wöchentlich finden nur 2 bezw. 3 Stunden statt. 
Unter den liehninttoln flgnziert n. a. anoh die beksante GbrBst<»Dathie 
von FUti.) 

4. Geographie. Obeceiditliflbe Kenntnis der phynkslisobcB Be- 
schaffenheit; Entwickelung nnd Yerftndenmg nneerss Erdkörpers. Ein- 
gehende Kenntnis der Qeographie von Mittel-Europa speziell österreicb- 

Ungarns, im Allgemeinen des Ländergebietes zwischen den Breitengradpn 
von Berlm und liom einei"seit.s und den Liingengraden von Paris und dem 
Dniepr andererseits. Die Besrhreihnnt,^ cifolgt ausschliefslicb 
vom militärischen Bedürfnis und nacii Kriegstichauplätzen, als 
Grundlage sn spftterem Btndinm der spetiellen Militir-Oeogr^- 
phie. Alle das Qedftohtnis belastende Formen-» Namen-, nnd 
Zahlen-Detailliernng ist strengstens sn vermeiden. 

5. Allgemeine Kriegsgesohiehte. Als Grundlage zur Vor* 
bereitung für das spätere Studium der speziellen Kriegsgeschichte, übei" 
sichtliche, gedrängte Wicdcrhohincf der allgemeinen Geschichte mit be- 
sonderer Darstelluni,' der Entwicklung des Kriegswesens und der wichtigsten 
Kriegsereignisse, besonders der neuern und neue.steii Zeit und 
namentlich Österreich-Ungarns. Die wichtigsten Waffen- 
thaten des vaterländischen Heeres sind eingehend zabeleAchten. 

*) Eine dieser beidea Spradi« ist wie wir Mhen eben eriribnten oblio 
gatoriMh. 



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193 



Die Awbüdiuig dM OfBder-ErwfttM der fletcneldiiidi- 



6. Physik und Technologie* Befestigung und Erweiterung der 
in den Militär-Realwhulen gewonnenen Kenntnisse in Physik und rhrinie 
mit beaondorer Bcrücksirhtieung der Mechanik. Überblick ülM?r die 
wichtigsten Anwendun^^t n in der al]<:emeinen und ruilitiirischen 
Technik, Durchnahme der raei.sten Fortschritte xind Er- 
findungen auf dem Gebiet der Wlirme, des Lichtes, der ElektrizitUt, 
Zeitmessung a. s. w., Qrundzüge der Eisen-Indnstrie and sonstiger 
tecbniscb «richtiger Metalle, Allgemeinee Hbw Schiffahrt and 
Binteilnng der Schiffe nach ihrer Konstrnktion. 

7. Höhere Mathematik. Qewinnnng und allgemeine Obexacht 
über Zweck und Methode der höheren AnaljOS (algebraische Analysi.';, 
Theorie der höheren Oleichungen). Gmndztlge der Differential- und 
Int^ral- Rechnung, etwas aas der analytischen Geometrie der Ebene and 
des Raumes. 

8. Praktische Geometrie. BetlLhigung zu selbstständiger Aus- 
führung von Vermes^ungsarbeiten aus dem Gebiet der niederen 
Oeodftsie. (bistromentenlehre, Feldmebknnst, aach trigonometrisches 
nnd graphisches Triangulieren, geometrische, trigonometrische 
and barometrische HShenmessnngen, Grnndsttge der Tachy- 
metrie^) 

9. Darstellende Geometrie. Erweiterung der auf den Militär- 
Realschulen gewonnenen Kenntnisse aus der Projektionslehre, Erlernung, 
einfache wirkliche oder nur gedachte Gegenstände nach /.wcekmaf^iger 
Metliode daraustellen. Orthogonale Projektions-Methode, Grund- 
züge der Axonometrie und Cuu Iral per spek live. 

10. Privates und öffentliches Recht. Das Wesen de.s Rechtis 
im Allgemeinen. GrnndzUge des österreichischen Privatrechtes 
sowie des Staatsrechtes der Monarchie nnd des enropSischen 
YSlkerrechtes. IGütirstra^esetM nnd efaranxttliobee Yer&hren. 

11. Heereserganisation. Wehrrerfbesong, ArmeeotganisatioD im 
Krieg nnd Frieden, Pferdebesdhalitang, Kriegsmarine. 

18. Militär-Administration. Der militär-administrative Dienst 
(n. a. Prötokollftthrnng, Verfassang von Qualifikation slisten; 

Versorgungs weisen u. s. w.) und der ökonomisch-administrative Dienst 
(u. a. Aufbringung der Heeresbedtirfhisse, Gebührenwesen, Verrech- 
nung). Transportführung, Dienstreisen, AdminiBtrat ion der Militiir- 
Rau-Objekte. (Ob^^leich keine Detailkenntnis^ie, welche der siiiitera 
Praxis überlassen bleiben müfsten, sondern ein richtiges Verständnis l'Qr 
die verschiedenen Teile der Militär -Administration gefordert werden äoU, 
dttrfte doch sehtm dieses sn weitgehend ersdidnen.) 

23* Waffenlehre. Im allgemeinen wie auf unseren Militttr- 
aehnlen. Neben der genauen Kenntnis des eigenen wird auch die d«r 
widitigsten fifemdländischen Handfeuerwaffen gelehrt und mne Darstellung 
der Feld-Artillerie der bedeutendsten europftiscben Staaten gegeben. 



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iiii0MiMliai AfnuM rator bflaoadcrar BwfttclwiohHgiii^f «. a. w. 



194 



14. Pionifi" dienst. Kenntnis der hUuti^ vorkommenden Pionier- 
Arbeiten auf Märschen und im Lager, allgemeine Kenntnis des Strafsen- 
Eisenbahn- und Brücken bans, InbiAndaetzung und Zerstörung dieser 
KomimmnoittonBit, der wiehtigstan BavEinnehtiiiigw voa Uoterkmifto- 
rSomes md andere Blemeate des Hochbsiies, ABforderangeti an 
Wohn- und Krnnkenhftnser; Beetand und Verwenditng des k. 
und k. Kriegsbrückenbaues. 

15. Befestigungslehre und Festunpskrieg. Feldbefestigung. 
Angriff und Verteidigung von Feldschanzen und befestigten Örtlichkeiten 
nebst kriegsgeschichtlichen Beispielen darüber. Permanente Befestigung 
auch Küstenbefey tigungen und deren Verstärkung durch Tor- 
pedos mit gedrängt skizzierten Beispielen Uber Angriff und Ver- 
teidigung fester PlBtse ans der nenesten Krieg sgesehielite. 

It, Exersier-Beglement. Orfindliobe Kenntnis deeselben bis zn 
den Vonebriften Aber die Venrendung des BataQkms. 

17. Taktik. Elementare und angewendete TUctik, letstere mit 
kri^ageechicfatlicben Beispielen. LOenng einfacher taktischer, aueh mit 

gemischten kleineren Verbänden rechnender Aufgaben auf dem Plan und 
im Gelände. Genaue Kenntnis des Dienstreglements, Ürundzüge für das 
Sanitäts- und das Munif ioiis-Ersat Wesen. Bedeut ung und Be- 
nützung der Eisenbahnen und Telegraphen. Verpflegungs- 
wesen. 

18. Dienst-Beglement. Kenntnis desselben, n. a. Pfliebten 
und Terbalten dee Offtders nnd des Dnteigebenen, Dienstbetrieb im 
Allgenehien, Wachdienst, Disnidhi, Strafreoht xl s. w. 

19. Qesnndheitspllege und Sanitätsdienst Komtnis des 
menschlichen KOrpets, allgemeine GrundflKtie der (}esundheits|iflege und 

andere Erkennungszeichen der vorhandenen SohUdlichkeiten in Wohnung, 
im Lager und auf dem Marsche, .sowie ihre Beseitigung mit den ein- 
fachsten Mitteln. Kenntni.s der Kegeln für die erste Htllfe- 
leistung l>ei UnglücksfUlb-n, Verwundungen oder plötzlichen 
Erkrankungen; Tran.sporT von Kranken oder Verwundeten 
mit improvisierten Mitteln; Sanitätsdienst inj Felde. 

20. Pferdewesen. Daa Wichtigste aus der Anatomie und Physio- 
logie des Pferdes, Hofbeschlag, Krankheiten, Pferdepflege, Sattelang und 
Ziomung. (Dieser ganie Gegenstand wird bei der KaTallerie-Abteilnng, 

sidi — wie früher gesagt — bei Beginn des 3. Jahxganges fbnniert, 
r, bei den In&nterie- und Jager-Aspiranten nur im allgemeinen 
behandelt. Im Sommer erUllt die Kavallerie-Abteilung auch noch prak- 
tische Unterweisung über Zahnalter-Lelire, Beurteilung des 
Pferdes im Allgemeinen, Aufnahme eines Nationales and 
Hufbescblag). 

21. Terrainlehre und Terraindarstellung. Charakteristik der 
Terraingegenstände, die verschiedenen Metboden der Terrain-Darstellung. 



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195 Di« AisbiMnog im OMuw-BnaUM dar MMneiduMih 

Ki'okier- und Auihalime-Zeicbnen von Bergpartien nach Modellen, 
Schnffittren hbcI SehamoMm nach gegebenen Schichtlinien, Schichtenden 
sobnütterter PlSne^ Anlaitusy «ad Ofaung im Modelli«reii, ia 
3. Jabzgaag Anferiigaag «iiier 8t«tistis«k-topogrspbiaoli«a nad 
I taktiioiiea Baaclif aiboag der im praktiaehea Karaaa dea 3. Jahr- 
ganges aufgenommenen Sektionen. 

22. Freihandzeichnen. Im 1. Jahrgang vorwiegend Zeichnen 
nach plastisch en Modellen ornamentaler und figuraler Art, im ' 
2. Jahrgang für die Infanterie teilweise Landschaftsy.eielmen, für die j 
Kavallerie-Abteilung Zeichnen der Pferde-Anatomie nach Modellen i 
and Vorlagen. Zeitweise Vorträge über Kunstgeschichte { 
aameatlick dar Taracbiedaaaa Maleraokulaa aad der Haapt- j 
eigeatttmliebkeitea der Teraobiedeaea Baaatile. 

Diaae 22 Nammera amfraaaa die tbeoratiaebea aad grapbisdMB 
Unterrichtsgegenstände. Hieran schliefeen sich dann noch die nmili* 
tärischen Geschicklicbkeitea aad Übaagea*, welehe folgende 
Disziplinen umfassen: 

Exerzieren und Ausbildung im Truppendienst. Dies begreift 
die Erwerbung praktischer GelHntigkeit in der Ausübung des Dienstes als 
Truppenoffizier, Inätruktiuu Uber die Ausbildung der MMinscbatten, ferner 
praktische AaabOdang im Exenierea bia aam Saenieraa im Watoillwi 
aad im Felddieaat» Tollattadige Verbraatbeit im Oebnuieh aad fai der Bi^ 
baadlaag dea In&atarie- aad JVger-Gewebra, Bxersierea am be- 
spannten und unbespannten Geschütt. (Der Dienst für die | 
Kavallerie- Abteilong wird der Waffe geaiftb abweichend and besonders ab- 
gehalten). Turnen. Vervollkommnung in den auf den Militilr- | 
Realschulen erworbenen FUhigkeiten. Einige Anleitung in den 
wichtigsten Feuerwehrübungen (siehe oben) und über das Ver- 
halten als Turnlehrer in der Truppe, namentlich auch bezüglich 
der Bfitigen Httlfea. Fechten. Rappier-, Säbel- und Biyonettfeobtea. | 
Beitea. Uaterrieht aaeb dem Exender-Reglemant der KaTalleria. 
Fraktiaebe Aoabildoag dea KaTaUeriatea sa Pferde. 

Sebirimmea. 

SoUielalicb gebOran hiarm noch beaoadere Keaataiaae aad Qe- 

scbicklichkeiten, zu welchen gei^eohnet werdea: Vortrüge über ] 
den gesellschaftlichen Verkehr mit Rücksicht auf die Stellung als ] 
Offizier. Alle 2 Wcelien nur ein einstündiger Vortrag. (Unter den für I 
jedes Fach vorgeschriebenen „Lehr- und Lesebnchern" figuriert hier auch 
der selige Knigge!) Gesang und Musik. Hierbei auch Bekannt- 
machung mit dem Wissenswertesten aus der Musikgeschichte, 
aameatlicb mit dea Klaaaikera der Haaik aad dea be* 
deateadatea Epigoaea. Tanzea. 1 

Der Lehrplan für die »Technische Militär-Akadcmiec ist in 
aeiaem Wcseo augefähr derselbe wie der für die Neustadt^Akademie» 



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vngiiiMiMii AiBM uter baMndinr B«rileUeWigaiiK o. t. w. 196 



Nnr wird hier natnrgeB&ife der Waffenlehre in der sogenannten 
»Artillerie-ÄbteilnDgc nnd dem Bauwesen in der >Genie>Abteilang<f 
sowie in beiden der Fortifikation und dem Festungskrieg eine ent- 
sprechend gröfsore Bedeutung zugewiesen. Um nicht zu weitläufig 
zu werden, gehen wir auf diese Scbwestt r-A kademie ebenso wenip 
ein, wie auf jene nur zur Heranbildung für Oltiziere der augariscben 
Honved-Annee bestimmte Ludovica-Akademie zu Pest. 

Die Anzahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden in der Militär- 
Akademie betragt für die theoretischen und graphischen Unterrichts- 
gegenstände in dem 1. Jahrgang 29, für den 2. 29 Vj, für den 3. 
27Vj Stunden; dazu kommen 7, bezw. 7Vj nnd IIV2 fßr die 
militärischen Geschicklichkeiten und Übungeu und 1 für Gesang 
und Musik u. s. w. Die technische Militär- Akademie ist mit Unter- 
richtastnnden etwas starker bedacht. 

Deu Schlufs des jedesmaligen Unterrichtsjalires bilden die 
Übungen im praktischen Kursus. In diesen werden unter an- 
gemessener Verteilung auf die einzelnen Jahrgänge vorgenommen: 
FOr die Physik und Technologie: Besichtigung der metereo* 
logischen Oeotrsl-Aiistalt, Besichtigung von Eisenwerken, Masohinen, 
Metallwaren-Fabriken n. s. w. Fttr die praktische Geometrie: 
praktisehe Anwendung der his dahin theoretisch erlernten Methode 
des Nivellierens, graphische Triangolierang nnd Ökonomisches Anf- 
nehmen, Schichten-Anfiiahme nnd trigonometrische Triangulierung, 
Annehmen mit Beilage einer statistiseh-topographisohenBeechreibnng, 
Landaohaftsseichnen und Krokieren. Für die Heeresorganisation 
and Hilitftr-Administration: Besiehtignng des Train-Zeug»- 
Depots nnd des Angmentations^Vorrats-Magarins. Fftr die Waffen- 
lehre: Diatanieschfttsen, Beiwohnen Ton Artillerie-Schiefs&hnngen, 
Besiehtignng des Artillerie- Arsenals. Für den Pionierdienst: 
praktuche Ansftthmng aller im theoretischen Unterricht gelehrtmi 
Arbeiten des Feld-Pionierdienstes. Übungen und Besichtigungen in 
Klosterneuburg bei Wien. (Schkigen und Abbrechen einer leichten 
Kriegsbrucke, CbersrhifTen u. s. w.) Besichtigung der Sammlungen 
nnd Vorräte des Pionier-Regiments — die österreichisobe Armee 
besitzt nur ein "Pionier- Regiment zu 5 Bataillonen — und des 
Pionier-Zengs-Depots. Für die Befestigungslehre: Herstellung 
aller Arten flüchtiger Befestigungen und Herstellung einer feld- 
märsigen Befestigung. Sprengungen. Taktisch-technisehe Übungen 
in der ümgebnng der Akademie. Besichtigung eines Festnngs- und 
eines Genie - Übungsplatzes. Für das Kxerzi»Ten: Praktisches 
Ezersiereu im Bataillon, im Zuge zu Pferde und in der Eskadron 

14» 



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Die kaMMnag dw OfBsiM-EcMtiii dar tetomkUich- 



(letzteres nur im Skel<4t), sowio luit der bespannten Batterie. 
Scheihenachiefsen mit dem Infanterie-Gewehr, dem Jager-Gewehr, 
dem Karabiner und dem Revolver. Übungen im Garnisou- und 
Felddienst. Für die Ausbildung im Truppendienst und in 
der Taktik: Schriftliche und müDdliche Lösungen taktischer Auf- 
gahon, auch mit den Hittdn des Kri^sspiels and im Terrain auf 
einer mehrtägigen Übungsreite. Aufgaben bis in 3 oder 4 Bataillonen, 
1 Eskadron nnd 1 Batterie. Vier Tage lauge Beteiligung an den 
Truppenflbnngen mit gemiaehten WaiFen in dem groJeen Obnngdager 
an Bruck a. d. Leithag 

Mit dem 3. Jahigang ist am Soblnb des praktischen Knraiir 
eine mehrtSg^e Eiknraion «i unternehmen, welche die Besichtigung 
einer Festung, bemerkenswerter Heeresanstaiten n. s. w. tum nSchsten 
Zwetk hat, doch auch nebenher — um sngleicb als angeneimier 
AbecUnb der akademischen Ausbildung nnd sum G^gensla&d 
bleibender Erinnerung an die hier gemdnsam verlebte Zeit in dienen, 
dem Besuche historischer oder sonst allgemein interessanter Punkte, 
KunstdenkmSler oder anderer Sehenswürdigkeiten gewidmet wird. 
Wenn irgend mfiglich haben dann die Zöglinge einen gemeinsamen 
Reisebericht zu verfassen, der vervielfUtigt und den Scheidenden 
beim Austritt aus der Anstalt zur Erinnerung mitgegeben wird. — ' 
Die Anzahl der praktischen übnngstage betragt für jeden Jahrgaii|^ 
achtunddreifeig. 

Danach ist also das, was auf der Akademie zu Wiener-Nenstadt 
gelehrt wird, aufserordentlioh nmfangreich und mannigfiiJtig. Den 
Lehrstoff bildet alles in allem ungefähr eine Zusammensetzung dessen, 
was teilweise bei nns auf der Prima eines Real-Gymnasiums oder 
des Kadetten-Corps — ohne Englisch nnd Ijateiu, welches auf den 
österreichischen Militär-Bildungsanstalten üborhanpt fortfällt f»e- 
lehrt wird, mit demjenigen was unsere Militär-Spezialschulen (die 
Kriegsschulen nnd die Selekta des Kadetten-Corps) weiter die Kriega- 
Akademie und — last not least — zum Teil auch erst die Uni- 
vf-rsitat ihren Schülern bezw. Hörern bietet. Fast scheint es zu 
viel, wa.s iiior in dreijährigem Kursus und ohne erwähnenswerte 
häusliche Arl>eitszeit geleistet werden soll, und wolil mancher unserer 
Leser wird kopfschüttelnd zweifeln, ob dieses unter den angegebenen 
Verhältnissen in ausreichendem Mafse zu leisten überhaupt möglich 
sei. Auch dürfte sich wohl nicht mit Unrecht hieran die Frage 
schliefsen, ob eine solche Ausdehnung und Ausbreitung' des Lehr- 
stoffes zur Ht raubildnng des jungens Offiziers überhaupt notwendig 
ist, und ob nicht wenigstens eine Vereinigung mehrerer getrennt 



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anguiMheD Arm«« wtnr beflonderer B«rttelniohtigiuig o. i. w. 198 



oebeoeiiiaiider betteheoder und tu der Haaptaache mstaiiDeiigehöriger 
UnterriditBweige nun Zweck grOberer Vereinfaeliiiiig des guneii 
Stoflin stottfinden konnte. Aoe beetimmten Chrfindeo mfiMen wir 
uns yenagen, dieie Frage nfther sa ontenneben nnd wo. beantworten 
und ee mob uns genfigea, dnrch Vorfilbnmg der beetehenden Ver- 
hiltnÜM dieee Frage bei onaeien Leaeni angetegt sa haben. 
JedenftUe iet ee klar, dab man nach den obigen Darlegungen eigent- 
lidi m dem Schlola kommen mflbte, dab der jnnge k. nnd k. Unter- 
lieateaant, wenn er alles das gehörig verdant in sieh tiSgi, was 
ihm an geistiger Nahrung wihreod semer drei akademisehen Jahre 
bestimmungsmäTsig zugeführt ist, sowohl in allgemein-wiasenschaft^ 
lieber als in speziell railitärischer Hinsicht um ein gans Betiacht- 
liches gebildeter und klüger in die Armee eintritt, als es unsere jungen 
Herren nach dem Verlassen der Kriegsschule, mit oder ohne Abi- 
turienten-Examen, oder nach dem Austritt aus der Selekta sein können. 

Ist dem nun aber thatsächlicb so? Auch hier möchten wir 
uns die Beantwortung dieser Frage yersagen und statt dessen nur 
anführen, was die rühmlichst bekannte Streffleursche Zeitschrift in 
einem (November 1889) erschienenen Aufsatz über das Resultat der 
Ausbitdiiug auf den k. und k. Militär-Bildungsanstalten änfserte. 
OHplcieh ^Unsere Kadettenschulen« betitelt, soll, wie der Verfasser 
jeneii Aufsatzes ausdrücklich erklärt, derselbe auch auf die übrigen 
Militär-Bildungsanatalten Bezug haben. 

Es wird hier geradezu behauptet: i>Die Truppe ist im all- 
gemeinen mit der Erziehung und Ausbildung des Offiziornachwucbsus 
nicht zufrieden,« und sodann u. a. gesagt, dafs die Anforderungen 
zu hoch gestellt würden und »die Erfolge mehr als bescheiden« 
genannt werden müfsten. Die Mehrheit der Kadettenschulen »und 
selbst mancher Akademiker« sei unendlich unsicher im mündlichen 
wie scbrittlicheu Uei^iuutaufidruck; das Hauptziel des ganzen Unter- 
richts liefe nur auf änfserlich »gute Resultate« und darauf hinaus, 
»dals dem Schüler eine gewisse Zahl eingepaukter Fragen, deren 
geistigen Znsammenhang er nieht kennt, geläufig sei.« — Fürwahr 
ein harter nnd schwerer Vorwarf, der, wenn er wahr sem sollte, 
darthnn würde, dab urgendwo in dem System gefiUirliehe Mangel 
wboigen sein müssen. Der anonyme Verfiasser, dessen Worte aber 
deshalb wohl nidit als bedentnng^os augesehen werden dürfen, da 
ein Bktt Ton der Bedentang der Streflnenrschen Zeitschrift sie 
nbomittelt, Terlangt dann, mn eine Besserung in den jetst »so 
enorm schlechten Besnltaten« zu gewinnen u. a. mehr Strenge, sowohl 
dem nnfiUiigttn als namentlich auch unfleilsigen Schüler gegenüber 



199 IM« AisUMiig 4m Oflbkr'BMitati te CilainiaUMk- 



ftu Stelle der jetzt in dieeer Beziehung viel xa weit gehenden Milde 
und Humanität, Einfabrung wirklicher Maturitätsprüfungen am Schlafe 
des letzten Jahrganges, bessere Überwachung desUnterrichts und mehr 
Einheitlichkeit in dem Erteilen desselben, sowie besonders auch gröfsere 
Rücksichtnahme auf die Ausbildung und pädagogische Befähigung der 
Lehrkräfte. Was dieeea letzten Punkt anbetrifft, so stellt der Verfassec 
weiter die Forderung auf, dafo SMutliche Offiziere, die sich für das 
Lehrfach melden, — and wie oben gezeigt, sind es fast aasschlieüilich 
aktive Offiziere, die auf den k. und k. Bildungsanstalten oinschliefslich 
Kadettenschulen unterrichten — nach zurückgelegter mehrjähriger 
Frontdienstzeit erst einen Kuraus auf einer speziellen Vorbildungs- 
anstalt für das militärische Lelirfach durclimachen solleu, indem sie 
an irgend einer Anstalt Vortrügen und Prüfungen beiwohnen, dann 
selbst Probevorträge halten und endlich einer mafsgebendeu Schlufs- 
prüfung sich zu unterziehen haben. Erst nach Bestehen der letzteren 
hätten die geeigneten Aspiranten unter ihnen eine förmliche Be- 
rufung zu erhalten und könnten von da au von ihrer Lehrerstellung 
nur auf eigene Bitte oder auf gerichtlichem W'c^v. entfernt werden, 
andererseits aber auch in ihrer militärischen Charge nicht mehr 
aufrücken; unabhängig von letzterem Umstände sollte die aelbstr 
verständliche allmähliche Steigerung des Gehaltes sein. 

Darob diese ausführlich begründeten Vurschlage will der Ver' 
faeser dem jetzigen grofeen Nachtttl eines zu häufigen Wecluels 
der alt Lehrer an einer milit&rioehen Bildungsaastalt komoiandiflrfcea 
Offisiere, yon denen ricli anberdem viele nach Antritt ihres Koiftmandoe 
als ungt cignet dasa erwiesen, sowie den ndem Nachteü Twmeiden, 
dafo jetst ein Eriemen der Lehrknnst erat während dieser Tbitigkeit 
selbst sum Sehaden der Saehe und snm Nachteü der lernenden 
Jagend stattfindet Er sagt dabei wQrttiob: 

»Dals in Preafsen — dem miliUnischen M astentaai — besllglieh 
der ErgSosang des Lehrkörpers dieselben Priniipien gelten wie bei 
ans, kann nicht als Beweis for die Richtigkeit gelten. Mit einem 
Lande, wo sosnaagen jede Familie ihre militSnsohen Traditionen 
hat, wo die Yorbildong in den Volke- und Hittelsobulen eine voll- 
kommen homogene nnd national einheitliche ist, kfinnen wir uns 
leider nicht vergleichen.« 

Vielleicht stehen wir in dem letzteren Punkte gnnstiger da ak 
unser verbündetes, polyglottes Nachbarreich, dennoch aber, m«nen 
wir, müfste man auch jenseits der schwarz-gelben Graupfikhle flUt 
den gleichen Mitteln gleiche Erfolge erzielen können, wenn man 
dort ebenso sorgsam vrie bei uns in der Aaswahl dar lom LehxfiMh 



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Mgiri Mhm Axmm «irtar ^mouiimt BerttoUiohtigaag n. i. w. 200 



g B c i g netm Offinere Terfikhrti £Br welche in diMer Beinhnng der 
Begiin«nte»CnminiMliir, der eie genau kenni, die Venuilirarlang 
übernimmt, and i&r welobe dann dai eigene luiloM WeiteEibeben 
und Weüerhüden auf diesem beeondem Gebiet dee militilnieben 
Dienafcee eine conditio sine qaa bildet» Jedenfalls ist die preuDnache 
Armee mit der seit so vielen Jahren erprobten Methode zufrieden, 
liat schone Erfolge zu veneicbneu und wird wohl nie den oben- 
erwähnten österreichischen Vorschlag annehmen wollen, aus den 
zum Lehrfach aeitweise kommandierten Frontoffisieren nniformierte 
Berufspädagogen zu schaffen. Gerade das hat man immer als einen 
besonderen Vorteil unserer Institution angesehen, dafs die aU Lehrer 
einige Zeit fungierenden Offiziere, wenn sie auch an wissenschaft- 
lichen Fachkenntnissen den studierten Lehrern naturgemäfs oft nach- 
stehen worden, doch dafür die ganze Frische des Frontdienstes in 
den Unterricht zu übertragen und während der wenigen Jahre ihrer 
Abkommandierung voll und ganz zu erhalten wissen. Dies aber 
ist ein Vorteil, der sich für den Erfolg, für das Vorwärtsbringen 
des Schülers und für wirkliche, gute Resultate, die nicht hlofs ge- 
machte und nur scheinbare sind, nicht hoch genug veranschlagen 
läfet; auf der andern Seite dürfte es einem Berufspücluijogen, der 
Jahr für Jahr, Jahrzent für Jahr/ent in denselben Klassen «tets 
denselben StoflF vorzutragen hat wohl kaum — jedenfalls nur höchst 
selten — gelingen, ja gelingen können, Jahr ein Jahr aus vom 
Katheder herab stets mit der.selben Verve /u «einem jugendlichen, 
für jede Frische so empfängliclien Auditorium zu reden und, dasselbe 
mit sieb fortreiliaend, es fast unbemerkt dem vorgeschriebenen Ziele 
zuzulähren. 

So sehr wir nna also gegen diesss in dem erwihnten Anftata 
Torgesehlegene Mittel aar Abstellung der angegebenen llingel eiv 
klaren mÜnen, so ergiebt sich für uns doch aus jenen Darlegungen 
eine gewisse Bestätigung fSr unsere Annahme, dab die wirklichen 
Resultate und Leistungen auf den Dsterreiehisoh-migarisolien Militir^ 
bildnagsuMtslten wohl sin wenig hinter den anf dem Pikier 
stehenden Forderungen und scheinbaren Ergebniawn aurfiokstehen 
dfirften. 

Kehren wir nach dieser kleinen Absohwdfnng an der Uilitftr- 
Aksdwnie in Wiener-Nenstadt surflckt so bleibt uns nur noch ftbrig 
dee Sehlnbaktee Erwähnung lu thun, der sich alQihilieb, unmittelbar 
nach der Rückkehr von dem praktisehen Knnros, am 18. August — 
dem Gehnitstage Sr« Mijestftt des Kaisers — in den alt^ehrw&rdigen 
Bäumen der Akademie abspielt: der »Ansmusternng«. An diesem 



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201 Di» AvMldai« dM OOtakr-EnilMS d«r MamkUMh- 



Tage scheiden alljfthriicli aber 100 JfingliDge, die Tages mwor duch 
das Penonal-YeroidnmigBblatt zu Unterlieuieuants mit dem Rang 
vom 18. Anguat ecnannt wurden, aus der Schale, der sie jahrelang 
ai^^hdrten, aus, um dem lieben und der Armee zur Arbeit für 
Kaiser und Vaterland überwiesen zu werden* Wie die Puppe in 
den glänzend-sühimmemdeu Schmetterling, so verwandelt sich mit 
einem Schlage auf dem Schlafsaal, wo schon vorher alle Uuiform- 
sadien, die Leibwäsche, ein ETsbesteck, sowie sogar die Tasche für 
seinen »Diener« (Burschen) zurechtgelegt sind, der bisher auf die 
Schulbank gebannte »Zögling« in den forschen »Herrn Lieutenant«, 
und das kleine Neustadt wird, wie schon seit langen Jahren, an 
diesem Tage von einer Schar aller möglichen Uniformen erfüllt, die 
in jubelndem Frohsinn alle StraCsen, Gärten und KaflFeehäuser un- 
sicher zu machen drohen. Am folgenden Morgen stellt sich in 
gehobenster Stimmung die ganze Schur, die diese Nacht wohl kaum 
ruhig geschlafen hat, im Viereck auf dem Hofe auf; das Geschütz, 
das dort steht, und die Fahne, die in der Mitte Aufstellung ge- 
nommen, sind mit Blumen geschmückt, der Kommandant verliest 
das Verordnungsblatt und nimmt allen, die jetzt die Schule von 
sich scheiden lälst, den Eid der Treue gegen den allerhöchsten Kriegs- 
herru in feierlicher Weise ab. Noch eine ernste Abschiedsrede 
des Kommandanten, die in eiuem Hoch auf Se. Majestät gipfelt, 
uud danu geht es mit den bisherigen Lehrern, den jetzigen Kame- 
raden, an einem letateu, grofsen, gemeinsamen Abschiedseisen in der 
wdten nnd gesohmfickten Reitbahn, das mgleioh das Fesfanahl ßr 
die patriotische Bedentong des Tages ist: von dem CbfBhl doppelten 
Jubels gehoben und geschwellt ist auch das Hen des jungen Soldaten 
zu dieser Stunde. Dann sendet die Akademie ihre Jünger hinaus 
nach allen Enden des grolaen KaiserreiGhes, damit sie doft weiter 
fördern, was sie in sich aufgenommen: Treue gegen den kaiserlichen 
Kriegshenn und sein Haus, Dienstkenntnis und Pflichtgefühl — 
zum Besten des Vaterlandes in Kriege- und Ftiedensseiten, in allem 
die festesten Stutien der Monarchie inmitten des Tobens und 
Biandens der Wogen sosialer und nationaler centrifogalerBestrebongen. 

»Mache Er tüchtige Offisiere nnd rechtanhaffene M&nner daraus,« 
hatte einst die groise Kaiserin Maria Thersd» an den ersten Ober- 
direktor der neuen Anstalt, Feldmarschall Dann, geschrieben — 
und wahrlidi, die Wiener Neustadt- Akademie ist dieser heiligen 
Verpfliditung, welche ihr die edele, weitsichtige Monarchin zu- 
gewiesen, treu geblieben bis auf den heutigen Tag, und bis auf 
den heutigen Tag gilt es f&r den Offizier in Österreidi-Üngarn als 



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vagßAtthM Aiaee milir bwondinr Barftokiiehtigaaf a. w. $02 



eine besondere Anszeichuung und als cm Grund berechtigten Selbst- 
bewufstseius »Neustädterc gewesen zu sein. 

Nachwort. Vorstcliencle Abhandlung war eben fertiggestellt, 
als im Dezemberheft von »Streflfleurs österreichischer militärischer 
Zeitmüirifl« 1890 eine interessante Stadie erschien, welche das oben 
gesagte som Tefl m ao baMMbneaiiAer Wdae bestätigt, zum Teil so 
intereasanto Yonohlig« sa emer fsdikalen Neuoiganisation des 
oflterraidiiiclien HjUtfa^Bmebongs- und Bildnngsweteni mnoht, dab 
wir nas nicht Tenagsn mdchtan, einiges WeeentUcliere danms nach- 
trSgUeh hier aasolUiraa. VerÜMter, der vitUeicbt mit dem gegen 
Ende der obigen Arbeit bereite enr&hnten Autor in derselben 
Zeitschrift identisch ist, sprieht eich dabin mos, dafii das Ideal in 
der Organisation der Ofifider-BildmigB -Anstalten dam besteben 
mflsae, ein völlig homogenes Oflisier-Corpe sn schallen, ein Ziel, von 
dem man aber In Östeneich-Ungam sor Zeit noch mit entfisrnt 
sei. Trote aUen Lafierens swisdien den Eadetteasohnlen nnd den 
Akademien sei die Kluft swischen beiden jelst noch grOfeer als 
firafaer, and die Resultate beider kttnnten nidit befriedigen, weil in 
ihnen wanA oder au wenig gelehrt wird. 

«Der akadsmiseh gsluldete OfBsier ist doch dem ans einer Kadettea- 
sdrale hervorgegai^^enen goslig uagldeh flberlegen. Was hat aber ^ 

Armee fDr einen Nutzen davon? Dem gewesenen KadcttonschUler stehen 
die Pforten der Kriegsschule (i. e. Kriegs-Akadeniie. D. V.) wohl eben 
80 offen als dem Akademiker. Wenn es nun der erstere thatsüchlich 
unterDiiumt, dann sein Glück zu versnrhen. .so kann man vorttUs.setzen, 
dab derselbe überaus streb:>aii) und wif8l>egierig sei, denn die Vor- und 
Auflishmeprfifang für den aus einer Kadettenschule hervorgegangenen 
Offisier ist mit ganx anderen Sehwierigkeiten verbunden, als die des 
Akademikers. Detjeaige Akademiker aber, welober die KriegSBcbale nicht 
besucht, hat eigentlich eine Masse von wissenschaftliebem Ballast gelernt, 
den er in .meiner Dienstsphlre absolnt nicht verwerten kann. Man kann 
in diesem Fall fü^L^lich sagen: Was der eine (Akademiker) zu viel, hat 
der andere (Kadettenschüler) /n wenig gelernt. Es bleibt über 
diese Thatsache unbest reiltiar, dafs wir zwei Kate^^orien 
Offiziere besitzen, welclio sich in wi.ssenschat'tlicher Hinsicht 
die Wage nicht halten können. Bline einheitliche Ausbildung der 
Offisaere in Zukunft mub daher das Losungswort der Kriegsverwaltung 

Um aber dieses höchste and absolut notwendige Ziel, die 
Schaffung einer Einheitsschule, zn erreichen, seien durchaus nicht 
so grobe finaniiene Mittel ndtig, als man stete annehme oder an. 
tnnehmen eeheine; es gehSre nur ein unbednigter und entscheiden* 



303 Sto ÄmMSämg im (MUM-XiHita» dar MatftkUMb- 



4er Will« An mafrgebeDder Stelle cUsn — and die endgültige 

Lösung der militärischen Sohalfrage, das Ideal in dar Anebildang 
des Ofifixiersuach wuchs sei iu kfineater Frist und mit Leichtigkeit 
erreicbL Der Verfasser rechnet sogar heraus, .dafe man mit An- 
nahme seines Projektes trotz eines um 700 grßbeiBD Zöglingi» 
Standes eine Hlrsparnie tou 350,000 Gulden machen werde. Dieses 
Projekt aber ist in kurzen Zügen das folgende: Die Ablegung der 
Matoritatspr&fung an einer Civil- oder einer der — bis auf 10 sa 
vermehrenden — Militär-Ober-Realschuleu (welche letzteren dann 
auch ein für den Staatsdienst gültiges Maturitätszeugnis ausstellen 
sollen) biMct die ausnahmslose Grundforderung zum Eintritt in die 
Ofttziers-Carrioiv. Die Kadetten - Anstalten hörpii auf und ver- 
waudcln sich gröfstenteils iu die erwähnten Militür-i 'ber-Kealschuleu. 
Nach Absolvierung dieser erfolgt der Übertritt iu eine der bis auf 
5 zu vermehrenden Militiii -Akademien - 3 für Infanterie, 1 für 
Kavallerie, 1 technische Akademie — wekhe einen zweijährigen 
Kursus besitzen. (13ei der technischen Akademie tritt dazu noch 
ein besonderer »praktischer Kursus« von einjähriger Dauer.) Um 
diese Verkürzung der Akademiezeit zu ermöglichen, müssen die 
höhere Mathematik, Technologie, neuere Geometrie und Pferde- 
kenntnis (let/i«Te besonders bei der Truppe zu lernen) aus dem 
Lehrplau ausgeschieden werdeu. ^ 

Aus diesen Akademien, welche also von allen Offiziers- 
Aspiranten ausnahmslos besuolit werden, treten die jungen Leute j 
nkdit mehr wie bfeher ab Offiriere, sondern nnr idB mit dem ' 
höchsten Unteroffinmrang bekleidete Kadetten (also etwa unseren 
PortepeefUinrichen entsprechend. D. V.) in die Truppe und 
haben hier eine einjährige praktische Dienstseit dorchsnmachen. ! 
Naeb einem halben Jahre werden sie sn OflB&ers-StellTertretem 
(unseren Offisierdienstthuenden Degenfllhnridien entsprechend) ond 
nach Ablauf des Jahres zu Unterlieutenante befördert Die ZBg- 
linge der teebniscfaen Akademie treten, um das längere Studien- 
jahr einigermalsen wieder einsabringen, gleich als OfBiiera- 
Stellvertreter in die Armee und werden spfttestsns nach einem 
halben Jahr xn OfiBsieren befördert 

Somit bitte man, wenn die Idee des Ver&sseis, die ja auf den 
ersten Blick fiel Verlockendes zu haben soheint, zur Verwirk- 
licbuDg käme, in der That ein wissenschaftlich nicht blofs in sich, | 
sondern auch den meisten Angehörigen der Abrigen höheren Stande 
gleichgestelltes Offisiei-K- Corps — es sei hiw, um keinen falschen 
Vergleich mit unssren Verhältnissen zu TarMslasMii, nodmialt wie 



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oogwiMhea AnMe oBtov bMOoderar fitrdoksiobtigujig a. s. w. 204 



schon fraher erwalmt, dafe die Realschule in Ösierreich-Uogarn 
bis snr Mataritätsprafang insgeflamt nur 7 Jahrwklassen bebtet 
— Abar, mtlasai wir Uer fragen, iat dar VerfiMter auch sicher, 
falls dia Mafenritatsprllfiing nicSii um das Zweekss «fflen aaf dao 
MilitSr-Obei^Baslnhiilen kflnsdieb hanmtergadrftekfe wird, so Tiale 
AbiinrianteD sa erhalten, um den Jahresbedarf der Armee an Offi- 
zieren ToU so deoken? Dia k. mid k. Annee branoht 
jährlich inagesMit etwa 800 OfÜsiare, eine giofre Zah), wenn sie 
nur ans dam Reserrolr dar die MatorititoprfAmgai lovficUegendan 
jongen Laote gadaoki werden solL Und ist nicht eine sehwera 
Gfl&hr darin in sehen, dals man, um diese Zahl gewalteam an er- 
halten, leicht dahin kommen kSmite, in der Answahl der geeigneten 
Elemente für den wie der Verluaer salbBt energisoh betont, ersten 
nnd beToraogtestsn Stand im Staate weniger peinlieh nnd genao 
za sein, wodurch aber wieder — was viel schwerer wiegt als die 
änÜMlre wissenschalUiche — die innere Homogenität des Offizier* 
Gorpa geschädigt werden könnte? Allerdings steht der Verfasser 
in diesem Pankt augenscheinlioh auf einem etwas radikalen Stand- 
punkt, denn er ist der Überzeugung, dafs die Thatsache, dafs die 
»Söhnte ärmerer Eltern aas dem Mittelstande« angenblicklich vom 
Besuch der Kadettenschule ausgeschlossen leian, >ini Zeitalter der 
allgemeinen Wehrpflicht — unbillige sei. Aber mülsteu dann nicht 
wenigstens, wenn sein Programm zur Ausführung käme, wenigstens 
iVie Lieutenantsgehälter wesentlich erhöht werden? — Ohn»» jahre- 
lange Zulage auszukoniinen, ist zwar bei den vorainltM-ten Ver- 
hältnissen unserer Nachbar- Armee leichter als hei uns, tlennoch aher 
immerhin eine schwere Aufgabe, es stellt dies grofse Anforderungen 
an den Charakter des betreflFenden jungen iMannes und läfst ihn 
gegen die anderen Stände pekuniär nicht unwesentlich benachteiligt 
erscheinen, weshalb sich die Zahl von 800 Aspiranten für die Üftiziers- 
laufbahn vielleicht doch nicht finden lassen dürfte. Zulagen zu 
geben, würde aber doch den ärmeren Eltern aus dem Mittelstande 
wieder kaum möglich sein. Man sieht also, dafs das scheinbar so 
schöne Projekt doch auch seine ernsten Bedenken hat. 

Der nach seinem Vorschlag bewirkten gleichen wisseuschatthchen 
Ausbildang entsprechend will der Verfasser dann allen Offizieren 
eine gleiche Bereohtigung und Möglichkeit zum Besuch der Kriegs- 
sohnle und damit Eintritt in die Oeneralatabskaniere ermöglichen, 
Inerdnreh also den gcwissermalsen jätet nnr einam kleinen Teil der 
Armee zagestandenen Prarogatiren ein Ende bereiten. Die Idee 
Ist gewils gut nnd ancfa eine natfiiliche Folge der wiasenschafUiflhen 



205 I>i« Aoabildang de« Offizier-ErMtifl« der österreiohiach- 



Gleichheit des Offiiier-Goipt. Doch geht er damit, lofaeiDtiiiis, atich 
wieder ein wenig in ladikal und an^eieh sn echematisch vor. 
JahigsngsweiBe besflgUch in der Reihenfolge ihntr. Anciennitat 
«ollen die lieatenante nach 6 besidiungswdio (bei den teehniedien 
Waffen) 5 jähriger OiemtMit als Ofliiier — ähnUeh wie jetst die 
HanpÜente and Bittmeister sam »StabsofBiier-Kamu« — lur Ab- 
legung der (mfindüidien nnd achriftlichen) Prfifiingy die eich aber 
nur anf die Fachwissenschaft beziehen soll, einbemfeu werdra. 
Nur wer gans auf den Besuch der KriojB^schule verzichtet, bleibt 
davon frei — ähnlich wie bei den auf die Stabsoffizierscharge ¥er- 
zichtcnden Hauptleut^n und Rittmeistern. Eine Genehmigung nnd 
Qualifizierung des betreffenden Ofi&ders durch seinen Kommandeur 
fiele danach also ebenso fort, wie eine Rücksichtnahme auf die 
etwa gerade bestellenden dienstlichen Schwierigkeiten. Sollte dies 
nicht anch seine ernsten Bedenken haben? 

Vber die Gestaltung der weiteren Verhältnisse, wie der Ver- 
fasser sie sich für die von dieser »Militärischen Hochschule« zu- 
rückkehrenden Oftizicre denkt nnd Anderes mochten wir hinweg- 
geben und nur noch etwas üher <lie Verbältnisse sagen, die sich 
auf seinen Plan einer entsprechendini Neugestaltung der »Lehr- 
und Erziehnnjcspersonale« Ixvjehen. Der I nterricht in allen »all- 
gemein biKieiuii'u Fächern«, wozu der Verfasser Spraehen, Geo- 
graphie, Geschichte, Naturgeschicht«, Physik, Chemie und Mathe- 
matik rechnet, ist nach ihm am besten von Civillehrern, die rein 
niihtiirischen Fachgcgcnstämlc .siml von akademisch Lrehildctcu 
Offizieren, als Lelirer mit lünljiihrigcr Verwendungsdaucr angestellt, 
zu erteilen. Wie wir dagegen schon früher erklärten, halten wir 
uoaer Prinzip, den Offizieren — auf deren Auswahl man natürlich 
beaondets bedacht lein mofr — «nen grölseren Spielraum in den 
UnterrichtBfiwhern zu gewähren, fär richtiger — jedenfalls hat es 
ach in prasi bis jetst ansgeseichnet bewihrt. Dab eine gewisse 
Mischung Ton Militär- und Cirillehrem jedoch gans gat ist nnd 
manche Fieher auch besser von letzteren als too enteren toi^ 
getmgen werden mSgen, sei dem Horn Verfasser zugestanden nnd 
daher aacheint sein heabsiditigter Bruch mit den zur Zeit noch 
auf den k. und k. Militär^Bildunga-Anstalten bestehenden Yer- 
hUtoissen als ^ne gewib berechtigte und praktisch Tortdlhafte 
Forderung. Wenn wir nns aber auch mit diesen Gedanken, die 
sich unsere VerhiltDissen niihem, einTcrstanden erklären möchten, 
so können wir es doch nicht mit den folgenden weiteren Aua- 
fflhmngen. 



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«oCsriielMB AfiMe utor bewmdexar BerOcknehtifnnf n. •. w. 206 



Die Kommandanten der Militar-Unter-Realschulen — die 4 vor- 
handenen sollen bestehen bleiben, »um verdienstvollen Offizieren 
und St^iiiisbeamten die Erziehung ihrer Kiiulor erleichtem zu helfenc 
- — sollen giuiulsätzlich dem Civillehrerstancl entnoninieu werden 
(für die Ober-Militär-Realschulen and die Akademien dagegen dem 
Trappenstaude; den letsteren itt ein Pro-Rektor ans dem Civil 
bosngeben). Jfingeie OfiBsier«, weloha aidi dem Lehrfach st&ndig 
widmen wollen, haben tnerti 1 Jahr lang probeweiM darin Ver- 
wendung in finden, und wenn sie äeh ak duStkt heanlagt erwieaen 
haben, dann einen einjährigen Knrsna ftber Fidagogik und deren 
Geaehiehie, Pbjcbologie und Logik — aei ea an einer ünitarriat 
oder in einem eigeiien Kniana — sn h9ren(t) Diea aber nnr filr die 
Obergangaaeit, apiter mnla fir den Naehwneha dea Lobiatandea 
derart geaorgl werden, dab »jnngo Offisiere behnfr intanaiTerer 
Anabildnng in ihrem Faoh an die techniaehe Hochaehnle nnd 
die Akademie der bildenden Eflnate (lor Zeichnen) hommandierfc 
werden«. 

Der YerfiuMr meint g^gen ScUnb aeniar Yotw^lbUlge: »Die 
Wohlthatan, die ein aotchaa Sjatem für die Armee im Gefolge 
hatte, sind m bekannt: ein einheitlich amigebildetea Oflfiiier-Corps, 
welches noch kein moderner Militarstaat aufzuweisen hat.<(?) 

„Sdiwiari|^Eeit mit der BsflohaAuig des Schftlermaterials obwalten 
keine, wenn man die Annalime an ein wie in der Kadettensclmle inürsig 
bemessenen Schulgeld knüpft, tllipidies wird die Genugtbuang für die 
Eltern, ihren Söhnen eine akadeiiiisLhe Ausbildung angedeihn lassen zu 
künnen, ein slaiker Sporn sein, dieselben der militUrischun Carriere 
an widmen, waa bis non ym besser sitniarten Bltem inmaist miterhssen 
wurde, ds ihnen die Akademien in den mdstem FftUen nnEogänglicfa 
waren, fBr die Kadettenaohlllsr aber kerne besondere Last obwaUet, da 
dieselben in den besseren StBaden der GsseHednft troti der guten Ein- 
richtongen derselben, noch immer nicht jenee Anaehn geniefsen, welches 
ihnen zukommen sollte; man Wtrachtete sie stets nur als hnll»fertii»e 
Srhnler, welche data da sind, ein minderwertig auagebildetes Corps zu 
schatien.***) 



*) Anm. d. L. Die Torst^hende ArWit war bereits mehrere Monate vor dem 
Krscheinen der bekannten BroschQre: „Offene Worte über <Ue (V^^terroichisch- 
nogariscbe Armee" gMchriebeu. Es verdieat dies insofern Beachtung, als erstere 
das gensaate PsaipU«! io nandun Peaklsii direkt sa widarlegsn ie der Lage ist 



groJäen nisaisohen Manöver des Jahres 1390. 



Vom 6. bis 14. Septamber Torigen Jabres manSvrierien in den 
ifidwestlicheQ Imndetteiteii des ZareDreicheB zwei ruasiBche Heore 
gegweinaador, deren massierte Operationen mit ^ofsartigen Lager- 
filbiingen ▼erbaaden waren. Eine ?on Westen anrückende Invasions- 
Annee dnng aas dem Goavernement Ljnblin in der Richtnng auf 
K^ew vor, diesen wichtigen Hatiptwaffenplatz und Schwerpunkt der 
russischen Sttdwestfront strategisch bedrohend. Für den einbrechen- 
den P'eind, welcher bereits den Bug überschritten und wolbyniscfaes 
Gebiet betreten hatte, handelte es sich zunächst um die Besitznahme 
der vou Brest- Lite wsk nach Kijew laufenden russischen Südwestbahn, 
in welche bei der Station Stolbynowo, 12 km sddlich der Stadt 
liowno die galizische Ostbahn einmündet. Auch die Besetzung 
dieser von Lembei^ herführenden Bahn erschien wegen ihrer Mit- 
benntzung für das Offensivuuteruehmeu, dringend geboten. — Im 
Verein mit dem in Wolhynien, südlich der mächtigen Verkehrs- 
scbranke des sumpfigen Pripet- Beckens operierenden feindlichen 
Heere, dürfte man sich unter Zugrundelegung der Kriegslage, eine 
zweite nördlich dieser unwegsamen Zone gegen die Weichsellinie 
vorgehende AngrifTs-Armee zu tlenkeu haben. — Zur Abwehr des 
in Wolhynien eingedrungenen Gegners, hatte unter Basirung auf 
Kijew eine russische Armee am rechten Ufer des Styr, eines der 
bedeutendsten PripetzuflUsse, Aufstellung genommen, deren Aufgal)e 
sowohl die Deckung der erwähnten Bahnverzweigung war, als auch 
beswaokte^ dam firindfiflkan Einfalle den Weg ins Innere des Landes 
zu verlegen. 

Die ManSrer fanden in Gegeunart des Kaisers Aleiander, nnter 
Obertoitong des 6enenI4nspelitfl«uni der KavaHerie, Grolsförsten 
FaUmanolians Nieolai Niflol^jewitscb das AUmi statt, bekannt als 
OberbefeUahaber der nissiscben Armee auf dar BalkstBrHaHimsel 
wihrend des Krieges 1877/78. Das mit etwa 3 Armee-Oorps and 
1 KaTallerie-DiTision auftretende AngriflUbeer worde Tom General 
Gnrko, die nur wenig sohwaehere Verteidigungs-Annee vom General 
Dragomirow kommandiert. Das Feldbermtalent des ersigenannten 



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XUllfabelM Wvkdanpgeii im Gdiod« n. w. 



908 



Generals findet im russischen Heere unbegrenztes Vertrauen. Gurko 
ist General der Kavallerie, Generaladjutant, Höchstkomnifindierender 
im Generalgouvernement Warschau, 63 Jahre alt und von körper- 
licher wie geistiger Frische. Nach dem Donauübergang 1877 führte 
er die Vorhut des Hauptheeres iu kühnem Kluge über den Balkan 
und nur wegen der inssiachen Niederlagen bei Plewna mufste er 
aeiiie schwer errungenen, recht erheblichen Vorteile wieder preis- 
goboi» Kftdi Flewnaa Fall sog er n der Spitze eines Armee-Corps 
im aobtoftten Winter nnter den gr&ften Sb^iMn nochmals Uber 
den Balkan md erfocht den entscheidenden 8io}ir bei Philippopel, 
welcher wesentlich rar glflckliohen Beendigung des Kriegss beitrug« 
Qnrko gilt als ausgesprochener Dentsehenfeind nnd giebt dieser Qe- 
sinnnng bei jeder nar möglichen Gelegenheit entsprechenden Ans- 
dmck. Oenend Diagomiiow, angehender Sechsiger, leidet an den 
Folgen einer vor dem Feinde erhaltenai Verwondong nnd ist wohl 
kanm feiddiensttthig sn nennen. Sein reger Qaist gleicht indessen 
das kSrperliche Manko ans, wie er denn auch ab MiHtürscfariftsteller 
m allen europlischen Hesaren bekannt nnd ohne Zweifel hente der 
Ahigste roBsische Heerfthrer ist. Am BaUom-Feldtnge 1877 nahm 
er als Difisions-OOmmandear rühmlichen Anteil und empfing, wie schon 
geaagti am Schipkapaasa eine schwere Wunde, deren Heilnng lange Zeit 
in Anspruch nahm. Bei allen grOfsersn rassischen Trappenübungen 
fungiert Drsgomirow als Schiedsrichter nnd gSt seine Ansicht in 
der Regel für ausschlaggebend. Durch und durch Panslawist, hafst 
er alles Deutsche von ganzer Seele. — Beide Armeen verfügten ftber 
je einen henrorragenden Eavallerieführer. B« den Angriffstrnppen 
befand sich General Strukow, einer der ansgezeichnotsten OS&äen 
der Skobelewschen Schale; den Streitkräften der Verteidigung war 
der kaukasische Reitergeneral Ter-Assaturow überwiesen, dessen ver- 
wegene Streifzüge im letzten Türkenkriege viel von sich reden machten. 

Die westwolhynischen Landstriche, in denen sich das grofse 
Manöver abspielte, gehorpii einem völlig abgeschlossenen Kriegs- 
theater an, ingnfrrn die nnzugiiiigliclip Pripotniederung der sogenannten 
Rokitno-Sümpfe, West- oder Weifsrussland in zwei Haiiptoperations- 
räume absondert. Diese Bruohgeirenden, welche sich bei einer 
mendiaiien Ausweitung von durchschnittlich 100 km, durch 4 bis 
5 Breitgrade hinziehen und aus deren nugelieiircr Fläche sich 
gleich Inseln fast undurchdringliche Urwaldungen erhebnn, trennen 
Lithanen von Wolhynien und spalten im Enistfalle jede dem Herzen 
Rusalands sich nähernde Kries^führnnir. Nur .spärliche nnd unsichere 
Wege winden sich durch das morastige Waldgebiet und weder au- 



809 



imitliiMli» Wanderangeu in CMIad« 



haltende Trockenheit im Sommer, noeh stanrer Frast im Winter 
vermSgra die fflr militSriache Zwecke nngemein bescluftnkte Gang- 
barkeit aufzuheben. Den Sftdrand der Rokitno-Moräste begrenzt 
eine weitgedehnte Hochfläche, welche aUmählicb iu die Vorstufen 
derKarpatheu übergeht und yermÖge ihrer natürlichen Bodengestaltnng 
bei der Verteidigung der südwestlichen Provinzen Russlaude augen- 
scheinlich in Frage kommt. Aas dioaer wolhynischeu Platte erheben 
sich im bnnten Durcheinander ganae fieihen flacher Landrücken, 
meist umsäumt' von WasserlEufen , welche in vielästiger Strom- 
entwickelung dem Pripet oder auch dem Dnjeatr zufiiefsen. Das 
somit zwischen Anschwellungen und Einsattelungen seiner Oberfläche 
wechselnde Land wird durch die russische Südwestbahn mitten 
durchschnitten, deren von Stolbjnowo nach Brest- Litowsk und Lem- 
berg ziehende Linien mit dem aus Galizien nordwärts Rtrömenden 
und beide Schienenwege durchquerenden Styrflusse ein ziemlich 
gleichseitiges Dreieck von etwa 3000 qukm Fliicheinhalt darstellen. 
Dieser nach Nordwest offene Gabelungsraum /wiier strategisch 
hu(hst wertvoller Verkehrsstrecken bildete den Schauplatz des in 
Rede stehenden Kriegsspieles, welches wegen seiner Nähe an fler 
ohne starken und sichernden Abschlufs, ujibestimmt und un merk lieh 
dem kritischen Blicke des Militärs verlaufenden galizischeu (iretize, 
als eine beiUutsame Übung in der Verteidigung des russischen 
Südwestgel)ietes anzusehen ist. Wodurch diese Manöver noch ein 
weiteres Interesse erregen, darf füglich den Erfahrungen des im 
grolsen Mafsstabe zur Aasfühning gebrachten Anfkttmngt» und 
Sicherheitsdienstes der Kavallerie entnommen werden. 

]>ie Physiognomie des beaeichnetoi Laadstridies seigt eme im 
allgemeinen gleichnUi&ige Verteilnng von Ackerboden, Wald und 
wiesenreichem Tieflande. Landwirtschaft, insbesondere Pferdeaucht, 
sind die Hauptelemeute des Volkswohlstandes. Hier beginnt die 
Kornkammer des russischen Reiches, die Zone der fruchtbaren 
Schwarzerde, deren dicht bevölkerte Gruppen sich Uber den Dnjepr 
hinaus bis an die Ufer des Don erstrecken. Den günstigen Yegatations- 
und BodenknltorverhiltniBsen entspricht ein äniserst gesundes KUma. 
Die Übersichtliekeit des Geländes genügt den militärischen An- 
forderungen, frei schweift das Auge fiber das gewellte Land und 
nur stellenweise verliert sieh die Ananeht, wenn Wälder und Höhen- 
s3ge die dahinterliegmde Gegi nd maskieren. Für den Marsch von 
Truppen und Trains läfst die Wegbarkeit in trockener Jahreszeit 
kaum zu wfinschen übrig, um so schwieriger gestaltet Rieh dieselbe 
bei Hegen- oder Thaawetter, wo ohne betrachtliohe Einbalse an 



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der groCwn nuiechm VUMrvr d« Jabret 1890. 



210 



Zeit und Mühe im auf;_'ewtMchteii Boden iiiclit foiizukommen ist. 
Der \ orijewegimg stärkerer Het rijsul'teilungeu fehlt es überdies au 
brauehbareu Querverbinduiigtni. so dafs uamentlicli bei dem sehr 
fühlbaren Maugel au l berWnickniiL'' ii der zahlreichen Gewässer, 
etwa nötig werdende TTiiterstiit/,iiugt'U der Marschkolonnen anter- 
einander wesentliche Beliiiiderung finden. 

Ersteigt man in der Nähe von Wladimir- Wolyuskh den Thal- 
rand des Bug, so betritt man östlich des Ortes alsbald die grofse 
Heerstrafee uach Luzk. Neben dit ser am Styr belegenen Stiidt führt 
• 'ine feste Brücke über den Flui;,, welcher scliun hier in seinem 
Oi)erlaufe, nach Breite und Stromgeschwindigkeit als wehrhafte 
FluJsbarriere in Betracht kommt. Luzk ist 15 km von der nächsten 
Station der Südwestbahn Kiwerzy entfernt, wurde aber wegeu seiner 
für das Manöver wichtigen Lage noch vor Beginn desselben mittelst 
Zweiggeleue mit Kiwerzy verbunden* Die HentetDnag dieser durch 
Hochwald, hfligetiges Tenam und uasae Wiesen fahrenden Strecke 
nahm die Arbeitskrifte zweier Bataillone Eisenhahntruppen w&hrend 
▼oUer drei Wochen in Anspruch. Folgt man Ton Lnsk dem Strom- 
laufe des Styr, so werden nach kaner Wanderung am erhöhten 
üferrande Dorf Rostischtche und die Brücke der Sfidwestbahn sicht- 
bar. Die Übergangsstelle ist durch FeldTersehansangen gesperrt 
Hinter dieser SO km langen finlslinie Lnxk-Bostiflchtche standen am 
7. September starke Kififte der wolhynischen Armee in Bereitschafls- 
stellnng. Inzwischen hatte das Westheer mit der Ljabliner Bahn 
ansehnliche Truppenmassen nach dem &Okm nordwestlich von 
Rostischtcbe liegenden Bahnknoten Kowel geschafEt, das Gros auf 
Wladimir-Wolynskh in Marsch gesetzt und von beiden Punkten 
eine lumsBentrische Vorbewegung gegen die feindliche Stellung am 
Styr angetreten. Wihrend ein Armee-Corps direkt gegen die Linie 
Luzk-Rostischtche vorrückte, nahm ein zweites Corps Richtung auf 
das Ufergelände südlich von Luzk. Dieser angemessen getrennte 
Vormarsch fahrte am 8. September zum nmfasseuden Augriff wie 
zur Abdrängung des Gegners vom Styr. Wohl schwerlich hätte der 
Frontangritf allein auf Erfolg rethi en können, wenn der Verteidiger 
die Umgehung seines linken Flügels abzuwenden in dei i^age ge- 
wesen wäre. Freilich standen dem Angreifer numerisch überlegene 
Streitkräfte zur Verfügung, indessen wurde die Umgeh ungsbewegnng 
aoüserordentlich geschickt geleitet und gelungen durchgeführt. 
Dieselbe vermochte sich unter Benutzung jeder vorkommenden 
Terraiufalte, sowie hinter den Masken der sporadisch mit Tannenholz 
b€^ta^dene^ Üerghalden. d'T Kiiisirlit des Verteidigers uii«,""' öhulich 

Ja^biiskw tür di« l>«aucb» Aubm und MMine. Bd. LXXJL, t. ^ 



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211 



MUitiriwdw Wandomtw im CMiikb 



lange tu entziehen. Und dennoch, wohin das Auge hier reicht 
bietet das landschaftliche Bild nirgends ausreichende Deckungen 
oder gar Verstecke für die Annäherung eines ganzen Armee-Corps. 
Wo steckte die Kavallerie der wolhynisc hen Armee, deren Autgabe 
es war, den Schleier rechtzeitig zu lüften r' Wiiren starke Kayallerie- 
Abteilnngen aufklärend Qber Luzk vorgegangen, so wurden sie süd- 
lich der StraCse nach Wladimir- Wdynakh auf die feindlichen üm- 
gehungskolonnen gestoben sein nnd walineh«nlidi Zeitgewinn ftr 
eine B o s ete ung des Stjr-Abaebnitts tfidUdi von Lude endeH hallen. 
Noch bleiU dia Frage offim, ob die kaTsUariatisdia Th&tigkeit im 
Rayon des linken Flfigels anf besondere Temlnschwierigkeiten ge- 
stofnn ist? Naoh der Karte ksnn aneh dies nidit der Fsll sein. 
So wnrde das Verteidignngs-Oorps ans dar Siellang am Styr strategiseh 
heransmandTriert, ohna taktisch geschlsgan so sein. 

Naehdem die Angriflh-Annee dso Styr fibeomoliritfeen, sachte 
sie sieh als ihres nScbsten OperationsBeles der galisisehen Bahn so 
hem&ohtigeni nm dieselbe fttr weiters InTasionsiweeke benntsen in 
können» Als vomehmliehster Stfitipankt der Streeke mnfate das 
halbwegs swisohen der Ssteneiohisehen Qrrantadt Brody nnd 
Bowno, von wolhynisehen Trappennassen stark besetete Dnbno 
angesehen werden. Dieser Plate wird Ton der Ikwa, einem 
Nebenflosse des Styr dorefastr8mt Mehrere Höhenlagen sn beiden 
Seiten des Ortes beherrsehen die niehste Umgegend und gewihnn 
eine gnte Obersicht des Vorterraina. Die Ahflaebnng der Ton 
Westen nseh Osten streichenden Bergzüge gestattet eine gfinstige 
Waffenwirknng der Artillerie und In^teriOi nnr in westlicher 
Riehtong mindert sich dies Verhältnis, wohin die Höhenlinie sich 
meilenweit fortsetzt nnd deshalb der rechten Flanke einer nach 
Norden gewandten Aufstellung keinen wirklichen Halt gewährt. 
Im vorderen Gefechtsfelde vor der Front tiiflt man &8t anf Schritt 
und Tritt Abzugsgräben zur Entwässerung der naüsgrundigen 
Ländereien. Die Gräben sind meist voller Wasser und können 
daher als Frontalhindernisse gelten. Schon am 9. September er- 
folgte der Angriff, und zwar den strategischen und taktischen Be- 
dingungen entsprechend, am linken Ufer der Ikwa, währeud am | 
rechten gegen liowno uur patrouilliert und beobachtet wurde. 
Wenn nun das zu durchschreitende Angritfsterrain für alle J 
Truppenteile mancherlei Schwierigkeiten bot, so liefaen sich doch 
in den Unebenheiten desselben hmreichend gedeckte Aufstellungen 
für das in der Front hinhaltende Gefecht finden. Der Haupt- 
voratofs richtete sich, wie vorauwosehen war, gegen den frei- 



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d«r gfotan roMtachiBD Muiörar dM Jahzes ld90. 



stehenden recliten Flügel der Positioji. Durch einen Flanken- 
marsch, dem der Versuch einer Parallelentwicklung des Ver- 
teidigers nicht folgen konnte, gewann der Angreifer aufserhalb des 
femdlicbt'u Feuerbereichs den IJüheukiiuim. überflügelte den Gegner 
Qud drang, desflen rechten Flngel aafrollend, gegen Dubno vor. 
Das wolhynische Corps räumte die Stelliing und zog sieb auf 
Bowno xarück. Ware die Dabno^Position weniger ausgedehnt, 
andk Bioht durch den Ikwft^Eäniebnitt geteilt gewesen, hätte num 
ferner die leehte Flanke' kfinitlioh rentSrkt oder mindestem starke 
Reeerren dort nir Stelle gehabt, so durfte dem Angri£Mieer mchi 
so leiditer und sohneller Erfolg geworden sein. 

Obwohl die West-Armee nimmehr fiber die Sohienenwcige tob 
Ljablin ond Lemberg nach Wdhynien gebot, so waren doch beide 
Operationslinien tob der febdlichen Bosatsnng in Bowno völlig 
nnterbonden. Als ab s ohliefaender Bahnknoteo mnlste dieser Stadt 
daher die entscheidende BoUe eines Haupte ond Angelpanktes fnr 
das Angiilbheer rafallen. Letsieres hatte wBhrend des Vorgehens auf 
I>nbno ndt seinem Solsenteii ledhten Flügel die SQd-Westbahn lest* 
gehalten mid bewir)cte um diesen Drehpunkt eine staffelweise 
fiinkwschwenkung gegen Bowno: Bis tarn 11. September war die 
Armee In die 85 km sich erstreckende Linie Olgka— Warko- 
wüschi eingernokti mit dem rechten Flügel an der galisisehen, mit 
dem linken an der Süd-Westbahu stehend. 

Gegenüber hatte das wolhynische Heer nach den ungünstigen 
Gefechten vom 8. und 9. September eine vorteilhafte Aufstellung 
bei Rowno hinter dem sumpfigen Stubel genommen, einem der 
Qaellflüsse des in den Pripet sich ergiefsenden Gorynstromes. 
Ein gleiohmafing ansteigender Höhenrücken, desseu gincisartigen 
Ab&li die nordwärts fließenden Gewässer des Stubel umsäumen, 
war nnter guter Flankenanlehnung nn schwer zu überschreitenden 
Moor- und Wiesenkomplexen besetzt worden. Diese höchst ver- 
teidigungsfähige Position, in welcher man alle wolhynischen Streit- 
kräfte versammelt liatte, stützte sich auf die beiden leistunf^s- 
tahigeu rückwärtigen Verbiiidunjjreu der Eisenbahnlinie Rowno- 
Berdytschew-Kijew, so wie der von Rowno über Shitomir nach 
Kijew führenden groben Strafse. Ungleich anders als wie an dem 
vorhergehenden Tage gestaltete sich nun am 12. September der 
Kampf um Rowno. So vortrefl'lich die Disposition ziuu Angrilf 
war, gleich sehr mufs ihre Ausführung bemängelt werden. Bei 
Verteilung auf die verhiiltnism'äfsig wenigen, erst unter dem Feuer 
des Verteidiget^ hergestellten Stubel-Überbrückuugen, zogen sich 

16» 



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213 



MilitiriRche Wandenuigen im GelTunde 



die übergehenden Trujipenverhiinfle zu weit auseinaufler. ihr Zu- 
sammenhang lockerte sirh bedenklich und der inn< re Hsilt guig 
▼erloren, so, dafs von einem gemeinsamen Eingreifen im enfcr 
soliddeiidtti Momente keine Rede «ein konnte. Um so be«er 
nntste ihn der Verteidiger aus, welcher ohne Sivmen mit ge- 
waltigem OffenuTttolB die AngriffiiUnie dnrchhmch und den Gegner 
teile in die Defileen des Stabel mrSckwarf, teils ihm den Rflekweg 
dorthin sa verlegen suchte. Noch wogte das Gefecht, als Kaiser 
Alezander das Signal zur Beendigung der Übnngen erteilen liels. 
Wirft man einen Blick anf die Karte, so ersieht man dentlich, wie 
das Hindernis dee Stabel am linken Flügel der DefensiTstelhmg bei 
• Warkowitschi bedeutend geringer sein mufe, als vor der Mitte und 
dem rechten Flügel, insofern der Fluls dort weniger breit er- 
scheint, auch seine Ufer nicht durchweg sumpfig, sondern mit 
Streifen höherer Erdoberfliohe durdtsetst sind. Es h&tte mithin 
hei Olgka und in der Zentralfront vorwiegend demonstriert, da- 
gegen in der Gegend von Warkowitschi mit wuchtiger Kraft ange* 
griffen werden mfissen. 

Die Gesamtflbungen haben sich mithin innerhalb dreier Hanpt- 
a))schnitte, am Styr, um Dubno und Rowno bewegt, einen feind- 
lichen Angriff darstellend, welcher Anfangs Terrain gewann, 
dann aber nach Konzentriemng reichlicher Verteidigungski^e 
mit Erfolg zurückgeschlagen wurde. Mag die Anlage dieses 
groben Manövers einen politischen Hintergrund gehabt haben oder 
nicht, immerhin hat dieselbe ergiebigen Stoff zur Belehruiit? ge- 
geben und damit das Beste erreicht, nämlich prakÜscben Wert. 
Oh man in Russland von den während der Übungen gemachten 
Erfahrungen befriedigt gewesen? Wohl kaum! Der Grofsfürst 
Felduiarschall spracli sich durchaus niifshilligcnd über die 
Leistungen der Kavallerie im Autkliirungs- und Sicherheitsdienst 
, aus und General Dragomiro^v, der ir.utmafsliche Oberbefehlshaber 
einer Armee im Kriegsfalle gegen Österreich-Ungarn, kritisierte 
scharf beiniingelnd die taktische I ngeschicklichkeit der Truppeu- 
führer wälirend des Mani)vers. Er rügte ganz besonilors die 
Schwerfälligkeit der Infanterie sowohl bei den Bewegungen in 
MaH«e, als auch bei der Entwicklung zum Gefecht. Liest man 
/wischen den Zeilen dieser Urteilssprüche, so drängt sich dem 
Beobachter die Wahrscheinlichkeit der Ansicht auf, dafs die 
.Mauövriertahigkoit d»'r Artillerie zwar wenig, diejenige der anderen 
Waffen desto mehr zu wünschen übrig gelassen, dafs in der aus- 
gedehnten Schlachtliuie jedes selbstätündige lueiuaudergreifen der 



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der gtotuGü raiiüt«h«a M»nöTer dw Jahres 1890. 



214 



gröfseren Truppenverbände, wie es die moderne Kriegführung ver- 
langt, TOniulst worden sei, dab femer die fehlerhafte Verwendung 
der Manitions- und F^ianttrains sogar einen Bruch mit dem 
hemdienden System notweEdig m maeh«n sdiema und dab sicli 
bei den teehnischeD Arbeiten im Terrain, namentlich beim 
Brflckflnban, nnd wegen mangelnder Faebkenntniise nnznreiohender 
Dienstbetrieb bemerkbar gemacht habe. Man steht hinsichtlich 
dieser Programmponkte in St. Petersburg tot einem noeh unge- 
ISsten Bfttsel und besch&ltigt sich jetst mit groben Pl&nen, das 
russische Heer leitgemib für den Krieg Torsnberaiten. Aber 
kSnnen derartige fieformen im Reiehe so rieler onYermitielter 
Gegensatie frisch vorwärts geschehen? Wohl möglich, dab das 
schwere Werk vor sich geht, ob und wann es gelingen wird, liegt 
im Schoise der Znknnft 

Gleich nach ScUub der mssisohen Mandver wohnte auch 
Kaiser EVans Joeef den Feld&biingen seiner Troppen im Östlichen 
Ungarn bei, wo es sich spesieU nm einen ans Siebenbürgen gegen 
das Oberland der Theifs vorbrechenden Gegner handelte, welchem 
österreichisch-ungarische Streitkräfte in der G^nd von Grofs- 
Wardein entgegentraten. Wie in Wolhjnien, ebenso ward in Un- 
garn der Angriff abgeschlagen. Sollten etwa hier wie dort gewisse 
Eventualitäten ins Ange gefoiet sein, welche sich aus einer un- 
mittelbaren Interessenkreuzang beider Machte gelegentlich ergeben 
könnten? Russen wie österrcirher kennen aus früheren Zeiten 
diese Tnvasionswege. Von den ersteren rückte während der 
österreichisch-ungarischen Kriegswirren des Jahres 1849 das Lüders'- 
sche Corps der russischen Hülfs- Armee über Siebenbürgen vor, 
letd&tere iiinge^en flraugeu im napoleonisrhon Krie<j;e vom Jahre 
1812 uuter Führung des (ienerals Schwar/.enbprLi aus Polen in 
Wolhynien ein. Bekanntlich warf das (»stiTreicliische ileer <lio 
Russen über den Styr, mufste jedoch vor der verstärkten nissischen 
Süd-Armee lies Generals Tschitschakow in der Richtunn; auf 
Ljublin zurückweichen. Ahnlich dieser Feldzugsphase scheiterte in 
den Septembertagen 1890 nach Ausspruch der für das Manöver er- 
nannten Schi-'fisricht» 1 die Offensiv bewegung des (hirkoschen 
Heeres an der von Dragomirows Truppen bewirkten aktiven Ver- 
teidigung des russischen Bodens. Jedenfalls bleibt das eine grofse 
l'erspektive entrollende Kriegsspiel des vorigen Jahres für alle 
militärischen Kreise von hoher Wichtigkeit. — 

Gotha. Febrimr 1891. Uildebrandt, 

Obentlieiit«iuit s. D. 



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XI Ek Beitrag zur ftesohiohte der 
TruppenTeipflflgimg in üridaiiciamsclier Zeit 

Friedrich der Grobe wandte, olwehoii er bekanntenDelbeD sein 
eigener Staatsmann, Kriegttninitter nnd Feldherr war und die ganae 
Riesenlaet der Staatsgeechifte auf eeinen Sehnltem ruhte, dennoch 
auch aUen Einzelheiten der Verwaltting, beeonders im Heerweaen, 
eine stete gleiche SorgfiUt an. Dies trifft auch die, bei geworbenen 
Heeren beeonders wichtige Frage einer guten nnd sicher ge- 
stellten Verpflegung, »Ein Feldherrc, sagt Friedrich (Oeavres mili- 
taires I, 9), »welcher sich nicht genng Lebensmittel TeiecfaalR, wird, 
wenn er selbst gifiiser wie GBsar wbre, nieht lange ein Held seine; 
nnd an anderer Stelle (a. a. 0. I, 14): »Der Hnnger wird einen 
Mensch«! sicherer besiegen, als der Mut seines Gegnn8.c — Diener 
Pfirsorge entstammt eine wohl wenig gelcannte Thatsache ans der 
Zeit kurs Tor dem 7jährigen Kriege, nämlich die yersnchswelae 
Kinführung von Fleischmehl oder FleischpnWer. 

Ur^rnnglich eine morgenländiacho Erfindung, hatte schon 
LouTois, der Kriegsminister Ludwig XIX., versacht, solches fttr 
die Verpflegung im Felde nutzbar sn madien. Er liefs zu diesem 
Zwecke grofse kupferne Öfen bauen, in denen 8 Stück Ochsen 
auf einmal zu Fleisch pulver verarbeitet werden sollten; allein sein 
Tod unterbrach diese Versuche. Dieselben scheint nun, auf Anlafg 
des Königs, der Regiments - Chinirgus des »Tiegiments Gardec, 
Schmückert, wieder aufgenommen zu haben. Kr liefs ein Fleisch- 
pulver herstellen, mit dem ein Mensch, ohne weitere Nabrange- 
mittel, mehrere Tan[t> solle leben können. 

Uber die mit diesem Pulver stattgehabten Versuche weifs die 
fSpener'sche Zeitung« vom Jahre 1756 aus Potsdam Folgendes zu 
berichten: »Am 5. .Tuli mufste von der Garde der Lieutenant von 
St. Paul mit 3 Mann vor die Ivanpe Brücke nach der Maulbeer- 
plantage vom Waibculianse gehen und sieh auf 8 Tage einquartieren. 
Sie sollten stark arbeiten und alle Tage zwei Meilen marschieren. 
Jeder bekam täglich 12 Lot dieses Pulvers, das in Wasser gekocht 
wurde. Die tiiglicbe Portion kostete 6Dreier.ff* — Auch in Königs 
»Versach einer historischeu Schilderung der Kesideuzstadt Berlin, 



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Der Waasenport oad sein EinfloXs a. s. w. 



216 



t708€ (V, T. 178), wild aien Angd^genliAit Iran «rwihiit, mit dem 
Hinialugmi, das Pnher lei in grOJaereo QnantitSten beelellt worden, 
da die Probe get anifiel; nnr bitten die Leute über Obetrukkionen 
geUagt — Sebmückeit wurde snr Bebhoasg f&r den gdangeoMi 
Venoeli 6eiieral>Ghiraigiis; allein von der praktiaehen Verwertmig 
aeinee FleiaehpiÜTen im 7jUirigeB Kri^ Terkntet Niehta. 

Schbg; 



XU Der Wassersport und sein Einflufs 
auf die üizieliang der männliclien Jugend. 

T. Henk, 



Sport ist der englische Aasdruck für körperliche Übung, 
Spiel, Unterhaltung und Belustigung mit dem Nebenbegriff des 
Wetteifers, wie er in den höheren und wohlhabende Kreiaeu 
Englands schon seit vielen Decennien betrieben wird. 

Die deutsche Sprache hat hiorfür keine Bezeichnung, welche 
den Sinn des Wortes »Sporte vollständig ausdrückt, trotzdeui der- 
selbe schon fast zweitaasend Jahre im Lande der Germanen in 
gewiasem Sinne betrieben wurde. Bewanderten doch schon die . 
BSoMT mit taehkondigem Auge jene erstannKehen Leutaugen, an 
denen die Jngend der Germanen erzogen wurde: die Sknrm- 
geaehwindigkeit dea Laofena, die Sehnenkraft dea %»ronges, welcher 
den Leib aogv Aber den eiienataRenden Speerwall trag, nnd die 
SOrke dea Armee, der den Wnrfrpiela auf entannliebe Entfernung 
entaendete n. a. w. 

Die Leibeaflbinigen nnaerer wackeren YorfSahren Bind Idder mit 
der sich anabreitanden Knitor nach nnd nadi ▼erachwonden. Ja 
noch mehr, nnd die Zttt liegt gar nicht fem, wo achon beim Ana- 
•prechen dea Wortes Sport die meiaten Elteni nnd Eraeher der 
deoiachen Jngend achon ein beingstigendce Oraaeln fiberlief, weil 



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217 



D«r W«Merqioft nnd Min Snflob 



mati den wahraa BegriiF dieses Wortes nidii erkannte. E« bedurfte 
vielmehr einer geraamen Zeit, ehe es Ancten nnd denkenden Pid^ 
gegen gelang, einen richtigeu Begriff fon dem Worte Sport in die 
goMldeten Kreise der Bevölkerung zu tragen nnd der Üherzeugmig 
Eingang zu verschaffen, dafs der Sporthetrieb einen äufserst segens- 
reicben Einflafs auf die körperliche und geistige Entwicklung der 
Jagend, wie auf die Kräftigang and ErhaliuDg der Geeandheit im 
reiferen Alter ausübt. 

Der Wassersport verbinrlet das Nützliche mit dem Ange- 
nehmen. Zu ihm gehört zunächst das Schwimmen, dann al)er 
vornehmlich das Rudern und Sej^ein; in zweiter K^^-ihe erst 
und kaum dazu zu rechnen, das öchlittschuhlaufeu, das Fischen 
und Angeln. 

Ein miter Schwimmer zu sein und zu worden, mufs jedem 
Freunde des Wassersports die Grundlage» zu allen weiteren Untcr- 
nehnmngeii auf dem trügerischen Element bilden. 

Der Ruder- und Segelsport in gewissem Sinne datiert schon 
aus den iiitesten Zeiten der Schiffahrt, und wenn man rieii Berichten 
glauben darf, sollen schon die IMiöniziei' und nach ihnen Diouyfiius 
von Syracus den Rudersport gehuldigt zu haben. Der Rudersport, 
au sich der billigere und den Körper am meisten stählende hat auch 
in Deutschland schon zahlreiche Anhänger gewonnen; in grofser 
Ansahl dnrcbfui'cheu bereits die Raceboots die GewiLsücr unserer 
sehSnen Binnenseen und Ströme. Anders steht es mit dem 
Segelsport. 

In seiner beatigen Form nnd Ansdebnung ist derselbe nur 
bis m Anfang des 18. Jahrbnnderts lariickaaföbreu,*) wo die Lieb- 
haber des Wassersports anfingen, die Leostnngen ihrer Fahraeoge in 
edlem Wettstreite zn messen. Wir erinnern an die vielen Taobt- 
Racings an der englischen Sfldküste a. a. 0., an die alljäbrlieben 
am Sonnabend yor Ostern stattfindenden Raderwettfahrten 
(Regattas) zwischen Putney nnd Mortlake, auf den Finten der 
Themse, wo die Zöglinge von Oiford and Cambridge mit ein* 
ander nm den Preis ringen. Aber nicht ohne Entbehrung ist der 
Sieg erreichbar. Überflflssigen Eörperballast darf die Crew der 
obigen Rennboote nicht tragen; ▼ielmebr ist dieselbe verpflichtet, 
ihren Körper in jeder Beziebang zn trainieren nnd zn stfthlen. 



*) Sehon 1780 bestand sn Cork ein Klub fQr WMMraport 1816 kon- 
■titiiierte sieh d«r cntte Yachtkiob in England unter dem Namen «Rojnl Tacht 
Sqnadron.* 



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»af die Eniebu^g der mäUDlichea Jqgend. 



218 



Aber darin liegt eben das Moralische, geistig Anregende des Sports; 
mögt doch schon Walther von der Vogelweide: 

„Wer schlägt den Löwen, wer schl&gt deu Biesco, 
W«r ttbenrindet jenen nnd diesen. 
Da« fbnt der, der aieb eelber swinget, 
Sein eigen Fleisdi In SSofibt tHtingei** 

SimtKcbe Sport - Fahizeoge bilden swei Haaptgruppen: 
1. Dampf- resp. Segel-Yachten nnd Boote, 8< Bo4erfahr- 
seage, je nachdem äe dem Dampf-, Segel- oder Rndereport dienen. 
Dem Damp6poit kann man eigentlich nur mittelbar eine Stelle 
unter den Zweigen dee WaeeereportB einraomen, da hier die fühl- 
loee Maschine das Fahneug TerhiUtnismafing eicher dahintreibt und 
nicht der Mensch mit seinem ganzen Sein eintreten mufe, um die 
Elemente, dk das Gebild der Menschenhand hassen, sn nbeilisten 
und sn seinen Dienem au machen. Er hat mit dem Wassenpoit 
nur den Genofe dee schönen Meeres gemein und eignet sich daher 
mehr für ältere Leute und solche, die sich die moralische und 
physische Kraft znm Kampf mit Wind und Wellen nicht sutcanen* 
Es koBUnt auch hinzu, dafs er grofs) ro Mittel beansprucht. 

Der durchschnittliche Tounengehult iIt Dampf-Yachten ist wegen 
des Raumes, den die Maschine und die Kohlen einut-hmen, wesentlich 
grölser als er bei Segel- Yachten au sein brauciit. Dieselben sind 
meistens aus Eis^n od^r Stahl, nder ans Hola und Bisen (composito) 
nur wenige aus Holz hergestellt. 

Der Segelsport verfolgt zwei Ziele, die sich gegenseiti;j; tn- 
giinzen, das »Kacing« uii<l das »Crui.sin^"^ , holdes englische 
Ausdrücke, die hn uns das Bürgerrecht erworben haben, da sie 
kaum mit fincni Itutsclien Worte wiederzugeben sind. — T'iiter 
»Hacing« vtrsteht man da^ Bfstrebeii. die ffan/e Kraft pin/,nset/.eu, 
nm auf der ■^Kr-fjatta« (Ronnliahn zu Wa-Ner, Wi'tt faiirt ) unter 
.\nwendung alU-r crhiiibten llülfsmittel da.s vorgesteckt«' zürnst 
zn.erreit litM) ; unlor »Cruising« das Vergnügen- oder Toumisegeln. 
Da» ä- Kac in 14 < otlrr \\ cttseijoln gcs<-hi<'ht nach bestimmten Vor- 
schriften der Eej^attu- Vereine auf abgemerkten Kegattnbahnen(\Vasser- 
luuiieii) von mögliclist dreieckiger Form, um die Segeleigenschaften 
der Falirzeuge bei verschiedeueu Segelstellungen zur Geltung zu 
bringen. 

Dafs beide Gebiete (Racing sowohl wie Cruisiug) ihren Reiz 
heben, dafs sie sich ergänzen und für das EmporblOhen des Sports 
notwendig sind, ist auiser Frage. Jedes Land, das einen Ruf im 
Segelsport erreichen will, muis kldn nnd zwar mit dem Cmising 



219 



Der WMier^rt and Min Eanfloli 



•nfimgeD, mafi fwra^n, die grabe Masse zu dem Vergnügen des 
Segeins m aninisnii und in gswinneiu Genule der lääm Segler, 
der in seinem kleinen Boofce tobflchtem anfingt, Uefiert dss Materi«! 
filr eine grOlsete Avsdelurang des Sports. Das »Badng« Jak oline- 
hin die nmrasblelbliche Koosequens, denn wer eine WeQe das Segeln 
snm VergnOgen betrieben, wer sich die nötigen Kenntnase nnd die 
eriordariiohen Hand> und Knnstgriib aageoignot bat, flblt gans 
gemb den nnwiderstehUehsn Dnng, deb anöb einmal im »Baeingc 
sn versnoben, nm so angen, was er gelernt bat Dafi aber das 
Edemen des Bootaegefaia fir einen Binnenttnder, obne Anleitung, 
obne grOndliobe Belebrang flberfaaapt so leiobt ist, wie Viele meiiwn, 
sebsint mebr als fragliob n sein. Jedanfidls wSre es den Frsnnden 
des WasserspcniB an amp&blen, für gans Dentsobhnd aeben ein- 
heitlicher Begatta- resp. Baoebestinunnngen aaeb eine einhdtübbe 
Nomenklatur, gleiche Kommandoworte n. a. w.ffir dieeen Sport- 
zweig einzuführen, nnd gleichzeitig dabei sa wwigen: ob nicht an 
geeigneten Pl&tzen eine Anzahl Segelfahrzenge Ton etwa gleichen 
Sq[(eleigenschaften zn einem Geschwaders^eln zu vereinigen sei, nm 
verschiedene Evolutionen auf Signal auszuführen. Hierbei wurde 
die Geschicklichkeit der einzelnen Ffihrer hervortreten, der Ebigais 
derselben angespornt werden. Diese Idee ist nicht neu nnd, soviel 
uns erinnerlich, bereits in Nizza zur AusfShrung gelangt. Die 
Vorführung Roleber Manöver würde aber auch zweifelsohne zur 
Förderung des Segelsports beitragen. Es mag vielleicht von luteresse 
sein, hier anzuführen, dafe die amerikanischen Yachtklubs nahezu 
durchweg eine Tollkoromen militärische Organisation besitzen, und 
ein Commodore des Klubs beispielsweise statutenmäliBig das Recht 
hat, von den zu dem Klub gehörigen Yachten beim Passieren der- 
selben einen militärischen Grufs beziehuugs weise das Streichen ge- 
wisser Segel zu beanspruchen. 

Der Segelsport hat seit Mitte dieses Jahrhunderts geradezu grofs- 
artig«', ungeahnte Fortschritte gemacht, und in erster Linie zwischen 
England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika einen heftigen 
Wettkampf hervorgerufen, der sich schliefslich zu einer iuternatio> 
nalen Angelegenheit entwickelte. Veranlassung dazu war eine 
Herausforderung des englischen Kutters »Alarm« an die ameri- 
kanische Sportwelt im Jahre 1838, die zwar nnberficksichtigt bHeb, 
jedoch den Ehrgeiz jenseits des Oieans m bobem Ifalse anstachelte. 
Es wavea besondeis swei MIaaer, welche sieb nm die Eatwieklnng 
und Pflege des amerikaaiscbea S^elsports grobe Verdienste er- 
wofhm imd dsa Grundstein zu der beatigen Gr6be des dortigen 



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SSO 



Yachtbaues gel^ haben: J. C. Steevens, Commodore des >New- 
York Yacht Clubs« und Schiffbauer George Steers, — dieser 
ein ebenso geschickter uud erfahrener Konstrukteur, wie jener ein 
ausgezeichneter uud leidenschaftlicher Sportsmanu. Während man 
daher in England an der alten Konstruktion und Betakelung der 
Yachten krampfhaft festhielt, warf man in Amerika die älteren 
Theorien über ßord und kam durch die Vereinigung der aus- 
gezeichneten Eigenschaften der Xew-Yorker Lootsenschoner und der 
schnellen Klipper von Baltimore zu einem Yachttjp, welcher die für 
unnberwiadlich geltenden englischen Rennyachten in ihrer Heimai 
anfrnchen und schlagen soUie. Es erregte daher in England kein 
geringes Erttonnen, ak dar sam New^Torker Tacht-Khib gehSrige 
Rennschoner »Americac von 88,9 m Lange in der Wasserlinie 
und 7,15 m Brette des Hauptspants mit einem Deplaeement von 
170 Toni^ naeh glttoUioher Fahrt &ber den Atkntisefaen Oisaii, 
nnd knnem, dem Yertanschen der Krenaer- gegen die Benntakdage 
gewidmeten Axilenhalte in H4vre am 81. JnH 1851 im doknt, dem 
Baeegronnd twisohen der nScdliefaen Kfiste der Insel Wigbt nnd 
der englischen Sfidkllste eintraf, nnd hier snerst in einem Hennen 
der »Royal Yacht Sqnadronc die hervorragendsten englischen Yachten 
jener Perioden schlug, nnd dann in einem eigenen Rennen ttber 
90 eidliche Meilen windwirts gegen den englischen Kntter »Titaniat 
von 100 Tons anfisekrenst war. Diesen letrten Sieg hat die 
»Amerieät nicht allein der Konstmlction, sondern dem besseren 
Sdrnitt ihrer Segel zu danken. Eine so farchtbare Niederlage war 
für die englische Sportwelt, die sieh bis dahin in der Allein- 
beherrschung des Segelsportes dermafsen sicher gefühlt hatte, dafs 
sich niemand auch nur die Möglichkeit träumen liefs, als könnten 
die Matadore der englischen Segelwelt in ihren Leistungen von 
Yachten anderer Nationen übertreffen werden, geradesu vernichtend. 
Seit jener Zeit wird bekanntlich hüben wie drSben ein grofser Teil 
der Bevölkerung in fieberhafte Aufregung versetzt, so oft ein neuer 
Bewerber um den heifs umstrittenen Preis des » America-Cup< 
die (legner in die Schranken fordert. 

Durch die Erfolge der Amerikaner war die alte Konstruktions- 
tlienrie tlrr Ivonnvachten mit einem Schlage über den Haufen ge- 
worfen und der neuen Theorie, wie solche schon 1847 von dem 
herühinti'n Sohiffskonstrukteur Scott Rüssel auch in England an- 
geregt worden war, der Eingant; «elbst bei den verstockten eng- 
lischen Yachtsman und Schiftshauern erzwungen. Während man 
nun in den Yereinigteu Staaten ^ordamerika8 tür die gröfseren 



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221 



Der Waiüersport and sein EinfluÜB 



Fahnenge noch eine lange Reihe Yon Jafar^ bindnrehf am Schoner- 
typ festhieli, und in dieeem spater berühmt gewordene Yachten, 
wie »Vestac (1866), »Sapphoc (1867) a. a. erbaate, wendete man 
för kleinere Veigntlgangs- and Rennjachten die meiete Sorgfalt 
der Pflege der breiten und flachen Schwertboote zu. Denn ao tot- 
snglich sich auch die Scbonertakelage ffir gröfsere Yachten eigneti 
80 ist ihr ffir kleinere FalirzeiigOf und namentlich für Rennjachten 
▼on selbst bedeutenden Dimensionen, doch die Kutter-Takelage 
▼onuxieben. Die Yawitakelage, wenn auch änderst vorteilhaft für 
Kreuzelyachten, — hat sich für Rennboote, ungeachtet der ihr durch 
Abzug' von ein Viertel Tonnengclmltes zukommenden Zei^ 
▼ergütigung, nie einer besonderen Beliebtheit erfreut.*) 

Die Segelyachten, die eigentlichen Träger des Hochseesport», 
bestell pn meistens au« Holz bezw. Stahl nnd sind mit einem eisernen 
Kipl bezw. mit Bleiballast versehen, um ein möglichst grofscs Sp<toI- 
aroal führen zu können. Man bezeichnet sie ihrem Kaumgehalt 
bezw. ihrer i'akelatje nach als: 200 Tonnen-Schoner, 60 Tonnen 
»Yawls«, ÖU Tonnen »Kutter oder Sloops«, Fünf- nnd Drei- 
Tonncr u. s. w. 

Schoner sind zweimastige Fahrzeuge mit Stangen, an dentMi 
sie Gaffelsegel bezw. (Jaffeltopsegel führen und anfsertlem noch mit 
einem Bugspriet nebst Klüverbaum, sowie einer h^sen l -ukraa znm 
Segelfiihren, versehen sind. Zum IJnterscliiede von ühulich getakelt^'u 
Fahrzeugen der Handelsmarine, die am vorderen Ma-st Raaen mit 
entsprechenden Segeln füiiren, werden die Ivrnnfahrzeuge Haffel- 
schoner genannt. — Kutter nennt man einmastige Fahrzeuge 
mit einer Stange und einem Bugspriet ohne Klüverbaum, mittelst 
deren sie fähig sind ein aufserordentlich grofses Segelareal zu tragen. 
— Yawls führen anÜser der Kuttertakelage noch am Heek dnen 
kleinen Blast mit entsprechend grobem Segel. 

Die znm Segelsport anf Binnengewässern, wie beiapidsweise 
in der Umgegend von Berlin, Hambnig, Frankfurt a/M. \i. & w. zur 
Verwendung kommenden Seegelhoote werden entweder nach dear 
Konatmktion ihres Rumpfes in: Kielboote, Schwertboote, 
Flachboote, Sharpers, Kanoes n. a. w., oder nach Art ihrer Be- 

*) Ober dk Konstruktion, fienart, Venuanng and Bereebiraiig des Bmu- 

ir»'halt<*s n. s. w. der vorsohiedeneii Typen der Sportfahrzengc vorw*'i«en wir auf 
die von uns benutzten Quellen und zwar auf di«* Zeit-schrift fUr deutsche Segler 
„Ahoi" von 6. V. Glaseuapp, aui deu „Wassersport" von C. Otto in Berlin; «Mit* 
teiluDgen am d«n G«Uete des SeeweMiia* Band XIX Pola 1891 ; «Sehlen Hand- 
bnch* toD Maeball-VielMrook o. a w. 



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Mf die Eniebuig der minnliehen Jqgeod. 228 

planknng: in Klinker-, Kraweel- oder Diago n al boote, oder 
nach der Länge in der Wasserlinie in: drei, vier, fünf, srrlis 
Meter-Boote: oder nach ihrem Raunigehalt in: drei, fünf, zehn u. s w. 
Tonner, oder auch nach dem Schnitt ihrer Segel in: Boote mit 
Latei uischen-,SeidinggÖDter-, Lugger-, Sprietsegeln u. s.w. 
benannt. 

Nach dem neuen Werke »Le Yacht« von Phil. Daryl (Paris 1890) 
besafe im vorigen Jahre der englische Yachtsport über OOOO Fahr- 
aenge von zosammen ca. 165,000 TonnoD Gebalt, die einen Wert 
▼on «tw« 140 Iffllkmen Hark lepitontieraB. Diese Yachten^ welehe 
wührend dea Sommers direkt oder indirekt ca. 85,000 Menacken 
Beschiftigang bieten, verteilen sich dem Tonnen|^ba1t naek anf: 
85 Yackten von mekr als fiOO Tons Deplaeement, 24 von 400 
bis 500 Tons, 52 von d00->400 Tons, 88 von 200-300 Tona, 250 
▼on 100—200 Tons, 371 Ton 50—100 Tons, 382 Ton 30—50 Tons, 
a09 Ton 20— 80 Tons, 926 ron 10— 20 Tons, 930 Ton 5— 10 Tons 
Dephoement. Der Rest milkt mm Teil nnter 5 Tons, nun Teil 
isi er in keine der Kategorien anfgenommen. Nor nngeltikr swei 
Drittel dieser Yackten sind Segelfiibneage. 

An engliseken Yaoktklnbs Teneicknet »Hunts Yackt Liste pro 
1890 — jene der engliseken Kolonien ausgenommen — 116, von 
denen 42 das PrSdikat »Boyal« besiiMn. Sie fttkren snm groflnn 
Teile die Flagge der engUscken Seereserve mit oder okne q»ezielles 
Wappen. Die Kriegsflagge an fflkren ist nnr die »Royal-Yaokt 
Sqnadron« berechtigt. 

Aber auch Frankreich blieb ang''?if bts des raschen Aufschwunges, 
weleken der Segelsport in England und Nordamerika nahm, in 
diesem Bestreben nicht zurück, doch b^gnen wir hier der noek 
freien, anabbängigen und zielbewulsten Entwicklung desselben, 
▼rie wir sie in den letztgenannten Seestaaten sehen; Frankreichs 
Sportawelt hat aber mit einer Objektivität, die selbst durch ihre 
hervorragenden Sympathien für den Segelsport der Vereinigten 
Staaten nicht beeinflufst werden konnte, vorsichtig und gut unter 
dem gewählt, was jenseits des Kanals, wie jenseits des Ozean- als 
das Beste erkannt wurde: es hat den Yaclitsj)ort in richtiger Er- 
iienntnis seiner grofseu Wichtigkeit ;ils nioraiische wie physische 
Stütze seiner Seemacht seitens der Regierung auf das kräftigste 
unterstützt und dadurch im Laufe der Zeit auch den französisclieu 
Yachtbau zu hoher Vollendung gebracht. Der Segelsport ist iH^nti^en 
Tages in Frankreich sehr populär, oliirleirli <lie Bft( ili<_ning der 
fraozösischeu Sportwelt, sei es bei den lutemutioualeu Kümpieii um 



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228 



Dar Waasnport und Mb Einflnfii 



den lOgffiaDnten »America-Cupc, sei es an deo eogliscben RegatUn 
nnr eine sehr schwache ist Dagegen findet man die Organisation 
der Sagelaportwelt zu KInbs verbältnismälisig am stärksten in Frank- 
radl aa^gebildet. Den ersten Platz unter den französischen Ver- 
einen nimint der »Yacht-Club de Francec ein. Er setsst eich 
aus der »Societe d'Enconragement pour la Navigation de Plai8anoe< 
und dem »Cercle du Yacht-Club«, dem Gros der Mitglieder, zu- 
sammen. Erstere erwirkte nebat der offiziellen Anerkennung des 
Yachtsportes in Frankreich gleich l>ei ihrer (iründunj» im Jahre 18f't7 
jene Vorrechte, deren sich gegenwärtig der ganze Klub erfreut, 
unter anderem das Recht des Zutrittes zu den Hafenbassins und 
Arsenalen des Staates. Der Klub zählte zu Ende vorigeu Jahres 
429 Mitglieder mit 214 Dampf- und Segelyachten, während die 
ji^eBamte französische Yarhtflotte gegen Ende 1890 1049 Fahrzeuge 
zählte. Hiervon waren 337 Danipfyachten von zusammen 11,1135 Tons 
Deplacement. Ferner 58b Kutter uud Sloops von zusammen 4996 Tons, 
47 Schoner von zusammen 2t)H4 Tons und 77 Yawls von zusammen 
1290 Tons Deplacement, d. i. in Summa 7i;i begeijachteu von zu- 
sanimeu 8970 Tons Deplacement. 

Die frauzösische Yachtflotte erfordert eine besaiiitbeiuannung 
▼on etwa 3500 Seeleuten und Mascbinenpersonal und repräsentiert 
eine Summe, welche der Industrie zu gute kommt, von etwa 4 Vi 
bis 5 IfUUonen Matt. 

Bebnfi Ermögliebnng eines Vergleicbes sei bemerkt, dafe 
naeb »Ltoyds Tacbt Begisterc 1890 Fnukreieh 444 Yachtsn Toa 
14,606 Tons und EngUmd 3087 Tacbten won 135,101 Tons Ge- 
Bamttonnenisbl besafib Im gansen flibit das genannte Verseiehnis 
4828 Tacbten um losammen 206,602 Tons Deplaoement und 
ftberdies 1151 aiaeritanisrJie Yacfatso ebne Angabe des Tonnen- 
gefaaltes an. 

Anf die Tencbiedenen Lftnder ▼erteilen sieb die enteren 
Fahrsenge wie folgt: England 3067 Taobten mit 135,101 Tons 
Dephusemeut: engUscbe Kolonien 811 mit 5165 Tons; Ver- 
einigte Staaten von Nordamerika 1257 Taobten; Frankreieb 444 
mit 14,606 Tons; Deutschland und Österreich - Ungarn 312 mit 
5359 Tons; Schweden und Norwegen 243 mit 4872 Tons: Italien 
63 mit 3961 Tons; Danemark 87 mit 2392 Tons: Belgien und 
HolUind 86 mit 1864 Tons, Spanien nnd I'ortugal 45 mit 1256 Tons 
nnd andere Länder 144 mit 15,010 Tons Deplacement*) 



*) Siebe MittoanngMi tm dem Gebiete des Seeweaani, Vol. XIX Mr. y. t9$U 



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Mf di« Eniebung der rnftonlidieD Jugend. 



894 



Dllidar Wftsiertpori in Denis ohUnd, im Vergleich m dca 
oben gentaatoi dm Swututaa «nt 80 gpil riok Eingang fcnehftflt 
hat, liegt haaptilehlioh wohl darin, dftb die lüHel, welehe den E^ofte» 
lenien DeotMUnida lor Yerfügung tiehen, im Powheehnitte ht- 
deotend goringere eind, als in Engkiid nnd Nofdnmerika. 
Anfnvdem trägt in England beeandon die ininUHte Läget ^ 
gebreitete Kolooielbeeiti, die grobe Kriege- nnd Hendfllnnarine, 
welehe den fipgliader eehon ▼on Jagend an mit dem Meere im- 
tnnter maeht wie den DentMshen, riel dam beL Halten aicfa henle 
doeh noeh nneeve alten Familien, misere wohlhabenden Kreiae 
im AUgemeinen iogstUdi fern vom WaeeereporL Seibat Ham- 
burg, Bremen, Lflbeek, Stettin, Königsberg, Dansig nnd 
andere Se e e ti dte, die ihre (hOlbe nnr Ihrer Lage am Waaeor nnd 
der vollen Ananntaang' der Wasserabafcen Teidanken, fSr die daa 
Waaser die Quelle ihrer Kimft ebenso wie für Englaad ist, könnten 
ein noeh groCseres Interesse für den Wassersport an den Tag 
legen, als es bis dahin geschehen ist» Nicht etwa, dafs die Chefs 
der grolsen Handetofirmen in ihrem Torgerfickten Alter noch rudern 
und segeln lernen sollen; keineawegs, aber jeder Sport, jede Sport- 
Tereinigung hat zwei Klassen ron Teilnehmern: die ausübenden 
and die nnterstfitzenden Sportsmen — der Jagend die Arbeit nnd 
die körperliche Leistung, dem Alter die mit Erfahrung gepaarte 
weise Leitung der sportlichen Bestrebungen; und da das Alter in 
der Regel wohlhabender zu sein pflegt als die Jugend, 80 gebührt 
ihm auch der Löwenanteil der pekuniären Leistung. 

Der Wassersport ist nicht direkt produktiv; der Segel- und 
Daropfsport auf hoher See, dasYachting erfordert vielmehr ein 
bedeutendes Anlagekapital au körperlicher Leistung und l)aarem Oelde; 
er verzinst dieses Kapital nur iudirekt und erst im Laufe der Jahre; 
er erheischt jährliche, fortgesetzte Opfer von dem Einzelnen, die 
ihm selbst, vor allem aber der Allgemeinheit zu Gute kommen. 

Fangen wir daher, wenn er im Laufe der Jahre produktiv 
■werden soll, klein au, die jüngeren mit ihren Kräften, die älteren 
mit ihrem Rate und ihrem Gelde; flöfeen wir den personlich dabei 
Beteiligten systematisch den seemännisch-sportlichen Geist, Ehrgeiz 
und Wetteifer ein, bilden wir Segel- und Rudervereine fiberall, wo 
sich entsprechende WasserflidieD hierzu finden, damit unsere 
Jugend ihren Körper anf dem Wasser slihlt nnd Gsachmaek an 
demselben -findet; stiften wir hohe Regattapreise, anch fibr kleinere 
Segelboote; ersehweren wir den jungen Leuten den Beitritt an den 
Segel- nnd Boderrereiaen nicht, sondern ermuntern nnd nntsr- 



22& 



Der WMtenqwrt vaä leia Eialafa 



»töteen wir dieselben bierin soviel, als dies mit dem Berofs irgend 
▼ereinlNur ist. Nehmen wir in das Inventar der am Wasser ge- 
legenen VUla eiue Yacht als selbstverBfindlich anf, amngieren 
wir, statt nach dem Berner> Oberland, Tyrol oder dem Genfer See 
sich dnrcb di«« Lokomotive sehaffen zu lassen, gemeinsame Yaohi- 
fahrten nach Englan^ls, Norwegens. Islands und Grönlands Kästen: 
erholen wir uns einige Monate an der herrlichen Riviera, aber nur 
auf der eigenen Varht: Lasse man die Sohne der wohlhabenden 
Stande das Segeln, Kiulem, Takeln n. s. w. von Grand aus kennen 
lernen wie der ärmste Fischeijniige, es wird ihnen dies ein sehr 
wohlthuendes G^fcngewicfat gegen die heutige geistige Überbürdung 
der Schule sein. 

Dafs die natürlichen Vertreter des Wassersports, die See- 
Offiziere, anscheinend demselben mebr od»-r wcnigi t IVrnbleiben, 
liegt teils im häutigen Wechsel ihres Aufcntlialts, teils im Mangel 
an pekuniären Mitteln, da im See-Ottizicr-Corps im Durchschnitt 
keine nbermäfsige WoblluilM nlH'it herrscbt. Doch ist die Annahm»', 
die See-Offiziere seien dem \V a,sMr>pi>rt abgeneigt, eine durchaus 
irrige. Im < if'u'<'nte!l. ;iuf allt'u Ge.sciiwadern, oder so ott unsere 
Scbiffe (ielegenheit tiaben, mit den Besatzungen IfiiidtT Miiiinen, 
besonders mit den Engländern ihre Kräfte niessen zu können, wird 
sowohl der Segel- als der Kudt rsj nji mit den Scliitl'sbooten eifrig 
betrieben, die Mannschaft zu litniselben animiert und trainiert, und 
sind die Fälle nicht selten, dafs deutsche Kriegsschi t^sboote die 
Herausforderung engli.sc her Bootsbesatzungen angenommen und einen 
Teil der für solche boat raccs ausgesetzten l'reise davon getragen 
haben. Dennoch sollten die See-Offiziere die Träger des deutschen 
Segel- und Rudersportes, wie unsere Kavallerie-Offiziere es für den 
Racesport am Lande, die Herrenreiten, sein. Dies scheint andi die 
Ansiebt an mabgebender Stelle der Alarine-Bebörden zn sein, da 
dieselbe su diesem Zwecke die Yachten »Laste, »Liebe«, 
»Wunsch« und »Wille« haben erbauen lassen. 

Die gegenwärtig bemerkbaren günstigen Anseichen f&r die 
Hebung des Segelsportes an den Efisten der Ostsee müssen daher 
jeden, der den maritimen Interessen Deutschlands nahe steht, mit 
anfricbtigef Freude erfüllen. 

Seine Majestät der deutsche Kaiser hat ein festwnzaelndes 
Interesse am deutschen Meer mit seinem Leben und Treiben, 
nicht allein als Herr der Marine, sondern auch als Mensch von 
starker 'Natnrempfindung und nicht am wenigsten endlich als 
Freund des frischen, fröhlichen, in Wind und Wellen erstarkenden 



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tif db EMdiaf dir niimi11<^ Jtigmd. 



226 



und starkenden Sports. Der Sport war es in cr:^ter Linie, welcher 
am 1. Juni den Kaiser abermals an die in vollem Frühlingsschmuck 
prangende Föhrde rief. Als Kommodore des kaiserlich deutschen 
Yachtklubs, seiner neugetunften Yacht »Meteor« in See ent- 
gegenzufahren, war diesmal das Reiseziel Sr. Majestät des Kaisers. 
Das herrliche Fahrzeug, welches nunmehr an einer dem Kieler 
Schlosse gegenüberliegenden Boje befestigt ist, ist nach dem Urteil 
samtlicher Wassersportler ein unübertroflFenes Meisterstück an Schön- 
heit der Linien, glücklich gewählten Verhältnissen allen Zubehörs 
und höchster Sorgfalt in der Ausführuui^. Das Fahrzeug mifst in 
der WasserUnie 20 ni Länge und hat einen Tiefgang von 4,29 m 
mit einem Deplacement von 170 Tons (121 Tons YachtmaCs).*) 
Der »Meteor« tragt im Kiel und im Raum den Ballast wn 
300 Zentiiflni Blei, der ihn VeflUiigt, eine SegelflielM von 
8478 Qaadmtftiis sii tragen. Nech den Flfinen dee ber&huten eng- 
Ueehen SchüEikonstmktori 6. L. Wateon bei D. und W. Henderwn 
in Glasgow ans Stahl erbaai, trat derselbe (damals Thiitle genannt) 
zum ersten Mal am 28. Mai 1887 in der Themsem&ndnng gegen 
die besten Vertreter der britieohen Taohtflotte auf und schhig die- 
selben nm 2V4 Stunden. Seinem ersten glinsenden Erfolge ftgte 
der »Meteor«, namentlich bei leiehtem Winde, immer neue hinza 
ond sog in onerhftrtem Siegedanf Ton Begatta za Regatta an den 
britiaehen Küsten dahin nnd ▼ersehmShte es nieht, seine Kraft anch 
den amerikanischen Yachten g^penfiber in erproben. Der gefeierte 
Benner dnrcbkrenzte den atlantischen Oiean, um dem Kew-York- 
YachipKlnb die Trophie streitig sn machen, welche znm Symbol des 
Vorranges im Segelsport geworden war. Doch hier &nd er seinen 
Mann, indem er gegen die von £. Bürgels konstniierte amerikanische 
Schwertyacht »Volunteer« erfolglos nm den Amwika-Pokal 
kämpfte. Enttäuscht zogen die Eigentümer des »Meteore (Thistle) 
in die Heimat zurück ond lanrrc lag der einst so gefeierte Kutter 
auf dem Clyde, bis im Jahre 1890 der mit Unrecht in den Schatten 
gestellte Renner in den Besitz des Herrn J. Bell überging. Noch 
1889 beaab derselbe eine Segelfläche von 9957 Quatraifnli ond dem> 



*) Bei Aonahme de« YachtTnaTsps wiril, wie herlvömmlich, die Tonne als 
M&fwinheit angenommeD, obwohl dieselbe naturgem&fa weder als Gewichts-, noch 
als Baamtoone mit dem Yaehtmalte etwas *u thnn hat la Esgliiid wddit nsa 
diwr imridiligiB Baeidurasf am» lata nia ftr «toimaffe* im Siam too 
Tonnengebalt (Tsfllrtmiift) den Ansiruck .ratisg*' ohne weiteren Zusatz einer 
Mafseinheit anj^enommen hat wälirt'inl in Dentidilaiid di< Angabe dm Ya c h taml i wn 
in »Segeleiuheiten" Verbreitung ündet. 

lakiMtkar fir nwi irta Aim» nA MuIm. M. LXXI., t. |$ 



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887 



geniäfs 144 Tons Yachtmafs. Thistle konnte 1890 nächst dem 
40-Tonner »Deerhonndc als die au Erfolgen reichste englische 
Rennyacht bezeichnet werden, indem sie in 41 Regatten, an denen ' 
sie sich im Jahre 1890 beteiligte, 14 erste und 8 zweite Preise im 
Gesamtbeträge von 9^iO £ gewann. Dafs nunmehr Se. Majestät 
der Kaiser gerade diese berühmte Rennyacht erworben und der 
deutschen Yachtflotte einverleibt hat, dürfen sich die Verehrer des 
deutschen Segelsports hoch anrechnen. 

Auch der für Se. Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich 
von Preufseu nach den Plünen Watsons bei Inglis am Clyde er- 
baute 40-Tonuer Kutter »Irenec, der in Sportskreisen helle Be- 
wunderung erregt, ist am 8. Juni d. J. in Kiel eingetroffen. Der- 
selbe hat eine GrSCse rem, 35 Registertons, in der Wasserlinie eine 
L&Dge TOn 18 m and in der Breite von 4,11 m« Das Segelareal 
beträgt 378 Quadratmeter; nach dem Habverfahnn der Yacht 
»Racing Aasoeiationc (Länge mal Segelfladie dindiert dnreh 6000) I 
mibt »Irene« also 40 Segeleinheiten. 

Und nnn, Heber Leeer, höre ich fragen: »Wae habe ich l&r 
Nutsen vom Waaaersport?« Die Antwort lautet: »Sieb den See- 
mann, den Flofncbiffer, den Fiedier an, wie seine Mnskeln von 
Kraft, sein wettergebränntes Gesiebt von Gesnndbdt strotst«. Und 
weiter sagt das SprScbwort: Mens eana in coipore eano; kühner 
Mnti ein ttarkea Hen, dies sind die BlQten der Seele, die in 
unserer abicbleifenden Knltur Terkfimmern, die aber im Braoeen 
des Sturmes, im Kanäle mit den Elementen wachsen und gedeihen. 
Im Reis der Sinne liegt der weibliche, im freien Spiel der Kraft der 
mftnnliehe Genub des Lehens. Mit den Kräften der Natur aber 
liegt dein nigenas Ich zu den FäCsen deines Willens. 

Möge d:is Beispiel unseres kraftvollen Herrscherhanses auch in 
dieser Besieh ung babnbrecbend wirken nnd die deutsche Jugend zu 
dem Elemente hinziehen, auf dem doch immer wieder die grofsen 
Entscbeidnngen nnd Umwälzungen in der Weltgeschichte sich voll- 
ziehen. 



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xm 



Bfimsrkmigen zo. einem SGhiefeveisnoh mit 
Krapp'sehfln Mm. Kanonen LI36 in Ohina. 

Vor emiger Zeit durchlief venehiedene Blitter des AmliDdeB 
die Naohiidit Ton Btarke&BeecliSdigQngen, welche Knipp*8ehe Kanonen 
gelflgentlidi eines P koh e e e hiefaene In CShina erlitten hnben sollten, der- 
gestalt, dab ihie R&oksendnng nadh Europa behofr AnsfÜbrang bo- 
deutender Repanftoran Teruilafrt sei. 

Die Zeitung tLe Tempec berichtet 8ber diesen Vcffgang in einer 
ihrer jfingsten Nnnunem unter Hinweis auf die Mitteilungen des 
9 Shanghai Mercuryc in folgender Form: >Le correspondant h Tien- 
Tsiu da Shanghai Mercuiy lapporte qae denx canons Krupp, livr^ 
Port Arthur, Tont dtre renvoj^ ä Futine d'Eesen, ces pi^ces 
ayant des avaries qn'on nc peut reparer Ii rarsenal ohinois. La 
yolee de Tun denx est enle?^ en grande partie et les raynres de 
rautre ont de teUes avaries qn*on prdnimo qne le canon ne pourra 
plus servir.« 

Diese Darstellung ist vnllkomnien unrichtig. Der wahre Sach- 
verhalt ist vielmehr folgender. 

lu dem zu den Küstenbefestigungen von Wei-hai-wei gehörigen 
Peishantsui-Fort waren 4 Krupp'sche 24 cm Kanonen L/''^5 auf- 
geatellt worden, mit welchen zur Er{)rubung der Bettung und Mou- 
tierung ein Probeschiefseii stattfinden sollte. Der Versuch, welchem 
der Kommandant uiul iler erste OfH/.ier des damals vor \Vt!i-hai-wei 
aukerudt'u deutschen Kanonenboots »Iltis« — die Herren Korvetten- 
Kapitän Asi her und Lieutenant zur See v. Levetzow — beiwohnten, 
wurde von dem iu Ausübung miliUir-tt»chnischer Funktionen in 
chinesischen Diensten stehenden Herrn v. II. geleitet. 

Zur Vorbereitung uiul Emübuug der Geschütz,bedienungen fand 
am 16. Oktober v. J. ein Vorversuch statt. Bei diesem wurden 
aus 3 Kanonen je eine Saluikartusche und je eine ungeladene 
Granate mit Gefechtsladang, aus der vierten Kanone Unfalls eine 
Sslntkartusche und swei geladene Granaten mit Gefecbtsladung 
▼erfeuert. Von den letsteren krepierte eine Granate und swar die 
des ersten scharfen Schusses kurs nach dem Vertassen des Rohres. 

W 



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229 



B«B6ifcaiflMi n «iBOB SaUallmiiiieli 



Bei dem am 18. Oktober erfolgten Hauptversuch Yerfenerte 
man aus 3 Kanonen je 2 geladene Granaten und je eine Stahl- 
panzergrauate, aus der vierten, mit welcher man schon am 16. Ok- 
tober zwei scharfe Schüsse abgegeben hatte, eine geladene Granate 
und eine Panzergranate mit Gefechtsladang. Im Verlauf dieses 
Schiefsens krepierten nun zwei geladene Granaten wiedemm yor- 
zeitig — diesmal aber im Rohr — und iwar die eine in dem 
des letztgenannten Oeeohtltieit die swmte in einem der drei andern 
Rohre. 

Die bei jedem sogenannten Rohrkrepierer durch die Zertrüm- 
merung des Geschosses in der Seele unihergeschleuderten Spreng- 
stücke hinterlassen immer mehr oder minder starke Sparen ihrer 
Anschläge am inneren Rohrmetall. Mit dieaer Erscheinung haben 
wir ee auch hier zu thnn. — Die eine Gnaate krepierte 1,20 m 
Tor dem Paesieren der H&ndnng und beeehidigto Züge nnd Felder 
dea der Sprengwirkung ansgeeetzten Teile der Sede. Vier Felder 
wurden dnrch die Einwirkung der achaifen Kanten der Spreng- 
stfieke teilweise unterbrochen, einige der Abrigen wurden an ein- 
zehnen Stellen, wo Aneehlage der Sprengstficke itattfimden, bis auf 
die Zug^hle phittgedrOckt. 

Die zweite Granate knpieite dieht vor dem Obergang dea 
gezogenen Geicbolsraama in den kalibermifcigen Teil der Seele. 
Anob hier wurden zwei Felder an den Treflhtellen der Sprengstüeke 
fast bis auf die Zugpohle plattgedrHekt; die andern BesehSdignngen 
besehrankten sieh auf leichte Eindriieke, welche ansehhigende Spreng- 
atlleke hinteriieben. 

Man ersieht, dalis von einem Defekt der Kanonen, wie er in 
der Ton den Zeitungen verbreiteteu Kadiricht gesofaUdert wird, 
nicht die Rede sein kann, aneh mulk man — eine saehliehe PrSfong 
den Vorganges vorausgesetzt — die Wahiaeheinlichluit eines Irrtams 
vernemen, welcher bei Wiedergabe des Ereignisses nntergsflossen 
sein könnte. 

Aus beiden Rohren ist nach erfolgtem Rohrkrepieren noch je 
ein Schub mit Stahl-Paniergranate abgegeben worden, welebsr das 
Ziel tia£ Dies wSre mit einem Rohr, von dessen »langem Felde 
ein grofser Teil fortgerissen ist, oder wdchei so grolse Beschidi- 
gungen der Züge erlitten hat, dafo man es l&r unbrauchbar halten 
mnls, nicht mSglich. 

Die aus englischer Quelle stammende und tou der 
fransSsischen Zeitung weiter verbreitete Nachricht ist 



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nft Xriipp^MlMii Mem Wunnm bi CUna. 



830 



demzufolge als eine böswillige Insinuation des Auslände^ 
zum Nachteil der deutschen Industrie zu bezeichnen. Ks 
möge hierbei auch nicht unerwähnt bleiben, daCs die beiden be- 
schiidigten Rohre an Ort und Stelle durch einfaches Nachfeilen der 
Züge und Felder wieder vollständig hergestellt worden sind und 
eine Itücksendung derselben zur Reparatur in den Werkstätten der 
Guisstahl fabhk zu Essen niemals ernstlich erwogen worden ist. 

Im Hinblick auf die tendenziöse Entstellung der Thatsachen 
von Seiten der Presse des Auslandes erscheint es nun angezeigt, die 
Umstände, weiche das Krepieren der Granaten im Rohr Terursachi 
haben können, näher in"» Auge zu fassen. 

Es ist als erwiesen zu betrachten, dafs der Zwischenfall weder 
durch das Geschützrohr noch durch die Ladung, noch durch die 
Geschosse an sich veranlafst worden ist, was einfach daraus folgt, 
dalt die blind geladenen, mit Sand gefüllten Geechosse richtig am 
Ziel angekommen anid. 

Der Gnind des Toneitigen ErepieceiiB der Granaten kann nur 
in der Art der Sprengladung oder in der Konatmktion des Zfinders 
liegen. Letsteror war nach den Aoseagen des Beridits, welchen 
der Leiter des SchielsTersnchs Heir H. der chineBiseben Begiemng 
Über den Vorfall eingereicht hat, ton tadelloser BeschafiPenheit, so 
dafo bei der vorliegenden üntersnchong nur das anr Sprengladung 
▼erwendete PaWer in Betracht kommt Und diesem ist in der 
That anf Gmnd der gsmaehten Feststellongen die alleinige Schuld 
aa dem Ereignis beinunessen. 

JDm TOD der Empp^sohen Fabrik für die Sprengladungen der 
Geschosse griSÜMTsn Kalibers mit grolsen Anfangsgeschwindigkeiten 
bestimmte Polfer wird so gefertigt, daüs es möglichst geringe 
XSmpfindliehkeit gegen Stols hat Dieses Polver wird, in wollene 
Beutel gefällt, im Geschofs-Hohlraum untergebracht. Es geschieht 
dies auf Gmnd einer besonderen Vorschrift för das Laden der 
Geschosse. 

Wenn von dem Leiter des Schielaversuchs hervorgehoben wird, 
dals die Sprengladung ans >einem von dem Tientsin -Arsenal ge- 
lieferten und von der Marine häufig verwendeten Pulver« bestand, 
so ist damit noch nicht gesagt, dafs es auch das geeignete Spreng«* 
ladungs-Pulver war für die Geschosse der zum Versuch gestellten 
2 t cm Kanonen, denn die Empfindlichkeit des Pulvei-s wächst mit 
der Hröfse des StoGses, also mit der Geschofs- Anfangsgeschwindigkeit, 
dem Gasdruck und dem Kaliber. Es liegt im Gegenteil die 
Vermutaug nahe, dais das für die Sprengladungen beuutste 



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281 



Btoi^lnagiB n etetB BtMitnmmk v. ■. ik. 



Pulver den Anforderangen des ▼ozliegendeD Falles niehi eni- 

q^chen hat» 

Die eingezogenen Erkundigungen haben dies bestätigt. Da* 
bei dem SchieCsversuch auf dem PeishantBui-Fort zu Sprengladm^aa 
der 24 cm Granaten verwendete Pulver ist für diesen Zweck gpur^ 
nicht bestimmt gewesen und hat das viwieitige Krsj^eien der 

Geschosse verursacht. 

Diese Thatsache mufs aufrecht erhalten werden, trotz der auf 
Entlastung abzielenden, von dem Leiter des Versuchs aufgebotenen 
Bemühungen, welche in dem Bericht an die chiu''sis(he Regierung 
in Form von zahlreichen, zum Teil wenig artilleristischen Kom- 
binationen hervortreten. Zudem sei noch darauf hingewiesen, dals 
Herr v. II., nachdem am Vorversuchstage eine Granate vorzeitig 
krepiert war, darauf aufmerksam gemacht worden ist, die Haupt- 
übung nicht früher stattfinden zu lassen, als bis das abweichende 
Verhalten der Granate genügend erklärt und einer Wiederholung 
des Falles vorgebeugt sei. Allein Herr v. H. bestand auf der 
Durchführung seines l'ropramnis und begründete das vorzeitige 
Krepieren der Granate am IG. Oktober datUirch, dafs ein aus 
Versehen vor dem Geschütz liegen gebliebener hölzerner Gegenstand, 
ein Brett oder Balken, durch den beim SchuCa verursachten Luft- 
druck empurgescUendert nnd ?oii der Granate getroflFen sein mflsse; 

76. 



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XIV. ümscliau in der lilitär-Litteratur. 



L AnaiiyidiBche ZeitaclirilU«> 

AnMtblatt (ftitimicb). Nr. SS: AnssfliduiaDg von Milittr-lxrteii. 

— Der Bajonnei-AnUnt Ea wird betont, der wahre Heldemntii 

bekunde mdi mehr in der eisernen Beharrlichkeit des Fbaeigefeehts als in 
dem kurzen Aufflackern des Sturms. — Die Heeresverpflegnng durch die 
Tjandwirte (S<;hlufs). — Hr. 24: Die Disziplin. — Meldereiter bei der 
Fuf>truppe; ablehnende Besprechung der llegenspursky sehen Vorschlüge. 

- Das Schieffcn unscnr Infanterie; Hinweiis auf verbcsserungs- 
flihige Punkte der Bchief^instruktion, naiuentlich die Ausbildung im feld- 
m&bigen ScUeleen« — Nr. SS: Der Ohef dti Generals tabee. Brinnerung 
an den Tig, da der hoehvwdiento FeUhengnidetor Fkeiberr Beck jenen 
tao6hwioh%en Poden ver 10 Jahren einnahm. — Des Schieben nnaerer htr 
fimfterie (Forte.). — Goethe nnd FMdmaxBchall Heft hn Jahre 1813 (li^or 
F. Riegnr). 

Mllitlr-ZeltHiig (Otterreich). Nr. 36: U nsere Genie-Truppe. Die 
technitrhen Lfistungen und SprengUbungen der beiden tienie-Rf\i,nmenter 
(deren Vereinigung mit der Pionier-Truppe vertagt iötl), in den letzt<*n 
2 Jahren werden hier namhaft gemacht. — Die Ergebnisse der Volks- 
:dlhlang für 1890 weisen ftUr das aktive Militär (mit Ausschlufs Ungarns) 
187,507 Kftpfe nach; die Garnison Wien laUte 22,651, Lemberg 8591, 
Tamapi 7192 Mann. ^ Hr. S7: Meldereiter? Terftsser spricht sich 
gegen den nenesdingB vielfiudi gemaehten Vorschlag berittener LifiHsterie* 
Patrouillen aus. — Das dieqtthrige grölsere FestungsmanLIver bei Komom 
wird in der Zeit vom lü.— 14. August stattfinden. — Nr. 38: Prämiierung 
deut^her Spracbkenntnisse. — Nr 40: Zur inneren iKilitischen Sitttation. 

— Im nächsten Kriege entscheiden die Pferde den Sieg. 

Die Reichswehr lÖiterreicti). Nr 228: Sudafrika. Behandelt die 
Grenzverhältnisse der europäischen Besitzungen daselbst, namentlich des 
englisehen nnd portugiesischen Kekmialbeeitsee nnd der« Boeten-Bepablik, 
die den Keim kiiegeiisdier Konflikte in sich trsgen. — Nr* SSI: Bnssisebe 
Bflstnngen; beaebt sich auf die im »Kursen TnipfienTerzeichnis'' (Krai- 
koje RosspiManie) enthaltenen Nschrichten über Mobilisiernng der Beserve- 
Infanterie. 

Jourssl des SCiencet miiltsires. (Mai): Der Marschall Mollke als 
Organisator und Stratege, von General Lewal. — Dieser im all- 
gemeinen würdig and malsvoll gehaltene AuftiatK läiät dennoch in vielen 



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233 



UnMhM in d«rlimtir.Littantv. 



Beziehungen ein unparteiisches Urteil vermissen, so die ThMe, dafa 
Moltke als Stratege nicht so hoch stehe, wie als Organisator; gerarlezii 
bizarr aber ist es, wenn wir Seite 192 lesen, Moltke sei „ein militärisLher 
Industrieller, ein üntemehraer von Gefechten („entreprenenr de rombaU-^") 
gewesen. Allet> was die Stärke der deutschen Armee ausmache sei der 
französischen entnommen (wie bescheiden!). Das Schluliswort lautet: 
«Moltke sei «n wenig sympathiaelier Typus, mehr interenwit ab inter- 
enant; mehr Iqgenieor des Kampfes als Annee-BeftUshaber, werde er auf 
die Kadiwelt flbeigeheii berraht des Prestige und des mhmreicheii Nimbui^ 
welcher die SUrn grofser Soldaten in leuchtenden Glanz hülle." — Es ist 
in hohem Grade bedauerlich, alier auch kennzeichnend für den engherzigen 
chauvinistischen Standpunkt unserer Nachbarn im Westen, dafs selbst ein 
Mann von der hohen Begabung des General Lewal es nicht vermag, dem 
grofsen Toten gegenübiT Gerechtigkeit zu üben. — Frankreich in 
Tunis. — Der Gebirgskrieg. — Grofse Tagesfragen. — Die 
Neabewaffnung und das rauchlose PaWer, — Der Feldsngvon 1S14. 
(Forts.) — FhuuOiqsehe ond fremde Bemonten. 

Le S^ctatesr ■iiitalra. (1. und 15. Juni): Die Territorial- 
Armee 1891. Der unerwartete AnsbU der die^ährigen Obnngen wird 
beklagtj besondm im LiteresBe der militiriseheii Anslnldtmg der QfiBsiere. 

— Die oxgauisatoriBdiaii Yerfliidemiigen der EavaUerie. (Forts.) — Die 

nngedruckten Werke Vauban>. (Ports, u. Schlufs.) Die Feldbefestigung 
und die Reorganisation der Armee. (Forts.) — Bewaffnung und Taktik 
der Griechen vor Troja. (Forts.) — „La Fortifikation offensive." Behandelt 
nochmals die Frage der Schilde zur Deckung der Angriffs-Kolonnen und 
wendet sich gegen die abfälligen Urteile des „Progr^s" und „Avenir militair". 

— Offizier-Etat nach dem Gesetz vom 19. Mai 1834. — Die Jahrbücher 
der franiBsisdisii Annee (1819—1890); (Forts.) — Ein deatsohes Urteil 
Uber die erdige aflnmaatisdie Gvil-Xommisrion. 

Revae de ClVlIerll. (Mai): Grouchy. Beginn der Lebensbeschi-eibung 
disses bekaniiteii ftamMsdieik Marschalls. General Thonmas (der Verl) 
meint, er habe lange geit^gert, die Hand an selbige an legsBi da sein 
Name in veriilngnisTOller Weise mit Waterloo in Zusammenhang stehe. 

— Studie über die Reglements der Kavallerie (Schlufs). -- Das Ereignis 
von Freyberg (18. September 1813); hier wurde General BniBO mit 
200 Pferden überfallen. — Die französische Cavallerie 1791. 

Revue d'Artiilerie. (Juni): Erforderliche Änderungen der 

Artillerie-Taktik in Folge der Anwendung des rauchlosen 
Pulvers (Oberst Mar.sillon); Vortrag, geltalten den Oftiziercn der Garni- 
sonen Toulouse und >b3ntauban im Februar 18'J1. Eine sehr bea< htens- 
werte Studie. — Der lenkbare Torpedo Siins-Edison. — Bemerkungen über 
die HerBtellung eines beweglichen Zieles imd eines torilhexrieheiiden besw. 
veradiwindenden (K&pitBn MasqueUer). Die beiden Generale Sdnarmont. 
(Forts.) — Das Torpedo-Wur^esehfits Gmydoo. 



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UiMchaa in dirMiUtliwLlttaralv. 



234 



RtVUe dy cercle militaire. Nr. 22: Die Bewaffnung der Kavallerie. 
Wiedergabe eines Aufsatzes aus dem Wajenniij Ssboraik, von General 
Tohitehagoff, welofaor dia Bewaffnung mit Lünen sehr abflUlig tienrteilt. 
— Die ansteckeiideii Krankheiten im Heere. — Hancbfonnatioaeo der 
Lifraterie^ — > Nr. IS/14: Naob der SeUaciit von le Maas. (Bespreefanng des 
Heftes 14 der „Kri^gigwichichtlichen EinzelMchriften".) — Das Verteidigungs- 
Systera Rumäniens. — Marsch formationen der Infanterie. (Forts.) Die 
„Säbel-Frage"; bezieht sich auf zwei Aafsütze im MiL-W.-filatt, welche die 
Abschaffung des Säbels bebandeln. 

L'Aveair nllitalre. Nr. 1583: A. V>enc'htet, dafh die jet/.t mit dem 
neuen Karabiner M/'9ü ausgerüsteten leicbteu Kavailerie-Begimenter und 
Dragoner vor1ttn6g von der neuen Waflfo keinen Qebranch machoi konnten, 
der anbequemen Tragirete^ (ftber der Schalter) wegen, da der Kolben an- 
anfhOrlich gagen den LSfTel des Sattela schlage. — Nr. 1M4: Die Zahl 
der J&ipitiilanten (sons-officiers rengagös) ist von 8,950 auf 24,000 (!) ge- 
stiegen; es bedingte dies einen Nachtrags-Kredit von 3,457,(XW. A. be- 
merkt treffend, wenn man tüchtige Unteroffiziere haben wolle, müsse man 
sie auch bezahlen. — Nr. 1585: Die „Armee-Koniruisbion" bat sich für 
Bildungeines neuen (suMivisionHrpn) InfHnterie-Ik'giraents in der 15. Kegion 
entschieden. Gleichzeitig berichtet A., dafs Freycinet willens sei, das 
Forlefenille dee Bjdegsministepnms abnigeben, dodi werde wohl dn anderer 
„miniatre ciiil de ht gnerre" an aeiae Stelle treten. — Nr. 1187—91: 
Die Bnceinte von Paria nnd der Treyctnetaohe Plan (Beaprechnng 
desselben dnreh General Goaaeron de Villenoiay); deraelbe wird ala schlecht 
bezeichnet. 

Pragrit nilitaire. Nr. 1103: Die Artillerie beim "Manöver. Am 
diesem Aufsatz erhellt, dafs die Artiilorit' in dieseui Jahre beim Manöver 
Kartuschen mit rauclilosem Pulver Imbpii wird — General Hillot hat als 
dringlich den Antrag in der Kammer eingebracht, die 18 Regional-Infknterie- 
Regimenter den Snbdiviaiooir- Regimentern gleichsnstellen. — Nr. 1104: 
Infanterie-Taktik. Hier wird besonders die Frage des Angrifiafenera 
erörtert; die Ansichten flher die NQtslichkeit des Fernfeners gehen in 
IVankreich, wie bei uns, sehr auseinander. — Die „Rögiments mixtea** 
sollen alle 2 Jahre zu Übungen zusammengezogen werden, damit Offiziere 
und Mannschaften dic-^er (ans je 2 Bataillonen der Territorial-Regimenter 
und dem 4., im Frieden en radte auff^estcllten Rataillon des betreffenden 
Infanterie-K en^inu-nt.s dersellien Sul)divi.sion gebildeten) Regimenter Ge- 
legenheit haben, einander kennen zu lernen. 

U Fmm ■llltairt. Nr. 8134: Omsier-PatronUlen der Ka- 
-vallerie. Das lebende Geschlecht wird in dieser Beaiahung auf die Bei- 
spiele der Vorfiihren hingewiesen; zum Sohlnfb «nige praktische Ratschlige 
Uber Ausftlhmng solcher Patronillen. — Nr. 8138: Im Monat Oktober 
aoll das im Gesetz vom 25. Juli 1887 und 18. Februar 1890 voigesebene 
13. Kürassier- und 13. Husaren-Regiment gebildet werden. — Die grolke 
Parade der 4 Corpai welche an dem groläen Manöver Teil nehmen, wild 



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8S5 ViMehMl&telOliiMiltanlK 

bei Vitry le Fraii«^ stattfiadMi. -— Mr. S1S6: Die Hinansschiebung ein« 

Tolles der Enceinte von Paris ist vom Obersten Kriegsrat beächlossen 
worden, sie bezieht »ich auf die Linie Point du jour— Qignanoourt, an 
deren iSteilti eine solche: Südseite des IJois de Iktulogne, Valerien, Courbevoie, 
Asni^res, Geimevillieni treten boil; die endgtÜtige Entscheidung über 
diMen Plan, der 120—130 MiHmhiwi Koetea yeraiBachea wflrde^ siebi 
noch »OS. — ir. 1144: Gefoohtschiefsexu F. in. fordert mit Beobt, 
dalb aelingee nnr mit dem neuen Gewehr H/1886 stattfinde. Dia 
Teilung des VI. Corps in zwei soll im n<>i l>st erfolgen (?); das neue Cori» 
die Bezeichnung 20. A.-C. ftthrm. — Nr. 2147: Die französische und 
dtMitsohe Artillerie. F. m. spricht sich gegen die l>ea^si»'hti<:te Ver- 
iiH'lirun^' um 1 Artülnii -i^riuMde aus; der Stand an Pferden und die 
Cadres erlauben dies niclit. Hr. 2149: La Guerre „Fin du siecle. " 
Hier wird die Notwendigkeit einer Art „Militärgrenze", (nach Art der vor- 
malig Oetenreichiacben) flUr Frankreicli erörtert; die daielliat atationiertea 
Decknngsirappen eeien die einzige Gewtiir «ner toii^ioh dordiiiaditen 
Organisation und Sdintx gegen eine Ihvasioii ohne KriegserUSrnng CO; in 
Nr. 2150 wird dieses Hirngot>pinn>t weiter gesix>nnen. 

Schweizerltche Monatstchrift fir Oflzlere aller Vafu. Nr. 5. Die 

strategische Teilnnj^ des schweizerischen Heeres. An i^ttllc der 
4 vom Generalstab vorRcsclirichencn Annee-Corps oder 8 Armee-Divisionen, 
in der Stärke von 1 '/i der Ms|ieri;4<»n Pivisionen, werden 7 in Vorschlag 
gebracht zu 4 Kegimeutern und i SchiU/enWataiiion, mit 10,400 Ge^ 
wehren der Infimterie nnd 2 l^pear-Gompagnien.N 

ScbwttitmelM ZtHMlfNt fIr Amiltrlt iH fitito. ir. I: Ober 
die Bedentnng mobiler Fanaer. — Die Neoernngen im Ostenrdelusoh* 
ungarischen Heere. — Die Elektrotechnik im Dienste des Minenkrieges. 

— Feld-Artilleriewirkung und Infanterietaktik. — Der Befehlsbereich der 
Feld- Artillerie und der Ftthrer im Gefecht. — Über Zugkraft und Trag» 
kraft der Pferde. 

Allgemeine Schwelzerlicbe Militärzeitung. Nr. 22: B* trachtungen ül)er 
den Zui^anlmenbto^h in Fourmiea am 1. Mai 18S1. — Nr. 23: Der Krieg in Chile. 

— Nr. 24: Über Offisiers* Vereine. — Nr 25: Die jetzt gebräuchlichen rauch- 
losen Pulversorten und das EaUiTodft-Hehler-PnlTer (K. H. P.). 

RtvM «HNairt Mint. (Jnni): Moltke (Scblufii); giebt eine sehr 
interessante Bondschan Aber die in den yersehiedenoi Lindem enebienenen 
MoHke-Nekrologe. — Die Armee-Corps-Frage, 

La Belgique Ullltlire. Nr. 1052: Die Armee und die(Verfa5sungs-) 
Revision. H. m. spricht ihre Befriedigung darüber aus, dafs den Offi- 
zieren da.s Wahlrecht verliehen werden solle. — Nf. 1054: Die Be- 
festigungen Belgiens. (Bezieht .*<ich auf einen Artikel des Beiblattes zum 
„Berliner Tageblaif, „Der Zeitgeist", Hr. 2o u. 21). — Nr. 1055: Die 
Heeres-Reorganisation. — Die einheitliche Avaneements- Liste. 
Beecbttftigt sich mit dem Plane, das Avancement nach einheitlicheii 
Ornndefttsen illr slle WaffiD» ta gestalten and amr eine Andenaitftt flir 



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UmschM io der Milit&r-Littentiir. 



236 



all« Ofliiiere «iuBnilllimi, aieht idiimIw Oehalt, Ofibier-Eniiieii, bShere 
AnsUldinig des Offizier-Corps auf glflkbe Stufe ta beben. 

Tht Araiy and Navy Gazette. Nr. 1636: Über Major Grant 
▼on Thabul. Eine eingehende Schilderung der Leistungen des Lieute- 
nant Grant {gelegentlich des letzten Anfstandes in Manipur, wofür der- 
selbe zum Coiupagnie-Chef mit dem Charakter als Major belohnt wui*de. 

— Über Boguslawski. Das Werk Boguölawökjs über die zweijährige 
Dienstzeit wird besprochen, vtnd dem entgegen das Urteil der üan- 
xSaiaeben Flreaee mitgeteilt , die behauptet , dab die atetistiicfaeD An- 
gaben Uber die Starke dee fiamBeischen Heecee ineofem nicht mtreffiend 
aeien, als diese Sttrken nur anf dem Papier, nicbt aber in Wirklidi- 
keit vorhanden seien. — Die berittene Infanterie fftr die 
Freiwilligen-Corps. Die Notwendigkeit reitender Infanterie für die 
Freiwilligen- (Volunteer-) Corps wird nachzuweisen gesucht, die Stärke 
wird auf 6864 Mann in 52 Compagnien eingeteilt, berechnet. — Ge- 
neral Brialmont über die englischen Befestigungen. Der Ge- 
neral Brialmont hält die gegenwärtigen vom Major Clarke und Kapitäa 
Jackeon anljgeatellten Qmndafttae fftr den Bau der englisohen Forte nicht 
für genttgend, nm den neaexen Belagemngegeseblltien» namentlich den 
deatBchm 21 cm M6nem gegenüber, Widerstaad l^ten an k&nnea. Die 
Anlage befestigter Lager, dareh Kiq>peltürme ventRrkt, wird unter Hin- 
weis auf die Erfahrangen von Düppel, Kars u. s. w. als die l>ebte Art 
der Befestigungen hingestellt. — Der Schiefsdienst in Indien. Die 
eingeborenen indischen Trup|>en sollen bedeutende Fortschritte in der 
Schiefsausbildung gemacht haben. — Die Yeomanry. Kin Urteil des 
Herzogs von Cambridge Uber die Yeomanry (freiwillige Kavallerie), deren 
Beibebaliong, trat« dee allgemeinen Verlangens nach reitender Infanterie 
Ittr die FreivilUgen, dennoch nötig sei. — Nr. 1817: Die Alma, 
ftorteetenng der IGtteilnngen ttber penOnliehe Erlebnisse und 
Beobachtungen des Berichterstatters der Times, Soseel, im Krim-Kriege. 

— Geschichte des Regiments der Boyal Füsiliers. Die Gründung 
des Regiments, unter dein Namen „City of London Ucgiinent" fdllt in 
das Jahr 1685. Es hat an allen gröfseren Kriegen Englands bis zum 
Feldzug gegen Afghanistan 1880 Teil genoiiimen. Nr. 1638: Über 
die zunehmende Abneigung gegen den Heeresdienst. Die un- 
günstigen Ergebnisse der Anweibung der Bekmten in den letzten Jahren 
-werden daraus erldürt, dab das Kiiegs^Ministerinm nicht genQgend 1^ 
Besehiftigong oder Anstellung ausgedienter Soldaten soigt. — General- 
stabs-Stndium. Das Buch Kai^dinals von Widden „das 16. Armee- 
Corps and die 7. KaTallerie-Division" ist vom Kapiteln Grierson in das 
Englische übertragen, jedoch nicht wörtlich, sondern unter Annahme eng- 
lischer Heeres-Einteihing und englischer Verhaltni-^sc, dauselbe wird in 
einem iSonder- Aulsalz höchst anerkennend besprochen. 

The Joursal of tbe Uniled Service iMtItutioa et lidia. (April): Über 
die innere Verwaltung indischer und russischer Begimenter 



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B37 



Umadwa im dn MUitli^Littentnr. 



in Be/.ug auf die Nicht-Kombattanten. Es werden Vorschläge ge- 
macht, wie die für die asiatischen Regimenter unvermeidlich groCse Zahl 
von Nkhi-KombaitMiteB verriogeii itnd wie diese mOgUchei nutihringend 
fDr den Dienet verwandt werden kOnnen. — Der Starm »nf Oeok 
Tepe, von einem Augenzeagen geaebilderi. 

VaJtMlJ ttborelk. Nr. S: Aus der Geschichte des Kampfes und 
der Herrschaft der Ras<jen im Kaukasus von Dubrowin. (Kasi-Mullah 
aUs Beprünrlor tlos Müridismus). — Über die Frijge der Verbesserung 
des PlVrdemat eria Is der rus.si schon Kavallerie. Verfasser ist der 
Ansicht, dafs in einigen Kegimpntern die Zahl der felddienstuntUchtigen 
Pferde Uber 10 */• des Gesamtbestandes betrügt, ein Umstand, der flii die 
Kii^brauchbarkai der meuBchm Kavallerie von hoher Bedeatnng ist — 
AU Beweia hierfUr wird angeführt» daib anweiten Regimenter Pferde in 
einem Alter von 17 Jahren snrttckbehalten mllSBen, weil rie aooat nicht 
die ofatsmHfsige Zahl aufweisen kSnnt«n. — Über transportable Feld- 
eisenbahnen und deren Bedeutung ftlr den Krieg. — Chronologie der 
rnesi^schen Kriegsgeschichte. Der Krieg mit Schweden 1788 bis 
1700. — Der Krieg Russlands mit der Republik Polen 1794. — Der 
Feldzug mit Persien 17!)6, — Die ruaMsch-türkische ExjHidition im mittel- 
ländischen Meere gegen die Fianzosen 1798 — 1799. — Der Krieg mit der 
franaOaiaohen Republik 1799. Der Krieg mit den kaukasiBcheB Beig^ 
Völkern 1800—1864. 

BtrtnmUJ'tllliWiidllcMk. Nr.l1: Bioghkpbie,BildaBdObexmchtfiber' 
die umfassende littenuriadie Thtttigkeit des Generallieutenants Sawnrskoi, Re- 
dakteur des „Ingenicur-.Tounials'', wclcht r .^eit mehr als 30 Jahren seine 
Thätigkcit demselben widmete und fa&l alltin mit seinen Mitttin imd 
Kriiften diese Zeit^^rhrift gi-tindete. — Der KiitU i nunjj^.-imesser von 
Mariage. — Biograiihie mit Bild dos lienoral.s der lufantorie, Fürsten 
Peter Bagration. — Hr. 59: Entfernungsmesser des Gunerals Tsche- 
bOsoheff. — Nr. ••: BOd und Bttckbliok auf di« aehnjährige Th&Ugkeit 
des KriegsministerB Wannowsk^. 

RitHschtt JIrflUirlt-ltiinil. Nr. 4: Der Entwurf von PUnen 
beimSchiofscn mit Belagernnga- andFestungsgeschützen. (Plan 
atijftlbU, Schufs-Plan, heiCst die Zusammenstellung von Notizen, welche in 
der russischen Belagerungs-, bezw. Festungs-Aiiillerie vor dem Schiefsen 
auf ein bestimmtes Ziel angefertigt werden, um w-ilirend des 
Schiefsens alle notwendigen Berechnungen unabhiingig von den Bchufs- 
tabellen ausfuhren zu können.) — Über die Ausbildung des 
jtingsien Ersatzes einer reitenden Batterie im Reiten* 

Nitlliehtl li|Mltir^JoirMl. Nr. S: Zur Frage der Abwehr dea 
Starmes anf Befeeligangen« — Erlekhterte Fdd-ElBenbaluien. Er^ 
innemi^ieB einee ehemaligen Garda-Sappenxe ans dem Feldioge 1877 bis 
1878 (Forts.). — Nr. 4: Leichte ISaenbahncn und ihre Verwendong. — 
Über gedeckte GeachtttsaaftteUnngen. — Erinnenugen eines alten Garde- 
Sappenrs. 17. 



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üiBflohu in d«r Mflitftr-Litftentar. 



238 



RIvitta MiUtare italiani. (Mai): Feldmarscball Graf Moltke. 
Sehr «am empftiiideiwr Nadhrnf an den groÜMUi Feldiiianeltall. — 
Über StSrke und Zaaammensetsviig des Armee-Oorp«. Weist 
naeli, dafb die VeigrBfiMrang der Heere dasa xwingt, die höbereiL Ein* 

heiten, besondere die stratogischen, zu verstärken, um ihre Ziffer niolit an 
sehr anwachsen zu lassen; schlägt vor, die Corps und Divisionen ta je 
2 Brigaden h 3 Regimenter Infanterie, G Battoricn, 1 Gonie-Compagnie 
und den nötigen Hülfsdiensten, einer Corpw -Artillerie zu 8 Batterien» 
1 Kavallerie-Regiment (6 Escadrons) und Httlfsdienst zusammenzusetzen, 
so dafä dasselbe 43,000 Mann, TOdO Pferde, 1400 Fahrzeuge, darunter 
130 GtaeoblltBe ritblea würde. Die VereehaMltnng der aktivctt Truppen 
mit deqjenigea der Ubbilmilia in Brigaden mi alten Traditionen dlirfte 
aicfa flir Italien beoonderB empfehlen. Banchloaea PnlTer und 
Taktik (Forts, der Danstellung WH Anncbten und Ober diese Fnge 9f 
schienenen Werken). Von den angezogenen Schriften erklärt nur eine, 
„La poudre sans fumee et la tactique*^ des Kapitän Moch, die DefeneiTe 
für die vorzuziehende Karapfform. 

CterCitO Italiano. Hr. 65: In der Zeit von 1885—1890 wurden 
1227 Unteroffiziere de^ Heeres in Civilstellen versiorgt, lö^U blieben noch 
855 herechtigte utfersorgt. — Ober daa nene, demnlohst der Tolka- 
Tertretnng wrsukgende Beförderungsgeeeta Terlantetr dab daaeelbe der 
Befilrderang nach WaU Tom Ktpltla nun einen neiteren ^nelnuun 
gewähre. Dagegen sollen Versetzungen an anderen Waffen anageeehloeBeB 
bleiben und die Majors des Generalstabes nach ihrem Dienstalter in der 
Waffe zum Oberstlieutonant befördert werden, ans welcher sie stammen. 
Auch dürfte eine Altersgrenze festgesetzt werden. — Da.s Rekrut en- 
kontingent I. Kategorie für die Marine wird ;i5t)ii Köpfe umfassen. — 
Nr. 88: Bei den Verhandlungen der Kammer Uber das Gesetz betreffend 
die Dienstpflicht wurde eine Tagesordnung genehmigt, welche die Re- 
giemng auffordert, daa BekmtiemngBgeiets so umngeatalten, dab ein 
Teil der Leute der III. Kategorie Zngewieeenen, fcllnftig der II., alao der 
BnatBreBerre angehören woHt, — JBSn Keuabdruek der .Allgemeinen 
Normen für die Verwendung der 3 Waffen im K^impfi " ist in 
die Hftnde der Truppenteile gelangt. — Nr. 67: Nach dem Bei itht des 
KammerausschnsspR worden aufgelöst 5 Straf-Compagnien, die beiden Ldir- 
Hatterien der Feld-, die Lehr-Compagnie der Fufa -Artillerie, vermindert 
die GeneralitJlt um 2 Generallieutenant^, 10 Generalmajors der Ober- 
distrikts-Kommandos, diu Majors im temporUren Dienst bei den Diatrikten 
nm 39, die flbei^bligen Kapitäns der Infanterie um 38, die Infimterie 
fibarhanpt nm 483 Subaltem-Ofliaere. Die letctgenannte Reduktion nahm 
der Anasehub erat nach der ErklXmng dea Kriegsministers an, dab man 
an Stelle der im Etat gestrichenen Subaltcrn-Offiziere, solche „di Gom- 
plemmto" (die deutschen Restrve-Offiziere), die aber in Italien nach ihrer 
Ernennung '■'> Monate Dienst leisten, verwenden wolle und dafs man 
i'Or die Mobümacbung auch für da» Meer 11. Linie genügend üffiüere 



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TFhihtIiot Ib dar IGHtli^LItlmtv; 



habe. Zweifellos bleibt die Herabsetzan;? des Etats an Infanterifl-OffizieroB 
die einschnftidendste Mafsnahme des neuen Kriegs luinisters. 

Memorial de Ingenieros del EJercIto (Spanien). Nr. tX: Diu neue 
Befestigungsscbule. — Moderne brücken von Bedeutung. — 
Studie Aber den d«ttt&o1i*franiOBiBcbeii Kri«g. 

NmMl «1111» (nmial). Nr. Moltke. — Die Kolonial- 
frage. Betont die Notwendigkeit der Kldnng einer starken Kblonial- 
Armee zum Teil aus Portagiesen, zum Tbil aus Eingeborenen unter 
Fubrung der Offiziere des aktiven Heeres, wodurch auch die Enteendnng 
TOn Expeditionen in letzter Stnndf- auf^frpschlosspn wurde. 

De Hiiltafre Spectator (Holland). Nr 6: Kriegsgescbicbtlicbe Studie 
ül>er die Verteidigung der butavischen Republik 1799. — Die Verwendung 
der Genietruppen bei taktischen Übungen. 

II. Bücher. 

Olf iifitre Crscheinuag Fricdriclii des Grolien «nd der aichttea Aafebdrigen 

seines Hauses. Von Adalbert v. Taysen. Mit Bildnissen in 
FbotogravQre, Lichtdruck und Holzscbnitt. 6U Seiten Text. Uerlin 
1891. E. S. Mittier & Sohn. Preis 6 M. 

Der auf dem Gebiete der Friedrichs-Fonscbung bekannte Herr Ver- 
fasser giebt in voriiegender Sefarift eine AtuaU von Büdnisaen (29) des 
Groben Kfojga und seiner AngeliBngen» sn denen die in den SehlSeaeni 
ni Berlin und Potsdam vorbandenen Portrtts und Bflsten benntst wnrdfln. 

Der auf gründliche Quellenstudien sich besiehende Text enthllt Aber das 
AuJiMre des Königs und seine Bekleidung zuvcrlllssige Angaben, welche in 
der Hauptsache mit denen des Altmeisters der Friedrichsforschung, Prof. 
Preufs, Steins trefflicher „Charakteristik Friedrichs dos Zweiten" (Rerlin 
1798) und Schöning. ^Friedrich II." (Berlin l«Ob) abereinstirnmen. - 
Von allen vorgeführten Bildnissen Friedrichs wird man das Pesne'scbe 
vom Jabre 1742, dessen Entstehen hier irrtthnlicb in die Zeit nach dem 
2. Bchleaischen Kriege, „^m 1746% verlegt witd» als dasjenige festhaltm 
mflssen, wslofaee die Person des KOnigs am lebenswabnten in der Blflte 
seiner Jahre wiedergiebt. Hier ist er noch» wie er einst an Voltaire 
schreibt (Oeuvres XIII. 2'i«i): „Le jeune homme, qui a l'air ä la danse;" 
der König war, als dieses Bild gefertigt wurde, 30 .Tahre alt. Jordan 
schreibt über dasselbe am 27. Januar 174"2 (Oeuvres XVII. 147): „Pesne 
a fini le tableau de V. M., e'e.st la i)lus belle piece que l'ou puisse voir.* 
Auch Preufs bezeichnet es als das „bei Weitem schönste und wahrste, 
nach welchem Schmidt seinen hetTlicben Kupferstich gearbeitet habe, mit 
der UmsdirSft: Frideriens Magnus Rex Bomssiae*. — Auf die erstannend 
grobe Zahl von FHedricbs-Bildnissett in Stidi und Holzschnitt sei bri 
dieser Gelegenheit hingewiesen. Der DomBnenrat Krieger bringt in tainein, 
wenig bekannten, fleifsigen Sammelwerke „Leben und Thaten Friedrichs 
dee Gzolisen» mit einer Reihe von Knplerstichen und Holzschnitten" (Halber- 



i 

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.üaiMluin in dir MOitlr-Littantw. 



840 



Stadl 1«17) ein Vei-zeichnis von nicht weniger denn 887 Kupferstichen 
und 58 Hiilzachnitten sf'ines Besitzes; die seltene Sammlung ging nach 
dem Tode desseU>en in den Be-it/. der königliclien Akademie der Künste 
über. Einen vollständigen Nachweis von Friediiehs-Büdern, Medaillen 
VL. 8. w. enthält femer der „Catalogue d'nne belle coUection de portraite 
de FrddArie le Qnnd, roi d» Prasse*, von R. Zeone (Berlin 1867), des- 
gleichen der »Katalog der AusteOiing im Konaeriasale des kOnigl. Seban- 
apieUmiBee* (Berlin 1863). — Der Erwflhnnng wert wftre Tielleiobt aocli 
ein Selbstportrat Friedrichs aus jungen Jahren ge w esen , welches sieb 
(so l>erichtet Rödenbeck, einer der eifrigsten Sammler von Fridencianas) 
auf dem hiesigen Schlosse befinden soll; es wtlrde der Mühe lohnen, nach 
dem Verbleib desselben zu forschen. — Wenn S. 25 gesagt wird, Friedrich 
habe zwar füi" seine Person, nicht aber immer Anderen gegenül>er der 
Realistik in der Bildhauerkunst gehuldigt, so abersehe man nicht, dafs 
swei der Statuen des WillielniaplateeB» Keith nnd Sejdliti, anf vosdrflok- 
lidie Yemnlaesuig des KSnlg» Im Keetfime ilirer Zeit gefertigt wurden. 
Bfui veigL anch Preob, U. B. V. IMefe an IVusaert und Fiiedrid» Brief 
an ä'Alembert (Oeuvres XXV. S. 156), in welchem er Voltiires Marmor* 
büste wUnscht, doch ohne griechisches Kosttlm-Beiwerk : „Ne döfignrons 
pas noji contemporains en leur donnant los livr»kj8 d'une nation raaintenant 
avilie et degradt'e" u. s. w. Ob es sich nicht verlohnt hätte, die Porträts 
der Mutter, Gemahlin und der Schwestern Friedrichs im Rheinsberger 
Schlosse zu benutzen, bleibe dahingestellt; besonders achoa ki das daselbst 
iMBndlidie Portrtt der Priniesdn Amalie im ICasken-Anxiig, aodi die im 
SeUoBse Hoisdorf bei Qotba befindlichen Bildnisse Friedrichs nnd seiner 
Yerwandten (dem Naehlasse des bekannten Grafen GMter entstammend) 
liStten vielleicht Berücksichtigung verdient. — Den Markgrafen von 
Prandenburg-Schwedt ist das letzte Kapitel gewidmet; es wird oin^'eftlhrt 
durch ilas Portrfit der zweiten Gemahlin des Orotsen Kurfürsten, Dorotliea, 
obsclion sie, eVten so wenig wie der hier bildlich dargestellte Markgraf 
Philipp Wilhelm (f 1711). ein Halitbruder von Friedrichs Grofsvater, König 
Friedrich I., den nächsten Angehörigen Friedrichs doch wohl nicht bei- 
geslhlt werden kann; hingegen Termissen wir das BOdnis des berllhm- 
testen nnd bedentendsten der Sebwedter Markgraftn, nimlich dacijenige 
des IsngjBhrigen WaffengefBhrten Friedrichs, dee MarkgnÜBn Karl (t 1762). 
Bin Porträt desselben beßndet sich im Sonnenburger Johanniterschlosse, 
irren wir nicht auch in dem, eine grofse Zahl von Portrüts enthaltenden 
Schlosse zu Schwedt. Der hier auch aufgeführte Markgraf Karl Philipp 
Wilhelm (nach hiesiger Angalx': „f 22- Juli 1695 zu Casale Turin?") 
starb am 23. Juli lü95 in seinem Quart,ier S. Genrmno nach schweren 
Leiden, nach Obergabe von Casale (vergl. Friedlunder, Markgraf Karl 
PbOipp. Berlin 1881). Übrigens führten die Schwedter Markgrafen den 
Titel: »Prins in Prenfsen, Markgraf sn Brandenbarg" (s. amtlicbe 
löste des Schwarsen Adlerordens 1871 nnd Johanniter Qrdensgesofaiehte 
IBM). 1. 



241 



üiMoliMi ia dtrlDHtlr-UttMKlar. 



■oltki-Utteratir. 

1. Moltkes Neun/.igste Geburtstagsfeier am 26. Oktober 1890. 
Ein Erinnerungsblatt, Als Handaclinft gedruckt. 1891. E. S. Mittler k Sohn. 
Auf VtT.inlassung des ehemali.t^en Chefs de« Generalstabes, Grafen v. Walder- 
see sind dei- Major Zahn und der Hauptmann v. Bremen des Generalstalies 
beauftragt worden, alles auf diese Feier Bezügliche zu sammeln und zur 
Darstellung zu bringen. Dies ist in dem Torli^genden, äofserat geschmack- 
Toll Toa der KiSniglicheii HoAmchcIniekeni von E. 8. Mittl« ^ Sohn ans- 
geelattetflii Werke geicheiien. Die Yorftiar des Tagea» die Feier aeibsi, 
die Nabh£Bier werden eingeliend geschildert; die laUrsiehen ytm der ESaig» 
lieben Familie, den deutschen und aufserdeutschen Sonveittnen, Fürstlich- 
keiten, Behörden und hochgestellten Persönlichkeiten gesi)endeten Glück- 
wunschscbreilien und Telegramme, dann die Feier in der Presse, bilden 
den Inhalt besonderer Kapitel. Die Anlagen enthalten die Kede Treitsclikes 
beim Festkommers des Vereins deut.scher Studenten, die des Erbprinzen 
von Meiningen, und des Professor Tobler, endlich einen Sonderabdruck 
am Nr. 297 der Kttloieelken Zeitung: „Feldmanohall Moltke*, von Max 
JUuB. In «inem TKeehcben des Deekels befindet sidi der nStammlMMiin 
der Fknilie VxUXkB'*. Nidit allein den Teflnebmem an dieeer, in ihrer 
Art eiuigeD, erhebenden Feier, eomdem allen Verehrern des groben Feld- 
berm — und dies ist jeder patrioÜaob-geBinnte Deateche — wird das 
Werk eine liebe Erinnerung sein. 

2. Briefe über Zustünde und Gegebenheiten in der Türkei 
aus den Jahren 1B35— 1839 von Hellmuth v. MuUke, Hauptmann 
im Generalätabe, später General-Feldmarächall. Fünfte Auflage. Mit einem 
BUdnie dei YerfiuserB ans dem Jahre 1851 nnd einer ObendehtBkarte nach 
de» Verfassen eigenhSndigen Eintiagnngen. Berlin 1891. E. 8. Mittler 
A Sohn. Preis 8 IL, gebunden 10 M. Über das bekannte nnn sdion in 
fQnfter Auflage erschienene Weik des verewigten Feldherm noch ein 
Wort zu verlieren, scheint um so weniger erforderlich, als es längst mit 
Recht den Mfinioirenwerken von wahrhaft klassischer Bedeutung bei» 
geyJihlt wird. Welchen Wert der Verfasser selbst auf dasselbe gelogt hat, 
erhellt aus der Tliatsache, dafs derselbe noch in seinen letzten Lebenstagen 
die dem Werke beigegebene Karte selbst durchgesehen und die Eintragung 
sebses Reiseweges in dieeelbe berichtigt hat. So tritt denn diese neueste 
Auflage gewisBermaben als ein Vennlehtnis vor das deutsflhe Lesepnfalikam, 
dem diese fein dnrchdsehten, liehtvollen Briefe eine Qoelle der reicfasten 
Belehrung und des rmnsten littararischen Gennases, gletchermaben aber 
eine liebe Erinnerung an den grofsen Toten und bleil)en werden. 

3. Graf Moltke. Ein Hild seines Lebens und seiner Zeit. Von 
Herrmann MüUer-Bohn. Zweite vervollsUtndigte Auflage. Lieferung 1. 
Vollständig in 14 Lieferungen zu 50 Pf. Berlin 1891. Verlag von P. Kittel 
Wir hatten schon mehrfach Gelegenheit, an dieser Stelle auf den litte- 
rariächen Weil, der Müller- Bobnschen Moitke-Biographie die Aufmerksamkeit 
SU lenken. Bs ist demnach gewib xeitgemSljs, wenn die Verlagsboeh- 



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UmslMMi in MilWr T HitMiiM 



hAodluog jüUt, da der grofue ätrulage zur ewigen Kuiia eingegangen ist, 
«IM ▼•rT«llsttadtgie Auflage diosee gediegen« Wwkit la Amcrill 
niauDt. Wir wttiiaclMn dtnalben i^ciili gftntliffe AnfoaliiM btim laaendon 
PaUifcom aIi dar «ntia. 1. 

Georg Heiar. Rindfleisch. Feldbriefe 1870-71, bomu geg(:l)en von E. Omold. 
3. Auflage. Göttingen. Vandenhot.k & liiipj)reclit. 1891. 

Die frische, idealistische Gesinnung des Verfasser«, weli her, als OUer- 
gericlitsrat zu Cello die Feder mit dem Schwerte vorlaiiM linnd, als Lieutenant 
im E^iment Nr. 56 einen Teil der Cernierung von Alutz und die schweren 
Tigo an d«r Iioii« dnnddebte, giebt dieaes Brufon tims nqgamein 
ftiBilnloi — Fflr dit ittofferan ftenwitioMtn muttm (H&nu^kaoB, weldM 
do Kriog licht aot eigener BriUmug kesuB, wiid diee oatonndiv g»* 
aobilderte Kleinleben der Truppe, die Sorge um die tigliehe Exibteni» da» 
nOchteroe Wiedergabe dar Erlebnisse des Infanieriegefaclitt und der Strapazen 
des Wintfiffeldzuges in prnchrtpftfn, teilweise vom Kriege verwüsteten 
Gegenden zn^It ich nicht olinr lielehrung sein. So seien diese „Feldbriefe** 
eines Mannes, der leider zu früh einer gliinzenden Laufljahn und seiner 
Familie entrij<sen wurde, den Lesern dieser Blätter empfohlen. 17. 

Om MiClit aa flu(t-OlMrgii|eR hMI der Kanpl rni FlaliUiiteii. Kriege- 

pepchichtliche und taktische Studie von Kanlinal v. Widdern, 
kgl. pr. Oberst a. D. Teil IL Mit 8 PUinen und Planskizzen. 
Berlin 1891. Verlag von B. Eisenscbmidt. Im Gegcbäftabause des 
Offizier- Vereins. Preis 5,50 M. 

Der ül>er eine nicht gewöhnliche Belesenheit in der Kriegs-Gesrliichte 
verfügende Herr Verfasser geht in dem nun vorliegondua 2. (.Sc hlul^-) J'eile 
seiner von der Kritik allgemein und mit vollem Eechi sehr beifiiliig auf- 
gwoBunenen Studie snnttobet auf de« Angriff und di» Verteidigung be- 
dmtoidar 0biM»>LhdeB ein. An QegemaAi sn dein 1. Teiie^ in wdobeni 
wiv meiefceiiteile Jaiegageanlriehtliotia Yorgliige beepsoclM» imdep, mlelw 
aicfc an Flnfelinii« mtecgeordneter Bedentai^ afaepialten, bilden in diesem 
Teile die grofsen Strom-Baniefen im ihrer Bedeatnqg Ar Angriff und 
Verteidigung, femer deren gewaltsame Üljerscbreitnng angesichts des 
Feindes das Hau)>tthema. Gewifs kann man dem Herrn Veriasser nur 
Recht gel>en, wenn er der Autfassunfj entgegentritt, als ob infolge der 
zahlreichen, von Jahr zu Jahr zunehmenden ÜberbrUckungen der grofsen 
StiOme aller Koltur-Lftnder, die Flnlkünien ihre schwerwiegende, einflufs- 
raielift Bedevtan^ ftr den Angriff, sowie ftr die Vertnidigung wlem 
haben. %wm Imm tkk henizotage, im Verglich in früheren Zeiten, 
genib sehneller BrAeken erhanen» doob lassen sie sich auch in demaelban 
YeriridIwaaehaaUer zerstören. Anfserdem aber bietet der i>olnisrh-lithaui8che, 
wie so manoher andere Kriegsschauplatz in Ost-Europa, doch noch vielfa£;h 
heute denst'llicTi Anblick, wie ihn die Heere Napoleons im Jahre 18)2 
gehabt haben. — Die Uruudi^'itze für die Offensive an solchen Strom* 

fokrbaelMr Ar die DmUeht Anw« und Mkrfne. Bd. LXXX« t. 17 



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243 



Omacbau in der HUittr-Litteimiu. 



B&rrieren sind nim entwickelt an der Hand der Kriegsgeechicbte der 
Jahre 1799 mit Uirai Vorgängen an der Lmth, Limmat und der Aara, 
▼or alkn Dingen aber an der OarateUong der beidea Donan-OberglBge, 
welche die Rnasen im Jahre 1828 und 1877 aageriehts des Femdee lo 

bewerkstelligen verstAndon. — Wflhmd des weiteren der Übergang der 
Prenfisen nach Alsen im Jahre 1864 Oelegenh(>it ^'wM, mehr Mlf die tak* 
tischen und lechniKchon Einzf'lhcitpn (\es Überschreitens einer pTttf^feren 
Strom-Üarriere ein/,nrrohpn, wird zum iSchlufs an der Geschieht der 
Bewegungim Marmonts und Blüchers im Feldzuj^j Iöl4 nochmals der Kiutlufs 
der Saar, Seine und Aube, also mittlerer Ströme, auf die Bewegungen 
der Gegner geschildert Den Schfaift bUden wobl gelungene BeliaditoBgen 
Ober das YnhaUen wier Kavallerie>IMTOian im Avantgaiden-Diaatt beim 
Znsammenstofo mit dem Mide, ein Flnfs-Übeigang im Gelinde des 
Soblachtfeldeg von Arcis s/Aube unter Annahme der heutigen Bewaffnung. 
— Beiche Belehrung haben wir aus dem vortrefflich geschriebenen und 
anigeBtatteten Buche geachttpft and sei es hiermit bestens empfohlen. 

i. 

Maidit- Iii BtrifipffeltM du itatlclMl OHhiirt. FOr angehende und 

jttngere Offiziere de» i^tehenden Heeres und des Beurlaubten stände* 
bearbeitet TOn Schaible, Oberst a. D. Berlin 1891. B. fihsen- 
sehmidt. 

Die erste Ära des deutschen Reiches ist mit &iser Wilhelms Tod 
abgeschlossen. Sinnend schauen wir Alteren, die wir mit im Kampf ge- 
standen und den ^io<^ mit erk;irn]i)Vn In-ltVii durften, znrllck, Tind sinnend 
fjchauen wir auf unsere ^treitlnire .lugend, die erhalten soll, was der 
Heldenkaiser mit IJisinaick und Moltke erworben, und welcher das Kleinod 
Deutschlands, das Kaiserreich, zur Obhut Uberantwortet ist. Während 
des prüfenden BUckes in die Tergangenhait und auf die Gegeuwait iel 
nnser Ange anf das soeben erschienene Baeb nnter olngen Titel mit dem 
Motto: »Bs koBomt im Leben anf die hSohste AalSusung der Dinge an.** 
Die.se wohl ausgestattete Schrift gliedert sich in zwei Abschnitte: in die 
Standetfpflichten mit 15, und in die l^enifspflichten der Offiziere mit 
IG Kapiteln. Um einen ^Tlterlilick in die Iteiciihaltii'keit dieser Heif^igen 
ArV>eit zu gewähren, geben wir einige Überwhritten luid nennen aus dem 
1. Teil die Kapitel: Ehre; sittliche Bildung: Keligion; Corjwgeüst ; Zwei- 
kampf; politische Stellung; aus dem zweiten ai>€r: iStühlung des Körpers; 
wissenschaftliche nnd allgemeine Bildung; der Offiiier ek TrSger der 
Mannstacht; Anwendung von Lob, Bddmnng, Tadel, Wafiengebranch; 
persönliche Eigenschaften (Willenskraft, Mnt» Entsohloesenheftt, Begeistermtg) 
und VerhaltMi des OfGsiers im Felde. La dem edtgemäÜBea Buch finden 
wir aber nicht etwa ein gedankenloses Wiedergeben schon vorhandenen 
and bekannten Materials, da.ssclbe zeichnet sieh vielmehr vorteilhaft von 
.inib^ii ii lUmliihin Mr^iheinungen durch besonnene V'erarlieitnng und Ver- 
tiefung' eine.s Stötten aus, dem kaum je eine so grofse Wichtigkeit bei- 



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UiDMhMi in der llttitSr-Lifctontar. 



snmessen war, wie in anrarer alles Mneizenden Zeit mit den irreftlbrenden 
Sehlagworten. Ans dem Henoii redet der Yerfiueer, dem wir «ine tiefo 
MeBScheokenntniB silerkemien rnttasen, snm Henen und wir siBd flber- 
xeogi, dafs die SchrilV welebe in deik Kriegnehnlrä sowohl wie in den 

Regiments- u. u, w. Bibliotheken einen hervorragenden Platz beanajiruchen 
darf, dem jungen Offizier in der Armee tind in den meisten Fällen auch 
in der Marine als treuer i^gleiter und sicherer Batgeber von groroem 
ljuUen sein vrird. , 49. 

Pte AiaUMmg num Uitirf Ihrer fir du RrleiilBiarl m Otto v. Trotha, 

Srajor. Zweite, neu bearbeitfic Auflage. Mit AV>bildungen im 
Text und einem Plan in Steindruck. Berlin 1S91. E. S. Mittler 
& Sohn. 

Die Neubearbeitung der 1863 in erster Auflage erschienoncn Schrift 
ist bei der allgemeinen Zuiitimmung zu den in ihr niedergelegten Grund- 
sätzen und im Hinblick auf die inzwischen zur Einführung gelangten 
neuen Dienstvorschriften sehr willkonimcn. Bei der grofsen Bedeutung, 
welche die Ausbildung der Führer für diejenige der Mannschaften bul, 
kann dem nur zugestimmt werden, die Unterführer dahin zu bringen: 
„sdbstBtSndig die richtigen Ifittel rar Dmehfthrang daigeeAeUter oder 
ana der Oefeebtelage dch eigebender Aachen so finden i** — Gans be- 
eonden mSehten wir der Methode das Wort reden, jeden Enteddnb in 
eine Handlung, oder in einen Befehl umzuwandeln and den Unterricht 
iu Gelände als die Haapteache, den in der Eaeeme ak Notbehelf und 
zur Wiederholung anzusehen. Bemerkenswert sind die Winke über das 
Enlfernungi^&thätzen, sowie ferner, der Hinweis darauf, die Tmppe im 
Auftindcn der Ziele zu üben. Jedem, welchem die Heranbildung eines 
zahlreichen Nachwuchbes uu Führern am Herzen liegt, wird die obige 
Sofarift, welobB ndi fkei fon allem Schema lAlt, neue Anregung bieten. 

63. 

Haadbich für den Adjutaitendlenst bei Truppen und Behörden von Bo- 

rowski, Hauiiimanu und Flatzmajor. Berlin 1891. E. S. Mittler ^ 

Sohn. I'reih 4.r>it M. 

Adjutanten-Stellungen gehören zu denjenigen, für welcho der in den- 
selben verwendete Oftizier bei Antritt Seines Dienstes raeiyten.s eine nur 
geringe oder gar keine Vorbildung mitbringt. Der Unterricht auf den 
Kriegmdialen kann diesen speziellen Diensizweig nicht berücksichtigen, 
ao erftbrigt nnr, dnich eigene Brfahmngen udi das NStige anzueignen, 
wobei dann dar Kenliog oft recht bobee Lebigeld zahlen mnih. Vor 
ISngerer 2ieit edion hatte das Handbach von Scheel demselben Zwecke 
an entsprechen versucht, wie das vorliegende, nltmlieh eine Anleitung Hir 
diesen Dienst zu geben. Doch dürfte da.sselbe nunmehr wohl vergriffen 
und auch in vielen Beziehungen veraltet ^nn. Unseren jüngeren und an- 
gehenden Adjutanten wird folglich ^ liorowski'sche Buch, welches ge- 

11* 



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4M5 



«tartiAltbar «lU Zwmgt Um» Wishiigaii «od fwwkiMrUiohni IKoHta 
<Ub gMttmMbB Avskvirfl gieU, ^om BrtaiUoai<'A^te]it8A Im w&m A^jttr 
iMttil das GeiMtBllBoauBandos aafWMi «ine wiUkominMM Gftte bml 

Dar 1» Abechniti bthandiU: Dm VerMHiijs mm Gommandenr; zum OfR7ier- 
Corpa der Trnppe; m anderen Offizieren; «ur Truppe. Der II.: 1>r- 
OescbftfUzimmer. Der III.: Den Schriftverkehr bezw. das Ein gaben wesen. 
Der IV.: Den besonderen Dienstrerkebr mit (joiuicandeur nnd Truppe 
(Vortrag, Paroleausgabe u. s. w.). Der V.: Der Truppen -Adjutant zu 
Pferde als Begleiter und Helfer seines Oommandenn. (Hier iat üiiter> 
Atweluiiti dem Thema «Der A4]ateiit als Pliwdebetttier und Beiter'' ge- 
widmet.) Oer VI. und Vit endÜcb hOM tieh mit der Thtttigkeit des 
A^thaiett an den und während der Herbstfibnngen, dann wiihrend der 
Mobilmachung und im Kriege. — Wir glauben nicht, da(s dieses sehr 
gründliche und den praktischen Offizier verratpride Handbuch irgend einp 
auf den Adjutantondienst lieztlpliche Frage unbeantwoiiet lassen wird 
und können jttageren Adjutanten die Besohaffong dessriben nur an- 
empfehlen. i^. 

DMskatlfRskarte der fraRzfiiischen Kriegsmacht von v. Tröltsch, k. 
württemb. Major a. D. Fünfte, durchaus neu bearbeitete Auflage. 
Maafsstab = 1:1,200,000. Nebst Textbeilage enthaltend: Or- 
ganisation, Einteilung, Dislokation und StUrke der fran/üsiachen 
Armee und Marine. Berlin 1891. E, S. Mittler Sohn. 

Die vorliegende Dislokationfkarte ist sowohl ihrer iiufseren Er- 
scheinung als ihrem inneren \N'prt(' nach vontUglich. Zum ersten Male 
finden wir hi«r auch alle Detachierungen kleinerer Einheiten V)erttck8!chtigt., 
ma z. Z. um so wichtiger, als diese nach der für ans so bedeutongsvdlen 
TL Begiom einen edir groben Umfimg angenomaeen habeni Daa Jafaf^ 
bnoh ftaMOiiichMi Armee Uftt dinelhen gar lioht eriuMMB» wortber 
eelfaet ftamtiaaohe HDitSr-Zeitimgen Klage ffthren. Die privaten Verdffimt- 
lichungen haben Disziplin genug, es jenen nicht darin zuvorzuthun. £!:> 
bedarf daher des Studiums einiger Spezialwerke und der offiziellen Be- 
kanntmach »ingen, um dai-über immer auf dem Laufenden zu bleiben, was 
zum Mindesten einen grolsen Zeit-Aufwand bedingt. Bisher haben wir 
die kleineren DetÄchierungen nur in den Rchrifteri des Major Exner ge- 
funden. Wichtig ist bei der vorliegenden Karte noch die genaue Angabe 
des BSsenhiAnMteee, eewie die Barflckäohtigung dee BefhstignngsBystems, 
der widhtjgstai Kuiftle, Pyge der Oehitgeitraben, endlieh der Krioge- 
hlfcn. Die ta^gegehene TextbeUage ist eefar irniftsHend, Wir tagen 
groben Werk amf die ^ezialisierung der Mmnetrnppen, die bei der V«r> 
ansoMagung der französischen Streitmacht hSufig fibersehen werden. Ss 
ffhlf^ hier nur die Angaben über die bosyiannten Fcld-Artillprien der 
Manne-Artilleric. — Hinsichtlich d<'s Hekinten-Kontinijfmti. nach dem 
neuen VVehr-tiesetz steht zu bemerken, dals dasselbe für IS'.U) offiriell 
pur auf etwa 185|0^ wirklich i^ngestellter angegeben wii-d, wobei die 



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OiHMkM ii darMiUtfv-Iifetaffatu. 



246 



Freiwilligen nicht berücksichtigt sind. Die Zahl von 200,000, wie der 
Tnii 8» 7 Anm. 1 angiebt, ist bis jetst nicht erreicht worden. Die dem 
Ootibaisflimi Hofkileiider «ntnomaeiMii Zthkn der FriedeoMtibfice' rind 
diirjcingmi von 1-890, aiekt 1891; die 8Mrke für 1891 gieU der Kar 
lender geringer an, mit im G&Bsen 647,482 Offiziere und Ifami, diee 
iet nur der Budget- Voranschlag, der bei der endliclit n Feststellung noch 
herabgesetzt worden. Wenn die Kriet^sstÜrke in Frank rt'irh heute schon 
uiil 4,225,000 Mann angegel'en wird, Deut^bland aber im Kalender nur 
mit 2,393,500 und Jahrgängen Landsturm II. Aufgebots verzeichnet 
ist, so richten sieh diese Zahlen von selber. Der Text der Karte hätte 
nk^it verioren, wenn die fransOauehe Kriegsst&rke nach dieser Quelle 
weggeblieben wire; Beidutegswaldflii und Milittr-Yorlasen stehen ja niohi 
vor der Ihttr. Vm xam Sehliuee noch taimü auf die Kurte selber sa- 
rückznkommen, so ist diese in Folge des groüsen Formats (frst 1 m Seite) 
nirgends mit Signaturen ttberhünft und daher gut lesbar. Die Handlich- 
keit ist eine genügende. Die Karte fixiert einen Zustand, der in vielen 
Punkten einer baldigen Wandlung entgegengeht; nm so leichter verständ' 
lieh werden diese, wenn man sieh die Kai-te jetzt beilegt. 12. 

Mint HaMliii am pnkttocfen Inklmi fir ■Uillriidto IwMlt. Von 

Schulze, Mi^'or & la snite des Generalstabes. Zweite durch- 
gesehene Auflage. Mit zwei Figuren und einem Mafaatah, fiarün 
189J. £. S. Mittler & Sohn. Preis 1 )L 

Dieses nur 35 Seiten zahlende, Sofserst praktische Bllebelchen, giebi 
eine auf umfassenden Erfahrungen l)eruhende Anleitung zum Krokieren 
ohne Benutzung von Karten und ohne andere Hülfsniitt4-! als Krokicr- 
brett, Lineal und Zirkel, dann dassellte im Anschlufhi an vtn linnH-ne 
Karten, endlich dati Krukieren in V'erbiadung mit der Mefatisch-Autnuiiiue. 
Sin »Anhang" enthlUt die Farben-Yerwendnng fUr militär-topogiaphische 
Ittae» endüA des Gang der AriMtt ins ZamMBenhaiig als SSrilnterang 
som Knki — Wir kOonen Jedem, der mit solehen Arbeiten betnnt iumI 
in denselben nicht vollkommen bewandert ist» dieses handliche Vademekom 
beim Krokieren nur empfehlen. 4. 

RattcUflge (ür das Kochta im Felde. Von Lay mann, Oberst z. D. 
Berlin 1891. E. 8. HHtier Ss Sohn. Preis 50 Pf. 

Das unscheinbare Büchlein hat aufserordentlicben Woii: gute Er- 
■Mhmng des Soldaten ist im Felde fUr die Erhaltung der Krieg^tüchtigk^t 
der .^»ee yam hßdakK Wichtigkeit, litt grelMrMUhe nod vielen Geld- 
t/pkm bes^aÜ die He et e ev e i w a ltnug nim swar die VerpflegoBg, die — 
wmn. man vor Brot «nd Konserven absieht immer nur ans Boh- 
ms4ei i»ii»i besteht Wie viel von leisteten der Truppe wirklich zu gute 
kommt, hangt noch sehr von der Zubereitung ab. Wenn das Hoh- 
material nicht gut zubereitet wird, ist die Armee schlecht crnllhrt, trotz 
der vorzüglichsten Ijeistongen der Heeresverwaltung. — Also: gutes, 



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U7 



UmichM ia der Militb'Litterfttar. 



BaehTorstftndiges Kochen mnfs die Aiuee lern«, — Kochen am offenen 
Fener, im Koehgteohisr unter sdiwiffingitflB Yerhltltniwen. — Daa will 
des Lftymannache BflUüildn enielen nit adaen dweliaiia pnldasehea Ratp 

sohlygen. Dem Vernelimen nach ist das Heft beim IV. Armee-Oofps im 
Gebraache der Truppenteile und soll in der ganzen Armee eingeführt 
werden, — was nur zu billigen wSre. Denn das „wilde", „individuelle" 
Kochen in den Friedentsbiwaks! ! — Als nützlicher, für den (it'l)iauch des 
Unteroffiziers und Gemeinen ausreichender Auszug aus dem obenerwähn- 
ten Heft stellt sich das im gleichen Verlage vom gleichen Herrn Ver- 
frawr heransgegebene: gFeidkochbaob* dar, daiMn Fnia iO Pf. iat. 

Nadwiit der bei den Grabdeaknfllern des Schlachtfeldes um Metz liegendea 
Toten. Als Manuskript gedruckt. Preis apart 30 Pf. Metz 1891. 

G. Sevilla, llofbuihhändlor. 

Diese als Gratis-Beilage zu V. H. Grlifraths Onginal-Photoj,Tapliien 
der iXukiuuler von Metz ei^scliienene namentliche Libte der auf den denk- 
würdigen ächlacbtfeldern des 14., 10. und IS. August 1870 begrabenen 
OfiBaiere, ünterofBaieie und Mannacbaften macht nidit im Entfernieaten 
einen Anspruch auf Vollständigkeit} auch bittet die Verlagabncbhandlung 
um Beriehligungan und Ergftnzungen dieaer Liste; dennocb wird dieaelbe 
allen Regimentern, welche dort gekämpft und geblutet haben, nicht minder 
den Besuchern der Schlachtfelder sehr willkommen sein. Sehr dankens- 
wert ist auch die Angabe derjenigen Hegiments-Denkraäler, bei welchen 
Nifinand beerdigt ist, so z. B. dasjenige der Garde-iSohützen liei Aman- 
wriler, während dessen Tote zumeist auf dem Friedhof der 1. Garde- 
inianterie-Brigade bei »St. Marie aux Chönes beerdigt worden sind. Die 
Zahl der hier anfgefUurten Denkmttlar um Meta betilgt 61. Man mnb 
es der Verlagsbuchhandlung danken, aie duveh ihre Veröffentlichungen 
dazu beigetragen hat, «die treuen Toten" nicht in Vergeeaanhait gemten 
zu lasaen. 1. 

Nachtrag zur Rang- uad Quartlerliste der kaiserlich deutschen Marine für 
das Jihr 1811 (Abgeschlossen Ende Mai 1991.) Redigiert im 
Marine-Kabinett. E. 8. Mittler St Sohn. Praia 0,M> M. 

Für den Sommerdienst der kaiserlichen Marine ist, wie alljährlich, 
ein Nachtrag sur Baog- und Quartierliabe der kaiaeriidi dentaolien Ifarine 
f&r das Jahr 1891 ersebienMi, welcher, mit Ende Mai abgeaddoasen, die 
Andeunetataliate dee geaamten See^fBsier-CSorps aowie aeiner Hilbkrllle 

und die Stdlenbesetzung aller in Dienst stehenden Fahrzeuge der deutabhen 

Marine, sowie die Stäbe der Malrosen- und Werft- Divisionen, der Matroeen* 
Artillerie und der Torpeder-Ableilun^'en enthalt. Als Redaktion nennt 
sich zum ersten Mal das Marine-Kabinett. 



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UBMhm in dar MOiar-Littontar. 



248 



in. Seewesen. 

AnalM icr HydrogripUt Ml MilthMi MeteDrola|lt. Heft V: Das 

Klima von Dr. V. Kremser. — Zusammenstellung der meteorologischen 
l?Hn1>achtimgpn von ls73 \m jetzt, TeraniaTst durch die Kieler Kommission 
zur Ertoischung der deutschen Meere. — Lothungen im niirdliclien Polar- 
meer und der llehringstrafse, anstfeftihrt durch den liegieruugsdam5)fer 
der Vereinigten Staaten Nordamerikas „ihetiü'^, Lieutenant (Jomniander 
StoeUoB in dtr Braiton-Fiuill«!« 57* 27' Kovd nad d«i LBogengraden 163* 
16' bis 175* W««t 

■arill4lmdMlHII. (Jnni): Yortiag gehalten in dar IGlitiriniMn 
GflMlbdiaft SU Berlin am 18. MUn 1891. „Über den kngriU Ton 
Sehiffen und KttstenTorteidignngen* ycnBorckenhagsn, Sonratfeen«; 

kapitftn (Schluis). — Die neuesten Panzerschiffe der fremdländischen groben 
Marinen nebst einer Nachweisung der schweren Marine-Panzergeschtltze, 
der mittleren Panxergeischütze, der kleineren Geschütze und der Schnell- 
feuerkanonen Englands, Frankreichs, Italiens, Rnsslands und Vereinigte 
Staaten Nordamerikas, nebst deren Gewichtangabe, Kaliljer und Länge in 
Kalibern, GcscboIlB und Ladung nach dem Gewicht, Anfangügescbwindigkeit, 
Iieistung (Darofaadilagdnnft daxdi Stau [in mmj u. s. w.). Der noeb 
nngeoAnute YeiflMser beeoblltigt neb in dm Awfiwgwtrtikri mit den An~ 
fordemngen, «elohe an «in Paasenofaladitoebiff basOglieb seiner Funernng, 
Artillerie u. s. w. ni stellen seL Er sagt: „Die Eigenschaften, welche 
ein Panzerschiff besitsen muls, werden durch die Rolle bestimmt, die ihm 
für den Seekrieg zuerteilt wird. Demnilchst soll ein ran/.erschiff der 
Hochsee imstande sein, sich gegen seinesgleichen und gegen Kü>tenwerke 
unter allen Wittorungsverhültnissen mit Erfolg zu schlagen und es wird 
von ihm verlangt, dafs es allen Übrigen SchiÜüklassen in der Gefe&htsstiü'ke 
überlegen nndbe&higt ist, Torpedoboots-Angrifien siegreich m widenftshen. 
notwendige Bedingangen femer: genflgende Gesdnrindigkeit» betrIcfatUeber 
AbtionBEsdhis und volllDQmmene 8eetQeht|gbeit 

Mm§ Mi Navf Jurial. Nr. 19: Des Manne-Bepaztement der Ver^ 
«inigtwi Staaten Nordamerikas bat neue Flilae und Spesifikationen für ein 

zweites Torpedoboot aufgestellt. Dieselben gleichen im ganzen denen 
des „Cushing"; der hauptsächlichste Unterschied Iwsteht in den vier- 
fachen Kxpansiona-Maschinen mit vier Kesseln und statt der früheren 
Thoniicroft-Kesseln worden Kundkes^el (Coil boilors) verwendet. — Der 
Marine-Sekretär plant die Fabrikation von Torpedos in grofsem Um- 
fange. Ein dauerndes Comitti ist za diesem Zweck gebildet. Aufserdem 
wurden 100 eng^isehe Wkitehead-Torpedos bestellt Iietsterer beabsichtigt 
eine Filiale in der NSlie von New^Tork xn enicfaten. — Nr. 41: Bringt 
eine Scbildemng- der Jagd des nordamerikanisohen Krensers gCharleston** 
anf dm chilenischen Kreuzer „Itata"; das nüchtliche ^nsammentreflen des 
ersteren mit dem dulsiiischen Kreuzer „Esmeralda", wo es nur der elek- 
trischen Beleachtung sn danken war, dab es nicht zuiu Kampfe kam und 



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249 



UiDMiluui in dw ICUittr-IiitiMiatax. 



die endliche Besefalagnalime dir «Itita^ — Wn «nsflllurlicher Bevieht über 
die grobartigeB Anlagen und Leisbnngen des Scbiffban-EtablianineUts von 
WiDiani Gnmp et flone in Pldladelpfaie; ferner adir gdimgene Mlniitra Uo iieu 
nebst Text von dem Dynamit -Kanonenboot „Vesnvius" mit 725 Tons 

Deplacement und 3 pneumatisrhon Geschützen, dem an: erik. in Ischen Kreuzer 
Yorktown 1703 Tons Deplacement und 6 Geschützen; Baltimore, Newark 
letzterer mit 4086 Tons Deplacement und 12 Qeechtttzen; Philadelphia mit 
4324 Tons und 12 Qescbützen n. ». w. 

jMriiI Ol Hm Rayil Ualttd aervlGt Imlttatloa. Nr. 180: Vortrag 
dee Qeicbwader-Ingemean auber Dienati Ge<»ge Qniidk, Aber das Thema: 
Seliwere Cleaehfltse nmd schwere Granaten ▼•re«s leichte Ge* 
scbüise und leichte Granaten mitBvag anf die Anaiemi^ der eng^ 

Ksdien Fanutschiffe „Victoria", _San<;pareir und „Benbow". Der Vor^ 
trag mag vom technischen Standpunkte seine Meriten haben, aber die 
Frage: ob zwei bis drei schwere Geschütze von etwa 110 Ton? praktischer 
oder vorteilhafter für die Armierung von Panzerschiffen sind, als eine ent- 
sprechende Anzahl leichter Kanonen, iat in dem Vortrage nicht erörtert. 
In dem Sinne sprechen sich auch eine Anzahl der dem Vortrage bei- 
wohnenden Beeofifitiere ans. Die raasieehaa 8ee*liMi0ver woa IB9(K 
Ohenetnmg hiiB der ,,MariaB-BHdtaefaan^ Nowber IBM dnndi Oom- 
H> Gaibett» B» V* 
Anay atd Navy Bazsftt. Nr. MSI: Kritik über die vom Oartre- 
Adrairal Goiomb in dem illusti-ated naval and military magaxine verSffent^ 
lichte Serie von Artikeln über die Kn'epfnhrnn? zur See, deren Prin- 
zipien und Praxis. — Mitteilungen über die Upcrationen der kriegführen- 
den Parteien in Chile; Halmacedas Torpedol)oot« Condell und Alnii- 
rantc, Lynch und den arnuei-ten Haadelsdampfer „Imperial", welche 
mit der ZeratOnng dee W l ffflii ?^ ft wa l Hy t fl^ t Bff flw w i " yfiyWiitt fl T irrBnflhit 
swiicben den altmi Adnnmiilttl»- beaw. Bodgeie-AidoBni üd denen von 
Mertin, Inglefleld oder WeotenefnMth nsp. tjwtäk md enden Ankor, 
ohne Stock mit beweglichen Ankerarmen, welche letztere beim Ankem 
beide aioh in den Meeresboden eingraben. (Seif cinting Anchors ge* 
nannt. — Nr. 1638: Die Urteile über die sogenannte Marine- 
Ausateliung (Naval exhibition) Liuten in neuester Zeit weniger un- 
günsti<]f. Es werden doii eine Anxalil Bniscliüren mit Illustrationen ge- 
nannt, welche man zur Anregung dts luteri^es in dem Gebäude »elbst 
kftnflidh erwerben kann. So s. & die Geoddchte von Dir. Alsum Flagfr- 
achiff .Yisfcory". «Jiaok afloat" (die DUiuacke rar See). Sommn tm dem 
Leben anf einem Übnngssohiir n» s. w. 

NIs ttilMitchs fiNwIoMim Um SchNMypMi vom rtHlHtav RifigitcMNo 
bis ur NtgiMIfft in 80 Heliogravttren mit eittntemdem Text, 
von L. Aren hold. Kiel tmd Iio^g, Verlag von Idpeins A TSacher 

1891. Kartonansgabe 20 Mark, Prachtband 30 Mark. 
Der Verfasfer hat dem Leser mit grober Umsicht und Geschicklich- 
keit die Entwicklung des Scbiffbanes ans seinen früheren Anftngen bis 



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Umscbaa in d«r UiUtdr-Litterator. 



2Ö0 



lOT Oflgeuwari Torgeftthrt und in seiner Davstellang auf die verschiedenen 
Epoelien in der GoehicMe der SeUI&lirt in banierkeiiflwerter Weise Bltok- 
ncht genommen, eo dab ee sdbet dem Laien ein gewiaees IntereMe bietet^ 
die vezeeiiiedenen 8tadi«i der Sehiftformen and deren Motoren in den 

re^^p. Z'^-italtem kennen an lernen. Es war keine leichte Aufgabe, welcher 
sich der Verfasser nnterzogen hat. um alle Schwierigkeiten zu über- 
winden, die ihm die Sichtung und Bearbeitung des Stofl'es l)rachte. Es 
ist ihm in hohem Mafse gelungen, dies zu Wege zu bringen; wir 
zollen der Arbeit im Allgemeinen alle Anerkennung und wUnschen dem 
Werke guten Erfolg. Was dem Kenner vielleicht auffallen möchte, ist, 
dalk beim Vergleich xwiaob«! der Wiedeigabe des fiwnxOsisehen Fuuer- 
sehifies L Baagea «HMhe", tqh 10650 Tons Deplaoement nnd dem eng> 
liwben Linienschiff »Yietory* (Lord Nelsons Flaggschiff in der See- 
schlacht von Tra&lgar) Ton nur 2164 Tona Deplacementi die flinfbehe 
(Mbe dea enteren so gar nicht in die Angen springt. 

Qnirt Flltto. Ein Beitrag an ihrer Kenntnis nnd Wert- 

bestimmnng, von Emst Lechner, Kaiserlicher Marine- 
Baumeister. Kiel and Leipzig, Verlag von lipsias 4 Tischer 

1801. — 

Verfas.^fT sapt in der Einleitung, ^dafs hei den bedeutungs- 
vollen ReKhstag8 - Vei iiandlungen Ober unsere Krieg.stlotte und den 
zahlreichen Kundgebungen in der Presse es ihm angemessen erschienen sei, 
diesen GegensUuid ^M»r eingebenden FtOfting vom ftchmMnaisehen Stand- 
punkte ans SU nnteniehen, ob^eich er sieb bewnftt ist, dab er in Folge 
seiner amtliohen SteUnng als niebt ganz nnparteüscb ersebeinen mOchte 
n« s. w., hofft jedoch, dab seine Dai-stellungen erkennen lassen, «rie'er 
bemüht sein werde, sich von parteilicher Auffasi^ung femznbalten" u. s. w. 
Seine Auslassungen Uber .S(hit}l)au, Maschinenloi>tungen und Schnelligkeit 
der Schiffe sind mit grofser Klarheit un«l Präzision gciaf^t und in 
erster lieihe von der Ansicht geleitet, dafs unsere neuen Panzerschitfe 
A. B. C. D. trotz ihrer vuruusbichtlich zu erlangenden Fahrgeschwindig- 
keit von nur 15 bis 157, Knoten, mit den in fremden Marinen angeb- 
lich auf dem Papier stabenden 17 Knotoi vollkommen Imnkarneren 
kSnnen. Anf die Details kOnnoi wir ans Raummangel bier niebt weiter 
eingeben. Wir mrcliten nur hervorheben, dala wir vor den Lti-tungen 
unserer deutschen Techniker die grOfste Hochachtung haben, dafy aber 
auch di*' französischen und englischen Techniker schon manches Grofs- 
artigc L't leistet haben und daher deren Leistungen nicht unter^^chätzt 
werden düifen. v. H. 

i \ . Verzeicliiiiä der zur Besprechung eingegangenen 

Bücher. 

1. Oeutichlands Kriege von Fehrbellin bis Koniggrätz. Eine vater- 
iBodische Bibliothek für das deutsche Volk und Heer. Von Carl Tanera, 



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251 



Umschau iu der ViUtiv-Litlanliir. 



Hanptmaim s. D. 9. Bmd: Die BeMu^Bkri^ge L 1813. > ICt m 
Karten. — 10. Baad: Dia Befreuuigtkri^ IL 1814 and 1815. Mit 

emer Karte von. Nordost-Frankreich und aiD6Di Plan des Schlacht feldeo 
von Waterloo. — ?r&s geh. ä 2 M.» cart k 8yM> H MftadMa 1891. 

C H. Beck'sche Verlagsbucbhandlung. 

2. Ort! Moltke. Ein Bild seines Lel)tns und seiner Zeit. Von 
Uerrmann Müllei -Bohn. Zweite vervoiistündigte Auflage. Voll^tämii? 
in 14 Liei'erungtiu i\x 50 Pf. Lieferiuig i. Berlin SW. Verlag von 
Faul KittaL 

t. Li liffVifi itm Im £lall-MsJ«n, par le eoknd Fix. Parii>- 
TSnoy 1891. B«tger-L«vi«nlt at Cia., Editaaxa. Frais 6 M. 

4. ZutamneBStellang der bdnMtMtN lllftm-LlitWiHi. Wk 

36 in den Text gedruckteu Abbildungen. Heratisgegeben von einem 
Artillerie-Offisier. Rathenow 1889. Verlag von Max Babenaen. 

Preis 2 M. 

5. Die Erda und die Erscheinungen ihrer Obertl.iche nach E. Reclu«, 
von Dr. Otto üle. 2. umgearbeitete Auflage von Dr. Willi Ule. 

I. Lieferung. Das W«rk endueint vollständig in 15 Lieferungen ä 80 Fl 
IBt zaUreoehen Bontdrockltarten, VoUbildem und Textabbildungen. Brann- 
Bchweig 1891. Verlag Ton Otto Salle. 

6. Nachtrag zur Rang- und Quartiertiste der kaiserlich deutsche! 
Marine für das Jahr 1891. (Abgeschlossen Ende Mai 1891.) Redigiei-t im 
Marine-Kabinett. Berlin 1891. E. S. Mittler Sohn. Preis 0.50 M. 

7. Neue Folge gesammelter Aufsätze von M. 1) r a K 0 Jii i r o w , Ober- 
befehlshaber der Truppen des Kiewer Militär-Bezirke. Aufori.-iorle Ci er- 
seUung aus dem Russischen von Frh. v. Tettau, Premier-Lieutenant. 
Hannover 1891. Hdwing'scbe Verlagsbaohfaandlang. 

a. laimtt-Btriclt Ibtr ite kMilia baftritcle ItanM für die Zeit 
Tom 1. April 188S bis 81. MSrs 1889. Bearbeitet von der MilitSr- 
Medizinal -Abt eilung des königl. bayer. Krie^,'sministeriumb. Mit 7 gra- 
phischen Darstellungen. München 1890. Druck der F. 8. Hubechmann*- 
schen Buclid ruckerei (Tl. Tiintner), 

9. Jahresberichte Ober die Veränderungen und Fortschritte im Militär- 
wesen. XVII. Jahrgang 189U. L'nter Mitwirkung zalilreicher Offiziere 
herausgegeben von H. T. Lttbell, Oberst z. D. Berlin 1891. E. S. Mitt- 
ler A Sohn. Preis 8 M. 

10. Sstclldtt in Rimir-enitlHiigi- ml BIMtugiiNtiit in den 

Landen deutscher Zange. Von B. Poten, kgL preulk Oberst a. D. 

II. Bund. 15, rlin l'^Ol. A. Hofmann k Co. Preis 14 M. 

11. Die Marine-Infanterie vom 23. Dezember 1849 bis 1. Oktober 1890. 
Ein Beitrag zur Geschichte der kaiserlichen Marine. Bearl)eitet von 
A. Heye, Premiorlieutenant im 5. rhein. Inf.-Regt. Nr. ü5 (1882 bis 1887 
Lieutenant im See-Bataillon). Mit Abbildungen und Skizzen. Berlin 1891. 
K S. Mittler & Sohn. Preis 5 M. 

UrMk voa A- U»»ck la btrlla h'W., I>orotbi«M«r ii. 



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X7« Bie EavaJlarie im heutigen Eiiege. 



Wir verkennen nicht, dafs wir in künftigen Kriegen für die 
Auf klärnn^thätigkeit unserer Kavallerie sehr vit:l schwieri'^ere 
Verhältnisse finden werden als Napoleon 1805 und 1806 gegenüber 
der zerplitterten Reiterei seiner Gegner und wie 1870, wo man in 
Frankreich thatsächlich noch eine Kavallerie-Reserve von 3 Divisionen 
bei der Rheinarmee ausgeschieden hatte, dieselbe im Sinne einer 
Reserve verwendete und diese Kavalleriemassen nicht za einer 
erfolgreichen operativen Thätigkeit kommen liefs. Wir sind uns 
Tollkommen dessen bewufst, dafa der Gegner gelernt hat, dufs zu- 
weilen auch Kampf von Kavallerie gegen Kavallerie notwendig sein 
wird, um das Sehen zu ozwingen. Aber das Sehen bleibt die 
Kraptiadie and dtx Zweck, der Kampf nur Mittel dasa, wÜmiid 
in der Broaelillre atek Alke danuif waspifxi^ den 8kg in einer ertten 
grollen BeiteneUedit m gewinnen. Wo der Baum zwischen den 
beiden Gegnern and die GelSndeTerhSltniaBe diee nicht aunehlielaen, 
durfte one Reihe Ton Beitenohbehten, nicht eine grobe Katallerie- 
achlaeht die Operationen einleiten. Schon die GrObe der Front- 
ansdflhnnng bringt es mit eich, dafe eine Meldung von einem Punkte 
nur in hSehat seltenen Pillen, s. B. Meldung Uber den Abmarsch 
Biac Mahons tcsi Rheims, die Lage Tollstftndig klirt, wohl aber 
ergieht sich ans 80, 30 oder mehr Meldungen Ton versdiiedenen 
Seiten das Bild, das man so gewinnen bestrebt ist Es ist also 
von höchster Bedeutung, den Gegner an möglldist vieleii Punkten 
SU berohren. (Das Zusammen&ssai der 6. und 6. EaTaUerie-DiTision 
beim Vormarsch gegen die Saar 1870 hat nicht gerade besondere 
Früchte getragen.) Grnndsätxlich muls also Ausbreitung statt- 
finden. Noch vor einigen Jahren wollten Lehrbucher diese Er- 
Icundung lediglich darch Offizierpatronillen bewirkt s^en, heute 

lilrtliifcir m «• DNMto AiaM ud lUiiMb Bd. LXXX, S. ]B 



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Die Srnnaie im ]iaiitig«ii Kx^ge. 



hat man wohl die Überzeugung, dafs wir unsere Rechnung nicht 
allein auf diese gründen können, geschlossene Reitermassen müssen 
den Patrouillen folgen, um eventuell Nachdruck zu geben und auch 
schon deshalb, um den Schleier nicht zu dünn werden und den 
Gegner überall leicht chirchstofsen zu lassen. Kann unsere auf- 
klärende Kavallerie den feindlichen Flügel überragen, um so besser, 
sie wird dann um so besser die eigenen Bewegungen verbergen. 
Aas dem Zwang der Ausbreitung und der Notwendigkeit hin- 
reichender Dicliti<;keit des Schleiers an allen Punkten ergiebt sich 
aber unserer Ansicht nach nicht ein zusammengehaltenes Kavallerie- 
Corps, sondern ein System von vorgetriebenen spähenden Abteilungen, 
hinter deren Front Kavallerie- Divisionen verteilt sind, deren jede 
einen bestimmt zugewiesenen Breitenabschnitt hat, jeile vom Ober- 
konimaudo orientiert und mit einem bestimmten Auftrage versehen 
ist, jede selbstständig vorgeht. So werden Thatkraft und Eatdecker- 
ehrgeiz einer Anzahl von Führern in Wirkung gesetzt, während die 
in einer Hand zusammengehaltene &?alleriema88e diese in den 
Willen eines Führers centralisiert, der nicht einmal immer da sein 
kann, wo ee sich mn wichtige Ma(ipahm«n bandelt, seine Enft- 
lehlfisee nicht nach der augenbüeUichen Sitnaüon &l8t. Eine 
Kavallerie-IMTision flbenpannt hente mit ihren Auf U&mngsteilen 
bis an SO tan IVontbreite, 8 Dirarionen 45 — 60 km; kann «ine m- 
sammengehaltene Masse, wie sie die Broschflre wfinseht, hier ststa 
an jedem Punkte sein, wo es Widerstsnd wol tlberwinden oder dem 
Dofchbrach entgegenmtreten heifet? Entspricht nicht das Sjstem 
der selbststindigm INTisionen den genannten Bfioksichten mehr? 
Weift man im Yorans, wo man auf den Gegner trifft, wo es f&r 
die KaTallerie sn kämpfen gilt? Dann wire die AnfUining tct^ 
hiltniamifaig einfach nnd dann gilto es, wie snr ScUacht, dorthin 
den letsten Mann heransabringen, n. b. wenn man die feste Ober- 
aeogong bitte, dort die ganse Kavalkrifl des Oegnen m finden, 
ohne daCs von anderen Abteilungen desselben die Aufklärung forb- 
gesetzt, die Verschleierung bewirkt wftrde. Aber im Kriege ist die 
»Gewifeheit« ein seltener Fall, die üngewiüsboit die Regel. Für 
die Feldzage 1805 und 1806—1807 könnte man, obwohl wir auf 
eine Reihe von Beispielen für die Schädlichkeit der MMsiei'ung hin- 
gewiesen haben, die Bildung von Kavallerie-Corps noch weit eher 
als zulässig betrachten, als für uns beute, eben weil die Zersplitternng 
der gegnerischen Kavallerie es mit sich brachte, daCs dem Willen 
der oig^Micn der unabhängij^e der feindlichen nicht begegnete, mit 
dem wir hente doch zu rechnen haben. Nehmen wir aber auch 



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Dia KmSkäib im hrattgmi Exkgt. 



254 



eelbst an, die feindliche zusainnien gehaltene Kavalleriemasse der 
Armee durchstiefse an einem J^unkte den Schleier — was bei 
zweckniafsiger Verteilung der selhstständigen, vielleicht durch leichte 
Infanterie - Truppen unterstützten Divisionen nicht ohne Kampf ab- 
gehen dürfte — sie träfe auf die starke durch ihre eigene 
Corps- oder Divisions-Kavallerie rechtzeitig benachrichtigte Avant- 
garde einer Kolonne — wo sie wahrscheinlich mit beträcht- 
lichen Verlusten abgewiesen würde. — Sie hätte dann eine 
Kolonne feistfj es teilt, d. h. die Spitzen einer solchen, aber nicht 
konstatiert, ob dusc Kolonne eine mittlere oder eine Flügelkolünne 
ist, nicht erkundet, m wio viel Kolonnen der Gegner marschiert, 
■welche seine Frontaosdehnung und allgemeine Marschrichtung ist, 
wo seine Flügel zu suchen. Ihre Kraft auf einem Punkte sammelnd, 
kann sie an allen anderen Stellen nnr unterl^en sein, dort stöfst 
vieUeicht, ja wabrseheinlioli der Gegner, der acine Aufklarungs- 
reiterei aweckmalsig nach der Breite gliedert, daroh dea natwgemllB 
sehr dfinnes oder gans fehlenden ScUeier dnrchf das feindliche 
Ober- Kommando erhSlt Ton einer groison Anzahl von Pankten 
Meldungen, entscheidende, definitive EntedilOsse sind ihm möglich. 
Der Massierong der KaTalleiie, wie sie die Broschüre Torschlägt, 
fehlt die Eksticittt, deren die anfUlrende Reiterei bedarf, da sie 
wie em elastischer Stoff den Gegner an umgeben, sich seinen Be- 
wegungen anauschmiegen, hier au weichen und dort Toraudringen, 
je nach den TJmstBnden, sich möglichst mit Abteilangen unbemerkt 
in den Flanken des Gegners festansetaen und unausgesetst zu be- 
obachte hat und es ▼erstehen mufr,. erentuell mit dem Kampf« 
der die Aofinerksamkmt des Gegners fesselt, das ungehinderte Sehen 
Ton anderen Abteilungen zq verbinden. Wenn die Broschflre 
ausspricht, dafs die Kavallerie die Absiditen des Gegners zu er- 
kunden habe, so liegt darin eine Verkennung der Verhältnisse, das 
ist die Aufgabe, die zu lösen dem Ober-Kommando ajaheinifällt und 
für deren Lösung dasselbe aus möglichst vielen Meldungen der 
Kavallerie das Material erhält. Wir wiederholen, das Zusammen- 
fassen der Kavallerie - Divisionen einer Armee zu einem grofsen 
Kavallerie-Gorps schafft, wohl verstanden, für die eigentlichen 
Operationen, die schädliche Centratisation dort, wo Decentrali- 
sation in gewissen Grenzen schon in der zu lösenden Aufgabe 
bedingt ist. 

Wir möchten übrigens nicht untt'rkissen, darauf hinzuweisen, 
dafs, nachdem Napoleon in den Feldzügen 1805 und ISCXj stellen- 
weise glänzende Beweise der operativen Verwendung seiner Kavallerie 



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255 



Dia ICmllMri» im baatlcn Kti<g«. 



gegeben, för die nachfolgende Zeit ein entsprechender Gebrauch 
der Reserve-Kavallerie vor der Front zur Ausnahme wurde. 
Die Kavalleriemassen folgten, um eine wirkliche iieserve- Kavallerie 
in der Hand der Armeeführnng zu bilden, in 2. Linie. Von einer 
Reserve- Kavallerie Icann heute für die Operationen keine Rede mehr 
sein, das Kavallerie-C^orps der I. Armee 1866 und die französischen 
Kavallerie-Divisionen hinter der Front 1870, auf die wir oben schon 
hingewiesen, dürften die letzten Vertreter dieaes Gedankens gewesen 
.«ein. Gesammelt kann eine Kavalleriemasse von Corpsstarke nicht 
einmal im Biwak sein. »Die Ausdehnuug, welche die Aufgabe von 
Kavalleriemassen vielfach fordert, wird es oft ansschliefsen, daHs 
diese sich für die Nacht auf engem Raum versammeln oder auf der 
ganzen Front ein zusammenhängendes Vorpostennetz entwickeln« 
sanjt die Felddienst - Ordnung auf Seite 71 und hat dabei die 
Kavallerie-Divisionen im Auge. Wir werden sehen, dafs dies anch 
bei Napoleon nicht der Fall war. Für einen Kampf, der in Ans- 
dcht stehti 2 DiTiaionen auf einer Strabe hinter einander sa schichten 
würde akdi andi nicht empCaUen; gans ah go e ah wi voii d«r Schwer* 
fiOligkdt der Bewegungen, würde anch der Anfmarebh In der H9he 
der Avantgarde Aber eine Stunde dauern, die hinteren AhteUungen 
würden über 1 Meile au traben haben und dann wohl nicht mehr mit 
dem erfoffderlichen Atem für eine Iftngere Attacke anlangen. — 

Die Uassiernngetendens der GaUiffet rageeehxiebenen 
Bioechure geht aber über die ZuaammenlSuenng der KaTillerje- 
Diririonen einer Armee in der Hand eines Fflhrer« noch weit liin- 
aue. Den Armee-Corps coli ihre Kayallerie genommen und 
durch einige Landwehrrejter auf requirierten Pferden erselit werden. 
Wir können uns« wenn wir dies hier gleich boneiken dürfen, bei 
diesem Wunsche des Gedankens nidit entscbhigen, dafo der Verfasser 
anstrebt, die qualitatare und qnantitatiTe Überlegenheit der dentsehen 
fiber die französische Kavallerie, die cum Glfick noch Torhaudea 
ist, auszugleichen, der französischen Reiterei vor der IVont coüte 
qai coüte, die Überlegenheit an Zahl su veiBobaffen, wahrscheinlich 
schon gleich nach der Kriegserklärung einen (ppofoen Reitereinbrach 
snr Störung der Mobilmachung, Unterbrechung von Bahnen mit zu 
▼eraochen und, wenn dieser mi&lingt, die numerische Snperiorit&t 
beim Beginn der Operationen zum Ausdruck zu bringen. 

Ehe wir auf die Frage der Corps-Kavallerie näher eingehen, 
möchten wir noch eine andere berühren, die für uns freilich durch 
den Wegfall des Kürasses und die Ausstattung der ganzen Kavallerie 
mit Lanze, Karabiner und äabel, also gleichmaCrig für jede der 



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Die KafaUede im kMÜgn Kiiege. 



3156 



ReitpCrei zufallende Aufgabe, öcbou ilire Erledigung gefunden hat, 
in den napoleonischen Kriegen aber lange eine offene blieb, obwohl 
man schon 1805 die Unzweckmäfsigkeit der Zusammensetzung der 
Kavallerie- Divisionen aus gleichen Kcitcrgattungen, wir möchten 
sagen, treiterliche Spezialitäten« erkannte; Napoleon hatte thatsächlich 
eine Aufklarungs- und eine Schlachten - Kavallerie und, da die 
Operationen fast ^Vso^ Schlachttage nnr V»o Feldzages ans- 
zufallen pflegen, so wird es klar, dab die eratgemumU Speetes sehr 
bald schwere Hinbniise erlitt, dch auf brauchte. Im 2* Teile des 
Teldmgee 1806/7 wadiMii ^«m Bblnilsen, troti dar Neaberitt» 
nuMthnng ganier fraaafieiaQber Begimenter aaf prenbisoheii and 
aicheiseheB KaTallerie-PferdeD, geradeiB ia das £aonae, des beselxte 
Idmd venaoebte die Lflekea aleht sa eeh l i e feea, num holte sogar 
ans Fraafamoh Pferdereserrea, oboe dadnroh aadi aar aaaSherad 
die Etatssttrke, ja auch aar Vt derselbea sa eneiohea. Schoa vor 
Jena Uagea Milhaad and Lasalle darüber, dab ihre Pfeide ab- 
getriebea seiea. Ia einem Briefe Napoleoas an Maiaft d. d. 8cb6a- 
braan 14. Noveaiber 1805 heibt es: »B faat qne les cfaMsears daaa 
las pajs qn*Us tfaTecseat cbangeat leais maavais öberaax et ea 
piennent bonsc« Dien Mahnaag gewiaat aooh meihr an Bedeatang, 
weaa man den Mgendea, TaraUgemeiaenidea Pasras aus Foucart 
daaebea bSlt: »Bt malgrd oes ebangements )a caTslerie ^tait cnuatfe«. 
Den Dragonern erging ee nicht besser, als den Cbaaseuxs nncP Husaren, 
verschiedene Quellen geben Abereinstimmend schon bei Austerlits 
die Division sa 4 Regimentern auf nicht mehr als 1200, die sa 
6 Regimentern auf nicht mehr als 1800 Pferde an. Dennoch 
dauerte es eine Reihe von Jahren, ehe Napoleon Abhülfe schaffbe. 
Eine Reserve an gerittenen Pferden entstand durch die Schaffang 
der 5. Schwadronen 1807. Die »ebangements dans les pajs qu'ils 
traversent«, d. h. der Eintausch rober nicht trainierter Pferde gegen 
gerittene, aber abgetriebene, scheint nicht die gewünschten Resultate 
gehabt zu haben. Die Übelstände der scharfen Trennung der ver- 
schiedenen Reitergattungen veranlafsten später 1812, dafs Napoleon 
einem Teil der Kürassiere Karabiner gab und noch früher dadurch, 
dafs er lauciers oder, wie er sie nannte >chevauxlecer8<5 , einzelnen 
schweren Divisionen hinzufügte. Ein Dekret vom 25. Dezember 1811 
befahl die Bildung von 5 Kürassier-Divisionen, jede zu 8 Kegimenteru 
^ 8 Schwadronen und 1 Chevauxlegers-Regiment. Eine Ordre au 
Ciarke d. d. St. Cloud 12. Juni 1811 läfst erkennen, dafs schon 
3 dieser Regimenter bestanden, 6 weitere aus Dragoner-Regimentern 
formiert werden sollten, und dafis Napoleon diese durchweg mit 



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%l^f Di« KftTallerie im heaUgen Kzieg«. 

Laasen AosgerOstet wUniehti eine Angielit, die er spitor dehiii 
modifiaerte, dab er, neben der Lenae, den Karabiner dnfttbren, 
dann Vt ^ Sdiiradnm mit Fenerwaffen anarfisfcen wollte. Dm 
1. und dal halbe 2. GUtd eolHen die Lanien führen, toh wdcher 
sieb Napoleon epesieU auch gegenttber den KoaadEen viel Erfolg 
▼ersprMh. Wir haben hente thatefteblioh eine Eiaheita- 
KaTallerie ond diee ist aneh für die EaTallflrie-Divieioiwn in dar 
Anf kUrnng, eehoii der Mögliohkeit abweehselnder Schonung wegen, 
von grOfiiter Bedentang. 

HOren wir nnn, wie der Verfasser der vielfiidi genannten 
BroBchfire, die Ton ihm gelbrderte EotbUXnmg der Armee- Corps 
von Kavallerie — mit Ananahme einiger Meldereiter — begründet. 
Wir geben hier einen Aosnig seber Ansichten. »Wenn man sich 
sagt, welcher Kriegseventualitat unsere Organisation der Gorpa» 
Kavallorie (Frankreich fafst hekanntUch die Kavallerie seiner Armee- 
Corps za Corps-Kavallcrie-Brigaden zusammen) entspricht, so bleibt 
man die Antwort soholdig. Nirgends, weder in der Koaaentraftioo, 
noch im Annähernngsmarsche, noch in der Schlaeht kann man sich 
ihre Thatigkeit und Wirkung klar machen. (Dies zugegeben wnrde 
allerdings im Corps Kavallerie tiberflussig sein, da die Hypothese 
aber eine nicht zutrefiPende, kann man auch den Schlafs nicht an- 
erkennen.) — In den enormen Verhältnissen der raodornen Armeen 
haben die verschiedenen KaiiipMcmente ihre frühere Bedeutung 
verloren. Alles ist um reduziert. Die Division, welche unter 
dem iTstet» Kaiserreiche eine taktische Hauptein lieit war. kann 
nur noch eine uutergoord noto und soknnd äre Hol Ic sjiielen. 
(Der Vcrfjisser scheint liier von der Sc h 1 hc h t e n ei n hei t zu sprechen, 
bei welcher es Grundsatz sein rnnf«?. sie so stark zu machen, als es 
ihre Bestimmung gestattet Wenn der Verfasser die Division nicht 
mehr als Schlachteneinheit ansehen will, so scheint er an die Stelle 
des heutigen entscheidenden Feuerkanipfes, bei dem die Division 
wahrlich doch keine sekundäre Rolle spielt, wieder den Massenstofs 
Napoleons als I Jitscheiduugsmittel setzen zu wollen. Es kommt 
aber doch wohl nicht allein die prewachsene Gröfse der Heere in 
Frage, sondern auch die enorm gestiegene Vervollkommnung der 
Waffen.) Auch die Armee-Corps sind fast immer zwischen anderen 
Armee-Corps eingeengt — In diesen Völkerkriegen sind es doch 
wirklich nicht Tcreinzelte Armee-Corps, welche gegen den Fdnd 
maischieren, sondern grolise, mächtige Armeen, deren jede ans 
5—6 Corps besteht, natOrlichenreise in Tersohiedene Kolonnen ge- 
teilt, aber doch auf einem gewissen Ramn Tsreinigt uad eine 



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Die KATallerie im heutigen Kii^e. 



4 

«mmnifflihfagenJe, kompakte Einlioit bflden* Nkmals wird das 
Obwp-Xominaiido einer Armee sieh der liitwirkmig aller Eavallerie- 
Begimentar, über die ee TerfBgC» beraaben wollen, nnd ee wird 
keineswegs die einseinen Corps -KaTallerie- Brigaden 
gruppenweise, Toreinaelt nnd maehtlos der Disposition 
seiner Corps -Oomnandenre ftberlassen! Wie grob das 
Widerstreben der letsteren sein mag, sieh von ihrer Corpe-KaTallerie- 
Brigade m trennen, sie werden doeh ?oranssehen müssen, dab sie 
eiah beim Eintritt in den Feldsag mit Eavalleri^Detachements in 
bangen haben werden, die ihnen notwendig sind snr Überlndngang 
ihrer Korrespondens, zur yerbindang(alBo nieht som AnfUiren und 
snm Siebemngidifliist) Kavallerie-Detachementa, welche ans 
BeserTisten auf ausgebobenen Pferden bestehen werden. 
Die Gorps-Commandeare müssen eingestehen, dafe die jetzige Organi- 
sation mehr den Bequemlichkeiten des Feindes, als den Anforde- 
rongen des Kri« l'^ entspricht Kurz und gut, die Karallerie and 
awar die gesamte Kavallerie hat nur eine Formel der Ver- 
wendung, das Auftreten in Masse (damit ist wohl das Extrem 
erreicht). Die gesamte Kavallerie hat die Aufgabe aufzuklären und 
zu kämpfen (das ist zutreffend, aber in verschiedenen Rahmen, 
ferner tritt auch die Sicherungsaufgabe, das Verschleiern, hinzu. 
Das Aufklüreu ist der Zweck, der Kampf ein Mittel, nicht selbst 
Zweck). In dieser ihrer Miasiou liegt keine Dualität, sondern eine 
Aufeinanderfolge. 

Napoleon bildete einerseits eine grofse Kavalleriemasso, auf 
der anderen Seite Gruppen von verschiedener Stärke, welche auf 
die operierenden Einheiten der Armee verteilt waren. Das Gros der 
Kavallerie war immer massiert, zuerst in Divisionen, dann als 
die Ziele gröCser wurden, zu Kavallerie-Corps. Diese Teilung 
war nicht feststehend und unveränderlich, es bestand keine empirische 
Formel, sondern sie wechselte nach der Kriegslage, sie ergab sich 
aus den Notwendigkeiten des Feldzuges, aus der Holle, welche dem 
einzelnen Curps zugeteilt war (lugisch hätte der Verfasser hier wohl 
bemerken müssen, dafü heute den Armeen die Rollen zugewiesen 
werden, man die Corps daher gleichmäfsig mit Kavallerie ausstatten 
kann, da sie dauernde Verbände bleiben) und aus dem Umstände, 
ob dieselben von anderen Corps eingerechnet waren, oder mehr 
selbststandige Aufgaben hatten. (Dals die Kaiallerie der Corps 
II. Linie, seihst derjenigen der mittleren Edonnen, beim Vonnarseb 
gegen die Saale nicht vorgezogen wurde, sondern diesen Terblieb, 
bemerkten wir schon oben, Davonst war doch wohl als eingerechnet 



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259 



Die Kmnwit Im hmligwi Kriege. 



umMbeD, vor sich Betnftdotte, hinter ndi Garde and KATalleri^ 
Reserve rechte und Imks je eine Kolonne am % Corps, dennoch 
eracbeint seine KaTalieiie bis nach Sehleis nicht in L Linie.) Der 
moderne Krieg erfordert eine noch soigfiUtigere Anwendung dieses 

Frinzipes. Wie bereits bemerkt haben in den Völkerkriegen die 
▼erschiedenen Kampfeinheiten ihren Wert verloren. Man muCs nicht 
mehr ontor die Armee -CoipSi sondern unter die Armeen die Ver- 
teilung der Kavallerie TOinehmen. — Übrigens war bei Napoleon 
diese Verteilung durchaus provisorisch, sie wechselte mit der Kriege 
läge. Mehrere Male im Laufe eines Feldzuges nahm der Kaiser 
aus der Kavalleriemasse eine Division, die Kavallerie dieses oder jenes 
Corps zu verstärken, oder umgekehrt. In der Verwendung der Kavallerie 
herrschte das Prinzip der Konsentration and das Auftreten 
in Masse«. 

Soweit die Auszüge aus der geuannten Broschüre, welche die 
Corps- Kavallerie betreffen. Sie stellen uns vor die Fragen: »Ist 
es zweckmäüsig und angängig, den Corps ihre Kavallerie zu nehmen 
und sie auf Detachements anzuweisen, die man keine kavulleristische 
Einheit nennen kann, die weder im Stande sind, in begrenzten 
Zonen aufzuklären, noch einen Teil des Sicheruugsdieiistes zu über- 
nehmen? Würden die Vorteile, die eventuell aus der Massierun^ 
der Kavallerie ganzer Armeen in einer Hand resultierten, die Nach- 
teile aufwiegen, die sich aus der Beraubung der Corps ergeben 
müfsten?« Wir glauben beide Fragen durchaus verneinen zu 
müssen. Wir haben hier, wie wir ausdrücklich wiederholt bemerken, 
auch nur wieder, die eigeutlicheii Operationen, die Märsche gegen 
den Feind, nicht die Periode der Mobilmachung, des strategischen 
Aufmarsches und des ZurechtrQckens für die Operationen, des strate- 
gischen Ansetaeos, wenn wir so sagen dürfen, im Auge, Fälle, in 
denen es gehoten sein kann, den Corps cur Yentfirkuug der 
Kavallerie vor der Front, die ihrige temporitr so nehmen. Eonstafcieven 
wir snnachst, dab wir ans der Oeschiohte der uapoleonischen Fdd- 
sQge keineswegs die Bichtsehnur entnehmen kennen, die Corps 
wfthrend der Operationen ihrer ganien EaTallerie sn berauben, seibat 
aus dem nieht, was die genannte Brosehüre anfShrt^ deren Daten 
in dieser Besidrai^ nicht einmal T5Uig liditige genannt werden 
dürfen, obwohl dieselbe seihst rageben mnfih dafs immer einige 
Eskadrons bei den Corps inrnekblieben. Wir glauben nicht« 
dafe wir heute eher in der Lage sind, die EaTallerie für den näheren 
Aufklirungs- und Sichemngsdienst hm den Corps sn entbehren, ala 
Napoleon. Die grOlMren Verhältnisse kommen hier wieder in 



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Die £ftT«U«xie im heaügen Kriege. 



260 



Betracht, die TiefeoTerhältnisse, die Zeit für die Entwickelung ^um I 
Xampfe spielen ihre wiehtige Rolle. Mau darf nicht übersehen, i 
dali das Mab der Trennung das Mab der Aufklärung bedingt, ' 
wie umgekehit letsteres die adässige Weite der Trennong, dab in 
Bezug auf letztere sie und der Lauf der durchgehenden Bahnlinien 
ma swingendw Moment geworden ist, das Napoleon nicht kannte. 
Legt man der Tom aaf kUranden Kavallerie dnreh Entblöfsnng der 
Corpe Ton Reiterei Fesieln an, auf die wir weiter unten sorfick- 
kommen, ist die Zone ihrer Auf kllrang alm liumUch beaehrftnkt, 
so mnlB man dauernd dieht sosammenbleiben, damit uns der dann 
den Meldungen der Kavallerie eTontnell bald folgende Kampf ver- 
aammelt findet. Das ist aber ein Notrastand, den wir heute nicht 
dulden können. Dauernd dicht susammengehalten ersticken die 
Armeen ans Mangel an Lnft und sind fikr sohnelle Bewegungen 
unfanuchbar. Die Schnelligkeit ist aber ein Hanptfaktor der Strar 
tegie. Trennung Tcrlangt allerdings, wenn sie nicht nachteilig sein 
soll, InitiatiTe der Unterführer im Rahmen der Abeichtea der Ober- 
leitung, dazu müsseu die Unterfülirer aber auch eigne Aufklärnngs- 
Abteilungeu haben. Endlich bleibt zu bedenken, dals im Bereiche 
der taktischen Entscheidung die äufseren Operations- 
liiiien heute die günstigsten sind* Von groben Resultaten 
des Hineinreitens von KaTallerienmssen zwischen die znr Schlacht 
anmarschierenden Kolonnen unerschütterter Infanterie sind uns nur 
2 Beispiele bekannt, und diese liegen beide vor der Zeit des 
Uiuterladeis. Wir kommen auf diese Fragen weiter unten noch 
zurück. 

Ein Schema bat Napoleon in Bezug auf Zuteilung von / 
Kavallerie an die Corps nicht gekannt, ebensowuni^ wio er alle 
Corp» gleiclimäfsi^ zusammensetzte. Kr erklärt eine gleiclimü£sige ; 
Gliederung und Stärke der Corps sogar für nicht zweckmäfsirr, sie ] 
sollen 2 — 4 Divisionen umfassen. Man luufs dabei im Auge behalten, V 
dafs Corps im Frieden in der napoleouischen Armee nicht existierten. 
Napoleon wäre vielleicht dazagekommen, sie dauernd zu bilden, 
Wi'ün er länger Frieden gehalten hätte sie waren Forinatibnen 
ad hoc für den jedesmaligen Kiitg und erhielten eine dem jedes- 
maligen Zwecke entsprei lunide Zusamineubctzung. Sie hatten in 
dieser Beziehung Ahulichkeit mit den heutigen Armeen, mit dmn 
gewaltigen Unterschiede jedoch, dafs ihre Führer nicht, nach 
Direktiven selbstständige operative Aufgaben l6Bten, sondern in 
fast allen Fällen von Napoleon, wenn wir diesen trivialen Ausdruck 
gebrauchen dibrfen, als brauchbare taktische »Saugerker« angesehen 



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261 1^ KavaUehe im heatigen Xiiege. 

Warden. Wir haben oben sehon anf Minen dieebesoglichen Aw- 
epnidi biDgewieaen. Foucart wgt ons zwar, dab die Gorpe- 
Kavallerie im Allgemeinen eoviel Rq^menter, als das Goipe DMr 
nonen liUte. Diei ist ftr 1806 ziemHeh mtreffend, für 1806 da- 
gegen niobt, und durcbane nicht immer alt Korm wa betraebten. 
Wie Napoleon oft, ja meiet die relatir etwas weiter entfemteo 
Corpe, besonders aach Flfigel-Gorps (8. Corps Ende September 1806, 
DaTon^t als er snr Deckung der grofiMn Unbsschwenknng, be- 
siehnngtweise nm dem Gegner die direkte Verbindvng r&ckwSrIs 
m yerlegen, anf Nanmborg Tordirigiert wnrde) ans der Kavallerie- 
Reserve verstärkte, so scheute er auch die temporäre Unterstellttog 
der Gorpe-KaTaUerie eioselner Corps anter die Kavallcrie-Reser?e 
niclit, wenn es weitere Zonen auf/.uklären, odor dem Vordringen 
der Kavalleriemasse zeitweilig Iii -sonderen Nacluirnck zu geben galt. 
Bernadotte mufs den gröfsteu Teil seiner Corps -Kavallerie zur Auf- 
klärung der Pässe des Thüringer Waldes an Mnrat abgeben. Hier 
lag freilich eine Zwangslage vor, geschaffen durch die Zurück- 
haltung der Reitermassen hinter der Front, nicht durch das Gelände 
wie andorweitig behauptet worden ist — cino Kavallorie-Divisioij 
auf jeder der Iluuptstrafseii wäre sclion ili]rclit;ekomnien umi vom 
11 ab kann das Geliiiili' nrst recht nicht mehr als Motiv dafür 
gelten, (iafs die Kesserve-Kavallerie hinteu war. Wir unterlassen 
nicht, hier nochmals darauf hinzuweisen, dtfs trotz der Unzuläng- 
lichkeit der zunächst Murat zur Verfügung stehenden Kavallerie, 
auf die Corps-Kavallerie der Corps in 11. Linie nicht suräck- 
gegriffen wurde. 

Helcuchten wir zunächst die Ausstattung der einzelnen Corjis 
mit Kavallerie, s<» linden wir, dafs 1SU5 in Divisions- beziehungs- 
weise auch höheren Verbänden 112 Kskadrous zusammengehalten, 
:iuf die 7 Corps, in der Stärke von 7 — 16 8chwa(honen (Corps 
Augereau nur mit 4) verteilt wurden. Zu übersehen ist dabei nicht, 
dafs die auf dem deutschen Kriegsschauplatze eingesetzten Kräfte 
Napoleon« etwa den Umfang einer unserer beutigen stärkeren Armeen 
erreichten. Ihrer Kavallerie wurden die Corps 1806 nnr sehr Betten 
beranbt. 

1806 trat dies — wir haben aneh gezeigt warom — häufiger 
ein. In der Ordre de bataille für diesen Feldxng (s. Ordre d. d. 
St Cloud 20. September 1806) haben die Corps (Augcrean nnd Nety 
mit je 6 ausgenommen) 9 — 12 Eskadrons. Die Reserve-KavaUerie 
umfaJste 114 Eskadrons, die aber nicht im Sinne der vielgenannten 
Broecbfire verwendet wurden, anf die Corps sind 61 Sohwadzonen 



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Dm KATiUnie im heotigan JCiugau 



verteilt. Die Streitkräfte Napoleons entsprechen oogeiabr der Stiurke 
einer unserer heutigen mittelstarken Armeen. 

1809 dieselbe Erscheinung. Mit Ausnahme des Reserve-Corfw 
Junot, (las nur tiber 4 und Lannes, das nur über 2 Schwadronen 
verfügte, waren die Corps mit 7 — 18 Eskadrons ausgestatteU Die 
Armee verfügte" über eine Kavallerie-Reserve von 97 SchwadroueUf 
a^uf 4 Corps waren deren 37 verteilt, 

1812 bildete Napoleon, in der Erwartung, ein Feld fBr dan 
Einsats sehr grofser Reitermusen sii finden, eine eehr elailEO 
KeTtllerie-Beeerfe, statlete dber aoeh die einMlneo Gorpe rödilieh 
ans. Die Zuweisung an dieselben schwankt awiscfaen 12 nnd 
87 Schwadronen. J^r5mes Annee beeafa eine KavaDerie-Resenre 
?on 44 Eskadrons, 42 waren den 3 Corps zugewiesen. Engens 
Heerteil Terfttgte fiber eine KaTallerie^Beserve von 60 Eskadrons, 
40 waren anf ihre beiden Corps verteilt Bei der Haapt-Aimee 
kommandierte Hnrat ein sehr starkes Ka?alIerie-Gorps von 6 Divi- 
sionen mit 190 Eskadrons, etwa 85 Schwadronen waren auch anf 
die 4 Corps verteilt. 

Wir stellten oben schon die Frage, ob wir hente mehr be- 
rechtigt sind, den Corps ihre Kavallerie sn nehmen, die n. b. bei 
Napoleon auch deshalb als nener Faktor die Kampfesbfihne be- 
tritt weil es galt, in den Teilgefecbten, in welche die neue Taktik 
und die Ausnutzung des Geländes die Schlacht zerlegten, dieeelbe 
im Bahmen des Corps in den Kampf su werfen? Wir meinen »nein« 
und dies ans strategischen und taktisohen Gründen. Wie wir 
schon oben bemerkten, ist die Trennung der Armeen heute eine 
weitere, als die der Corps bei Napoleon, das Mafs der Trennung 
bedingt aber das Mals der Aufklämiig, unsere DivisionMl müssen 
Tagemärsche weit vor der Front sein, um den Gegner zu suchen, 
gegen <len, im Bewegungskriege, wenn wir uns dieses Vergleichs 
bedienen dürfen, die Opprationon dem Zielen auf laufendes Wild 
gleichen. Den Armee-Corps ihre Kavallerie nehinfn, sie auf einige 
Land weh rreiter auf recjiiirierten Pferden beschninken, liiefse auch 
den Auf klärunt^f-dienst in engeren Grenzen niul einen grofsfii Teil 
dt'H Sichernngsdienstes der weit vorzuschiebenden Kavallerie-Division 
vor der Front fibertragen, ebenso die Flankensich( i un'j, dies ist 
aber ein Bleigewicht, das man den weit vorgeschobeneu Keiter- 
massen, mit Rücksicht auf ihre Hauptaufgabe, nicht an den Fufs 
binden darf und kann, wenn mau sie überhaupt diese Auf<ral)o, die 
weite Entfernung bedingt, erfüllen lassen will. Die vorgeschobenen, 
amr Aufklärung ausgebreiteten Massen müfsten ängstlich rückwärts 



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253 KaTallerie im beaügen Kriege. 

■cbAiien, wenn es gälte sor Oberwindimg von Widentand, oder nr 
Aufklärang, namentlich in den feindltelian Flank», nach einer 
anderen als der innehabenden Biehtnng lioh snsammensoediieben. 
Rückiv&rte darf diese Beitermassen nichts fesseln, vngemssaen doroh 
Blleksieht auf die Corps mofs erentaell ihr Abstand sein kSnnen, 
ihre SelbststSndigkeit darf in der Erf&Uuig ihrer Hauptaufgabe 
nicht beschiänkt werden, sie haben vorwlrts sn sehen, nicht rfiek* 
Wirts. (Um hier fßidA anf ein Beispiel der Notwendigkeit der 
Kavallerie für die Corps binsnweisen, erinnern wir an Bemadottee 
Notsehtei nach KavaUsrie am 22. Desember 1806^ Bessüres war 
mit einem Eavallerie-Gorps vor ihm.) Das ist es auch, was nnsere 
Felddienstordnnng (Seite 40, 71, 72) ansspxicht: KavaUerie-DiTisioiien 
oder Teile von solchen vor der Front sind, in Anbetracht ihrer 
sonstigen Aufgaben, meist nicht im Stande, die folgenden Hauptteile 
unmittelbar zu schützen. Deshalb müssen diese auch dann, 
wenn sich Kavallerie-Divisionen vor ihnen befinden, stets Avant- 
garden ausscheiden. Aufgabe dieser letzteren ist es, durch 
ihre Kavallerie die Verbindung mit den vorgeschobenen Kavallerie- 
Divisionen aufzunehmen und zu erhalten. (Grundsatz des Ver- 
biudungsuchens von hinten nach vom, wodurch Freiheit der Bewegung 
gesichert wird.) — 

Der Gesichtspuukt, dafs eine ausgiebige Aufklärung imu wesent- 
liches Mittel zur Sicherung ist, fordert dazu auf, die Masse der dem 
Truppe n verbände zugr höri jj^cn Kavallerie über die Avantgarde 
hinaus vorzutreiben. Sie kann hierbei ebensowohl dem Führer des 
Ganzen unmittelbar unterstellt bleiben (selbstständige Kaval- 
lerie) als der Avantgarde zugeteilt werden (Avantgarden-Kavallerie). 
Wir sind hier wohl zu der Frage berechtigt, ob einige Landwebr- 
reiter auf requirierten Pferden im Stande sind, diese Aufgaben der 
Corps- Kavallerie zu losen? 

»Spricht dies tür die Notwondigkeit der Beigabe von ausreichen- 
der Kavallerie an die Armee-Corps zur Aufklärung im engeren Sinne, 
80 der von uns schon citierte Passus der Felddienstordnung Seite 71 
(166) i&r die Notwendigkeit derselben sn nnmittelbamn Siehemngs- 
swechen. Sind die Toigetriebenen Kavallerie-DiTinonea nidit in 
der Lage, auf der ganzen Front ein susammenbängendes Nets ?on 
Vorposten sa sehaffen, werden also Lficken Yorfaanden sein, so müssen 
die nachfolgenden Heerteile selbst ihre Sieherongsmafenabmen treffen 
und für diese bedürfen sie wieder ausreichender Kavallerie. — 

Einem Armee-Goips seine Kavallerie nehmen hiebe femer, es 
nicht mehr als strategische Einheit betrachten und dam 



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Die XMaUiri» im kMitig«D Inagt, 



264 



sind wir selbst bei unseren heatigen starken Heeren wohl noch nicht 
gekommen, es hiefse endlich den bewahrten Grandsatz verlassen, 
dafs der Führer jeder Marscheinheit fiir die Aufklärung in , 
engeren Grenzen und für seine Sicherunj^f selbst zu sorgen hat. / 
Die Häufung der ganzen Kavallerie einer Armee in einer lland, ist 
ein Extrem, eine Centralisation, die, anserer Ansicht nach, nur 
schaden kann nnd für die eigentlichen Operationen nicbt gesunden 
Erwägungen eBtetimmt. Dit llarBoheinhcit bringt im ftbrigens 
anf eine wdtere Erwägung Id Bezug aaf Zntcflang tob Kavallerie 
an die hSheren VerbSada. OrtfiM der Änaeen xmd BeeebaflRnüieit 
des Kriegsschauplatzes, beaonden in Berag auf VVegerciditom, werden 
in dar Hanptaöobe daittber aatsdiaidaD, ob man rieh die Hearea- 
bawagmigeB m einem kfinftigen Kriege in Aimea-Oorpii oder in 
Dinaonen anf den einialnen Straften anegeAllirt m denken, ob 
man also das Oorpe oder die Diviaion ab Mareelieinheit la be- 
tracfaten bat (Schlaehteneiaheit dftrfte die lelilere woU immer 
bleiben). Die Heereeleitong wird aweifelloe aber die Wahrbeit der 
bekannten Sitae neb vor Aagan balten. »Jede enge Aabfafang 
grober Maasen ist an sieb eine Kalamität. Sie ist gereehtforiigt 
nnd geboten, «renn sie nnmitfcelbar mr Sehladit IBbrt Ss ist ga- 
flUirliob, in Gegenwart des Feindes (d. h. anf Sdilagweite, also bei 
gröberen Manen auf nScbstens 1 Tagemarsch) sieb wieder ans der- 
selben so trennen, und nnmSgUcb auf die Dauer in derselben zu 
Terharren.c Erst wenn der Feind nahe ist, wird sie die Heersaulen 
zum Schlagen snsammenziehen, thäte sie es früher, so würde sie 
neben Anderem, auch die Freiheit des Manövers verlieren, die für 
die strat^ische Situation, aus welcher heraus die Schlacht geschlagen 
wird, Ton der ausschlaggebendsten Bedeutung ist. In breiter Front 
werden, unter Verteilung der Heeresmassen auf möglichst viele 
Strafsen, die Bewegungen beginnen, wenn ii^end angängig, werden 
die Corps sich noch auf 2 Straten setzen, die Division wird dann 
Marscheinheit und hier schon drängt sich die Frage auf, ob sie dann 
nicht der Beigabo von Kavallerie bedarf, ob nicht für die Tektur 
der Felddienstordnuug, welche die Corps-Kavallerie-Brigade in die 
Ordre de bataille des Corps einfügt und die Zuweisung au die 
Divisionen den kommandierenden Generalen überlädt, eine Ergänzung 
wünschenswert wäre, die das Mindestmafs der den Divisionen 
zuzuteilenden Kavallerie festsetzte nnd zugleich den Vorteil hätte, 
dafs nicht immer Verbände ad hoc, sondern dauernde geschaffen 
würden? Ist der Feind durch die Kavallerie konstatiert, so ziehen 
sich die Heeressäulen enger in der angegebeneu Richtung zutiammen, 



Ijiyiiizca by GoOglc 



Die KaT«Uene im bautigen Srüffli 



Manöver und Btweguugeu sur Varemiguug beginne Aber auch 
hier wird ncli die Heecealeitaiig, wie die» der 2. Juli 1866 deatUeh 
genug beweist, dea Sohanihorai'selieik Sateeaf dafs man nidit koo- 
lentriert atdieo, wohl aber komentrierfc eoUageo mfine, enlaiiuieB, 
beaehton, dals grofte MaaMn aicli leiehter doroh Zaeammen- 
•ehliefaen, ak durch AnfschHefeen vereinigen laeaeii und mit 
den Faktoren Batun, Zeit, Harsehftiefe «nd Wegereiehtam ihren 
Kalklll maehend, alle Wege die verwendbar lind, aneaatien und die 
Breitengliedening oder Tiefensehiehtong IBr den Anaoareeh, wenn 
irgend angingig voniehen, wenn rie aieher ist, dab die Emhcit des 
Handebe am Ziele gewahrt bleibt Wenn man, nach Blume, ffir 
3 Meilen Maiaeh 5 Stunden reehnet, eo leuchtet ein, daie die 
Truppen eines anf einer Strabe maraehierenden Gorpe an einem 
Tage ftt den Kampf veiftgbar sein können, nicht »her die einee 
folgenden 2., daCs man es also nicht als wünschenswert ansehen 
kann auf einer Strafee mehr als 1 Corps hintereinander zu schichten 
Bumal wenn Begegnuugaschlacbten möglich sind. Das Coipa 
r^lfisentiert also das Maximnm der Marscheinlieit. Ausnahmen 
können sich ja zweifellos eigeben, Marsch in breiteren Marsch- 
formationen, selbst in maesierteu Divisionen (II. Armee 1870 
18. August) aber doch nur in dem Falle des unmittelbaren Marsches 
zur Schlacht und auf kürzere Entfernung. Für den Anmarsch anf 
das Schlachtfeld wird aber auch wieder die Fraise zu stellen sein, 
ob mau nicht, mit Rücksicht auf die Bescbleuuiguug des Auf- 
inarsch« s, zur Gow iiuiunL^ uu>reichender Zeit lür die Walil des Zieles 
iiiul sorgsames Ansetzen, Fiiktoren die für die heutige Schlacht, wie 
wir sehen werden, aafserordenthch au Bedeutung erhalten, um den 
einheitlichen Gebrauch aller Streitkräfte zu sichern, jeden ver- 
fü;^ baren Anmarschweg benutzen und wenn irgend augängig, in 
Divisionen marschieren wiirdc Ist dies möglich, so scheint uns 
auch dann wieder die Division der Kavallerie nicht entraten zu 
können. Wir kommen auf die i rage der Divisions-Kavallerie noch 
zurück. Hier sei nur noch auf die Erfahrung hingewiesen, die auch 
Meckel hervorhebt, dals die Bewcguni^en einer Marschkolonne von 
uiebr als einer Division auf einer Htrafse schwertallisj werden, die 
Division, die gemischt aus allen WaÜeii, aber cmeu Körper darstellt, 
der in 2 Stunden seine ganze Kraft in das Gefecht bringen und 
dieses auch mehrere Stunden lang selbstständig führen kann. 
Napoleon hat in der Ordre de bataille den Divisionen keine Kavallerie 
augeteilt, d. h. den im Corps- Verbände befindlichen, abgesweigte 
eihielten mindestens 1 R^ment, meist eine Brigade nnd darlber 



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Die KavaUttM in hmüfsm Kragn 



306 



(Dupont I.Oktober 180C), die im Corps- Ver])aiKl(; befindlichen erhielten 
meist nur 1 Eskadron, dabei ist aijer nicht zu übersehen, dafs: 

1. Die geringe Wegsamkeit Napoleon viel£etch zwang, auf jede 
StraÜBe mindestens 1 Armee-Corps zu setzen. 

2. Napoleons Corps vielfach die Stärke siser onserer heutigen 
ttarkoi DiviiioiieD nioht wesentlich ftbomduitteii. 

Wir finden ja bei Napoleon aucli Corps von 4ßfiOO Maos. 
1806 weehaelt die Sttrke d«r Corps zwischen 17 vnd 88 fiataillonen. 
In der auf dem deotBchen Sehanplati 1805 gegen Östeneioh eingesetifeen 
Annee xShlte das I. Corps (Bemadotte) 17,000, das III. (Düvonst) 
28,d0O,Soiüt4O,000, Lennes 18,000, Ney 90^000 Mann. DeroffirieUe 
Bafiport des IL Corps vom 2. Oktober 1806 ergieht 1, Division 7893, 
S. Division 10^111, IIL 7814 Mann, dam 3 BegimeDter leichter 
KavaUeiie mit 1431 Pferden. Und das war im Beginn des Feldragss, 
als Verlnste noch nicht eingetreten waren. Napoleons Divisionen 
können nnseren heutigen also nicht wohl Teigfichen werden. Be- 
laiehnend f&r des Aosmaft der Divisionen Napoleons ist anch der 
Befehl des Major gtainX an das IIL Corps vom 10. Oktober, der 
auf die Tiefe einer marschierenden Division 1 Wegestnnde 
rechnete (gegenüber 2 heute). Von den Divisionen des IIL Ccurps 
alhlten danuils nach Foucart die 2. und 3. 7800 beziehungsweise 
8500 Mann mit je 8 Geschützen. Nicht das Heer allein, auch die 
höheren Einheiten sind heute an Umfang gewachsen. 

Kehren wir nunmehr wieder zur Verwendung dor napoleonischen 
Kavallerie bei den Armee-Corps zurück, so ist in dieser Beziehung 
ein Brief Bernadottes an den Major general vom 22. Dezember 1806 
ein deutlicher Beweis dafür, dafs auch damals den Corps Kavallerie 
unentbehrlich war. Bernadotte hatte, wie wir oben näher be- 
leuchteten , vor .si( h Hessieres mit 3 Kavallerie - Divisionen und 
3 leichten Regimentern. Er bittet deu Major general um hukligste 
Rückgabe seiner leichten Kavallerie — »da es doch von gröfster 
Wichtigkeit sei, dafs jedes Corps Kavallerie haln;, auch 
wenn Kavalleriemassen vor die Front vorgeschuben .seien 
— er sei nahezu überrumpelt worden und mü>se lö km weit 
aufklären.« Dabei zeigten die in Frage kommenden (iegner nicht 
einmal besondere Activität ihrer Kavallerie und verwendeten diese 
keineswegs im heutigen Sinne. Hente wird das Bedürfnis also noch 
stärker sein. 

Nach dem Kapitel Avantgarde (Seite 555) in Foucart »Campaji^ne 
de Pnisse« schrieb Napoleon am 5. Oktober 18(M] an Soiilt: La 
cavulerie lurme ä eile seule ruvantgardu du Corps d urmee. (Ju 



267 



Die KftfiUnie im h&atigm Krieg«. 



peut capendont lui adjoindre un batAilIon d'infanterie, pour l'appnyer 
au besoin, et meme la preceder dans an pays de montagne oa un 
pays difBcile (Tirailleur- Bataillon des Po bei den Märschen am 
8., 9. und 10, Oktober). Mais dans aucun cas le comraandant 
de l'avant-garde ue doit uvoir h sa disposition plusienra bataillons 
d'infanterie, afin de ne pas se laisser eutrainer ä engi^er un combat, 
qoe le commaudant da corpe d'arm^ ne vondrait pas livrer. N*ayant 
qoi de la cavalerie en avant, le commandant de corps d'amifc 
pect toujoura, lorsqne rennemi ert ngnalö, prendre pontioB et se 
Ofmdnire avec prad6iioe.c 

Der kommandiflgende General, ngt FonoMt, beitiiiimt den 
Dienet der Kavallerie dee Gorpi, die Abteflnngen, die aie nur Anf- 
Uirang und aar Verlandmig mitdenNebenlwlonnen bildei(die genannte 
Broechtlre, die eich anf die IMahrangen der napoleonieehen Kriege 
stfitst, will ihnen oiebt allein dieee Verftgnng, sondern ihre ganie 
Kavallerie nehmen.) Die KaTallerie sagt aneh Foueart in seinen 
Observations, bildet in allen Armee-Corpe die Avanf^rde. Da sie 
im Allgemeinen die Biwaks besiehongsweise Kantonnements der 
Infonterie sichert, so sammelt sie sich für den Vormarsch Tom, 
wartet Yor der Bewegung das Hennkommen der Infimtarie-Tete ah. 
Beim Beginn des Marsches ist also zwischen ATaatgarde (Kavallerie) 
und Teten-Division der Kolonnen kein Abstand. Von der Avantgarde 
wird auf der Marschstrafse eine starke Abteilang bis zur Erreiehnng 
des Marschzieles vorgetrieben (Abteilung die am 11. Oktober vom 
IV. Corps aaf Weyda ging), andere Abtdloi^n in dw Flanken 
gesendet. (Am 11. Oktober beim IV. Corps rechts bis zur El^^ter, 
links bis nach Aama.) Da die Kavallerie flotter marschiert, als die 
Infanterie, so gewinnt sie stündlich 1 km Vorsprung. Der kom- 
mandierende General, der sich an der Tete der 1. Division oder bei 
der Kavallerie befindet, erhält rechtzeitig seine Nachrichten, kann 
seiner Infanterie 1 Stunde voraus sein und seine Dispositionen so- 
wohl für einen eventuellen Kampf, als für Unterkunft treffen. Die 
Avantgarde giebt die Vorposten, diost-lbeii Truppen bilden also ^ 
mehrere Tage hintereinander die Avantgarde und die Vorposten 
(beim IV. Corps vom 7.— 11. Oktober 1806). Napoleon berechnet 
die Marschtiefe eines Corps nach der Zeit, welche die letzte Division , 
braucht, um in der Höhe der Tete der vordersten aufzumarschieren. 
Die Kavullenc kommt dabei nicht in Reclmunj;, sie soll sehen, die , 
Bewegungen des Gegners aufklären, eine feindliche Kavallerie- I 
Truppe und selbst cini- Avantgarde aufhalten und «1er Infanterie 
Zeit geben, sich zu sammeln und ihre Dispositionen zu treffen. ^ 

I 
I 

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Dfo Kinltato im MIgm Krieg«. 



868 



Diese Aafgabon der Kavallerie des Coqis, welche uns Foucart 
namentlich aulTiilirt, beweisen wohl deutlich genagf welchen Wert 
Napoleon auf die Coi-ps-Kavallerio legt. 

Beim Übergang in den Zustand der Ruhe etabliert sich die 
Avantgarde (also die Kavallerie der Corps) auf der Strafse, welche 
die Kolonne am folgenden Tage einschlägt, die Vorposten werden 
durch Infanterietruppen komplettiert (also gemischte Vorposten). 
Die Avantgarde steht 4 — 5 km vor der Tete des Corps, oft ist 
noch eine extreme avant-garde 4 — 5 km über diese hinaus vor- 
geschoben. Nach einer Meldung des Marschalls Soult d. d. Grols- 
Zobern, 9. Oktober 1806 6 Uhr abends ist sein Coqis wie folgt 
etabliert: Leichte Kavallerie Rosenthal und Rosenburfr, als extreme 
avaut-gurde dsm 8. Iluaareu-Regiment und 1 leichtes Bataillon nach 
Mersbacb vorgeschoben (1 Meile von Plauen, wohin die 8. Flusareu 
aufzuklären haben), die Divisionen Legi-and and Leval im Biwak 
b«i Gfolft-Zöbera and Ortaanterkonft in Geilsdorf, die Division Saint- 
Hilain noch bei Hof, 1 Eskadron 11. ChaHeim nacli Schldz nir 
Verbindnag mit der mittleren Eokmie, eine andere nach ölanita 
rar Beobaehtang vorgeschoben. An demeelben Tage hat das V* Corps 
leine leidite Kavallerie in Gesaeladorf, Avantgaide darfiber vor- 
geschoben, die 1. und 2. 0iTieioa 4 km raekwtrts. Beim I. Corps 
ist die Sitaation so, dab Watier mit 2 leichten Regimentern in 
Ldhma stand, das 87. leiehte Infimterie-Begiment dicht hinter dem 
Orte als sein Sontien, eine Division (Drouet) TorwSrts öttersdorf, 
S km dahinter die DiTision Bivaad, Division Dapont dicht bei 
Schleis. Fügen wir nocii hinsn, daft LassUe in Mfihltrnff, HÜhand 
mit 8 Bdadrons des IS. ChasseuB-B^giments (das er als nahean 
auiigebfanefat beieichnet nnd nm dessen Answediselnng er bittet) 
hei ZiegenrBek, 1 Eskadron aof Giob-Posen Torgeschoben stand, so 
hat man damit eine Übeiricht der Gliederong in L Linie für die 
Nacht |vom 9. auf den 10., nachdem man mit dem Gegner ein 
ri^eiches Gefecht bestanden hatte. 

Die Frage, ob die Corps Kavallerie benötigen nnd zwar ans- 
reichende Kavallerie, nicht Detachements von einigen Landwehr- 
Reitern auf requirierten Pferden, ist durch diese Nachweise auch 
wohl für die napoleonischen Kriege bejahend entschieden. Ebenso 
berechtigt dürfen wir wohl die andere, ob wir nämlich heute, wo 
wir von Seiten der gegnerischen Kaviülerie grölsere Aktivität, zweck- 
mäfsigere Verwendung erwarten müssen, als Napoleon bei seinem 
Gegner, wo die Trennung eine gröfsere, die Wege zur Vereinigung 
längere, die zn liewei^^enden Maasen sehr gesteigerte sind, den 



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Dit KATftUtoi im ke«tig«n Kh«ge. 

Kavalleriemasseu vor der Front noch grSfsere Freiheit der Bewegung 
gelassen werden mab« den Corps die Kavallerie eher ndunen dfirfieo, 
tüB Napolmn, Tornflinend Wanlworlm* Dia Corpi bedOrfea bMte 
dringend iliVBr XaTatterie, ja «Mb di» Dinrioiun kAnaen denelbeD 
nieht gans «ntbehniL 

Wtnn nun dM Äaftening NapotooDs dbw die Avantgarda fait- 
liilt, in waldier wir nooli anne wmktmi Fmgeraeige daimif luniii- 
fBgen nSditoii« dafii im dniohMluutteiMD G«linde dia Goipi^EaTallwie 
nieht in weit m dmr lufimteria 'sein lollai im offnen dagegen aelir 
weit — (also Anmtcwden*KaTalleria nnd aelbililindige KnvnUerie), 
wenn man ferner die geganwSitigen taktiedhen StrSmnngen berfiok- 
siobtigt, so kann man wokl auf den Gedanken kommen^ dala dne 
BAekeieht Ton hoher Bedeutung aar fiinflhrang der »Gorpe-Kavallerie- 
Brigndet in nnseier Felddienetordnnng gefuhrt hat, der Qmnd, 
den wir im Ange haben, gewinnt dwrdl den Einflub, den das 
lanehiehwache Pnirer anf KriegfAbrung und Taktik üben tuuCs, 
noch an Bedeutang. In dem letzten Feldzage hat die duelians 
wertTolIe Initiative von Avantgarden-Fübrar vielfach, wenn wir so 
sagen düdoa ein »Darobgeben nach vom« veranlafsi, Avantgarden 
haben Qiob von IMfiiionen nnd Armee-Corps dort und dann zam 
Kampf gexwangen, wo nnd wann derselbe von der Oberleitung nicht 
beabsichtigt war. Kurz nach dem Kriege von 1870/71 wurde daher 
in der MilitÜr-Littemtiir schon die Notwendigkeit betont, der 
unmittelbaren Erkundung von Gelände und Gegner grofse- 
ren Wert beizulegen (auch jetzt ist diese Richtung wieder stark 
hervorgetreten), die Avantgarden so zusammenzusetzen, dalb sie 
zwar sehen, den Gegner zur Entwickelung veranlassen, aber nicht 
die Gros in einen Entscheidangskanipf verwickeln könnten. Starke 
Kavallerie, starke Artillerie, aber wenig Infanterie, das sollte die 
liichtacbnur für ihre Zusammensetzung sein. Es unterliegt keinem 
Zweifel, dafs die unmittelbare taktische Erkundung von Gelände 
und Gegner bei dem ranchschwachen Pulver an Notwendigkeit und 
Bedeutung gewinnt, daf^ das Sanuueln der Kräfte, die ruhige Ent- 
wickelung zum Gefecht, bewulstcres Erfassen des Ziels, sorgsameres 
Ausetzen, intimeres Zusammengehen der 3 Waffen and Entscheidung 
durch gleichzeitiges Heranbringen aller verfügbaren Krftfte (Golta 
»Volk in Waftnc Seite 898), heute nodi mehr in dm Vordergmnd 
treten mUnen. AUm&hlicher EmaalB nntrt die Keifte ab« da daa 
lanchfreie Kampßeld giolbe Obemiobt gewahrt und die Lnatnng der 
Fenerwaffni eine enorm gesteigerte ist Die Feoenone iet bedeutend 
) Tertieft, einmal eingesetate Truppen sind nicht mehr ans dem Oe* 



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Die landbr!« im hMifgm Xriagt. 



fechte zu ziehen, Fehler nnd Irrtümer entweder gar nicht, oder 
nur mit einem enormen Zeitaufwande zu verbessern. Ist es Sache 
der Strategie, dnrcb die »Manövt-rc auf tirund der von den 
Kavallerie-Divisionen gelieferten Meldungen, ihre operativen Mafs- 
nahmen derart zu treffen, dafs die taktischen Rcliwierigkeiten auf 
dem Schlachtfelde überwunden werden können, so ist die jj^ründ- 
liche Erkundung des Kampfgeländes und eines in Stellung betiud- 
lichen beziehungsweise anrückenden Feindes Aufgabe der Taktik. 
Das rauchschwache Pulver hat dieselbe erschwert. Ausdehnung und 
Besetzung einer Stellung sind selbst bei einem feuernden Gegner 
nicht mehr durch Rauchwolken sofort erkennbar, sie müssen genau 
aondiart werden* Dim iei Aufgabe der Avantgarden. — Der Aul- 
kttrangsdieDet der KftTallerie mnfii um eo klüftiger nnd lebbefter 
werden, je geringer der Ranm wird, der die beiden mm 8eU^ 
sich nMmmenwfaiebettdea Armeen trenni Die Kanmerie-Ditieiooen 
haben allnlhlioh die Front frei gemaefat, iie werden eioh in der 
Begd auf- die FHlgel liehen, nm AnfklSmng»- nnd Sieherongedienst 
in der flanh« ohne ünterbrechong fortsnaetaen, womSglieh aocb 
in den feindUehen ROefcen an aehen, jedenfialle aber aa aeiiig ala 
mSgiieh, wenn irgend angingig, vor Beginn des Aamanehea aar 
Scblaeht, die Anedehnnng der feindli^n Flfigel an erkennen, waa 
fir die eigene Entwielnking und daa Ameliea von hSeheter Be- 
dentong iat, nm ao mehr, wenn die taktiaehe Umfaming aof dem 
Sohlaefaifelde die atratcgiMshen Ma(niahm<m krSnen soll. Die 
Ftthmng wird alle ala Znflufsröbren zum Schlaohtfelde sieh 

zu Nutzen machen, um die Bntwickelnng zum Kampfe möglichst zn 
beeohlennigen, das ruhige Ansetzen zu ermöglichen, in breiter Front, 
natfirlioh mit aurftelqjehalteneD Staffeln und Yerffigungstnippen an 
den Feind zn marschieren. Die Schlachteneinheit, die Division, 
tritt hier spätestens in ihr Recht. Sie mufe den Teil der feindlichen 
Stellung vor sieh erkunden, . sie bedarf der Verbindung mit den 
Neben-Divisionen, zumal auch hiw nicht mehr Rauchwolken an- 
zeigen, wo und inwieweit dieselben engagiert sind, das Meldepersoual 
muffi ein zahlreicheres werden. Alles dies weist darauf hin, dafs die 
Division einer gewissen Zuwei.sung von Kavallerie hedarf, das (-orps 
aber erst recht ausreichender Kavallerie nicht entraten kann. Die 
vielgenannte Broschüre will auch für die Schlucht die Kavallerie 
ganzer Armeen in einer Hand massiert sehen. Aus den Hchkohten 
Napoleons ist diese Lehre nicht herauszulesen. Wir erinueru nur 
an die Dispositionen für Jena. Die Corps-Kavallerie wurde den 
kommandierenden Generalen belassen und von diesen im Allgemeineu 



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I 



271 ^ KavaUeiie im heatigen Krieg«. 

sweckniäiäig verwendet. Obwohl ausreichende Masseu-Kavallehe 
nicht zur Hand war, sammelt Napoleon doch nicht die Kayallerie 
der Corps in einer Hand. Die KafaUerie-Resenre traf Ttrapftfeet ein, 
nur «ne Dzagoner^Difinon konnte gegen die ton der Sehknke 
sorllekgelifliiden Seefaeen noeh rediteeitig eiogreifnu Dab wir heate 
der eehlaehteaeattdieidflnden TUligkeit fon BeitemuMeen skeptieek 
gegenflbefsteken, betonton irir eofaon frflher. Blan duf nicht über- 
sehen, dafa Napoleons TifaiUeQre nur den TorbflUanden nnd 
bereitenden Schleier bildeten, die Entacheidmig durah den Ifaeeen- 
sfeole erfolgte, Kolonnentoktik gegenüber der hentigen reinen Fener- 
tidLÜk mit dem SchfttMnechwanne alf Kampffiirm d«r Infanterie. 
C^ade für kleinere, dem Infanteriekampf sich anschmiegende Reiter- 
Abteilongen ist die Onnst des AngenUiokB im hentigen Gefecht 
noch eine mannigfsltige. Ob fttr den Kürper, den dne Corpa- 
KaTallerie*Brigsde schon bildet, sieh in der Nihe der Torderen 
Kampflinie Decknng nnd in dem für ans herromgenden Kampia 
der Infanterie Raum findet, dürfte sehr vom Gelände abhingen. 
Sind wir anch heate, namentlich auf dem Entscheidnngiflügel, ge- 
swnngen, in grorser Tiefe za fechten, so dürfte der Frontraum einee 
Armee-Corps doch noch immer breit geuQg sein. Um das rechtieitige 
Eintreffen der meist doch rückwärts zusammengehaltenen Gorp^ 
Kafallerie-Brigade an dem Punkte, wo ihr Einsatz erwünscht wäre, 
in Fn^ zn stellen. Nicht nnr Zeit und Ort, anch das Gelände 
spielt im Reiterkampfe seine Rolle und die Brennpunkte des 
Infanterie-Gefechts schliefsen oft, ja meist, den erfolgreichen Einsatz 
von Reitermassen aus, Kavalleriemasson können und werden eventuell 
im Rjiliuien der iSchlacht zum Einsatz gelangen, sei es zum eigenen 
Raumgewinnen — indem ihrem Anlauf Infanterie dicht auffolgt, 
positiver Zweck, sei es um den Gegner am Raumgewinnen zu 
hindern — net^ativer Zweck, in der Hauptsache haben sie eine 
ausbeutende Aufgabe. Sie konneu auch durch rastlose Verfolgung 
beziehungsweise durch Deckung des Rückzuges im Verein mit der 
Artillerie meist mehr wirken, als durch Schlachtenthätigkeit. 

Die Kriegsgeschichte bietet uns zahlreiche Beispiele für die 
Nachteile des Fehlens der Kavallerie bei den Corps beziehungsweise 
ihren nächsten Unterabteilungen. 1870/71 hatte man in Frankreich, 
wie 185y, in Folge des Gedankens, dafs diis Armee-Corps die Kinheit 
fttr den Marsch zu bilden habe, den Divisionen weder dauernd, 
noch vorübergehend Kavallerie zugewiesen, die französischen Heeres- 
beweguugen wniden sebwerfällig. 1866 war in Österreich jedem 
Corps ein KavaUerie-Regiment mgewiesen, seine nächsten Unter- 



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Dit KatmUnri« im hentigeii Kriege. 



272 



AblL'iiuiigeu, den gemischten Brigaden, dagegen nichts. Sie waren 
ratloe, wenn sie, wie z. B. am Tage von Nacbod, TOr dem Feiado 
marschieren sollten (Meckel). Für die Notvendifßteit der Kanüleria 
bei den Corps spricht wobl dM Faktam, dab 1870/71, wo wir doch 
Boboo BeitemiaBieii vor der Fh>iit balfceii, die Divisioiia-Kafallerte- 
Begimeiiiar stark abgenatat wurden, ein Bewda Air ibrea fleUngen 
Gebraadi, dab aaweilen die Divieiona-Ksvallerie Meldnngen foa 
Wichtigkeit bradite, die man fon den KamUerie-Divialonen niebt 
erbalten hatte (8t Qnentin), spreehMi endlicb aneh IfaadTer^ 
erfabningen, die man ja freilich niebt immer, ah ahaolnt bewos- 
kr&ftig aaseben kann. Bejahend oEMbeint nne vor Allem aach eia 
Beriebt TNbitMbegowe Aber die Kavalleiie bei den 11 aadrem in 
Wolbynien, da emeileUs Bnadand als das Laad der BiaMiernng der 
KaTallerlA angesehen werden mnls, «ndeieateOs diese Massierang 
«neb bei den ManSvem in Wolhjoiea snm Aasdmek kam, die 
Ei&bmngen aber niebt sn Andebten so extremer Bichtung in 
Besag aaf Tsreiaignng derKsTsUerie ganzer Armeen in einer Hand 
fahrten, wie wir hier in d«r französischen B^osebSre kennen gelernt 
haben. Bei den Manövern in Wolhynien waren bei der einen 
Armee 50| bei der anderen 54 Eskadrons an je einem Kavallerie» 
Corps vereinigt Diese Maßnahmen haben nach den allgemeinen 
Ansichten der Generale am Schlufo des Manövers sieb auch als 
zweck mäfsig bewährt, sagt Tschitschegow. — Bei den heutigen Waffen 
heilst es £ins oder das Andere, beides zusammen dürfte nicht mög- 
lich sein — n. b. berichtet derselbe aber in demselben Aufsatze, 
dafii die Gegner in Folge der Anlage des Manövers zu Beginn mcht 
weit gcnna: ^'f>n einander entfernt gewesen seien, um die Vorzüge 
dieser Organisation allseitig würdigen zu kr»nnen, da schon am 
1. Manövert^igc, am 6. September, die Gros der beiden Kavallerie- 
Corps auf einander gestolisen seien, der strategische Dienst also 
nicht recht erprobt werden konnte, die Thätigkeit der Ka- 
valier iemasson sich also eigentlich auf Kampf vor der 
Armee und in deren PManken beschränkt habe (woher dann 
das Material für die allgemein anerkannte Notwendigkeit des Zu- 
sammenfaasens zu Kavallerie- Corps während der Operationen?). 
Gleichzeitig konstatiert Tschitschegow in demselben Aufsatze aber 
anch, dafs die allgemeinen Ansichten dahin gehen, dafs 
6 Ssotnien Kavallerie für ein Armee-Corps zu Aufklärungs- und 
Sicherungsdienst zu wenig sein, dasselbe zu 2 Divisionen deren 
vielmehr 12, je 6 für jede Division bedürfe. Wir wollen nicht 
unterlassen, aach darauf hinzuweisen, d&ia die Revue du Cercle milHaiie 



Ijiyiiizca by GoOglc 



273 



Die Kavallerie im heotif^o Kriege. 



im AUgemaneD doch «b enut n nebmeDdes Fulibktt d« 
GebarMudet der mehrfSsch genannten fruu&suehea Brosohtü«, in 
Nr. 51 ue dem »Xavaliden« «diöplnid sa den Sttaen kommk: *Em 
reeum^ on en emTe % eelte eondnrioD, qne Terg^iiiMtkm dee eorpt 
de eavalerie arae poor raeoltat nne plne gnnde tendanoe k nii£ute- 
nMtionc — — Eit-ce him Ib, en fin de oempte, le Imt de Votffmr 
eeüoD de U caTelerie en graadet maiMB aor le efaaaiip de bataille? 
— Et reo aRtfendi & oette eoneliMum, qne b eavalerie diTision- 
naire joaera aenle ki role rentable de la canderie — dana le 
Bens vrai de motc. Anch Spectatear militaire bringt in Sflinem 
Dezember- Heft, in dem Artikel äber die groCsen HerbBtabnogen dea 
]. und II. fransöeiBGfaen Corps, deren jedem eine Kavallerie-DifiaioB 
zu 4 Regimentern und 1 Corps- Kavallene-Brigade beigegeben warait 
auf Seite 491 — 93 Manörererscheinungen, die um so interesaaBtor 
sein dürften, weil sie eben dem Manöver des Landes entstammen, 
welcbes das Geburtsland der mehrfach genannten Broschüre iet. 

SelbstHtändige Kavallerie-Divisionen von der Oberleitnng nach 
bestimmten Richtungen mit bestimmten Zielen losgelassen, für die 
eigentliche Operation nicht in sichere Verbände gefafat, Zuweisung 
ausreichender Kavallerie an die Corps bezieh unr^sweise auch an die 
Divisionen, wenn wir es mit FlOpel-Uorps zu thun haben, wiilirend 
bei den mittleren Corps in der Marachbewegung die Corps- Kavallerie 
ausreicht, Festsetzung des Mindcptmafses der den Divisionen zu- 
zuweisenden Kavallerie, das dfirften, im Gegensatz zu der extremen 
Massierungsbrnndung der trauzösischen Broschüre die Richtschuur 
für die Gliederung und Verwendaug der Reiterei im heutigen 
Kriege bleiben müssen. 

18. 



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XVL Taktische Eückblicke 

auf die Schlachten des deutsch-französischen Krieges mit heson- 
derer Berücksichtigung der Verwendung der Artilleria 



(SeUnfiL) 

Unter Znrücklassung starker Abieilangen in den bisher be- 
setzten Ortschaften waren die Franzosen am Vormittage des 
11. Dezember, von deu Vortrujipen der Armee-Abteilang unbemerkt, 
abgezogen. Eine Thatsache, welche durch die Jahreszeit, un- 
günstige Witteruni^svc rhältnisse und die Erwartung einas neuen 
Angriffs vielleicht erklärt und entschuldigt wird, immer aber die 
Wachsamkeit der deutschen Vortruppen nicht in das hellste Licht 
stellt. Erst gegen Mittag wurde der Rückzug derselben vor dem 
linken Flügel der deutschen Stellung durch die Vortrnppen des 
X. Armee-Corps entdeckt und nnumehr die 19. Division auf Josnes,^ 
die 20. weiter südlich zur Verfolgung vorgeschickt, während der 
i'rin/. I riedrich Carl auf lirund der bezüglichen Meldungen an» 
ordnete, dafs am 12. das X. Armee-Corps bis Mer, die Armee- 
Abteilung südlich des Waldes von Marchenoir, die 4. Kavallerie« 
Division nördlich desselben vorzugehen habe, um festzastellen, ob 
di« Loire- Armee auf Veodome oder Bleis absiehe. Dm jetii ein- 
■etMnde Thsowetter enehworto die Truppenbewegungen im hohem 
Gnde und nelirto bei den nr&dcgdiQDden Qegner die Zeiehea der 
AnllBnuig. 

Biß warn 18. Daeinber wurde Bleie beeetit und feetgesteUt, 
deüi der BilelDug der FVeuoeen gegen den Loir eifiilge, einer 
Rechtonohiebnng der Armee mithin hdn Bedenken mehr entg^n- 
etebe. Am 14» eoUto denn 6m Üb Her nnd Sadnet Torgegamgene 
X. Armee^orpe Bloie beeetien nnd gegen den CSne-Bedi vorgehen, 
bei St Oi^ eine Brfleke geichlagen werden, dae IX« Corpt mit der 
6. Kenllerie-Divirion aber enf dem linken Loire-U&r veotbleiben, 
bis die dortige Brficke wieder beigeetoUt sein wfirde. Femer aoUU 
dM m. Armee-Corpe mit der 1. Kandlerie-Difision bis MaTes, die 



275 Taktiaeh« B&ekbliete mf d{t SeUMfatmi dM dmteeh-firaas. Krieg« 

AmMe-Abteiliing mit dem linken Flligol auf OnoqnM, mit dem 
rechten anf MoHe voiracken. Die dentMhen Trappen elenden 
somit Bwieehen Gloyes nnd dem Cher mit ihnn Spitm Aber die 
Strebe von Blois nech Cfaateendmi hinans, und kmn ee in Folge 
dessen auf dem rechten Flflgel bei Morte nnd IMttfnd an Zur 
sammenstöben mit dem Feinde. 

Dab das Gelände, inebesondeie der Wald von ManMioir, aber 
auch die nnganttigen WitterangsvethültDisee nnd die dnrdi das 
llianwetter grnndloe gewordenen Wege die Verwendung der lahl- 
reichen EaTallerie nnd damit die Aufklärung sehr beemtriditigten, 
unterliegt wohl keinem Zweifel, dennoch durfte ee Angseiclito der 
nnyerkennbaren Zeichen Ton AnflSenng in den Reihen der snrnok- 
weichenden Loire-Armee, trots der nodi unzureiGhenden AnsrOstong 
mit SobubwaffisD, nicht unmöglich gewesen eein, dem Gegner .mehr 
Abbruch an tbun und eeinen Abaug in nordweetlicher Bicbtong 
schneller festsnatellen ab geechdieD« 

Aue den bis anm 14. eingegangenen Meldungen editofa dae 
Ober>Eommando der II. Armee, dab General Gban^ aiii Loir von 
neuem Widerstand leisten wode, in deesen Bewältigung das dnroh 
Gewaltmirsche stark angestrengte nnd einee Ruhetage sehr be- 
dürftige IIL Armee-Corps fikr den 15. Dezember allerdingB wohl 
Tcrsammelt, dagegen dae X. znm Eingreifen keinenfalle rechtaeitig 
herangezogen werden konnte. Da überdies audi die Armee-Abteilung 
groCse Anstrengungen zu überwinden gehabt, so bestimmte Prins 
Friedrich Carl, dafs für den 15. jede ernstere BerOhmog mit dem 
Feinde zu vermeiden sei, das lU. nnd X. Armee-Corps an den 
rechten Flügel desselben heranzurficken habe und das IX. sidi in 
Blois auf 1 Brigade verstärke. Diese Bewegungen führten aneh 
bei den vorderen Abteilangen der erstgenannten beiden Corps an 
Gefecbt«n, denen erst die Dunkelheit ein Ende machte, dsgsgen 
bewahrte der rechte Flügel, die Armoo-Abteflung des Qrobhtnogs 
TOD Mecklenburg, die beobachtende Haltung. 

Am 17. beabsiclitigte der Prinz den Angriff zu dem Entscheidungs- . 
kämpfe nnd befahl dieserhalb für den 16. das Anfschliefseo der 
Armee-Abteilung in sich, dem X. und der Avan^arde des III. Corps 
die Vortruppen des Feindes zurückaud rängen, während der Rest dos 
letateren bis Villetrun, das IX. ansschlief^licli der in Blois zurück- 
zulassenden gemischten Brigade bis Villeromain vorrücken, die 
6. Kavallerie-Division zwischen diesem Orte und Pinoche eintreffen 
sollten. 



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mit beaond. B«rikk*i«htiga]ig der Verwendang der Artillerie. 276 



Auf SefteD d»r Franioeen wann Abteilungen des TVL Corps 
BMdi d«r Binaraiig fon Bloii Mf 8L kamod. lorfic^gegangen, aÜe 
•ndenn Teile der II. Loira-Aimee twieelieii Venddme und Gloyea 
Tereinigt, doch geilattete der ZmUod der Trappen nieht den Angriff 
der Dentaehen nbsnwarten. Im Laufe der Naelit Yom 16. an 
17. Deaember tral daher der leehte Ullgel and die Bfitte dee XVII. 
and eine Dtvideii dee XV. Corps über Montoire und StCakde, der 
Unke Flfigelf das XXI. Gorpe, fiber ^biaiye den weiteren Blleksag 
aof Le Ifans an, wobei letitsres, nachdem es lonidiit irrtümlich 
noeh bei FMtdtal Terblieben und sogar anm Angriff wieder Tor- 
gegangen war» bei Horfie in ein Gefeeht Torwiekelt worde. 

Naeh den vom groben Haoptquartier eingegangenen Direktiven 
kam ea nonmehr daiaof an, die geschhigenen Heere des Qegners 
nachlialtig sa verfolgen and für längere Zeit aalmr Thiügkeit so 
setaen« ohne sieh, vor dem Falle von Paris, an weit gegen Sfiden 
nnd Westen aossodehnen, andrerseits naeh den andanernden Miraehen 
nnd Ktanpfen den in ihien Gadrse erheblieh geschwiehten Thippen 
die nMige Bnhe an gewUirsn. Die 82. Division aihlte s. B. dnrch- 
eehniltHeh nieht mehr als S50 ICann per Bataillon nnd beaab nur 
noeh 2 gefeehtsfahige Batterien. Bei der 17. Division besafaen bei 
einaelnen Compagnien an 40 Mann kein Schahwerk mehr nnd 
1 Batterie war darch Infloensa der Pferde gefechtsanfthig. Die 
Kopfttirk« belief sieh bei der 17. Division noeh aof 6800, bei der 
28. Division aof 5870 Köpfo. 

Ohigmi Weisangeo entsprediend wurde der Armee-Abteilong 
die Yerfolgang der II. Loire-Armee, dem dnroh die 1. Kavallerie- 
Division veistirkten X. Armee-Corps die Besetsang von Blois nnd 
ein Yoistols gegen Tonrs fibertrsgen. Das Aasseheiden der enteren 
ans dem Verbände der IL Armee nnd ihre Unterstellnng direkt 
nntar die Befehle des groben Haaptqoartiers war eine Folge dieser 
Anordnungen, denen sich die Bflckkehr dee IX. Armee-Corpe Aber 
Beangency in die ümgebangen von Orleans, dee III. Über Mer in 
die Gegend awischen Beangency nnd OrUans, nnd der 6. Kavallerie- 
Division nach Conlommiers anschlob. Die 4. KavaUerie-Division 
veridieb awischen Binas nnd Fr^t^val, die 5. wnrde von Chartres 
naeh Chateaudnn voigesogen. Die IL Armee sollte Orleans com 
Xoqiangspnnkt ihrer Operationen machen, wShrend die Armee- 
Abteilang nadi Yollffthrnng ihres gegenwSrtigen Anftrages vrestlich 
von Paris, bei Chartres Aafstellang zn nehmen hatte, am die Üm- 
gebangen von Pm»s frei vom Feinde sn halten. 



277 TaktiMbe BOekbUoke auf di« ScblMbteo Am 4iiiMi4wts. Eriegci 
« 

Am 17. Denmber moigent ging denmseh die 88. Diviaini an 
der Stralse nach Calaii vor, ohne auf den Gegner wo. tnffen, der 
aotcheinend nnr doieh eterke lUrBche wieder «iniHiholen ivar. De 
jedoeb der Zaifamd der Trappen Sehonimg erheimlite, lo eniiehlob 
sich der Grolaheriog, in der eingfloommeaeii Stelliuig sn bdda 
Seiten dep Loir in verbleiben and demn&ebrt all Oberfarae ahsn- 
ritoken. Batsehlab, welcher rfieikeiehilicb der Infinitem in dar 
Kriegah^(e und den bisher den IVappen ngenrateten Anaferengongen 
seine volle Begrandnng fand. Was die Kavallerie anbetiüa, so 
glanban wir, dab sie noch in der Lage war, die Verfolgnng foii- 
setMn sn können, und dals dies, wie das Eingrdfen des.6. EavaUarie- 
Divialon beweist, nicht ohne Nation geschehen sein würde^ I>isse 
war, mit der 4 Eavallerie-DiTiBbn anf dam reekten Elfigal der 
Armee-Abteüang Verhindang haltend, bis an den Yövre-Back vor- 
gegangen. Hierbd stiele sie in der Linie Ifondoahlean— Hontmirail 
wiederholt auf den Gegner. Emiehte sie bei 'den nngflnetigen 
Witterongs- nnd BodenverhKltnissen anch keine nennenswerten 
Erfolge, so beförderte ihr Dringen doch die Anflfisnng beim Feinde, 
der unter denselben ongfinstigen VerhUtnissen in noch stibrkerem 
Mafse m leiden hatte. Bin ^eichieitiges yorgehen heider EaTBlleri^ 
Divisionen in Front and Flanke wfirde seine Lage nnstieitig noch 
wesentlich verschlechtert haben. — Als dann die Annee-Ahleilnng 
am 81. Desember ihren Abmarsdi anf Ghartres antrat, rfickte die 
erstgenannte Division nach Nogent le Rotioa, aaf Befisihl des grofsen 
HaoptqaartierB aber schon am 88. von hierans wieder auf Hondao 
ab, wogegen die Armee-Abteilung am 84. in der Linie Chateaonenf 
— Cbartres — Bonneval, die 8. Kavallerie-Division in der Linie Bonne- 
val — niiers Aofstellong nahmen» Hier worden in den folgenden 
Tagen die Beklddnng und AnsrQstung wieder in kri^sbranchbaren 
Stand gesetzt, der aus der Heimat eingeirofifene Nachaohnb ein- 
gestellt und in Folge dessen die vom L bayerischen Corps zur Ver^ 
stirknng gestellten Truppenteile zu ihrem Corps zurückgeschickt, 
dagegen 2 schwere Batterien des XL Corps von der 6. Kavallerie» 
an die 22. Infanterie-DiYision abgegeben. 

Inzwischen hatte die vom X. Corps bei Vendome mit der 
Beobachtung des Ge^^ners beauftragte 80. Division am 17. Dozembw 
bei einem Vorstofse in der Richtung auf T^c Maus kleine Vorteild 
errungen, eine andre Abteilung gleichzeitig Blois beeetiL Mit den 
übrigen Trappen gin^' General v. Voigts-Rhetz gegen Tours vor 
ond warf in einem Gefecht bei Monnaie die französischen Truppen- 
Corps Korück, nahm aber von einer Besetiong der Stadt Abstand. 



. j _ by Googl 



mit fatewMid. Barteknehtigong der Verwendung der ArtiUeriA, 



278 



Am folgenden Tage rereinigte er dann die 19. Divieion in Blois, 
Herbftvtt uul Umgegend* Sebon am 28. ninfoie aber die 40. Brigade 
▼on HeibMiU auf Yeiiddme abrGeken, wo der Feind vor der ¥Vont 
der SO. Division an Braye-Baeb, iwiaeben La Gbartre nnd Cbateaa 
du Loir. sowie bei NeoiU^ Pont Pierre stirkere Krifte sn seigsn 
begann, am 86. bei Montoire sogar ein ungünstigeä Gefocbt statt- 
gefenden batte. Zngleiob waren aneb die am 30. bei Monnaie 
gewoffenen Abieiloiigea wieder vorgegangen. Kaum waren die 
40. Infimtarie- nsd 1. Kavallerie-Brigade bei Venddme eingetroffen, 
ao griifen scbon am 81. Deiember, 8 framösiBebe Divisionen von 
Awaj nnd Meeange ans Sfsteren Ort an. Ein Yontofii der genannten 
Truppen mnlate vor überlegenen KrSften auf die HanptsteUnng 
tnrflokweiebea, welobe alle Aagrüb des Gegners vorsngswdse durch 
ibre Artillerie abwies, wodurch dieser sehlieblioh veranlalst wnide, 
unter dem Schntae der Dunkelheit wieder abiusielNn. 

Um &ber die bei Bourges vereinigten firansSaisehen Heeresteile 
Auf kliruDg zu sehaSbn, ordnete das Ober-Kommando sn dieeer Zeit, 
sngleieb mit dem ZurfiekiiebeA dee I. bayerischen Corps nach Etampes 
behufs Betabliemng, eine Bekognosrierung fiber Gien hinaus an. 
Die in Folge dieser Unternehmung beim groben Hauptquartier ein^ 
gebonden Beriehte über das Verhalten des Feindes im Verein mit 
den Ereignissen bei Vend6me filbrten an der Annahme, dab die 
BVanioeen einen Vontofa mit der L und IL Loire-Armee von 
Bourges und Le Mens sogleich gegen Paris planten nnd veranlaisten 
das grolse Hanptqnartifir am 8. Janoar die II. Armee ansu- 
weisen, die Olfonsivo gegen dis I. Loire-Annee wieder anfaunehmen, 
während Teile des Einsehliebungs-Heeres mit dem VIL Arme^Gorps 
den General Bourbaki aufhalten sollten, fiüls er versnoben wurde 
im Loing-Thale vorsudringsn. 

Bei dem Vormarsoh der IL Armee vom Loir g^gen Le Maus 
wurden die Mabnahmen des Ober-Kommandos durah Ellcksiebten 
besinflubt, -weloho mnenseitB in dem Wunsohe den Feind su iiber^ 
nseben, andrerseits in der Jabresseit, der Witterung und der Be- 
achaffenbeit des Gelftndee swisehen Loir und Sarthe ihre Begründung 
&aden. Diese Veriiiltnisse, in Verbindung mit dem schleohten 
Zostande sller Kommunikationen und der Unwegsamkeit des Ge- 
lindes aoberhalb der Wege, wiesen die Heeresleitung darauf hin, 
den Marsoh gegen Le Mens mSgliohst unter Benutsnng der dort- 
hin führenden grCberen Stiuben in mehreren Kolonnen anautreteo. 

Das sn durdudehende GeBSade swisohen Loir und Sarthe bietet 
dem Vormarsch durch seine Gestaltung grobe Sohwierigkeiten und 



279 Taktische BAckblieke aof die SchUehten des deatecb-finuu. Krieges 

beg^nfltiprt die Verteidigung in hohem Mabe. HochflSchen und kkine 
Bergzüge yon dQrehacbiutÜidi 850 Ftab H5he und derflber wadiadn 
mit tief eingesdiiiitteiieii mif der Sohle breiten, waaeeReiehflii Tbileni, 
welche den gfofoen WanerÜnfen nuiehen. Znm gHlberen Teil 
flbenns fruchtbar, ist der game Laadstrich an den AbbSogen mit 
Weinpflansangen, in der Ebene mit Obifcpkntagen, Gemüsegärten, 
Paikaakgen nnd Waldpanellen bestanden. Zoeammenhingende 
grölsere Ortocbaften feUen ginilicb, da in Folge rationell dnidi- 
geführter FaneUierang des Grond nnd Bodens die Wohnnngeo, 
Landbftnser nnd BdeUtm der Bewohner inmitten ihres von Hecken, 
Willen, Ifanem oder ZSnnen mnschlossenea Besitaes liegen. Sie 
erschweren die Abersicht über das Gelinde wie die planmUmge 
Entwickeinng grOberer TrappenkSrper nnd bilden flberall Abeehnitts 
and EinselsteUnngen, in denen seihet mittolmüsige Trappen hintsr 
Deoknngen nachhaltigen Widerstand leisten können. Trat die 
Überlegenheit des Ghassepot-Gewehrs hier mehr snrttok, so lieb 
sich die lütrsiUeose dafür nntsbringend verwerten. AUe Straben, 
mit Ausnahme der groben Chansseen, bilden tief eingeechnitteoe 
Hohlwege« welche, swisehen Wallheoken dahinlaafend, selbst dem 
Reiter die Übenicht Terschlieben. Bei nasser Jahresseit bilden sie 
Wasserrinnen, bei Schneetreiben den Ablagerongsort für tiefe Wehen 
and beschrSnken in gleicher Weise, wie der fette, tiefe Boden, die 
Thitigksit der Kavallerie nnd Artillerte. Selten konnte letsters 
daher ans diessm Grande nnd in Anbetradit der geringeren Stirke 
der Tensehledenen Sffarscb-Kolonnen, in gröberen Massen entwickelt 
werden; in der Regel war sie anf die Tbitigkeit einielner Batterien 
nnd selbst Zfige besehrinkt. 

Ans dem Gesagten nnd dem Umstände, dab unter diesen Ver» 
hiltnissen die Gefechtsleitiing durch die höheren Führer eine sehr 
erBchwerte war, dagegen dem selbststiadigen Handeln der oiedersn 
Chargen ein weites Feld eröffnet woxde^ ergab sich, dab die KimpH» 
swisehen Loir und Le Maus, wie die Schiebt bei Le Mans selbst, 
nur ans einer gröberen Zahl von aum Teil von einander unsb- 
hingigen Eänadn-Gefechten bestand, welche lehrreiche Beispiele für 
die uns in erster Reihe gestsUte Aufgabe, Verwendung der Artilhris, 
nicht bieten. Wir versiebten daher darauf, diesen letaten Abschnitt 
des Loire-Feldznges in den Kreis unserer Betrachtungen an sieheD 
und beschlieben dieselben mit einem kurien RfickbUck auf die Eot- 
widrolung der Taktik der Artillerie im Laufe des ganien Feldsoges 
gegen die Armeen des Kaiseneiches und die Massenheere der Re- 
publik an der Loire. 



mit bernnd. Berftcksicbtigong dar Verwendniig der ArtiUeri«. 280 



In Jen Scblufsbetrachtungcn des ersten leileh IjuIhii wir schon 
darauf hingewiesen, wie sich im Laufe der ersten Periode des 
deutsch-französischen Krieges das einheitliche Zusammeuwirken, die 
wirkuni^svollstc Rollenverteilung beider Hauptteuerwafleu, der In- 
lauterie uiul Artillerie, aus den schwachen Anfangen in den Schlachten 
bei VVörth und Spich eren (Einleitung derselben) zu der muster- 
jl^ltigen Verwendung (namentlich beim Garde- und V. Corps) bei 
Sedan herausbddet*;. Machte sich in den Uegegnungskämpfen der 
ersten Schlachten dieser Periode, rücksichtlich der schnellen Ent- 
wickelang der Artillerie der Armee-Corps und der Unterstützung 
der Infanterie-Divisionen durch die zogehörige Artillerie, ein nach- 
teiliger Einfluk der Corps -Artillerie geltend, so trat Solches bdi 
Sedan naturgemtifs nicht mehr in die EIrscheinung, weil die Schlacht 
eine geplante und somit die Möglichkeit gegeben war, die Artitterie 
in der erforderlichen Starke entweder hinter den Fronten bcntt m 
stellen oder auf diejenigen Anmarsch straCsen zu setzen, wo lie TtMf* 
aussichtlich znr planmäßigen Verwendung gelangen wdide^ Unter- 
stfitzt wurden diese Anordnungen in einzelnen EtUlen dmüh ßM 
schneidige Vorgehen dieser Verbände, wovon der Anmaneh der 
Corps -Artillerie des Garde-Corps von Garignan nnd der Anfmaneh 
der gesamten Artillerie des Y. Corps hei Fleigneux glänsend« Bei- 
spiele liefern. 

Aus dem Verlauf der Schlichten diner Periode haben wir 
gefolgert, dafs die Formation einer Corpe-ArtiUerie den Anfoidemngen 
des Begegnnngskampfes nicht entspricht, weil die Gefeohtsleitang 
io diesen FUlen nkfat im Voraas wissen kann, welche Maisoh- 
holonne merst anf den Febd treffen, wo somit ein Mehr an 
Artillerie ebsnsetseii sein wiid.*) Hinfig wird dann der Fall ein- 
traten, dab, wie bei Spieheren und YimifiUe, die Oorps-Artillerie 
aof die lUsche AnmMnKhskrsfce gesetrt, oder» wie bei Golombey— 
Ncoilly nnd Besomont, sn weit rftckwirts lagert oder in der 
Marsoh-Kolonne eingeteilt ist und die vorderen Dirisionen in Folge 
dessen in eine nngilnstige Gefeehtslage geraten* Haben sich solche 
Venögeningen in der Entwickelnng einer tbeilegenen Artillerie 
Iber berdts in den Schlachten des dentsch-iianiasischen Krieges 
empflndlich fUilbar gemacht, um wie viel leichter Icann sie in 
kflnftigen Kriegen verhingniSToll werden, wenn Ungleichheiten 
mancherlei Art, in der Bewaünnng, Ausbildung und taktischen 
Sehnlung der sich gegendbenteheuden Armeen ausgeglichen sein 

•) Aoin. d. Verf. Aach von ScherS spricht sich in seiner I^bre von der 
l^q^-T^weDdnng Ar die AofhabuQg der Corpe-ArlOlerie aaik 



281 Taktiadw BAAkblkke auf die SflUMbten d« d0Btsch-taDi. Kikg« 



werden, Mehrlader, rauchloses Pulver und die gesteigerte GeschoCs- 
wirkung der Artillerie andere Gefechtsformen gezeitigt haben, da« 
höchste Mafa von Auflösung aller in den erweiterten Feuerbereicli 
des Geguers tretenden Truppen -Verbände die Kogel, Aufklärung und 
Gefechtsleitung im hüchsten Mafse erschwert sein wird. Dann wird, 
wenn die Infanterie iu den langdauernden einleitenden Kämpfen 
nicht aus der Hand der Führung kommen und sich verbluten soll, 
zugleicii um den langen schwankenden CTefechtsfrouten den nötigen 
Halt zu geben, frühzeitig eine möglichst starke Artillerie entfaltet 
werden müssen. Hierzu bedarf es einer starken Divisions- Artillerie, 
welche auch das Mittel bietet, die Avantgarden -Artillerie, ohne 
Lüsung des Abteilungs-Verbandes, aiiLrcraes.seu /.u verstärken, vor 
Allem aber der Autlösung der Corps- Artillerie und der Verteilung 
ihrer Batterien auf beide Divisionen. Ein Beispiel dieser Art bietet 
die Artillerie des I. Armee-Corps in der Schlacht bei Colombey — 
Nouilly, welche dadurch nicht unwesentlich zu den Erfolgen dieses 
Tages beitrug und die Fehler beim VH. Corps unschäillich machte. 
Man wird uns vielleicht einwerfen, dafs die Divisions -Artillerie seit 
dem letzten Kriege um 2 Batterien verstärkt warde, dasselbe ist 
aber auch bei unseren voraussichtlichen Gegnern geschehen und nach 
wie vor wird es darauf ankommen^ sobald das V'orterrain durch die 
Avantgarden-Infanterie gesichert worden, möglichst schnell die 
Feaerüberlegenheit su erreichen. 

Macht die Kriegs- oder Oefeehtslage das Ausscheiden einer 
Corps-Artillerie oder die Vefsürkong der Artillerie d«r einen 
Division wUneehenawert, dann liegt ei noch immer in der Hand dee 
Corps-CommandenifS, die beaflglidien Anmdnnngan in treffen, eine 
Corpi-Artillerie an formieren, wie dies bei den andern Waflen riok*- 
sichtlich dar Reeerren immer flUioh gewesen ist Bei der Artillarie 
ist solches sogar leichter dnrobffthrbar als bei jenen, weil diesem 
einmal eingesetst, nnr sdur sehwer wieder miQckgezogen wardm 
kdnnen, wogegen ihnliehe erschwerende Verhiltnisas bei der Artflkria 
flberhaapt nicht besteben, da sie in jedem Angeobliek, wenn die 
Verhftltnisse nicht fiberaos nngflnstiga sind, selbst ans dem Ctahnta- 
kampf zurückgezogen und an anderer Stelle wieder eingesetat werdM 
kann. Die Corps-Artillerie lediglich als ein Verlmidnagnnittel 
swischen beiden Infanterie-Dinrionen an bonntaen nnd dsfifar alle 
ans dieser Anordnung reanltierenden Nachieile in den Kanf la 
nehmen, scheint ans dann doch «in Lnzns, den wir nnS| wenn 
wir die Einwurfe gegen ihr Bestehen als an Becht bsstehend anai^ 
kennen, in jetziger Zeit doch nicht gestatten k6nnen. 



Digi.L.Lo Ly Google 



flrii bcMDd. Bertelni«ktigiog dar VnwMidaiig der Artillerie. 



282 



MindesteDS ebenso wichtig erscheint nns der unznstrebenclp 
enge Verband zwischen der Division und ihrer starken Artillerie. 
In den ersten Schlachten des deutsch-franzosischen Krieges, bis 
stelleinveise zum Schlufs dieser ganzen Periode, vor Allem in der 
Schlacht bei Wörth, machte sich das lockere Gefiige zwischen 
der Division und ihrer Artillerie denn doch in recht bedenklicher Weise 
fühlbar. Wir wollen gern zugeben, dafs der Wiederkehr ahnlicher 
Fälle durch die Neuorganisation und die Unterstellung der Artillerie 
nnter die General-Kommandos für die Folge vorgebeugt sein wird, 
im Interesse der innigen Verbindung und der harmonischen Ver- 
wendung der beiden Feuerwaffen müssen wir aber besonderes Gewicht 
darauf legen, dafs die Divisions-Comnmndeure mit dem Wesen und 
dem Gefecht der Artillerie sich gi ündlich vertraut machen und das 
ist nach unserer Überzeugung durch jährlich einen Besuch auf dem 
Schiefsplatze und einige Manöver-Tage nicht zu erreichen. Dazu 
bedarf es der Unterstellung der Artillerie unter die Divisionen auch 
bereits im Frieden, um volle Klarheit zu schaffen und dem über- 
triebenen Aufgehen der Artillerie in der Masse, wie es die Schlachten 
bei Wörth und die Schlacht bei Gravelotte — I. Armee — uns 
vorfuhren, ein Ziel zn setzen. 

Diese Betrachtungen noch weiter auszuführen ist hier nicht 
der Ort, wir verweisen dieserhalb auf unseren Aufsatz: »Die Glie- 
derung der Feld -Artillerie im Verbände des Armee-Corjisc *) uiui 
kehren zu unserer Aufgabe zurück. Wie in der geplanten Augriffs- 
schlacht, 80 ergehen sich auch in dem ersten Kampfe, den in diesem 
Kriege eine deutsche Armee verteidigungsweise in vorbereiteter 
Stellung zu führen hatte, in der Schlacht bei Noisseville, keine 
Nachteile aus der Formation der Corps -Artillerie. Sie erwies sich 
im Gegenteil, dem ihr noch anhaftenden Charakter einer Reserve- 
Formation entsprechend, als recht nützlich, indem sie von Haus ans 
die Bereitstellnng einer geschlossenen Truppe für die Verwendung 
Ml besonders bedrohten Stelleu der Verteidigungsfront erleichterte. 
Wir k<m>mai indessen auf unsere frühere Bemerkung zurück, dafs 
die Verteilung der Artillerie auf beide Divisionen das Ausscheiden 
«ner Coorps-Ariillerie für besondere Gefechtsauf gaben der geplanten 
AngriflEs- oder der Defensiv-Schlacht keineswegs ausschUefst, und 
dale aomit auch anf diese Weise für diese Zwecke eine entsprechettile 
Artülflrie kereit gttsIdUt werden konnte. Auch die späteren KSmpfe 
aa der Loire bestitigen eineiieitB die Insberigen Erfahrungen, 



*) iBteraatiooal« Revue ftber die gesamten Armeen ond Flotten, Jani biH Augiut. 



283 T»ktiiche BftokbUoke aof die SohlMhtaa 4ei deatoch-firaa». KrugM 

andrerseits beweisen sie die Vorzüge einer verstärkten Divisittns- 
Artillerie und lassen im Vi-rbandt- der Arinee-Abteilnng des Grofs- 
herzogs von Mecklenburg bei der 17. und 22. Division den Mangel 
einer Corps-Artillerie oder dieser äliulichen Formation nicht her- 
vortreten. Ob dagegen nicht eine weitere Verstärkung ler Artillerie 
dieser beiden Divisionen über die vorhandene Zahl von 6 Batterien 
iiinaus augeuchiu empfunden worden sein würde, lasaea wir dahin 
gestellt, sollten es aber meinen. 

An der Loire hatten die eigenartigen Verhältnisse, die nume- 
rische grosse Überlegenheit der französischen Neuformationen, Ab- 
weichungen von der bisher üblichen Truppen-Einteilung nötig 
gemacht. Die schweren Verluste der ersten Periode des Feldzages 
hatten darch Nachschübe nur teilweise ersetzt, die Lücken an 
Offiiieren und anderen Chargen aber überhaupt nicht wieder gedeckt 
werden können, die Notwendigkeit, einen verhältniamaiisig greisen 
Landesteil mit schwachen Kräften sichern zu mOssen, die Bildang 
kleinerer Sinif-dorps gefordert. In allen Kämpfen gegen die tum 
Teil drei- nnd vierfache Überlegenheit mubten femer, um der Gefidir 
der Überflügelung zu begegnen, die Gefechtafironten übenngfsig ver- 
längert und entsprechend dSmi beaetet werden. Um diaioa die 
nötige Widentendalahigkeit ni verieilien, req>. üm Qefedikdaaft n 
fltfligeni, hatte man die Divinoiia-ArtUlerie Tenttrlct, dttin andi 
heim L bayeriaehen Corps wareii jeder Inluitn^IKnnoo 8 Baft- 
teiwn der ArtiUerie-ReaerTe sogetoiU und entae dadiunoh ehanfdla 
anf 6 Batterien gebiachi Aach als später die 17. imd 22. DiTiaion 
das XUl. Ck>ipa bUdeten, Terblieban jeder Dhiaioii Ihre hiaherigen 
6 Batterien nnd wnzde von einer Corps -Artiflefie ToUatindig ab» 
gesehen. Berftekaichiigt man, dab die hdaaterie-DiTiaioneii wenig 
mehr ala die HSIfte dar etatamüaigen Kopfttibken aShlten, ao wflrde 
den normalen EtatareihiltiijaBen der Lifanterie eine Divisiona- 
Artillerie von etwa 10 Batterien entapreohen, wie aie lieh gegen- 
wärtig hei Anflfisnng der Corps-Artilkrie und Yerteilimg ihrer 
Batterien auf beide Diriaionan ergeben wQrde. Bemerkenswerte 
Naefateile aind, wie bereits oben bemerkt, da, wo die Artillerie nadi 
taktisch richtigen Onndafttaen verwandt wnrde, in Folge dieaer 
Einrichtung nieht sn Tage getreten. Sie hat vielmehr die früh- 
zeitig t; ESntwiekelnng nnd einheitliche Leitung der Artillerie der 
17. nnd 22. Division hei Loigny nnd Beangenej, ao weit diea dher^ 
hanpt anafllhrbar war, aichergeateUt nnd glanhen wir hieranf die 
geringeren Verloste der Infiuiterie dieser beiden Diriaionen, im Ver- 
htttnia an denen dea L hayeriaefaen Corps, znröekfthren an rafiaen. 



mit besood. Berücksichtigaug der Verwendung der Artillerie. 284 

D» ferner die Antdebirang und dfinne Besetzung der Gefechtsfronteu 
die Dnadie muran, welche die Verstärkung der Diyisions -Artillerie, 
der bei der 17. und SS. Division allerdings in der Gorpa-Artillerie 
die Beeerve fahlte, ine Leben rief, so ist das fnr nns ein Grand 
mebr, die Lebren des Loire-Feldzaget su beherzigen, denn auch in 
der ZnkimftttfllilBeht werden Ihnliehe Verh&ltnisae Torherrschen. 
Anch hier wird die Aoedebnung der Gefechtsfronten eine sehr 
grolse, ihre Beeetanug nur dne d6nne nnd dem «itepiediend 
aehwankende sein, welche der Festigaug durch eine sfcar)n Artillerie 
nieht eutamten k»nii. 

Von der ftbergroliwn Maseiening der Artillerie, wie wir sie 
unter dem Dmck der Ereigniaae und dee GeUndes bei Wörth, Grave- 
lotte nnd Sedan geeehen, wird man ans demselben Grunde ohnehin 
abaehen und iidi wabradieinlieh auf die Bildung kleinerer Gruppen 
beochrSnken mttsien. Trots der grofaen Schubweiten der modernen 
Artillerie wird in der Znkunftaacblacht im Oentmm maesierte 
Artillerie nicht in der Lage sein, den Flfigdu der Corps gegen- 
ttber eine Feuerwirkung auattben su können. Was ist dann natflr- 
lidier als die Formation von Gruppen der Dirisions-Artillerie oder 
der Regimenter? Es scMielat dies nicht au8| dab, wenn im Laufe 
der linger dauernden ^nleitnngakEmpfe die Gefechtaleitung über 
die ISnbrucliastelle achlllssig geworden sein wird, die dieaer an- 
niefast stehende Artillerie-Gruppe auf Kosten der andern Teratilrkt 
nnd unter einheitliehe Leitung des Brigade-Oommandeors geeteUt 
werde. — Noch ein anderer Umstand tritt hinzu, der eine starke 
Dirisions-Artillerie fftr die ZukunftsscUacht noch bedeutungsvoller 
macht als ftr die KSmpfe froherer Kriege. Angeaiehta der in Zu- 
kunft durch Raum und Erkenntnis der Gefeohtslage erschwerten 
Qefechtsleitung wird die Entscheidung häufiger ab bisher aus der 
Initiative der vorderen Gefechtslinien und der Unterffihier berror- 
geben, deren Sicherung für die weitere Ausbeutung dnicb die 
Gefeehtsleitnng in erster Reihe Sache der Diviaions-Oommandeure 
sein wird. Hierin bedürfen sie der Verfügung Aber ihre Artillerie 
im Verbände der Division, um diesslbe rechtieitig an betreffbnder 
Stelle einsetien an können. (Scblaeht bei Sedan, SSehsisohee Corps 
mittags 11 Uhr.) 

Hiermit sclüieben wir unsere Betrachtungen über die 2. Periode 
des deutaoh-lransösischen Krieges, die KSmpfe an der Eioire gegen 
die liassenheere der Republik, indem wir der Überaeugung Ausdruck 
geben, dafs die Zukunft der Artillerie in der Auflösung der Corps- 

lifc rt lii w llr «• Piiürti Jumm «4 MwIm. S«. UU, S. 



286 



Reglementarische Stadien. 



Artillerie und der Untentelliing der beiden HSlften der Batterien einei 
Armee-Corps unter die beiden Diviaionen ni sodien sein wird.*) 

Eine notwendige Folge der Überweirang der gesamten Feld- 
Artiüerie der Annee-GorpB an die Dirisbnen, wfiide von ▼om bereiii 
die AneadiUeliiong der Wnrf betterien« wie sie nenerdings mebrfMih 
wann befürwortet wird, aas deren Verbände sein. Sie wfirden« 
wenn daa Bedlirfhia ibver AnÜBteUnng anerkannt werden aoUte, in 
der Geatalt von Sonder-Battflrien den yerwsbiedenen Armeen n 
fiberweiaen sein. Weiter nna dber dieiea Tbema an verbreiten dürfte 
bier nicht der Ort sein, wir behalten ans eine Brdrtemng der Fhige 
Ar eine apitere Zeit nnd eine besondere Arbeit vor. 44. 



xyiL Eeglemeiitarisdie Studien.**) 



Drei Jahre sind aeit dem Ereoheinen dea neaen Begkmenta in 
daa Land gegangen nnd ea naht die Zeit, da auf Gmnd der ge- 
eammelten Erfahningen die brennende Frage nach der endgültigen 
Brauchbarkeit der neuen Übnngsvoracbnft wohl oder ftbel geloet 
werden mnfa. In diesem für die Zukunft unserer Infanterie-Taktik 
hoch bedeutsamen Augenblick kommt eine uns vorliegende Schrift 
obigen Titeb eben rar rechten Zeit Der auf taktischem Gebiete 
ala Autorität bekannte YerÜMser hat das hier behandelte Thema 
aohen mehrfach snm Gegenstände eingehender Studien gemacht 
Wir erinnern an seine »Studien aur neuen Infanterie*Taktikc, 
dann das um&ngreiche Werk »Von der Kriegffihrungc; endlich 
die im Jahre 1884 erschienene Broschüre »Zur Frage eines 
Zukunfts-Ezerzier-Reglementa für die Infanterie.« 



*) Anaierkaag d. L. Die Frage der AnfUeong der Corpe-ArtiUerie nd 

deren Verteilang auf die DivisioneD ist neuerdings vielfach erörtert worden; es 
fehlt nicht an Stimmen namhaftester Taktiker, so Meckels, welche sich mit aller 
Entschiedenheit für Beibehaltung der Corps -Artillerie aussprechen. Man ?er- 
gleiche auch den Aafeatz im Jolihefte: ^Divisions-, Corps-, Armee -Artillerie.* 

*•) Beglementarieehe Studien von W. t. Seberff, Genend der 
Infuiterie mr DisponfeiOD. Berlin 1891. Yedag ven A. Bath. 



Bagiementariache Studien. 



286 



Die »Reglemeni«ri8c]ieii Stadien« enehemen ohb bebnfe 
Beaniweytniig te in Rede tkehflnden Frage von to bervorragender 
Bedentang, dab wir denielben eine nmfaogireidtiere Besprechung en 
dieser SteUe sclmldeo. — Die »Stadien« kommen, indem sie das 
Reglement einer kritisohsn Untenmehnog nntcnieben, sn dem 
Ergebnis, dafo sellnges in vielen Punkten den An&fderangen einer 
sie Ibewu taten Sehlaebten-Taktik, die etwas anderes ist und 
sein soll als die Detacbements-Taktik der »summierten Ueinen 
Erfolge« niebt enlspveciie. — Von diesen Stadien, es sind deren 4, 
handelt die^ eiste: »Von zweierlei taktiecben Tb&tigkeiten«; 
sie stellt lunSdist die niebt immer klar ausein&nder gehaltenen 
Begrifie KsBnpf und Gefecht, taktischer Leitfaden und BzendeP" 
Reglement feet, behandelt ferner in allgemeinen Umrissen die 
Weohselwirkong swisdien Qefeohtsfahrung und KampfanlÜbrang, 
die EotwiokelDng zum Gefecht und zum Kampf, die Kampfoidnung, 
den Einihds des Gelindes, NermalaagrüF und settwtsfindigen Auftrag, 
Anftiagskampf und GefeebtsfÜbrung. Über den mehrfach gemachten 
Venneb, Reglement und taktisehen , Leitfaden sn Tersohmelsen, 
wird geurteilt, derselbe könne nur mit der Benachteiligung eber 
Uacen Theorie beider Grundformen taktischer Thlt^{keit enden. 
Rftekbaltlos bekimpft Yerfasser die su einem taktisehen Glaubenasata 
erhobene Forderung: »kein Kormalangiiff mehr«, der sieb durch die 
Wendung umiehreiben Issse: »keine QffsnsiTbewegung mehr, wo 
die Oe&idedeckung fehlt«; ferner wird an der Hand gewisser 
Ziffern des Reglements (L 214, 280, 224; H. 88, 90, 103, 112 bis 
114) nachgewiesen, dais das Reglement auch sehen filr die erste 
Bniwickelnng^ d. L fBr die erste Grundlage aller reglonentarischen 
Kampfordnung einer Aber die Sttrke einer Compsgnie hinaus 
gehenden T^ppeneinhsit, die selbst für »bestimmte FSlle verbotene 
Nonn« durch das Selbstbestimmungsrecht der je nächsten 
Unterffibrung etsetst wissen will. Mit diesen Tcsgehen sei der 
grundsatsliehe Bruch mit sllen alt*re^ementarischen Traditionen 
vollaogen und der »Auftrag« trete an die Stelle einer fest- 
gersgelten Eampfordnung; es sei aiif dem Wege fortgesetster 
Binidauftrige kaum jemals mSglich, su einem einheitlich gleich* 
teitigen Gesamteineatse der Brigade sn gebngen, das Regle- 
ment kenne einen solchen auch schon gar nicht mehr; das Wort 
»fort mit Normalangiiff« erweitere sich gegenüber der Bedeutung 
der Einselentecheidungen kQhnlich sum: »fort auch mit der höheren 
Oefochtslttbmng«« ^ Dies die mir am wichtigsten erscheinenden 
Qmndgedaaken der ersten Studie, auf die sich die a weite stötst: »Von 



287 



Beglementarische Studien. 



der Durchfuhrung eines Infanterie -Anjjriffs.c Wir wollen 
nicht unterlassen, letztere der besonderen Aufmerksamkeit des 
Lesers zu empfehlen; sie rechnet zu dem Bedeutendsten, was 
über dieses Thema geschrieben worden ist, aber man lasse sich die 
Mfihe nicht verdriefsen, diese Blätter wiederholt m lesen und 
wird dann von der Wahrheit dieser lichtvollen AasfQhrungen über- 
zeagt werden. Nur das Wichtigste heben wir ans denselben 
wiederum herror. — 

»Die grundlegende reglementarische Frage aller infuitsiiilitoliMi 
Offsnaive«, sagt der Yer&eser, »mob lanten: wie iit so verfUireii, 
vm inne nomerische Übwlegenheit tob der Anfangsenifeninng feind- 
licher Fenerwirknng ab hü anf 400 m an den Pemd heran sn 
fuhren, um aus dieser »»Hanptfenerstelliing« «mSehrt das 
gegnerische Feuer niedeKoringeD? Erst nach Lösung dieser ersten 
Aufgabe kann es sich am die swelte Frage, nach Dorcfasdhreitang 
aaeh diesee totsten BaumstSokei im Stnnae handeln. Da diese 
Heranffthrnng unter allen Ümstinden (anch im Flankenangriff) 
frontal erfolgen mnls, so* wird snnachst die frontale Breiten- 
«ntfiütong des Defensivfeuen hier von weeentlichster Bedentong 
werden, c — Ver&sser läfst, gewils nicht so Unrecht, in dieser 
abstrakten Betrachtung des Infanterie-Angri£b die artilleristische 
UnterstfitsnngTdUig aulser Betracht, denner sagt sehr satrelfond: »wenn 
die Infanterie ohne Hülfe der fenerstaiken Schwesterwaffe sich 
auÜMr Stande erklire, ans eigener Kraft weiter Yorragehen, so 
bedeute das einfach die Abdankung der Infanterie als Hauptwaffis 
und das Oestandnis, dals das Fubrolk nur noch als »»Hlllfewaffe der 
Artilleriec€ auch da aufsutreten sich fähig halte, wo ihm nur feind- 
liche Infanterie gegenflber stehe.« — Die eigentliche Hauptschwierig» 
keit des heutigen Infanterie-Oefechts bilde das Dilemma: entweder 
auf Hauptleuerstellnng nicht unterstiltst, oder vor derselben fest- 
gehalten SU werden. Das einzige Mittel, dieses Hindernis sn fiber- 
winden, sei eine zweckentsprechende VerknUpfung tou »Be- 
wegung nnd Feuer«, weldie sich damit als eine »reglementarisdie 
Kampfweise« der Offensivtruppe darsteltt: jeder nicht erswnngene 
Halt in der Angriftbewegung sei insofern als ein Fehler su be- 
zeichnen, als er freiwillig thne, was »mit Gewalt su erreichen« die 
Absicht dee defensiven Gegners sei; Kriegserlahmng und abetrakte 
Überlegung weisen darauf hin, dab nur ein möglichst gleich- 
zeitiges, einheitliches Vordringen der GesamtangrifisAront 
einen Erfolg in Aussicht stelle; dieses unaufhaltsame Streben nadi 
Torwürts mfisse aber durch einen »wohl fiherlegten Feuereinsats« 



^ ij . .-Lo Ly Google 



B^lemeatanschd Studien. 



288 



unterstützt werden. Da es aber bei einer gewissen gröfseren 
Breite jener einen Front mechaui^cli nicht mehr möglich sei, solch 
lange Schützenlinien einheitlich gleichzeitig ein gewisses Wegestück, 
avancieren, halten, feuern und wieder antreten zu lassen, so mache 
dies das bruchstückweise (d. i. sprungweise) Vorgehen zur 
Notwendigkeit. Verfasser empfiehlt zu dieeem Zweck ein über- 
schlagendes Verfahren mit Sprüngen von 40 — 80 m Länge, in 
der Art, dafs jedes Bruchstück der Schützenlinie um die Hälfte 
' dieses Sprunges über das Nachbarstück hinansspriugt; der hier 
gelassene Spielraum (40 — 80) gestattet dabei, die Gunst des Geländes 
nach Möglichkeit natsbar sa machen; nicht aher soll es gestattet 
sein, dals »um des GeUndesohntus «fflenc «in elasslnss BrooÜsUlck 
vorseitig hunderte m Sehrittsu in eine anseheinend gBnstige 
Deckung Torstiint, in wsleher angdranmieii st nnr das Feaer 
der Naohbar-Ahtälnngsn maskiert; andeien Ftklles werde »die 
Einbeitlielikeit des Geeamtau griffe durchweg sersplittert < 
— AUes dränge, sagt VerfiMser femer, sn einer »Reglementerisiemogc, 
verlange eine Nonniennig, inneilulb deren allein es dann jedem 
ünteii&bfer cor Pflicht gemacht weiden kann, in ielhststSndiger 
Vf ahnmg aDer im Gdste eines solchen Yer&hrenB sich ihm bietender 
Momente nach eigenem Urteil und ans eigenem Entschlnls fördernd 
in die Handlung einzngrei&n« Nnr in dem fest geregelten, von 
jedem einseinen Unieif&hrer klar gekannten, unerbittUoh geforderten 
Ver&hren, nicht in dem laisses £ure einer nur auf sich selbst 
▼erwiesenen Masse Ton Atomen liege die Gewähr, den Gesamt- 
angiiff bis auf Haaptfenentellnng hersninlnhren, in welcher allein 
dann die Gruppe den Sturm sn unternehmen in der Lage ist 

Gegenfiber der (im Frieden nnr sn leicht sieh einbürgernden) 
Übenehätsong der Trefferpfosente erinnert Verfaaser darsn, dafo 
Bewegung der wichtigste Faktor im Angri£Pe sei, die Bewegung 
erreiche ihren Hfihepankt im Sturm; der Gesamtstnrm in groÜMn 
VerfaBltnisien sei nnr durch die, mittelst nahen Aufschlusses der 
Haupt- auf die Fenerlinie vereinigten Staffeln auszuführen und 
folglich dies das als Regel geltende Verfahren. 

Auf Seite 57 wird nun »Ein NormaWerfahren« in einigen 
Hauptsätsen snsammengefafst, denen wir Folgendes entnehmen. 
Jede sur Durchführung eines Frontalangriffes bestimmte Gesamt- 
trappe gliedert sich mSglichst vor Eintritt in die feindliche Feuer- 
grense in mindestens drei, sich anfänglich auf einen Abstand von 
je 150-— 900 m folgende Angrifilinien; erste Schfitxen-, aweite 
ünterstfttsungslinie (beide zusammen in grölseren YerhSltnisBen 



289 



fiegleiiMDtariscbe Studien. 



vom Bataillon ab das Vortreffpii )jiM»?n(l), die dritte Haupt- 
Ii nie als Haupttretfeu, deren Stinke im Allgemeinen gleich be- 
messen wird. Zur Erkümpfung der Fenerilberlegenheit ist ein« 
möglichst starke Schützenlinie auf eine Hauptfeuerstellnng vor/.a- 
fübren (zwischen 500— 300 m). Alle der Schützenlinie folgenden 
Linien haben zunächst nur den Zweck die Erreichung dieser 
Hauptfenerstellung zu gewährleisten. Zu diesem Ende greift folgen- 
des Verfahren Platz: Spät+'stens mit dem Augenblick des unver- 
meidlich gewordenen Einsatzes des eigenen Feuen rnnfs die 
Schfltzenlinie zur höchstmöglichen Ziffer (1 Mann auf 1 m) TerBtärkt 
werden; diese dichte Schützenlinie bewerkstelligt den fortan no(r 
wendig gewordenen Wechtel nrischen Feuer und Bewegung in ein- 
beitiich grölseren Bmohstficken ron nicht fiber, aber andi niebt 
unter der Slitfce gaiiEer Oompagnie- (p. F. Zugs-) SchataeiiUiiieD, 
denrt: dab innerbalb emee BataillonB der «me ftmdilieil sem Feuer 
nur sobmge eiosetxt, bk der andere Bmcbteil mnd 25 m Torsprung 
Aber jenen zuerst liegen gebliebenen Bmcbteil binaiu gewonnen 
hat. Sidi abwechsehid fiberechlagend aehieben tidi dieee beiden 
TeUe, innerbalb jedes Bataillone in sieb, im Garnen aber damaeb 
strebend immer anf Höbe des Riobtungs-Bataillons in bleiben, der- 
art ununterbrocben vor, dals immer der Übergang znm Fener 
des letstrorgegangenen Brucbstfickes das Zeiehen snm sofortigen 
Wiederanfbmob des anderen fiber jenes hinans xn geben hatte. 
Dabei steigert sieh die Scbnelligkdt dieser Bewegung nnd die 
Bfaasenbaftigkeit des Feaereinsatus mit der An^hemng an den 
Feind.' Die Ünterstfitzungs-AbteUnngen scbHeben sich dieeem Vor^ 
geben anfangs nnonterbroehen, spftter von Etappe sn Etappe (wo- 
möglich Ton Deolrong so Deckung) gleiobfalls sprungweise an und 
Terkleinern dabei ihren Abstand Ton der Schfitsenlinie 
mehr, nm stets sofort in der Lage in sein, jede dnrch feindÜdiei 
Fener in der Schfitsenlinie hervorgemfene Stockung ans eigener 
InttiatiTe dnrcb Einschiebnng neuer KrSfle Ikberwinden, grö&ere 
Iiflcken scblielsen, die Gesamtbewegung im Flnis erhalten sn können. 
Die in sweckentsprecbend kleinere Einbeiten (Compagnie-EohmneD) 
gegliederte Hanptlinie folgt grundsitslicb In nnnnterbrodienem 
Vormarseh, nnter geeignetem Qrdnnngswechsel (Linie oder jede 
nfitslich erseheinende Kolonne), nötigen Falles nnter Anwendung 
kleiner SchrSg- nnd Lanfbewegnngen, Terringert damit auch ibrsn 
Abstand von der Unterstfitsnngsh'nie, besiehnngsweise den Schfitnen 
immer mehr, nm rechtseitig die Aufgabe lösen sn können, ent- 
weder nach einigen Hinnten den Impnls snm Stnnn sn geben, 



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Bq^entariiohe StndieB. 290 

seihst gam. oder mit Hnichteilen in diesen Feuerkanii>f verstHrkend 
aufzugehen oder die schon vor Erreichung der Hauptfeuenstellung 
zusammen gebrochenen ersten Linien bis zu dieser Grenze fort zu 
reiTsen; in welch" letzteren beiden Fällen daa Iluupttretfen sofort in 
seiner Rolle durch das ganze oder Bruchteile des zweiten u. s. f. 
Treffens ersetzt wei<lpn mufs. 

Auf Hauptfeuerstellung entscheidet sich der infanteristische 
Feuerkampf durch numerische (Jber]c<;t uheit (Nachschieben frischer 
Kräfte), moralische Überlegenheit (soldatische Erziehung), bessere 
Schiefsleistung in Schnelligkeit und Treffsicherheit des Feuers. 
Reglementaritich giebt es hier Nichts zu bestimmen. 

Erst wenn in dieser Feuerkraft -Abmessung sich die Wagschale 
auf die Seite des Angreifers neigt, kann der Sturm unternommen 
werden; jedes übereilte Vorprellen im Ganzen oder einzelner 
Braehteile kann nur zu Mifserfolgen führen. Der Sturm YolUeiebt 
sichf je nach dem Grade der Sturmreife, als Schützen- oder 
als Gesamtanlanf; ersterer auf bezüglichen Aufruf in vollem Laof 
bis zur Erreichnng einer günstigen Yerfolgungs-Feuerstellung, 
einem mehr oder weniger schwer erschfltterten Gegner gegenüber 
wird der GesamtanUnf von Schützen und nahe (25 — 30 Sebritt) 
aufgeschlossenen geechloesenen Abteilungen znr Regel! Er er> 
folgt auf Signal des taÜL der sweiten Linie herangekommeneii 
obenten AnfBbrera, womöglich anch in vollem Laufe nnd ohne 
Schofii bis in die feindliebe Sfeellnng hinein ; da, wo wetter Abstand, 
schwerer Boden, Srmndang n. s. w. dies nicht solaesen, geht die 
Seblltwnlime im Glied erf euer den im Stormseliritt folgenden ge- 
aohlosMnen Abteiinngen Toraos; Trommel nnd Signalhorn begleiten 
das oBViteibrodieiie Yorgehen; der Hnrrahrnf setst auf 80—100 
Schritte ein; er verlangt die letite Eraftanstrengung von Lnnge und 
BeuMs« • • • 

In diesen SStun ist die Qnsntesseni des hier in Vorschlag 
gebiaebten »Normalveifahrens« enfchslteii. Bei n&herer Betrachtung 
wird sich ergeben, dab dasselbe weder der Intelligenz der Com- 
pagnie- und ZugÜlhrer nngereehtfertigle ESnschTinknngen aaferlegt, 
noch dieselbsn in der selbststilndigen Ansnutsung ihrer geistigen 
Fähigkeiten hindert, keineswegs ferner ein starres Schema ist, 
nach Art der feansSsischen (Boulanger'schen) »Instruction ponr le 
combstc. 

Auf die folgende 8. und 4. Studie: »Von der Entwidcelung. 
und Gliederungc, dann »Von der Friedensausbildung«, des Nfiheren 
•iosngehen, mltsssn wir uns aus räumlichen Ursachen veissgen 



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291 



Der Spateugebiftooh in der Offensire. 



Sie bieten ebenfallB eine Fülle geistvoller taktischer Polgerangen 
nnd Betrachtangen, deren aufmerksamste Lesung wir ebenfalls nicbt 
genug empfehlen können. ' 

Die »reglementarischen Stadien« werden, deb sind wir 
sicher, von Seiten der nnbedingten Verehrer des nenen Begiements 
AniechtQDg geuug erfahren; anch werden in Beiieliang auf manche 
Einielheitsn der hier gemachten YonchlSge die Ansichten ans- 
einandergeben. Jedenfalls aber werden sie die Beachtung aller 
denkenden Köpfe nnseres Offisier-Corps !Br sich f in Auspcuch 
nehmen dürfen! Möge die warnende Stimme des Yerüsssers, welcher 
hier die reife Fracht ernsten Nachdenkens mit langjährigen Er- 
fahrangen in Krieg und Frieden dem Heere l»etet, nidit angehört 
Tsrhallen! Schbg. 



XTIIL Der SpatengebiauGh in der Offensiva 



Die gest^garte Wirkung der modernen Feuerwaffim swingt die 
Verteidigung, in ausgedehnterem Malse wie bisher von Fdd- 
▼erschansungen auf dem Schlachtfelde Gebxaach su machen. Wahrend 
die frfiheie Feldbefestigung meistenB aus einer Ansahl in mdireren 
Treffen angelegter, mit Oeschfttsen Tcrteidigter Bedouten bestand, 
vereinigt die neaere ihre ganze Kraft in einer einsigen, durch 
einen Schütsengraben gebildeten Linie, welcher durch kOnstlidie 
und natürliche Stutzpunkte die nötige taktische Kraft und Sicherheit 
vwli^en wird, um die ganse Feuerkraft entfalten und mit Ausrioht 
auf Erfolg selbst dem Angri£P tiberlegener KrSfte hegagnen su 
können. Die Ausrnstung der Infanterie mit tragbarem Schansieug 
gestattet dem Verteidiger in allen den Fällen, in denen ihm bis zur 
Feuereröffoung etwa Vt his 1 Stunde Zeit bldbt, Deckungen her- 
austeilen, welche den gesicherten und ruhigen Gebrauch der Waffe 
ermöglichen. Nach den ürfahrangen des amerikaniacben Seoessiona- 
krieges und der Kämpfe anf der Balkanhalbinsel lag der Gedanke 
nahe, dem Angreifer ebenfalls zur Vermeidung von Verlusten 
den Spaten in die Hand su drücken, um der Stellung des 



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I>ar SjMtengabreiNh in dar (HBmom. 



Verteidigers gegenüber zur Abgabe von Erscbütterungsfeuer Deckun- 
gen zu gewinnen. 

Man hat einem solchen Verfahren zunächst den Vorwurf 
gemacht, dafs es nicht möglich sein wurde, unter dem heftigen 
Feuer des Verteidigers aus diesen Declcun^'en die Schützenlinie zum 
Sprunge fortzureifsen. Wenn dieses auch fraglos auf erhebliche 
Schwierigkeiten stofsen wird, so zeigen doch die mehrmaligen Vor- 
ötöfse von Teilen des II. und III. franzosiscbeu Armee-Corps in der 
Schlacht von Gravelotto, unter der mächtigen Feuerwirkung einer 
Ziililreichen, gut eingeschossenen Artillerie zweier Arnife - Corps 
(G.-St.-W. II. Uli. 815. 839), ferner der Gegenstofs türkischer Milizen 
am Abend der Schlacht von Taschkesscn gegen die russische Garde 
(Baker Pascha: »War iu Bulgariac II. 20G), dafs es energischen 
Führern gelingen wird, die Mannsc haften zum Verlassen der Schützen- 
gräben zu zwingen. Wird der Mann gewöhnt, den Schützengraben 
als eine Deckung, wie jede andere zu betrachten, so kann die 
Friedenserziehung hier wesentlich vorarbeiten. — Das Niederlegen 
im Feuer, das Ausnutzen von Deckungen, woran heutzutage Niemand 
mehr Anstois nehmeu wird, war noch zur Zeit der Schlacht von 
Jena, als den OflFensivgeist der Truppe schädigend, der preufaischeu 
Ltinieninfanterie völlig versagt. Es ist auch keine Frage, dafs eine 
Truppe, welche lange Zeit in Schützengräben gefochteu hat, 
nor ungern auf die guten Deckungen verzichten und im FFeien 
kämpfen wird. 

Die Möglichkeit einer Offensive aus dem Schützengraben einmal 
xugestanden, fordern die Anbänger des »Offensivspatensc bei 
. Dorchfnhrung eines jeden Angriffs die Anwendung ktinstHcher 
Deckungen. Es liegen eine Anzahl Venuohsmodelte vor, Spaten 
und Bajonett zu einem Werkzeuge zu vereinigen, um die An- 
weudnng des Spatens beim Angriff zu erleichtern« Auf EntfernuDgen 
innerhalb 600 m wird, da der Pulverdampf die Arbeiten nicht mehr 
versohleiert, dai Arbeiten im noch ungeschwicliten feindHcben Feuer 
jedoch einineh unmöglich sein. Hierin kommt ferner, dals auf 
EtttfoRumgen anter 600 m die DareheehlagAnift der Geschoase eine 
so bedeutende ist (Lebel-Gewehr lf/86 auf 500 m: 52 cm, 600 ms 49 om, 
800 m: 40cm, 1000m: 37cm, vgl. Aide — memoire pour roffioier d*etat 
migor en campagne), dals aidi Deckungen nur unter grSlserem Zeit- 
aufwand, wie sie der Angriff gestattet, herstellen lassen. Die mit 
grolssn Opfern errungene Feuerttberlegenbeit des Angreifers geht 
▼erloren, da die Hälfte aller Schfltien cum Spaten greifen muls, um 
mühsam einige Deckung zusammensuscfaarren, die gegenüber den 



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298 



Der Spatengebiaaeh in dar Offmufe. 



Geschossen der (Jowchre kleinen Kalibers keinen Schntz verleiht, in 
Folge des frisch Hufgeworfenen Erdreichs aber der feindlichen 
Artillerie die Beobachtung ihrer Schüsse, der Infanterie das Ab- 
koujroen erleichtert, da in Zukunft kein Rauch mehr vorhanden 
ist, welcher frisch aufgeworfene Erde dem Auge des Verteidigers zu 
verschleiern vermöchte. In jeder neuen Feuerstellung würde dann 
der Anjxreifer unter erschwerten Verhiiltnisseu die Feuerüber- 
legenheit von Neuem zu erringen haben. Die Aussichten des 
Gelingens eines Angriffs li^en aber vor Allem auf moralischem 
Gebiet. 

>Sobald der Angreifer sich eingräbt, hat er nur ortliche 
Vorteile erreicht, und giebt — unter Verlust der errungenen 
moralischen Vorteile — den gröfseren Schatz gegen den kleineren 
verloren. Würde er in der Vorbewegung fortfahren, wozu allerdings 
eine f^ewisse noch unerschöpfte Reserve moralisch er Kraft fieliört, 
so würden sicherlich die Verluste fortdaueni, aber nicht in dorn 
Mafse, wie die algebraische Berechnung der Tretler dies befürchten 
läfst. Die Einschüchterung der Schwachen, das schlechtere Zielen 
dieser Eingeschüchterten und die Kopflosigkeit einzelner Führer 
machen sich geltend, wenn mit Zuversicht und unter stetigem 
Avancieren die gegnerischen Reihen nahen. — Der in der Bewegung 
stockende, sich eingrabende Angreifer bedenkt aber nicht, dafs 
dieselbe Strecke, von der eingegrabenen Linie bis zur gegnerischen 
Verteidigungsstellung, früher oder später doch einmal überschritten 
werden muTs, wenn man sich der letsteren bemächtigen will; dann 
aber bat er es nicht mehr mit einem erschütterten, sondern mit 
einem den Anlauf in Ruhe erwartenden G^er zu thun, hat er 
der feindlichen Führung Zeit gegeben, den weiteren Verlauf des 
bnpfea nnd die dem Angreifer gegenüber erfordetlichen Gegen- 
Mafsregeln in ruhige Enrftgung zn adehen, die etmi MtMita 
stehenden Reserreii hinter die gefährdeten Pankte zn führen nnd 
diejenigen Teile Behter Stellnng mit allen Hftl€nititteln der Tedmft 
zn Terztärken, welche ja vom Angreifer zeihst als Angriffspunkt 
offenkundig gekennzeichnet wcvden dnd. Qenerzl Jaeksoi», fbm 
stets zum Sieg ▼erhelfender Ghmndsatz: »mistery it half the yvc/Uaej* 
gilt für jegliche Angrifbbewegang im Ghrolsen wie im Eloinen. 

Dieselbe Sehen, wriche den Alltagsmensohen abhält^ seihet gegen 
hohen Einsatz, VermSgen nnd Lehen «of eine Karte wa setzen, selbst 
wenn grosse Gewinne anf dem Spiele stehen, hält anch die meisten 
Führer ab (merkwürdiger Weise in der Nenzeit nnr dann, wenn 
Befestigungen in Frage kommen) ihn Abeiehten mit «inem Schlage 



0«r 8]Mteiig«bnMMh in der Oflnriv«. 



zum Ziele zu führen, Hoher opfern sie Zeit und Blut, als mit kühnem 
GritFe und unzähmbarer Energie bis mitten hinein zu stofsen in 
das Centrum der Widerstandskraft. < (Scbeibert, Die Befeatignngs- 
kaast und die Lehre vom Kampfe pa«:^. 41). 

Aber auch die Absicht, den auf das sorgfältigste eingerichteten 
Verteidiger durch Feuer zu erschüttern, wird sich nicht immer 
erreichen lassen. Das II. französische Armee-Corps, welches nach 
den grofeen Gefecbtsverlusten von Spichern und Vionville (und den 
zweifelsohne ebenso hohen Marsch Verlusten) am Schlachttage des 
16. August kaum 10,000 Gewehre zahlte, war am 17. August 10 Uhr 
morgens auf der Höhe des Point du jour eingetrofifen und hatte 
dieselbe sofort zu befestigen begonnen. Um Mittag wurde die Linie 
durch das IIL Corps verlängert, welches aber erst am 18. um 5 Uhr 
morgens mit den Verstiirkungsarbeiten anfing. Am 18. August 
mittags I2V2 Uhr eröffnete die Artillerie des preufsischen VII. und 
V'III. Armee-Corps, welchp gegeu 2 Uhr bis auf 132 Geschütze 
gebracht worden war, den Geschützkampf. Die an Zahl und 
Wirkung; nicht ebenbürtige französische Artillerie stellte bald darauf, 
um sicherer Vernichtung vorzubeugen, auf der ganzen Linie das 
Feuer ein, bereitet« aber in gedeckter Stellung die Wiedereröffnung 
desselben vor. Um 3 Uhr fiel der vorgeschobene Posten der fran- 
ÄÖsischen Stellung, St. Hubert, in deutsche Hände; unterstützt durch 
das Feuer von drei über den Mance-Grund vorgeeilten reitenden 
Batterien vermochte sich die preufaische Infanterie auf 500 m Ent- 
fernung von den feindlichen Linien auf dem kahlen, nur wenig 
Deckung bietenden Abhang zu behaupten. Franzosiscbe Tirailleur- 
schwärme warfen bald darauf die deutschen Schützen zurück, nur 
einzelne Teile kohnten den Waldrand von St. Hubert und einige 
Kiesgruben halten. Mit dem Eintreffen des Regiments Nr. 39 und 
der 31. Brigade wurde der Kampf wieder hergestellt; gegen 5 Uhr 
trat eine Kampfespause auf dem (iefechtsfelde ein. Auf Befehl 
8r. Majestät des Königs wurde nun um 7 Uhr ein neuer Angriff 
gegen die Stellung des Point du jour unternommen, welcher sich 
mit einem durch Artilleriefeuer unterstützten französischen Vorstofs 
kreuzte. Wenn auch St. Hubert und die nächst gelegenen Wald- 
ränder, in denen die Verteidiger Deckung fnuden, behauptet wurden, 
80 wurden doch die im freien Felde beiiudlichen, zum Teil führer- 
losen Abteilungen wiederum bis in den .Mance-Grund zurück- 
geworfen. Bis nach Gravelotte und La Malmaison, sogar im 
Rücken der Armee machte sich diese Gef''ehtskrisis bemerkbar. 
9 preuDsiscbe Bataillone warfen scblieüslicb die liauzoseu zurück, 



295 



Dar 8p«tei^braaoh ia der OSoomm, 



(Irangeu auch bis auf wenige 100 Schritte an die Chausseegraben 
horan, aber hier kam der Angriff zum Stehen. »Die Preufsen 
nisten sich den starken Stellungen der Division Bastoul nahe gegen- 
über hinter den decki nden Roden falten ein und behaupten sich dort 
längere Zeit gegen wiederholte ^'ürbtöfse des Feindes t (G.-St.-W. I. 
S. 841). Ein in der Abenddiiniraening unternommener Angriff des 
11. preufsiBchen Armee-Corps vermag ebenfalls nicht, die feind- 
lichen Linien zu erreichen, kommt vielmehr wenige 100 Schritte 
westlich derselben zum Stehen. Wahrend der Nacht hielt das 
II. prcufsische Corps den eroberten Bergabhaug hcaetzt. Drei 
Armee -Corps, deren Stärke an Infanterie sich auf 50,000 bis 
60,000 Mann belätift, vermochten den hier nur etwa 20,000 Mann 
zählenden Verleidiger nicht aus seinen Stellungen zu vertreiben 
und erlitten einen Verlust von 271 Offizieren, 5072 Mann. Dem 
gegenüber beziffert sich der Verlust des II. französischen Armee- 
Corps, trotz der überlegenen deutschen Artilleriewirkung und trotz 
der mehrfach wiederholten Vorstöfse, auf nur 27 Offiziere, 594 Mann 
(Frossard: Rapport). Rechnist man die dem Corps zugeteilte Brigade 
Lapassete ab, so verliert die Division Verge nur 5,1, die Division 
Bastoul nur 2,2, die angreifende Truppe hingegen 10% ihrer 
Stärke. 

Ferneres Beispiel: Die nüt etwa 100 Oesehfitaen armierten 
tfirkiscfaen Werke tob Plewn« werden in den Tagen TOm 7. bis 
11. September 1877 von etwa 250 nurisebea GeeehiitMn veraehie-' 
dener Kaliber mit etwa 40,000 Scha£B besohoaeen. Der tigliche 
Verliui der Tfirken besifferte dob anf nur 60 bis 60 Maim! Der 
EntMblafil sam Sturme wird gefiUst, nicht etwa, weil man den 
Gegner fSr eriebüttert, die Stormfreiheit seiner 'Werke ftr Ter* 
nicktet h&lt, sondern weil die Monitioir annsngeben drobt und die 
Laffeten sieh den Anstrengungen eines fortgeietsten Scbielsens nickt 
mehr gewachsen zeigen. Mit 106 Bataillonen wird der Starm nnter- 
nommen; die tOrkischen Linien werden bei Grivisa and Erischin 
durchbrochen; es bedarf nor des EinsetMns frischer IVuppen, um 
den Erfolg an kr&nen, aber nnter dem Bindrncke der Niederlsga der 
Mitte nnd nnter dem Eindmcke der grofsen Verloste ' kann das 
Oberkommando sieh nicht entschlielsen, 41 noch nicht im Feuer 
gewesene Bataillone einsnsetsen; wfthrend die Türken nur 3000 Mann 
verlieren, belänft sich der rnisiscbe Vertust auf 300 Offisiere, 
12,500 Mann. 

Ebenso machtlos zeigte sich die Feuerwirkung auf die von 
4000 Mann und 4 Geschfltien besetste Stellung von Qomi Dubniak 



Der SpAtengebnaoh in der OfBmeiT«. 



296 



(84. Oktober 1877): trotzdem die Hauptschanze einer Gstündi^on 
Beschiefsung durch 60 Geschütze ausgesetzt und von etwa 2U,CKX) 
Mann der russischen (larde angegrififen wurde, vermochte .man doch 
nicht ohne Weiteres in dieselbe einzudringen. Der Angriff der Garde 
gelaugte bis auf wenige hundert Schritt an die Hauptschanze heran, 
aber alle Versuche, weiter vorzudringen, wurden blutig abgewiesen; 
nun wurde von den russischen Bataillons- u nd (Jompagu ie- 
Führern der Befehl zum Eingraben erteilt. Aus diesen, im 
Feuer hergestellten Schützengräben wurde sodann ein anhaltendes 
Feuergefecht gegen die Schanzenbesatzung unterhalten. Die Schanze 
wird schliefslich genommen, als es einzelnen Schützengruppen 
gelingt, kriechend den Graben zu erreichen und sich hier znm 
Starme tu formieren. Die Türken hatten etwa 800 Mann, die 
Rossen 127 Offiziere und 3406 Mann Terloren (Pusyrewski — 
Regenaaer — die russische Garde im Kriege 1877/78). — Bei 
Spichern ll^^n vor dem ersten französischen Schützengraben am 
Bande des roten Berges 160 tote Prenisen, innerhalb desselben nur 
9 tote Franzosen! 

Etwas günstigtri gestalten sich natuigemafe die neueren Schiefe- 
platzergebnisse. Nadi rossisdien Yenachen wurde gegen einen 
mit KopfdeekoDgan Teffeeheiieo SofaMcoigrBben 4V« Schartentreffbr 
enielt, 607o aller Selitee worden von den Kopfdeckungen aufge» 
nommen. Selbst im kcliigiten Infanteriefeuer erwacht bei den • 
Bfaimsehaflaii hinter einer mit EopMeehnngm Teredienen Brosts 
wehr, naeh Angaben raseieeher Offitiere, das Gefühl der Tölligen 
Gefahrlosigkeit. Wenn auch die neue FeldpFioniervorsehrift ffir 
die Infanterie die Kopfdet^ongen Terworfen hat, so mOchten wir 
hier fBr dieselben emtreten. Der gidflsere Arheitsanf wand macht 
eich dareh erhebüoh bessere Deckung besaUt. Man kann die Be- 
hauptung an&teUen, dab Infanterie in sorgfältig eingeriehteien 
Schlltaengräben nahesa TollatSndig gegen daa Feuer too LiCuiterie 
nnd Feld-Artillerie geechOtst ist, solange letstere eich nicht des 
Wnrf feaers nnd der Brisanzgeschoase bedient. Der Sehfi t s engrabe n 
des Angreifers kann folglich nicht aar Feuerstellung 
werden; jeder Versneh, mit Gewehrfener allein, eine aweckmlUirig 
eingerichtete Sehntnngrabenheeatanng an erschnttem, mnfs znr 
Mnnitionsrerschwendnng führen. Selbst gegen ungedeckte niedrige 
Ziele ist anf Entfernungen über 600 m erst unter Einsetzen einer 
hedentenden Mnnitionsmenge eine durchschlagende Wirkung au er^ 
sielen, um wie viel weniger sind grofse Wirkungen gegen gut ein- 
gegrabene Schfitaen zu erwarten? 



207 



.Der Qpatei^bmneh in der Offensive. 



Gab in ddo ktaten FoldzUgen der mehr oder minder diohle 
Bauch, weldier rieh Aber einem SehltlMiigraben lagerte, euien Male- 
■tabi inwieweit der Verteidiger ab enchüttert angesehen eei, eo iit 
diesee jetst weaentlich anders geworden; eehwer wird ee eich er- 
kennen laasen, ob ein Sehützengraben beaelrt ist, ob die llana- 
eehaften rioh in der Deckung oder in der Feneratellang befinden; 
einen Anhalt daför, oh der Verteidiger heieifce tstonnreift iitt kann 
man kanm gewinnen, nicht immer wird man die eignen Verlnste 
durch feindliche Gesehosee auf ihre AnigangsateUe znrfiokfBhren 
kennen ; jeder Versnch gegen einen nnenchütterten Verteidiger vor- 
zugehen, wild rieh bitlar rftchen. Unsweiftlhaft wirkt daa Feuer 
mit rauehachwachem Pulver auf die Nerren, die TJngewifiheit IBlit 
die Gefahr gröfier «ncheinen, Rückschlfige werden rieh in grSberoa 
Umfange filhlbar machen, aber gerade hri aolehan iiierden die 
Sch&tsengriben snr Oeltang kommen. 

Wie alle anderen auf dem Angrififelde sich vorfindenden 
Deckungen werden Sehn tiengräben die nach abgeschlagenem 
Angriffe surückflutenden Schlitzen snm Halten und wieder 
Front machen beetimmen* In der Schlacht von W5rtk erteilte 
der General t. Kirchbaeh der Avantgarde des V. preuftiBchen Oorps 
Befehl, Worth und die jenarits gelegeneni HShen m nehmen. . Das 
Bcgiment Nr. 50 übenidireitet efldlieh W6rth die Chaussee und be- 
ginnt unter vernichtendem Feuer die HShen zu eiskeigeo, wird aber 
von herbeigeeilten fsanzSeischen Beeerven den AUiang hinunter^ 
geworfen« die Infanterie macht aber an der Ohauisee wieder Front 
und weist den nachdringenden Erind mit Feuer zaruok. Alle Ver- 
suche der Preubon, von der Chaussee aas den HObenrand an 
gewinnen, werden abgewieasn, aber andererseita vermögen die nach- 
stobenden Franzosen auch nicht die Presben aus ihrer Stellung im 
Chauaseegraben zu vertrriben (G.-St-W. I, & 282, 252). 

Sin anderes Bild aeigen die fast zu gleicher Zeit beim XL prenbi- 
scben Corps stattfindenden KimpSs^ Das Bagiment Kr. 17 fiber^ 
schrritet bei Spaehbaoh die Sauer, wirft eine firanaSsiache Schfitzen- 
kette zurfick, dringt mit derselben in dan Niederwald ein, mub 
aber vor einem AngriffiB fiberlegeoer Krifte zurückweichen. »Fort^ 
gerissen von den aus dem Walde kommenden anf^lSsten Schneen* 
schwinnen, eUte Alles nach der Sauer znrftck und erat tu Spach- 
bach gebng es wieder, die Truppen zu sammeln. Nur wenige 
Abtrilungen, insbesondere die 9. und 12. Gompagnie, welche einen 
zwischen Sauer und Niederwald gelegenen trockenen Graben besetzt 
hatten, halten auf dem westlichen üler Stand, wo der Feind seiner^ 



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Dtr SpAtcngebcMch in d« Offensive. 



seits nur bis an den Waldsauni e^efol^ war« (G.-St.-W. I, S. 230). — 
Seitens der 3. Pionier-Compagnie XI. Armee-Corps wurde in der 
Schlacht von Worth ffir die j?egeu Eberbach vorgehende 43. In- 
fant« Tie-Brigade eiue A ut nahiJiestoUuug an dem Wege Morsbronn — 
Modorwald hergestellt (Götze, Thätigkeit der deutschen Ingenieure, 
I, S. 39). Auch in der vSchlacht von Gravelotte finden Pioniere die 
gleiche Verwendung, Auf dem rechten Flügel wird Gravelotte, 
beim XI. Corps am Nachmittage Verneville und da.s näch.stiielegeue 
Gelände zur Verteidigung eingerichtet und die Arbeit erst 9«^^ abends 
eingestellt (Götze, I, S. 28). — Unter dem Eindrucke des Kampfes 
von Gorni Dabniak hatte General Ourko für den Angriff auf Teliach 
befohlen, dafs die Infanterie sich auf 1600 bis 2000 m von den 
türkischen Schützengräben eingraben solle (Pnsyrewski — R^enauer 
— S. 166). — 

Solche bei Beginn des Kampfes angelegten Linien dienen bei 
Rückschlägen als Anfnabmestellnngen, sie werden zunächst von 
dien Trappen boMfait, welche zum Schatze der vorgezogenen Artillerie 
bestimmt sind. Ih diese Truppen sich nor in besehräoktem Um- 
fange am Fenergefeeht betoligen können, selbst »ber der feiadlicbeii 
Feiurwirkuug ausg o e e i rt nnd, flo mxd nui lie, aehon nm dkielbeii 
m bMob&ftigen, mob eingraben laosoa. 

• Auf Gnoid der mrenrlhiitan Bdqpkle «nd Erwägungen buBon 
sieb nunmehr fölgende Grnndsiise fitr die Yerwendwig des SpaUnf 
im Angriffsgefeebt anfrtellan: 

1. Ene grnndsätzliebe Verwendung des Spatens in je- 
dem Angriffsgefechte iit unbedingt tu Terwerfen. 

8. Eb duf niebt in da» Belieben des einielnen Mannes ge- 
•laHt werden, ab er sich eingraben will oder niebt; der Befehl 
bienn mnfB jedesmal Ton der Fftbrnng aoegehen. 

3k fiine Verwendung des Spatens kann nur in den* 
jenigen Phasen eines Kampfes stattfinden, welche einen 
defensiTsn Charakter tragen und awar: a) bei Einleitung des 
Kampfim zum Sebutie der Artillerie und aar VorbeveitBng ton Auf- 
nabnustellnngen ; b) für solche Abteilungen, wehshe bestimmt sind, 
wibrend d« Ausfttbmng Ton Umgehungen den Feind fastsubalten; 
e> ftr solche Abtsüungen, »welehe durch Qberlegenes Feuer aus 
flaokieienden oder flberhShsoden Stellungen das feindliche Feuer 
BiedefbaheB soUenc (Bx.-RflgL f. d. Inf., U, 42); d) zur Behauptung 
eines gewonuenen 6eUUidestr«i£Bos oder Otgeklei — sei es nun, dafo 
dieses dem Feinde entrissen oder die Angri&bewegung ins Stocken 
geraten ist Mfem der Angrei&r nodi die moralische Kraft 



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299 



Der Spatengebiaach in der Offenüre. 



besitzt, das gewonnene Gelände festhalten zu können. Vergleiche: 
Angriff auf die Stellung des Point du jour; (iarde bei St. Privat; 
Gorni Dubuiak. (Siehe Feld-l'iouier-Vorschrift, 17.) 

Was die Verwendung des Spatens betrifft, so erscheint als 
mustergültig der Angriff Skobelews auf die Schanzen Redji und 
Abdul bei Tabia in der dritten Schlacht von Plewua am 11. Sep- 
tember 1877, nach voraufgegangener Beschiefsung und Festsetzung 
auf dem grünen Berge. — Am Nachmittage des 10. September 
hatte der General Skobelew die türkischen Vortruppen zurück- 
geworfen und 2000 m von den türkischen Werken die Hohe ver- 
schanzt, wobei sich der Mangel an Schanzzeug in hohem Malse 
fühlbar machte. Schon auf dem Manche zur Donau und in den 
späteren Gefechten hatten die Mannscbaften sich zum grofsen Teile 
ihres Schanzzeugs entledigt Der General Skobelew macht in seinem 
Berichte Aber die SeptemberkÜmpfe von Plewna den Vorschlag, den 
Angreifern das zum EinrichteD von SieUnngen nötige Schaasaeag 
nacbzofahren oder besondere Kommando« mü dem ISnriehften 
genommener Stellnngen an beanftragen, fttr den Slorm am 11. 
hatte Skobelew besonders das Mitnehmen von Sehansaeng befohlen. 
Ztt senier Verfügung standen smAehit IS Bataillone^ 92 Geadifitae; 
anr weiteren Unterstatzung wann noter dem -FOrsten Immerttinski ' 
8 Batailkme, 70 Gesciifltae» 86 EilcadiOBS beaiehuignreise Solnien 
bestimmt. Am Morgen des 11« wurde znnSchst die 1500 m von den 
Schanien gelegene dritte Höhe genommen und befestigt. Teile des 
B^ment Whulimir lassen sich durch den KampfeseifiBr weiter fort- 
reiisen, nnd dringen unter dem Schntae des Nebeb 2 Gompagnien 
in die Sohanse «n. »Wäre diese Bewegung von vornhersin beab- 
sichtigt gewesen schreibt Kuropattdu »nnd mit hinreibhenden 
Kräften ausgeführt worden, die Schanse wäre in den Händen der 
Russen Terblieben.€ Die an weit vorgegangenen Abteilungen worden 
dann nach der 3. Höhe snrflekgenommen, wo ein tOrkischer Vontols 
abgewiesen word& — Die beiden t8rkise]ien Schauen waren durch 
einen etwa 400 m langen Schfitieugraben mit einander verbunden, 
120 m vorwärts befand sich fflr die Vorposten eine Ansah] Sch&taen- 
iCcher, nach Plewna wbl fBhrte ein 500 m langer Laufgraben. Um 
die Werke zn erreichen, molste zunächst auf dem nMücben, etwa 
1000 m langen steilen und ausgedehnten Hange des dritten Kammes 
herabgestiegen werden. Unten im Grunde flols swisehen abschfissigen 
Ufern du kleiner Bach, jenseits stieg das Gelände 400 m gladsartig 
zu den Sohuiaen auf. — Unter klingendem Spiele bzaehen um 
3 Uhr 8 russische Bataillone, von 6 Batsillonen im sweiten Treffisn 



Dm* Spftt«iig«bmioh ia der Offenair». 



300 



gefolgt, aus den Schützengriibeu der dritten Höhe vor, konnt^in aber, 
trotz beständig nachgeschobener Verstärkungen, nur bis au den Bach 
vordringen, wo sie das Feuergefecht aufnahmen. Trotz grofser Ver- 
luste war bis dahin das türkische Feuer unerwiedert geblieben. 
Unter Einsetzen der noch übrigen 5 Bataillone gelingt es, die Linie 
von Neuem fortzureifsen und um 4Va Uhr abends in die Schanze 
Abdul einzudringen. Die Verteidiger setzten sich auf einer 600 m 
entfernten Höhe fest. Im Verein mit der Besatzung der Redgi- 
Schanze überschütteten sie die Russen mit Schnellfeuer. Ein von 
drei Seiten gemachter türkischer Vorstofs wurde abgewiesen und 
schliefslich die Redgi-Schanze genüiuiiien. Mit Einbruch der Diink.!!- 
lu'it wurde die Befestigung der Stellung begonnen; bei den 22 Ba- 
taillonen, dit' hier versammelt waren, befand sich nur ein Kommando 
von 2i> Pionieren, welche noch dazu erst vor Ta<;t.isanbruch aufge- 
fundt'u werden konnten. Da [eimlliche (ieschosse von drei Seiten 
in die russischen Linien einschlugen, so waren Schützengraben nach 
diesen drei Richtungen auszuheben. Stützpunkte der Stellung bildeten 
die beiden genommenen SLluuizen. »Das Ausheben dieser Schützen- 
gräben«, schreibt Kuropatkin femer, »stiefe auf grofse Schwierig- 
keiten, es niiingelte wie immer au Schanzzeug. Anfangs war solches 
gar nicht zur Hand, erst später wurden einige Beile und Spaten 
von russischen Mannschaften herbeigebracht, auch türkisches Schanz- 
zeug gefunden. Um su h nur iu etwa.s gegen das feindliche Feuer 
«u schützen, verwandte mau türkische Zelte, legte Strauch- und 
Strohhaufen vor sich, ja man suchte sich durch die Leichuame ge- 
fallener Kameraden zu decken. Auch der Rasen, mit welchem die 
Bdschungen der Schanzen bekleidet waren, diente zur Deckung, 
man liCs die Stücke mit den Händen loa und l^te sie vor aieli. 
Trots Müdigkeit, Hunger und Erschöpfung fühlten die 
MBnnscbaften die Notwendigkeit sich einzugraben. Bli» 
jonette, Seitengewehr, ja Feldflaschen ersetzten das mangelnde 
Schanzzeug.« — In der Nacht wurden wiederholt Angriffe der Tfiricen 
ahgeechlagen. Als aUe Bitten Skobelews um Ventibkang uner- 
füllt hKeben, sein Ansuchen, zur Erleichterung seiner Lage, die 
Nebenwerke anzugreifen, keine BerAcksichtigung fand, entsohlofe er 
sich, am Nachmittage des 12., nachdem er im Laufe des Tages vier 
Angriffe abgewiesen hatte, gegen 4 Uhr den Rftckzug anzubeten 
und die mit so schweNii Opfern genommenen und behanpteteli 
Schanzen anfeugeben. Die Truppen Skobelews hatten 40*/o ihrer 
Stirke, einzelne Compagnien bis zu 757o verloren, heim Regiment 
Wladimir war nur noch ein Compagnieftthrer gefechtsfähig; das 



301 



Der Spfttsngebnodi in der OfibndTe. 



Regiment Brtbluid illilte oaeli dem Kanpfe in. eeine» 15 Cook 
pagniea mir noek 11 OfiBsiere, 687 Meiitt. TfiildBelierMHi wann 
35 Betufllone im Feaer geweeen« Ea iai keine Frage, dafa dai 
«Ehe AuabaUeii der maaiaehen Truppen durch die Aa- 
wendnng von Sehdtaengrftben ermSglieht wurde. Bei aaa- 
rejebend foriiaiidenem tragbarem Scbaaaseug ist ea keine I^cagaii daft 
aiek die mtaiaohen Truppen in der genommenen SkeUang wfirdfln 
haben behaupten kdnnen (Kun^atkin, kritiadie Bflokblidkei 
Heft 8 und 4). 

Auch bei dem Angriff der prenbiMhen Qarde auf St Privat 
würde aioh mehifaob Gelegenhmt aar Anwendung dea Schanawmgi 
ergeban haben. Das OfBoadier-Begiment »K&iigin« hatte gegen 
6 Uhr abenda den afldliohen Teil dei HShanr&ekeoa Bfidlidi 8t Privat 
trota heftigen Flankenfeners aua der Gegend von St Pkivat und 
Amanrilkn, unteratütat durch 2 Feld-Batterien dei Oarde-Gorpa, 
gegen einen Yaiatoia ?on Teilen der Diriaion Guaey behauptet 
»1>a mittlerweile rom General-Kommando der Befehl ergangen war, 
dab die Brigade rorünfig nicht weiter vorgd^an aoUe, ao wies 
Geneial^M^or t. Betger, welcher die Bewegungen seiner Ihippen 
begleitetei daa Hegiment Königin an, anf den gewonnenen Hdhcn 
in Stellung au bleiben. Bin weiterer Ftontalangriff nur Wieder- 
eroberong derselben wurde Tom Feinde nioht unternommene (G.-Si- 

8. 865). — Bei den ungeheuren Yerluaten, mit welchen dieser 
firfolg erkauft war, wSrde bei energischerer CMschtaf&hrung des 
Gegnera ein weiteras Behaupten der Höhe schwierig gewesen aem, 
kflnstliche Deckungen würden jedenfalls gute Dienate ge- 
leiatet haben. Auch bei der ersten Garde-Infrnterie-Divisioa, 
nördlich der Chaussee, trat eine Shnliche Gefochtalage ein. »Gegen 
6V« Dhr standen 4Vi Bataillone derselben, aum Tefl freilich nur 
mit schwachen Oberreaten, in Entfernungen von etwa 600 bis 
800 Schritten der Westseite des Angrifiinieles gegenflbert (G.-St-W., 
8* 878). »Der erste kühne Anlauf der preuisiachen Infanterie gagoa 
St. Privat hatte also nicht bis aur Bntaoheidnng geführt; die An- 
griSlBkraft war für jetat erschöpft und Tteuaende von Toten und 
Verwundeten bedeckten den blutgetränkten Boden. Aber weder 
dies, noch der Verlnat so vieler höherer Führer, vermochte den 
inneren Halt der Truppen au lösen. Mit den wenigen noch unver* 
Bohrten Offizieren an ihrer Spitse hatten sich die gelichteten Reihen 
fest an den Hang geklammert; mit eiserner Ausdauer und Hingebang 
behaupteten sie die teuer erkauften Plfttie. — Inunerhin war die 
Gefecbtslage eine sehr kritische geworden. Denn obgleich nun der 



Dar SpttoBgsImnidi im dir Oinuivib 



rechte Flügel der 1. Garde-EJrigade durch das Einrücken des 2. Garde- 
Regiments eine Anlehnung erhalten hatte, so mufste man doch in 
jedem Äugenblicke gewärtigen, dafs der Feind, welcher in seinen 
gedeckten Stellungen verh'ältnismäfsig nur wenig gelitten haben 
konnte, einen energischen Gegenstoüs führen und die dünnen 
Linien des Angreifers auf St. Mme zoräckwerfen werde« (G.-St.- 
Wh S. 873). 

Eine dritte Gefechtslage zur Ausnutzung des Schanzzeuges 
würde nach Einnahme von St. Privat eingetreten sein, als die 
Reserve das Corps Ladmirault, die Brigade Pajol, die Grenadier- 
Division Picard der Garde, unterstützt durch 4 frisch eingetroffene 
Batterien und die Kavallerie Generals du Barail zur Aufuahme 
der Offensive bereit waren. 

Wohin aber der Mifsbrauch des Spatens fuhren kann, das 
zeigen am Besten die Kämpfe der russischen Oarde um den 
Etropol Balkan. Der Wille, eine befestigte Stellung energisch an- 
zufassen, ist verloren gegangen, wochenlang steht die Elite des 
russischen Heeres höchst minderwertigen Neuformationen gegen- 
über, die in keiner Weise geneigt siiui, energischen Widerstand zu 
leisten. Als dann sciiliefslich die Umgehung der Stellung im Westen 
gelingt, als die russischen Garden in unmittelbarer Nühu der türki- 
schen iiückzugijliiiie stehen, wird, anstatt anzugreifen, geschanzt 
and den Türken (rclej^^enheit ^^»'geben, etwa 8000 Mann in einer 
befestigten Stellung bei Tasehkessen zu vereinigen, in welcher sich 
die Türken gegen einen russischen Angriff bis /.um Einbruch der 
Dunkelheit behaupten und so dem türkischen OberlietVlilshaber Zeit 
geben, seine Truppen ungefährdet aus den Linien von Araba Konak 
zurückzuführen. 

Auf Grund der Erfaiirungeu des Krieges 1877/78 erhielt die 
russische Infanterie eine Vorschrift über das »Selbstein- 
graben« der Infanterie, in welcher der Gebraueh des S[Miten8 
in nachfolgenden Fällen empfohlen wird: Festsetzen in einer ge- 
nommeneu Stellung, um sich vor einem etwaigen Gegenstofs des 
Verteidigers zu sichern, Gewinn von Stützpunkten für eine weitere 
Fortsetzung des Angriffs und Vorbereitung von Aufnahmestellungen. 
Der Befehl zum Eingraben mufs immer von dem höchsten Befehls- 
haber ausgehen. Die Ausführung hat in folgender Weise zn ge- 
schehen: »Jeder Mann, welcher nicht durch einen Terraingegenstand 
gedeckt ist nnd einen Spaten hat, legt sein Gewehr neben sich und 
b^nnt, auf der linken Seite liegend, paraUel seinem Körper eine 
Vertiefung auszuschachten, so laug wie die Entfernung seines linken 

21» 



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Der Spatengebnneh in der Offenüre. 



EUenbogADg vom Kaie, so Inreit wie d«r Spatüutiel lang und w 
tie^ wie das SpatanUatt breit ist Die Erde and asmentlicli etwaige 
BaseaBtllcke legt er vor seinen Kopf, den er sobald wie möglicb aa 
decken sacht. Ist dies vollendet, so kriecht der Mann in die her- 
gestellte Yertiefnng, legt sich auf die rechte Seite und verlfefart 
nodonsls in derselben Weiset Ist eine genügende Deeknng erreicht, 
so giebt er den Spaten an den anderen Hann der Rotte ah, welcher 
in gleicher Weise arbeitete — 

Es bedarf wohl keinee Hinweises, dals ee gegeowirtig mehr 
wie je darauf ankommt die SchOtiengribea für den Gegner schwer 
erkennbar sa machen, im erhöhten BUSm gilt dieses vom »Offensiv- 
Schütsengrftben«, die immer mehr als Maske nnd anch als Auflage fftr 
das Gewehr dienen, als dem Manne wirklieh ansreiehende Dedkang 
verleihen. Dnrcb geschickte Arbeitssnordnang wird es sich fast immer 
ermöglichen fassen, den Schfitsengraben im Aussehen seiner nSohaten 
Umgehung ansnpassen. 

Das belgische Exersier-Reglement vom Jahre 1885 (III, 
758, 840) will den Spaten in der Offensive angewendet sehen rar 
Schaffang eines Stftt^nktee bei Umgehungen, rar Verteidigangs- 
einriehtung genommener Stellungen und als Feueiposition rar Ab- 
gabe von indirektem Feuer beim Angriflb von Feldsohansen. Das 
preufsisohe Exersier-Reglement empfiehlt die Anwendung des 
Spatens in der Offansive »aar Festhaltung und Verstirkung 
genommener Abschnittet (II, 58). 

Weaentlieh anders gesteltet sich die Anwendung des Spatens 
im Festnngskriege, flher welche wir noch einige Bemerkungen 
anschlielsBn wollen. — Wenn im Jahre 1870/71 die gewahMunea 
Angriffe auf Toul, und bei Beifort gegen die beiden Perches 
scheiterten, so lag dieees bekanntlieh daran, dab der Kampf mit 
ungenügenden Mitteln nnd unrattnglichen Vorbereitungen untei^ 
nommen wurde. Die Ersttizmung von Kars seigt aber, dab ein 
solcher Sturm möglich ist; nadi der Schlacht an der Alma er- 
warteten die Russen einen Angriff auf die Kordhefestigungen von 
Sewastopol und glaubten, sich in denselben nicht halten aa 
können. Andererseite veraiehem fransSsische Autoren, dafe 1870 
Paris nach dem IVeffisn von Btcfttre— Chmmrt einem ersten Angriff 
der Truppen nicht hätte widerstehen können. — Für die Ver- 
teidigung greiser Featangen wird neuerdings stete die Vorbereitung 
einer im Bereiche der Forlgeechfltse liegenden Aufsenposition ins 
Auge gefabt. Bei Beifort wurden s, B. von den Fhknsceen bis auf 



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Oer Spatflogdiiueh io dar OfiiUMif«. 



304 



2000 m Entfernung von den Forts 5 Batterien vorgeschoben, welche 
bestimmt waren, Stützpunkte für eine Infanteriestellung abzugeben. 
Entschliefst sich der Angreifer für den förmlichen Angriff, so wird 
er nicht umhin können, sich mit stflrmender Hand zunächst in den 
Besitz dieser Stallungen zu setzen. Der Anj^reifer wird in solchen 
Fallen j^ewöbnlich schon bei Tage bis an die < Frenze des wirksamen 
feindlichen Feuers herangehen, die Vortruppen des Feindes zurück- 
werfen und in der Dunkelheit mit dem Bau von Deckungen be- 
ginnen, welche Tags über zähe gehalten werden. Vom Gegner wird 
es abbangen, ob man ans diesen Stellungen den Sturm bereits 
nntemehmen kann, oder ob mau sich zu «»inem neuen Sprungp in 
der nächsten Nacht entschliefsen uiufH. Die Verwi uiliHig der Grüben 
von kleinem Profile ist hier völlig ausgeschlosseu, da diese nur 
ungenügenden Schutz gegen das Schrapnelfeuer aus kurzen Kanonen 
und Morsern gewähren und ein Ansammehi der Sturmtruppe nicht 
gestatten. Ein Mitwirken von Pionieren ist nur in seltenen 
Fallen geboten, denn die Infanterie ist bei ihrer jetzigen Aus- 
bildung im Gebraui lie des Spatens soweit, dafs sie auf die 
Mitwirkung der technischen Truppe verzichten kann. 
Naturgemäfs sind alle Künstideien, wie z. B. der Auftn;irsch längs 
einer Trace aus Reihen — wie dies beim normalen Anshcben 
einer Infanteriestellung vorschriftsmäfsig ist — zu vermeiden. I)ie 
zur Arbeit bestimmte Abteilung rückt ausgeschwämt in die durch 
Richtposten bezeichnete Linie ein. Jede Compagnie stellt für sich 
die von ihr zu verteidigende Deckung mit den notigen Verbindungs- 
graben her, übernimmt die Sicherung gegen den Feind, legt im 
Vorgelände Entfernungen fest und räumt dasselbe, soweit wie 
erforderlich, auf. 23. 



XIX Ülniiigeii der russischen Mehswehr 

(Opoltsclieiijje). 



Die nunsehe Beicfaiwebr eattprieht in ihrem entten Angebot 
mm Teil unserer Eraat^Beeerre — indem rie die bei der Ans- 
hebang fSr dioiBtbnnchbar befundenen, aber Sberwiblig gebUebenen 
Leute enth&lt — zum Teil unserem Landsturm 2. Aufgebote — in^ 
dem sie femer die aas dem siebenden Heere (woan neben den 
.5 aktiTen Jahrgangen auch die 13 Jahrgange der Reserre gehören) 
ausgeschiedenen Mannschaften in sieb begreifl. Das zweite Anf* 
gebot der Reichswehr entspricht etwa unserem Landsturm 1* Auf- 
gebote, indem es die bei der Aushebung für nicht yolÜg kiiega- 
brauchbar befundenen Leute enthält. In beiden Aufgeboten beginni 
die Dienstpflicht mit dem 21. und endigt mit dem 43. Lebensjabrav 
Beide Aufgebote unterlagen bis vor wenigen Jahren im Frieden 
keinerlei Dienstverpflichtung. Im Jahre 1888 wurde bestimmt, dalis 
die 4 jüngsten Jahrgänge des 1. Aufgebots der militärischen Kon- 
trolle unterliogpn und während dieser Zeit zu 2 Übungen von 
hdchstons je 6 Wochen verpflichtet sind; diese Übungen sind während 
des ersten beziehungsweise dritten Jahres der Zugehörigkeit zur 
Reichswehr abzuleisten, und ist ihre Daner zunächst anf 4 Wochen 
festgesetzt worden. 

Im vergangenen Jahre haben diese Übungen nun zum ersten 
Male stattgefunden. Uns liegt der Bericht eines Kreis-Truppen chefs 
über die in seinem Bezirk abgehaltene Übung vor; derselbe dürfte 
Alles, was für unsere Leser über diesen Gegenstautl von Interesse 
ist, enthalten und gleichzeitig geeignet sein, einen Einblick in den 
Dienstbetrieb eines russischen Truppenteils zu gewähren. Wir lassen 
den ArtUcel nachstehend in der Übersetzung folgen. 

»Im vergangenen Jahre sind zum ersten Male die Wehrleute 
des ersten Aufgebots der Reichswehr zur Übung herangezogen 
worden. Zur Einberufung gelangte der Jahrgang 1889 und betrug 
dessen Starke im Jadrinschen*) Kreise 258 Mann.c 



*) Die Kreisstadt Jadrin liegt im Goaveniement Sioibirsk aD der Sara un- 
weit deren modaag in die Wolga. 



Ob««Mi dm nmmktn Baidiiwtlir (Op«llNhiaö«). 306 



Vorbereitende Anordnungen und Gestellung der 
Wehrleute am Übungsort. »Die Dauer der Übung war, wie 
bekannt, auf 28 Tage und der Beginn derselben auf den 2ö. Seji- 
tember festgesetzt. Am Cbuugsort waxen alle Mafsregeln getroffen, 
damit die Übungen der Wehrleute ohne Verzögern zur festgebetzten 
Frist beginnen und ohne jede St^irung zu Ende geführt werden 
konnten. Zu diesem Zweck war: 1. bei Zeiten das für die Wehr- 
leute bestimmte Lehrpersoual nach der Kreisstadt Jadriii eiuberufen 
und wurde mit diesem bis zum 25. September, dem Beginn der 
Übung, der g^^samte Ausbiidiingsgang, wie es in den Bestimmungen 
vorgti.scb rieben ist, vorher praktisch durchgenommen. — 2. Wurde 
rechtzeitig für die Wehrleute Unterkunft in von den stiidti.sehen 
Behörden gemieteten Privathüuseru bereitgestellt und wurden alle 
zur Übung einberufeiieu Wehrleute schou vor ihrem Eintreffen auf 
da8 Lehr-Persoual verteilt. — 3. Wurde vom 85. Reserve- lufauterie- 
Bataillon durch Verfügung der l'J. Lokal-Brigade 1 Offizier und 
1 Mann kommandiert, der erstere zur Leitung der Übungen der 
Wehrleute, der letztere zur Verwendung als Koch. — 4. Wurde für 
die ganze Dauer der Übung, um die Stelle eines Tambours zu ver- 
sehen, ein solcher aus der Reserve gegen eine Vergütung von 
30 Kopeken pro Tag gemietet. — 5. Wurde bei Zeiten das er- 
forderliche Korporalschafts-Gerät und -Geschirr bereit gestellt, wie 
Kessel, Löffel, Tassen u. dergl., ferner die zur Bachfahnuag and 
Rechnungslegung erforderlichen Hefte and Formulare. 6. Bndlieh, 
wurde ein vollständiges Veneichnis der an jedem Tage ammfühiea« 
den Übungen fär die ganie Dauer der Übang aasgearbeiteL 

Von S58 In diaMn Jahre nr Übong einbenifenen Webileaten 
gelaugten 953 tat OssteUnng^ Von dsr Zahl der Niohtsnehienenen 
wnran 3 gemaCs § 68 des Beglements ttber die Verpfliehtung zum 
HIliftSrdifliiBt all Volkiscdraneliror doioh die MUH&r-Boböide ?on 
der Ableiabuig der Obung befreit, einer war gestorben ond nur ein 
Mann eneUin nicht, weil er sieh von seinem Wohnorte entfernt 
hatte. Anf diese Weise beimg, trotadem die Übung in diesem Jahr 
fflr die Bewohner des Jadrinsohen Kreises unerwartet kam und 
die Anordnungen hierftr erst gegen Ende August erfolgten, in 
WirUichheit die Zahl der Nichtenchienenen nur 0,3%;*) «n solch* 
geringer Pioaentsate beweist» dab unter den Wehrleaten dee 1« Auf- 



•) In einem Bericht des .Bossiachen Invaliden" Tom 9.;21. Februar d. Js. 
wird die Zahl der nDentscholdigt Ausgebliebeaea Hlr den Bereich der gaam 
Anw« nit 9^*U bcnofaast 



307 



Öbangeu der ntssiaohon finchswehr (Opoltscben^e). 



^ebots (lor Roirhswehr die Neigung, sirh der Dit'nstveri)flichtung zu 
entziehen, nur gtiing ist. — Die (iestelluu«^ der Wehrleute Vieganu 
am Abend des 2i. Septeraher, an wehhem zunächst 14 Mann er- 
schienen, und war am 26. beendet. Die Wehrh'ute trafen sowohl 
einzeln als auch in gan/.t'u Dorfpemeinsehal'ten von verschiedener 
Stärke, von lü bis zu liO Mann auf einmal, ein. Während dieser 
Zeit befanden sich auf dem Bezirks-Hureau andauernd einige Cadre- 
Mannricliaften, welche jeden eintreflPendeu Wthrmann nach Ausweis 
.sein«'s Reichswehrscheins in das für ihn bestimmte Quartier wieseu 
und ihn mit Brot und Viktualien versahen. € 

Aufsere Erscheinung und häusliche Verhältnisse der 
Wehrlente. »Das äufsere Ansehen der Wehrleute war, dank der 
ziemlich gleicbmäfi^igen Bekleidung, ein recht zufriedenstellendes; 
doch waren such einige Lente damnter, welche noch nidht kräftig 
und entwickelt genug waren. Bei der ärztlichen Untersuchnng fielen 
wegen ihrer geringen Tauglichkeit insbesondere die Wehrlente des 
MalojanschefBchen Amtsbezirks anf. Nach Ausweis der Hilitär» 
Papiere geh5tten simtliehe eingestellte Wehrieote der griechisch- 
katholischen Kirche an. Der Nationalitat nach befimden sidi unter 
ihnen 31 (yrob-Rossen nnd 238 IMnwaschen.^ Den Famifien- 
Yerhfiltnissen nach waren 68 Terheiratet, 2 waren Witt wer, 188 on- 
Terhdratet; Ton den Verheiiateten hatten 15 bereits Kinder. Dem 
Stande nach waren Tertreten: 1 Geistlicher, 4 Bfirger nnd 248 Bauern. 
Der Beachfiftigung nach befanden sich unter ihnen 8 5iFentliche 
Beamte, 1 Privat-Beamter; die nhrigen 249 besehSftigten sich mit 
Ackerbau, ünter diesen waren 31 Handwerker Tertreten, nämlich 
1 Schuhmacher, 8 Holsarbeiter, 1 Kammmacher, 9 Zimmetlente, 

1 Walker, 1 Sohmied, 4 Stellmacher, 1 Qerber, 8 Ofensetser nnd 

2 Schneider. Den unter den Einberufenen befindlichen 3 öifont- 
lichen Beamten wurden ihre Stellen bis snr Beendigung der Übung 
offen gehalten, einer von ihnen bezog sogar v^rend der Dauer 
der Übung sein (behalt tou 20 Rubel weiter; der einberofene Privat- 
Beamte verlor infolge der Übung seine Stelle.« 

Anzug und Fufsbekleidung. »Der Anzug**) der einbe- 
mfenen Wehrleute war ein ziemlich gleichmäfsiger; er bestand fast 
dnrdiweg aus kuraem Pelz, Pelzmütze und dner Jacke aus Tuch; 
nur 11 Hann trugen Kleider städtischen Schnitts. Die Pnlsbekleiduag 

*) Die Tscbnwusclioii bilil'n eine Bevölkerunps-Gnippe, welche in einer 
Ciesaintzahl von t'twii 570,000 Köpfen vornehnilicli in dieser Gepcnd, zwischen 
Nischni-Nowgorod und Kasan südlich der Wolga, ihre WohosiUe haben. 
**) EÜM fSaUsidtuig findet bei den ÜbsagaD der Beidmrelir nicht tistt 



ÜlnagMi d«r nniHiiMi 1teldi§w«hr (OpoMaohio^). 



308 



bestand zur gröfsereu Hälfte aus für den Dienst brauchbaren Stiefeln; 
nur 9 Manu von dem ganzen Aufgebot trugen Bastschuhe, Nach 
Ansicht des Verfassers erscheint es durchiius erforderlich, bei den 
Kreia-Truppenchef- Verwaltungen eine gewisse Zaiil Montierungs- 
Stücke, wie Stiefel, Mäntel und Hosen, bereit zu halten, um damit 
die ärmsten Mannschaften zu versehen, ähnlich wie dies bei der 
Einbenifung der Ilekruten bereits geschieht. Nach Ablauf der 
Uhung wären die ausgepobenon Montierungssf ücke den Wehrieuten 
wieder abzunehmen und für die nächste Einberufung aufzubewahren, 
wobei die Tragezeit der Sachen auf 5 Jahre festzusetzen sein würde. 
Was die Wäsche anbetrifft, so hatten OC/o aufser der im Gebrauch 
befindlichen nur noch eine Garnitur bii sich; infolge dessen sehr 
bald, schon bei der ärztlichen Untersuchung, Schwierigkeiten ein- 
traten. Angesichts dessen schlä<„'t der Verfasser vor, die Wehrleute 
zu verpflichten zu den (Ibungen aufser der im Gebrauch befindlichen 
wenigstens noch 2 Garnituren mitzubringen. Aufserdem würde es 
nützlich sein, an die Wehrleute Leibriemen auszugeben, da vielfach 
durch die weite, vom Treibe abstehende Kleidung, die Leute au einer 
freien Handhabung der Waffen gehindert würden. c 

Auch in dem bezüglichen Bericht des »Russischen Invaliden« 
vom Februar d. .Ts. wird erwähnt, dafs der Schnitt der 

Kleider vielfach der Ausführung der Übungen hinderlich i^ewesen 
sei. Trotzdem zugestandeu wird, dafs hierdurch die Ausbildung 
der Mannschaften einigermafsen erschwert wurde, soll dies in Zukunft 
nicht anders gehandhabt werden, unter der Begründung, dafs es — 
von den Kosten ganz abgesehen — »auch im Ernstfalle bei der 
Aufstellung von Reichswehr-Truppenteilen vielfach kaum möglich 
sein wird, die Leute mit einer, nur einigermafsen einer Umtoriu 
ähnlichen Kleidung auszustatten, man sich vielmehr liöchst wahr- 
scheinlich damit begnügen müsspu wird, die eignen Kleider der Leute 
für den Dimist geeignet zu machen.« 

.\rztliche Untersuchung. »Bei der Ankunft wurden alle 
Wehrleute einer ärztlichen Untersuchung unterzogen, wobei sich 
Folgendes ergab: 6 Mann hatten Krätze, 2 waren magenkrank, 
1 hatte Gelbsucht, 2 litten an ansteckenden Krankheiten und 4 
waren augenkrank: im Ganzen wurden also 15 Kranke ermittelt. 
Diese wurden sämtlich zur Feststellung ihres Gesundheitszustandes 
der Krei.s-Aushebungs-Kommission vorgeführt und von dieser von 
der Teilnahme an der Üljung befreit. Somit verminderte sich der 
Bestand der einberufenen Wehrleute infolge Krankheit um (')%, 
d. i. um 27» weniger als für die Gestellung im Falle einer Mobil- 



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309 



thm§m. 4« naiiMliMi B«iel»wdir (OpottBokenli«). 



machuDg*) vorgesehen ist. Einige Wehrleute gabeu dem Ante an, 
dafs sie krank seien, während sie sich bei der Untersachang als 
völlig gesund erwiesen und in der Folge die Übung ohne jeden 
Schaden für die Gesundheit ableisteten. Dies führt den Verfasser 
zu dem Schlufs, daCs im Kriegsfall die Zahl der vom Dienst Be- 
freiten sicherlich wachseu wird und vielleicht sogar die hierfür 
angenommenen Normen übersteigen wird. — Bezüglich der Be- 
zahlung des Civilarztes für die ärztliche Untersuchung stiefs man auf 
Schwierigkeiten, in den Bestimmungen ist angegeben, dafs »den 
Ärzten für die Zeit der Untersuchung 3 Ruliel auf einen Tag zu 
zahlen seien«, jedoch nirgends ist ilit» Zahl der Wehrleute, welche 
der Arzt an einem Tage zu untersuchen verpflichtet ist, angegeben. 
Es erscheint dem Verfasser ungerecht, ein und dieselbe Summe zu 
zahlen für die Untersuchung^ von 20 Wehrleuten (wie z. B. in der 
Stadt Ziwilflk) wie für die Untersuchung von 500 Mann (wie in der 
Stadt Kasan) und schlägt deshalb vor. dem Arzt für 1(H) Manu und 
weniger auf den Tag 2 Rubel und sodann für jede 50 Mann mehr 
50 Kopeken zu zahlen.« 

Unterkunft. y>Uie Unterkunft der Wehrlente begegnete in 
der Stadt Jadrin kemerlei Schwierigkeiten. Die Stadtbehörde mietete 
auf Anweisung der Einquartierungs-Koiumission 14 einzelne Quartiere, 
in welchen die Leute kasemenraäfsig untergebracht wurden. Doch 
am dritten Tage wurde die Zahl der von den Wehrleuten belegten 
Quartiere wegen mangelnden Cadre- Personals behufs besserer Be- 
aufsichtigung auf 1 2 herabgesetzt Zur Abhaltung der Übungen bei 
schlechtem Wetter waren seitens der Stadtbehörde 2 grofse Scheunen 
znr Verfagang gestellt. Bis zam Eintreffen der Wehrlente worden 
Strohlager zum Schlafen, Pyramiden für die Gewehre, Liampen vnd 
Nachtgeschirre bereitgestellt, auch waren die Qnarüere geheitt, wm 
bei dem kalten und feuchten Wetter sehr am FbtM mr. Gleich 
nach dem Eintroffen zur Übnng &nd ein Jeder eine für ihn be- 
stimibte winne Lagerstatt und konnte steh Ton der Ffimrge fBr 
seine Pereon ftbeneugeu; dieser Umstand konnte nnr sehr Tortailhaft 
aaf den ISrfolg der Obung einwirk!en.€ 

Der bereits erwShnte Bericht des »Rnssisehen In? eliden« besagt, 
dds die Übnngs-MaBnsidiftfteii m etwa 70Vo in Kasemen-QuartienOy 
lOVe teilweise in sokjhen, teilweise in Bfirger-Quartieran voA sn 
11% eoflsehlidUieh in Bfirger-Qiiartieren untergebreoht wurden. 



*) Im Bereich der ganz«D Armee goU der Prozentsatz der bei der Qeetellimg 
als krank wieder EntUnenen im Durchschnitt 5*/« betragen haben. 



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ÜlmQgttB d«r nMbdmi Bddwmhr (OpoltNh«!!^«). 810 



Doch überall scheint die Fürsorfre für die Leate nicht so merkbar 
gewesen zu sein, wie aus dem Jadrinschen Kreise gemeldet wird, 
denn der Bericht des »Invaliden« bemerkt, dafs die Unterkunft 
stellen weise »nicht völlig zweckentsprechend« gewesen sei; der 
Bericht spricht von engen, feuchten, kalten Gebäuden ohne Betten 
oder auch nur mit Pritschen u. 8. w. Doch wird auch hier hervor- 
gehoben, dafs stellenweise die Unterkunft eine recht gute frevvesen 
sei, 80 werden unter Anderen die livländischen und kurliindiHcheu 
Stadtbebördea wegen ihrer Fürsorge für die Truppen herTor- 
gehoben. 

Verpflegung und Verwaltung. »Dank der Fürsorge des 
Kreis -Vorstehers begegnete die Verpflegung der Wehrleute keinerlei « 
Schwierigkeiten. Auf sein Ansuchen richtete die Stadt für dieselben 
eine besondere provisorische Küche ein. Brod wurde nach dem 
Gewicht, 1230 gr (3 russische Pfd.) auf den Tag empfangen; warme 
Kost wurde zwei Mal am Tage verabfolgt, zum Mittagbrot und 
Abendbrot. Dieselbe bestand während der ganzen Dauer der 
Übung in Fleischkost und war überhaupt recht schmackhaft, wofür 
nachsiehende Berechnung den Beweis liefern mag.« 

Küohensettel für 100 Medd. 





Kohlsappe. 


Nadeln. 


KarloiU- Or&tibrei. 


Grätzsappe 




fScbtpchi) 


(Lapscliä) 


SlippP. 


(Kascha') 


(Kaschnpa) 




lontag.Mittwoch Sonntag u. 


Dienstag 


täglich. 


mit KartotTeln 




0. Sonnabend. 


Donnerstag. 


a. Freitag. 




zom Abendbrot, 




»4,67 kg 


91,67 kg 








Kohl. . . 


8 Ebner 










Mehl . . , 


2,45 kg 


8.19 kg 








Fett . , . 


0,82 . 


. 2,04 „ 


0^8» kg 




1.64 kg 


Salz . . . 


2,04 , 


8,04 „ 


2,04 „ 


0,82 . 


1» n 


Zwiebeln . 




0,82 , 


0,ö2 , 






QiUm ■ . 






4»00. 


13,04 kg 


430kg 


Iiorhaerblltttt 


S5gT 


95 gr 


86 gr 




17 gr 


Fftflbr . . 






25 , 






Kartolbbi . 






2'/, Saok 




2'/« Sack 


Eier . . . 




12 Stflck 








Waner . . 


10 Eimer 


10 Eimer 


10 Eimer 


2 Eimer 


8 Eimer. 



Aufserdem wurde gegen Ende der Übung, als die Leute sicli 
ganze Tage lang auf dem Schiefsplatz befanden | aus den Menage- 
Ersparnissen an die Leute Thee ausgegeben. Die Verwendung der 
Menage-Ersparnisse für die Ausgabe von Thee erschien rationeller, 
als die Auszahlung des Überschusses in bar am Ende der Übung, 
da in letzterem Falle auf den Einzelnen nur eine sehr geringe 
Summe, etwa 5 Kopeken, entfallen wäre. Diese Summe konnte für 



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311 



Übangeo 4«r rnamcbeii Btielwwehr (Opoltacheng«). 



den Einzelnen keinen Wert haben und wäre höchst wahrscheinlich 
doch zum nächsten Scliankwirt gewandert, wohingej^fen die Gelegen- 
heit freien Ihee zu erhalten zweifellos für die Leut^ von grofeer 
Bedeutung war. Der Thee wurde in Portionen zu 4,r> gr und 
2 Stücken Zucker ausgegeben; heifses Wasser fanden die Lente in 
der Menage oder bei den Quartierwirteu vor. Für BeschatYung von 
allerlei Wirtschaftsgeräten waren pro Mann 15 Kopeken ausge- 
worfen; eine derartige Summe ist wohl zur Instandhaltung, nicht 
aber zur NeubeschaflFung der verschiedenen Korporalschafts-Geräte 
ausreichend. Eine grofse Ausgabe bereitete namentlich die Be- 
schaffung der Kessel und Einrichtung der Küchen; und doch würde 
ohne dieses in den meisten Kreisstädten die Verpflegung der Übnngs- 
mannschaften sich in höchst traurigem Zustande behndeu, was natur- 
gemäfs recht ungünstig auf die Übungen selbst einwirken wurde. 
Nach Ansicht des Verfassers sollte man gleichmäfsig allen Kreis- 
städten besondere Summen zur Beschaffung der notigen Kessel, 
Kübel u. 8. w. anweisen und sie sodann verpflichten, für diese 
Zwecke besondere Küchen und Bäckereien einzurichten, dann würde 
es während der Übungen bereits genügen, wenn pro Mann für ver- 
schiedene wirtschaftliche Ausgaben 12 Kopeken gezahlt würden. 
Diese Summe würde wie folgt za verteiieo sein: 1. Für Beschaffung 
der Geschirre wären innisdnelsen pro Mann 3 Kopeken. — 2. Für 
die Beschaffung von Ldffehi 2 Kop. — 3. Für Besen, Sehrabber, 
Suid o. 8. w. Vt Kop. — 4. Badegeld fOr 2 Bader, einmal m An- 
ikng nnd einmal am die Mitte der Übnng 6 Kop. — 5. Ffltr ver- 
sohiedene, nicht Torher la bestimmende kleinere AoegAben % Kop. — 
In Somma 12 Kopeken. 

Dnrch die Einrichtung von Kochen an jedem Obungsort würde 
nicht nor die Verpflegung der Wehileate, sondern sodi die der 
Rekniton nnd der Mannschaften der Reserre, sowohl hei der 
Einbemfuug zat Mobilmachung wie zu den Übungen, sicher- 
gestellt sein nnd es wSrde dem Torgebeugt, dafe daa Yerpflegungs- 
geld, wie dies jetst häufig geschieht, lediglich in die Taschen der 
Schankwirte flielat, nnd so dem T^ronka Vorwhiih geleistet wird.c 

Innerer Dienst »Aas den 253 sor Übung einherafenen 
Wehrlenten wurde eine besondere Gompagnie fomniert; aniser &m 
Compagnie-Flihrer, einem Stahe-Kapitän vom 85. Reserre-InÜMiterie- 
Batafllon stand folgendes Gadre-Personal mr Verfügung: 5 »ilters« 
Ünteroffisiere (Sergeanten), 7on denen einer die Feldwebel-Gesofaifte 
fflhrte, 5 Gefreite und 2 Gemeine, welche naeh Brj^nng ihrer 
gesetamäisigen Dienstpflicht dem beständigen Cadre der Reichawdir 



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ObQi^ai der roMiMhen BaichBwehr (Opoltachen^a). 



312 



angehörteu, 1 gemieteter Tambour und 2 Leute des aktiven Standes, 
von denen einer als Ordonnanz, der andere als Koch verwt^ndet 
wurde. Dieses Cadrt -Personal wurde bei geschlüsseuer Kaseruierung 
völlig ausreichend sein, bei zerstreuter Unterbringung ist es jedoch 
zu gering, wie sich dieses auch bereits iu Jadrin am 3. Übnngstage 
herausstellte. Es ist als Hegel festzuhalten, dafs in jedem abge- 
sonderten Quartier, '/.usaramen mit den Übungsinauiiscluitten, auch 
ein Manu des Lehrpersonals untergebracht wird. Im anderen Falle 
gewinnen die somit sich selbst überhusseiieu Wehrleute durch die 
Übung nicht das erforderliche Verständnis für niilitrirische Disziplin 
ünd Ordnung. Den Bestimmungen nach sollen aul jeden Lehrer 
nicht mehr als 20 Mann entfallen; doch nach Mafsgabe der Ein- 
quartierung und der Einteilung in Kameradschaften entsprechend 
den Amtsbezirken (boloat) und Ortschaften wurden einigen, besonders 
tüchtigen Lehrern mehr als 30 Mann und anderen minder geeigneten 
weniger als 10 Mann übergeben; überhaupt läfst sich bezüglich der 
Zahl der einem Lehrer anzuvertrauenden Leute eine bestimmte 
Norm nicht geben, und wird es am besten sein, dieses dem Er- 
messen des Offiziers, welcher die Übung leitet, oder dem Kreis- 
truppenchef, welcher das Ganze beanfsichtigt, zu überlassen. In 
den Etat der beständigen Gadres der Reichswehr bei den Kreis- 
Trappendief*Verwaltiingen mülste nach Ansicht des Verfassers ein 
Feldwebel aufgenonimeii werden; wenn ein solcher nicbt vorhanden 
iat, aollte niBii dem Unieroffisier, welcher die Feldwebel-Geschäfte 
fahrt, eine FirnktioBSinlage gewahren, da es sieh zeigte, dals die 
Gadie-Unterolfiiiere nur tmgem die Yenntwortilielikeit nnd die 
Mühen dieser Stellung auf ndi nahmen.€ 

Gang und ErgebnisBe der Ansbildnng. »Die Anabildung 
der Wehrlente begann am 20. September nnd wnrde hierbei nach 
dem am 8chln6 befindlichen Übnngsprogramm, welches entsprechend 
den beifiglichen Yonebriften vom 88. Febmar 1890 aufgestellt 
wnrde, Terfabxen. Die Übungen fanden tSglich von 8 — 11 Uhr vor- 
mittags nnd Ton 2—5 Uhr nachmittags statt Bei allen Übungen 
wnrde die iwaktiscbe Seite derselben in den Yordergmnd gestellt; 
alle erfordcdichen Erlftntemngen wurden dnreh Vorffibren der be- 
treflTenden Handgriflb oder Vorzeigen der betreffenden GegenstSnde 
Terstindlieh gemacht Hierbei weist der Yerfssser besonders 
daranf hin, dals unter den besonderen Verhältnissen in seinem 
Bssirk nnd bei der unerwarteten Anordnung der Übung, namentlich 
ans Mangel an Geldmitteln sich hftnfig genug das Fehlen all' jener 
Qfllteittel, welche die ScUebausbildung erleichtern, recht fQhlbar 



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313 Übtmgen der tmStäm Utkhmnhx (Opoltachenge). 

machte; so konnten b. B. ein emielner Zielpfiihl und die wanigai 
anderw e itige n Lehmittel for die ^cbiefaansliildnng för mehr als 
260 Wehrleote bai Weitem nicht anareicheii. Nach Anaicht dea 
VerfiMaera wire ea daher eiforderlieh, hm den Kreia-Tmppenchef- 
Verwaltangen alle dnzoh die SchielaTorachrift anempfohlenen Sdueb- 
geritte hcieit an halten, da ohne dieaea diaaer wichtige Dianatsweig 
hei weitem nicht in dem wanachenawertan MafiM gät&tdmt werden 
kann, aamal die theorotiaehe Unterweianng duch daa, inahaeoiidaie 
hei den TKshnwaachen geringe Ventandnia der maaiachen Sprache 
weaentiich eiaehwert wird«*) Ei mfllite lor BaachalRing von Lehr- 
mitteln ein Panachqnaatum für einige Jahre im Voiana geiriUirt 
werden, da die rar Zeit ftr die Daner der Obang gewfthrten Zn- 
Bchtlaie bei weitem nicht aaareichen. 

Im Lanfe dar ersten Tage wurden die Leute über die bevor- 
atefaende Yereidignng, eowie Uber den inneren Dienat onterwieeen. 
In den Yctachriften fSr die Obnngen der Beiohawehr ist nirgenda 
der Unterweianng dea inneren Dienakea gedacht, nnd doch aoUte 
wenigatena der Stnbendienati ohne welchen ein geordneter innerer 
Dienatbetrieb nicht anafBhrbar ist, darin Aufnahme finden. Vom 
dritten Tage an, gleich nach Aoagabe der Gewehre, ging man 
daran, die Lente ftber das Gewehr n nnterrichten, Ziel- und An- 
achlagrilbnogen vorzonehmen bia man zum scharfen Schiefsen ober» 
ging. Bei den Zielübungen atellte eich heraus, dafis mehr als die 
Hüfte der Leute nicht im Stande war, ohne Hülfe der Hand daa 
linke Auge an achliefeen; durch fortgesetzte Übung wurde dieaer 
Übelstand xwar grölstenteils abgeateUt, doch kehrten 15 Mann von 
der Übung inrfick, ohne dals dieaea gelangen war. Die (Iherwiesene 
Zielmunition, eowie die Überweisung von 2 Platzpatronen pro Mann 
erwies sich als unrareichend. Trotz dieser ungünstigen Yerhältnisae 
waren die Schiefsergebniaae der Wehrlente im AUgemeineD befrie- 
digend; auf 100 Schritt erzielte man gegen ganze Fignrscheiben 
55Vtf auf 200 Schritt 45Vt Tre&r. Da den Leuten keinerlei Ane- 
rUstungsstücke überwiesen waren, mnbten ihnen die Patronen 
in dar Feuerlinie einzeln übergeben werden, wodurch Zeit ver» 
loien geht und die Leute auch falache Begriffe über daa Tragen 



*) über den Mangel an Lehniiittelii, die geringe Kenntnis der nusiscben 
Sprache uud die vielen iremdi>prachliciien Elemente, als eine wesentliche Er» 
•ebveniiv der Anbadnog Uagk auch dar OMhiflMh erwUnto Beriekt dw 
» R aw i i ffhwi bwaUden*. Dedi «miitit aua andnrMits grade wn dm Übaagaa» 
dato de nr TerMtsag dar raniMheB BpffMhkMDntais beitragwi weidea. 



Übnogeo der raHÜcliieo Beichswehr (Opoltscbenüe). 



814 



der Patronen bflkommMi; oi wif« donliMii efforderfidi, die Laote 
wenigstens mit Leibriemen mid einer Pktronenteidie m versehen« 

Das Ezemeren begann sogleich am enton nnd maohte 
recht gute ForlMhritle; als Regel wnrde featgdialten, daft die Lente 
nie einieln aas ihiea QnaftiereB lieb mm Dienet begaben, aondem 
dab lie n den MaUseiten oder in iigendwelchem Dienet immer 
gesehleeien im Tritt gefBbrt wniden; infolgedenen etaoden die 
Wehrlente gegen Ende der Übnng, was die enkta AnaAthrnng dee 
Ifarsohei belrült, dnrebans niebt den Blanneebafteo dee aktiven 
SUtadee naeh. Die Bewegungen naeh der Fhnit, neoh der Flanke 
and sogar in der halben Wendung waren exakt nnd nnge- 
iwangen, der Sehiitt gletehmäfaig bei guter Riditang. Wenngleieh 
bei den OriffiMi »das Gewehr fiberc nnd >Qewehr abt (andere Grifib 
worden nicht gelehrt) einige UngleiohmSlsigkeit in der Hasse sich 
bemerkbar machte, so kann dies mm Teil weniger der mangelnden 
Ansbildong, als der nicht xweekentsprechenden, in weiten Kleidnng 
zugeschrieben werden. Bei der Aosbildmig im lamtrenten Gefecht 
machte sich beeonders der Mangel an Hornisten nnd an Pfeifen 
geltend, nnd deshalb mttisien dieee vorrätig gehalten werden, 
da mm wenigsten der Hornist beim Schieben unbedingt erforder- 
lich ist. 

Gymnastisehe Obnngen wnrden nur ^enig betrieben und von 
dieesn vornehmlich nur Armübnngen als Vorübung fttr die Hand* 
habnag des Gewehrs. Bei den anstrengenden Übnngen nnd der 
andanemden Bewegung in der frischen Laft bedurfte es nicht erst 
besonderer gjmnaatischer Übnngen. — Am lotsten ÜbnngsCage 
wnrde eine Besichtigung im Exenieren nnd Schieben abgehalten; 
m dieeer Iditeren worden Patronen, welche von dem Sobolsohieben 
erfthrigt waren,*) verwendet An dieeem Schieben nahmen im 
Garnen SSO Mann Teil, versehossen wnrden 880 Kogehi und worden 
hiermit gegen die ganse Fignr (die Entfemong ist nicht angegeben) 
99 Treffer enielt, d. h. 43*/, Tnifer, am 3Vt mehr als für das 
Mdikat >gat< erforderlich.« 

Aach der Bericht des »Invaliden« sagt, dab die Ergebnisse 
der Ansbildong über Erwarten glinstige gewesen seien. Stellenweise 
eiien die Laote so den Kirehenparaden herangesogen, and wird 
noch in diesem Bericht bervoigehoben, dab hierbei die Wehrlente 
in Haltnng and Blanch nur wenig den Mannschaften des Friedens- 



*) Nach den Bsriebt das nJafsUdsa« «me flkr jtden Weknaaan im Oaatee 
mir 8 sehsdb Patranai assgewoffto. 



L.ivjM^L,j L,y Google 



315 



Übaogeo der rosuscben Rtiiciuwehr (Opoltscbeaije). 



Standes naebgsstenden h&tten. Aach die Schielaleisiiiiigen werden 
ifofes der schwierigen Verhältnisse im Durchschnitt als gate, stellen- 
w«ae als recht gute beaeiohnet. 

Gesundheitszustand wfthrend der Übung. »Die an- 
strengenden tigUchen Übungen ermfldeten weder die Leute noch 
wirkten sie auf ihre Gesundheit schädlich ein, sondern trugen im 
Gegenteil, in Verbindung mit der ausreichenden und na hrh a ft e n 
Kost, gewissermalsen sur Kräftigung bei; viele V7ehrleate wemgstens 
Itthlten sich am Ende der Übung erheblich wohler und waren stärker 
geworden. 'Während der gansen Daner der Übung erkrankten nur 
2 Leute emsüidli; dieselben wurden der städtischen Behörde sur 
Aufnahme in ein Krankenhaus uberwiesen. In ReTi6r>Behandlung 
befanden sich im Gänsen nur 17 Mann, nicht länger ab je 1 Ta^^.*) 
Der fribehe Geist, welcher unter den Wehrleuten während der Daner 
der gansen Übung herrschte, liefe nichts Besseres wflnschen; doch 
würde es wfinscbenswert sein, an die Übungsorte, in welchen 
200 Hann und mehr vereinigt sind, einen Feldsoheer mit den nötigen 
Medikamenten sn kommandieren, um den durch die Verhandinngen 
mit der CiTÜ-Verwaltung entstehenden Zeitverlust zu ersparen.« 

Führung und Dissiplinarstrafen. »Die Führung der Leute 
wählend der Übung war so befriedigend, dab kein einziger Blann 
bestraft SU werden brauohte. Des durch die angestrengten tilglichen 
Übungen bedingte Fehleu der Feiertage, die Gewißheit der baldigen 
Beendigung der Übung, die Furcht bestraft zu werden und dadurch 
womöglich gegen die anderen Kameraden zurückzubleiben, alles 
dieses Tcranlalste die Leute, auf sich zu sehten und sich auch vor 
den geringsten Verstölsen zu hüten* Nur ein Mann wurde wegen 
nicht rechtzeitigen Eintreffens zur Übung mit Straf-Stuben-Dienst am 
Feiertage bestraft Hier noch einige Bemerkungen über Diszqilinar^ 
strafen. In der Praxis ist die Anwendung einiger diesor Strafen 
gegenüber den Wehrleuten sehr schwierig. Strenger oder ver- 
sohärfter Arrest kann nicht gut angewendet werden, da ein denurtig 
bestrafter Mann nicht am Dienst Teil nehmen kann und somit not> 
wendigerweise hinter seinen Kameraden zurückbleibt und somit ihm 
gegenüber der Zweck der Übung nicht erreicht wird. Die in der 
DiasipUnarstraf-Ordnung vorgesehene Vollstreckung der Arreetstrafe 
durch Stehen unter dem Gewehr ist den Wehrleuten gegenüber 
auch wenig angebracht in Anbetracht der körperlichen Anstrengung, 



•) Der , Jnnlide'* giebt alt wibrend der Übung erimnlrt 8100 Mann 
4,l*/t sUer ÜbirngsmanuMdiafken so. 



fibuigMi d«r rnwtooheB BtMumüa (OiMltMlieiiqe)^ 316 



da hierdurch die volle koiperlidie Auspannimg des Mannes für den 
Dienst unmöglich gemacht wird. Strafen, welche ohne Schaden 
fiftr den Dienst nnd die Gessundheit gegen Wehrleiite verhangt werden 
können, sind folgende: Einfacher A,rrest unter Teilnahme am Dienst; 
Verbot des Ausgehens, Strafdienst und Arbeitsdiengt au Feiertagen. 
Wenn nach Art des Vergehens diese Strafen nicht ausrdchen, dann 
wurden diese Leute der Polizei zur Abbüfeung strengen Arrests zu 
übergeben sein; die abgeleisteste Übungszeit wnrde in diesem Falle 
nicht anzurechnen und ein solcher Mann im nächsten Jahre 
abermals zur Übung einzuziehen sein.c — Auch der Bericht des 
»Invaliden« spricht sich aufserordentlich lobend über die Führung 
der Leute aus und hebt das Ausbleiben jeglicher Bestrafung hervor. 

Entlassung. »Bei der Entlassung am Ende der Übung machte 
es Schwierigkeiten, die Leute mit Ausweisen über ihre Teilnahme 
an der Übung zu versehen. Nach don Bestimmungen sollen die 
Reichswehrscheine, welche bei der Gestellung dem Kreis-Truppenchef 
vorzuzeigen sind, am Ende der Übung der Ersatz-Kommission zur 
Eintragung des Vermerks über die abgeleistete Übung übergeben 
werden. Ein derartiges Verfahren, welches unnötige Korrespondenz 
verursacht, verzögert nur die Sache. Einfacher wäre es, wenn der 
Kreis-Truppenchef die Ableistung der Übung bescheinigte und die 
Aushebungs-ikouuuiBsion lediglich die erforderlichen Mitteilungen 
machte.« 

Allgemeine Bemerkungen. »Wenden wir uns zur Be- 
urteilung (ies Wertes der lleichswehrübungen hinsiclitlich der er- 
reichten Resultate, so ist hervorzuheben, dafs die Übungen mit den 
VVebrIeutcn erhelilich bessere Ergebnisse erzielten als dies bei den 
Rekruten in derselben Zeit der Fall zu sein pflegt. Im Vergleich 
zu der kurzen Dauer der i'lning hatten sich die Wehrleute den 
praktischen Dienst so selir angeeignet, dafs sie in dieser Richtung 
in keiner Weise den ein Jahr gedienten Reservisten nachstanden und 
deshalb muÜBte man die Gefechtsausbildung der Wehrleute als über 
Erwarten befriedigend bezeichnen. — Das Fehlen jener angst lielit ii 
Haltung, \vel( lies man bei Rekruten in den ersten Monaten uaeh 
ihrer Einstellung gewöhnlich beobachten kann, der Eifer der Welir- 
leute, die Hingebung des Lehrpersonals, endlich die vor/.ügliclie 
Verpflegung, welche besser war als sie der gröfste Teil zu Hause 
gewohnt war, alles dieses forderten in hohem Mafse df^n Erfolg der 
Übung. Auch ist nicht zu verkennen, dafs ein wesentli( li< r Anteil 
an dem Erfolg dem Stabs-Kapitäu F., welelicr sich ditsein m uen 
Dienste mit v^lU m l',ifer hingab, zuzuschreiben ist. Auf die Weise 

JikfMetor tb die XMaUclM AmM und MmIm. Bd. UJUL, 8. M 



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817 



Übangen der nusiMben Beichswehr (OpoltschMige). 



kann der Zweck der Übung, die eingezogeiien Vehrkate mmit 
vonabereiten, dds sie geeignet eiiid, die Reihen der Armee im 
Notfall m erganzen, ala TOllig eiroeht betcaoktet werden. — Die 
abgeleistete Übung hatte anoh ffir die Verbreitang der mninkeB 
Spcaehe unter den TMhnwaschen erhebliche Bedeutung, da die Lsate 
wShrend der ganien Daoer der Übang angehalten wurden, unter- 
einander mesiaeh ta apreohen. 

Ans Anlab hier und da laut gewordener Zweifel, ob die 
Methode des Selbetonterriehta mit Hfilfe selbst gewShHer Kamerad- 
schafts-Ältester Torteilhaft anwendbar sei, hebt der Yerfasser herrort 
dab, nach diesem ersten Veraneh su urteileD, dieee Uethode sieh 
als sehr pcakttsch erwiesen hat, insbesondere unter FremdspiacUeni 
wie die Tsehuwaschen, welche nur wenig RuasiBeh verstehen. Trots- 
dem sah man von einer wSrtlidien Befolgung des § 4 der Voraehrift 
för die Ansbildang der Wefarleute ab. Beim Exersieren erwiea sich 
die Unterweisung der Kameradachafts-Ältesten, abgesondert von den 
anderen Wehrleuteu, wie dies der erwShnte Paragraph empfiehlt, 
nicht als praktisch, da hierdurch unnötig Yiel Zeit verlorsn geht 
Man sog es yor, beim Frontdienst alle Wehrleute gleichzeitig zn 
unterweisen und die Kameradsohafts-Ältesten, als die gewandtesten, 
hierbei als Dollmetseher bei Erläuterung der Details su Terwenden. 
Was das Sduelseo, sowie den inneren Dienst anbetrifft, wo nicht 
Alles vorgezeigt werden kann, sondern vielikch Erlioterungen er- 
forderlich sind, so erwies sich hier die mündliche ünterweisung 
durch die selbetgewaUten Kameradsehafts-Altesken als durohans 
zweckentsprechend; die Wehrleute eigneten sich die erfcfderlichen 
Kenntnisse auf die Art weit eher an, als durch die Unterweisung 
des Lehrers, in welchem sie immer nur den Vorgosststen erbhekmf 
wie er dieses auch wirklich ist In Anbetracht der guten Besnltate 
dieser Art gegenseitiger Unterweisung hilt der Verfasser es for 
möglich, dieselbe auch bei den Rekruten ansnwenden, sei es auch 
nur zum Versuch auf ein Jahr. 

* 

Auf Grund aU* des vontehend Angegebenen wQrde es sar Er- 
reichung noch besserer Erfolge wünschenswert sein, in die »Vor- 
l&u6gen Beetimmungen über die Übungm der Reichswehrc und die 
»Voischiift flir die Ausbildung der Wehrleute bei der ersten Übung« 
folgende Änderungen und Vervollständigungen au&unehmen. 1. Dafe 
die Wehrleute beim Eintreffen lur Übung aulser der im Qebiaudi 
befindlichen wenigstens noch 2 Cbmituren Wische bei sich haben. 
— 2. Die Wehrleute sind während der Übung mit Leibriemen und 
einer Patronentasche aussorüsten, die mitteUoeen anch mit Miateta, 



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ÜbaBgen der nwiscben Beiduwehr (Opoltaeheiiya). 



318 



Hosen und Stiefeln. — 3. Der Betrag für die ärztliche ünterauchuug 
durch einen Civilarzt ist entsprechend der Zahl der zu Unter- 
suchenden festzusetzen, und zwar 2 Rubel als Minimalsatz für 
20() Mauii lind weniger, für je 50 Mann mehr ein Zuschlag von 
50 KopekLMi, — 4. Als Regel ist festzusetzen, dafs in jedem Quartier 
ein Mann des Lehrpersonals untergebracht wird. — 5. Die Stadt- 
und Kreishehorden sind zu verpflichten, an den Übungsorten Küchen 
für die Verpflegung der Wehrlentc einzurichten und bei den Kreis- 
Truppeuchefs -Verwaltungen Kessel und Geschirre niederzulegen. 
Sodann sind pro Wehrniann für verschiedene wirtschaftliche Aus- 
gaben 12 Kopeken anstatt bisher 15 zu zahlen. - 6. In der Zahl 
der Cadre-Mannschaften niufn sich ein P'eldwebel befinden und sind 
alle CadroMiiuDschaften mit Pfeifen zu versehen. — 7. Für die 
Daner der Übungen t^iud nach den Übungsorten l'i Id.scheere mit 
den notigen Medikamenten verseheu, zu kuuimandieren. — 8. Pro 
Wehrmann sind 5 Kopeken zur Beschaflung der nötigen Zielpfilhle 
(1 auf 100 Mann), Ziel-Munition (2 Schüfe pro Mann; und ander- 
weitigen Lehrmittel zur Förderung des Schiefsdienstes auszuwerfen. 
— 9. Die Zahl der Platzpatronen ist auf 3 pro Manu zu eihülien, 
zur Einübung des Schiefsens in den verschiedenen Anschlagsarten, 
stehend, kuieend und liegend. — 10. Die Scheibengelder sind auf 
30 Kopeken pro 100 Schüfe zu erhöhen. — 11. Die über Wehr- 
leute zu verhängenden Disziplinarstrafen sind zu beschränken auf 
einfachen Arrest unter Heranziehung zum Dienst, sowie auf Straf- 
und Arbeitsdienst; diejenigen Leute, welche mit mehr als 3 Tagen 
strengem Arrest bestraft -werden sollen, sind der Ortspolizoi zur 
SirafvoUziehung zu übergeben und ist denselben die abgeleistete 
Übung nicbt anzurechnen, sondern sie sind im nächsten Jahr aber- 
mals einxosiehen. — 12. In die VorBchrifl; über die Ausbildung der 
Wehrleute ist die Instruktion über den inneren Dienst aufzunehmen, 
wsnn auch nur über die Pflichten des Stubenaltesteu und die An- 
forderungen des Stubendienstes. — 13. Die Bescbeinigungeu über 
dis AUeistong der Übungen in den Beiobswebrscbeinen sind von 
dsn KrijB*Truppenche& zu Tollziehen. — 14. Schliefelich stimmt 
VerfiMser dalfir, dafa für die Dauer der Übung sowohl dem Kreis- 
Tmppenchef, wie dem ram Übnngsort kommandierten Offizier Tage- 
gelder gewShrt werden, wenn auch nur in Höhe der Lager-Zulage. 
Diefe Mabregel wflrde swar «m ein Geringes das Budget belasten, 
würde andereiseitB aber nur eine gerechte Entschädigung und Auf- 
mnnterung ffir die vielfiichen Ifnhen sein, welchen der Kreis-Truppeu- 
ebef wahrend der Daner der Übung unterworfen ist 

»• 



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319 Obongoa der nusiacbea Beicbswehr (Opoltocbeaqe). 



Soweit der Bericht jenes Kreis-Truppenchefs. Iis geht aus 
Vorstehendem hervor, dafs die Iihuii^'en der russischen lieichswehr 
1. Aufgebuts iiu Wesentlichen den Übungen unserer Ersatzreserve 
entsprechen. Die körperliehe Brauchbarkeit der eiubernfeiu'n Leute 
wäre den üestinnnungeü nach um ein Geringes höher anzAiscblatien, 
da diesen gemäfs hei der Aushebung nur völlig brauchbare Leute 
dem 1. Aufgebot der Reichswehr zuzuteilen sind. In der Praxis 
scheint dies nicht überall zu/utrefien, denn der mehrfach erwähnte 
Bericht des Invaliden hebt hervor, dafs die Zahl der gelegentlich 
der Übung als untauglich für das 1. Aufgebot dem 2. Aufgebot der 
Reichswehr Überwiesenen verhältnismäfsig grofs (stellenweise mehr 
als 3Vo) gewesen sei und zieht daraus den Scblufs, dafs bei der 
Aushebung nicht immer mit der nötigen Sorgfalt verfahren sei. 
Was das Alter der einberufenen Jahrgänge anbetrifft, so üben die 
Leute der russischen Reichswehr durchschnittlich im 22. Lebensjahr, 
während unsere Ersatz-Reservisten in der Regel nicht vor dem 
24. Lebensjahr zur Übung eingezogen werden. Was die Aus- 
bildungszeit anbetri£Ft so stehen den 20 Wochen unserer Ersatz- 
Reserve 8 Wochen, in 2 Absätzen zu je 4 Wocheu gegenüber. Der 
grölste Unterschied zeigt sich jedoch in der Zahl der sa den Übungen 
Einberafenen. Während bei una alljährlich dnrchschnittUch 10,000 
bis 12,000 Mum ra der ersten EraatsrBeBenre-Übang herangezogen 
werden, haben nach Angabo der crffisieUen rassischen Berichte im 
vorigen Jahre, wo wegen der Nenbeit der JBinrichtang die Ühnngoi 
nur in 261 Kreisen, d. i. 6lVe der bestimmnngsmifirig in Zukunft 
heransnäeheBden Kreise, abgefaalten wurden, 75,849 Mann die ante 
Übung der Reichswehr abgoleiatet. So bedeutend diese Zahl aueh 
ist und vielleicht in Zukunft noch werden wird, so drängt sich doch 
unwillk&rlich die Frage auf, ob eine geringere Zahl bei längerer 
Übungaxeit nicht in höherem MaCM den Anforderungen des Heeres 
entspricht Dafs man in Russland, trots alles Lobes 8ber die Eigeb- 
nisse der Übnngen, sieh keinen Illusionen über den militiriaeben 
Wert dieser Übungen hingiebt, beweist selbst dar Berieht des 
Invaliden. Danach verhehlt man sich nicht, dals diese Übungen 
nicht dasu angethan sind, aus den Leuten wirkliche Sddaten su 
machen. Den wesentlichen Vorteil der Übungen erblickt man in 
ihrer eniehHchen Wirkung, weniger in der Aneignung gewisser 
reglementarischer Formen. »In der Aneinehung militlriidien Geistes, 
in der Aneignung der Grundsfttie der Disziplin und Subordination 
liegt der Hauptwort dieser Übungen, nicht aber in der Einprägung 
gewisser rcglementariBcher Kenntnisse, welche durch die Änderungen 



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Ülwiig«D d«r nnniebea iteidiBwelur (OpoltadMiige). 



der Reglements vielfach ihre« Wert verlieren und ohnehin mit der 
Zeit dem Gedächtnis entschwinden, so dafa sie im Falle einer wirk- 
lichen Einberufung doch von Neuem eingelernt werden müssen. Die 
Anerziehung militärischen Geistes und die Kenntnis der wesentlichen 
Anforderungen des Kriegsdienstes werden jedoch für immer einen 
gewissen Nutzen behalten.« 

Zum Schlüsse geben wir noch das für die Dauer der vier- 
wöcheutlichen Übung den Bestimmungen entsprechend tageweise 
ausgearbeitete Übu n gs- Programm . 

1. Woche: Vormittags von 8 — 11 Uhr, Nachmittugs von 
2—5 Uhr. — Eintreffen der Wehrleute, Verteilung der Quartiere, 
Eiiiteiluüg m Kameradschaften. — 26. /O. Morgens: Gebet, Instruktion 
über Titulation des Kaisers, der Kaiserin, des Grofsfürsten-Thron- 
folgers. Nachmittags: Arztliche Untersuchung. Instruktion ül)cr 
Titulation der AllerhJkhsten Herrschaften, der Vorgesetzten, über 
die Bedeutung des Eides. — 27. /O- Morgens: Vereidigung. Nach- 
mittags: Ausgabe der Gewehre. Instruktion über Handhabung und 
Instandhaltung des Gewehrs, über Subordination, militärische Rang- 
verhältnisse und inneren Dienst. — 28./9. Morgens: Aufstellen 
in Glieder. Kommandos »Stillgestanden« und »Rührt Euch«. 
Wendungen. Nachmittags: Unterweisung über die Aufstellung in 
geschlossener Ordnung, Wendungen und Marsch. Honneursmachen. 
Instruktion über Disziplin- und Stubendienst. — 29./9. Morgens: 
Unterweisnng über die Aufstellung in geschlossener Ordnung, 
Wendongen, Marsch, Wendungen im Manch. Nachmittags: Ver- 
doppelung der Rotten.*) Gebet Instmktion über Titolation der 
Allerhöchsten Herrschaften, über die Vorgesetzten, Ehrenbezeugungen. 
Baden und Quartier -Reinigen. — 30./9. Sonntag, Kirchgang. — 
I./IO. Feiertag, Kirchgang. 

2. Woche: 2./10. — Morgens: Exerzieren mit dem Gewehr. 
Stellung mit »Gewehr überc und »Gewehr abc. Fertigmach«n, 
Laden und Zielen* Marsch. — Nachmittags: Laden, Anschlag und 
Zielen. Qymntttiache Übungen. Instndctionen über Subordination 
und inneren Dienst. — 8./10. Morgene: Übungen im Zielen und 
Abdehen. Wendungen, Marsch. — NachmitligB: Griffe: »Das Ge- 
wehr überc, »Gewehr Abt. Laden, Ziden, Wendungen. Verdoppeln 
der Rotten. Bfarsoh. Instmktion über die AllezliSehten Herrschaften 

*) ÄU8 der Wendung rechte 'bozi- hungswcifio links») mn entsteht ähnlich wie 
bei den Franzosen durch Aufmarsch der graden (beziehungsweiae ungraden) Rottoa 
neben die iaisere Seite der vorderen fiotteu eine MÜoppelrotten'Kolonne" (Kolonne 



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321 



Obangen der matuchen Beichswehr (OpolUchen^e). 



und die Vorfresetzten. — 4./10. Morgens: Ziel- und Anschlag- 
Übungen. Zusammensetzen der Gewehre. Richtung. Marsch und 
Laufschritt mit Gewehr. — Nachmittags: Wendungen. Marsch. 
Gyninasti;^che lJbuii<^en. Instruktion über den Eid, über Subordi- 
nation, militäri.sehe liangverhiUtuisäe und Disziplin. — 5./10. Morgens: 
Ziel- und Anschlagübungen, Laden. Richtung, Marsch nnd Lauf- 
schritt. — Nachmittags: Gymnastische Übungen, Richtung, Marsch, 
Laufschritt, Laden nnd Anschlagen. Honnearsmachen. Instruktion 
Ober Behandlung des Gewehrs. — 6./10. Morgens: Laden, Ziel- 
und AnschlagQbungen, Wendungen, Verdoppeln der Rotten. Marsch 
and Laufschritt. — Nachmittags: Gymnastische Übungen. Gebet. 
iDstruktion über die Allerhöchsten Herrschaften nnd die Vorgesetzten. 

— 7./10. Sonntag. Morgens: Kirchgang. — Naohmittags: Instroktion 
über MUiiar-Oeeetze. — 8./10. Morgens: Unterweisung der Kamend- 
sdiafte-Ältesten Uber die Einteilung in Sektionen. Anschlagf Zielen, 
Abziehen. Manch und Lanfschritt. — Nachmittags: »Das Gewelir 
über«. Zielen, Wendungen. MstbcIl Instruktion über Disziplin 
und die dnreh diese bedingten Pflichten, 

3. Woche: 9./10. Morgens: ffiel- und Ansehlagnhungen. 
Bichtung. Marsch und LanMmtt. — Nadunittags: Fechten.*) 
Zielen. Instruktion über Handhahong und Instandhaltung des Ge- 
wehrs, über den Eid, Subaraßiiattoik und nufitSriedie BaBgvefUQt&isse. 

— 10./10. Morgens: Sei- und AnseUagübmigen. Richtung. Marsch 
und Laofschritfe. — Nachmittags: Unterweisung der Kameradadiafti* 
Altesten über die Einteilung der Kompagnien in Züge. Ziri- und 
Anschlagübungen. Manch. Gymnastisdie Übungen. Instruktion über 
den Eid. — 11./10. Morgens: Ziel- und Ansehlagfibnngen, Wendungen, 
Richtung, Manch und Iiau&dhritt — Nachmittags: Fechten. 
Gymnastische Übungen. Gebet. Instruktion über die AUerfaSehsten 
Hemchafben und die Vorgesetzten. — 12./10. Morgens: Ziel« und 
Anschlagübungen. Frontmatsch und Lan&ehritt. — Nachmittags: 
Marsch. Gymnastische Übungen. Instruktion über Subordination, 
militärische Rangverhiltnisse. Honneursmaohen. — 13./10. Morgens: 
Ziel- und Anschlagübnngen. Schielsen mit Platspatronen. Ctovdir* 
reinigen. — Nachmittags: Schieben mit Platzpatronen. Honneurs- 
machen. Gewehrreinigen nnd Instruktion über Instandhaltung der 
Gewehre. — 14./10. Sonntag. Morgens: Kirchgang. — Nachnuttsgs: 
Instruktion über MifitSr-Gesetae. — 15,/10. Morgens: Einteihmg 
in Züge. Wendungen, Verdoppeln der Rotten. ISanch. — Naeb- 



•) Die mnladw Bi^onettienr onehrift bildet «ben TeU det Bseiiier-BegInMiili 



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Bas „Ueiofte* Kaliber. 



322 



mittags: Anschlag, Zielen, Griffe nach Kommando: »Das Gewehr 
dberc, »Gewehr ab«. Wendongen, Marsch. Instruktion über die 
AUerhdohBteii HerrBchaften und die Vorgesetzten. 

4. Woehe: 16./1C. Moigens: Ziel- und Änachlagübungen im 
SieiiADf Knieen und liogeo. Bichtimg. — Nachmittags: Zid- und 
Aaflchlagfibangen im Stehen, Kmaeii mid Liegen. Feditm. Instmktioa 
fiber Sobordiiiation und mOitarieehe BaagrerhSltaitte. — 17./10. 
Morgens: Ofitleidieiift ond Kirdieiipande* — Naebmittags? Ziel- 
und Anaehlagfibungen. Riehtung. Zerstreute OefechtMxrdnuug. — 
I87IO. Morgens: Ziel- und AntiGblagübungen im Stellen, Knieen 
und liegen. Sehiefcen mit scharfen Patronen auf 100 Schritt. — 
NaohmittAgs: Zeratientes GefSecht. Inatruktion (Iber die AUerhSehitan 
Herrschaften und die Yorgesetrten* Honneuiismadien. Schielaen auf 
fOO Schritt — 19./10. Morgens: ^el- und Anichkgftbungen. Schieben 
mit adiarfen Patronen auf 100 Schritt und teilweise auch auf 
900 Schritt Clewehneinigen. — Nachmittags: Schielsen mit scharfen 
Patronen. Zeratieutea Gefecht Gewehrrein^^. — 20./10. Moigena: 
SehieÜBen mit aeharfen Patronen auf 900 Sehritt und serstreutea 
Gefeeht — Nachmittags: Deagleidien. — 21./10. Sonntag. Morgens: 
Kirchgang. — Nachmittags: Instruktion tther Militir-Gesetie. — 
28./10. Morgens: Anschlag, 2äelen. Fechten. Honneursmachen. 
Instmktion iiber die AUerhöehsten Herrschaften und die Vorgesetsten, 
über den Eid, Disziplin und Subordination. — Nachmittags: Gjrm- 
naatiaehe Übungen, Griffe. Marsch. Zeratreutea Gefecht Zielen 
und Anschlagfiben. — 23./10. Besichtigung. Abgabe der emp&ngenen 
Dienaftsachen. Entlassung in die Heimat W. 



XX. Das f^kleiiiste^' Kaliber. 



Von der bekannten Schrift des Ftofenor F. W. Hebler: 
»Dia Ueinste Kaliber oder daa sukllnftige Infanterie-Gewehr« ist 
kOnlich der sweite Band enchienen, welcher den dritten und letaten 
Teil des Weikea umfebt Die darin enthaltenen Yorschlige Bber 
die Konstruktion und Einrichtung der besten beriehnngsweise 
kaafkigen Waffi» nnd ihrer Pkitrone weichen von den entsprechen- 



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828 



Dm .UeiMte- Kalibtr. 



den Angaben des vor f&nf Jshren erschienenen eisten Bandes snm 
Teil leeht erheblich ab. Das ist durehans TeratindUoh nnd in der 
Ordnung; denn in unserer rasch arbeitenden and mit »Erfindnngenc 
weit Aber das Mab des wirklichen Bedürfnisses hinaus gesegneten 
Zeit schlielsen fftnf Jahre natOrlieh eine reiche FflUe neuer und 
neuester Yerinderungen und Fortschritte ein, welche im Walfen- 
wesen ebenso wenig, vielleicht noch weniger, als auf irgend dnem 
anderen Gebiet der praktischen Technik nnberileksichtigt bleiben 
dfirfen, wenn man sich stets auf der Höhe der Znt be> 
haupten will. 

Um so weniger erUarlich nnd begreiflieh erKheint dagegen 
die unbedingte, jeden Widerspruch von vornherein answhlieÄende 
Sicherheit, oder besser. gesagt Unfehlbarkeit, mit welcher der Herr 
YerfiEuser — in dem sweiten Bande mehr noch, als im ersten — 
alles ausnahmslos be- und Temrteilt, was nicht von ihm selbst 
Abgegangen ist oder doch seine ungeteilte Billigung und Aner- 
kennung gefunden hat. Ein grober Baum des Buches ist mit mehr 
oder minder zasammenhanglosen Ergfissen einer knusen Kritik und 
Polemik angefüllt, deren überflüsHige Schärfe wenig wohlthnend 
wirkt, wahrend ihre häufig höchst einseitige Fassung kaum geeignet 
sein durfte, audors Denkende zu den Anschauungen des Herrn 
Verfassers zu bekehren. Unter einseitiger Polemik verstehen wir 
im vorliegenden Fall die wörtliche Wiedergabe von (teilweise schon 
ziemlich alten) Zeitongs-Artikeln, in denen Herr Professor Hebl« 
andere Veröffentlichungen beldlmpft, ohne indes diese selbst oder 
die seinen Kundgebungen zu teil gewordenen Erwiderungen daneben 
SU stellen. Auf solche Weise wird die Klärung der Sache, um die 
es sich doch lediglich handeln kann, leider wenig gefordert. 

B* i der Vt ränderUchkeit aller irdischen Dinge und im Hinblick 
auf die vielen Wog» , welche »nach Rom führenc, empfiehlt es sich 
überlianpt schwerlich, den oder jenen Gegenstand als den Gipfel 
der Vollkouimenheit fflr alle Zukunft zu preisen; und welche über- 
zeugende Kraft soll man gar von Rt iiauptungen erwarten wie z. B. 
dafs durch die Erfindung des Kallivoda-Hebler-Pulvers »die Ent- 
wicklung der< (bekanntlich zur Zeit noch in den Kinderschuhen 
steckenden) »rauchlosen Pulver zu einem würdigen Ab8chlufs«(l) 
tgefuhrt« worden sei?. Das »Aikog ef«!« der pythagoräischen 
Schüler hat heutsutage an Zog^ und Beweiskraft beträchtlich ein* 
gebüfst. 

Zu den Dingen, über welche Herr Professor liebler seine An- 
sichten in den letsten fünf Jahren nicht geändert hat, zählt o» a. 



384 



der Bohrungsdurchmesser des Infanterie-Gewehre. Kr bezeichnet 
nach wie vor 7,5 mm als das zulässig »kleinste Kaliber« und 
stellt sich den Lesern schon im Titel seines Buches als »Erfinder 
des kleinsten Kalibers« vor. Dafs er sich »mit vollem Recht 
dies Attribut beilegt«, wird auf Seite 35 näher begründet. Diese 
Darlegung pro domo ist sicher nicht überflüssig; denn bisher waren 
viele der Ansicht, dals dem verstorbenen Major v. Plön nies der 
unvergängliche Ruhm gebülire, bereits vor dreifsig Jahren die 
aufserordentlichen Vorteile einer bedeutenden Herabsetzung der 
damals noch fast allgemein üblichen gewaltigen Lanfrlurchmesser 
zuerst auf ballistisch-wissenschaftlichem Wege nachgewiesen zu haben. 
Wenn Herr v. Plönuies sich auch später noch mit 10 mm Kaliber 
bei 2'6 g Geschofsgewicht (= 0,3 g Querschnittbelastung auf das 
qmm) und 500 m Mändungsgeschwiudigkeit begnügte, so ist doch 
mit Siclierheit anzunehmen, dafs er, wenn es ihm vergönnt gewesen 
wäre, die neueren Fortschritte der Waffentechnik noch mit zu er- 
leben, ebenfalls einem Seelendurclmiesser von 7,5 mm und darunter 
entschieden den Vorzug gegeben haben würde. 

Die Grihuk. welche Herr Professor Hebler gegen ein kleineres 
Kaliber als 7,5 mm geltend macht, beziehen sich lediglich auf die 
Schwierigkeiten beim Bohren, Ziehen, Schmirgeln und Reinigen des 
Laufs, welche nach seiner Ansicht schon bei 7 mm so grofs werden, 
dafs dieser Durchmesser, geschweige denn ein noch kleioerer, gar 
nicht mehr in Betracht kommen kann. 

Herr v. Plönnies würde vermutlich diesen rein elementar- 
technischen Verhältnissen nur den ihnen gebührenden, verhältnis- 
mälsig geringen Wert beigelegt haben, in der Überzeugung, dafs es 
unserer vervollkommneten Technik, welche schon weit gröfsere 
Widerstände erfolgreich überwunden hat, unschwer gelingen werde, 
auch diese Hemmnisse glücklich aus dem Wegt- zu räumen. Major 
V. Plönnies würde unzweifelhaft überhaupt einen höheren Gesichts- 
punkt gewählt und die Grenzen der Herabsetzung des Kalibers 
uusschliefslich in den, durch die gröf st möglich e ballisti- 
sche Leistung und Wirkung der Waffe gezogenen!^ ehr unken 
erblickt haben. Sobald der Gipfelpunkt dieser Leistung überschritten 
ist, mufs einer weiteren Verringerung des Üui ciimesscr^ naturgemäfs 
Einhalt gethan werden; früher aber nicht. Dafs jener Gipfelpunkt 
mit 7.:") mm noch nicht erreicht ist, srheini trotz Herrn Professor 
Hublers gegenteiligen Prophezeiungen keinem Zweifel unterworfen 
zu sein. 



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«UeUMte" Kaliber. 

Wie in dieser Zeitschrift (Band LXXMII S. 399 un.l 107) 
nach »Esercito italiano« Hclion vermutet wurde, hat Italien das Kaliber 
6.5 mm so ij;ut wie anL^encniimeii. Ebenfalls ist Üsterreich-Uugaru 
III die praktiriche rrüiuiig eines Gewehrs von ebenso kleinem Kaliber 
eingetreten. (Vergl. über beide Staaten und das Folgende w. u. die 
»ümschau auf militürtechnisrhem Gebiet«.) Russlaud hat sich 
alkrdiugB zu der Annahme des »Drei-Linien-Gewehrs M/91« 
entschlossen, nachdem vorher umfassende Versuche mit einem 5 ram 
Gewehr ausgeführt worden waren, die ebenfalls »erstaunlich günstige 
Resultate ergaben«.*) Das russische Gewehr lieget mit seinen der 
Benennung entsprechenden 7,62 mm noch innerhalb der andern 
neuerdings anderwärts angenommenen Kaliber, wennschon sehr nahe 
der unteren Grenze. 

Es ist klar, dafs das Vorgehen eiozelner Großmächte nicht ohne 
erheblichen EinfluCs auf die Entschliefsungeu der auderen Staaten 
hinsichtlich ihrer Infiuiterie-Bewaffnung bleiben kann. Die Minder- 
zahl, welche noch keine endgültige Entscheidung getroffen hat, 
wird sich Terrnntlich beeilen, dem Beispiel jener Mächte (be- 
siehnngsweiie Italiens) xu folgen. Die Mehialil, welche bereits 
Gewehre, deren Kaliber dnrohwcg swiaobin 7,5 nnd 8,0 mm liegt, 
ein^eflOhrt hat, (wie DeateciilaBd, öetanmdi, England, Fknnkreicb, 
Seliwans, Belgien, DSoemark n. a. w.^ wird demniebrt wahnekeiiilKli 
wieder tot der Frage einer abennaUgoi ümbewaffnang etohen, die 
teilweise vielldcbt nur durch Rflckaohten auf die fiiuuuifiUe Lage 
Terzögert werden dflrfte. Den mdaten Beruf, mit einer iolehen 
Umbewoffisung bimieii knnem Eenat sa maehen, wird webl vor 
allen anderen Staaten Frankreieh fftblen — nnd mit Baebi; 
denn sein Gewehr M/86 ist yma. den neuesten Modellen nnstreitig 
am weitesten überholt worden nnd stellt g^nwärtig in vielen Be- 
nehnngen nur noch eine Teraltete, fiberlebte WalEi dar. — 

Da Herr Professor Hebler von einem Ueinerai Kaliber als 
7,5 mm durchaus nichts wissen will, so ist es wenigpstens einiger- 
mafsen erkUrlich, dab er auch anf die grSfstmOgliche Dichte 
des Gesohosses, die sonst nach dem Urteil jedes BaHistike» so 
einer herrorrsgenden Bolle bemfen ist, so fibeians wenig Wert 
legt. Diese Eigenschaft ist freilich f&r jedes Kaliber yon grQbtean 
Vorteil; aber ihre entscheidende Überlegenheit tritt natOrlieh um so 
mehr in den Vordergrund, je kleiner der Gesohofsdurchmesser wird. 
Das höchste praktisch erreichbare Mab der Dichte (fiber 15) ist 

*) FolitisolM Korrcspond«DS Nr. 4494 Tom 1. Hai 1890. 



L.iijij^cj L.y Google 



Dm .khiMle« Kdiber. 



bekafintlich in dem von Herrn Major Mieg vorgeschlagenen Wolfram- 
Oeschofs verkörpert, welches aus einem dünnen Kupfer-, Nickel- 
oder Stahlmantel mit eingeprefstem Korn von Wolframnietall (Dichte 
gegen 18) besteht. Es ist einem gewohnlichen Mautelgeschofe (mit 
Hartbleikern), dessen Dichte höchstens 10,5 betragt, in dieser Hio- 
Ücht um nahezu fünfzig Prozent überlegen. 

Herr Professor Hebler hat diesem Geschofs zwei Abschnitte 
seines Buches (unter l,c und 24) gewidmet, in denen er es mit 
kraftvollem Nachdruck bekämpft, dem die beweisende Macht seiner 
Grunde leider nicht immer das Gleichgewicht hält. Beide Abschnitte 
bringen übrigens nichts Neues und hätten dashalb ftiglich auch 
fortbleiben können. Der erste, welcher die mehr deutliche, als höf- 
liche Überschrift »Humbug im Waffeufache « trägt, ist ein 
Abdruck aus der »Allgemeinen Schweizerisclien Militär/fitntig« 
Nr. 42 vom 18. Oktober IBUO; den anderen (»Noch ein letztes 
Wort über das Wo If ram- H es ch of s ) hatte Herr Hebler bereits 
in Nr. 11 des »Militär- Worhenbiatts« vom 4. Februar 18'.'1 vcr- 
ofifentlicht. l'nter »Huml)ug im Waffenfach* wird dem Wolfram- 
Gaschofs die unverdiente Ehn' erwiesen, j^emeinsam mit drei aller- 
dings recht fragwürdigen französischen Erfindungen (Fusil a tra- 
jectoire rectiligne, Beulet retrograde und Qiffikrd-Gewehr) abgeurteilt 
und umgebracht zu werden. 

Die vorhin schon gerügte »einseitige« Polemik, welche Herr 
Professor Hebler zu bevorzugen scheint, tritt im vorliegenden Fall 
besonders deutlich zu Tage. Auf den ersten beziehungsweise 
zweiten Hebler'schen Artikel waren in einigen deutschen mili- 
tärischen Zeitschriften mehrere Erwiderungen erschienen, welche die 
in jenen Veröffentlichungen niedergelegten Ansichten mit meist 
recht treffenden Gegengründen bekämpften,*) Herr Professor 
Hebler hat es jedoch nicht der Mühe wert gehalten, auch nur eine 
dieser Antworten seinen eigenen Auslassungen vollständig beizu- 
fügen; nur von dem Aufsatz in Nr. 3 des »Militär-Wochenblattes« 
siud einige kleine Bruchstücke wiedergegeben. Den Lesern des 
Hebler'schen Buches wird daher die ganze Frage nur in der, den 
Anschauungen des Herrn \'erfassers entsprecliPiiden Beleuchtung vor- 
geliihrt, die Bildung eines eigenen objektiven Urteils nho ungemein 
erschwert. Bei der groCsen Bedeutung der Sache erscheint es des- 



•) Vgl. „Militär -Zeitung- Nr. 52 vom 27. Dezember 1890; „Allgemeine 
Militftr-Zeitniig" Mr. 92 von 1890 oad ,^tir-Wo«baiUatt'« Hr. 3 und 20 ton 
1891. 



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Dm .Ueinate" KaUbec 



halb 'BDgezeigt, die hanptritelilielwteii sfardtigep Pankte hier noeh 
eiomal kon m befflhnm. 

Zu den weeentUcbeten YenOgen dee WbUiramgeiehoMe lihlt 
neben der lelir bdien Dichte nnok aeine anfiMrerdenUieli grobe 
Festigkeit und H&rte, wekhe jede Stanehnng im Lrafi» dovdi 
den Drnok der Polrergase foUittndig aoaeehliilst. Infolgedeaaen 
loll ce nun, nach Herrn Heblen Anaicht, nur in nonnalen, nicht 
aber in aolehen Linfen venrandber sein, deren Bofaning sich nach 
lingerem Oebiauch dnroh Pnisra, F^risehen nnd Schmiigdn nm ein 
gewiüeB Mals erweitert hat; in diesen wQide es schlottern nnd 
beim Veriassen der Hfindnng dnreh die swischen Geschob and 
iMifwandong eingedrungenen Polrergase som Sehwanken oder 
gar snm Oberschlagen gebracht werden. 

Abgesehen Ton allen anderen Grfinden, wdehe gegen dieee 
Yoranssetsong spredien, wird letitere schon dnieh die einfache 
nackte Thatsache Tollkommen hinföUig, dafe üntersohiede bis 
0,8 nun swischen Oeschofs- nnd Bohrungsdurchmessor 
die Trefff&higkeit, sowie die sonstigen ballistischen 
Leistungen der Wolframgeschosse nicht im mindesten 
beeinträchtigen, wie dies wiederholte Schiebfersodie mit sweifel* 
loser Bestimmtheit dargethan haben. Eine Abweicfanng von 
0,2 mm in den Xhurchmeeeern ist aber fttr den piaktisehen Bedarf 
einer Kriegswaflb TQIlig ansreicfaend* 

Heir Profeeeor Hebler stfttst sein Yerdammnngnirtetl bmer 
auf den »ongeheoer hohen Preise des Wdficammetalls; es m aeihn- 
mal teuer als Blei; ein Kilo koste 4 Mark, also ein Geschobkesn 
gegen 8 Pfennig, oder ebenso viel, wie sonst eine fertige Patrone. 

Dab sich der Preis eines Wolfiramgeeohosses hdher stellt, als 
für ein Hartblei-Mantelgeechob, ist unbestreitbar und nnseree 
Wissens anch noch niemals bestritten worden. ESs ist nnn einmal 
der natürliche Lauf der Dinge aof dieser Erde, anch im Waffisu» 
wesen, dsb technische Fortschritte in der Bogel mehr Geld kosten. 
Es wire wirklich sn viel TOilangt, wenn mit der Yerfa e ss o r ten Wa^ 
zugleich die gröbere Wohlleilheit immer Hand in Hand gehen 
sollte. So schlimm, wie Herr Professor Hebler sie darstellt« liegt 
jedoch die Sache für das Wolframgesefaob bei weitem nicht Der 
Kilopreis von 4 Mark, welchen er in Eechnung stellt, gilt nnr for 
den Handel mit kleineren Mengen WolfirammetsU. Über die be- 
trächtlich geringeren Kosten, welche sich bei der Massen- 
gewinnung und Yerarbeitung der Wolframeise nach rationellem 
Yer&hren unfehlbar ergeben werden, sind wir nicht befiigt, Henm 



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Dm .kkiiMtB* KaUber. 



Hebler aufzuklären, und er selbst kann sie unmöglich kennen. 
Aber eben deshalb hatte er besser gethan, an seine unzutrettende 
Annahme keine weitgehenden Folgerungen lu knüpfen, oder zu 
letzteren wenigstens die Angaben in der Wille 'sehen Schrift: 
»Wolframgeschosse«,*) S. 80, zu benatzen, obschon auch diese An- 
gaben den heutigen Verhältnissen nicht mehr entsprechen, d. h. 
gegenüber dem jetdgen Stand der Sache noch zu hoch be- 
ziffert sind. 

Am rätselhaftesten und unerklärlichsten wird jedem Ballistiker 
vermutlich der dritte beziehungsweise letzte Einwurf erscheinen, 
welchen Herr Professor Hebler gegen das Wolframgeschofs vor- 
bringt. »Auch in diesem Fall« (d. h. fi\r sehr kleine Kaliber 
unter 7,5 mm) »können wir also«, sagt er auf S. 164, »das 
Wolframgeschols ganz gut entbehren, weil seine etwas geringere 
Länge, bei gleichem Gewicht, keinen nennenswerten Vorteil 
mit sich bringt.« — In der That, diese Schlufsfolgerung ist er- 
staunlich. Wie vorhin schon erwähnt, hat (bis Wolframgeschofs 
ungefähr die anderthalbfache Dichte des gewöhnlichen Hartblei- 
Mantelgeschosses; es bedarf also, um bei gleichem Durchmesser 
dasselbe Gewicht zu erreichen, nur etwa zwei Drittel der 
Länge des letzteren, welches andererseits nur 67 Prozent der 
Querschnittsbelastung eines ihm kongruenten Wolfram- 
geschosses hat. Und das soll eine »etwas geringere Länge« seiu, 
die »keinen nennenswerten Vorteil mit sich bringt«? 

Bisher hat Niemand daran gezweifelt, dafe Geschos.se von .sehr 
grofser kaliberniäfsiger Länge nichts weiter sind als ein notwendiges 
Übel, das man nur nicht entbehren kann, um die uncrläfaliche 
Querschnittbelastung zu erhalten, und das sich um so unangenehmer 
fühlbar macht, je kleiner der Bohrungsdurchmesser wird. Herr 
Hebler (S. 163) will sich aber für alle Kaliber mit einer Geschofs- 
läuge von 30 mm (also bei Ilartblei-Mantelgeschüsscu mit einer 
Querschnittbelastnng von nur 0,26 bis 0,27 g auf das qmm) be- 
gnügen und meint, dals sich Geschossen von dieser Länge auch im 
kleinsten Kaliber (6 oder 5 mm) leicht — ohne übermälsig steilen 
Drall — die nötige Drehungsgeschwindigkeit geben lasse. Das 
aber ist eben ein Trngschluls! Das Mafs der Drehungs- 
geschwindigkeit beziehungsweise (bei gegebener fortschreitender 
Geschofsgeschwindigkeit) das Mals des Dralls, welches erforderlich 
ist, am der Gescholsachse eine genügende Stetigkeit zu erteilen, 



*) BerUn 1890. 



329 



Du «kleinste'* Kaliber. 



hMi mit der abtolnton lüage dm GefehoMee darcbans giur nichli 
SU aeha ffen , deito nehr aber mH tnDer Länge in JCalibem. For 
ein 8 mm Geeoboli von 80 mm oder knapp 4 Kalibern Länge reicbt 
eelbstTefattndlidi tater aonrt glddwn VearbiltDimen ein Tiel 
flaeberer Dnll ans, als fBr ein 30 mm = 6 Kaliber laagei 

5 mm Geadwb» Und darin liegt eben der. nngebeme Vorteil dm 
WolframgesoboneB geiade fär die kleinen und kleinstes 
Bohrungsdorcbmeaaer. Ebi 5 mm Wolframgeeehob mit 0,27 g Quer- 

' achnittbekatnng brancbt dümbar nor 20 statt SO mm 4 statt 

6 KsHber lang za sein, wShrend es, wenn man ibm 6 Kaliber 
Läuge geben kann nnd will, eine QnersebnittibelastQng von rund 
0,40 g erbält. Ein 4,4 KsHber (=: 28,6 mm) kuigss 6,5 mn 
WolftamgeseboJs wiegt 12^56 g, nnd sein Qnenehnitt ist mit 0,38g 
anf das qmm belastet; nm die gleichen Werte so enielen, bedarf 
•ein 6,5 mm Hartblei-Mantelg^scbols schon mne Länge von 48 mm 
= ö,6 Kaliber. 

Um die gewaltige Überlegsnheit sa Terkennen, welche sieh aas 
diesen YergleiobswerCen für die Wolframgesehosse ergiebt, mnls 
man in der That die Gnmdgesette der Ballistik verlengnen. 

Die Anfmerksamkeit, wek^ das Wolfiamgesebob bereits in 
weiten Kreisen erregt hat, geht am deutliohsten ans der Hitteilnng 
der »Berne d'artOlerie« (MSrsbeft von 1891, S. 584) henror, dafc 
»man anch in Frankreich die Frage dieser Geschosse sa 
studieren beginne«. Es wäre immechin mflglieh, daÜB dies 
»Stadium« mit der Konstroktion eines Mehrladers kleinsten Ka- 
libers snsammenhinge, der snm Ersata des Iiebelgewehra be- 
stimmt ist, — 

Jeden&lls hat der aersdimettemde PISril, welchen Herr Pro- 
fessor Hebler abanechieben glaubte, als er das Wolfiramgesehoib 
eine »grobe Verirrnng in technischer Besiehung« (!) 
nannte, sein Ziel Tollstaiidig Terfehlt und dürfte, wie gewöhnlich 
in solchen Fällen, — aof den Schfttsen Earflckprallen. 62. 



XXL Deutscher Schifbaul 



Von allen Mächten der Erde, die eine Industrie aufzuweisen 
haben, gilt England in Bezug auf Schiffbau und Schiffsniascbinenban 
als die Erste und steht auch, was Anzahl und Gröfse der diese 
Industrie vertretender Etablissement« anlangt, an der Spitze.*) Von 
der Leistung^nihigkeit anderer Staaten, a|iendl TOn den Plrodakten 
nnseres Vaterlandes hört der Nichtfachmann wenig oder nichts. Und 
doch müfste es für jeden Deutschen von Interesse sein zu erfahren, 
dafis die auf deutschen Werften gebauten Schiffe ebenbürtig neben 
denen der Engländer stehen; ja noch mehr, (i&k der letzthin für 
die Hamburg -Amerikanische Paket&hrt-Aktien- Gesellschaft erbaute 
Doppelschrauben - Schnelldampfer > Fürst Bismarck« eine 
schnellere EIrstlingsreise gemacht hat, als sämtliche bis dahin den 
Ocean durchkreuzenden Schiffe anderer Nationen. 

Der Doppelschrauben-Schnelldampfer »Fürst Bismarck« wurde 
im Jahre 1891 auf der Werft der »Stettiner Maschinenbau- 
Aktien-Gesellschaft Vulkan« für Rechnung der Hamburg- 
Amerikanischen Paketfahrt- Aktien-nespllscbaft gebaut. Die Haupt- 
abniessuugen seien, um einen Begriii" von der Gröfse desselben zu 
geben, angeführt. Länge (zwischen den Perpendikeln) 153,lüU ni 
— 502' 6" engl., Breite (auf den Spanten ^^emessen) 17,525 m = 57' 
G" engl., Tiefgang (von Unterkantu Kielplatte bis Konstruktions- 
wasserliuie) 7,315 m = 24' 0", Tiefe (von überkante Kielplatte bis 
Seite Oberdeck) 11,580 m = 38' 0", Deplacement (in Süfswas.ser 
bei 24') Tiefgang 11,4(X) Tonnen, Kohlen 270() Tonnen 3500 cbm. 

Das Schwesterscliiti' des »Fürst Bismarck« ist die »Nor- 
mannia«, welche in England bei der Fairüeld shipbuilding and 
Engineering Company (John Ekler) gebaut ist. 

Der Schnelldampfer *Fürst Bismarck« ist für die Vermitteluug 
desVerkelirs zwischen Hamburg-Southamptou-New- York gebaut und 
ist mit allem nur denkbaren Luxus der Neuzeit ansg^tattet. Die 
Pracht der Salons, Kauchzimmer, Damenzimmer, Musikzimmer u. s. w. 



*) Die Gerechtigkeit crfnrdert, nicht unerwähnt zu lassen, AaU auch die 
finuixösischen Ingenieure im Schiffbau nehr Hervurrageudes geleistet haben. 

Aain, d. lit 



DentMher SehiffUnl 



übertrifft die dar eisten Hötels in den gidbten St&dten. Das Schiff 
iai eingeriditei anf 480 Passagiere 1., 170 2. Ehve, 706 Zwisohen- 
deekpaangiere. Die Bentaang schwankt awiachen S70 bia 900 Mann. 
Die Fortbewegung des SdiiffeB geMbiebt diireb % Sofaraaben, die 
wiederum ihre DiebiiDg dnieh 2 diei&cbe EspanmiainaMhiBen 
erhalten, von denen jede eine Kraft von etwa 8000 indinerlen 
Pfeideetftrken zu leiaten yermag. 

Sciue tTste Reise trat der »Fürst Bismarckc am 9. Mai 1891 
an und kam am 16. Mai iu New- York an. Als vergleichende 
Strecke wird nun stets die Entferuuug Southampton-Sandy-Hook 
^eri'clniet. Diese Entfernung legte »Fürst Hisiuiirck« nun mit einer 
Durchschnittsgeschwindigkeit von l!>,51 Knoten pro Stunde zurück. 
Die pro Tag zurückgelegten Seemeilen stellen sich wie folgt: 42t>. 
473, 47r>, 494, 491, 498, 229. Die beste Leisum^ pro Tag und 
zwar während eines ganze« Tages ist also die Durchschnitts- 
geschwindigkeit von 20,4 Knoten, im ganzen brauchte daä Schiff 
ü Tage 14 Stunden 15 Minuten. 

Eine vergleichende Ubersicht der Erstlingsreise u berühmter 
Schnelldampfer ist: Fürst Bismarck, Reisedauer 158 Stunden, Co- 
lumbia 165, Normannia 166, City of Paris 166, Majestic 170, 
Augusta Victoria 170, Teutonic 174, Havel 174, Lahn 181, Citj 

of New-York 193, Spree 200 Stunden. 

Ein telegraphischer Bericht aus New-York über den günstigen 
Erfolg dieser ersten Reise nii serös Schiffes lautet: »Bismarcks voll- 
ständig unerwartete Ankunft am Freitag Abend hat hier die freudigste 
Überrnschunt; hervorgerufen, aus allen Teilen des Landes laufen 
niiirkwunschtelegramtiie ein, die Zeitungen brin;^^en fast ausn.ihras- 
los ausführliche Artikel über die Reise, Der Bismarck hat die bis- 
Ijerige schnellste Erstiingsreise noch um 7^^ stunden übertroffen.« 

Die Rückreise hat nicht nur das Resultat der Hinreise be- 
stätigt, sondern es sogar noch übertroffen, denn Bismarck kam 
nachdem er bloia 6 Tage 13 Stunden 15 Minuten unterwegs war, 
in Southampton an. Die Tagesgeschwindigkeiten der BOckreiae 
sind: 89, 449, 462, 472, 460, 455, 455, 472. 

Die. Du rchschnittagesch windigkeit ist alao hier auf der 
Strecke von 3114 Meilen 19,78 Knoten pro Stunde. Waa dieae 
Reisen dea SehneUdampfen »Ffirat Biamarck« fttr den Fachmann 
nooh beaondera wert macht, iat der so Enberat geringe Kohlen- 
▼erbrauch; wahrend die in England gebauten ähnlichen Schiffe, um 
eine aanShernd ao grobe Oeachwindigkeit au eraielen, 350 bia 



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Entgtgmnig. 



332 



400 Tons Kohlen verbrauchen, bat der »Fürst Bismarck« nur 
280 Tons verbrancht 

Zum Schlüsse sei noch die Bemerkung eines Londoner Blattes 
über den Erfolg deutscher Industrie gegeben: »Die überlegene 
Schnelligkeit der Reise des »Fürst Bismarck« von Southamptou 
nach New- York giebt Gelegenheit, auf die sehr rasche Vermehrung 
in Deutschland gebauter Handelsdampfer des schnellsten Typus auf- 
merksam zu machen. Bis vor ein paar Jahren kamen die Deutschen 
für alle ihre schnellsten Handelsdampfer zu uns. Jetzt — wenn 
die Steigerung der Fahrgeschwindigkeit so weiter geht, wie in den 
letzten beiden Jahren — scheint es fast, als wenn wir zu ihnen 
gehen niüsseu um unsere Schnelldampfer zu bekommen. Der erste 
wirklich schnelle in Deutschland gebaute Üceandampfer war die 
Auguste Victoria, die im Frühsommer des Jahres 1889 von llamhurg 
und Southampton nach New -York in Fahrt gesetzt wurde. Die 
nächsten beiden Schnelldampfer für die Linie, der sie gehört, wurden 
im Tereinigien Königreich gebaut. Aber der Norddeutsche Lloyd' 
liefe im vorigen Jahre seine beiden schnellsten Dampfer nicht, wie 
er gewohnt war, hier, sondern in Demisohland bauen und jetset folgt 
die Hamborg-Amerikanische Oesellschaft mit einem Schifib, weichet 
nicht nnr alle biaheiigen ersten Retsen, sondern alle bisherigen 
BeiBen iwisoben Southampton nnd New- York anf seiner eisten 
Fahrt schlägt Englische Schiffbauer haben nunmehr mit Feinden 
SU rechnen, die ihres besten Stahles wert sind.« Kr. 



XXTT, Entgegnung. 



Das Mai-Heft der »Jahrbücher fttr die Deutsche Armee und 
Biaiine«, welches mir erat kürzlich m Gesicht gekommen ist, bringt 
unter der Überschrift »Noch einmal Helgoland« eine Besprechung 
meiner kleinen Schrift »Helgoland nnd die dentKhe Flotte« durch 
Herrn Yioe-Admiial z. B. t. Henk, welche auf 5 Seiten so viele 
Unriehtigkeiten enthalt, dals ich nicht umhin kann, dieselben zu 
wideriegen, soweit sie sachlicher Art sind. 

JfekAMMT Mr 4to Bwlioti ämm «ad HhImi Sd. UtZX« S. 



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d33 



Sotgegnang. 



1. Admiral t. Henk sagt, dafs teh im Allgemeinen mit Henn 
ObenUieDtenaat Wagner ftbereinstimme; dies tat unrichtig, meine 
Schrift iit rielmehr nnr in dem Zwecke und in dem Sinne ge- 
achrieben, um den von anderer Seite nntentUtsten Wagner'tehen 
Vorschlag: Helgoland ao an befestigen, dab es sich aelbatatlndig 
verteidigen könne — als den Verhältnissen nicht entaprediend im 
Interesse der BCarine an widerlegen und ihn durch einen prinsipiell 
anderen, riel weniger kostspieligen zu eraetaen. 

2. Hinsichtlich der Bedentong von Helgoland habe ich, um 
jedem Müsveratftnduiase vorzubeugen, anadrScUich gesagt (8L 29 
meiner Schrift), dab ich »der Inael sowohl für Friedena-Verhftlt- 
nisae, wie für den Krieg einen hohen Wert« beilege und habe dies 
im Weiteren erlantert; daa hSlt Herrn Admiral v. Henk aber nicht 
ab, ea als erfreulich an beaeichnen, dala anch ich der Erwerbang 
von Helgoland »einen gewissen Wert« beilege^ wenn ich »vielleicht 
auch im Stillen die ganae (nael in den Ocean versenken möchte« 
u. dergU m. 

3. Femer beseichnet Admiral v. Renk es ala «frenlich, dafe ich 
meine, wir sollten die Verwertung von Helgoland nicht den Eng- 
ländern überlassen, »die es eigentttch viel besser verständen, als 
wir«. Weder eine solche^ mir g&nalich fremde, noch eine ähnliehe 
Äobemng findet aich in meiner Schrift. 

Des Weiteren sagt Admiral v. Henk: 

4. dala ich den von ihm gebrauchten (nachdem er hier seinen 
Namen genannt, darf ich annehmen, dafs der mit t. H. gezeichnete 
Aufsatz »Die militärische Bedeutung Helgolands« im letzten Oktober- 
Hift der Jahrbücher sein Werk ist) Ausdruck »Brfickenkopf« durch 
»Schlüsse]« ersetzen wolle; dies ist unrichtig, da ich letztere Beaeioh- 
nnng ebenfalls für nicht zutreffend erklärt habe (S. 27). 

5. dafs ich für meine Ansicht, die französischen Schiffe hätten 
i, J. 1870 den Ankerplatz östlich der DOne von Helgoland nicht 
benutzt, eine officiöse Angabe des »Moniteur« als Beweis anführe. 
Diese Stelli' habe irh aber nur znsiUzlich gegenüber einer von anderer 
Seite erwähnten französischen Angabc citiert; meine Beweise, die 
schon vorher (S. 23/24) angegeben sind, nämlich dab der damalige 
englische Gonverneur der Inael die Neutralität streng und ehrlich 
gebandhabt hat und dafs mir als diinmligem Chef des Stabes eine 
Nachricht darüber, dafs französische Panzerschiffe überhaupt im 
Osten der Insel gelegen hätten, nicht erinnerlich ist| behandelt 
Admiral v. Henk als nicht vorhanden. 



EBigtgirang. 



834 



6. (lafs ich einzelnen Seeoffizieren insinuire, sie redeten einer 
Herabminderung »der geforderten raodernen Flotte« das Wort; dies 
ist unrichtig, denn abgesehen davon, dafs es durchaus nicht meine 
Art ist, 7,11 insintiiren, habe ich auch hier meine Ansicht frei und 
deutlich au.si^o.s|irocheii, indem ich es (S. 45/4(]) als eine auflfallige 
Erscheinung bezeic hncte, »dafs drei ehemalige Seeof fiziere« (die vor- 
her beätimnit bezeichnet sind) »sieh aus freien Stücken in dieser 
Weise gegen eine mögliche spätere Zunahme der Flotte er- 
klären«. 

7. dafs ich mich für eine rücksichtslose Offensive auch 
gegen ein*' feindliche Übermacht ausspreche unter Bezugnahme auf 
den Vorgang vom Jahre 1870; dies ist unrichtig, denn ich habe die 
damals zu nehmenden Rücksichten auf S. '^7 — 40 in einer für die 
knappe Fassung meiuer Schrift ausführlichen Weise dargelegt. 
Wenn Admiral v. Henk hier mit aller Entschiedenheit ^egen die 
von mir vertretene Ansicht, dafs unter (Jmstiimlcn tlie Oli'eiisive auch 
gegeu eine feindliche Übermacht geboten sei, eintreten zu müssen 
erklärt, so spricht er damit nur öffentlich aus, was mir schon seit 
dem 12. August 1H7U lukannt ist. 

8. dafs ich behauptete, »eine Rekognoszierung hai)e ergeben, 
dafe die französischen Schiffe schlecht bemannt u.a. w. gewesen 
wären.« Hit-r führt Admiral v. Henk, obgleich in gesperrtem 
Druck, nioine Worte falsch an; ich verwahre mich dagegen, ein 
derartig wegwerfendes Urteil ansgespi oeliun /,u haben, da ich das 
französische Marine-Personal aus cigoner [Erfahrung und aus 
der Geschichte als ein sehr tüchtiges kenne. Die bezügliche Stelle 
meiner Schritt lautet: dafs die französischen Schiffe meist »mit 
neuen, noch nicht eingeübten Besatzungen« versehen waren. Dafs 
ich berechtigt war, mir dies Urteil bei der Rekognoszierung am 
13. August 1870 zu bilden — was Admiral Henk mit der für 
seine Schreibweise bezeichnenden Bemerkung, dafs er mich dann so 
meinem Scharfblick und guten Fernrohr beglückwünschen kSone, 
anzweifelt werde ich gelegentliflli an anderer Stelle nadiweiBen. 

9. Auf der 4. Seite unten echreibt Admiral r. Henk mir u. a. 
die Worte »rahmTOll untergehen« als von mir gesagt zu; dies ist 
nnrichtig, ich habe weder diese, noch Shnliche Worte gebrancbt. 

10. Anf der 5. Seite endlich gicbt Admiral Henk an, dafs, 
wenn in dem von Admiral Jaehmann beabeiohtigten Gefecht (im 
Jahre 1870) 4 feindliehe ScbiffD zerstört worden wiren, doch nn- 
gereehnet etwaigen Naehscbnb ans F^nkreieb noch 4 franzSaisebe 
Pa&flereebiflSe sor Blockade nnserer Kfiete, Zerstörung der Werft- 
SS* 



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335 



Unwelim auf mflittrteohiuMhein Qebiil 



Anlagen von Wilhelmshaven u. 8. w. übrig geblieben sein würden 
»gegen — Null« (auf unserer Seite). Dies ist abgesehen davon, dafs 
ich die beiden Annahmen bezüglich der französischen Streitkräfte 
als unzutreffend bezeichnet habe (S. 37/38 und 39), was Admiral 
V. Henk ganz unerwähnt liifst, unrichtig, denn zur Verteidigung der 
Jade blieben der Monitor »Arminius«, mehrere Kanonenboote, einige 
Torpedoboote und eine Minensperre verfügbar; ähnlich in der Elbe, 
wo u. a. das Panzerfahrzeug »Prinz Adalbert« stationiert war. 

Dies möge genügen; auf die lediglich gegen meine Person ge- 
richteten Äufserungen des Herrn Admiials einzugehen verzichte ich 
gegenüber einem derartigen Verfahren. 

Berlin, den 2. Juli lä91. 

Stenzel, 
Kapitftn tu See a. D. 



Umscliaii auf militärteclmiseliem MaeL 

Ähnlich wie das Gnieonwerk in der Woohe vom 23. bis 
27. September 1890, so hat gans knra darauf die Firma Fried« Krupp 
in Essen am 2. und 3. Oktober 1890 auf ihrem Sohiebphris bei 
Meppen in Gegenwart von Artillerie- und Ingenienr-OIBBieren ver^ 
schiedetier Staaten einen iütenmtioiialeil SehiefiiTennieb veian- 
staltet Der 88. Sehiefsbericht der Firma hat die Einielheiten 
der Vorführung zur weiteren Kenntnis gebracht 

Die vorgefahrten Oesohütase gehörten den drei Systemen; der 
Feld- and Gebirge- Artillerie, der Schiffs- nnd Küsten- Artillerie und 
der Festnngi- nnd Behgerongs-ArtUleiie an. Von jedem System 
gelangten Repräsentanten der forkommenden Geschütz-Arten, sum 
Teil in verBohiedenen Kalibern, zar Vorstellung. Doch war darauf 
Rücksicht genommen, in der Haoptsaohe die neuesten Konsüuktionen 
in ihren wichtigen Typen dem Programm zu Grande zu legen. Bei 
einem geringen Teil der Geschütze wurde ein nmfasRend* res Bild 
der Wirkung gegeben, bei den meisten beschränkte man sich darauf, 



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Dnwebaa auf milii&rtMhniaolwm Gebiet 



336 



da« Verhalten beim Schiefsen nar im allgemeinen zu zeij^en nnd 
eine Orientiernng über die Grundzüge der Konstruktion zu ermög- 
lichen. Der Versuch war aber ein vortreffliches Mittel, einen Ein- 
blick in die bisherigen Leistungen des Institut« zu gewähren, und 
mit Rücksicht darauf bringen wir den Inhalt des Berichts teils in 
fortlaufender Darstellung, teils in Form von Tabellen zur Kenntnis 
der Leser. 

Von Feldkanonen wurden zwei Kaliber vorgeführt; das eine 
ist das unter dem Namen Chile-Kanone bekannte 7,5 cm Feld- 
geschütz, dtt im Min 1890 auf dem ScbieCsplatz der GhileDisohen 
Artillerie bei Bataeo einem VergleicliB^Veraiioh mit der 80 mm Feld- 
kanone Ton de Bange unterwoirfen worde nnd daraua ala Sieger 
herrorging vergl« 76. Band S. 380 — 828; das andere ist ein 8 cm 
Feldgescbiits. Über beide giebt die beifolgende Tabelle Awkonft, 



1 

ja 



3 



cm 



Art 



Ltage| 

in 
Kali, 
ber 



Uiete 



Art 



kg mm 



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5 

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Granat« 1| Schrapoel [iRntfer- 
bei der Vorführung jl nung 
Treffer Qotroff Treffer Oo^i-off. des 
>ro ; ^^!f" pro ^ Ziels 



m 



I pro 

Scbnfs I SAbnb >j Schaft 



l\7fi 

2] 8 

8j 6 
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6|lö 



Ran. 



i" i 
Haub. j 
I0ner| 



28 
26 
21 

IM 
8.* 



Feld 450 5j 



310 

410 : , 1 530 
lOOjCiebirgl 157 
460 i: Feld 
460 



590y20, 
680i40l 



2 
3 
2 
2 
8 



0^7 

0.1i6 
0jB6 



442 

600 

290 
800 



80 
81 



9^ 
10 



162 
191 



18^ 
Hl 



8000 



welehe ancb die snmmariseben Treff-Ergebniese entbftlt Znr Er- 
gSnsnng ad beigefBgt, dab die 7,5 cm Kanone 28 Zllge mit 85 Kaliber 
Enddtall, die 8 em 38 Zflge mit demselben Snddrall bat. AU Ziel 
dienten drei mit je 80 m Abstand von einander anfgeetellte Scbeiben 
▼on 30 m L&nge nnd 8,7 m H5be in 80 m Abetand, die eiate 
Seheibe 8000 m vom Geschfiti entfernt, jede Scheibe war in 50 Rotten 
Ton 0^6 m Breite geteilt Jedes der beiden Gescb&tse Terfeuerte 
10 Granaten, das Idebte 8, das sdiwere 10 Scbrapnels. — Die 6 cm 
Gebirgskanone bat 84 Zfige von 85 Kaliher EnddnUl; die Ladnng 
kann ans grobkörnigem Gescbfits-PnlTer, oder ans rancbloeem Ge- 
adilltfr>PalTer 0/89 besteben. Es gesobahen 5 Sehnls snr Ptflfang 
der Treffftbigkeit anf 1000 m. — Es bleibt noch zu bemerken, dafs 
die 3 genannten Geechütze Meesing^Patronen haben, aber nar bei 
der Gebiiga-Kanone Gesebols und Kartusche verbanden sind. 

Die beiden Feld-Wnrfgesebtttse, 18 cm Hanbitse nnd 15 cm 
Mörser gaben nnr wenig Sdinb unter Tersehiedenen ErfaQhnngs- 



Digi.i^Lo i.y Google 



337 



Unuchaa aaf milit&rtechnischem Gebiet. 



winkeln und mit ihren drei verschiedenen Ladungen ab. Im übrigen 
kann auf die Umschau im 78. Bande verwiesen werden. 



Art 



1 


1 2 


'irwicbt 
von 


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1^' 


Lftdone 




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4900 






40 


r. 15/75 mm. 


18 


787 


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414 












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r. 15 mm 


45 


804, 


3978 


69.M 












L/36 


6:1840 








435 


br. pr C 88 


1»5 


610 


8689 


90.1 


64.4 


»7.» 


39.1 


W.I 


64,1 




L.33 


11175 






1 


|1« 


r. 5 0un 


8.« 


607 






18,4 


934 


18.1 


18.« 


t04 


18.« 


L/SO 


I8S30 






1 


. 40 


r. 7,5 mm 


S,7 


618 






M.« 


sc» 


I9.a 


9641 


15a 


M.» 



1 
I 
1 

4 



8.4 
104 

19 
15 

d 15 

T 14 
8 



SdiDvIll. Ku. 



9 
10 



804 
10,5 
15 



Kaaoo* 



DieSchiffs- und Küsten-Geschntze sind indervoranstehenden 
Tabelle gekennzeichnet. Neu ist die 8,4 cm Schnelllade-Kanone 
L/40, die übrigen 3 Kaliber dieser Geschütz- Gattung, 10,5 cm, 
12 cm und 15 cm L/35, entsprechen den im 79. Band betrachteten 
Typen. Die 8,4 cm Kanone ist zur Abwehr von Torpedobooten 
bestimmt und wird auf Schlachtschiffen und Kreuzerfregatten auf 
solchen Punkten des Oberdecks aufgestellt, welche möglichst um- 
fassende Bestreichungswinkel sichern, wie in Ausbauten, auf den 
Enden der Kommandobrücken oder auf besonderen für sie er- 
richteten Sturmdecks. Für Torpedo -Divisionsboote, Avisos oder 
kleine Kreuzer bilden sie die eigentliche Armierung. Das Kohr 
liegt in Mittelpivotlaffete mit Sitz und Fanzerschirm. Die 10,5 cm 
und 12 cm Schnelllade-Kanone L/d5 dienen vorzugsweise zur Armierung 
der Kreuzer, finden aber auch als Jagdgeschütze auf schnellen Avisus 
Verwendung. Die 15 cm Schnelllade-Kanone L/35 ist zur Haupt- 
Armierung der Kreuzer-Korvetten und zur Oberdecks- Armierung der 
Schlachtschiffe bestimmt. Die Vorführung sollte hauptsächlich die 
Feuergeschwindigkeit zeigen, auch fanden Ermittlungen von Geschofs- 
geschwindigkeiten und über Trefffiibigkeit statt Die Angaben über 
Durchschlagsfahigkeit beziehen sich auf die Stahlpanzergninaten. 

Die weiterhin aufgeführte 15 cm Kanone L/35 bildet die 
Haupt -Armierung der Kreuzer -Korvetten und die Oberdecks- 
Armierung der Schlachtschiffe. Wir sehen nach der Tabelle die 
Geschofsgeschwindigkeit mit Hilfe des rauchlosen Pulvers bereits 



, Google 



ümNhM »uf milit&rtechnisch«!!) tiebiet 



388 



bis 757 m gesteigert. Zum Vergleich dieue, dafs die Stahlpanzer- 
granate von 39 kg mit 19 kg des früheren Pulvers nur G50 m Ge- 
schwindigkeit erreichte; sie durchschlug damit nahe der Mflndnng 
35,8 cm, auf lOCX) m 27,7 cm, auf 2000 m 25,5 cm, also wenig 
mehr in SchmiedeeiBen als jetst gegeu Stahlplatten geleistet wird. 

Die 34 om Kanone 1^40 ist ein nraei Geschfits. Das Gewicht 
flee Rohres hat gegen das gleiche Kaliber 1^40 G/87 eine Znnabme 
nm 6700kgerftihxen; es gelang mttHfllfe des rauchlosen Gesehäta- 
Pnlyers G/89 die Geschofsgeschwindigkeit bis 804 m sa steigern 
(vergl. Tabelle). AnÜMr dem Messen der letzteren bezweckte die 
VorfSbrnng anob den Untersohied in den äusseren Erscheinungen 
bei Verwendung des bisherigen und des ranehlosen Pnl?er8 su seigen. 
Die Tabelle weist nach« wie das sohwerere Geschob mit der geringeren 
Gesehwindigkeit gegen das leichtere mit der gröiseren Geschwindigkeit 
in Besag anf lebendige Kraft im Vorteil ist (vergl. Nr. 8 nnd 9). 

Die 80,5 cm Kanone L/35 hat die innere Einriehtung der 
Rohre C/87, aber gröläeres Rohrgewicht, am grölsere Geeohwindig- 
keiten sn ermöglichen (0/87 lilst 175 kg Ladung zn, womit das 
455 kg schwere Geschofe nur 580 m Geschwindigkeit erlangt; Rohr^ 
gewicht 48 800 kg). Von besonderem Interesse ist die hydraalische 
Laffete, bestehend ans Ober-Laffete, Rahmen nnd Drehscheibe. In 
die Ober>Laffete ist das Rohr derart mit den Sohildsapfen gebgert, 
dals die Bewegang des Versehlnsses in vertikaler Riehtang erfolgt. 
Die mit den Rahmen Terbondenen Bremsoylinder dienen sowohl zom 
Bremsen als anch sur Vor- and ZnrQckbewegnng der Ober-Lafiete 
mit Rohr. Die HOhenrichtnng sowohl als die Seiteurichtang wird 
durch eine hydraalische Emriehtang gegeben. Die YoUe Umdrehnog 
des Geschatces ist in 50 Sekunden ansflihrfaar. Vom Gesohnts- 
ftthrerstand ans rermag ein einsiger Mann das Geschüts sn bedienen; 
das Laden erfolgt hydraulisch. Das Geschfits steht unter einer 
Panserknppel und erhält das Druckwasser dureh eine Rohrleitung 
Ton einer Dampfpumpe mit Sehiffskesselbetrieb. Die Vorfnhrnng 
besog sich auf Einriehtung und Handhabung der Lsflbte. 

Den Reigen der Küsten-Gesehfltze schlols die 28 cm Küsten- 
haubitse L/12 in Rahmenlaifete. Das "Nähere über dieses Geschfits 
siehe im 77. Bd. S. 347 n.8. w. Zwei geladene Stahl-Zundergranaten 
L/4,5 von 345 kg mit 20 kg Sprengladung erreichten bei 8,f) kg 
grobkörnigem Geschütz-PaWer von 6 bis 10 mm unter 60 Grad Er- 
höhung eine Schufsu eitt^ vou 2110 m beziehungsweise 2050 m. Die 
Lange des aasgewor£enen Trichters war 3,9 m bexiehungsweise 4,1 m, 



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339 



Umschau aaf militiUrtechaiscbem Gebiet. 



die Breiie 4 m benebungsweise 3,2 m, die Tiefo 3,7 m beaehangB- 
woM 4,8 m. 

Von Belagerangs- nnd FeBtangs-Geeehtttseii wurden vor- 
gefBhrt: 10,5 em Kanone L/d5, 15 em Kanone L/30, 12 cm Kanone 
L/2Ö auf EiMnbabnwagen in Veraobwindlaffete, 15 cm Festungs- 
M5raer L/6,4, 81 cm Hanbitae L/18, 24 cm Mdraer 1^6,4, 7,5 cm 
ScdmelUede-Kanone L/85. Die 10,5 nnd die 15 cm Kanone sind ift 
die Tabelle S. 837 anfgenommen (Nr. 11 und 18). Znm Yergleicb der 
Wirkong geben wir einige Daten über die Utere Feetnnga^ nnd 
Belagernnga-Kanone L/25. Die 39 kg idbwere Panaer-Gnmato batte 
eine Gescbwindigkeit von 470 m, nabe der Mflndnng dorcbechlag sie 
28,1 cm, anf 1000 m 17,1 em, anf 8000 m 13,9 cm Scbmiedeeisfln, 
die Wirkung war alao beim gleichen Kaliber geringer als rie jetrt 
gegen Stabl ist« nnd rogleicb aaf 0 nnd auf 1000 m geringer ab 
diejenige des 10,5 em Kafibere gegen Scbmtedeeiflen (Bohrgewicbt 
der 15 cm Ly85 3065 kg). Die Utere 15 cm Kanone L/30 mit 
einem Robrgewicbt Ton 4100 kg (750 kg mehr ale die jetrige) ver^ 
lieb der Panser-Gnuiate nm 39 kg eine Oesohwindigkeit Ton 570 m, 
DorebecblagerermOgen gegen Schmiedeeisen 89,6 cm an Hfindnng, 
82,8 cm anf 1000 m, 17,6 cm anf 8000 m, alao erheblich weniger 
als gegenwirtig. 

Die leichte 12 cm Kanone L/25 ist ein schon älteres Geeehfits; 
sie stand anf einem Eisenbahnwagen nnd hatte hier die Beetimmang, 
hinter dem Walle einer Festung mit Hlllfe der Ringbahn, angesehen 
▼om Feinde, Anfstellnng sn nehmen, an feuern nnd demnSchst, 
wenn jener sidi eingeechossen hat, su Terschwinden und an anderer 
Stelle von neuem aufzutreten. Es wurde die Funktionierung der 
Verschwindungs-Laftete, ihre Verbindung mit dem Eisenbahnwagen 
und die feste AnfsteUni^ des ganzpn Systems voigefQhrt und handdte 
es sieb darum an leigen, in welcher Weise die Plattform des Transport- 
und Gefechtwagens gehoben, geschwenkt und verankert und der 
Waggon selbst mit den Schienen verbunden wird. Zur Probe wurden 
einige Schüsse abgefeuert. Der 15 cm Mörser L/6,4, die 21 cm 
Haubitze L/12 nnd der 24 cm Mörser L/6,4 waren alle drei in 
Laffeten ohne Bücklauf, sie haben der Beihe nach die Rohrgewicbte 
TOn 360 kg, von 3030 kg und von 1700 kg. Der 15 cm Mörssr 
verfeuerte Granaten TOn 31,5 kg Gewicht auf 3400 m nnter 45 Grad 
Erhöhung. Die ausgeworfenen Sprengtrichter hatten Längen Ton 
2 bis 2.4 m, Breiten von 1,6 bis 2,1 m. Tiefen von 0,84 bis 0,92 m. 
Die 21 cm Hanbitze hat Granaten und Schrapnels von 91 kg, 
Minengranaten Ton 140 kg Gewicht. Beim 24 cm Mörser wiegen 



Untdiaa »itf nilüiTtedniMlMiii Geliiet. 



840 



die Granaten, Schrapnels und Kartätschen 136 kg, die stählernen 

Minengranaten 215 kf^. 

Die 7,5 cm Schnelllade-Kanone L/25 in Kaponieren-Laffete ist 
bereits im 78. Bd. S. 399 gekenuzeichuet. Die Vorfiihnmg ergab 
eine r'euer;^'eschwindigkf it von 35 Schilfa in der Minute. Es kommt 
jct/t rauchloses GesclüU/.-Pulver C >^i> von 3 mm zur Verwendung; 
0,6 kg desselben erteilen dem Geschofs von 6 kg 508 m Geschwindig- 
keit (gegen die trüheren von 424 ra und von 450 m. 

Der 84. Schiefsbericht der P'irma Fr. Krupp in Essen ent- 
hält die Fortsetzung der Versuche mit KruppSChen Schnell- 
lade-Kanonen (vergl. die Mitt. über ilen 82. Bericht im 79. Bd. 
S. 365 a. s. w.). Es handelt sich um die 12 cm SchneiUaüe-iCanonea 
L/40 Nr. 6 und 8 und die 15 cm L/35 Nr. 6. 

Die hauptsäüblichsteu Abmessungen und Gewichte ergiebt 
folgende Übersicht 

12cm Lj40 12cm L^40 ldcmL/3ö 





Nr. 6 


Nr. 8 


Nr. 6 




12 


12 


15 




4,8 


4,8 


5,22 


Gewicht des Rohrs mit VerschliiCi kg . 


2200 


2112 


3888 


> der Schiffslaffete kg ... . 


8155 


2530 


5000 


» des Sehildes inel. Befestigang kg 


2075+1155 1590 


1900 


> des LaffetenzubehÖrs kg • . . 


85 


60 


108 




1,225 


1,250 


1,199 




36 


24 


45 


Gewicht des Geschosses kg ... . 


18 20 


28,75 


34,5 45, 




3,8 3,6 


3,4 


6,17 6 



Anikiigsgesohwindigkeit m 781 734 657 730 656 

Gasdmdc Atm 2485 2390 2160 2470 2445 

Vom Schilde der 12 cm Kanone Nr. 6 kommen 2075 kg auf 
den eigentlichen 25 mm starken Schild und 1155 auf eine 75 mm 
starke Panzerplatte, welche zur Deckung der Scharte an der LafPete 
angebracht ist. 

Die Laffeten der Versuchs-Gescbütze sind durchw^ MittelpiTotp 
Schiffslaffeten. Bei der 12 cm Kanone L/40 Nr. 6 und der 15 em 
Kanone Lß$ Nr. 6 sind es Bahmenlalfeten, bei welchen nach been- 
digtem ROcklanf das Geschfitz selbstthätig ansrennt nnd damit 
wieder in die Sdinfestellung gelangt Die 12 cm Kanone L/40 
Nr. 8 hat eine Wiegenlafliete. Sie besteht ans einem cjlindrischen 
Mantel ans Brome, welcher das Rohr nmschlielst nnd an Stelle des 
letsteren mit Schildzapfen Tersehen ist, ans dem Rahmen mit den 



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341 



Unuchao auf miUtAriechoischsni Gebiet. 



Schiklzüplcuhigt-rii und der obcreu Kugelbahn, sowie aus dem Sockt»! 
mit der unteren Kugelbahn. Der Rücklauf erfolgt stet« iu der 
Richtung der Rohrachse uud wird durch einen unterhalb des Rohres 
und Mantels befindlichen Bremscyliuder reguliert. Der durch eine 
Feder veranlafste Vorlauf wird durch eine besondere Vorrichtung 
selbstthätig gebremst. Die an der Oberlaffete der 12 cm Kanone 
L/40 Nr. 6 angebrachte, unter 60 Grad geneigte Paaserplatte nimmt 
am BüeU*nf der LaffetA TeiL Die 15 cm Kanon« L/35 hat «ine 
EinhoWofrichtaDg, welche an« einer mit d«r Oberlaffiste fest Tcr^ 
bondenen Zahnrtang« und einem am Bahmen befeetigten and^ 
baren Triebwerk besteht Der Vorlanf nach dem Schaue und das 
Festhalten der Laifote am Bahmen wird durch eine Klemmbremee 
bewirkt. — Die richtende Nunmer wird bei allem drei Geechfltien 
dnrch ein Schntsblech gesichert. 

Die GeschoBse sind wie früher stShleme Panaer-Granaten, guDi- 
eiseme Zfinder-Gmnaten, Schrapnels und Eartitsehen. Nnr die beiden 
ersten Arten gelangten bei den Versnchen aar Verwendung. Ge* 
schösse und messingne Patronenhfllsen sind miteinander Terbnnden. 

Die Versuche besweckten: 1. Das Verhalten verschiedener 
Sorten des ranchlosen Gesch&ta-PulTen G/S9 Köhi-Bottweil in den 
genannten Schnelllade-Eauonen festsustellen, 2. die Feuerge- 
schwindigkeit und 3. die TrefifiUugkeit sn erproben. 

An PnlTersorten (Köln-BottweU) kamen cur Verwendung: a) in 
den 12 cm Kanonen WfirfelpnlTer Ton 4, ron 5 und von 6 mm, 
Pulver in Form halber Wfirfel von 8 mm Seite der quadratischen 
Basis und 4 mm Höhe (8/4 mm Pulver) und von 10 mm Seite der 
quadratischen Basis und 5 mm Höhe (10/5 mm Pulver), b) in der 
15 cm Kanone 5 mm, 6 mm und 10/5 mm Pulver. Neu ist gegen 
frfiher das 8/4 mm Ptalver. 

Die Tabelle S. 342 leigt Gescfavrindigkfiit, Gasdruck nnd 
lebendige Kiaft für die in Bede stehenden Gesohutse in ähnlicher 
Weise wie die Tabelle des 79. Bandes 8. 366 für die frflheren 
Konstruktionen des 12 und 15 cm Kalibers. Der Vergleich ist auf 
diese Weise sehr leicht gemacht. 

Die Beuntnmg des 8/4 mm Pulvers hat es möglich gemadit, 
die Geschwindigkeit unter Verwendung des leichten Geschomes 
(18 kg) vermöge der Steigerung der Ladung bis auf 788 m eu er- 
höhen. Die lebendige Kraft steigerte sich auf den höchsten Betrag 
von 569,7 mt. Das 10/5 mm Pulver ist jedenfalls das wenigst 
geeignete, denn die bedeutende Ladung von 4,25 kg ergab beim 
Geschols von 20 kg nur 710 m Gesohwindigkeit und 513,9 mt, dagsgen 



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ÜnuehAo tat ndlitikiechmaohem Gsbiet. 



3 i5 kg 5 mm Pulver beim selben ( n schofs 725 xu Gü&obwindigkeit 
uiifl 535,8 mt. Die Pulverwertnnjy war im letzten Falle am günstigsten 
mit 155,3 mL pro kg Ladnll^^s^'e wicht, am uugüiistigsteu beim 
10/5 mm Pulver mit nur 120,9 lut pro kg Ladungsgowicht. Beim 
15 cm Kaliber zeigte das scliwerere (lescbofs mit der germgerea (Je- 
schwindigkeii den gröfsteu Eitrag au lebendiger Kraft. 





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788 


2405 


569,7 


15.1, 


259 


149,;, 


2 






20 












710 


2210 


513.9 


13,«, ( 


233,; 


12lb 


a 


















705 


22 If) 


506,7 


13.14 


230, :i 


153^ 


4 


















726 


12626 


636.S 


14,2, 


243^ 


156j 


5 


IS 




18 


3.« 










756 


2270 


; 5-'4,H 


13^1 


238.S 


l45,7 


6 


















781 


2485 


559,« 


14,H4 


254,, 


147,3 


7 






' 20 








3,« 




734 


239U 


549,, 


14,57 


249.r. 


152,,; 


8, 












3,4 






6r>7 


2160 


522.5 


13,sß 


237 r> 


153,7 






8*^ 






6,17 






730 


2340 


. 1*37 


20 


245 


151,9 


10 








1 








6^1 


|666 


8190 


998 


2Ui 


860^ 


1513 



Die ErgebniBw der Feuergeschwindigkeit and naclutehende 

Xü dir Alnngi- HHtaToMUiik 
Ifline abg«f!nint «bcebnort 
12 cm Kanone L/40 Nr. 6 per Minute 8 Sckuls, 12 Schule, 
12 cm Kanone L/40 Nr. 8 > » _ » 13 > 

15 cm Kanone IVSS Nr« 6 » » — » 6 > 

HinachtUeh der Treff ffthigkeit iat Nichte besondeies zu 
bemerken» 

Der Bericht Nr. 11 des Gmaonwerk behandelt Versuche 
. mit einer PimerlAffete for eine 21 cm Haubitze L/12. Das 
grölste Kaliber war bisher die 15 cm Haubitee gewesen, vergl. 
76. Band & 330 nach Bericht Nr. 7« Die Panierlaffete ist so ein- 
gerichtet, dab die wahrend der Fenerpsusen auf dem Vorpanier 
aufliegende Panserdecke lum Nehmen der Seitenrichtung und sum 
Feuern etwas angehoben wird. Die StSrke der Panserdecke ist 
200 mm. Mit VcipamEer und ohne Bohr wiegt die Panaerlaffete 
etwa 86 000 kg. Der Bichtongswinkel in der Vertikal-Ebene geht 
von 4- 5* bis + 35*, in der Horütontal-Ebene betrigt er bis 360^ 
Die Granate L/5 wiegt 160 kg, L/2,8 91 kg, die grölste Geschflts- 
ladnng ist 7,25 kg piiBmatisohen Pulvers C/68; mittlere Aafange- 



oiy ii^uo uy Google 



343 



UnuohAii Mf mifillrtecbiusdiem Gebiet 



gesch windigkeit bei maximaler Ladung ist 230 beziehuii^'sweise 300 m. 
Der Zweck der Versuche war die Prüfung der Panzerlafifete auf 
Haltbarkeit, die Erprobung einer metallenen Schartendichtung und 
die Prüfung der Panzerlaffete auf die Treff fähigkeit der Haubitze, 
nie Panzerlaffete wurde sowohl bei auf liet^eiuler als bei angehobener 
Pauzefilecke mit 20 »Schufa unter Erliöbuugeii von 20 und 35 Grad 
auf Haltbarkeit geprüft. Zur Verwen lunj^; küiuen flachköpfige VoU- 
gescbosse von 160 kg und Granaten von iU kg Gewicht, Gescbützladung 
7,25 kg prisniatischea Pulver C/68, Gasdruck bei den schwereren 
Geschossen im Mittel 2438 Atmosphären. Während des Schiefsens 
waren die Bremsen der Höhen- und der Seitenrichtvorrichtung an- 
ge/ügeu. Nach Abgabe der Schüsse zeigten sich an der Panzer- 
laffSste keinerlei Veräuderungeu. Die EIrprobnng der metallenen 
ScIlBrtenclMlitiing war mit der Prüfung eines VentilatoTB verbunden. 
Der Versach seigte, dab bei PanierlaifetoD, bei weldien die Mündung 
des Rohres in der Sebarte liegt, die Anwendung einer Scharten- 
diebtung geboiten ist Alsdann branebt aber .der Yentflalor nur 
zeitweise, s. B. in den Fenerpansen in Thfttigkeit gesellt wa werden. 
Die Ergebnisse der Treff fabigkeits-yerBncbe waren sehr günstig, 
wie bisher stets bei den in Panserlaffeten montierten Geechfitien. 

Die Torpedo-Kanone Graydon*) (der Erfinder war frfiher 
augeblich Lieutenant snr See der Vereinigten Staaten) soll die Nach- 
teile vermeiden, welche den pneumatischen Dynamit-Kanonen eigen 
sind, einesteils in der geringen Handlichkeit der Apparate, andem- 
teils in der geringen Oesohwindigkeit der Geschosse bestehend. Die 
Giaydon-Kianone von 38 cm ist nur 24 Kaliber (9,14 m) lang, gegen 
90 Kaliber (18,30 m) bei der 20,8 cm Zalinski-Kanone, sohlendert 
272 kg Dynamit auf 4800 m, gegen 45 kg auf 3700 m bei der 
2Uinski-Kanoiie. Das GeschoJs ist ans Stahl, von starker Wandung 
und mit voller Spitie. Im Innern ist es von einer dicken Lage von 
Amiant ausgelegt, welcher gegen die durch die Reibung im Bohr 
entstehende Hitae sichert und ingleidi eine weiche Unterlage bildet 
Das Dynamit ist in kleineren Stficken und in Paraffin-Papier ge- 
wickelt, wodurch das etwa ausschwitiende Nitroglyierin am 
Sammeln verhindert wird. Ein Zftnder teilt der DynamtUadmig 
das Feuer mit Die ersten Vereuöhe finden mit Geschfitien ver- 
schiedener Kaliber statt Man erkannte folgende Vorteile: 
1. Die Elplosion veniSgert sich, bis das Geschob eine genfigende 
Eindringungstiefe erreicht hat. 2. Man kann das Geschofii mit 



*) Nash der tfitnw d'iitilltris'S J«iiih«ft. 



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UnMbM Mif militftrteehnifldieiD Gebiet 344 

Sicherheit aus allen Geschützen verfeuern. 3. Handhabung und 
Aufbewahrung sind ohne Gefahr. 4. Man kann auf diese Weise 
jede beliebige Granate mit Dynamit laden. 5. Das Geschofs kre- 
piert nur durch die Funktionierung seiues Zunders heim Stöfs 
gegen ein festes Ziel. G. Die ( ieschofsladuug explodiert nicht, 
wenn sie durch ein GeächoDa kleineren Kalibers getruüeu oder 
durchdrungen wird. 

Im Gefolge dieser Versuche betrachtete Graydon die innere 
Anordnung der Dynamit-Granate als erledigt und wollte nun den 
Luft-Torpedo verwirklichen, in Gestalt eines Geschosses von 
sehr grofeem Kaliber, welches eine beträchtliche Ladung aufnimmt 
and durch irgend eine Vorrichtung eine hinreichend grofse Ge- 
sohwindigkeit erlangt. Das neae Geschols wiegt 590 kg und ent- 
bilt eine Ladung von 372 kg Dynamit. Die Länge ist 5 Kaliber 
gleich 1,91 m. Da das pneumatische Geschnts keine Ziige bat, so 
mbsa dai OeMlmfii •nne Achsendrehang durch schraubenförmige 
AnaStse tat der Spitie, m empfängt aulierdem eine Steoemog durch 
einen anniahbaren Stab. Der Zünder richtet tiefa nach dem be- 
sonderen Zweeh; gegen Schiffe wird ein elektrischer Zünder be* 
natrt. Die Flugieit auf 4800 m beträgt 30 Sekunden. 

Das in Birmingham unter Graydons eigener Überwachung an- 
gefertigte Qesehüts wiegt nngef&br 11 000 kg; es hat ein Bohr ans 
geschmiedetem Stahl. Die Laffete tiSgt die am Bodenieil des 
Rohrs angebraehten Dtehsapfen, das Yordertefl des letateren wird 
dnreh eine hydraulische Yorriehtung unterstfitst, welche die nötigen 
ErhShnngswiiikel erteilt. Das Laden des Rohrs erfolgt von hinten 
in jedfflr Höhenlage desselben, das GeachoJs wird auf einem kleinen 
Wagen sngefKhrt und durch eine besondere Vorrichtung ins 
Rohr gebracht Die hohlen Diehiapfen führen die als Treibmittel 
dienende Luft an. 8S Loftbehllter, sn beiden Seiten der Laffete in 
je Bwei Reihen angebracht^ sind auf einen Druck Ton 630 Atmo- 
sphSien geprüft» Die Luft ist auf 351 AtmoephSien verdichtet, 
jeder Behilter nimmt 559 kg Luft auf, deren Volumen nach der 
Sntspftnnung 481 Kubikmeter betrilgt. Je nach dem Geschofs- 
gewicht und der erforderlichen Tragweite wird die Zahl der au ent- 
leerenden Behfilter gewShlt. Eine selbstthStige Schmier^ Vorrichtung 
führt den Seelenwinden das nütige öl m* Die Laffete ist auf 
einem Rahmen nm 300 Orad drehbar. Die Bedienung erfolgt durch 
einen einsigen Mann, welcher nach einander die Tcrschiedenen 
Hebel handhabt Man denkt eine Schu^eschwindigkeit von 1 Mi- 
nute SU erreichen. Eine Lnftverdichtnngs-Maschine ist dem (Je- 



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345 



Umschaa auf militlrteohnisohem Q«biet. 



flchfiti beigegeben. Anlaer dem Kaliber Ton 38,1 cm beabnchtigt 
Ghraydon noch 6 ▼cfachiedene Kaliber in AosfBhrnng zu bringen. 
Das kleinBte betiigt 7,6 cm mit 3,7 kg Gleeehols - Ladung fSr 
Landnngt- nnd Feldgeeehütae, dernnScbet folgen 12,7 und 82,8 mit 
27 berielinngsweise 54 kg f&r Schiffe und Belagerung»- besiehunga- 
weise Verteidigungs-Zwecke. Alle drei sind als BerolTer^KaiuHien 
eingefichtet Die Ksliber von 33 cm, 38,1 cm und 43^ cm sind 
foc Schiflfo und Verteidigungs-Zwecke bestimmt Die Ladungen be- 
tragen 181, 272 und 406 kg. Das giMste iu Aussicht genommene 
Kaliber ist &8,8 cm mit 544 kg Geschoftladuug; dasselbe ist f&r 
Kanonenboote und fttr Verteidigungs-Zwecke bestimmt. 

Der leaklNVe Torpedo Sims- Edison ist kfirdicb seitens 
der Mittelmeer-Oesellsehaft in H&we einem Versuch untenogen 
worden. Nach dem »Engineeringc Nr. 1822 braucht dieser Tor- 
pedo nicht erst im Augenblick des Angrifh ins Wasser gelassen su 
werden, er kann bewegungdos im Fahrwasser liegen, in welches eän 
feindliehes Schiff einsndringen besbsichtigt, oder Itngs eines Kriegs- 
schiffs schwimmen, waches die dem Zusammenstols Yorheigehenden 
firolntionen ausfahrt Die Konstrukteure sind W. Scott Sims 
und Thomas AWa Edison; sie haben den Gedanken gehabt, die 
Tragweite, die Geschwindigkeit und die Ladung erheblich über das 
Mals SU steigern, wie es die gewöhnlichen Torpedos haben, ihre Ab- 
sicht war anfserdeui Geschwindigkeit nnd Richtung in jedem Augen- 
blick Ton der Stelle her, von welcher der Torpedo ausgegangen ist 
ändern zu können und mittelst derselben Vorrichtung im ge- 
wOnschten Augenblick die Eiplosion henronrarufen. Eigentümlich 
if<t die Zusammensetznnr:; ans zwei verschiedensn Körpern: dem 
Schwimmer von 9 m Länge nnd dem ebensolangen eigentlichen 
Torpedo, welcher, mit jein^m fUirch Stege verbunden, 1,80 m unter 
dem Wa8ser8i)iegel liegt, beide aus Kupferblech hergestellt, der 
Schwimme durch Cellulose gegen Sinken gesichert. Der Schwimmer 
ist nur wenig eingetaucht nnd hat zwei Merkzeichen, mittelst 
welcher man den Lauf verfolgen kann. Der Torpedo ist am vorde> 
ren Ende mit einem Sporn versehen, mittelst dessen er leichte 
Hindemisse (wie Kabel, Netzo) zerstört oder tiröfsere durch Ein- 
tauchen umgeht* Der eigentliche Torpedo wiegt 1360 kg und sfir> 
fällt in 4 Abteilungen; in der vordersten ist die Ladung von 
227 kg Emmensit, die zweite ist leer, in der dritten ist das Kabel, 
welches den Torpedo in Verbindung mit dem Ausgangspunkt erhält 
und ihm auf elektrischem Wege die bewegende Kraft erteilt, in 



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Umtohaa auf mUitftrtecbni8Gb«iu Gebiet. 



346 



der hintersien Abteiinng liegt die Bewegung»- und lienkungs- 
Vorricbtang. Die Lange des Kabels ist 1830 das Gewicht 
872 kg. Die Bewegongsvoifichtaiig wiegt 346 kg. 

Bei dem Yenneh in Bim am 16. April 1891 darchlief der 
Torpedo, welcher 8078 m Kabel hatte, 1487 m in lOG Seknnden, 
was einer Geschwindigkeit Ton 686 m in der Minute, oder 
80,7 Knoten entapricht Der Torpedo überwand ein Hindernis, 
welehes ans einem Terankerten Flo6 bestand. Bei einem sweiteo 
Versneh am 8. Hai entfernte si<Ai der Torpedo anf 800 m vom 
Ufer, nach eilen Baehtungen mit 80 bis 88 Knoten Geschwindigkeit 
cTolntionierend, stieg dann die Seine wieder heranf, beschrieb einen 
grolsen Bogen nnd endete nach Ablaof des Kabels wsnige hundert 
Meter ?om Aasguugspnnkte. Der Gang des Schwimmers blieb stets 
beobschtnngsfiUiig. Naeh der »Revue d^artüleiiet (Juni 1891), «der 
wir einen Teil der Angaben entnommen haben, scheint der Torpedo 
Sims-fidison berufen, bei der Kflsten-Yerteidigong die grötrten 
Dienste sn leisten. Aber auch an Bord kann er gleich gut ver- 
wendet werden, da alle neueren Kriegssehüfe mit dektrisehen Ein- 
fiehtungen versehen sind. Die Torpedonetae von Bollivan sind un- 
snreichend, ein SchiflP dsgegen so sichern. Selbst wenn der Tor- 
pedo das Neta nicht passierte, so könnte er doeh im Moment des 
Zusammenstolses sur Explosion gebracht werden« Die Ladung von 
887 kg Emmenait wfirde nooh auf 15 m Abstand den doppel- 
wendigen K6rper eines PanaerBobifis zerstSren, auf 80 m wQrde er 
noch die Haschine emstlich beschidigen. Die Wirkung der Schate- 
netae wird sieh noch mehr abschwächen, wenn es gelingt, die 
Ladung auf 460 kg. au steigern. 

Das »Armee*Blattc enthilt von seiner Nr. 81 ab bis au Nr. 85 
eine fieihe von Artikehi über »die Pulver- und Dynamitfabrik in 
Preisburg«, welche wertvolle Anfbdilfisse Uber die dort angefertigten 
ExploaiYgtoIb geben. Die Fabrik gehSrt der Aktien-Gesellsdiaft 
Dynamit-Nobel. In der Erzeugung des österreichischen nenen 
Kriegs-Polveis H/1890 wird ihr späterhin die k. und k. Pulver- 
fabrik in Blnmau bei Felixdorf an die Suite treten. Vom Dyna- 
mit kommen je nach dem Aufsangestoff des Nitm^ly/.erin 3 Arten 
zur Anfertigui^: Dynamit I mit Holzmehl, II mit Koromehl (bei 
beiden Zusatz von Natron- oder Ammoniak-Salpeter, welcher die 
verschiedene Kraftäufserung dos Dynamit bedingt), Dynamit III 
hat Schiefspulver als Aufsauge8to£P, wodurch die sogenannton 
Pulverdynamite entstehen. Das in Österreich-Ungarn sowohl für 



347 



UuMchM auf qaiUtirtechiüscbem Qebiet. 



Zwecke der Sprengtechmk tu der Genie-AnfliAitaBg, als mr Spreng- 
laduug eimelner Arten tob ArtiUerie-GeMiioflBeii angenommene 
Ekrasit bat als OmndkSrper die Pikrinsftnre. Vom Ekiasit 
heÜBt es, da(s ee in seiner Kraftftolserung dem Dynamit oder der 
gemischten Sehiebwolle mindestens gleichkomme, keiner MOglichkmt 
einer Selhstseraetzuug unterliege nnd gegen meobanischen Slols, 
Sehlag oder Reibung vollkommen vnempfiudlicb sich erweise. Nach 
den dem Beiicbtentatter Torgeföhrten Versadien gelang es, «inen 
Bleicylinder von 60 mm H5be durch 50 g Ekrasit auf 35 mm H5he 
SU stanchea; ein mit dem Ende aufgelegter, in der Mitte freier 
Balken von 23/30 em im Geviert wurde durch 1 kg Ekrasit in der 
Mitte vollkommen durchgesehlagen. Ein 8 mm Gewehr-GescbolB 
durchdrang auf 50 m eine mit Ekrssit gefüllte Weifsblechbüebse, 
ohne das PrSparat snr Explosion tu hiingen. Eine Flamme bewirkt 
nur ein langsames Verbrenneo, keine Explosion; an letsterer bedarf 
es einer Sprengkapsel, des sogenannten Detonators. Zur Eizielnng 
einer gleichen Kndftäulsemng bedarf es etwa der Halfke der Menge 
an Ekiasit, als an Dynamit nötig wir«. — FOr das ranchlose 
Pulver*) bildet die nasse SchiebwoUe den Gmndkdrper; sie wird 
durch ein eigentllmliehes Verfahren ohne Anwendung der Wärme von 
ihrem Wassergehalt ganslich befreit. Darauf wird sie durch Znsatx 
von Ldsnngsmitteln (in der Regel Earig&ther) gelatiniert Die Gelatine- 
messe wird alsdann durch Anwendung von Maschinen in die ge- 
wünschte K5merform gebracht Besondere Apparate dienen dasu, 
um das verwendete Lösungsmittel wieder an gewinnen. Das Pulver 
wird snm Schlüsse graphitiert, gesiebt, nachgetrocknet und ge- 
mengt Das gewonnene Pulver, bei welchem das fiberflfiasige 
Lösungsmittel durch ein eigenartiges Verfahren ausgesaugt wird, ist 
vollkommen chemisch rein nnd ohne den Ätheigerueh, welcher die 
Bl&ttchen-Pniver in Folge ihrer unvollkommenen Entätherisierung 
kennzeichnet. Die Kürnerform, welche mit Iltilfe einer sehr sinn- 
reichen Maschine durch Zerschneiden der Gelatine-Masse in regel- 
mäCsige Körper entspringt, wird als ein besonderer Vorzog des 
österreichischen Fnlvers bezeichnet. — In Beeng auf das Ekrasit sei 
noch erwähnt, dais die Wiener Militär-Zeitung Nr. 37 über den 
Fall des Krepierens einer 21 cm Stahl-Ekrasitbombe mit Buden- 
zündung im Robre berichtet Das Rohr, ein stahlbroniener Mörser, 
wurde dabei unbrauchbar. 



*) YeigL aneh Bud 7^ & 8». 



UnuclMa auf inilitiLrtecluüflchem Gebiet. 



348 



Im 7<). Band war S. 204 u. s. w. die Bedeutung des Mannes- 
maniischen Röhreuwalzverfahrens für die Kriegs-Toclmik zum 
Gegenstand einer besonderen Betrachtung gemacht worden. Es 
ist seit jeuer Z« it nur wenig über die Entwicklung der wichtigeu 
Erfindung im gedachten Sinne bekannt geworden. Um so be- 
deutungsvoller ist eine Nachricht lu dem Aut't>atzc Ȇbersicht der 
Versuche auf dem Gebiete des Artillerie- und Waffen wesens« (auf 
Österreich-Ungarn in 1890 bezogen) der Mitteilungen übt-r 
Gegenstände des Artillerie- und Gen ie- Wesens (7. Heft 
1891), wonach bei Versuchen zur Schaffung von Geschossen für 
dio 10|B cm Kanone das Schrapncl der Firma Manncsmann 
(Stahihfilae ndt eingeachweifstem Bodeu und abschraubbarer Geschofs- 
spitze) in seinem Verhalten beim Schiefscu ganz besouderes Lob 
erlfthrt Dia betraffanden YerBacbe waren aur Zeit der Berichts- 
periode noch nicht aum Abschlols gelaugt; weitere Uitteiluugcu 
bleiben vorbehalten. 

Seit längerer Zeit ist die allgemeine Anfmerkaamkeit den Ent- 
schlfissen zugewandt gewesen, welche daa ruaaisehe Reich hin- 
aiohtlich der neoeren Fortschritte in der Pulver- und Gewehr- 
Teehnik fassen wurde. Die riesenhafte Ostmacht, von deren Leitern 
nach weit Terbreiteter Ansicht es abhängt, wie lange noch Eoropa 
sich der Seguungeu des Friedens an erfrenen faati konnte der Ent- 
wieklang der Kriegsmittel mit Rohe ansehen, es hatte nicht, wie 
andere Grolsmächte, den Einflössen der Politik anf die Bewaflbung 
nachzugeben, was unter Umständen unheilToUe Folgen haben kann. 
Bis snm 16./28. April d. J. hatte Rnssland au seinem grofskalibrigen 
Einlader festgehalten, während daa deutsche Reich in der Zwischen- 
aeit seiner Sicherheit die Opfer einer sweimäligen ümbewaffnnng 
sdner Lifanterie hatte bringen müssen. Unter dem vorher genannten 
Datum hat der rassische Kaiser, auf Grund von Vergleichs-Versuchen, 
welche von einer besonderen Kommisaion ausgeführt worden waren, 
und nach einem am 16./88. April vor ihm stattgehabten Versuchs- 
schiefken, dekretiert, daJs aar Bewaffiiung der Infanterie eine Waffe 
kleinen Kalibers mit Paeketladung zu adoptieren sei, sie fährt 
den Namen: >Drei-Linien-Gewehrtf/1891<, Kaliber danach 7,62 mm.*) 
Das von der Kommission aufgestellte^Patronen-Modell gelangte gleich- 



*) Der rass. Zoll, welcher dem engl, gleich ist, hat 25,4 mm, die Linie ist 
gleich 0^1 Zoll B 8,64 mm. So «ntsprieht dem Kaliber des BerdMi-Gewefan von 
Unten das metriidie Mab von 10,66 nun. 

hfciMifcw Ar «to PiilM>l AlBM wU HmIm. Bi. LUX. & 34 



349 UmKliM ftuf mUit&rtechiiischein Gebiet. 

falls zur Annahme. Das Dekret enthalt die Bemerkung, dals 
wahrend der Fabrikation noch Ändernngen an der Waflb aagebncht 
werden können. Nadi iwei Biditungeu hat das Dekret Ekii> 
tSnaohimgeii gebracht: erstlich die yob Dragomirow Tertretene, 
dem Mehrlader abholde Biebtnng, welehe den Zaren lange Zeit sa 
ihren Anhängern gedlhlt hatte und deren Anschanmigen Dragomirow 
noeh mietet in seinem »Armee-Feuilleton betreifend die Itagaain- 
Gewehre«*) beredten Ausdruck YerUehen, allerdings dabei aneh 
mancherlei Unkenntnis an den Tag gelegt hatte, — erlebte ein 
klägliches Fiasko; iweitens hatten sich diejenigen Fransosen 
grundlich geirrt, welche darauf gerechnet hatten, Russland wflrde 
das veraltete Lebel-Gewehr erwerben, was so und so oft in der 
deutschen Presse ak fait accompli weiter Ter breitet worden war. 
Vorangegangen waren der Annahme des Gewehrs die Yersnehe 
mit dem rauchlosen Pulver und die Einrichtung der Pulver- 
fabrik Ochta sur Anfertigung desselben. Auch hier hat der 
Irrtum vorgelegen, Russland habe das franiSsische Gewehr-Pulver 
qnand-mtoie angenommen. Es hat sich lediglich um die Benntsung 
des Pulvers von Vieille bei den entscheidenden Versuchen gehandelt. 
Frankreich ist bei der Gelegenheit von seiner strragen Geheim- 
haltung des Pulvers abgegangen, wie erklirlich, aus rein politischen 
Grflnden. Die aus Frankreich ^bezogenen Haschinen sind sur Auf* 
Stellung gelangt und hat am ^ ^^^^^ eine Pröfung derselben in 
Gegenwart des General-Major Kuiuinski, Gcnüral-Inspekt' urs der 
Pulverfabriken, stattgefunden. Innerhalb sechs Stunden hat man 
131 kg rauchloses Pulver von ganz untadelhafter Bescliatrenheit ge- 
fertigt. Bei einem späteren Besuch seitens des Grofsmeistcrs der 
Artillerie, GiofefUrstlliehaelNikolajewitscb, wurde in dessen Gegenwart 
sowohl Geschütz- als Gewehr- Pulver gefertigt. — Die Leistungs- 
fähigkeit der Fabrik soll sich naeh russischen Zeitungen auf 1310 kg 
per Tag und bei Nachtarbeit auf 1965 kg erstrecken. Gleichwohl 
kann aus der lubetriebeetsung der betreffenden Werkstätten noch 
nicht der Schlufs gezogen werden, als seien die Versudie schon völlig 
zu Ende geffihrt. Im Gegenteil es wird noch immer an einer Ver- 
besserung des bisherigen Fabrikats gearbeitet Eine zweite Pulver^ 
fikbrik soll in Kasan erbaut worden sein. 

Wie lange Zeit die Umbewaffnung des russisehen Heeres in 
Anspruch nehmen wird, darfiber lassen sich heute noch keine Ver^ 
mutungen aufstellen. Zweifellos ist wohl, dafs man die fmnaasiscbe 

*) Üb«netet von Preni..Li«ttt. Frk. v. Tettaa (Hsnnover 1880). 



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Umachaa wt nulttirtochniBeheni Gebiet. 



Privat-, vielleicht auch die Staats -Industrie zur Unterstützung 
heranziehen wird, duch bind die 8taut.s- l'iLbiiiven noch immer mit 
der eigenen Bewaüuuiij^ beschäftigt. In Russlaiid selber hat man 
sich schon seit längerer Zeit auf die Herstelhiug in den eigeneu 
Anstalten vorbereitet. So wurde das Personal in den Gewehr- und 
Munitionsfabriken verschiedene Male verstärkt. Pekuniäre Mittel 
sollen in erheblichem Grade verfügbar Bein. Die Zeitschrift des 
franzosischeii Generalstabs berechnet nahe an 100 Millionen Mark 
als in den Bodgets von 1890 und 1891 ausgeworfen* 

Während Rosdaad süsh mit seinem nenen Gewehr noch inner- 
bslb der bisherigen KalibeivGrenien gehalten hat, ist in Italien 
die Annahme des Kalibers von 6,5 mm Ar das neue Infanterie- 
Qewebr so got wie entschieden. Die Waffe unterliegt g^enwärtig 
der Prafong in grfileerem Malsstab, welche bis Anüsng 1892 dauern 
soll. Im Februar oder MSns 1892 will der Kriegsminister die 
IVibrikation im Grolsen beginnen lassen. 4 Blillionen Lure nur Her- 
stellung von 50000 Gewehren figurieren bereits im Budget 1891/1892. 
fiber die einleitenden Versuche bei der Schielsschule in Parma Ter^ 
lautete schon zu An&ng dieses Jahres. Wenn die Fabrikation 
1892 beginnt, denkt der Kriegsminister mit der Bewaffnung der 
Infanterie des permanenten Heeres im Jahre 1896 und mit derjenigen 
der Hobü-Milis swei Jahre später fertig an werden. Zuerst sollen 
die Alpentruppen das neue Gewehr erhalten, die wntere Bewaffnung 
soll nach Armee-Corps erfolgen. Die geg«ewirtige Waffe in ihrer 
Aptierung für das rauchlose Pulver bftlt der Kriegeminister fibrigens 
noch auf «Ine Beihe von Jahren für auereichend. — Audi in 
Österreich-Ungarn haben nach der Mil. Z. Nr. 85 in der sweiten 
BUfte des Mai aasgedehnte Sehieforersuche mit dem 6,5 mm 
Repetier-Gewehr auf dem Steinfeld bei Wiener-Neustadt statt- 
geftmden. 

Unsere bereits im 74. Band S. 372 (Anfang 1890) ansgesprochene 
Ansicht, dafe das französische Lebel-Ctewehr hinsicfattich seines 
Repetier-Mechamsmus als Tcraltet zu betrachten sei, findet neuer- 
dings in der dortigen Militir-Ptresse ihre BekrifiUgung. Ein in- 
teressanter Anfsats der »FVance militairet Nr. 2112: »Le fusil et 
la r^p^tition« (u« a. Umschau in der MilitSr-Iatteratur 80. Band 
S. 107) spricht sich dahin aus, dab »der Bepetier-Mechauismiis des 
Lebel-GewehiB seit langer Zeit yerurteilt ist, daüs dies die Erfahrung 
erwiesen hat und daJs jbb dringend notig erscheint, ihn durch etwas 
Besseres zu ersetzen.« Die Hast, mit der man s. Z. aus politischen 
Beweggrftnden die Annahme und Fabrikation des Gewehrs betrieben, 



L.ivjM^L,j L,y Google 



351 



Unucbaa auf miUtärtechnischdm Gebiet 



habe zum ^enügcn<len Studium des Repetier-Mechanisinus nicht 
kommen liif^sen und damit die (^luilitüt der W'ulfL' gcscliüdiijt. In 
dieser Beziehung stehe jetzt das französische Sy^^ttm allen 
anderen nach. Unter Hervorhebung der bokaunteu Nachteile des 
Schaft-Magazins siebt das Blatt die beste praktische Losung 
in der Überführung zu einer Einrichtung, wie sie das deutsche 
Gewehr 1888 besitzt. »Dietes System ist einfach, erlaubt die An- 
wendung des Schnellfeuers aaf alle Entfernungen, der Schwerpunkt 
der Waffe erleidet beim Schieben keine Veränderung und «benii»- 
wenig ändern moh dahei die Bedingungen det SdiiefiNHu.€ Dab 
man in Fhtnkreieh auch an leitender Stelle die VorsQge der 
Paketladung anerkennt, beweist die Einiiebtung des fllr die 
Kavallerie angenommenen und in Fabrikation begiiffeueu Ka- 
rabiners, dessen Patronen in Pakete sv drei Stttck vereinigt sind 
nnd demgemab in die entsprechend gestaltete Waffis eingefShrt 
werden. Wenn im Hinwds bieianf das Blatt eine Umindernng 
des Lehel-Gewehrs im gleichen Sinne TorschlSgt, so dfiifte die- 
selbe doch nicht so einfach sn bewirken sein nnd grobe Kosten nnd 
Zeit-Anfwand bedingen, abgesehen davon, dab durch den Vorgang 
Italiens die Kaliber-Frage wieder in den Vordergrund gerfickt ist 

Sdiott. 



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XXIT. Umscliau in der Militäi-Litteiatur. 



L AnflUndiflche Zeitaolffifteii. 

Orgai der miiitär-wissentchaftlichen Vereine (Osterreich). 5. Heft. 

Notizen zum deutsclien Exerzier-Reglement für die Infanterie. — Über die 
Thütigkeit der unteren Führung, vor, in und naeh d«iii Geftoht. (Vor- 
trag des Generalmajor Beck.) — Ober den modernen Infuiterie-ABgriff. 
(Zwei Vortrage des M^or fA, t. W.); ein sehr beaebtennrerter Beitrag 
rar LBsiiDg der IVage, wie neb denelb^ In Zakonft gestalten mUsse. — 
Leatben und Gnstozza. Eine Parallele. 

Mittellungen über GtfMttiade des Artillerie- und Genie-Wesens (Osttr- 
raich). 8. Heft: Bestimmung der ballistif^chen Element (; des Repetier- 
Karabiners M/lb'JO, dessen ballistische Eigennhaflun und Wirkuügsfähigkeit 
(A. Weigner, Hauptmann). — Übersicht der Versuche auf tochnologi.'^chem 
Gebiete. Nach amtlichen Quellen für das Jahr 1890 zusammengestellt von 
Ph. Hels, Oberstlieuten&nt u. s. w. 

Amceblatt (Osttmich). Nr. M: Custoasa. Erinnerimg an den 
25jBhrigen Qedenktag dieser Seblacht und Wflrdigang derselben vom rein 
militllriflolien Oesicbtspnnkte. — Die Kavallerie in künftigen Kriegen. — 
Goethe nnd Feldraarsehals Hefis im Jakre 1813 (Seblob). ^ Nr. 17: Die 
Jfeterreichische Landwehr. — Die Kavallerie in künftigen Kriegen. (Forts.) 

— Nr. 28: Die Kulturen bei den Übungen. — Die ÜberbUrdung in den 
MüitHr el nlen. Die Kavallerie in künftigen Kriegen (Schiurs). 

Militär- Zeitung (Osterreicii). Nr. 41: Eine taktische Studie Ul er die 
Schlacht von Custozza. — Nr. 42: Küniggrlitz. In diesem Aufsatz, ge- 
legentlich der 25. Wiederkehr des Sclilachttages, wird gesagt, dafs. Oäter- 
reich-Ungam seit dem Kriege 1666, und nicht zum Geringsten in Folge 
desselben, auf allen Gebieten die gewaltigsten Fortschritte gemaebt habe, 
feiner sei es nnantastbar, dafb die Truppen anf dem SeUacfatfolde von 
EBmggxttta ganz nnd vdl ihre Schuldigkeit getban hätten. — Nr. 48: Die 
Mobilmachung der msriacfaen Beservetrappen. — Nr. 44: Panzerfortifikation. 

— Nr. 45 : Das Feldgeschttta der Zukunft. (Besprechung dei* Schrift des 
Generalmajor Wille.) 

Die Reichswehr (Olterrelch). Nr. 237: Schweizerische Heeresreform. 

— Nr. 238: Schulz gegen Spionapje. - Die Taschenuhr als Orientierungs- 
mittel. — Admiral Tegethotf als Organisator der österroir-hisclion Marine. 

— Die Bedeutung der Position von Saint Maurice für die Schweiz. — 
Nr. 238: Unsere übungs-Escadre 1801. — Schutz gegen Spionage. — 



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353 



UmMhaii iB dw HiUtir-Littentar. 



Hr. 240: Der «istpircirliiM he Lloyd. — I>ie ilsloireirhischen Heglements 
der drei Watlt n in der /.weiten lliilfte dos vorigen Jahrhunderts. 

jQHraal des SCieocet niUtairu. ( Jani): Frankreich in Tunis (Schlnls). 

— Oebaigskrieg (SchluCs). — Lebel gegen Jfanlicher und Vetterli 
im nftehsien Kriege. In diesem Antatt werden lonBchst die 8 Sysione 
graan beeebrieben und deren Vor> nnd Nachteile in VetglMcfa gestellt 
(wird fortgesetzt). — Eine Deck ungs- Armee 1818$ bezieht Mch auf die 
Armee unter dem Vizekönig von Italien, Prinz EugeOi nnd ren Aufgabe 
behufs Schutz der Mobilmachung und Konzentneiung der Iranzösischen 
Stieitkriifte in Deutschland. Kin wertvoller Bcitrdg zur Geschichte des 
Kriegr.-> 1813. — Der Feldzug 1814 (Forts.). — Organisations - Entwarf 
einer Kulunial-Ai mee. 

La Spectatear inllitaire. (I.Juli): Spionage und Verrat. Be- 
bandelt den bekannten Hdlinit-ProaeliB. — (}eschieh(e der KayaUerie: 
Kflraasiere, Dragoner, JSger an Pforde. — Bewaffiinng nnd Taktik der 
Qrieoben vor Troja (Ferta.). % 

Rtvn it Cavalirlt. (Jnni): Die atrategiache nnd taktiache 
Aufgabe der Kavallerie. Diese sjnthetiacbe Stndie Uber da.s in Rede 
stehende Thema ist die Wiedergal^ eines Vortrages, dessen Verfasser leider 
nicht genannt wird. - Grouchy (Forts.). — Die deutsche Kavallerie (Forts.). 

— Ein Blatt ans der Geschichte der Küra-ssiere (31. Mai 1813). — Studie 
ül)er Abrichtung und Vorbeieitun;,' d'T I*ferde für don Krieg. — Zwei 
Handstreiche des Chevalier La Brete.sche: Einnalime von Lew. — Rekog- 
noszierung von Rheinfels (1678—1694). 

RtVit dl l'tomdaict alHtalrt. (Hai— Jnni): Der Anbenbandel 
Frankreichs (von H. Pigonnean). — Fett als Nabrnngsmittel bei der Kriegs- 
TmppenoVerpAegnng. — Untersnchnngen fiber das bei der Fn&bekleidniig 
des Heeres yerwendetc Leder. — Tragbare mechanische Backtröge und 
ihre Verwendung im Felde. — Die EmJlhrung der Truppen im Felde; 
Vei"gleich d- -i tVnii 'i-i-i hen und dentsehen Systems. — Weizenmehl (Fori.«.). 

Revue du cerclc milltaire. Nr. 25/26: Nach der Schlacht bei le Mans 
(Öchluf.s). — Die an.sieckenden Krankbeiten im Heere (Forts, und Scblufs). 

— Marsch-Formationen der Infanterie (S» hlufs). Vei-such mit einer neuen 
Fufsbekleidung. - Nr. 27: Nachtmiirsche und Nachtgefecbte bei der In- 
fiuterie. — Die Organisation der maäsehen Reicliswehr. Nr. M: An- 
aiditen eines Offiaers dar ttalieniachen Alpentruppen ttber deren Oigani- 
sation. — Noch ein Wort Aber den Angriff. Naditndbsche n. 8. w. (Ftorts.). 

L'Avillr aNitlln. Nr. 1BW: Zweijährige Dienstieit. A. meint, 
mit der dreijrihri<:,'en >oi man an der ftoHrarsten Grenze der Konzesnoneo 
angelangt, die ein Land machen könne, das sich - in diesen Namen ver- 
dienendes stehendes Heer halten wolle. — Nr. 1591: Eine schweizer 
Korrespondenz des A. maclit den Vei-*;uch, der deutschen liegieruntr die 
Verantwortlichkeit für die Kata.strophe von Mönchenstein zuzuschrieben; 
denn „wegen des Pafszwanges sei die „pauvre i)€tite ligne juiassienne* 
eine der befahrensten Strecken in Europa geworden. (Und wem gebührt 



^ ij . .-Lo Ly Google 



Unwcbaa in der Militir-Littoratar. 



3&4 



die Verantwortlicbkeit tVat den iiium»«ii wertlidieii Nachbarn gegenüber 
erforderiidien Plaliiswaiig?!) — Nr. 1591: Eine «Ceniral-Geschttts- 
Sehiefsgesellschafi" (Sod^t^ oentnl de tir an Canon) bat noh gebildet; 
dieeelbe appelliart an den guten Willen der Territorial-Artilleristen. Die 
erste Übung hat in Yincennes stattgefanden ; es handelt sieb hier um 
Übungen mit schwacher Ladung (tir rt^duit an canon). — Nr. 1593: 
A. raoldpt 2 Fälle gröbster Indisziplin'- Angriff eines Vortjesetzten mit der 
Waffe seitens eines Soldaten vom 142. Linien- l)e/iehun;^'s\veise 43. Terri- 
torial-Infanterie-Heguuent i die Schuldigen wurden kriegsgerichtlich zum 
Tode verurteilt 

U PrOfrit nllitalre. Nr. 1109: In der Kavallerie. P. meint 
sarkaatiBdi, die Kavallerie habe xwar nun den neuen Bepetier-Karalnner 
aber man habe vergeoaen, fttr die Trtcpfeise desselben und die der Fki- 
tranen Sorge sa tragen!! Dss nenne man «die Kavallerie bereit haben*. 
— Nr. ItIO: Das Spionage-Qesetz. Die 10 Artikel desselben werden 
hier veröffentlicht. P. meint, dafs selbst die fibensengtesien Gegner der 
Todesstrafe diesem Gesetz gegenlil>er ein bezeichnendes Schweigen 
beobachten! — Nr. 1111: Das schreck Hehn Jahr und Met/. Be- 
sprechungen dieses neutbtcn Werkes des Grafen d'Ht'risson; dasselbe giebt 
manche wertvollen Aufschlüsse über die Haltung der Truppen, nament- 
lich über die Schlacht vom 16. August, in der Bazaine, bei Attacke der 
Brannsdhweigischen Hasaren, nor der Gefangenschaft entging, weil man 
ihn nicht erkannte. — Nr. 1111: Nene Infanterie-Begimenter. P. 
berichtet Uber die von der BndgetrKommiBsion vorgeschlagene Beoigani* 
saüon der 1887 gebildeten 18 Regional-bi&nterie-Begimenter und der 
Büdnng eines neoen (163.) Subdlvisionlh-Regimentes. 

La fraice militairs. Nr. 2153: Die S{iiona<,'e. Besprechung des 
neuen Spionage-Geset/.-Entwinfc-. anlrifKlich dos; Falles Tiiqiin. Die Ar- 
tillerie des 2 0. Corps. Durch dieselbe würde (eine Veinif hrung um 
11 Batterien angenommen) die Zahl der französischen Feld-Batterien auf 
479 steigen. — Die Bewalluung der Kavallerie. — Nr. 2158: Die mili- 
tärische Presse. Das neue Spionage-Gesetz wird als ein Damokles* 
Sehwert ttber dem Haupte jedes Bedaktenrs bezeichnet F. m. tritt 
eneigiseh dafttr ein» dab der militttrisohen Ptease der ihr bislang gewahrte 
Spielranm nicht beschrSnkt werde. — Nr. 1189: Das Bchntaseli 
Die WiedereJnftohmng desselben wird wnrm befürwortet. — Nr. 2165: 
Die Befestigung von Paris. Geschichtlicher Rückblick anf diesellje 
und Kritik des Planes, dieselbe weiter hinauszuschieben. — Nr. 2186: 
Nornial-Gefechtsformation. AnknUfifend an die lievoi stehende Re- 
vision des deutschen Reglements, werden die Gründe für und pe^jen eine 
solche dargelegt und derselben für den Angriff auf der Khene das Wort 
geredet, im Interesse der iUr „den Erfolg so notwendigen einheitlichen 
Handlung**. 

NtVVft Ii Taraite btlgt. (April 1891.) SchneUfenergeschllts- und 
FeU-Artillerie-Stndien fiber leichte Infimterie» ihre Bedentong in der Ver^ 



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Umschaa in der Militär-Litteratur. 



gangenhmt and im Gefedit der Gegenwart (Yerf. cap. commandant 
W. de HeoMb). — Schieb-SpieU — Die Anwendung der Lnitschilbbrt 
auf die Ktiegslranst. — Das Infiuterie-Bzenier-Beglement und die Be- 
dingungen, denen es genflgen soll. — Die gegenwilrtige militärische Lage 
Hollands in Europa. (Rezieht sich auf einen Vortrag des Majors Petit, 
gehalten in Amheim: ^Unsere gegenwärtige militttriscbe Lage in £a- 
roi)a".) 

La Belgique mllitaire. Nr. 1056: T>m Typhus-Fieber in der fran- 
zösischen Armee. — Bekleidung der Truppen. — Hr. 1858: Bekleidung 
der Trui)peu (Forts.). — Der Patriottemus und da« Beer. 

Scbwalnrliclie MMatNcbrlft fir Mliitrt illtr Walti. (JnnL) Die 
neue Taktik auf den HanQ^erfeldem vom Herbst vorigen Jahres (Vortnig 
des Oberst Hongerbttblor). — Dos neue Ezeruer>B%lement ftlr die schweiie> 
rische Infanterie (Forts.). — Das Kriegswesen GKsars (Dr. F. FrOblidi). 
— Hie italienisclioi M|ient nippen. 

Schweizerische Zeitschrift für Artiilerie und Genie. (Jnni.) Schiefs- 
versuche der (lufsstalilfalirilv Fr. Knipi) (.'^i lihifs). — Die Discoidal- 
gesrhüShe dea KapiUiu l'hapel. — I)ati Öchijjeoiiiiun. — Auüzug aus der 
Patentlihte der vom 15. Noveiuber 1888 bis iiü. A[)ril 1890 erteilten 
scbweizenschen Patente, betreffend Handfeuerwaffen, Geschütze n. s. w. 

MIgMtIte Sdnraltirltelt WlltlntitiN|. Nr. !•: Die Niederlage der 

britischen Kolonialtmppen in Manipnr. — Eine Lehre ans dem E^enbahn- 
nnglttek bei MCncbenstein. — Die Errichtang von 4 Armee-Dorpe ans 

den 8 Armee-Divisionen ist nun endgültig entschieden. — Nr. 18: Znr 
Militärbaracken- Frage. — Uber die Zukunfts-Uniform unserer Armee. 

The Army and Navy Gazette. Nr. 1639: An der Alma. Fort- 
setzung der Schilderung der i»cr^önlichen Erlebnis.se und Beobachtungen 
des Berichlenstatters der Times, Mr. Rüssel, au.s der Z<'it des Krimkrieges. 
Der Jahrestag von Waterloo, die 76. Wicdc rkehr des Tages der 
Suhlacbt bei Waterloo giebt Veianlassung, den beiden einzigen jetzt noch 
lebenden englbdien IGikSmpfem jener Sehlaeht, don General Widiirohe 
nud dem Oberstlientenant Hewett eine ehrenvolle Anerkennung, unter 
Schilderung ihrer milit^irisehen Laufbahn aussuq»rechen. — Die be« 
rittene Infanterie der Volunteers. Bs wird empfohlen, aus den 
Volunteers mehr berittene Infanteristen auszubilden, und zwar aus der Zahl 
so